Kasseler Abendzeitung
15. Jahrgang
Einzelnummer IN Tf . Sonntags 15 Pk
Sonntag, 1. Februar 1925
Nummer 27
Nm Verhandlungen können retten
®egwr ter Benin. Also Loch sie« des Kabinetts Braun.
Weltpolitische Möglichkeiten.
Sn Preußen mit drei Stimmen Mehrheit wiedergewahtt.
tere Meldungen flehe 1. Seite.)
Der Präsident stellt fest, daß der Abg. B also mit drei Stimmen Mehrheit zum
raun
asterkonferenz ge
langt. Wie wir hören, wird der deutsche Bot
Braun 221 Stimmen, v. Kries 175 Stimmen, Pieck 39 Stimmen.
nehmen. Und auch Herriot hat sich zu Diskussionen bereit erklärt. In Berlin macht man sich jedoch daraus gefaßt, daß noch mindestens drei Wochen vergehen werden, --he in den Besitz der Ent-
Ein« onfetet mit btn Gcslogenhrite« der «rften DerltnerGesellskyaftSkreit« woh vertrau en Mit- arbeitet.nnen l. tzt uns durcv einen Spart in das oft buntbeweate, rauslbende Privatleben
also mit drei Stimmen Mehrheit zum M i - nifterpräsident gewählt ist. Seine Wahl wurde mit lebhaftem Beifall linls und im Zen-
unserer Staat kotyphäen bliden, das manche fpannenden und intereganten Momente anfwetst Der sechsundvierzig Jahre alte neue Reichskanzler stammt aus einer alten Berliner K a u f m a n n s f a m i l i e. Da er erst kurz vor
Geplänkel vor der Abstimmung / Das Ergebnis: 221 gegen 175 und ZSLIrmmen Ein abgelehnter Anflösuugsautrag ' Nächste Sitzung am Donnerstag.
Wird man verhandeln?
Luthers Echo in der Geinestadt.
Worum fle om JW»rn diewrn.
Rotterdam, 31. Jan (Eigener Drahtberickch) Aus Paris wird gemeldet: Kriegs Minister N c l l e r hat kürzlich Pressevertretern erklärt, daß Frankreich keinen Vorschlag Deutschlands unbesehen zurückweisen werde, wenn er aufrichtig gemeint wäre. Frankreich stehe am Rhein, nichr um Deutschland zu zerstückeln, sondern um stch vor einem neuen Einbruch zu sichern.
(Privat-Telegramm.)
Paris, 31. Januar.
Zu der gestrigen Rede des Reichskanzlers Dr. Luther vor der ausländischen Presie (siehe 2. Seite) schreibt ein Pariser Blatt, die Parallele, die Dr. Luther gezogen habe, zwischen London, wo Deutschland zur Diskussion zu- gelaflen wurde, und der Kölner F r a g e, bei deren Regelung Deutschland nicht gehört wurde, bestehe nicht. Die Zulassung Deutschlands zur Londoner Konferenz sei für die Ausführung des Tawesplans unerläßlich gewesen. In der Kölner Frage habe man nur den Versailler Vertrag anzuwenden gehabt. Ein zweites Blatt billigt dir Rede und erklärt: Die klare und sehr energische Haltung fierrtofS habe es Lutber gestattet. sich von der Beherrschung der nonarrst i st i s ch e n und Rech
ten loszn machen. Die Stunde ist da. wo man mit Deutschland verhandeln muß über das, was Deutschland und Frankreich
selligkeit verschlossen bleiben. Unter den siebzehn Reichskanzlern, die dort amtierten, finden wir nur drei Junggesellen: Caprivi, Feh- renbach und Dr. Wirth. Das größte Haus von allen Reichskanzlern machte wohl Fürst Bülow, der nicht nur ein Freund der Geselligkeit war, sondern in ihr auch ein wichtiges Mittel zur Erzielung politischer Erfolge sah. Dazu kamen die gesellschaftlichen Talente seiner Gemah- lrn, einer Italienerin aus dem Hause der Für- sten von Camporeale, Her r von Bethmann. Hallweig aber, der Nachfolger des Fürsten Bülow, beschräntte seine Geselligkeit auf das Maß deS Notwendigen, da er und seine Gattin lieber im Kreise ihrer Familie in Berlin oder in H o h en f t n o w waren. Von den Kanzlern des Nachnovembers hätte wohl
