Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Freitag, 16. Januar 1925.
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Nunrmer 13. <$ln*elnummer 10 Pf . S"nntagS 15 Pf
Luthers Kabinett der Fachminister.
Wenn LuMer kommt.
Aeußerx u. innere Krisen erwarten den Kanzler.
Die Regierung Luther-Stresemann steint nach den bis heute mittag vorliegenden Berliner Drahtnachrichten gesichert und die Schicksals sphinx, die mehr als sieben Wochen, wie einst vor Thebens Toren sieben Jahre, die Geister der Staatsmänner verwirrte, hat Oedipus Lucher aus dem Lande gejagt. Man wird in Klios Weltgeschichte auch lange blättern müssen, um aus ein ähnlich düstres Kapitel deutscher Irrungen und Wirrungen zu stoßen. Geduld und Nerven der mit Hamner und Amboß, mit Feder und Pflugschar schwer und ehrlich ums tägliche Brot ringenden deutscven Millionen waren im Anblick des Berliner Blindekuhspiels bis zum Zerreißen angespannt, Würde und Ansehen des deutschen Staatswesens vor dem Parkett des Auslandes fast zum Gespött herabgemindert worden. Weiß Gott, es ist schwer, keine Satire zu schretbe», aber die jungen Dichter sollten sich diesen Stoss nicht entgehen lasten.
Denn die Erkenntnis ist nun heute schon in die einsamsten Spinnstuben gedrungen, daß die regierungslose: die schreckliche Zeit uns um Monate und Jahre in der deutschen Weltgeltung zurückgeworfen hat, und uns, ins Kaufmanni» sckc übersetzt, Millionen und Milliarden gekostet hat, weil tausend Gelegenheiten verpaßt wurden. deren Versäumnis nun mit dem sauren Schweiß der arbeitenden Bevölkerung bezahlt werden muß. Denn Zeit bedeutet beute natür- ltch viel mehr noch als in jeder Privatwirtschaft auch im Staatshaushalt Geld, Geld und nochmals Geld. Jedenfalls sind wir, die trotz feindlicher Verleumdung völlig und einzig Entwaffneten und Wehrlosen in allen sechs Erdteilen, durch die seit Monden entblößte Negierungsfront so in die Enge getrieben, ar die Wand gedrückt worden, daß es nur verzehnfachter Initiative und spitzbübischen Diplomatenkünsten gelingen kann, sich Luft zu schaffen Denn auch das Frankreich Herriots hat bewiesen, daß die süßen Schalmeienmelodien von der Befriedung Europas, alle Verständi- gungs- und Versöhnunasphrasen immer nnr auf Kosten Deutschlands in die Tat umgesetzt werden sollen und daß man sich viel mehr noch als bisher das Faulbett des Siegers von dem gutmütigen, bitterarmen Michel bereiten lasten will. Denn auch den Rührer- lös hat man, ohne ihn zu hören, unter die Aasgeier verteilt und das bigotte England hat sich nicht geschämt, trotzdem es Poincarös schnö- des Abenteuer einstmals verdammte, feinen Judaslohn einzustreichen. Und selbst der geschäftstüchtige Vankee hat sich, obwohl fein Name unter dem Londoner Abkommen fehlt, mit moralischem Behagen an den großen deutschen Revarationstroq gedrängt, um sich an dem fetten Bisten zu mästen. So haben sie jetzt m Paris, während man sich in Berlin um Parteigötzen balgte, unter sich die Karpfen aus dem Ruhrfischzug und den erpreßten Dawes- tribiit auf Geschlechter hinaus verteilt und werden aus unseren Taschen den letzten Pfennig herausholen, um damit das Riesenloch der internationalen Schulden an Amerika zu stopfen. Das alles, ohne uns auch nur eines Blickes zu würdigen, denn ihre Reckte ruhen in den Versailler und Londoner Akten verbrieft und versiegelt Ebensowenig wie man sich etwa bezüglich der von uns nach der Richträumung Kölns angebotenen Verhandlungen erweichen lasten oder sogar von der Ruhr leichten Herzens abziehen wird, denn auch die Herausgabe dieses Raubritterpfandes bat General Rollet in beispielloser Perfidie davon abhängig gemacht, daß nicht etwelche alte Konservenbüchsen als gefährliche Kriegs- und Gaswaffen von den Ententesvürhunden angebeüt werden. Tas neue Kabinett wird also in der Entwaffnungsund Räumungsfrage das deutsche Le- bensintereffe wahren und auch die Kriegs- sckuldfrage auf neue aufrollen müssen.
