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Meier Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

Hesfische Abendzeitung

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Nummer 60. Einzelnummer 10Pf, Sonntags 15Ps.

Donnerstag, 12. März 1925.

Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Ps. 15. Jahrgang

Das große Völkerringen in Gens.

sich n°chi nur zum Krebsschaden Wirtschaft auswachsen, sondern

trcgenen Volkes an Kultur und

Im Auftrag Deul Wa^ds

Der Schweizer Gesandte bei Chamberlain.

So schwer es also ist, über die kommenden Dinge irgendwelche Voraussagung zu machen, so steht doch das eine fest: Das ewige Herumexperi­mentieren hat b;e Geduld langmütiger Wähler nun nachgerade erschövft. Und wenn nun nach endlosen Monaten, Wiederwahlen, Kabineitssiür- zen u. s. s. immer wieder das Gespenst der Aus­lösung des Landtages und der Neuwahlen an die Wand gemalt wird, dann mutz dieses Schindluderspiel mit den Nerven eines genarr­ten uno um seinen Glauben an die Führer be«

Spiel zu setzen, wenn es ihm abermals nicht gelingen sollte, mit einem Kabinett vor Landtag und Volk zu treten, das des Vertrauens der absoluten M e h rh e i t der Abgeordneten würdig ist. F. R.

Das Reich in Notwehr.

Ein neuer Ermächtigungsartikel.

Berlin, 11. März.

Reichsregierung hat in einem Gesetzen!- wurs einen teilweisen Ersatz für den Artikel 48 eingebrachi, der den Reichspräsidenten zu außer­ordentlichen Maßnahmen ermächtigt. Der neue Artikel hat folgenden Wortlaut:

Wenn die Beseitigung eines dringen­den Notstandes es erforderlich macht, kann, wenn der Reichstag nicht versammelt ist, die

Wo« Chamberlain Vorschlägen wird.

London, 11. März. (Privattelegramm.) Ein politischer Berichterstatter erklärt, daß Cbamber- lain, nachdem ein einfach«! SicherhettSpUtt zwi- chen England, Frankreich und Belgien aussichts­los erscheint, e8 übernehmen werde, auf der morgigen Sitzung deS VölkerbundSrateS Vor» fSläge für ein umfassenderes Abkommen zu machen. Er werde wahrscheinlich erklären, daß diese Pläne sorgfältiger Prüfung bedürfen, und er werde dem Rat darlegen, daß ein Alternativ­plan für das Genfer Protokoll oder SchiedSgerichtSabkommen auf einer ähnlichen Grundlage ruhen sollte.

Es dämmert in Worts.

Frankreichs Programm für den Völkerbund.

(Privat-Telegramm.)

Paris, 11. März.

Havas berichtet, daß Ministerpräsident Herrivt gestern abend mit den französischen Bölkerbunü- dclegierten die Haltung festlegte, die B r i a n d bei be- Erörterung des Protokolls über die Schiedsgerichtsbarkeit einnehmen soll. Tie französische Regierung wird sich bereit erklä­ren. an der Erörterung aller Abänderungs­vorschläge teilzunehmen, oie eingebracht wer­den. Nachdem man im vorigen September alle Anstrengungen unternommen habe, um das Geil­er Protokoll wirkungsvoll zu gestalten, fei nun­mehr Frankreich bereit, das Protokoll der Lage anzupassen, die sich in den letzten Monaten inbc- zug auf den Sicherheitspakt herausgebil- bet habe. Frankreich wolle jeboch grundsätzlich einen übernommenen Verpflichtungen treu blei­ben. In diesem Sinne werde B r i a n d am Don- nerstag auf die Erklä-ungeu deS englischen Staatssekretärs Chamberlain antworten.

Reichsregierung mit Zustimmung des Reichsrats und des Ausschusses zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung, Verord­nungen, die der Verfassung nicht zuwider- laufen, nut Gesetzeskraft erlassen."

