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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

15. Jahrgang

Sonnabend, 7. März 1925

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.

Chamberlain trifft heute in Paris ein

er

mit ungebührlicher Hast gehandelt habe.

Das Brot der Grde.

Wcltgetreideernten der nächsten zehn Jahre. Von Dr. Paul Rohrbach.

Es gibt Schlagworte über Länder, die jedem ' * se Länder kennt.

genüber steht der Kongreß. In den Senat werden Vertreter der Einzelstaaten. die aus sechs Jahre gewählt werden, entsandt. Das Abge­ordnetenhaus wird durch allgemeine und geheime Wahl für zwei Jahre gewählt. Be­kanntlich herrscht seit Jahren in Amerika das ,Zwei-Par1eiensystem, das vor kurzem zum ersten Male durch eine dritte neuaufkommende Partei durchbrochen wurde.

Schon seit dem Jahre 1828 setzte sich der Brauch durch, den Präsidentschaftskandidaten durch Versammlungen zu nominieren, die außerhalb des Kongresses stattsanden. Dies ge­schah seit dem Jahre 1840 durch sogenannte Par­teikonventionen,- die aus Delegierten des ganzen Landes bestehen, die die Ansprüche ihrer ver­schiedenen Parteibcwcrber erörtern und den

Dl« nach der Neuwahl vertagt.

Berlin, 6. März. (Privattelegramm.) Wie in der gestrigen Vollsitzung des Reichstages mit- geteilt wurde, wird sich der Reichstag in der nächsten Woche vertagen, um erst nach der Wahl des neuen Reichspräsidenten wieder zu- lammenzutretcn. So kann weder der Etat für 1924 noch der Etat für 1925 bis zum 1. April verabschiedet werden. Das Notgesetz wird be­reits am nächsten Montag beraten.

Grund dafür vorhanden, weshalb der unter­brochene Handel mit Mitteleuropa nicht wieder hergestellt werden könnte. Baldwin erklärte sich von ganzem Herzen als Anhänger des Friedens und der europäischen Abrüstung und trat für den gleichen Geist der Versönlichkeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ein.

die einfachen Maschinen, die er hier und da be­saß, nicht erneuern, denn es fehlt ihm an Geld und Kredit. Auch an Staatshilse ist nicht zu denken, denn die Sowjetregierung ist dazu nicht imstande. Auf schlecht und oberflächlich bear­beitetem Boden vernichtet eine Dürre, die bei normaler Pflügung hätte überstanden werden können, die Saat rettungslos. Diese Faktoren muß man in Rechnung stellen, wenn man sich ein Bild von den russischen Ernten der nächsten fünf oder zehn Jahre machen will.

Argentinien, das dritte große Weizen­land,. erzeugt für gewöhnlich nicht mehr Weizen als Italien; nur daß es bei dem massenhaften Fleischgenuß und der geringen Zahl seiner Be­völkerung etwa zehn Millionen doch ver­hältnismäßig viel exportieren kann. Die Größe der Anbaufläche wechselt jährlich; je nach dem Verhältnis von Getreide- und Fleischprei- scn macht man Weideland zu Weizenland ober umgekehrt. Brauchbar für Getreidekultur ist etwa ein Fünftel des Landes, d. s. so­viel wie Deutschland, aber gerade diejenigen Teile der argentinischen Pampa, die am besten Weizen tragen, sind auch die günstigsten für in­tensive, hochlohnende Viehzucht. Es ist nötig, nicht nur zu wissen, wo die Länder liegen und wer darin wohnt, sondern auch, was sie für Weltwirtschaft, Weltpolitik und Weltkultur lei­sten, und was von ihnen zu erwarten ist.

Nummer 56. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf.

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Guropas Friedensschlüsse!.

Chamberlain über daS deutsche Angebot.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 6. März.

