Einzelbild herunterladen
 

Kaßeler Neueste Nchnchteu

Kasseler Abendzeitung

Str UatteleiJicuetttn Siadtrtcbren erlebetnen mötbenilitb tetbümat nachmittags Ser Äboiinemriusvrei« veträst für oen Monat 2. Mk betteter .SufteBunp ' rtd Saus, in oer Weirtiäfteitelle abaebolt lMi Mk. Durch die Pofr monatlich 2.00 Mk. atisichlteultch ZufleUungsaebübr Verla« und Redaktion Schlachtbofftratze 2S/8O. ^ernfpretber »51 und »52 Mir unverlangt eingefandie Beitrüge kann die Re» 'aktion eine Verantwortung oder Getväbr in keinem Solle übernebtnen. Rück- tablung deS Be^ugSgeides oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger VW mitt'! st gi'S-irlchlokie» boftfcherkkonto Srankfnrt a. Main Nummer fiSHtt

ö Hessische Abendzeitung

»n»etflem>reife;<8inbetmtf<be Äeichaitsanietgen.-teile20 » a_ auswärtigeAeichaftS- anzeigen Zeile 20 Psg, ckamiurnan-ieigr« Zeile SO Vfa «lerne Anzeigen ^aS Wor> 4 «fg. Reklamen die Zeile 75 Ptg. Otkertgebübr 10 «sg. «hei Zufenda. der Offerten 20 *tfl.t RechnungSbeirüge find innerhalb 5 Ta.zu befahlen. Manaebend ist der Kurs deS ZadlunaStageS. ftSr die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgeaebenen An­zeigen ioroie für Autnabmedaten und Plätze kann nicht garantiert werden ftür Anzeigen mit befand, schwierigem Satz 100 vroz.Aufschlag. Druckerei: L-chlachtbof» strake 2»/8l>. GekchSfiSftelle Köln Sir 5 aeaenSß.der Svobrstr. Sernfor.ftfil u. 952

50. Einzelnunmie: lg Pf, Sonntags 15 Pf.

Sonnabend, 28. Februar 1925.

Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf. 1 5. Jahrgang

EWand verdreifacht seine Luftflotte.

Der zweite Präsident.

Neue Kandidaten für den höchsten Staatsposten.

Die ernsthafte Erkrankung des Reichspräsi­denten hat wie ein Fanal die Prästdentensrage am politischen Horizont aufzucken lasten, obwohl die Neuwahl mit der Persönlichkeit des jetzigen der schweren Krankheilskrise noch kaum entron­nenen Staatsoberhauptes nach dem ausdrückli­chen Verzicht Eberts auf e'n abermalige Kandi­datur nicht unmittelbar verlnüpft ist. Nur we­nige Wochen noch trennen uns von dem großen Ereignis der deutschen Staatengeschichte, das der jungen Republik wieder für sieben Jahre den Kurs vorschreiben soll. Am 1. Juli läuft Eberts Amtsperiode ab, sodaß die Wahlen schon im Mat beginnen muffen, um das Ergebnis der zu erwartenden zweiWahlgänge recht­zeitig stcherzustellen. Und so mästen denn, kaum daß die letzten tiefen Wunden der preußischen Dauerkrise verbunden sein werden, die Wahlfan­faren und -Trommeln abermals durch deutsche Frühlmgsgaue gellen und den verhängnisvollen Bruderkampf entfesseln, der das tragischste Volt der Weltgeschichte wieder in Parteien und Par- teichcn und zum Schluß in zwei große Heerlager auseinanderspalten wird.

Dabei ist es trotz mancher vertraulichen Aus­sprache bis heute den Parteien nicht gelungen, ihre Anwärter auf den Hohenzollernstuhl end­gültig namhaft zu machen, während der soge- 1 nannte Reichs,Värgerra, unter Führung des frü-

Heren preußischen Innenministers v. ä oebell ff nicht weniger als sechzig Kandidaten auf die