Herr Stresrmann daS größt« Haus gemacht,
indessen dauerte feine Kanzlerschaft nur etwas über drei Monate, die dazu noch in eine so kritische Zeit fielen, daß an Geselligkeit überhaupt nicht gedacht werden konnte Rach dem Reichskanzler hat Wohl der R e i ch s a u ß e n m i ui - st e r die meisten gesellschaftlichen.Verpflichtungen. Allein der Verkehr mit und in dem g r o - ;en diplomatischen Corps in Berlin führt zu hohen Anforderungen in dieser Beziehung. Von den acht Außenministern des Nach- novembers haben zweifellos Herr Stresemann
und seine liebenswürdige elegante Gattin die meiste Geselligkeit
gegeben. Beide haben in ihrer Dienstwohnung der schönen früher Decker'schen Villa, die in der Budapeüer Straße liegt, und derengroßer Garten bis zum Auswärtigen Amt in der Wil- Helmstroße geht, das ganze letzte Jahr hindurch eine große Reihe Diners, Routs und Garten
festen gegeben. Dazu kommt der an der Saison leben Montag von Frau Stresemann abgehaltene Nachmittagsempfang, bei der Vorstellungen der jüngeren Mitglieder des deplomatischen Corps stattsinden. Dem Reichsminister des Innern liegt es ob, den Zusammenhang mit den Regierungen der Länder nickt nur dienstlich, sondern auch gesellschaftlich zu pflegen. Von Den Neichinnenministern hat das größte Haus Tr. Köster, der jetzige Gesandte in Riga, gemacht, der mit seiner blonden jungen Frau, einer begabten Landschaftsmalerin, während seiner Amtszeit viel empfing. Auch sein Nachfolger, der jetzige Generaldirektor der deutschen Eisenbahnen, Herr O e s e r gab viel Geselligkeit, unterstützt von seiner klugen Gattin, die selbst Politisch begabt und interessiert durch ihre
Damentees mit Politsichen Vorträgen bekannt geworden ist. Das von seinem Ressort am meisten in Anspruch genommene Kabinettsmitglied ist Wohl der Reichsfinanzmini- ftc i. Die gesellschaftliche Chronik Berlins weist daher auch keinen aus, der mehr als die notwendigste Geselligkeit gab. Unter den Reichsschatz- und Reichswirtschaftsministern, die ein Haus machten, muß vor allem Herr von Raumer erwähnt werden, der mit seiner Gattin häufig Gäste bei sich sah. Unter den Reichsjustiz. Ministern ist wohl Herr Schiffer gesellschaftlich am meisten bervorgetreten. Wenn er auch Witwer war, so stand ihm doch in feiner zweiten unverheirateten Tochter eine Dame zur Seite, die ttotz ihrer Jugend alle für eine gewandte Ministerin notwendigen gesellschaftlichen Talente besaß. Der Reichswehrmini st er Herr G e ß l e r, der das an Dienstzeit älteste Mitglied des Reichskabinetts ist .hat nur sehr, wenig Geselligkeit gegeben, da seine Gattin leidend ist, nicht in Berlin, sondern auf seinem Landsitz in Lindenberg im Allgäu lebt. Um- somehr repräsentiert fteilich der Ches der Heeresleitung, General von Seeckt, in seiner schönen Dienstwohnung in der Bendlerstraße, unterstützt von seiner gewandten Gattin, die der Berliner Fabrikantenfamile Fabian entstammt. Reichsarbeitsmini st er Brauns ist kanntlich ein katholischer Priester, sodßa bei ihm nur parlamentarische Herrenabende statt- finden Juck die anderen Reichsminister, die seil 1918 kamen und ginnen. haben sdh gesellschaftlich sehr zurückgehalten. Eine Ausnahme machte nur der Reichsernährungsminister Gras Kanitz,
Bot.
Staatssekretär z. D. Erb. v. Rheinbaben, MIR.
