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Kasseler Neueste Nachrichten

Sonnabend, 10. Zanuar 1925.

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

»Metaenoretfe: (iinbetmtfctie OeichatiLaazcigrn Seile 15 ^fs- auSwärt-a- t8- aiuetaen Seite 20 Pig, .raintiieuaineiueu Seile 15 Pfa, Kleine Änzeigen das «or. “‘Mstä- Reklamen oie Seile 75 P>0. Offertgedüdr Ui Via. <bet Sufenö«. »er ©fferten •20 Pig.i -ttechiiunasbeiräae sind innerhalb 5 Ta. tu bezahlen. Manaebend ift der Kurs des Sadlunasiaaes. s>iir die ELilakeil aller dnrck ivernfpretber ouigeuebenen «»» ieiflen sowie für Äufnahmedaien und Plätze kann nichi garantier! werden Hur Anzeigen mit befonö. schwierigem Latz 100 droz.«ufl<tzlag. Druckerei: Schlachibos- ftrnfte .>H/8i'.®efd>äft8fteae Köln Sir.5. aegenüb.der Svobrffr i*ernf»r.n51 u. 05.'.

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Einzelnummer 10 Pf Soitntnn§ 15 Pf 15. Jahrgang

Die ltanelei dieueitei. Rachrichiea erftbemen wvchenilich «echSmal aachrnuiags Der Äbonnementsvrei» beträgt für »en Monat 2.- Mk- bet freier Suftellung ins oaus. in »er Geichäktsnelle abgeholt ISO Mk. Durch die Post monatlich 2.00 Mk ausschließlich Sustellungsgebuhr Verlag und Redaktion Schlachtstoistraste 28/SO. /fernkvrecher 951 und 952 fttir unverlangt eingelandie Beiträge kann die Re­daktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Solle übernehmen. Rück» ahlung des Bezugsaeldes ober Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger '.'iefernnn 'st ou8nefrhlofien Postscheckkonto Sronffitr* a. Main Nummer fisso

Zmmer neue Barmat-Gensationen.

6s rast der See.

Da8 &»ii|tiun der Beil.ner F.naazfünden

Die Inflation, aus die roh heute zurückblik- len tote aus einen tollen wirbelnden Spuk, die wir versunken und überwunden glauben, ist weht in ihrer eigenrl chen und charokieriftifcheu An dahin Es gibt leine minutenroeise Er­höhung der Preise mehr, kein wertlos zersetztes Papiergeld. Doch heimlich und versteckt sind sie immer noch am Werke, die Spießgesellen der In. slatton, Korruption, Der ’Jtoi, oes Düngers und Verbrechens. So ist die ganze große Reihe der Versehlungen in letzter Zett aus lene furcht» bare Epoche zurückzusühren. Diese Inflation, die das Schlagwort von der .Umwertung aller Werte' ins neben ries, har an gewaltsamem Um­sturz wohl mehr gebracht, als die größten Revolutionen der Weltgeschichte. Sie hat das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben Deutschlands vurcheittander gerüttelt, der­art, daß da» ganze Reich in seinen Grundsesten bebte. In das Leben des Individuums grifjjte ein und ging damit nach Gutdünken um. Sie hat entwürdigt, demoralisterr, gegeben und wie­der genommen, Not »nd Elend allen beschert — selbst ihren Günstlingen. Die Persehlungen, Nnterschltgungen, Urkundenfälschungen, A'on- streprozesse, von denen in letzter Zeit die Spal­ten der Zeitungen gespickt voll stnd, — Hochsta­peleien, Raubüberfälle, Morde, alles da» ist ihr Werk, sind die Taten derjenigen, die, durch rhr Regime entwurzelt, als haltlose Trümmer in die Zeit des Wiederaufbaues hinkinragen, die Pro­zesse — Blasen aus sumpfigen Gewässern, die im zunehmenden Sonnenlicht zerplatzen.