So findet der neue Kanzler Herkulesausgaben vor, an denen er seine Kräfte erproben kann, denn auch im Innern wird er, von dem man sagt, daß er über die einzelnen Parteien hin- ausragt, die auseinanderstrebenden Kräfte durch ausgleichende Vermittlung zusammenhatten müssen. Seine Politik wird die bürgerlichen Parteigruppen aus möglichst starker Grundlage auf einem einheitlichen Regierungsprogramm »ukamen zuführen suchen. Das Regierungsprogramm wird also ein Kompromiß zwischen dem Zentrum und den Deutschnationalen fein muffen, da namentlich die innere Politik noch fehr viele Konflikt, stosse in sich bergen wird, denn die Linke sieht in der neuen Regierung ein K a m p f k a - feinet! Tas Zentrum hat betont, eine rechts- srientierte Innenpolitik auch weiterhin konse- auent abzulehnen. In der zu erwartenden
Programmerklärung vor dem Reichstag, vermutlich am Freitag, wird Dr. Luther ausdrücklich hervorheben, daß feine Regierung das Bestreben habe, den inneren Frieden zu wahren und die sozialen Gegensätze in weitestem Maße auszugleichen. F. K.
Auf dem Wege Zu Lucher. Eine -weite Mrnisterlistc.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 15. Januar.
.Taö Kabinett Luther ist so gut wie fertig gestellt. Es wird im Reichstag vorläufig von der
Stellung der Vertrauensfrage abfehen und sich mit einer Billigungsformel begnügen, da das Zentrum in der Vertrauensfrage keinerlei Bindungen cingehen wollte. Im Uebrigen rechnet die neue Regierung lediglich auf die Opposition der Sozialdemokratie, wahrend die Demokraten zunächst Neutralität wahren werden. Das i.ute Kabinett soll sich rote folgt zusammensetzen: Dr. Luther ReichsknnZ' ler, Schiele, Innenminister, Dr. S t r e s e - mann Außenminister, Samisch Finanzmin: fier, Braun Arbeitsminister, R e u h a u s Wirtschaftsminister, Dr. G e ß l e r, Reichswehrminister, Graf Kanitz Ernährungsminister, St igel Postminister, Schollen Justizminister und Minister für das besetzte Gebiet. Der V e r k e h r s m i n i st e r ist noch nicht bestimmt. Der neue Justizminister Oberlandesgerichtsorä- sident Schollen in Düsseldorf, gehört dem ßetr- trnm an. Der VoMparteiier Fr«an"ni!nüo. Säuiisch, ein Mitarbeiter ErzSr.gc.^- nächst Präsident des Landcsflm-nzainteS Kaste!, dann preußischer Finanz- und Sparminifter. Stiegel war bereits unter Kmro Postminister
Von der Erledigung der Frage über die Zn stimmung der Parteien zum neuen Kabinett, die heute nachmittag zu erfolgen hat, hängt die Bildung der beabsichtigten MchrheitSrrgierring ab. Bei dieser Sachlage Hot Reichsminister Tr. Luther dem Reichspräsidenten mitgctcilt. die Bildung der MehrheitSregierung zu übernehmen, sobald die heute zur z-ntscheidung kommenden Fraktionsbeschlüsse vorliegen.
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Lu Hers ktz!? Schritte.