Von den während rauschender Friedensfeste gepflogenen Verhandlungen über die Besetzungskompromisse zwischen Frankreich einerseits, England und Amerika anderer- Seits geht letzten Endes bis heute die Haupt- i s f e r e n z zwischen Frankreich und England über die weitere Behandlung Deutschlands aus. Aber die damals 1918 und später
schuster in Paris, Dr v H o e s ch, die diplnnm- tische Sondierungsaktion eröffnen. Im Anschluß daran werden die deutschen diplomatischen Vertreter in London und Brüssel gleichartige Schriee unternehmen. Daß dabei auch von deuffcker Seite die Sicherheitsfrage angeschnitten wird, ist von allergrößter Bedeutung. In politischen Kreisen glaubt man, daß die englische Regierung von stch auS die Initiative ergreifen wird, um alsbald ein allgemeines Projekt zu diskutieren, daS den Abschluß eines Garantie-Abkommens zwischen den alliierten Regierungen «nd«Deuffchland vorsteht.
trum begrüßt. Die 6 weißen Zettel waren von den Deutschhannoveranern abgegeben worden. Ein Stimmzettel war ungültig.
Abg. v. Campe (D. Vvt.) erklärt, spätestens am 5. Februar müsse die nächste Sttzung stattfinden, weil an diesem Tage die Amtszeit des vorläufigen Landtagspräsidenten ablaufe. Abg. Pieck (Komm.) beantragt, für den Fall der Ablehnung einer soforttgen Beratung der Amnestieantrage, die nächste Setzung morgen abzuhalten zur Beratung über den An- trag auf Auslösung des Landtages. Die kommunistischen Anträge werden abgelehnt. Die nächste Plenarsitzung des Preußischm Landtages wird voraussichtlich am Donnerstag, den 5. Februar, die Sitzung des Aeltestenrates am Montag, den 2. Februar, stattsinden. (Wei-
wissen Umgang das Wiederaufleben eines Deutschen politischen und wirtschaftlichen Krast- zentrums wirklich erstrebt. Selbstverständlich :st ein gut Teil wirklich« Machlpolitik dabei und letzten Endes sogar dabei ausschlag gebend
Es muß also mindestens noch ein vierter Partner Mitwirken, der einen solchen Ausgleich der Interessen herbeizufuhren tn der Lage ist, bei dem Deutschland sich wieder m die Höhe arbeiten kann. Kein Zweifel, wer dieser Partner ist: diejenige Macht, die den Krieg >u unseren Ungunsten entschied, diejenige Macht, die Frankreiech allzulange glauben ließ, daß es allein der »Sieger- sei, die Vereinig t e n Staaten von Amerika. Nur scheinbar widerspricht dem, was vorher über die entscheidende Rolle der Politik im Leben der Volker ausgeführt wurde, daß der Dollar sich in allem, was mit Amerika zusammenhängt, so sehr in den Vordergrund drängt. Deutschland brach zusammen, das Schwert ging in die Scheide zurück und die Politik verließ die europäischen Verwicklungen. Aber der Dollar blieb und wartete auf seine Zeit. Jetzt hat der Dollar erneut zu wirken begonnen und wiederum folgte ihm die Politik. Amerika hat recht eigentlich Deutschland besiegt. Nicht die anderen! Amerika versprach einen Frieden, der zwar voller Härten, aber doch ein wirklicher Frieden gewesen wäre. Amerika brach fein Versprechen. Amerika trat dann wieder ein tn die europäische Politik und nur Amerika
vre europaffche Pocnir uno nur hi h ff. s»COtCrunn
wird ihr diejenige Richtung werfen, bet der Regierung
Deutschland wieder aufsteigen tann. Munl- ber
Heimliche Herzenswünsche.
Berhandlungsfehnfucht auf allen Seiten (Eigener Jnformanonsdievst.)
Berlin, 31. Januar.
Trotzdem durch das neuerliche Hervortr'ten des französischen Ministerpräsidenten Herriot eine gewisse außenpolitische Verschärfung eingetreten ist, läßt sich schon jetzt erkennen, wir stark auch die alliierten Regierungen auf eine Beilegung des gegenwärtigen Konfliktes angewiesen sind. Englische Rcgierungskreise weisen schon jetzt in der nachdrücklichsten Form daraus hin, daß der deutschen Regierung Gelegenheit gegeben werden müsse, zu dem Belast ungs- material der Kontrollkommission Stellung zu
Änzeiaciwrette:EinheimischeGelchästSan,eigen teile20 tfta_ auswärtige GetEtS', anseiaen üeiie 20 Pia tfamilieiieiiieifleu .teile 20 Pis., Kleine Anzeigen «as Wori 4 »üu Reklamen die -teile 75 Pig. Offerlgebübr tt>Pig. ibei üukendg. der Oster>en 20 Ptg.t Rechnungsbeträge sind innerhalb 5 Ta, w bezahlen. Makaebend ift der Kurs des ,8ablungstages. Mr die Richtigkeit aller »urck ffernkvrecher autgeaebenen Anzeigen sowie für «ufnabmedaren und Plätze kann nicht garantieri werden ffui Anzeigen mit beton», schwierigem Satz 100 Proz.Autschlag. Druckerei: «chlachthot ltraÄ 28/80.GeschältSitelle KSln.Str.5. aegeniib.der SoobrNr. SernfoT.<)51 a. 95.