<ietzt Hai der Arm der Siemens auch die ganz Großen der Gesellschaft erfaßt. Die B a r m a r, die K u t i s k e r und wie ste alle heißen. Von Lustbetrieben ist die Rede. Das sind Gründungen — Eisenwerke, Exporthäuser und dergleichen — die nur aus dem Papier bestehen, für die man aber große Kredite gesordert uno auch Aktien auSgegeden hat. Da sind Bank- konten, die geführt wurden, um das eigene liche Konto zu verdecken. Da sind die raffinier­testen und verwickeltsten Transaktionen, die den Beteiligten Gelder einbrachten, Mil­lionen über Millionett, zur Aufrechter­haltung ihrer Villen, Schlöffer und Rennställe. Die Staatsanwaltschaft hat mit eiserner Faust zugegrissen. Ein Ende soll werden mit.allem, was die Inflation gebar. Sogar der Reichs­postmeister und höchste Staatsbeamte sind mit in den Strudel gezogen. Das Dementi, tia; bereits Postminister Dr. H ö f e l e über seine MandatSniederlegung herausgab, hat iedock nicht die Gerüchte schweigen lassen, die davon wissen wollen, daß in der Z e n t r u m S p a r 1 e i eine Untersuchung geen den Minister und gegen den Abgeordneten Lange - Hegermanu im Gange sei. Bei der ganzen Angelegenheit handelt eS sich um einen Kredit in Höhe von 14,5 Millionen Goldmark, nicht vierzig, wie titel­fad) gemeldet, den die ReichSpost dem Barmat- Konzern gegeben hat. Man hat den Eindruck daß verantwortlich für die ganze Transaktion der Zentrumsabgeordnete Lange-Heger­mann ist, der durch seine persönliche Inter- vention bei dem Retchspostminister die ganze Kreditgebung ermöglicht hatte.

Die Untersuchungen des Staatsanwalt- ge­gen den ganzen Barmat-Konzern sind noch nicht zum Abschluß gelangt Die Vernehmung der Brüder Barmai ist auch gestern sortgesetzi worden, aber sie konnte noch nicht zu Ende geführt werden, weil täglich nette Momente hinzutreten. Die Brüder Barmai bestreiten im Uebrigen jede Schuld und erklären, daß die angegebenen Werte der Sicherheiten für die Kredit-Transattionen absolut richtig seien. Dem- gegenüber stehen jedoch die Gutachten von Sachverständigenkrrisen, die nach wie vor daran festhalten, daß die angeboienen Sicher. Helten bei weitem nicht den angegebenen Wert besaßen. Die ganze Angelegenheit wird auch das Parlament beschäftigen. Sowohl im Reichstag als auch im preußischen Landtag liegen eine ganze Reihe von Jnlerpella- t i o ne n und Anfragen Vor, die höchstwahr­scheinlich auch zu ziemlich scharfen Polin, schen Auseinandersetzungen führen werden. In politischen Kreisen wird behauptet, daß auch der Berliner Polizeipräsident Richter rege Beziebnngen zu Barmat unter­halten bähe. Diese Behauptungen weiden gegen­wärtig streng nachgeprüst. Die preußische Re- gieruna läßt mitteilen, daß sie gegen jede Per­sönlichkeit, Die in der Angelegenheit genannt wird, eine disziplinarische Unters«- chung einleiten werde.

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©ine Barmatstretfe durch Miste deutschionb

Berlin, 9. Januar. (Eigener Drahtbericht) Mit den ersten Krühzügen begaben sich zahl­reiche Berliner Krimincuisten nach allen Orten

Mittel- und Süd - Deutschlands in denen sich Werke und industrielle Unternehmungen beim» Den, die dem Barmat - Konzern angeschlosien sind, um dort die erforderlichen Untersuchungen in durchgreifender Weise anzustellen.

3m Barmatstrudel.

Hohe Beamte, Polizeipräsident . . . GrzestnSki? (Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 9. Januar.

Einem Berliner Morgenblatt zufolge 'ollen die Ermittlungen in der B a r m a t a f f ä r e auf die Person des Po st Ministers Dr. H ö i l e und den Zentrumsabgeordneten L a n g e - H r - g e r m a n n, den Ministerialdirektor A b b e g, den Polizeipräsidenten Richter und dessen rtivatsckretär Slrsfer sowie auf eine Reihe anderer Persönlichkeiten ausgedehnt rocroen. Minister Sevcring hat sich entschlossen, R i äl­ter von seinem Posten als Berliner Polizei­präsident abzuberufen. Als deffen Ruch- olger wird der jetzige Ministerialdirektor Xi. 5 alb und weiter her frühere Gewerkschasts- ekretär und

Kaffeler Stadtverordnetenvorstther, Leiter deS Landespolizeiamtes. Oberregierungs­rat Albert Grzestnski

mmnt. Bei einer neuen Durchsuchung des _ diloff es Schwanenwerder fand man unter anderem ein galdeneSZig a rette n- EtuiS, auf dem mit Silberbuchstaben der Na- me des Polizeipräsidenten Richter teht. Der Privatsekrrtär des Polizei- »räfidenten ig dadurch bloßgestellt, daß er neben einer amtlichen Stellung auch Angestellter von Barmat war und die Steuerbücher des Barmat führte.