Weiter wurde bestimmt, daß diese Verord­nungen sofort außer Kraft zu setzen sind, wenn der Reichstag dies mit einfacher Mehrheit be­schließt. Der Unterschied zwischen Verord­nungen auf Grund des Artikels 48 und des neu vorgeschlagenen Artikels 77a ist der, daß die Zustimmung des ReichsrateS und des ständigen Reichstagsausschusses nötig ist.

(Privat-Telegramm.)

Zürich, 11. März.

Der in Genf eingetroffene deutsche Ge­sandte aus Bern hatte gestern eine Unter­redung mit Chamberlain, der man große Bedeutung beimißt. Der deutsche Ge­sandte weilt während ter Tagung des Völker­bundes in Genf. In den einzelnen Delegationen bezeichnet man die jetzige Tagung des Völker- bundsrates als die voraussichtlich wichtigste seit der Konstituierung des Völkerbundes.

Don Marx zu Marx, i

Nach der gestrigen Wahl im Landtag.

Es geschehen auch in unseren Tagen immer noch Zeichen und Wunder: Preußen hat wieder einen Ministerpräsidenten, wenn auch noch keine Regierung. Man ist des grausamen Blindekuh­spiels in den Parteien nun endlich überdrüssig geworden und hat dem Bürger gegeben, was des Bürgers ist, der ja auch dem Staat nicht ver­weigert, was des Staates ist. Schon lange vor ( Beginn der Sitzung herrschte gestern im preußi- 1 scheu Landtag in den Wandelgängen und aus den Tribünen ein reges Leben. Die Unterhal­tung drehte sich natürlich fast ausschließlich um . die Wahl des Ministerpräsidenten, in Verbin- , düng mit der Wahl des Reichspräsidenten. Doch war von einer erwartungsvollen Spannung 1 kaum etwas zu bemerken, da man von vornherein annehmen zu können glaubte, daß die Wieder­wahl des Ministerpräsidenten Marx gesi­chert fei. Die Ministerbänke waren leer. Auch Marx selbst war nicht anwesend. Nach der Ge­schäftsordnung mußte die Wahl durch Namens­aufruf durch Stimmzettel bei geheimer Ab- ftimmung erfolgen. Die eintönige Wahlhand­lung selbst und die Feststellung des Ergebnisses nahmen fast eine Stunde in Anspruch, während­dessen ein lebhaftes Stimmengewirr durch das Haus schwirrte.

Lebhafte Zustimmungskundgebungen wurden bei den Parteien der Weimarer Koalition laut, als der Präsident die Wiederwahl des Minister- Präsidenten Marr mit 232 Stimmen ver. kündete, umsomehr, als Marx im Vergleich zu den letzten Abstimmungen einen Zuwachs von etwa einem Dutzend Stimmen erhalten hatte. Sofort setzte ein eifriges Rätselraten darüber ein, woher dieser Stimmenzuwachs stam­men konnte. Da man nicht gut annehmen konnte, daß die Deutsche Volkspartei nicht geschlossen für ihren eigenen Kandidaten Richter gesttmmt hatte, und auch die auf die Kandidaten der Na­tionalsozialisten, der Wirtschaftlichen Vereini­gung und der Kommunisten entfallenden Stim­men ganz genau der Stärke dieser Parteien im Hause entsprachen, so blieb nur die Annahme übrig, daß Deutschnationale für Marr gestimmt hätten. Kundige Thebaner gaben jedoch sehr bald der Meinung Ausdruck, das Ergebnis sei falsch, zumal übet den ent­scheidenden Abstimmungen des Landtages in der letzten Zeit mehrfach der gleiche Unstern ge­schwebt hatte. In der Tat sah sich dann auch der Präsident nach Verlauf von fast einer Stun­de genötigt, das Abstimmungsergebnis zu berichtigen, wobei sich herausfiellte, daß für Marx zehn Stimmen zu viel ge­zählt worden waren, die dem Kandidaten der Rechtsparteien Richter gehörten, sodaß Marx nur gerade die absolute Majorität von 222 Stimmen erhalten hat. Das berichtigte Ergeb­nis wurde auf der Linken mit Schweigen und ziemlich langen Gesichtern ausgenommen.