Präsidentenliste gesetzt hat, von denen dreißig zur engeren Auswahl stehen. Wie verlautet, ge­denken die Sozialdemokraten aus P"cstigegrün- den für den ersten Wahlgang einen ebenen Kan­didaten aufzusteüen man nennt den Reichs­tagspräsidenten Paul L o e b e und den kürz­lich zurückgetretenen preußischen Ministerpräsl- denten Braun um im zweiten Wahlgang ihre Stimmen mit Zentrum und Demokraten auf einen ausgesprochenen Republikaner, wahr­scheinlich M a r r, zu vereinigen. Unter den De­mokraten gelten als aussichtsreichste Bewerber Reichswehrminister Geßler, und Hamburgs erster Bürgermeister Petersen. Auch die klangvollen Namen des früheren Botschafters in Washington, Graf Bernstorfs, sowie der Mos­kauer Botschafter Gras Brockdorff-Rantzau unv Dr. Solsts in Tokio werden von demokratischer Seite in Vorschlag gebracht. Auch unter den Rechtsparteien zirkulieren- Listen von Klang und Gewicht, so unter den Deutschnatio­nalen der bekannte Asrikaforscher Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, Fürst von Hatzseldt, Herzog von Trachenberg, Fürst Bülow, Staats­minister und Reichstag^vräNdent Wallrafs und nicht zuletzt die Feldmarschüue Hindenburg und Mackensen. An erster Stelle der volkspartetllchen Präsidentenliste steht der Same des soeben auf seinen OberbLrgermelsterpgsten nach Duisburg zurückgekehrten Innenministers Jarres, dem als Rivalen noch der frühere Justizminister Heinze, Universitätslehrer Professor Kahl sowie die Abgg. v. Kardorsf und Scholz gegenüberste­hen. Als überparteiliche Kandidaten kommen noch in Betracht der bekannte Berliner Theologe Erzellenz vonHarnack und der jetzige Reichs­kanzler Dr. Luther. Tas Zentrum hat bisher nur seinen um Preußen ringendenbesten Mann-, Reichskanzler Marx, herausgestellt, dem zweifellos im zweiten Wahlgang die Stim­men der fogenennten Reichsbannerparteien (De- mokraten, Sozialdemokraten und Zentrums zu- sallen werden, wenn es nickt wieder den rechten Außenseitern des Zentrums, wie neulich in Preußen, einfallen sollte, aus der Reihe zu tanzen.

Bon diesen und manchen enberen Fragen, die die Maiwahlen entscheidend beeinflussen wer­den. erwähnen wir nur noch den durchaus dis­kutablen Fall, daß bei der erneuten Kandidaten- stellung für den zweiten Wahlgang ci"»r der vie- ' len mit der vielleicht höchsten Stimmenzahl von sechs bis acht Millionen Wählern den Sieg und die Präsidentenwürde an sich reißen kann, ein AuSgang, der fast einer Katastrophe gleichkäme. Selbstverständlich muß der Vollstrecker des Volkswillens von der übrwiegenden Mehrheit der Untertanen getragen sein, wenn er seinem Ankehen nach innen und außen hin Geltung ver­schaffen Will. Und dabei hat weniger die Par- teifarbe Wie die kraft- und machtvolle, kühl ab» wäoende und dann mit geschickten, ehernen Griffen zupackende Perfönlichkeit den Ausschlag zu geben. Tenn in seiner Hand ruhen Notver­ordnungsgewalten und das Recht der Reickrtagsauklösnng. In ihm verlor- pert sich die Idee und der Lebenswille des jun gen, hart umftürmten Volks staats. Er soll dem

Skrzynski hol______... ...

nach Patts reisen wird, um sich dort zwei Tage aufzuhalten. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß der Minister auch London einen Besuch abstattet

Das fliegende England.

Verdreifachung der Luftflotte. Gegen Frankreich. lEigene Drahtmeldung >

entsenden. Polen schickt seinen Außemninist->r ich Genf, der wahrscheinlich zuerst tetfen wird, um sich dort zwei Tage

sPrivat-Telegramm.)

Paris, 27. Februar.

In der gestrigen Finanzkonferenz unter Hcr- riot sollen bedeutende Budget-Einschränkungen beschlossen worden sein, besonders im provisorl- scheu Budgetzwölstel im Monat März. Das Budget soll von beiden Kammern noch vor Osten, beschleunigt ratisi-tert werden.

pariser Friedensglocken.

DaS Wirtschaftsabkommen scheint gefichert.

(Eigene Drahnnelbung.)

Paris, 27. Februar.