Der nntmujc preutzisckie Pressedienst demen­tiert die Nachrichten von einem eingeleiteten Ermittelungsversahren gegen Die obengenannten Personen.

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Woher stammen Traumata Millionen?

Berlin, 9 Januar. (Privattelegramm.) Die Barmat-Affäre hat heute früh insofern eine sen- ätionelle Wendung genommen, als die Vor­untersuchungen gegen die Brüder Barmat auch auf die LebenSmittellieferungen nach Deutschland kurz nach der Revolution aus­gedehnt wurden. Es besteht auf Grund einge­gangener Anzeigen der

dringende verdacht der versuchten Bestechung und der Begünstigung.

Da nähere Angaben fehlen, kann nur angenom­men werden, daß der politische Teil der Afsäre Damit ins Rollen gekommen ist. Die Gebrüder Barmat erzielten damals ihre ungeheuren Gewinne und legten damit den Grundstock zu ihrem gewaltigen Vermögen. Erst in der Inflations­zeit hatten sie Verluste, die dann zur Anspruch» nähme der gesetzlichen Kredite bet der Staatsbank führten. Ein Verwandtet Batmats wurde gestern gleichfalls festgenommen

Höfle wird vernommen?

Riescnverluste bei der ReichSpost.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 9. Januar.

Der Untersuchungsrichter hat den Reichspostmini ster Dr. Höfle zu einer Zeugenvernehmung in Sachen Barmat für Mitt­woch vorgeladen. Tie Sc r l u ft e der Reichs- past sollen, wie in einer Beamtenverfammlung erklärt wurde, zirka fünfzehn Millionen Doldmark auSmachen. Dem entgegen stehe« Erklärungen Dr. HöfleS, daß die dem Barmatkonzern zur Berfüqung gestellten Kredite durch Effekten und Wechseldepots sichergestellt und außer­dem bei siebzehn in- und ausländischen von den Sachverständigen anerkannten BersicherungSge- sellschasten voll versichert seien. Dieser Betrag sei auf durchaus ordnungsmäßigem Wege der Deutschen Girozentrale in Berlin übermittelt worden, die ihn als Treuhänderin der Post an den Barmatkonzern weiterleitete. Auch die von Morgenblättern verbreiteten Meldungen von der MandatSniederlegung des Reichspost­ministers Dr. Hoefle und deS Abgeordneten Lange-Heg er ma n n im Zusammenhang mit der Barmataffäre haben fich nicht bestätigt.

Luther a!S Reichskanzler?

DeS Kanzlers letzte Kabinettsversuche.

(Privat-Tekegramm.)

Berlin, 9. Januar.

Gestern abeüd erklärte Reichskanzler Dr. Marx zu Parteifreunden, daß er feine Be­mühungen nur bis Wochenende, also bis

morgen, fottsetzen wolle. Die Widerstände be­stimmter Persönlichkeiten gegen einen Eingriff in das überparteiliche Kabinett erscheinen ihm nicht unüberwindbar. Die neuen Versuche des Kanzlers stnd vor allem daraus gerichtet, den Finanzministrr Dr. Luther umzustimmen und ihn zur Teilnahme an einem Geschaftskabinett zu bewege». Auch die drei Staatssekretäre in den Ministerien der Justiz, des Verkehrs uno der Wirtschaft haben sich bis jetzt noch nicht be reit gesunden, Ministerposten anzunehmen. Bis in die späte Abendstunde tagte gestern Die ZentrumSfraktinn mit Dr. Marx. In Den Wandelgängen des Reichstags wurde es gestern für nickst unwahrscheinlich gehalten, daß die Rückgabe des Auftrags durch den Reichs­kanzler Marx erfolgen wird. An feiner Stelle iäme dann die Beauftragung des Reichssinanz- miniperS Dr. Sucher mit der Bildung eines Ka­binetts in Frage.

Für heute vormittag hat Reichskanzler Marx nochmals eine Reihe von Parlamentariern zu sich gebeten.

