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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nurnn. er 30.

Einzelnummer 10 Pf Sonntags 15 Pf

Donnerstag, 5. Februar 1925.

Einzelnnmmer 10 Pf. >Kf

15. Jahrgang

Reichskabinett und Ruhrmillionen.

Gehälter und Löhne.

Aus der Denkschrift des Finanzministeriums.

Das Reichsfinanzministerium Hal kürzlich dem Reichstag eine vierzig Seiten starke Denk­schriftüber die Entwicklung der Besoldung der Retchsbeamten zugehen lasten, in der nicht nur die Schicksale von Millionen Deut­schen. sondern auch bestimmte Absichten schlummern. Der Einstutz der Reichsgehälier erstreckt sich auch auf die Pensionen und Hinterbliebenen - Bezüge, die nach dem Kriege eine sehr vedeutende Summe aus­machen. In selbst die Gehälter in der P r i. vaiwirtschaft stehen zum großen Teil im­mer in einem gewissen Verhältnis zu den Be- amtengehältern Tarifverhandlungen und Bc- amtengehaltsverbandlungen waren in der Infla­tionszeit wie nachher stets zu einem anmutigen Reigen ineinander verschlungen. Und ebenso muß eine Relation zwischen den Gehältern und Löhnen in den staatlichen wie in der privaten Wirtschaft gewahrt werden. Das alllleS ge­schieht nicht, um der Lust der Menschen am Ver­gleichen ihre Lage mit der ihrer Nachbarn zu dienen, sondern weil nur ein gewisses Gleichge­wicht das Hinüberströmen von einem Beruf zum anderen verhindert und den Verhältnissen Sta­bilitätGewährt. Nun sind aber in Deutschland von rund achtundzwanzig Millionen einkommen- ste>D.pflichtiger Personen nicht weniger als e i n- u^chzwanzig Millionen GehaltS- b Lohnempfänger I Erst wenn man " sich diese Zahlen vergegenwärtigt, erfaßt man ganz die Bedeutung der in der letzten Zeit fast ununterbrochenen Gehalts- und Lohnverhand­lungen im Reichsfinanzministerium. Von jenen neunundzwanzig Milliarden werden über acht vom Reich und seinen Betriebsverwaltungen, von den Einzelstaaten und den Gemeinden allein für Gebälter p. P (also ohne die Löhne! ge­zahlt. Daran sind die Betriebsverwaltungen und die Staaten mit se rund 2,3 Milliarden be­teiligt, die Gemeinden mit 1,5, das Reich mit 1,2 Milliarden für Militärversorgungsgebührnissen undnur mit 747 Millionen für Gehälter und Reichswehrbesoldung.

Aus der amtlichen Denkschrift möchten wir zwei Tendenzen besonders hervorheben. Einer­seits soll gezeigt werden, daß nach der letzten Gebaltsregelnng vom Dezember 1924 die Be­amten wieder ein leidliches Auskommen hätten: zum anderen, daß dabei die höheren Beamten vergleichsweise am schlechtesten, die mittleren besser und die unteren am besten weg- gckommen seien Um die erste Behauptung zu stützen, werden allerlei interessante Vergleiche mit den Privatgehältern und den Industrielöh­nen angestellt. Sie sind natürlich nicht sehr be­weiskräftig, weil die Vergleichbarkeit der her­ausgegriffenen Gruppen immer umstritten sein wird, weil bei den Beamten noch der Pen­sionsanspruch hinzukommt, vor allem aber, weil nach dem oben Ausgeführten die Privatge- hälter sich io vielfach nach den Staatsgehältern gerichtet haben Wenn also diese steigen, werden auch jene mitfleigen. Und es kann im Ernst kaum bestritten worden, daß beide es noch nötig hätten. Das Durchschnittseinkommen aller steuerpslichtiaen Deutschen wird von der Denkschrift auf 1381 Mark im Jahr be­rechnet. In der Hauvtgruppe der Unierbeam- ten, der Gruppe 3, hat ein lediger Beamter ein Anfangsaehalt von :39R Mark, ein Verheirateter Beamter mit zwei Kindern ein DurchfckmMsge- halt von 229? Mark. Das ist bei den heutigen Preisverhältnissen g e w i tz w e n i a. Tie Denk- schrist beanügt sich natürlich nicht damit, nur die Nominaleinkommen von 1913 und heute zu vergleichen, sondern stellt auch Tabellen über dieRealeinkommen auf, wobei also die Kauf­kraft der Gebälter von einst und jetzt vergli­chen wird Tas kann nun nicht anders geschehen als mit Sille des Reick> sindex. dessen Unzu- verlässigkeit ja allgemein anerkannt ist. Man mutz demnach bingestellt sein lassen, ob die Mark heute die auf diese Weise errechnete Kaufkraft besitzt. Die Denkschrift bält sich an sie und kommt dabei zu solaenden Schlüssen: In Grup­pe 3 (Unterbeamte) hat der Ledige jetzt 79 v. H. der Familienvater mit 2 Kindern 103 v. S feinesRealeinkommens von 1913 In Grup­pe 11 /obere Beamtet jedoch nur 72 und 78 v. Hundert.