Für Marx, den Vielgenannten und Vielge­prüften, beginnt jetzt mit der Bildung des Kaoi- netts, das er in überparteilicher Form durch Hinzuziehung von geeigneten Beamten aus Rechts- und Linksparteien zusammensetzen will, der eigentliche Dornenweg, sodaß es auch heute noch zweifelhaft erscheint, ob es ihm gelin­gen wird, die Grundlage seines Kabinetts zu verbreitern. Unter diesen Umständen ist es auch wohl ausgeschlossen, daß die Regierungserklä­rung. wie beabsichtigt ist. schon am Donnerstag abgegeben werden kann, zumal die Kabinetts- bildüng aufs engste damit Zusammenhängen wird wie sich die Verhandlungen über die Reichs­präsidenten - Kandidaturen gestalten werden, für die ja Kandidat Marr von Seiten des Zentrums, wie die heutigen Frühmeldungen lauten, ausgestellt werden soll.

Houghton kämpft für uns.

Deutschlands große Zukunft.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 11. März.

Reuter berichtet aus Rewyork, daß der neu­ernannte amerikanische Botschafter in London (früher Berlin) Houghton, in Washing- t o n erklärte, daß Deutschland im wesentlichen entwaffnet fei. Deutschland werde niemals die große Militärmacht werden, die es vor dem Krie­ge gewesen sei; aber wirtschaftlich werde es wieder so groß werden wie jemals. Houghton sagte weiter, der Tod des Präsi- benten @bert fei ein furchtbarer Verlust für Deutschland; jedoch andere Männer würden ferne Stellung einnehmen, und die friedliche Entwick­lung deS Landes fortfetzen. Houghton verneinte nachdrücklich, daß Deutschland an die Wied er­be r st e l l ti n g der Monarchie denke oder einen Versuch machen werde, die militärische Vor- lierrschast wieder zu gewinnen. In zehn oder zwanzig Jahren werde vielleicht die Frage der Wiederherstellung der Monarchie auftauchen, aber jetzt beständen derartige Pläne nicht, liebet den KontroNbericht machte sich Houghton lustig und tagte, er fei überzeugt, daß die Republik kn Deittfchland von Dauer fein werde.

auch dem Ausland ein Zerrbild der frel'- scken und politischen Verfassung der deutschen Ration geben. Zelbß der im eigenen ganer so hochgeschätzte Mirssst-raräsident Marx ist draus und dran, seine politische Reputation auss

Moskauer Bestien.

6tlebnifft im russischen Tschckagefängnis.

Von

Oskar von Mossin.

Ein trüberer Oanptmau« der «fftWen I««e- nannten weiften Armee, der in einem fiuftern lkellergewölbe Petersburgs mit unzähligen LeidenSsenosien keiner T-desftnnd« e«tg«e»- bangtc, hat nns kolgenben Bericht über kerne haarftränbenben Erlebnisse im Schlachthaus de« Tscheka ,nr Verfügung gestellt:

Alle von der Tscheka Verhafteten sollten nie wieder sreigelassen werden, sondern, zu einem langsamen, aber schrecklichen Tode verurteilt, ihr Leben verlieren. Die Tschetä unterstand der Set« tung von besonderen Kommissaren, die nach dem Grase der Roheit, die sie an den Tag legten, zu olchen ernannt wurden. Meist waren cS rühere Zuchthäusler und Tagediebe, zusammen mit Halbweltdamen, die in hohem Maße morphinistisch veranlagt waren. Ganze Berge von leeren Morphiumflacons habe ich gelegentlich dort gesehen. Jede Rächt wurden ein oder mehrere Todeskandidaten ins Jenseits befördert. Von Zeit zu Zeit wurde im Anschluß an em Fest, das gewöhnlich tu den über uns be* sindlichen Räumen stattsand, als Höhepunkt in Gegenwart der T-amen ver Kommissare

G?n vielbsgehtter Mann.

Marx als Präsident und . .. Kandidat.

(Eigener JnsormationSdieost.)

Berlin, 11. März.

