Meier Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Freitag, 23. Januar 1925.
Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf 15. ZahrgiMg
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Der tionnemeniBttrei« beträgt für »en Monat i- SSt bet »reter Hüfte llui,«
La«»,'n »er («eldtäfteftette abgebolt 1 .stilfff. Durch »ie Po« monatlich "noäRf. auolchlieftlich ,-iufteüttngsoebtibr «erlag un» Redaktion Schlachtbotftrahe 2H/3O tVernforedter «51 un» 952. Kür unverlangt einpefanbte «eiträae kann die Re. at ton ettte «eranttBortttna oder «ernähr tn keinem Kalle übernehmen. Rück- 'fibluno de« «e,ng«geldeboder Jlnforüdie wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger fefentno -ft anSaefchtoften Poftfcheckkonio Äranffttr* a. Main Nummer 8Mt
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19. Einzelnummer 10 Pf Sonntags 15 Pf.
Das Spiel um Köln beginnt.
1
ihre
will nur die Stellung
zu der Ent l der «irt-
werde von der deutschen Arbetterschafi teuer bezahlt, ohne daß Deutschland ge räumt werde. Ministerpräsident Herriot ruft dazwischen: Deutschland muß den V e r s a i l l er
arbeitenden Bevölkerung aufs neue durch Haltung bedroht werden sollte.
Frankreich will sich drücken
Wie es die Kriegsschulden bezahlt hat.
(Eigene Drahtmeldung.)
Wie wir mit Frankreich stehen
Zur Verständigung entschlossen.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 22. Januar.
Lucher MN vor.
Wie die Regierung Köln befreien will.
(Prtvat-Telegramm.)
Berlin, 22. Januar.
Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, tritt daS neue ReichSkabinett zu einer Sitzung am SamStag zusammen, in orr es stch mit der Frage der Räumung der Rheinlandzone beschäftigen wird. ES wird bei den BesetzungSmächten ei« »euer diplomatischer Schritt unternommen werden, der die Einfettung von Berhind- l n n g e n anstrcbi. Reichskanzler Dr. Luther wird, wie wir hören, zu Anfang der nächllrn Woche
die Botschafter und Gesandten der Mächte empfangen,
um sich ihnen als neuer «anzler des Reiches vorzr stellen. Man erwart «ei dieser Gelegen, heil eine» unverbindlichen MeinungS. aus tau sch zwischen dem Reichskanzler und den sranzöstschen Diplomaten.
daS ist die Ausgabe, die sich Flettner gestellt hat. Flettner kehrt bei seinen neuesten Versuchen wieder zu der Konstruktion des Schiffs- und Flugzeugruders zurück. Es handelt sich diesmal um die Ausnutzung der Windkraftener- gien. Diese in großem Matzstabe zu benutzen war deshalb nicht möglich, weil bei den bisher verwandten Windkrafträdern die Energiemenge, die dazu nötig war, um die Windkrasträder zu steuern, so grotz war, datz sie die durch den Wind erzeugte Kräftemenge fast vollst'-rdig wieder ausglich und dadurch ein Nutzerfolg fortfiel. Flettner will nun die Steuerung der Windkrasträder mit einem bedeutend geringeren Kraftaufwand verwirklichen. Dies wird erreicht durch Anwendung eines Hilfsruders, mit dem selbst in Höhen von 180 Metern
das Windkraftrad gesteuert
und fe die erzielte Stromenergie bis auf 2000
Vertrag respektieren. Cachin kritisierte weiter den Dawesplan und erklärt«. Frankreich werde der amerikanischen Finanz ausge- liefert wie Deutschland. Schliehlich besprach der Abgeordnete die Anerkennung Sowjetruß- lands durch Frankreich und die Frage der russischen Schulden an Frankreich Die Behauptung Cachins über ein Geheimabkommen mit Polen dementiert Herriot. Jn den östlichen Ländern hätten sich gewisse Ereigniffe vollzogen, die eS verständlich machten, daß man derartige Vorsichtsmaßnahmen treffe. Der Abg. Cachin hält trotzdem seine Behauptungen aufrecht und beendet seine Rede mit einem Lob und Hymnus aus die Sowjetregierung.
ein wahres Won Sachlns,
Paris, 22. Januar. (Privattelegramm.) Im weiteren Verlauf der Kammersitzung sprach sich der kommunistische Abgeordnete Cachin unter lebhaftem Widerspruch des Ministerpräsidenten gegen die Bilanz auS, die der Abgeordnete Marin aufgestellt habe. Der Dawesplan
Xrenftelenburg ebnet die Weqr.