Hiermit kommen wir aus die zweite der ge­nannten Tendenzen: den Nachweis der verrin­gerten Spannung zwischen den Gehältern der verschiedenen Gruppen. Mit ihm ist verbun­den der Hinweis auf die daraus resultierenden Gefahren. Die Privatwirtschaft bezahle die oberen Beamtenverhältnismätzig erheblich besser als das Reich, während das bei den un­teren Beamten nickt der Fall sei Man wird in der Tai eine weitgehende Verringerung der Spannung in Revolutions- und Notzeiten er­

dulden, in normalen Zeiten aber für bedenklich erklären müssen. Es kommt hinzu, datz der fi­nanzielle Effekt derSparsamkeit an den Ge­hältern der höheren Beamten sehr gering ist. Diese machen im Gesamtdurchschnitt nur 5,86 Prozent aller Gehälter aus, bei der Reichsbahn sogar nur 2,44 Prozent. Aber es ist das Pech der höheren Beamten, datz sie auch in der Wählerschaft nur einen geringen Prozentsatz dar­stellen. Die Regierung hat hier gegenüber den Parteien die Staatsintereflen wahrzunehmen.

Wo Vie Millionen biieben

Sturmlaus gegen die Reichsregierung.

(Eigene« ^--rb'berich' i

Berlin, 4. Februar.

Da die Sozialdemokratie beabsichtigt, einen Mitztrauensantrag in Bezug aus Vic Ruhrentschädigungen gegen Dr. Stresemann und gegen Dr. Luther einzubringen, wird die Reichsregierung gezwungen sein, die

Vertrauensfrage in der einen oder anderen Form zu stellen.

Auch ein demokratisches Blatt gibt die allgemei­ne Angriffsparole aus, indem cs schreibt:Die Schwerindustrie regiert in Deutschland!" Weiter­hin machen die Linksparteien der Regierung den Vorwurf, bei der Verteilung der Gelder die Schwerindustrie begünstigt zu haben. Das Organ der Volkspartei teilt mit, daß das Reichskabinett entfchloffen sei, dem Reichstag eine etatS- mäßige Rechnungsaufstellung vorzu­legen und datz die ausgezahlten Entschädigungen absolut nicht den Umfang gerechtfertigter For­derungen überschritten haben. Die Kor­respondenz Dr. Stresemanns mit Hugo S t i n - n e s habe den Charakter eines amtlichen Schrift­wechsels getragen. Im übrigen hätten die So­zialdemokratischen Bergarbeiterführcr von der Angelegenheit gewußt. Die in Aussicht gestellte Denkschrift der Reichsregierung ist nunmehr fertiggestellt worden, sodaß die ganze An­gelegenheit schon in einer der nächsten Reichs- tagssrtzungen von der Opposition zur Sprache ge­bracht werden dürfte. Die Regierungsparteien wollen in einer Entschließung das Einverständ­nis mit dem Vorgehen der Regierung zum Aus­druck bringen. Wenn es dem Kabinett nicht ge­lingt, innerhalb kürzester Frist zu außenpoliti­schen Ers olgen zu kommen, dann wird es schneller den Wege seiner Vorgänger gehen, als man allgemein angenommen hatte.