Die grundsätzliche Entscheidung über die preußische Regierungssrage wird wahrscheinlich erst m einigen Wochen fallen können. Augenblicklich liegen die Dinge so, daß der geftent wiedergewählte preußische Ministerpräsident M a r x mit einem überparteilichen Beamrenkabi» nett vor den Landtag treten will. Die Verhand­lungen zwischen Bolksparei und Mart haben noch nicht alle Hossnungen aus eine Regie­rungsverbreiterung zerstört Gleichzei­tig meldet das Organ der Sozialdemokraten, daß Marx alS Präsidentschaftskandidat des Zentrums für den ersten Wahlgang aufgestellt worden ist. Dieses Ergebnis werde am Mittwoch seine end- gültige Bestätigung durch den Par tri««», s 0 u ft .d e S Zentrums finden Marx habe sich bereit erklärt, die Kanvidatur » nzu- nehmen. (Siehe auch 2. Seite.)

Berliner Blitzlichter.

Wer wird Reichspräsident?

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 11. März.

Im Reichstag sieht man zur Zeit führende Parlamentarier eifrig in flüchtigem Gespräch verhandeln, sodaß von Stunde zu Stunde neue Kandidaturen für den Reichsprästdentenstuhl austauchcn. Im Vordergrund stehen gegenwär­tig die beiden am meisten erörterten Kaudidatu- ren Dr. Jarres und Marx. Auch werden noch immer Verhandlungen gepflogen, um eine gemeinsame Kandidatur der ReEtsparteien, des Zentrums und der Demokraten zu prüfen. Aus rechtsgerichteten Zentrumslreisen verlautet, daß man bemüht fein werde, den Demokraten eine Kandidatur anzubicten, die gegeignet fei, ihre Bedenken zu zerstreuen. Und zwar handelt cs sich um die Person des demokratischen Reichs- wehrministers Dr. Geßler, zll dem sich aller­dings die demokratische ReichstagSfraktion in einen offenen Gegensatz gestellt hat. Gegen Geß­ler würden wahrscheinlich auch die Rechtspar­teien nichts einzitwenden haben, da er daS unbe- digte Vertrauen aller staatsbürgerlichen Par­teien erworben hat. Demgegenüber erklärte allerdings der demokratische Abgeordnete Erke- lenz unserem Mitarbeiter gegenüber, auf eine Kandidatur des vorgeschlagenen Dr. Simons nicht verzichten zu könne«.

Der Tote vor Gericht.

Ebrtt und der Munftionsarbeiterstreik.

(Privat-Telegramm.)

Magdeburg, 11. März.

In der Berufttngsbegtündung des gestern wieder mtfgenommenen Rothardtprozes- s e S hieß es, daß das erste Urteil, vor allem de.t entscheidenden Punkt, die Absicht Eberts, ignoriert. In der Berufungsbegründung des verstorbenen Nebenklägers wird ausge« fuhrt, daß das Vorderurteil nicht genügend be­rücksichtigt hohe, daß Ebert bei -einem Eintritt in die Streilleilung und bei allen weiteren Schritten in dieser Sache immer den Vorsay batte, den Streik mftglichst schnell durch Verhandlungen zu beenden. In der dann verlesenen Erwiderung der Vetteidigung wird betont, daß das Verhalten Eberts unmöglich ander," beurteilt werden könne, als das gleiche Verhalten Scheidemanns und Brauns. Das Bewußtsein und der Wille, den Streik zu dem bezeichneten Zweck auf breiteste Grundlage zu stellen, habe sich durchaus ge­deckt. In einer Versammlung von Gewerk­schaft s s ü h r e r n soll sich der damalige Abge­ordnete Eben für diesen Streik ausge­sprochen haben. Durch andere Beweisan­träge soll die Glaubwürdigkeit des Zeugen Scheidemann erschüttert werden Es sind zusammen noch acktttttdd, eißtg Zeugen vorgeladen. Die Vetteidigung selbst har weitere sechzehn Zeugen dirett geladen. Rach den Dispo­sitionen des Gerichtshofes sind drei Wochen für die Beweisaufnahme vorgesehen.

eine Maffenhinrichtung veranstaltet.

