Kasseler Neueste Nachrichten
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HeMche Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
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Nnm ns 48. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf. Donnerstag, 26. Februar 1925. Einzelnummer 10 Pf., Sonntag« 15 Pf. 15. Jahrgang
Krankheit und Aenwahl des Reichspräsidenten.
Schweden trauert.
Ministerpräsident Branting unter den Toten.
Wie aus Stockholm gemeldet wird, ist der schwedische Ministerpräsident Branting sie- ftern nach langer Krankheit gestorben. Mit ihm ist einer der wenigen sozialistischen Führer von europäischer Bedeutung dahingegangen. Für sein Volk zum mindesten hat er die Bedeutung eines Bebel, eines Jaurss gehabt. Wie viele seiner Anhänger ist auch er nicht aus den Tiefen des Proletariats herausgestiegen, sondern er entstammt sogar einer höheren bürgerlichen Gesellschastsschicht. Durch seine Mutter hat er sogar schwedisches Adelsblut in den Avern. Seine Erziehung hat er auf einer berühmten Stockholmer Schule genossen, wo er Schulkamerad des gegenwärtigen KönigsvonSchweden war. Reisen ins Ausland drängten ihn bald aus seiner eigentlichen wissenschaftlich-astronomischen Lausbahn heraus in die Politik und brachten ihn mit führenden Sozialisten Europas zusammen. Im Jahre 1886 begründete er eine schwedische Tageszeitung, die bald das maßgebende Parteiblatt wurde. Das Grohwerden der sozialdemokratischen Bewegung in Schweden, einem dünn be- völkerten Lande, ist ganz überwiegend ein Erfolg der Lebensarbeit Brantings. Neben der Parteiorganisation entwickelte sich auch unter seiner Leitung die Gewerkschaftsbewe- gung in Schweden. In den Ansangsjahren feinet Tätigkeit hat et auch einigemale ins Gesäng- a« 'N äffen, und zwar feegen seiner antireligiösen Betätigung. Doch ist Branting keinesfalls ein zum Radikalismus neigender Fanatiker. Er ist von jeher der Gewalttaktik abgeneigt gewesen und hat sich immer schars ge- gen die kommunistischen Putschbewegungen gewendet.
Nachdem Branting im Jahre 1896 als erster Sozialist in den schwedischen Reichstag gewählt worden war und nachdem e8 ihm gelungen war, die Sozialdemokratie zu einer nicht mehr zu übergehenden Macht zu machen, konnte er im Jahre 1917 in das Finanzministerium eines liberal-sozialistischen Kabinetts eintreten. Im Jahre 1920 bildete er daS erste Kabinett Branting, das aber noch im gleichen Jahre nach neuen Wahlen mit konservativem Erfolg zurücktreten mußte. 1921 bis August 1923 blieb das zweite Kabinett Branting am Ruder. Der Erfolg der letzten Wahlen führte von neuem, im Anschluß an den Kampf um die H e e r e s o r. ganisatiou, einen sozialistischen Ersolg herbei, sodaß Branting seinen A b r ü st u n g s - plan im Sinne der dänischen Beschlüfle vorbereiten konnte.