Chamberlain fuhr in seiner gestrigen Unter­hausrede fort: Das Ziel der britischen Regie­rung sei, zum frühestmöglichen Zeitpunkt von der deutschen Regierung die Erfüllung des­sen zu erhalten, was gerechterweise verlangt werden könnte, damit die R ä u m u n g der B e- etzungsgebiete bald in Kraft treten könne. Was die Frage, ob die deutsche Regierung eine Gelegenheit habe, ihre Beobachtungen und An­merkungen den Alliierten vorzumerken, so werde er untersuchen, welches Verfahren am leichte- ten zur Wiedergutmachung der bestehen­den Verträge führen und damit auch die Räu­mung des Kölner Gebiets rasch herbeiführen könnte. Die Sicherheilsfrage könne nur durch die Bedingungen des Vertrages gerecht- ertigt werden. Chamberlain erklärte, es läge nur allzu viel Wahrheit in Greys Bemerkung, daß kein wahrer Friede erreicht werden könne, bevor die Sicherheitsfrage erledigt lei. Erste Kenntnis von deutschen Vorschlägen sei eine Mitteilung gewesen, die ihn in vertraulichster und geheimster Form vor einigen Monaten erreicht habe. Er habe so- ort erklärt, daß er Mitteilungen in der Art nicht annehmen könnte, wenn er zu den Allierten Englands nicht davon sprechen dürfe. Doch sei ihm vom deutschen Botschafter versichert worden, daß eine gleichzeitige Mitteilung nach Paris, Rom und Brüssel ergehen würde. Die deutschen Vorschläge würden nunmehr von den Alliierten genau geprüft werden. Ein Abgeord­neter erklärte, daß man die Sicherheitsfrage nicht lösen könnte, wenn man das russische Problem außer Acht lasse.

Die feindlichen Brüder.

Je ein gemeinsamer Präsidentenkandidat. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 6. März.

Zur Frage der Neuwahl des Reichsprä­sidenten äußert das Volksparteiblatt die Ver­mutung, datz sowohl die Sozialdemokraten als auch die Demokraten selbständige Kandidaten aufstellen werden. Als demokratischen Anwärter nennt das Blatt den Hamburger Bürgermeister Dr. Petersen und den badischen Staatspräsi­denten Dr. H e l p a ch. Auf Zentrumsseite sei die Aufstellung von Marx so gut wie sicher. Was die Parteien rechts vom Zentrum anlangt, so werde es hier aller Wahrscheinlichkeit nach zu einer gemeinschaftlichen Kandidatur kommen Unter den bereits vorgemerkten Kandidaten be­finde sich Reichskanzler Dr. Luther nicht. Wie das Blatt weiter mitteilt scheinen die Sozialde­mokraten rind die Demokraten ein besonderes Gesetz über die Stellvertretung des Reichsprä­sidenten für notwendig zu hallen. In diesen« Falle würde man den Rcichsgerichtspräsidentcn Dr. Simon als geeignete Persönlichkeit für die Annahme der Stellvertretung betrachten. Die republikanischen Parteien wollen sich morgen über die Nominierung eines gemeinsamen Kan­didaten schlüssig werden. Die Kosten der Reichs- präsidcntenwahl werden unter Zugrundelegung der Unkosten der letzten Rechstagswahl auf zehn bis zwölf Millionen Mark veranschlagt.

auf die Nerven fallen, der dies, Nordamerika z. B. hieß einmal das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, und wenn von Rußland die Rede ist, dann fällt automatisch irgendwo das Wort "unermeßliche natürliche Reichtümer!" Natürlich besitzt Amerika große Naturschätze, großen Kapitalsreichtum und ein Volk voll schaffender Energie. Die Grenzen aber zeigen sich deutlich (für die Zukunft noch mehr als für die Gegenwart) und aus einem Gebiet, dem der Landwirtschaft, sind sie schon erreicht. In Rußland war es von jeher eine erfolgreich geübte offizielle Praris, die Reichtümer des Landes in Europa zu predigen, als Reklame für den russischen Kredit. Tatsäch­lich ist Rußland im Vergleich zu seiner Größe mit Schätzen keineswegs reich ausgestattet. Selbst das Petroleum im Kaukasus macht nur noch einen bescheidenen Bruchteil der Welt­produktion aus. Der einzige wirklich große Reichtum des früheren russischen Staats war die »Schwarze Erde" in dem breiten Strich ur­sprünglichen Steppenlandes nördlich vom Schwarzen Meer. Abgesehen davon aber, daß dies ukrainisches Land ist, nichtrussisches" und daß zwischen Rußland und der Ukraine das

Heraus mit der Sprache!

