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Meter Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Freitag, 9. Zanaar 1925

Nummer 7

Einzelnummer 10 Pf . Sonntags 15 Pf.

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15. Jahrgang

Der letzte Tag der Regierungskrise.

Was kann uns retten?

Deutsche Entwaffnung u. Frankreichs Schulden.

Bon

Dr. Paul Rohrbach.

Seil der angeblichen neuenFriedensära", die mit dem Londoner Abkommen beginnen soll­te, ist es eine Art Mode geworden, daß franzö­sische Publizisten vonversöhnlicher" Richtung, männliche und neuerdings auch weibliche, in Deutschland umherreisen, deutsche Politiker be­finden und das Ergebnis ihrer Neuentdeckungen rechts des Rheins in den Zeitungen zu Hanse berichten. Neulich hat einer dieser Herren einem bedeutenden Gelehrten in Berlin die Frage ge­stellt: ob er an die Möglichkeit einer sranzösisch- deutschen AuKsöhnung glaube?Solange leccn» falls nicht." war die Antwort,wie das Zwan- ziq-Millionen-zuviel der uneingestandene Hin­tergrund der politischen Haltung Frankreichs gegen Deutschland ist." Der Franzose leugnete jenes Wort Clemenceau» nicht, sondern sagte: Im Grunde ist es schon richtig wenn ihr Deutschen zwanzig Millionen weniger wäret, so könnten wir friedlich miteinander leben I" Für die Praxis macht es nicht viel Unterschied, ob die Franzosen dastragische" Motiv voranstellen, das bei ihnen nur zu leicht in den zynischen Rat umschlägt, die deutschen Ehen sollten sich doch allesamt auch auf das Zweikindersystem einstellen, oder das reine Haßmotiv, dem jedes Mittel recht ist, um das nationale Dasein Deutschlands mit Elend und Not zu durchsetzen. Eine andere, damit verwandte Frage dagegen hat große praktische Wichtigkeit: ob hinter den Modifikationen der französischen Politik, die wir vordem als das System Poincars und setzt als das so plötzlich verwandelte System Her- riot kennen gelernt haben, eine wirkliche aufrich­tige Furcht vor unserer WiedererstarkvUg steht, Sorge um die künftige Existenz Frank­reichs vor dem an Einwohnerzahl und eines Tages vielleicht auch wieder an Kriegssähigkeit stärkeren Deutschland? Auf die Frage, wie die von Frankreich mit Emphase geforderte mora­lische Abrüstung Deutschlands zustande kommen soll, wenn das französische Gefühl, laut oder leise, zwanzig Millionen von uns als zuviel auf der Welt betrachtet, bleiben sie frei­lich die Antwort schuldig.

Zugegeben, daß der durchschnittliche Frau- zose aus instinktiver Furcht vor Deutschland eine Politik der Unterdrückung und Rechtsver- letzung gegen denBocke" zu billigen geneigt ist, so erhebt sich doch die Frage, ob es denkbar ist, daß auch die tatsächlichen Leiter der franzö­sischen Politik, die S t a a 1 s m ä n n e r und ihre verantwortlichen militärischen Ratge­ber, eine derartige Furcht teilen und von ihr getrieben handeln? Diese Frage muß ver­neint werden. Die französischen Ge­nerale sind gute Militärs. Sie wissen, was zum Kriegführen gehört, und sie wissen, daß man ohne schwere Artillerie, ohne Flugzeuge, ohne Festungen, ohne Gewehre und Munition keinen Krieg führen kann. Sie wissen, daß Deutschland alle diese Dinge nicht hat. Sie wis­sen. daß die Bewaffnung für einen modernen Krieg, zumal gegen eine Macht wie Frankreich, selbst dann nicht improvisiert werden könnte, wenn Deutschland noch über alle früheren Ma­terialien und Anlagen verfügte und ohne Kon- trolle wäre Sie wissen, daß es für jeden -ach- verständigen eine Lächerlichkeit ist, unter den heutigen Verhältnissen selbst nur von der Möglichkeit einer formidablen Wiederbewaff­nung Deutschlaqßs zu sprechen. Sie wissen, daß selbst wenn jede einzelneVerfehlung Deutschlands nicht Neberlreibung. sondern Wahrheit wäre, Deutschland damit noch nicht ein Tausendstel einer Chance für einen Krieg gegen Frankreich und seine Bundesgenos­sen hatte. ,

Es lohnt sich also wirklich nickt mehr, über den Kontrollberickt weitere Worte zu verlieren Wir müssen u»s frage», ob irgendwo an­ders Kräfte vorhanden sind, die gegen tue französisch-englischen Verabredungen wirken und die stark genug sind, um in absehbare: Zeit eine Aenderuna der ic-tgen alliierten Rheinlandpolitik herbeizusühren. Es scheint, daß solche Kräfte vorhanden sind, und um sie anzudeuten, werden Sätze aus einem Artikel deS amerikanis.cken G e n e r a l s A l l e n genügen, die lauten:Wenn es ein Element in der Politik der Vereinigten Staaten gibt, star- ker eingewurzelt als ein anderes, so ist es das ost ausgedrückte Verlangen, die Abrüstung vorwärts zu bringen. Sollten wir daher nicht bei der allgemeinen Bereinigung der sinanztellen Weltprobleme fordern, daß in dem Maßstabe entwaffnet wird, wie rott Streichungen von Schulden vorneh­men?' Diese Rechnung geht gegen Frankreich, und sie ist einfach. Sie besagt, daß Amerikas

