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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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SlltWr-? 49. Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.

Freitag, 27. Februar 1925.

Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf. 15. IabrgaUg

Ernste stunde von Eberls Krankenbett.

VarisWashington.

Es bebt in bat Tiefe« Frankreichs.

Es gibt einen Apparat, den Erdbebenmesser oder Seismographen, der Schwankungen uns Stoße in der festen Erdrinde auszeichnet. Der Politische Seismopraph ist die Wahrung Da­für gibt jetzt Frankreich ein Beispiel. Fast über Nacht ist eine neue Krisis des Franken eilige» treten. Er war schon längere Zeit fallend, der Brotpreis steigend, und das Mißvergnügen der französischen Verbraucher und Rentner im Zu­nehmen Seit kurzem aber ist in die Stimmung ein Element gesteigerter Besorgnis, ja der Angst, gekommen. Die französische Presse spie­gelt das deutlich wieder, und in den Zeitungen des Auslandes erscheinen immer mehr kritische Artikel über die französischen Finanzen. Zwi­schen dem Regierungschef und der Bank von Frankreich gibt es einen Konflikt, weil dieser öffentlich erklärt bat. .Wir etLn dem Abgrund entgegen, es handelt sich nicht mehr um Mo­nate oder Wochen, sondern um Tage." Herriot will aus Paris nicht heraus und statt dessen wird ihn der enalische Außenminister aus seiner Reise nach Gens besuchen. Das alles sind Symptome des nahenden Bebens, aber noch nicht die stärksten. Tas stärkste ist die W i e d e r- kehr von Caillaur ins öffentliche Leben durch seine Rede aus dem großen Bankett, da» jüngst ihm zu Ehren gegeben wurde. Caillaur gilt bei den Eingeweihten schon heute als. der Retter vor der Finanzkatastrophe.

Es ist intereffant, wie die liberale englische Presse die Dinge schon beurteilt. Sie sieht in G a i l.lo u, i ^»n kommenden Regie- r uV.'g s ch e s unv trägt kein Bedenken, das of­fen auszusprechen Andere Blatter geben folgen­de Rechnung zum Besten: Herrior wird die Re­gierung nicht behilten, weil er zu gutmütig (lies: zu schwach) ist: Briand ist zu .biegsam", d. h. zu nachgiebig gegen opportunistische Augen­blicksrücksichten; die reinen Sozialisten endlich stehen zu sehr im Verdacht der nationalen Un- zuverläsiiekeit! ' Auch diele Erörterung münd i aus in den Schluß: Caillaur ist der Mann, uni zwar in Verbindung mit Lou cheur. Wenn man dftS Programm tob und wie bald es sich verwirklicht, bleibe noch unerörtert) aus dem Persönlichen ins Sachliche übersetzt, so bedeutet Caillaur soviel wie Sanierung der Finanzen durch Verringerung des Zinsfußes und andere einschneidende Maßnahmen, ein schließlich Bereitschaft zur Verminderung des Mtlitarismus; Loucheur und Caillaur zu­sammen dagegen ein Programm der Verstä n- d i g u n g »wischen der französischen und deutkchen Industrie sowohl für den in­neren als auch für den auswärtigen Markt, und für diesen letzteren besonders. Wie dem aber auch sei, soviel ist klar, daß die finanzielle Ent­wicklung in Frankreich immer bedrohlicher wird, und daß das ei reinliche Zentrum, von dem die Erschütterungen ausgehen, nicht in Pa r 18 sondern in Rcwvork und Washington liegt.