Chamberlains Geheimpolitik vorm Unterhaus.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 6. März.

Im Unterhaus protestierte gestern der Ab­geordnete Fisher gegen die Verzögerung der Räumung Kölns. Die Liberalen for­derten die unverzügliche Veröfsentlichunx des Kontrollberichtes. Deutschland sollte erlaub: werden, sich zu der Frage zu äußern. Sicher- Hefts- und Ruhrproblem hätten nicht mitein­ander zu tun. Wenn sieben Millionen Rhein­länder von ihrem Vaterlande getrennt würden, so würde dadurch ein neues Elsaß-Loth- ringen und neue Kriegsgefahren geschaffen werden. Die Liberalen bekämpfen einen G a - rantievertrag zwischen Frankreich, Eng­land und Belgien. Ein anderer Vorschlag sehe den Anschluß Deutschlands an diesen Garantie­vertrag vor. Wenn Deutschland einen solchen Vorschlag wirklich gemacht habe, sollte die eng­lische Regierung bei *rn Alliierten für dessen Annahme eintreten. Chamberlain erwi­derte darauf, datz die englische Regierung eine möglichst rasche Räumung Kölns befür­worte. Dafür müsse aber Deutschland die E n 1- waffnungsbestimmnngen zuerst erfül­len. Als ein sozialistischer Abgeordneter wegen eines scharfen Protestes gegen die Geheim- h a l t u r g des deutschen Garantievorschlages sich um einen Ordnungsruf nicht kümmerte, wurde über ihn mit 245 gegen 119 Stimmen die Zensur verhängt. Die Sozialisten

verließen darauf unter Führung Mar- donalds gefchloffen den Saal.

Chamberlain fuhr dann fort, er sei entschlossen dem Parlament alle Einzelheiten der deutschen Vorschläge mitzuteilen, die nicht ge­heim gehalten werden müssen. Er werde am Samstag mit Herriot eine Unterredung haben. Nach Genf gehe er nur, um sich zu informieren.

Watz Baldwin verspricht und prophezeit.

London, 6. März. (Eigener Drahtbericht., In einer Rede in Birmingham führte Premier­minister Baldwin ans, es seien Anzeichen für den allgemeinen Wunsch nach Stabilität und Gesundung in Europa vorhanden. Wenn Deutschland die Partie wagen wollte, so sei fein

politische Verhältnis auf die Dauer fraglich er­scheint, kann gerade die Getreideproduktion des Schwarzerde-Gürtels aus bestimmten Gründen für die nächste Zukunft nur gering eingeschätzt werden.