Im Laufe der gestrigen Besprechung zwischen Dr. Trendelenburg und Handelsminister R a y n a l d i legte ersterer im Anschluss an eine deutsche Note dar, unter welchen Bedingungen die deutsche Regierung bereit sei. zum Abschluss

eines Provisoriums. Diese Bedingung besteht darin, daß die sranzöflsche Regiermig ihrerseits sich in einer Bestimmung des Provisoriums be­züglich deS endgültigen Handelsvertrags ver­pflichtet, Deutschland von einem bestimmten Zeitpuntt an de facto Meistbegünstigung zu gewähren» wobei es nicht nötig ist, daß die­ser Zeitpunkt mit dem Ablaus des auf neun Mo­nate vorgesehene» Provisoriums zusammenfällt Wenn in der Unterhandlung am Sonnabend das gleiche Entgegenkommen gezeigt wird, wie cS die deutsche Delegation gezeigt hat, besteht Aussicht, daß man am 16. März die Verhand­lungen Über die Zolltarife beginnen kann.

Die Entscheidung fällt am Sonnabend.

Paris, 27. Februar.

In einer Vollsitzung sollen, einem Pariser Blatt zufolge, morgen die Grundlagen eines provis! rischen Abkommens fcstgelegt werden, das nickst nur Tariffragen, sondern auch gewisse allgemeine Fragen regeln müsse, vor allen Din­gen die Nlederlaffungsfrage, die Transport­frage und die Konsularfrage. Oeuvre erklärt, von der Regelung am Sonnabend werde das endgültige Abkommen abhängen oder der Bruch der diesmal aber ohne Zweifel end­gültig sein würde. Das Wahrscheinliche aber sei, daß man sich verständigen werde.

Herriot hat umgekernt.

Wenn wir entwaffnet sind ...

(eigene Drahtmelbu^.)

Berlin, 27. Februar.

Ein Pariser Abendblatt bringt die immer­hin bedeutsame Meldung, daß Herriot ganz offen sage, daß er, nachdem daS Scheitern des Genfer Protokolls nickt mehr zu leugnen sei, auf eine direkte Verständigung mit Deutschland hinarbeiten wolle. Die Entwaff­nung Deutschlands, die eine neue alliierte Rote fordern müsse, werde für Herriot der Ausgangs­punkt fein, eine direkte Aussprache mit Deutich- lanb herbeizuführe«. Auch Herriot wolle die

Sicherheit Frankreichs am Rhein für ewige Zeiten.

aber seine Wege seien anders als die bisheri­gen. In Berlin würde man, so wird uns mit- icteilt, eine Aussprache begrüßen. Die schwerste Belastungsprobe für Deutschland sei nicht die ntwaftnung, sondern die Nichträumung Kölns

In Berlin rechnet man noch vor dem 15. März mit dem Eingang der endgültigen Kontrollnote. Sollte eS zu einer Hinzuziehung Deutschlands zu den Verhandlungen kommen, so würde der Reichskanzler, der Außenminister und der Reichswehrminister daran teilnehme«.

deutschen Namen die Ehre, den Sklaven- uhb Bettlervolk die Souvcränitäts- und Menschen­rechte wieder errichten, ohne die wir trotz aller technischen und geistigen Wundertaten zur Ver­armung, Verelendung, zum Knechtes- und Siech­tum auf Geschleckter hinaus verurteilt bleiben.

F. R.

Deuischlands guter Wille bat gesiegt.

Beelitt, 27. Februar. (Eigener Informa­tionsdienst.) Bei den Pariser wirtschaftlichen Verhandlungen sind, wie man weiß, irgend­welche politischen Gesichtspunkte von beiden Seiten sorgsam ausgeschlossen worden. Desto eifriger aber waren ote Diplomaten des Quai b Orsay bemüht, einen politischen Druck auszuiiben, um den Gang der Mrtschastsver- handlungen zu beschleunigen.. Wir glauben versichern zu können, daß es trotz dieser Winkel­zuge gelungen ist, erhebliche Zugeständnisse der französischen Regierung zu erlangen.

tiefer Soarprotest vor Dem Dvlkerbunb.

Genf, 27. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Das PölkerbundSsekretariat teilt mit, daß es eine Note der Reichsregierung erhalten hat, In der diese gegen die Fortdauer der fran­zösischen Truppenbesetzung im Saar- gebiet protestiert. Diese Rote soll bei der März, tagung des Völkerbundsrates geprüft werden.

London, 27 Februar.