Berlin, 15. Januar. (Eigener Drahtberickt.s Bei den gestrigen Fraktionssitzunzen ist es besonders lebhaft beim Zentrum zugegangen, wo der linke Flügel Wirth sich erneut gegen jede Unterstützung Dr. Luthers ausserach. Lediglich für ein Vertrauensvotum, das das Kabinett Luther fordern könnte
will die Mehrheit des Zentrums noch nicht eintreten. •
Um 9 Uhr abends war Dr. Luther erneut beim Reichspräsidenten. Die Regierungserklärung im Reichstag am Freitag wird sich aus der Grundlage der Politik des neuen Kabinetts beschränken lieber die gesetzgeberischen Maßnahmen wird sich das Kabinett erst später schlüssig machen. Von Interesse ist eine Aeußerung Dr. Luthers: Deutschland müsse aus dem Zustand der Prozesse heraus kommen.
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<8ine t?3rrer ch? TKehrhett
Berlin, 15. Januar. (Privattelegramm.) In der neuen Regierung haben die Deutschna- 1 i o na l e n insgesamt vier Vertrauensmänner und üben mit der deutschen Volkspariei zusamen die absolute Majorität aus. Das Zentrumsblatt hebt beute hervor, eine parlamentarische Beteiligung des Zentrum komme nicht m Frage. Die neue Regierung könne einstweilen nur auf die Mitverantwortung des Zentrums rechnen.
Der Erlös der Dawesbmte.
Wie ihn die Finnnzminifier verteilten.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 15. Januar
Kurz vor der Schlußsitzung der alliierten Finanzministerkonferenz war der Wortlaut des Abkommens an alle Konferenzteilnehmer verteilt worden, der aus siebenund- zwanzig Artikeln besteht, die bestimmen: Während des ersten TawesjahreS dürfen die Reparationskommiffion und die Daweskomitecs zusammen nur 9,25 Millionen Goldmark ausge- ben, in den folgenden Jahren dagegen nur 7,50 Millionen Tie Rheinlandkommission erhält für das erste Jahr zehn Millionen Gold- mart Die MilitSrkontrollkommis- f ion erhält einen Kredit von acht Millionen Goldmark. Die Besatzungsko-en dürfen in Zukunft 160 Millionen Goldmark
nicht überschreiten. Amerika werden 250 Millionen Dollar an den Besatzungskosten und 350 Millionen an Reparationsguthaben zugesprochen. Es wird mit 2% Prozent an den Dawesannuitäten beteiligt. Belgiens von Dcutsch- (cnti zu bezahlende Kriegsschuld ist mit 5600 Millionen Franken endgi-ttig feft- gcietzt uod ihm ein? Priorität von 5 Prozent zu- zesichert worden. Düs Protokoll von Spa ist wie folgt abgeändert worden: Frankreich 46 Prozent, England 42 Prozent, Belgien erhält vorläufig noch 8 Prozent, später 4'. Prozent. Die noch verfügbaren 3*< Prozent werden dann Frankreich nnv Engianv zugeteilt werden, im Verhältnis 52:22. Frankreich werden von den gesamten alliierten Restitutionsforde- r u n g e n 72 Prozent ^gesprochen.
atm Eindruck .. vei dm and reu.
London, 15. Januar. (Privat - Telegramm.) Ein Routerielegramm meldet die Tatsache, daß für alle Punkte eine Lösung gefunden wurde, sei kennzeichnend für den freundschaftlichen und sachlichen G r i st, mit dem gearbeitet wurde. Ein liberales Londoner BlMt bemerkt, Deutschland würde jetzt wissen, daß die Mächte in Zukunft stark genug sein würden, um ihre« Willen dnrchzusetzen. Auch Dailv News hebt hervor, daß Amerika in die „Familie der Alliierten" zurückgebracht wurde. Tie Weigerung, Frankreich bestimmte Zahlen für seine Schuldsumme zu nennen, sei einer der verhängnisvollsten Fehler bei der Behandlung des Re- parationsproblems gewesen. Auch ein drittes Blatt meint, keiner könne gleichgülttg der Tatsache gegenüberstehen, daß Amerika jetzt den i st l- " «uft-rf'sttze. auf den allein sich dir Erwartung deutscher Zahlungen stütze.
Bcms vor dm StoatÄchess.
Baldwin-H riet neigen das Ohr.
(Privai-Telegramm.)
London, 15. Januar.