Nordamerika erlebte feinen großen Aufstieg als Getreideland durch die Kultivierung der Prärie. Als. man damit aber bis zum verhängnisvollen 101 Längengrad gelangt war, zeigte sich, daß weiter westlich das Klima zu trocken wurde. In der ganzen Staatenreihe von Kansas bis Nord-Dakota ist westlich vom 101. Grad der Ackerbau ein Lotteriespiel. Auch im sogenannten Mittelwesten, der land­wirtschaftlichen Hauptregion, gibt es für den Getteidebau von heute durchaus keine unbe­grenzten Mglichkeiten, denn er ist Raub­bau, meist ohne Düngung, und mit ganz sum­marischer Bodenbestellung. Maschinen werden nur verwendet, weil es an Arbeitskräften fehlt, und wenn die schon stark beginnende Erschöp­fung des Bodens weiter sortschreitet, so wird sich der Farmer bald vor noch schwierigeren Aufgaben sehen als heute. Für Bodenmeliora- tionen hat er erstens kein Kapital, und zweitens ist das Land zu dünn bevölkert. Nicht nur der Zug in die großen Städte, sondern auch die Kin- derbeschränlung, die auf dem Lande ebenfalls zunimmt, verschiebt das Verhältnis der Bevöl­kerung immer mehr zugunsten der Stadt. Die amerikanische Landwirtschaft ist stark ver­schuldet, unfähig, ihre Produktion durchgrei­fend zu steigern, und daher in einer schweren Krisis, aus der sie eine vorübergehende bessere Konjunktur auch nicht retten kann. Soll ihr ge­holfen werden, so müßten sich dazu nicht nur ihre eigenen Arbeitsmethoden, sondern auch der soziale Aufbau und das Kulturideal des ameri­kanischen Volkes ändern. Nordamerika hat keine Dörfer und keine Bauern Farmen werden gekauft und verkauft wie Häu­ser oder Aktien. Bezahlte Farmhände sind zu teuer bei schwachen Getreidepreisen, und die Jugend will nickt auf der Farm bleiben. Im ganzen aber kann man sagen, daß Nord­amerika das Marimum seiner Leistung an Ge­treide erreicht, wenn nicht überschritten hat.

In Rußland und der Ukraine verbin­det sich mit den Schäden, die der Bolschewismus hervorgerufen hat, ein merkwürdiger klimati­scher Faktor. Der Wiener Geograph Brückner hat schon 1890 das jetzt von der Wissenschaft anerkannte Gesetz einer etwa fünf« unddreißigjährigen Periode gesunden, während der die Niederschlagsmenge regelmäßig steigt und fällt. Für West- und Mitteleuropa, deren Klima ozeanisch beeinflußt ist, hat das Gesetz keine große praktische Bedeutung, für das kontinentale Osteuropa jedoch eine nur zu große. Auch die früheren durch Dürre her­vorgerufenen russifchen Mißernten fallen in die Trockenzeiten des Brücknerscken Zyklus. Die letzten Höhepunkte lagen am Anfang der sechziger und in der Mitte der neunziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts. 1892 war das schlimmste Hunger fahr Rußlands zur zarischen Zeit. Tas nächste Marimum ist um 1930 zu erwarten, wobei man berücksich­tigen muß, daß es nickt allein aus die gesamte Jahreshöhe, sondern auch aus die Verteilung des Regens über Frühjahr und Sommer an­kommt. Das Entsckeidende für Rußland ist, daß die Klimakurve sick jetzt zum Schlimm­sten biegt. Der Bauer kann Zugvieh, Pflüge u.

Die gemaßregelte Arbeiterpartei.

London, 6. März. (PrivattelegramrnZ Hinsichtlich der Ausschließung des Mitgliedes der Arbeiterpartei Kirkwood aus dem Unter­haus beschloß die Arbeiterpartei, ein Miß-

LondonBarisGen?.

Chamberlains heutiger Besuch bei Herriot.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 6. März.

In der heutigen Unterhaus-Dcbatte erwartet man eine Erklärung des Premierministers Baldwin über die Politik des Kabinetts. Chamberlain verläßt heute, Freitag, London um 11 Uhr. Am Samstag wird die englische Delegation im Sonderzug nach Genf abfahren und am Montag den 15. März nach London zurüükehren. Chamberlain wird sich vier­undzwanzig Stunden in Paris aufhalten und dürfte somit hinreichend Zeit zu Besprech­ungen mit Herriot haben. Nach Ansicht eines diplomatischen Korrespondenten kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die deutsche Entwaffnung und die Kölner Frage zur Behandlung kommen und vielleicht auch die Sicherheitssrage. Auch wird er in Genf bei Unterredungen mit anderen alliierten Staatsmännern den letzten deutschen Vorschlag für einen Garantie vertrag erörtern.

trauensvotum gegen den stellvertretenden Vor­sitzenden des Unterhauses Hope einzubringen, in dem ibm zum Vorwurf gemacht wird, daß

Aus höchsten Befehl.

Völker und Präsidenten.