Der Rhein bleibt unser.

Reichskanzler Luther fährt nach Köln.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 4. Februar.

Wie wir hören, wird Reichskanzler Dr. Luther in seiner bevorstehenden Rede in Köln eine Darlegung der Politik der neuen Reichs­regierung geben, um Hei der rheinischen Bevöl­kerung Vertrauen zu finden und die besetzten Gebiete vor neuen Erschütterungen zu bewahren. Zugleich soll betont werden, datz die Regierung in der Räumungsfrage an ihren Forde­rungen noch wie vor unbedingt festhält.

Keine Regierung der Mitte.

Die Deutschnationalen wollen mitregieren (Amtliche Drahtmeldung.)

Berlin, 4. Februar.

Zur Frage der Kabinettsbildung in Preußen schreibt ein Berliner Blatt: Der Gedanke, in Preußen eine Regierung der Mitte von den De­mokraten bis zur Deutschen Bolkspartei zu bil­den, die mit wechselnder Anlehnung an die Deutschnationalen oder Sozialdemokraten regie­ren würde, wird von den Deutschnationalen als eine unmögliche Kombination entschieden abge­lehnt. Jede Regierung. an der sie niÄt beteiligt sind, würden die Deutschnationalen rück­sichtslos bekämpfen. Heute treten im preußi­schen Landtag die Sozialdemokraten und die De­mokraten zu Fraktionssitzungen zusammen und am Donnerstag vormittag die übrigen Parteien. Die gestrigen Fraktionsbesprechungen des Zen­trums, der Demokraten und der Sozialdemokra­ten verliefen negativ. Ministerpräsident Braun hat den Auftrag zur Kabinettsbildung bis heute noch nicht zurückgegeben.

Graf Wlftorp führt die Äeifftpartel

Berlin, 4. Februar. (Privattelegramm.) Die Teutschnationale Reichstagsfraktion har gestern einsttmmig den Grafen Westarp zum Fraktionssitzenden gewählt. Ein Berliner Blatt steht darin den Beweis, datz nunmehr auch der sogenannte .altkonservative Teil der Deutsch- nationalen sich rückhaltlos hinter die Billigkeits- erklärung der Fraktion für die Regierung Luther

stellt. Westarp hat stets, so schreibt ein rheinisches Blatt für eine Verständigung mit dem national­sozialistischen Flügel plaidiert. Seine Wahl wird daher zunächst mit berechtigten Bedenken ausgenommen werden müssen.

*

Die <£i!g wird mißtrauisch.

Rotterdam, 4. Februar. (Eigene Drahtmel­dung.) Ein Londoner Blatt meldet, datz die englischen Großbanken bei der Gewährung wei­terer Kredite an die deutsche Großindustrie Schwierigkeiten machen. Die Börse erblickt in den immer unklarer werdenden innerpolitisckien deutschen Verhältnissen außerordentliche Gefah­ren für die Sicherheit der Wirtschaft.

©erriet schwer bedrängt.

Gewitterstimmung in der Kammer.

(Eigener Informationsdienst.)

Paris, 4. Februar.

Die Gewitterstimmung in der Kammer hatte sich auch gestern noch nicht gelegt. Die Radikalen Sinden sich mit dem Weiterbestehen des tonkordats in Elsatz-Lothringen und einem Sondergesandten ab: die Sozialisten dagegen sind mit diesem schlecht verhüllten Fortbestand der Beziehungen zwischen Frankreich und dem Vatikan unzufrieden H e r r i o t schlug vor, datz im Budget der äußeren Angelegenheiten ein be­sonderes Kapitel unter der BenennungDurch- fiihrüng des Konkordats in Elsatz-Lothringen" geschaffen werde. Leon Blum hielt in der Kam­mer eine dreistündige Rede, nur um der sozialistischen Fraktion zu ermöglichen, in aller Mutze Beraten zu können. Leon Blum führte nochmals alle die Argumente ins Feld, die für die Aufhebung der Botschaft am Vatikan spre­chen. Der Redner spricht sich dann gegen jede militärische Besetzung aus. Die Sicherheitssrage hänge mehr von moralischen als materiellen Gründen ab. Man könne doch nicht den Standpunkt vertreten, daß die Besetzung des linken Rheinufers bis ins unendliche dauern werde. (Herriot ruft darauf laut:Nein, nein, ich habe das tausendmal gesagt!^ Das starke Frankreich steht einem völlig entwaffneten Deutschland gegenüber.