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Kampfstimmung in Otn Lagern.

Berlin, 9. Januar. (Eigener Informations­dienst.) In den deutschnationalen Krei- s r n bereitet man sich auf dm Entschei- d u u g s k a m p s um die Regierungsmacht im Reiche und in Preußen vor. Die Partei bean­sprucht Regierungspartei zu werden. Sie wird sich daher niemals damit zufrieden geben, als Anhängsel irgendeiner Regierung, sondern ie wird vielmehr als stärkste bürgerliche Partei Die Regierungsfrage maßgebend beeinflussen. DieDeutscheBolkspartei werde sich den Deutschnationalen an Dem Bestreben anschlietzen. sowohl im Reiche als auch in Preußen eine bür- «erliche Mehrheit zu schaffen.

Varis und Reichskabinett.

Vertragsloser Zustand mit Frankreich?

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 9. Januar.

Staatssekretär Dr. Trendelenburg, der dem Reichskabinett über das d e u t s ch - s r a n. z ö s i s ch e W i r t s ck a f t s-P p r o v i s o r i u m Bericht erstattet hat, begibt sich wieder nach Pa- riS zurück, um mit der französischen Regierung sofort neue Verhandlungen einzuleiten. Einem Berliner Blatt zufolge so» das Reichskabinett zur Ablehnung deS von Frankreich varge­schlagenen provisorischen Handelsvertragsent- wurfS gekommen sein Hierdurch sei, wie das Blatt bemertt, die Tatsache gegeben, daß vom 11. Januar ab gegenüber Frankreich in Handels- politischer Beziehung der v e r t r a g l o s e Z u - stand eintrete.

ein pariser FiaanzpaN.

Zwischen England und Amerika.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 9. Januar.

ES verlautet, daß zwischen Churchill und Logan folgendes Bbkomnten abgeschlossen worden ist: Die Bezahlung der amerikanischen Befehungskosten im Betrage von 240 Millionen Dollar wird auf zehn Jahre »er­teilt und hat Anspruch auf die erste Priorität. Die Bezahlung der amerikanischen R e p a r a - tionS • Forderungen wird so liquidiert, daß Amerika einen Anteil von drei Prozent an der Anuität zugestanden erhält. Bon diesem Be­trag müffen allerdings vierzig Millionen Dollar als Gegenwert für die von Amerika beschlag­nahmten deutschen Schiffe in Abzug kommen.

Arbeit In der Stille.

Clementels Pariser Arbeitsmethode.

Paris, 9. Januar. (Eigener Trahtbericht.) Ter Vorsitzende der Finanzminister-Konserenz, E l e m e n t e I, schlug folgende Arbeits­methoden vor: In strittigen Fragen sollen die Delegierten der interessierten Länder in privaten Unterredungen, zu einer vermittelnden Lösung gelangen. Dir kommenden Tage werden deshalb sitzungsfrei bleiben, um die offiziösen Besprechungen und Beratun­gen zu ermöglichen und damit die Sachverftän- diaen ihre Berichte für die Vollsitzung vor- bereiten können, die am Anfang kommender Wo- we wieder aufgenommen werden soll.

Freie KaliwirisKafi?

Die Ziele des Raffelet WintershallkonzernS.

tiia vor Lg iüirr Kenne. Oec rraOW-rriryaft nimmt tu den vrenn-nden Fragen : <« Halt- in.uftrie SteUu g tut» geht habet auf Oie »ter. effanten Bestrebungen l-es m Raffel anianiflen Winirrshall Konzerns etwa« aus u,r>icver ent.