Im internationalen Leben hat Branting, der von ausgesprochen pazifistischer Einstellung war, ebenfalls bald eine bedeutende Stellung errungen. Im Gegensatz zu der Grund- einstellung de« schwedischen Volkes ist aber Branting feil jeher westlerisch deutschfeindlich g e f in nl gewesen. Ob seine deutschfeindliche Haltung während des Krieges tatsächlich daher rührt, daß man ihn, den etwas eitlen Mann, in Berlin bei seiner Durchreise während des Krieges etwas vernachlässigt hat, während Paris ihn wie einen Fürsten ehrte, tft/ine heute noch nicht geklärte Frage. Fest steht jedenfalls, daß Branting während des Krieges in das Hetzgeschrei gegen den sogenannten deutschen Militarismus laut eingestimmt bar. Die Friedensschlüsse bedeuteten für ihn eine schwere Enttäuschung. Trotzdem hat er im Völkerbund, abgesehen von der Stellungnahme in einigen Minderheitenfragen, sich stets voll und ganz aus den Boden von Genf gestellt und Deutschland zu bedingungslosem Eintritt in dieses Machtinstrument Frankreichs zu veranlassen gesucht. Auch in der Ruhrfrage hat er im Sinne internationalen GerechttgkettS- willenS völlig versagt und zum mindesten nichts gegen die PolncarS-Polittk getan Wir Deutschen haben in Schweden vielfach Verständnis, teilweise sogar begeistette Freundschaft im Gefühl rassischer Gemeinschaft gefunden. Von Branting ist unS nie etwas Gute gekommen wenn eS auch nicht nach seinem Willen war, daß Deutschland in diesen Abgrund von Jammer unt> Leid gestürzt wurde. Um sein Pichfolger wird in Schweden ein scharfer Kamps entbrennen, da man in den Reihen seiner Partei eine ähnlich überragende Gestalt nicht auszuweifen hat.
Wir es König Seorg gebt.
Rotterdam. 25. Februar. (Eigene Draht- Meldung) Ans London wird gemeldet, daß die Beunruhigung über die krankhett deS Königs ü. '»er Presse und in der Oessentlichkeit immer mehr zunimmt. Krankheit soll dem König
sogar daS Sprechen unmöglich machen. Einem weiteren bericht zufolge ist König Georg soweit hergestellt, daß er den Buckhingham Palast wie- der verlassen kann.
Der Reichspräsident fehlt.
Auf dem Krankenbett. — Frühere Neuwahl?
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 25. Februar, 10 Uhr vorm.
Die Krankheit des Reichspräsidenten nimmt bisher einen normalen Verlauf. Temperatur, Puls und Allgemeinbefinden sind zufriedenstellend. In den politischen Kreisen verlautet, daß die Vorbereitungen zur Präsidentenneuwahl infolge der Erkrankung t>;8 Reichs Präsidenten beschleunigt werden, und daß man möglicherweise Bamit zu rechnen haben wird, daß eine frühere Neuwahl des Reichspräsidenten infolge eines vorzeitigen Amtswochsels Eberts erforderlich wird.
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SbettS Verdienste im englischen Licht.
London, 25. Februar. (Prioattelegramm.) Einige Blätter veröffentlichen aus Anlaß der Operation des deutschen Reichspräsidenten Bilder E b e r t s. — Ein Londoner Blatt schreibt: Mit beharrlicher Klugheit habe Ebert versucht, das Staatsschiff einen mittleren Kurs iu steuern. Sogar das Magdeburger Urteil habe Eberts Stelluna ntcht ernstlich erschüttert aus dem einfachen Grunde, weil große Massen gemäßigter <'eute in ihm b;e b»ne Gewähr f-thni. um Deutschlands Staatsschiff in stürmischen Zeiten in ruhige Gewässer zu lenken.
Das Stiesk nd am Rhein.
Minister Frenken will Trost und Hllfe spenden. «Eigener Jnformanonsvienft >
Berlin, 25. Februar.
Der Reichsminister für die besetzten Gebiete. Dr. Frenken, wird, wie wir hören, am Sonn- alend in Köln mit dem Reichs,agsausschuß für die besetzten Gebiete eine Konferenz abhalten und daraus eine Rundreise durch das altbesetzte Gebiet antreten. Er will vornehmlich die Fragen prüfen: 1. Inwieweit sich die Besetzung auf Wirtschaft und Verwaltung sowie aus daS öffentliche Leben ouSroirlt 2. In welchem Umfange öffentliche und private Organe zu matt riellen Leistungen von der Besatzung hcrangezogen werden. 3. Welche Wünsche der Bevölkeiung für etwaige Milderungen der Besetzung bestehen. Im Anschluß an diese Rund- reife wird Minister Frenken mit der hessischen Regierung in Darmstadt eine Zusammenkunft haben, um mit ihr über die zu Hessen gehörenden Teile des besetzten Gebietes zu konferieren. Weiter ist eine Zusammenkunft mit den Vertretern der bayrischen Regie- r u n g vorgesehen worden. Man will in Berlin alsdann mit den Befatzungsbehörden zu einem Uebereinkommen gelangen, das wesentliche E r > leichterungen für die feit sieben Jahren leidenden besetzten Gebiete herbeiführen soll.