Genf, 22. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Wie di- HavaSagentur meldet, hat gestern eine Nnterrrdung des deutschen Delegierten Trendelenburg mit dem Finan»Minister Elementel stattgefunden. Die Unterredung dauerte anderthalb Stunden. Die Pariser Mor. genblätter schreiben übereinstimmend, datz man allgemein mit einem provisorischen Abkommen für die nächste Woche rechnet. Der neue ReichSwirtschaftSminifier will vor allem ans die Herstellung deS Glrichgewich- teg zwischen Einfuhr »nd Ausfuhr, auf die Stär- kung deS inneren Marktes und die Belebung der Produktion Wert , legen. Handelsverträge sollen grundsätzlich nur auf dem Boden voller und tatsächlicher Meistbegünstigung abgeschloffen werden. Im übrigen soll dir Atmosphäre der HandelS- vertragSverhandlungen von poliktischen Einslüs. fcn nach Möglichkeit gereinigt werden.
gebrochen werden sollte. Die Gefahren liegen weniger bet der Regierung als bei den Par- leien, denn man kann nicht voraus««hen, welche Anträge von Seiten der Parteien gestellt werden können. Immerhin kann ein Bruch vermieden werden, wenn die Parteien ernsthaft gewillt sind, aus eine Politik der Sonderinter- essen zu verzichten.
Sehr zurückhaltend sprach sich der Demokrat Erkelenz aus: Ein Regierungsprogramm ist noch keine Tat. Wir werden abwarten, ob das Kabinett Luther seine großartigen Versprechungen erfüllt und unsere Haltung dementsprechenv einrichten. An Opposition denken wir zunächst nicht, aber wir sehen die Dinge wesentlich schwieriger als der Reichskanzler und sehen namentlich in der Räumungsftage mit ernsten Be- sorgniffen dem Lauf der Dinge entgegen. Ver- trauen haben wir zu vielen der neuen Minister nicht.
Der Führer der Sozialdemokratie Hermanri Müller: Die Sozialdemokratie wird trotz schärfsten Mißtrauens keine Opposition um jeden Preis, treiben, sondern nur dann gegen die Regierung austreten, wenn die Interessen der
lichen Rheinlandzone besonders nachdrücklich be- cinsluffen. Das ReichSkabinett wird sich jedoch in keiner Weise dadurch umstimmen lassen, die bisherige Außenpolitik, die auf die Herbeiführung einer Entspannung der Beztehun- gen zu allen europäischen Landern gerichtet ist, in verstärktem Maße fortzuführen, da nur die Fortsetzung der Besetzung der nördlichen Rheinlandzone die einzige Gefahr für die Störung der europäischen Lage darstelle.
Im Auswärtigen Amt «eist mau daraufhin, datz durch den Regierungswechsel in Deutschland in den deutsch • französischen Beziehungen und besonders in der deutschen Politik gegenüber Frankreich absolut keine Berände-
i Das Flettner-Wunder
Rotor-Schiffe, -Flugzeuge und neueste Pläne.
<»ee* nnfe.ee ®erld)ter«tatier bat e (St egen l bei* von einem der hervorragendsten Mstarvei-
,er- £?• *• 3«. au Resten fccfinOiicbc . Erst Der« des Wlniura.tfanffe«. F ettner, über den «ne. bau lem r nrnwat enden E fi. dnng und neue Kochernachende 3u.ua tsp.une eines Meistere Folgende« tn Erfahrung zu dringen.