Zum Schluß sagte Blum: Nur eine Hoffnung bleibe, die zugleich seine Ueberzeugung sei, daß der Tag nicht mehr fern sei, an dem sich alle zivilisierten Staaten versammeln, um wirklich für den Weltfrieden zu arbei­ten. Nach einem kommunistischen Zwischenfall bil­ligt die Karner die Kredite für die neujuftön;- fenbe Mission beim Vatikan.

<5ie sind an der R-ihe.

Die deutsche Antwortnote in Par- üben eicht.

(Eigene Drahtmelbmh.)

Ber'.n, 4. Februar.

Wie wir hören, hat Sto<*l5|etretS- von Tren- delenburg der französischen Reaf-rung eine Ant­wortnote des R e i ck- z k a b 'e t 18 überreicht. Deutscherseits steht man ans dem Standpunkt, daß ein Entgegenkommen gegenüber den französischen Forderungen möglich sein wird, wenn sich Frankreich bereit erklärt, nach Beendi­gung des Provisoriums einen 6anbel§öettra> auf der Grundlage des M e i st b e g ü n st' - gungsrechts abzuschließen.

anrö in Ameriia verhör dkln.

Berlin, 4. Februar. (Eigener Jnsormattons- dienst.) Wie wir erfahren, werden die ersten Vorbesprechungen über den Abschluß eines deutsch-amerikanischen Handelsvertrages gegen Ende des nächsten Monats stattfinden. Der neue deutsche Botschafter in Washington, Frei­herr von Maltzahn wird die ersten Be­sprechungen mit der amerikanischen Regierung

Beckers Wundsrkesie».

Eine Umwälzung in der Wärmetechnik.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 4. Februar.

Wie wir bereits kürzlich berichten konnten, hat der Ingenieur Bernhard Becker in tzoh- ra Bei Weimar einen Dampfkessel erfun­den, der Leitungen versorgt, die eBenso grotz sind wie diejenigen eines zwanzig mal so großen Dampskessels der Bisher übli­chen Form. Bei dem neuen Kessel wird zer­stäub t e s W a s s e r in die Röhren eingepreßt und beim Eintreten in Dampf verwandelt. Vor Pressevertretern gelang es gestern dem Ers-n- ber, in einem Versuchskessel vier Minuten nach Anheizung 20 Atmosphären Truck zu erzeugen.

Die Bahn ift zu teuer

Ausstieg der Reichsbahn und Fahrpreise.

Von

Arved Jürgentohn.

Was die Reparationen verschlingen. ®e« sßnsetie Gütertarife. Interessante Ver­gleiche 5w,scheu einst und letzt. Die «elbstkoste« der Reichsbahn sind gedeckt. Wenn «an di« .Preise erhöht ... Fern­verkehr «ntz gestaffelt und billiger werde».

Im Hinblick auf die Alarmnachricht, baß die Reichsbahn die Erhöhung des Beamtengehalts durch eine Erhöhung der Personentarife wieder einzubrrngen beabsichtigt, sind die folgendne Be- trachtungen von größtem Interesse: Äm 1. April 1920 sind die deutschen Staatsbahnen zur großen einheitlichen Reichsbahn zusammengeschweißt worden, die feit Mitte November 1923 ein finan­ziell selbständiges Unternehmen bildet und im Oktober 1924 in die Reichsbahngesell­schaft mit einem Grundkapital von sechsund­zwanzig Milliarden Goldmark umgewandelt wurde. Hiervon gelten elf Milliarden als R e - parationsschulden. Uber schon im nächsten Jahre sind 595; in Normaljahren tau. send Millionen Mark abzuzahlen, neben einer Verkehrssteuer von zweihundert Millionen, bei einer Rücklage von mindestens hundert Millionen. An einer Sorgenlast fehlt es der Reichsbahn also nicht. Die Selbstkosten des Güterverkehrs sind gegenwärtig, wie Gene­raldirektor Cefer kürzlich ausführte, um 75 Pro« zent, bte des vielfach eingeschränkten Personen- Verkehrs um sechzehn Prozent höher als im Frieden. Di. Tarifpolitik erfordert daher größte Vorsicht. Der Wiederaufbau verschlingt große Summen, u. höchste Sparsamkeit erscheint geboten. Die Tarife freilich sind jetzt, wenn wir vergleichen, viel teurer. Bei den Frachten machen sie heute durchschnittlich 150 Prozent der Friedenstarife aus, beim Personenverkehr etwa 135 Prozent. Schon am 1. Dezember 1920 sand auf der neuen Reichsbahn für den Güterverkehr eine höchst wichtige Neuerung statt: die allgeme:- ne Einführung der Staffeltarife, die in einer amtlichen Denkschrift als