Die große Mäezkonferenz.
Brüssel, Paris oder London.
(Prtval-Telegramm.)
London, 25. Februar.
Ein diplomatischer Korrespondent spricht jetzt von einer alliierten Konferenz in Brüssel, die bereits in der zweiten Märzhäiste zu- sammentreten soll, um zu einer Klärung in der Entwaffnungsfrage und in der Kölner Frage zu kommen. Die Konferenz hätte sich aber gleichzeitig auch mit dem Sicherheitsproblem zu befassen. Der Korrespondent betont ferner, daß der Plan einer permanenten Kontrollkommission und der Aufsicht des Böllerbundes, nach dem Aufhören der Tätigkeit der gegenwärtigen alliierte« Kontrollkommission, keine Unterstützung finde, da ein solches Vorgehen Deutschland nur davon abhalten würde dem Völkerbund beizu- treten. Der Korrespondent will weiter erfahren habe«, daß die deutsche Regierung kürzlich den Wunsch geäußert habe, einen deutschen höheren Beamten als Verbindungsoffizier zwischen der Rheinlandkommission und den deutschen Behörden einzusetzen, wogegen aber Baris Einspruch erhoben und Verwahrung eingelegt habe.
Suropo unter sich.
Wiedfeld bringt Neues aus Dollarien.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 25. Februar.
DaS Zurückstellen der autzenpolittschen Probleme in der Rede des Reichskanzlers Dr. Lu
ther auf dem Bankett der Presse wird mit den gegenwärtig in London und Paris schwebenden Unterhandlungen und mit dem Bericht der deutschen diplomatischen Vertreter auS den alliierten Hauptstädten, die zur größten Reserve mahnen, tn Zusammenhang gebracht. ES sicht zweifellos fest, daß zwischen Sen alliierten Regierungen noch keine Annäherung erfolgt ist. Ohne eine aktive Beteiligung Deutschlands, daran hält die Reichsregierung fest, kann in der Aürüstungsfrage ebenso wenig ein Ergebnis erzielt werden, wie bei den Reparationsfragen, die auch nicht ohne Mitwirkung Deutschlands gelöst werden konnten. Es hat daher den Anschein, daß auch die amerikanische Diplomatie gegenwärtig bemüht ist, die alliierten Regierungen davon zu überzeugen, daß sie alle bestehenden Streitfragen unter sich bereinigen müssen, wenn Amerika sich für die europäischen Angelegenheiten weiter inte- resfieren soll. Der bisherige deutsche Botschafter in Washington, Dr. Wiedfeld, hat der Reichsregierung über den Stand der Durchführung des Dawcsplanes und der Gestaltung der politischen Beziehungen zu Deutschland befriedigende Berichte überbracht. Amerika legt auch weiterhin den größten Wert auf eine friedliche Beilegung der Ränmungsfrage und wird in diesem Sinn auf die Entente einwirken.
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Hak man sich in Varls besonnen?
Paris, 25. Februar. (Eigener Drahtbericht.) Die Pariser Blätter scheinen jetzt nicht mehr oen Gedanken der Zuladung Deutichlands zu der 5ebt>rfiiel*htben inter» Merten Ko-nfer-tn zu bekämpfen, wie früher. Man wünscht lediglich, daß Deutschland nicht aus dem Fuße der Gleichberechtigung diskutieren dürfe. Das Genfer Protokoll könne infolge des Widerstandes Englands und der Dominions als gescheitert betrachtet werden. England scheine aber nicht gewillt zu sein, ebenso wie am Rhein auch anderswo in Europa Garantien zu übernehmen. Im besonderen möchte es sich im Falle des deutsch-polnischen Konfliktes die volle Aktionsfreiheit bewahren. Wenn ein englisch - französisch - belgischer Garantievertrag bestünde, würde sich Deutschland gewiß besinnen, bevor es einen neuen Krieg entfesselen würde.