DaS Gewicht der Rotortürme ist nicht etwa schwerer, wie behauptet wird, sondern etwa vierzig Prozent geringer als das der Takelage eines entsprechenden Segelschiffes. Dazu kommt, daß das Hauptgewicht im Schiffsraum liegt, während bei den Segelschiffen das Hauptgewicht auf dem Schisfsdeck ist. Ferner kommt hinzu, daß die Rahen der Segel» schisse bei einem der .Buckau" entsprechenden Schiff zirka 27—30 Meter hoch sind, wahrend der Rotorturm nur siebzehn Meter mißt. Die massive Form der Türme hat mit ihrer Schwere nicht das geringste zu tun. Wir wollen vor al. lern in Zukunft erreichen, die Rotortürme so zu vervollkommnen, daß eine möglichst hohe Ausnutzung der Windkraftdisserenzen, auf der überhaupt das ganze Prinzip der Fortbewegung beruht, erreicht wird. Flettner hat noch kürzlich erklärt: „Es war mir von vornherein klar, daß die neue Einrichtung nicht etwa das moderne Dampf- und Motorschiff verdränge sondern daß es als hochwertiges Supplement zu der hochentwickelten Schifssmaschine hinzutrete, die große Ausnutzung der Windkraft aus dem Meere ermögliche und durch eine jcbr hohe Brennstoffersparnis die W.n- schaftlichkeit der Seeschiffahrt autzerordentlich erhöht.- Der Fletlner-Rotor ist ebenso wie jedes Segelschiff vom Wind abhängig. Ohne Wind kann auch das Rowrschisf nicht fahren; aber gerade bei schwerem Wetter können mit dem Rotorturm die größten Geschwindigkeiten erreicht werden, ohne daß daS Schiff und die Besatzung gefährdet «erben. Bei den Rotortürmen handelt es sich um die Ausnutzung des bekanntenMagnus. E s f e k t e s, der schon vor weit über siebzig Iahten bekannt war. Diesen auf den verschiedensten Gebieten versucht und durchgcführt zu haben, ist daS große Verdienst Flettners. Es ha- bett stch neuerdings eine ganze Reihe von Personen gesunden, die das Prinzip ebenfalls anwenden wollen. Doch müssen ihre Versuche als phantastisch zurückgewiesen werden; einmal handelte es sich darum, daß A. Samuel die Flettnersche Erfindung für Motorboote ausnut- zen wollte, doch entspricht es nicht der Tatsache, daß diese Versuche mit Direktor Flettner zusammen durchgeführt werden. Auch der Verwen- düng des Rotorflugzeuges durch den österreichischen Ingenieur Gligori steht man mit großer Skepsis gegenüber. Dieser will
ein Motorflugzeug ohne Propeller bauen um die normalen Tragflächen zu verwenden. Der Antrieb allein soll durch zwei rotierende Walzen erfolgen, die das Flugzeug slugfähig machen; ob dies Überhaupt möglich ist, müßten weitere Versuche ergeben. Aber eines ist gewiß, ein sicheres Flugverkehrsmittel, das nur aus Verwendung von rotierenden Walzen besteht, ist nicht zu ereichen, da es Menschen unmöglich ist, einen Motor zu bauen, der nie versagt. Würde aber der Motor auch nur für wenige Sekunden auSsetzen, so würde das Flugzeug unweigerlich abfturzen, da ein Abfangen durch den Fortfall der Tragflächen nicht möglich ist. Es liegt uns nicht nur der AuSbau des Rotorschifses am Her- zen, sondern wir verfolgen noch viel weitergehende, vielleicht noch aus dem gesamten Wirt- chaftsgebiet große Umwälzungen hervorrufende Erfindungen. Es handelt sich nicht um irgendwelche phantastische Dinge, sondern wie beim Flugzeug« oder Schiffsruder und beim Rotor- schiff geht Flettner nur von wissenschaftlichen Berechnungen und Ideen aus. Die
Nutzbarmachung des Magnus-EfsekteS
6k wollen nur Seit gewinnen.
London, 22. Januar. (Privattelegramm) Ein diplomatischer Berichterstatter schreibt» die alliierten Regierungen seien geneigt, eine weitere vorläufige Note nach Berlin zu senden, die auf die von Sttefemann vorgebrachten Argumente und Anftagen in allgemein gehaltenem Sinn antworten werde. Auf diese Weise werde Zeit für eine eingehende Erötternng deS Berichts der Kontrollkommission gewonnen werden. — Die Botschafterkonkavenz erör • irrte gestern die Frage einer Intertu-Snote, also nicht einer endgültigen Note an Deutschland. Die Schwierigkeiten einer Verständigung zwt- chen Frankreich und England, mit Bezug aus die Rote an Deutschland, dauern noch an.