Tie öffentliche Meinung in Frankreich will bis heute noch nicht verstehen, daß mit der Emp- sangsrede, die der Präsident Coolidge an den neuen französischen Botschafter richtete, eine neue Epoche der Beziehungen zwischen Amerika und Frankreich begonnen hat. Die amerikanische Po° littk ist jetzt entschieden daraus gerichtet, Euro pa als Imp ort- und Anlage mark für die Industrie und das Kapital der Vereinigten Staaten zu entwickeln. Dazu darf Frankreich er­sten den Dawesplan nicht zu stören und dazu muß es zweitens endlich einmal ansangen, ab- z u r Ü st e n. Als e8 galt, dem Poincarismus ein Ende zu machen, gerade jetzt vor einem Jahr, ließ Morgan den Franken stürzen und half ihm erst dann wieder ein Stück in die Höhe, als von Paris aus bekräftigt wurde, man habe verstan­den. Das Finanzbeben, dessen erste Stöße jetzt Publikum. Regierung und Banken in Frankreich beunruhigen, ist nichts anderes als eine Wieder­holung jener ersten amerikanischen Lektion.

Die Einwirkung auf den französischen Fran len ist auch für England säst der einzige Weg. um in die politische Diskussion mit den Fran­zosen ein fühlbares Druckmittel hineinzubrin gen. Je länger die gegenwärtige Spannung dauert, desto weniger wahrscheinlich ist, daß eine spontane Erholung des Frauken einsetzt. Ame Tita und England haben deutlich genug gewinkt, daß sie es begrüßen würden, wenn Deutschland gemäß seiner Anreouna ausgeforderl wurde, über den Bericht der Kontrollkommission zu ver handeln. Die Starrheit der französischen Re­gierung, die deutlich den Wunsch zeigt, lebe Zusage übet einen festen Röumung^ermin fut Köln zu verweigern, erhöbt die Versiimmung in England und in Amerika, wo man natürlich ,r«cht an die deutschen, sondern an ihre eigenen 2, »resse« denkt, aber gerade diese durch Frank­

reichs Haltung geschädigt sieht. Ist das rich tifl, so folgt daraus, daß die finanziellen Ei- fchütterungen in Frankreich ihre Fortsetzung sin­gen werden, so l'Nge, bis sie wiederum einen itzrad erreichen,derParis gefügiger macht. Treten vozu noch die Folgen der Mißstimmung von lenseiis des Kanals und des Ozeans, so wird eines Tages die Situation für ein Ministe­rium Caillaur reif sein. Caillaut denkt aber nicht daran, eher zu kommen, als bis er Maßnahmen, die er schon heute für unubrngäng- lich hält, die aber die öffentliche Meinung lei­denschaftlich ablehnen würde, wenn sie von ihnen hörte, als Rettung Vorschlägen und zur Annah me bringen kann. Dr. P. Rohrbach.

Gbetts Zustand ift emR.

Bauchfellentzündung und unruhige Nacht.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 26. Februar, 10 Uhr fcorm.

Der Aerztebeicht tautet: Trotz der sofort nach der Erkrankung vorgenommenen Operation dcs Reichspräsidenten war dc. Wurmsortansatz brandig und in die Bauchhöhle d u r ch ge­drungen, so daß eine allgemeine Bauchfellentzündung voUag. Ter Ver­lauf war bis gestern abend zufriedenstellend. Wie gewöhnlich am dritten Tage nach der Er­krankung setzte heute Nacht eine Verschlech­terung der Bauchfellentzündung ein, sodaß der Reichspräsident eine unruhige Nacht verbrachte. Der Zustand ist ernst.

Mrd rswl -ös- e'rr DMat?

Deutschland auf der Brüsseler Konferenz.

El

Paris, 26. Februar.

Die offiziösen Zeitungen teilen mit, daß an der Begegnung zwischen Herriot und Chamber­lain werde festgehalten. wie auch an der Einbe­rufung einer interalliierten Konfe­renz, alS deren Damm der 17. oder 18.-z genannt wird. DerDaily Telegraph" teilt mit, datz auf eine Vertretung der deutschen Dete- fiierten an dieser Konferenz verzichte werde. Es fei lediglich in Aussicht genommen, die dnii- fchen Delegierten.anzuhören nachdem Die Alliierten ihre Beschlüge über die Entwaffnui'g gesoßt haben. Frankreich versucht zur Zeit in London die alte Idee einer autonomen westrhei- nifchen Republik wieder zum Leben zu erwecken.