Im englischen Unterhaus forderte gestern der Luftschiffahrtsministrr Sir Harare die Ber- dreifachung der englischen Luststreitkräfte. Es bleibt Tatsache, so führte er aus, daß eine Luftflotte in kurzer Zeit über die größte Seeflotte hinweg nack Englan » kommen kann, wo sie das Leben der Zivilbevölkerung un­erträglich machen könnte. Die französifchc Luftflotte ist der unsrigen weit überlegen. Ma» müsse sich zwar vor jeder Panik hüten, aber, obwohl die Gefahr eines Luftangriffes gegen England gering ist, müssen gleichwohl Vor­sichtsmaßregeln ergriffen werden. Wir haben fünf bis sechs Jahre nötig, um unser Pro­gramm zu verwirklichen. Am Ende des JahreS werden wir die Hälfte der zweiundsünfzig Geschwader ausgerüstet haben, die wir zu schaffen gedenken. Der Itntrrfta-'tSfefretär er­klärte auf eine Anfrage, daß kein Grund vorhan­den fei zu glauben, daß der rusfisch-japa» nische Vertrag von Peking die englischen Interessen irgendwie schädigen könnte.

Gpahrr in Gens.

Deutschland nut privat vertreten.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 27. Februar.

Wie wir erfahre«, hat die Reichsregierunq zwar die Absicht, einen Minister deS Reichskabinetts als Beobachter zu der am 7. März beginnenden Bölkerbundstagung nach Genf zu schicken, jetzt endgültig aufgegeben, aber sie wird ebenfalls wie bei de« frühere« wichtige« Sitzungen des BölkerbundsrateS poli­tische Persönlichkeiten inprivaterMisfion entsenden. In Berlin glaubt man, daß der Aus­gang der Genfer Beratungen namentlich für die Sicherheitsfrage von großer Bedeutung fein wird. Die ReichSregierung läßt inzwischen inoffiziell weitere diplomatische Sondierungen bet den alliierten Mächten unternehmen.

Amerika fehlt, Polen kommt.

Genf, 27. Februar. (Eigene Drahim lduna.) Bisher sind zu der Völlerbundstagung acht­undzwanzig delegierte angemeldet. Die Tagung wird voraussichtlich drei Wochen dauern. Amerika wird keinen Beobachter nach Genf

Gr spart jeden Frank.

Herriot Prüft und kürzt das Budget.

Gbert außer Ledmsgefavr.

DaS Befinden bessert sich stündlich. lEigene'

Berlin, 27. Februar.

Der heute um 10 Uhr herausgegebene ärzt­liche Bericht über daS Befinden des Reichs­präsidenten lautet: Der Reichspräsident hat eine gute Nacht verbracht. Sein Befinden hat sich weiter gebessert. Wie die Blätter melden, hatte der Präsident schon gestern abend wieder normalen Pulsschlag. Auch war die be­fürchtete Temperatursteigerung ausgeblieben. Lebensgefahr soll nicht mehr bestehen. Die Stadt Berlin hat der Gattin des Reichs­präsidenten herzliche Teilnahme und herzliche Wünsche für baldige Besserung und Genesung ausgesprochen. Unzählig ist die Menge der auS dem Ausland eingehenden Nachfragen und Wünschen für das Oberhaupt des deutschen Reiches. Im West-Sanatorium häufen sich die Blumen in mehreren Zimmern auf.

Jedem ein Auto.

Arbeiter und Millionär in Amerika.

Von

Dr. Colin Ross.

* Unter von heute ab in bett hiesige« Uia-Licht, spiele« ait(tretender Mitarbeiter deckt in der iolgeudeu Plauderei mit feinem Spürsinn die überraschenden Wrchselwirk«»gr« zwischen brr Rietenindnitrir Korbs unb drm sozialen Emp­finden der breiten Sankrrnasie ans. Er schreibt:

Die Bedürfnisse des Durchschnittsame­rikaners der mittleren und unteren Klassen sind sehr gering oder auch sehr groß. Sie sind groß, wenn man Essen und Kleidung des ameri­kanischen Arbeiters mit dem des europäischen vergleicht, sie sind gering, weil darüber hinaus kulturelle Bedürfnisse fehlen, vor allem aber, weil ihnen der Stachel des Neides und der Verbitte­rung abgeht, der das europäische Proletariat niemals verläßt, wenn es sein Leben mit dem des amerikanischen Kapitalisten vergleicht. In diese Verhältnisse brachte das Auto so etwas wie eine Krise. Nichts ist so asozial, wirkt so erbitternd und arbeitet die Klassengegensätze so heraus, wie das Auto. Fahren die einen im Auto und schlucken die anderen den Staub und Gestank, so muß das Haß und Unzuftiedenheit erzeugen. Da man daS Auto nicht mehr abschaf- sen konnte, hob man feine gefährliche soziale Wirkung auf, indem man es auch der Arbei­terklasse zugänglich machte. Tatsächlich ist heute das Auto in den Vereinigten Staaten, zum mindesten int Westen, int gleichen, ja noch stärkeren Maße ein Verkehrsmittel der Arbeiterklasse, wie in Europa baS-Frch»- rad. Der ungelernte Arbeiter erhält vier bis fünf Dollar im Tag, der gelernte acht, zehn, ja auch zwölf. Bei folchen Löhnen kann er sich un­schwer ein Auto erstehen und halten. Ist ihm ein neuer Ford zu teuer, so kann er sich mit ge­ringen Kosten eine gebrauchten kaufen. Der Amerikaner hat seinen Wagen im allgemeinen nicht sehr lange, drei, vier Jahre, dann kaust er sich einen neuen. Vor allem, wer mit einem Ford gestartet, sucht sobald als möglich eine teu­ere Marke die nach europäischen Begriffen aber auch nicht teuer ist zu erstehen. So kommt ein ständiges, die Preise drückendes An­gebot auf den Markt. Der Handel in gebrauch­ten Wagen fplelt sich in Kalifornien in einfach» fier Weise und ohne große Geschäftsunkosten ab. Es ist nichts dazu erforderlich als ein freier Platz. Da stehen die Wagen Tag und Nacht, und in einem hat der Händler seine Office. Einen gebrauchten fletncn Wagen bekommt man schon für hundertfünfzig Dollar. Und man braucht das Geld mcht einmal bar auf den Tifch zu legen. Es genügt eine Anzahlung von fünfzig oder dreißig Dollar, der Rest in mo­natlichen Raten.

Mit dem Besitz eines eigenen Autos ist die soziale Kluft überwunden. Der Arbeiter kommt ebenso im Motorwagen zur Fabrik wie ber Di­rektor odex der Eigentümer. Er fährt am Sonn­tag feinem Schatz spazieren oder am Wochenende mit Kind 'unb Kegel in bie Berge ober an bie See. Viele nehmen Zelt unb Feldbetten mit, unb verleben bie Samstagnachmittage unb bie Sonntage im Freien. Der Besitz bes Autos si­chert vollste Freizügikeft. Paßt einem bie Ar­beit nicht, so bringt einen ber Wagen rasch in eine anbere Gegenb. In bezug auf bie weite Verbreitung bes Autos im amerikanischen We­sten erlebt man als Europäer immer neue Heber» raschungen. Ich sah mit Staunen auf dem Lau­be, wie nach Schluß ber Arbeit bie Feldar» beiter, bie Weber lesen noch schreiben konn­ten und niedrigste Tagelohnarbeit verrichteten, in ihre Wagen stiegen, um zu ihren Familien zu fahren. Auch ber landwirtschaftliche Saisonarbei­ter, unser Sachsengänger, hat seinen Kraftwa­gen. Ich traf im San-Joaquin-Tal mexikanische Familien, bie von ber Orangenernte bei San Diego kamen unb zum Beschneiben ber Reben nach bem mittleren Kalifornien fuhren. Sie wohnten in Zelten unb reiften in Autos.

Meufchliche Arbeit ist teuer, bie Maschine ist billig. Dabnrch wirb tatsächlich ein Ausgleich ber sozialen Gegensätze herbeigeführt. Ter kleine, selbst der mittlere Fabrikant ober Geschäftsmann lebt im Grunb kaum viel besser, als ber Arbei­ter SBetbe haben ihre Autos, aber beibe haben gleicherweise keine persönliche Beblenung im Hause. Man kann sich eher zwei Autos halten, als ein Dienstmäbchen. Ich habe sehr wohlha- benbe Familien kennen gelernt, bie sehr schöne Hauser bewohnten, mehrere Autos besaßen, in benen sich die Frau des Hauses jedoch ohne Mädchen durchhalf. Allerdings sind die mecha­nischen Hilfsmittel im Haushalt ganz anders entwickelt als bei uns: auch sie sind für den Ar- beckerhaushalt finanziell erreichbar. Es ist felbstvcrständlich, daß jede Frau selbst fährt. Ohne das könnte sie ihre« Haushalt