Dle schl-ichende Krise.
Zentrum und Rechtsparteien in Preußen. (Eigene Drahtmeldung >
Berlin, 25. Februar.
Gestern nahm die preußische Landtagssrak- tion des Zentrums in einer Sitzung Stellung zu dem ferneren Verhalten des Zentrum» zu der vereinigten Opposition. Es wurde die Auffassung zum Ausdruck gebracht, daß eS für daS Zentrum unmöglich fei, mit den Parteien, die vor einigen Tagen noch Dr. Marx da» Ber- hauen zur Kabinettsbildung versagten, zusam- menzuwirken, und mit ihnen überhaupt in Erörterungen über eine neue Regierungsbildung einzutreten. Man hält eine Lösung nur für möglich, wenn die Rechtsparteien bereit sein würden, unter Marx ein überparteiliches Kabinett zu bilden, da» nicht durch den Eintritt der Deutschnationalen in einseitiger Richtung orientiert sein dürfte.
Was wird mit dem Bericht?
In London überreicht. — Da» Oberhaus ruft (Eigene Drahtmeldlwtz.)
London, 25. Februar.
Auf eine Anfrage bestätigte Mae Reill im Unterhaus, daß der Bericht der Kontrollkommission eingegangen sei. Er erklärte weiterhin, daß die von oder namens der britischen Regierung im Botschafterrat vorgebrachten Erklärungen auch den Standpunkt der britischen Militärbehörden gebührend berücksichtigen würden. Einer Pressenotiz zufolge werden 2 Redner im Oberhaus die Veröffentlichung deS Berichts der interalliierten Militärkontrollkommisfion über die angeblichen deutschen Rüstungen fordern.
Die „Verfehlungen" werben abgestellt
Berlin, 25. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Die Reichsregierung ist zur Zeit bemüht, die in dem fertigen Kontrollbericht erwähnten .Verfehlungen' aus der Welt zu schaffen. Demnächst soll u a. auch eine gewisse Umorganisation der Deutschen Werke vorgenommen werden, da die angebliche Bereitschaft der Deutschen Werke zur Herstellung von Kriegsmaterial einen der Hauptpunkte des Kontrollberkchtes zu bilden scheint. Damit will man den Gegnern jeden Vorwand nehmen die Räumung der Kölner Zone hinauszuzögern.
Was MMen erzählt.
Kunst und Leben am blauen Donaustrand.
Von
Wilhelmine Baltwester.
Beethoven te Asien. — Moissis Lleblinas- ftabt — Wiener Kochkunst und Köcheball. Die Schauspielerin und der Geldbaro».
Märchenglück in der Zelle.
... Die Wiener Musik, welche sich im Auslande größter Erfolge rühmen darf, ist sogar bis in das ferne Asten gedrungen; und besonders Bethoven, dessen Meisterwerke durchweg in Wien geschaffen wurden, haben auch in entfernten Weltteilen Anerkennung gefunden. So hat ein Wiener Verlag von astatischen Verlegern den Auftrag erhalten, sämtliche Werke Beethovens fünftausendmal zu liefern. So ist Wien zum geistigen Mittelpunkte geworden, und auch die Schausptelkunst zieht immer neue ausländische Größen an die hervorragenden Wiener Bühnen. Alexander M o i s s i, einer der größten deutschen Schauspieler, hat seinen ständigen Wohnsitz nach Wien verlegt und erzählte, eben von einer Gastspielreise aus Rußland zurückgekehrt, daß er in Wien als Hamlet, Casanova, Fedja und in anderen Rollen auftreten wolle. Später will er dann eine Tournee in den Kaukasus und nach Nordamerika unternehmen. Auch die Film- weit sendet ihre bedeutendsten Vertreter nach Wien, um hier Verträge abzuschließen. S.