Eine Havasmeldung bestreitet, daß der zwischen Paris und London stattfindende Mei­nungsaustausch die Zulassung der Deut­schen zu den Verhandlungen über die Entwaff­nungssage und die Kölner Frage betreffe.

Gleiche« Recht für alle!

Berlin, 26. Februar. (Privattelegrmmn.) Wte wir hören, ist man in den Kreisen der Reichs­regierung der Metnung, daß eine gleichbe­rechtigte Zulassung Deutschlands zu de.t Verhandlungen eine selbstverständliche Voraus­setzung sein wird, auf der anderen Seite aber auch großer Wert daraus gelegt werden muß, eine vorherige Veröffentlichung des Kontrollberichtes zu erzielen.

Dichtung und Wahrheit.

Frankreich als Verfechter der Demokratie.

sEtgener D-etdrberichi)

Paris, 26. Februar.

In der gestrigen Kammersitzung crHärtc Prä­sident Painlev nur durch Ordnung und auf gesetzlichem Wege werde die französische De­mokratie der Welt das Beispiel eines großen freien Volkes geben, das zu gleicher Zeit fei­nen Jdalen wie seinen Traditionen treubleibe. Ministerpräsident Herriot betonte: Die Re­gierung werde alles tun, waS von ihr abhänge, um durchzuführen, was das Wort Republik im bedeutenden in sich trage. Die Mitglieder der Kammer hörten di? Ansprache stehend an. Bei einem amerikanischen Pressefrühstück sagte Herriot u. a.: Das Londoner Abkommen habe die Friedenssacke gestärkt. Er hoffe, daß sas Genfer Protokoll eines Tages der ge­samten Welt die crfeljnte Ruhe bringen werde. Nm Frankreich die Wiederkehr der Ereignisse von 1914 zu ersparen, werde er der Frage der Sicherheit und des Friedens dienen, an oererseitS aber auch nicht leugnen, datz Frank­reich seine Übernommenen Verpflichtungen den Alliierten gegenüber erfüllen müsse.

Der Honveöminlster straft Herriots Lügen.

Budapest, 26. Februar. (Privattelegramm.) Im Parlament (ragte nVerteidigungsminister

Graf Csokh vor aller Welt, wer mit mehr Recht die Worte von einer Politik dcs Friedens unv der Liebe gebrauchen könne, der ungarische Hon- vedminister oder der Ministerpräsident Frank- teichs. Herriot habe 662000 Bajonette uno viel Kriegsmaterial hinter sich, während demgegen­über ein deutsches Heer von hunderttausend Mann stehe. Ungarn stehe a b g e r ü ft e t mit feinen 35 M Mann da und rings herum stehen 450000 Mann ebenso ausgerüstet wie die fran­zösische Armee. Wo entsprechen die eben zitier­ten Worte mehr der Wahrheit, hier, oder auf den Lippen Herriots?

Das zerr sftns Europa.

Frankreich wünscht eine Rheinlandrepublik. lEtgene Drabtmeldu' d.)

London, 26. Februar.

Ein diplomatischer Berichterstatter schreibt, der Gedanke eines euglisch-französisch- belglschen Paktes ohne Deutschlands Be­teiligung finde enlschiedn weniger Anhänger in ministeriellen Kreisen, alS der Gedanke eines 'gegenseitigen regionalen Bbkoin- m e n S zwischen diesen Mächten und Deutsch­land. Letzterer Pakt würde mehr dem Geist des Völkerbundes entsprechen und würde die Spaltung Europas in zwei rivalisierende . Lager verhindern und zugleich bewirken, datz - Deutschland nicht in die Arme Sowjet- ; 7 u ß i a n d s getrieben werde. In frainösischen Kreisen werde LoucheurS Gedanke einer auto­nomen, neutralisierten westrheinischen Rheinlandrepublik unter Aufsicht des 5un6cS weiterhin viel eröleri als eine /<1 Puffer zwischen Fankreich und Deutschland.

Dir verlangen ehrliches Spiel.