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Berlin, 31. Januar.
Das Haus ist stark besetzt, die Tnbünen sind überjüllt. Die Abgeordneten stehen in erregten Gruppen umher. Sämtliche Fraktionen haben ihre letzten Leute herbeigeholt, auch die Kramen sind aufgeforbert worden, an der entscheidenden Sttzung teilzunehmen. Auf der Tagesordnung teht als einziger Punkt: Wahl des Mini st erpr äs identen. Auf einen demokra- tischen Antrag werden die Vorgänge tn der Landespsandbriesbank ohne Debatte einem besonderen UntersuchungSaus- chuß überwiesen.
Abg S o b o 11 k a (Komm.) verliest dann unter großer Unruhe eine lange kommunist,che Erklärung in der das gegenwärtige Regime als eine einseitige Begünstigung des Kapitalismus bezeichnet tottb. Er beantragt am Scklutz die Festsetzung von Neuwahlen für den Landtag zum 22. März 1925.
Wie Braun die Schlacht gewann.
Präsident Bartels eröffnet hierauf die Wahl des Ministerpräsidenten, die nach der Gc- schöstsordnuna ohne Aussprache durch Stimmzettel zu erfolgen Hai.
Um 3,45 Uhr verkündete Präsident Bar- t e l s das E r g e b n i s der Abstimmung. Abgegeben sind 441 Stimmen. Der Lanotag ist also beschlußfähig. Unbeichrttbeu sind 6 Zettel Von den übrigbleibenden 435 Stimmen beträgt bte Mehrheit 218 Stimmen. Erhalten haben
(Sine Herkulestat.
Braun soll daS preußische Kabinett bilden.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 31. Januar.
Der nur mit drei Stimmen Mehrheit neuge- tvählte Ministerpräsident Braun hatte gestern abend eine längere Besprechung mit den 'llondtngsfraktionen des Zentrums, der^Demokra- !cn rnv bet Sozialdemokraten. Es bestand Einigkeit darüber, daß der Ministerpräsident zunächst den Versuch machen muß, eine Kabinett der großen Koalition durch Berhandlun- gen mit der Bolkspartei und der Wirt- schaftS- Vereinigung wiederherznstellen, daß aber auch beim Scheitern dieses Lösungsver- kuches unter allen Umständen eine Kabinettsbildung durch Den Ministerpräsidenten B ann zustande kommen so».__
Einzelmrmmei 16 Pk Pf.
Handlung auf. Er erkennt feierlich die Grundsätze an, die wir als wesentlich erklärt haben. Atitworten wir ibm sehr rasch, daß wir bereit sind, ihn anzuhören. Haben wir den Mut zwischen Paris und Berlin die große Debatte zu eröffnen, die eine kontinentale Politik eröffnet, ohne daß die Schicksale der beiden in Frage kommenden Länder aufeinanderprallen.