'.r'. ■ .iwffer '.-weriias, hält sich zurzeit in Wien auf. Er ist, obwohl sinter Deutscher, der führende Manager Amerikas und er war es, der die ersten amerikanischen Filme tn Europa eingeführt hat. Pola Regri, Ernst Lubitsch und viele andere, die in Amerika filmen, verdanken ihm ihre Erfolge.
Ein interessanter Ball hat vor wenigen Tagen in Wien stattgefunden: der Ball der Köche. Die Küchenchefs und hervorragendsten Wiener Hotels und Restaurants haben zu dieser Veranstaltung aparte Leckerbissen beigefteuert, unter anderem: ein Karussel aus Nudelteig; eine Karamelsestung; eine Ente, auf einem kleinen See aus Weinaspik schwimmend; eine Mandeltorte mit Winterlandschaft; ein Waffelhaus und noch viele andere Sehenswürdigkeiten der Wiener Kochkunst, die es vor allem versteht, nicht nur den Geschmack, son- dem auch das Auge des an malerisch geputzte Gerichte verwöhnten Gourmands zu befriedigen.
Die Geschichte einer Perlenkette der berühmten Schauspielerin Maria Ors - k a beschäftigt zurzeit die Wiener Gesellschaft. Maria Orska ist die Gattin des Barons Bleichroeder, der thr den aus dem alten Familienerbe stammenden Schmuck, eine wunderbare Perlenkette, zum Tragen überließ, ohne sie ihr jedoch zu schenken. Die anfangs sehr glückliche Ehe wurde später eine schlechte. Der Baron Übergab die Perlenkette der Schwester feiner Gattin. Maria Orska wußte sie jedoch bald wieder an sich zu bringen. Neue Mißhelligkeiten in der Ehe veranlaßten den Gatter,, von ihr die Herausgabe des Schmuckes energisch zu fordern. Maria Orska will jedoch die Kette verkauft haben. Nun wird eifrig nach dem Schmucke gefahndet, dessen Versteck fast unauffindbar scheint. Auch eine andere berühmte Wieyer Familie bildet in letzter Zeit den allgemeinen Gesprächsstoff. Der Schwager der Wiener Familie Rothschild, Baron Springer, hat um Ausnahme in den Jockeyklub nachgeucht, wurde jedoch wegen seiner Konfession abgewiesen, was einer Attacke auf die Familie Rothschild gleichkommt. Diese Abweisung dürfte unangenehme Konseguenzen für beide Teile nach sich ziehen.
Ein in der Wiener Erbschaftspraxis sehr seltener Fall ist mit einem der größten Strafprozesse des vergangenen Jahres aufs innigste berquidt Otto Etßler, einer der Mitchess des großen Wiener Holzhandlunashauses Eiß- ler, hatte 'm Vorjahre seinen Vetter Robert Eißler wegen Familienzwistigkeiten ermordet und ist zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt worden. Vor einigen Tagen wurde er aus der Strafanstalt Stein nach Wien überführt, um hier an den Verlaflenschastsverband- hingen nach seinem verstorbenen Vater teilzunehmen. Sein Vater, Heinrich Eißler, soll ein derart großes Vermögen hinterlassen haben, daß es volle fünf Jahre gebauert hat, bis die Jnventurausnahme der Verlassenschaft erledigt war, so daß der Mörder Otto Eißler in ber Zelle Millionär geworden ist.
Wie Jndianergeschichten und Schauerlektüre aus jugendliche Gemüter wirken können, hat sich an einem zwölfjährigen Jungen gezeigt. Der Knabe, der durch diese Lektüre vom Lernen abgelenft wurde, hatte über Ermahnungen feiner Eltern in der letzten Zeit