Berlin. 26. Februar. Unter der Ueberschris, Deffnet die Wien" schreibt die Zeit: Mitteilun gen einer Chicagoer Zeitung über den Kontroll bericht scheinen eine Kampagne einzuleiten, die in den Vereinigten Staaten von Amerika die Stimmung zu Ungunsten von Deutsch land beeinflussen soll. Deutschland befindet sich diesem Verfahren gegenüber in einer uner­träglichen Lage. Es ist allen diefen Verdächti­gungen schutzlos preis gegeben. Unter diesen Umständen wird es immer mehr eine dringende Notwendigkeit, daß der Kontroll­bericht veröffentlicht wird.

Ghamberlains eiferne Stirn.

Er leugnet und bleibt unerbittlich. (Prtvat-Telegramm)

Rotterdam, 26. Februar.

Chamberlain teilte gestern im Unterlaufe mit, datz eine Verzögerung in der Veröf- senttia)ung des Kontrollberichts vorliegt. Tie Frage, ob hinsichtlich des Sicherheitspro­blems an Frankreich Zusagen gemacht wor­den seien, wurde von Chamberlain ve r n c i n t. Auf eine Anfrage über das Datnin dcs Ab­laufs der ersten fünf Jahre der Besatzung s- s r i st antwortete Chamberlain, das Datum sei un Friedensvertrag selbst festgesetzt. Artikel 428 bestimme, daß das Rheinland vom Inkrafttre­ten des Versailler Vertrages ab für die Dauer von fünfzehn Jahren besetzt bleiben soll Der Vertrag sei am 10. Januar 1920 in Straft getreten, gcite also noch Diele Jahre.

Man hat sich verrechnet.

Russischer Kuhhandel mit Coolidge.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 26. Februar.

Präsident Coolidge dürste, wie ein Londoner Blatt vermutet, nicht leicht seinen Entschluß um- stoßen, die Sowjetregierung unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht anzuerken- nen. Rach einer Meldung aus Washington ift nämlich dort bekannt gegeben worden, datz Die Sowjetregierung der amerikanischen Regierung mitgeteilt hat, sie sei bereit, ihr bedeutende P e- troleum- und Kohlenkonzessionen, ans Sachalin zu gewähren, wenn sie die Sow­jetregierung anerkennen werde, andernfalls wür­den diese Konzessionen Japan gewährt.

Rach einer Unterredung mit Coolidge tx- flärtc der aus London zurückgekehrte Botschafter Kellogg, daß die polittsche Luge in Europa stch seit einem Jahre bedeutend gebessert habe. Er dementierte, datz er einen BbrüstungS- plan au» London mügebracht habe.

An fremden Höfen.

Wo die Botschafter der deutschen Republik leben.

Die Bürde des Amtes. Am Hofe des ikv- uigs Georg. Der Hamburger Patrizier 3 tun mir. Die Bollchail am Quiriual. normt Neurath uud Herr Diego von Kcrgcu. Der Sitz des Hern vru Hoeich. Bon Mar­burg nach Madris: Srär. von Simmern.

Torto. Moskau. Angora.

Sowohl unter Bismarck, wie unter dem au­ßenpolitischen Zick-Zaä-Kurs seiner Nachfolger wurden die deutschen Botschafter im Auslande vurch das gesellschaftliche Ansehen, das sie über­all genossen, für die vielfachen dien liehen Schwierigkeiten entschädigt. Tie B o t s ch a s t e r der deutschen Republik sind weder dienstlich noch gesellschaftlich auf Rosen gebettet. Außenpolitisch hat Deutschland vorläufig nichts m die Wagschale zu werfen, Verhandlungen auf wirtschaftlichem Gebiete erforoern e.n unerhör­tes Maß von Geduld und Zähigkeit, auf gesell­schaftlichem Gebiete aber türmen sich noch öjei ll so viel Unannehmlichkeiten und Widerstände aut, saß nur eine starke Vaterlandsliebe unsere deut­schen Diplomaten auf ihren undankoaren Posten ausharren läßt.