Das 1919 geschaffene und damals sehr wirk- ame Kaliwirticyastsgejetz laßt durch Die Menge >er zur Ausführung seiner veralteten Borfchr«» ten benötigten Behörden Die erforderliche An- pajfangssähigkeit, besonders im AuslanDsge- chast, nicht austommen. Rach dem Gefey sind Die Stoliericuger in einem Z w a n g s f y » d i - tat zusammengeschlosfen, dem ade 1919 beste- I-enden Werke angehören müssen. Konlur- renz ist ausgeschlossen, dae etwa neu- entstehende Unternehmen aus Grund des Ge- cyes dem Syndikat beitreten mühen. Einfuhr und Absatzregelung sind dem Syndiia, iiberl.il» en. Jedes Wert besitzt eine it genannte Quo te, Beteiliguiigszisser, die in Laufendsteln ausge- Drückt ist. 'Maßgebend sür die Höhe der Betei­ligungsquote sind Ausdehnung und Lefchassrn» he« der Äalilager, sowie die Leistungsfühigleit der Werke. Die V e r k a u s s p r e i s e setzt der Reichskalirat fest, der seinerseits wieder vom Reich getoijjetmafeen „beaufsichtigt" w,rd. Da man um die Tatsache der verschteoen großen Leistungssähigkeit nicht herum kam, wurde ie Uebertragung der Quoten erlaubt, was praltifch dahin gefühtt hat, daß in Ausnutzung Der Quo­ten der weniger leistungsfähigen Schächte nut die besten Werke arbeiten. Ta aber die P e se nach den Selbstkosten der weniger lcistuu.jö» fähigen Werke festgesetzt werden, so haben zwangslänsig die guten Werke einen tm Per- iMinis hohen Gewinn zu verzeichnen. G.'e.ch- ;eilig wird aber die Konkurrenzfahig- eit gegenüber dem Ausland eingeschränkt, denn nach dem Ausland darf mich nicht billiger verlaust werden, als zu den vom Reichslalirat estgesetzten Inlandspreisen.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß unter den heutigen stabilen Berhältnisjen, bei denen das Auslandsgeschäft eine ganz bedeutende Rolle hielt — setzte sich doch Der Oktober-Absatz säst ausschließlich aus Auslandssendungen zusam­men — Die geschilderten Bestimmungen Die Ent­wickelung Der einzelnen Werke sowohl als der Kali-Industrie überhaupt hemme. Eine durch­greifende Aenderung erscheint also notwen­dig Kräfte, diese Fesseln zu beseitigen und der freien Konkurrenz die Wege zu bahnen, sind schon lange am Werke. An der Spitze dieser Bewegung steht der Wintershall - K o n - zern, oct mit vierzig Prozent Beteiligung eine ausfchlagebende Majorität im Kalisyndt- fat besitzt. Das Streben nach freier Konlnrrettz kann gerade bei Wintershall nicht Wunder neh­men, denn seine ausnahmslos sehr guten Werke arbeiten mit verhältnismäßig niedrigen Produktionskosten. Wintershall nahm noch im Frühjahr den Konzern „Glückaus- Sondershausen" in sich auf, und vor kurzem ist „Ummendors-Eisleben" gefolgt, wobei die­ser Konzern von der Erwägung auSgiug, seine geringe Rentabilität durch Anlehnung an den mächtigen Großkonzern steigern zu können. Schließlich erwo.rb Wintershall nach längerem Bemühen auch noch die Aktienmajorität von Ronnenberg, und auch die aus de» Sur» bach-Konzern im Gang befindlichen Aus­dehnungsbestrebungen scheinen Erfolg in ver­sprechen. Wintershall war demgemäß auch der erste Konzern, der mit der Stillegnitgs- aktion der weniger rentablen Werke begann und deren Quoten aut die leistungssähigeren Unternehmen übertrug.

So bestechend die Verheißung von Winters­hall. die Preise um fünfzig Prozent drücken und den Absatz auf das Dop­pelte von 1913 steigern zu können, im ersten Augenblick wirken mag, kann man sich doch auch den Argumenten der Gegenpartei nicht verschlie- ßen. Würden doch bei derartig niedrigen Prei­sen die weniger leistunaskähiaen Werke zwefiel- los mit Verlust arbeiten müssen, eine Aussicht, gegen die sich diese Werke natürlich energisch wehren. Vom rein wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen, erscheint die Politik von Wintershall gerechtsertigt, denn es geht an sich nicht an, daß um einiger weniger nnreiiiab- ler Werke willen die deutsche Kali-Jndustr:e vom Weltmarkt verdrängt wirb. Jedenfalls müßte der Wintershallkonzern den Beweis erbringen, daß durch Aufhebung des Kaliwirtich-ustsgeietzes und die dadurch möglich werdenden niedrigeren Preise die Kali-,Industrie und mit ihr auch die deutsche Landwirtschaft wesentlich gesör- bert würden. In diesem Falle hätte Der neue Reichstag gleich eine Ausaabe, mit Der zu befassen er sich ein wirtschaftliches Verdienst er­werben wurde. Auch der Reichskalirat samt seinen zahllosen Rebenbebörden, hemmi die Ent­wickelung der Kali-Industrie, da er ja das