Die Wahl des Präsidenten in ausländischen Republiken pflegt je nach der Verfassung der einzelnen Staaten unter mehr oder minder gro­ßer Beteiligung der Bevölkerung vor sich zu ge­hen. In Frankreich repräsentiert der Mini­sterpräsident im allgemeinen die gerade vorherr­schende politische Richtung. Das Volk, das mit Interesse die Wahl des Präsidenten verfolgt, ist an ihr direkt nicht selbst beteiligt. Das kommt daher, weil der Präsident von den beiden Kammern des Parlamentes, dem Senat und der Deputiertenkammer, mit absoluter Mehrheit auf sieben Jahre gewählt wird. Die Stellung des Präsidenten der französischen Republik ist zwar reich an Würden, aber die tatsächliche Gewalt, die er ausübt, pflegt nicht sehr groß zu sein. Wie weit eigentlich seine Macht oder sein Einfluß geht, läßt sich mehr vermuten, als mit Bestimmtheit sagen, denn die Sitte des Ver- fassungslebens verbietet ihm wie seinen Mini­stern, dieses Geheimnis preiszugeben. Die Tä­tigkeit des Präsidenten besteht hauptsächlich in der Repräsentation. Er führt den Vorsitz bei Nationalseiern, Gesandte und Botschafter werden bei ihm beglaubigt. Da in Frankreich dauernd bestimmte öffentliche Feiern aller Art wiederkehren, nimmt allein die repräsentative Tätigkeit den Präsidenten stark in Anspruch, beim es gehört zum guten Ton, baß er überall in der Provinz bei großen offiziellen Anlässen erschein^ Der tatsächliche Einfluß, den er auf das Staatsleben ausübt, beruht im wesentlichen darauf, daß er die Wahl des Mannes, dem der Auftrag zur Bildung eines Kabinettes übertra­gen wird, zusteht. Dies ist in Frankreich umso wichtiger, da das französt»che Parlament in fast noch weitergehendem Maße wie bei uns in Deutschland in Parteien zerklüftet ist und die Zusammensetzung der Regierung nur durch Verhandlungen mehrerer Parteigruppen möglich ist.

Eine noch weniger einflußreiche Stellung als der französische Präsident hat der Vorsitzende des Schweizer Bundesrates. Der Bundes­rat ist das Exekutivorgan der schweizerischen Verfassung. Er besteht aus einem Kollegium von sieben Männern, das so wenig wie in kei­nem anderen Lande etwas mit Parteipolitik zu tun hat. Diese sieben Mitglieder werden eben­falls nicht vom Volke gewählt, sondern von der Volksvertretung auf drei Jahre. Der Bundes- Präsident wiederum wird von der Bundesver­sammlung aus dem Kollegium ausdreiJah- r e gewählt, ein anderer zum stellvertreten­den Vorsitzenden. Der Bundespräsident ist in einer Machtstellung vielleicht noch schwächer als der französische Präsident. EineVolksangele­genheit" dagegen ist die Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Dieser hat eine der»größten Machtstellungen der Welt. Die amerikanische Versassung gibt ihm im Gegensatz zu den europäischen Republiken eine Machtfülle, wie wir sie derart ausgespro­chen in keiner Republik wieder finden. Die ame­rikanische Verfassung gründet sich aus die Lehre von der Souveränität des Volkes, wie sie einst Rousseau verkündete, und aus der Lehre von der Verteilung der drei Gewalten. Es ist in der Verfassung besonders scharf die Trennung der drei Gewalten durchgesetzt. Die vollziehende Gewalt besitzt allein der Präsident, der von allen wahlfähigen Männern aus vier Jahre gewählt wird. Der Prä­ident darf das Parlament nicht auflösen und keine Richter absetzen. Er ist oberster Befehls- Haber von Heer und Flotte, oberster Verwal­tungsbeamter und eines seiner wichtigsten Reck­te bestehl darin, daß er seine Minister (Staatssekretäre) nach eigenem Gutdüu. ken ernennen kann. Dem Präsidenten ae-