Wendepunkt in der Geschichte des deutschen Gütertarifwesens

bezeichnet wird und erst durch die Verreichlichung der Bahnen möglich wurde. Am 1. Oktober 1922 wurde diese Staffelung erweitert und für alle Güterklassen gleichmäßig gestaltet. Schon seit dem November 1923 herrscht Berechnung in Goldmark. Die neuesten Frachtsätze datieren vom 1. Oktober 1924.. Die Staffeltarife finden nun ihre Begründung in der Tatsache, daß sich die S e l b st k o st e n der Eisenbahn bei einer Beförderung auf weite Strecken verringern. Man hat das Tarifwesen aber überhaupt auf dem Grundsätze aufgebaut, die Gebühren danach zu bemessen, inwieweit die einzelnen Arten von Gütern die Frachten ertragen können. Deshalb sind int Taris der Wagenladungen sechs verschie­dene Hauptklassen für die verschiedenen Güterar­ten geschaffen worden, mit je zwei Nebenllassen. Wie steht es nun aber beim Personenver­kehr mit den Fahrpreisen? Auch hier gibt es Klassen, vier Hauptklassen. Aber der lilo- metrische Tarif aller Klassen bleibt unverändert und kennt keine Entfernungsstaffeln mitfallen­den Preisen. Warum nicht? Werden hier die Selbstkosten der Eisenbahn bei Beförderung auf weite Strecken etwa nicht geringer? Ist es etwa nicht feststehende Tatsache, wie schon seit Ja(rcu von Fachlenten berechnet wurde, daß

Schnellzüge imFernverkehr geringere Selbst'osten verursachen als weilfahrende Personenzüae? Sind nicht die an sich ungerechtfertigten und mshr der Abwehr dienenden Schnellzugs- z u s ch l ä g e der Reichsbahn (bis 75 Kilometer, bis 150 Kilometer und beliebig weit Über 150 Kilometer: 3. Klasse 0,50, 1,00, 1,50 ; 2. Klasse doppelt so viels im Grunde tatsächlich auch Staf­feltarife mit Abnahme des Preises bei zuneh- menber Entfernung, nämlich in bet dritten Zo­ne? Stehen wir nicht am Ende nur vor einem Wall von Vorurteilen, zu deren Besei­tigung bisher immer bloß der folgerichtig den­kende Mut gefehlt hat? Die alten Kilometerfahr- preise der deutschen Staatsbahnen stellten sich "be« kanntlich in den vier verschiedenen Wagenllassen auf 2, 3, 4,5 und 7 Pfennig. Seit dem 1. März 1924 sind es aber

3, 4r5, 6,6 und 9,6 Pfennig, also meist um50Prozentrnehr. Tie Wer­te Klasse hat jetzt den Preis der dritten, die drit­te den Preis der zweiten. Doch sehr richtig h- es in einer Denkschrift des Reichsverkebrsmini- stenriums vom Jahre 1922:DerPersonen. verkehr ist Tariferhöhungen gegenüber viel empfindlicher als der Güterverkehr. Eine Ta­riferhöhung nach vrivatwirtschastlichen Gesichts­punkten bis zur Selbstkostendeckung würde hier eine Verkehrseinstelluugauf vielen ober