Unter Luthers Szepter
3m i.ampf mit der Opposition.
(Von unserem Berliner Bericht-Ztatter.)
Reichskanzler Dr. Luther hat sich auf die Anfragen hin, die von den außerhalb bet Regierung stehenden Parteien, den Demoltalen und den Sozialdemokraten sowie den Rational- sozialisten an ihn gerichtet worden waren, io- fort dazu bereit gesunden, eindeutige Er- klärungen adzugeven. Er hat in der nachdrücklichsten Wetse zu den Gerüchten übet an- gebliche Ko mpromißab sichten in der Kölner Räumungsfrage Stellung genommen und dabei die Feststeuung gemacht, daß der Reichsregierung von derartigen Absichten irgend einet oer Besatzungsmächte nicht das Mindeste bekannt geworden sei. Von größter Bedeutung war die weitere Erklärung des Kanzlers, daß an der I n n e h a l t u n g der in den Londoner Vereinbarungen vorgesehenen Fristen für die Räumung des Ruhrgebiets nicht gezweifelt werden dürfe. Die Retchsrogierung ,ei int Besitze einer ausdrücklichen Versicherung, daß sie die gegebene Zusage des französischen >Äintsierpraiidenien hinsichtttch der Ruhrräumung tnnehalten werde. Diese Mitteilungen des Kanzlers haben auf die parlamentarischen Kreise einen ungeheuer starken Eindruck gemacht, da sie beweisen, daß man deutscherseits an der Grundlage der Gegenseitigkeit der Londoner Abmachungen fest, hakten will. Zu der Frage des demokratischen Bührers Koch, wie sich die Reichsregtetung zu den vaterländischen Verbände» Zellen werde, teilte der Kanzler mit, daß die Regierung eS begrüße, wenn sich bestimmte Organisationen die Vertiefung des vaterländischen Gedankens im Volke zur Aufgäbe gemacht haben. Diese Crganifationtn tonnten jedoch leine Ausnahmestellung einnehmen wollen, sondern sie würden in gesetzlicher Hin- sicht gleichwertig wie jede andere Organifation bcbitnbrli werden. Zum Schluß betonte der Kanzler, datz er auch als Reichskanzlei entschlossen sei, die Person des Reichspräsidenten vor Herausfordet ungen zu schützen.
Diese Darlegungen Dr Luthes sind füt die innenpolitisch« Situation Dieltet:jt noch b e b e u- tungsvoller und von noch jröfcerer Tragweite als das Regierungsprogramm S. In den parlamentarikchen Kreisen öer-
t jedenfalls, daß es dem Kanzler gelungen fei, durch feine neuerlichen Darlegungen und insbesondere durch fein eindeutiges Eintreten für die gesetzliche und parlamentarische Grund- läge der Regierungspolitik die Bedenken der Demokraten zum großen Teil gu zerstreuen. ES könne mit Bestimmtheit erwartet werden, daß die demokratische Fraktion stch bei der Vertrauensfrage der Stimme enthält, und stch nicht der Opposition an- schließt. Von großem Interesse ist noch die Tatsache, daß der Außenminister Dr. Strefern a n n es dem Kanzler überlassen hat. zu dem Vorwurf der RegierungSgegner m der Frage der Räumung der Kölner Zone Stellung zu nehmen. ES verlautet, daß Dr. Strese- ntann damit bemonftiati# zum Ausdruck bringen wolle, daß er für seine Person nicht die Ab- sicht hat, in die innenpolitischen Konflikte ein- zugteifen. DaS Auftreten des Kanzler» gegen- über der vvpositton Hai im übrigen sehr günsti- gen Eindruck gemacht und den Eindruck verstärkt, daß die neue Regierung durchaus auf einen versöhnlichen Ton eingestellt ist
Der greise Zentrumsführer Dr. Martin ... ___________________ ______ _________
Spahn führte folgendes au8: Irgendwelche rung eingetreten ist. Die feindselige Sprache Schwierigkeiten wird das Zentrum nicht machen, der fchnzöfifchen Presse *-*" — ~
Wit fürchten jedoch, datz es dazu von selbst kom- nähme der französischen
Schluß der Debatte.