Weihnachten Witwer geworden ist, werden die "a£?V- des Reichskanzlerpalais in der Wilhelm-
a straße 77 in den nächsten Monaten größerer Ge-
an manches öffentliche und nicht öffentliche englische Wort geknüpften deutschen Hoffnungen haben sich im Ganzen genommen nur zu einem fewiffen Teil erfüllt. Deutsche Versuche der be- , anderen Annäherung an England (zeitweise < waren ihre Vertreter eigentümlicherweffe gewisse politisch weit rechts stehende Kreise) und einseitiges Verständnisbedürfnis mit Frankreich von Seiten linksgerichteter .Kontinentalpolitiker" - haben im Endresultat stets dazu geführt, daß immer wieder Deutschland die Zeche bezahlte. Amerika hatte sich damals von europäischen Dingen scheinbar völlig abgewandt. Italien, Belgien und Japan bueben wie Statisten tut Hintergründe des großen Spiels um die europäische Zukunft. Immer deütlicher sank Deutschland unter die Gewaltpolitik Frankreichs allmählich in die Kniee und vermochte nicht, irgendwo Anlehnung und Stützung gegen den übermächtigen Druck seiner Kriegsgegner zu gewinnen. Auch der Vertrag von Rapvllo und andere wichttge Ereignisse an anderen Stellen der Welt, wie die Neuordnung auf dem Balkan, das nationale Wiedererstehen der Türkei usw. berührten das deutsche Schicksal höchstens in der Weise, daß Ausgleichungen weltpolitischer Interessen auf Deutschlands Kosten vor sich gingen. Schließlich drohte Deutschland dem Druck der französischen Politik völlig zu unterliegen, als der Ruhreinbruch und feine Folgen den Wendepunkt des deutschen und europäischen Schicksals herbe führte: Amerika trat wieder ein in den großen Prozeß der Neuordnung Europas und in den ersten Auswirkungen dieses Eintretens stehen wir noch heute.
Ein Grundirrtum war es, hier alles oder doch das Meiste von der Wirtschast zu erhoffen. So viel diese auch für die Rückkehr von Frieden und Aufbau tun mag — sie bedarf der Politik zur letzten Leitung und Führung der Völker. Aber darüber hinaus braucht unser Volk auch seelisch das Aufwerfen und Auf- weisen großer politischer Ziele. Sind solche Ziele etwa der Völkerbund ober ber hem so modern gewordene Begriff von „Pan - euroba"? Ich glaube es nicht'. Beides kann für uns einmal eine gewisse Rolle spielen. W:r können in den Völkerbund eintreten — vielleicht! — wenn die Ruhr- und Rhemfrage aus Reckt und Vertrag zurückgeführt sein wird. Es kann auch im Lauft der Zeit zu so etwas wie einem stärkeren Gemeinsamkeitsgefühl und vielleicht auch sogar zu so etwas wie einer europäischen Wirtschaftsgemeinschaft kommen — aber nie und nimmer wird das jenes außenpolittsche große Ziel sein, das dem wirklichen Gefühl der Hoffnung auf bessere Zeiten unseres Volks entsprechen wird. Ich stelle ein anderes Ziel auf und möchte die dahin führende Politik bezeichnen als die „Politik der Partie zu Vieren".
Der wichtigste Partner für die Außenpolitik Deutschlands ist und bleibt Frankreich. Ihm gegenüber sind wir in ber deutschen RachkriegS- politik in die zweite und wohl entscheidende Phase des „Kampfes um den Rhein" eingetreten, der von französischer Seite mit dem auf die Weltmeinung und ihre Beeinflussung abgeftettten Schlagwort ber .Sicherheit Frankreichs" geführt wird. Das Recht ist aus der deutschen Seite. Auf ber französischen Seite sieht bie Macht und ein überspanntes chauvinistisches Siegergefühl. .Die siegreiche französische Armee zieht sich nicht zurück" — das ist aber andererseits ein authentisches Wort eines in hoher Stellung stehenden französischen „Linkspolitikers". Es zeigt besser als längere Abhandlungen die innere Einstellung auch der sogenannten Versöhnungsfranzosen/ Bietet der zweite Gegenspieler Deutschlands, England, solche Möglichkeiten? Naa dem deutschen Zusammenbruch wurde schnell verkündet, baß diese .alte Machtpolittk" für immer begraben sei unb eine „neue Zeit des Völ- kerftiedens" anbrechen soll«. Der Völkerbund trat ins Leben und England erkannte sofort, baß in Anpassung an bie über bie Well geöenben Schlagworte unb an die vom Kriege her noch bestehende Massenpsychose ber Völker- bunb von 1919 bnrchaus die Möglichkeit bot, bie rein britischen Interessen in ihm vollauf zu wahren Wenn man als Deutscher bie bisherige Strecke überschaut, so tann man beute wohl sagen, daß im Ganzen England gegen bie Zertrümmerung des deutschen Staates gewirkt hat und daß englische Zu'unftsvolitik im ge-
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