Ob man heute London oder Paris für oen wichtigsten deutschen Botschafterpofieii h-alt, hängt von der Einstellung aus anglophile oder kontinentale Politik ab. Vor dem Kriege jeden­falls, als noch auf dem Kontinent das van Lloyd George durch die Entwaffnung Deutsch- lands vernichtete Gleichgewicht der Mächte stabi­lisiert war. galt Loudon als der erst e d i - p l o m a t i s ch e Posten des Deuts: m Rei Und im Jahre 1912 b r Freiherr D ö il Marschall, der des Grafen A.eueruich rei­be in London antrat. Urb auch vor ihm, der schon nach einigen Monaten starb, sind ununter­brochen eine Reihe von hervorragenden preu i- schen und deutschen Staatsmännern am Hofe von St. James nccrebitiert gewesen. Zurzeit amtiert in London der langjährige Hamburger Senator Dr. Sthamer, der einer alten han­seatischen Patrizierfamilie entstammt und es trotz aller Schwierigkeiten verstanden hat, sich durch feine vornehme Zurückhaltung eine ano-e- sehene Stellung nicht nur im Lon. oner dchlo- matischen Corps, sondern auch in der englischen Gesellschaft zu verschaffen. Sitz der deutschen Botschäst in London ist das schon in den vier­ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von dem damaligen preußischen Gesandten Bunsen erworbene Haus aus der Carlton Ter- race, das nicht allzuweit vom Parlament, in der Gegend der königlichen Paläste, Ministerien und politischen Klubs liegt und ein-n pracht­vollen Blick auf den St. James-Park uud di- große Avenue hat, die am Rande dieses Parks vom Buckingham-Palast, dem Stadtsitz des Königspaares, zur Admiralität und den ande­ren Ministerien führt.

Würde man die Verdienste deutscher Diplo­maten nach der Schönheit der Dienstgebäude be­messen, die sie erwarben, so wäre zweifellos der Gesandte Bunsen der bedeutendste unter ihnen gewesen. Tenn ihm verdanken wir nicht nur das so herrlich liegende Gebäude der deut­schen Botschaft in London, sondern auch den von ihm als preußischer Gesandter am Vatikan vor gerade ejnem Jahrhundert angekauften Pa­lazzo Caffarelli, der nach 1870 Sitz der deutschen Botschaftchm Quirinal wurde. Mitten auf dem tarpejischen Felsen gelegen ist sein gro­ßer Park einer der ältesten historischen Stätten Roms. Aus diesem Grunde ist auch der Palast nach der Beschlagnahme durch die italienische Regierung im Kriege dem Auswärtigen Amt nicht zurückgegeben worden; vielmehr bat Ita­lien dem Deutschen Reich ein anderes Gebäude zur Verfügung gestellt, das sich freilich mit dem alten Sitz der Botschaft nicht im entferntesten vergleichen läßt. In ihm residiert jetzt B a - ron Neurath, der vor dem Kriege Bot­schaftsrat in Konstantinopel war und dann Ka­binettschef des Königs von Württemberg war. Erst 1919 trat er in den diplomatischen Dienst zurück, und zwar zuerst als Gesandter in Kopen- Hagen dann als Botschafter in Rom, wo die guten persönlichen Beziehungen, die ihn mit Mussolini verbinden, dem Reiche äußerst wertvoll sind. Dagegen hat das Reich seinen an­deren schonen Besitz in Rom behalten. Es ist die herrlicke Villa Bonaparte, die früher der römischen Linie dieser Familie gehörte und feit einem halben Jahrhundert S'h der preußi­schen Gesandtschaft im Vatikan ist. Diese ist jetzt Botschaft des Deutschen Reiches geworden und wird von Herrn T i e g o von Bergen geleitet, einem der wenigen Prote­stanten, die politisch dem Zentrum nahe stehen. Auch die deutsche Botschaft in Paris, Rue de Lille, ist ein alter historischer Sitz ans der Zeit Na.vleons I. War dock das Gebäude her Pariser Wohnsitz von Hortense Beanhar-