Dr. Wirth spricht heute im Reichstag. (Prtvat-Telegramm.)
Berlin, 22. Januar.
Der Aeliestenausschuß de» Reichstage» be- schloß gestern, die große Debatte über die RegirrungSettlärung am Donnerstag zum Ab» schlutz zu bringen und am selben Tage «och die Abstimmung Über da» Billigung»- bzw. Mitztrauen»vntum herbeizuführe«. Am Freitag soll sich der Reichstag mit Be« polnische« und spanische« Handelsvertrag beschäf- ttgen. Born Sonnabend an soll eine Pause ein trete«. Bor, der heutigen Sitzung dr» Reichstage» treten die Fraktionen erneut gu Bern tringe« zusammen. Hebertafdiungen ganz besonderer Art gehöre« in das Bereich des Mög- lichen, umsomehr, all die Rede Dr. Wirth» gu erwarte« steht, »och bi» 11 Uhr abends bemühte« sich gestern da» Zentrum, Dr. Wirth zum »ergibt auf seine heutige Reoe zu bringe«. Hinsichtlich der «uswertungsfrage wM sich das Kabinett nicht durch eine Pro- grammtebe festlegen. Wie die „Zeit" erfährt, wird ReichSautzenminister Dr. ®ttefernenn im Laufe der politischen Aussprache im Reichs- tage daS Wort nicht ergreifen. Reichskanzler Dr. Luther habe die außenpolitischen Fragen in seiner gestrigen Rede mitbeantwortet. Die große außenpolttische Rede eierte beim Stal be» Aus- »artigen Mattel «n ihrem Platze fern. *
Auf eine von «nferem Berliner Mitarbeiter verunstaltete Rundfrage über die Ausfuhren bei Kabinetts Luther find von führenden Parlamentariern folgende interessante und aufschlußreichen Gutachten eingegangen:
Abgeordneter Graf Westarp: Ich sehe für die nächste Zeit absolut teilte Schwierigkeiten. Ein gedeihliches Zusammenarbeiten zwischen der Rechten und der Mitte wird nur barm möglich sein, wenn auch in Preußen eine bürgerliche Regierung am Ruder ist, die die Gewähr dafür bietet, daß keine Konfliktstoffe in die Regierung selbst hineingetragen werden.
Abgeordneter Dr. von Lardorf: Di« neue Regierung ist kein Sarnpflabinett und kann stch durch ihre fachliche Arbeit über innenpolitisch« Streitfragen hinwegsetzen. Die Deutsche Bolks- partei ist davon überzeugt, daß auch tue Deutsch- nationalen keinerlei Absichten haben, eine Kampsansage gegen die Linke zu richten. Ich bin überzeugt, daß das Zentrum keine Veranlassung haben wird, sich wieder von der Regierung Luther zu entfernen.
Parts, 22. Januar.
In der gestrigen Kammerdebatte entwickelte der ehemalige Minister der befreiten Gebiete. Louis Marin zum Problem der interalliierten Schulden die These: Bei der interalliierten Abrechnung sollten auch die zerstörten Gebiete, die lteimgcsuchte Volkswirtschaft und das vergossene Blut in die Wagschale fallen. Es wäre eine Verletzung der universellen Moral, wenn die Gläubiger Frankreichs gegen diefes
härter wären, als sie es gegenüber Deutschland feien.
Der Redner verglich bann die Verluste Frank - reichs und Amerikas. Frankreich habe 1755000 Tote zu verzeichnen gehabt. Dazu kämen 4195 000 verletzte. Amerika dagegen habe nur 49000 Tote zu beklagen. Es habe keine Verwüstungen gehabt. Wen» man diese Zahlen berücksichtige, könne man gewiß nicht mehr verlangen, datz Frankrestq am meisten Kriegslasten tragen solle. Die indirekten Verluste der französischen Volkswirtschaft seien weitaus größer, als die irgend eines anderen alliierte« Landes. Der Krieg und der Wiederaufbau habe Frankreich 128 Milliarden Franken gekostet. Der Redner erntete wiederholt starken Beifall.