In der heutigen KabincttSsitzung wird Churchill über d-e Ergebnisse der Psriser Konferenz Bericht erstatten. Baldwin ist noch London zn- rückaekehrt. Heber den Erfolg der Konferenz wird allgemein Befriedigung geäußert. Die Frage der aiierten Schulde» wird in der Kabinettssitzung voraussichtlich zur Spruche kommen, da Clemente! bestimmte Fragen gestellt habe. Im französischen Ministerrat gab Finanzminister Clementcl gestern einen ausführlichen Bericht über die Finanzministerkonferenz. Kriegsminister General Rollet berichtet über die militärischen Strafkolonien rn den Wüstengebieten von Rordafrika.
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V?rrivrs Schlußwort
Paris, 15. Januar. (Eigener Drahtbericht.) In einem Schlußwort erklärte Herriot in der Konferenz, Frankreich wolle der Welt wieder die Bedingungen normaler Arbeit, des gegenseitigen Vertrauens und der Sicherheit zurückgeden. Dos offizielle Kommunigue vermerkt das allgemeine Einverständnis und die Zustimmung aller Teilnehmer zu den Ergebnissen der Konferenz. Rach dem Kommunique war die Konferenz mit Reden Churchills, KellogS, Theu- nis', de Stesanis, Jhiis und auch der brasilianischen und rumänischen Delegierten ausgefüllt.
Was die Ruhr abwirfr.
Rock nicht endgülttg erledig! (Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 15. Januar.
Die nicht völlig gelösten Fragen der Ruhrligui- öation sollen der Reparationskommiffion oder einem Schiedsgericht unterbreitet werden. Tie Besatzungskosten weiden Frankreich und Belgien nicht voll vergütet werden, sondern nur bis zur Höhe der normalen Garnisonskosten im Innern. Zu den Bareinnahmen der Ruhr werden auch die Ergebniffe der Abgaben und Erspamiffe der Regie-Eisenbahnen gezählt werden. Die Betriebskosten der Gruben werden von den Einnahmen in Abrechnung gebracht werden, und der Rest Frankreich und Belgien gutgeschrieben.
Immerhin verbleiben 14 725154 Dollar, die in einer Rewyorker Bank deponiert worden sind zur Bestreitung der amerikanischen Beset- zungskoften. Jede der Regierungen behält den Wert der Sachleistungen, die sie bis zum L September 1924 erhalten hat, auch wenn sie zu viel erhielt. Die alliierten Regierungen verzichten auf die Bezahlung jeglicher Zinsen für die über« schießenden Sachleistungen v?m 1. Dezember 1924 un. Dagegen wird ein Zinssatz von 5 Prozent für die Zeit vorher erhoben werden. Die übrigen Bestimmungen betreffen unwesentliche Einzelheiten.
ÄN der Gaswolke.
Wie sich der nächste Krieg abspielt.
In einer Settfcfirift Werbet fit, (Benetal, major a. D. Staudwasier gegen die em- fettige Ueberichätzung eee Gaskrieges, wie ihn lüngft ein cugliidier M.iitär gef(Hilbert hat. Str 6ent,<be Sachverständige meint, ein neuer Krieg knüpfe tm allgemeinen an da» Ende de« «Uten an und et)reibt:
So nahe man auch im Frieden durch Gene- ralstabäarbeiten und Kriegsspiele, Uebungsret- sen und Manöver, Schießübungen und Schietz- vcrsuche, technische Arbeiten, Sprungungen ustv. an den Ernstfall heranzukommen jucht; er sieht doch schließlich ganz anders aus. Es ist begreiflich und entspricht nur der Gewissenspflicht, wenn angebliche Fortschritte nur nach reiflicher Prüfung zur Einführung kommen, denn das militärische Geschäft ist nicht so elastisch wie zum Beispiel das politische und das kaufmännische, die Verantwortung für umwälzende Experimente ist zu groß, deren Kosten sind zu ungeheuer, der tote Punkt in der Uebergangszeit 'st zu gesahrdrohend, als daß es ein Staat wagen dürfte, neuen Kampsmitteln zuliebe mit den alten radikal aufzuräumen. Das zu tun, wäre aber die logische Folgerung, wenn eine Armeeleitung wirklich sich überzeugen würde, daß der neue Krieg so aussieht, wie der englische Fachmann meint. Ter Vorsprung eines Heeres wäre ungeheuer, wenn es sich darauf eingerichtet hätte, daß der nächst« Krieg nur mit