Uober zehn Personen sind einmal gelegentlich eines solchen Gelages umS Leden geb>mmen! .Boinja--Schlachthaus nannten diese Sadisten das ganze Gebäude! Zum aufräumett der Leichen wurden die noch lebenden Gesange- r.en verwandt. Bereits am 2. Juli fruy morgens wurde ich auch dazu bestimmt. Trotzdem man be­reits abgestumpft und auf den Tod vollkommen gefaßt war, da man ganz genau wußte, man mässe Über kurz oder lang doch nach furchtbaren Foltern sterben, überkant einen jedesmal ein merkwürdiges Gefühl, wenn man das schwere Schloß vor der Tür krachen und sich entriegeln hörte. Hierbei gab es zwei Möglichkeiten, die einem jeden von un3 widerfahren konnten. 5ni- Loder wurde man geholt, um nach längeren Foltern getötet zu werden, oder aber man sollte nach einer Hinrichtung die sterblichen Reste eines anderen aufräumen. Hieß esalle Sachen mit» nehmen', so wurde man hingerichtet, zum Auf­räumen dagegen brauchte man feine Sachen nickt. Beim Verlassen der Zelle bat ich mir et­was zum Trinken aus, da ich in der schlechten Luft dauernd an Durst litt. Es wurde mir meine Bitte glatt abgelehnt:Du Schweinehund kannst auch ohne Wasser auskommen: wenn bu willst, kannst du auch mal das Blut deiner Hin­gerichteten Genossen trinken.' Ich wurde hieraus auf den Hof geführt und konnte nun ein grau­siges Schauspiel rnitauseheii. In der früheren Autogarage befand sich ein großer Amboß, über dem ein schwerer Eisenklotz von einigen Zentnern Gewicht an einer Kette hing. Die Kette war über zwet an der Decke befestigte Roben ge- führt und hing, mit dem anderen Ende an der Wand befestigt, bis ans den Erdboden herab. Sowie die Kette an der Wand entsichert wurde, stürzte der

Eifenblock auf den Amboß nieder, auf den der Hinzurichtende seinen Kops niederzu-egen hatte. Dpm Schädel blieb kaum etwas übrig. Alle Knochen wurden geradezu zermalmt, das Gehirn spritzte auseinander. An den Wänden blieben kleine Knochensplitter vermengt mit Blut und Gehirnfetzen Heben. Nach der Hinrichtung bekam ich ein Heines Brettchen (etwa 8 Zenti­meter breit und 40 Zentimeter lang), mit dem ich die Wände und den Boden abschaben sollte. Beim Anftäumen wurde ich dauernd höhnisch ansgemuiiten': Es werde mir demnächst auch so ergehen usw. Gegen 1 Uhr nachmittags wurde uns das Essen gereicht und zwar durch ein Fenster. Für alle Insassen gab es ein großen Kübel Suppe, die aus sehr viel Wasser und au5 einigen Kohlblättern, Linsen oder Bohnen be­stand. Damit die Suppe etwas ftäftiger werde, wurden einige Heringsköpfe darin gekochr. Abends gab es wieder dieselbe Suppe, die jedoch noch etwas mehr verslüssigt war. Alke zwei Tage erhielten wir ein Acktel russisches Psunp- Brot = 50 Gramm; gewöhnlich war es nicht durchgebacken und voller Spreu. Es ist kein Wunder, wenn bei dieser mangelhaften Nahrung und den bestehenden unhygienischen Verhäft- nissen die meisten an Ruhr.Cholerine und sonstigen schweren Magenkrankheiten litten. Aerztliche Hilfe war natürlich nicht vorhanden. Einer, der nachher an Cholera zugrunde ging, lag ous dem Boden ohne Unterlage, aus einer ganz zerrissenen Decke und wurde, selbst auf unser mehrfaches dringendes Ersuchen hin, nicht in ein Kiankenhc:S überführt. Seine

Leiche blieb noch zwei Tage in unserem Kellerraum liegen.

Ter Geruch, der au- dem ganzen Hause von de«