Gas, Tank und Flugzeug, mit Taukartillcric ein bischen anderer Artillerie, ein ganz klein wenig Infanterie und einem noch kleineren vißchcn Reitern geführt wird. Der Vorsprung wäre ungeheuer — aber ebenso ungeheuer die Katastrophe, tofcun der Fachmann „d^ch bv.i scken Glauben gehabt hätte." Das Gas, dar jederzeit präzks dahin trifft, wo man es haben will, und der Rennpferdtank mit gasdichtem Jn- nenraum muß erst erfunden werden. Aus Grund des besprochenen Aufsatzes kann ich mir vom Zukunslskricg, wie ihn der englische Fachmann sich denkt, nur folgendes Bild machen: Nach seinen Ausführungen lagern über weite Gelände- strecken hin unsichtbare Gaswolken, und wer darin sich oufhielt, ist mausetot, Mensch tote Tier; nur die gasdichten Tanks iauieij mit einer Geschwindigkeit von fünfundzwanzig bis fünfundfünfzig Kilometer in der Gaszone fierirm und schießen sich vermutlich — andere Ziele haben sie ja nicht — gegenseitig tot. Hock über der Erde, unerreichbar den Gaswolken, schweben unzählige Flieger, die sich auch nur gegenseitig totschießen können, denn zu melden wird es wenig geben, außer daß da unten ungezählte Tanks im Gas Herumpaddeln uns Ziele dielen, toeil doch alles andere „gastot" ist. Außerdem werden diese Flieger das Restcken Infanterie aufsuchen und erledigen, sowie die paar Reiter. Heber
die ungeheuren Kolonnen, die der Munitions-, Gas- und Benzin-Verbrauch und die Verpflegung dieser Zukunfl- Gas-Tank-Fliegerheere bedingt, Kolonnen, gegen welche jene unserer Armeekorps des letzten Krieges eine lächerliche Kleinigkeit sind, Kolonnen, die gar, wenn autcmobilisiert, in ein paar Wochen alle Staats- und sonstigen Straßen zu Dreck zermahlen haben werden — über diese Sachen schweigt sich der englische Fachmann aus, gerade so wie über die Ausgestaltung der Fliegerabwehr. Wie sich der englische Fachmann die befestigten Stellungen und den Kamps um dieselben vorstellt, ist mit ein Rätsel, wenn er tatsächlich der Gaswolke jene Präzision und Wirksamkeit zuspricht, die sich angeblich zum Hauptkampfmittel der Zukunft macht. Jever Feldherr gehörte vor ein Kriegsgericht, der eine befestigte Stellung angreift, wenn er sie vergasen kann, aber auch jeder Feldherr gehört erschossen, der mit Aussicht auf den sicheren Gastod feine Truppen in eine befestigte Stellung einfberrt. Befestigungen haben doch den Sinn, durch Vorbereitung von Gelände einen Krastzu- schutz bei Abwehr der feindlichen Wafsenwirkung sich zu verschaffen. Sie will man aber mit Vorbereitungen, die nur gegen Schuß- und Wurf- ‘raffen einen Sinn haben, sich einen Krastzu- schuß verschaffen gegenüber dem unheimlich sckleichend überall eindrinaenden, alle Ritzen und Löcher benutzenden, von oben, von hinten von unten erbarmungslos hineinlangenden Sterbegas?
Vofen ner-en Danzig.
Ein Wirtschaftskrieg gegen die Deutschen?
Warfchau, 15. Januar.
Abends fand hier ein Ministerrat statt, der sich mit dem Danziger Konflikt in der Post- unv Bricfkastenfrage befchüftigte. Vorgestern wurde unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Grabski über Strafmaßnahmen beraten, die angewendet werden sollen, wenn Danzig die Streitfrage nicht auf dem Wege des Rechts, foa-