Vorteil von einer endlich in Ordnung gebrach­ten europäischen Wirtschaft und von einem Freiwerden der Hälfte des Geldes, das jetzt vom französischen Militarismus di- rett und indirett gefressen wird, für Wirt­schaftszwecke größer sein wird, als der Ver­lust, der dadurch entsteht, daß Fordenlngen an faule Schuldner zur Hälfte oder ganz in' den Rauchfang geschrieben werde«.

noch irgendwelche Abmachungen zu treffen son­dern muffe in jedem Falle die Entscheidung des Staatsdepartements tn Washington evtl. Be­schlüssen der Konferenz gegenüber Vorbehalten. Heute Nachmittag sollen in ein Programm alle Fragen aufgeführt werden, über die ein so­fortige Einigung möglich erscheint. Staatskanz- ler Churchill auf dessen Vorschlag hin

Linanzminister Clementrl zum Vorsitzenden der Konferenz

6kl? tut not!.

Ein neuer Auftrag an den Reichskanzler.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 8. Januar.

Reichspräsident Ebert hat, namentlich im Hinblick auf die außenpolitische Lage, Iden Reichskanzler ersucht, möglichst beschleunigt ein Kabinett zusammenzustellen. Reichskanzler Marz wird versuchen, noch

im Laufe des heutigen Tages ein Kabinett zu bilden.

Gegenwärtig findet ein Kabinettsrat statt.

Der Muffolink-Schreck.

Verfolgungen und Verhaftungen ohne Lnde.

(Eigene Drahtmeldung.)

Zürich, 8. Januar.

Aus Rom wird telegraphiert: Italien steht unter der Diktatur. Die Verfolgung aller Gegner des herrschenden Regimes nimmt grüßten Umfang an. Der Tagesbericht des Jn- nenininisters verzeichnet fünfnndneunzig Schlie- tzungen von Verbänden und Lokalen, fünfund zwanzig Auflösungen politischer Vereinigungen, darunter sämtlicher einhiindertzwanzig Sektio­nen des BundesFreies Italien",

111 politische Verhaftungen und 655 Haussuchungen.

Die Präfekten haben das Recht, die strengsten Maßnahmen zu ergreifen. In Turin wurden zwei Faszifte« erschossen.

3m Irrgarten der Volitik.

Noch keine Lösung der Regierungskrise., (Eigene DrahtmelSbng.)

Berlin, 8. Januar.

Die Regierungskrise im Reich hat auch gestern keine Lösung gefunden. In den Abend­stunden begab sich Reichskanzler Marx zum Reichspräsidenten, um ihm über die durch die volkspartrlliche Entschließung, wonach die Par­tei ein, wenn auch

verschleiertes Kabinett der Mitte nicht unterstützen

werde, geschaffene Lage Bericht zu erstatten. ES wurden noch folgende AuSwege erörtert: Ein Kabinett mit Reichskantter Marx an der Spitze, daS sich parlamentarisch nur auf Zentrum und Demokraten stützen werde und in dem die durch das Ausscheiden der volksparteilichen Minister, also auch Dr. Stresemann freiwerdenden Mini­sterien und auch die bisher unbesetzt gewesenen Ministerien durch die zuständigen Staatssekre­täre beseht werden sollen. Man spricht von einer Besetzung des Innenministeriums durch den Demokraten Koch. Was die Frage der Zusam­mensetzung der Regierung in Preußen ande- trisft, halten die Blätter es so gut als fest­stehend, daß das

Kabinett Braun ohne die beiden volkspar­teilichen Minister vor den Landtag treten wird. Der Vorwärts teilt mit, daß die Ge­schäfte des preußischen Finanz- und Unterrichts­ministeriums von den Staatssekretären weiter­geführt werden sollen. Die deutsche Bolkspartri hat inzwischen die schärfste Opposition be­schlossen. Sie sträubt sich entschieden gegen das Rumps-Kabinett Braun. Die kommunistische Landtagsfraktion hat schon jetzt die Einbringung eines Mißtrauensvotums beschlossen.

Rorifer Premiere.

Festsetzung des FinanzrninifierprogrammS.

(Privat-Telegramm.)

Paris, 8. Januar.

Gestern hielt die Konferenz der interalliier­ten Finanzminister ihre erste Sitzung im Quai d' Orsay in jenem Saale ab, in dem im Jahre 1919 die Friedensunterhandlungen geführt wurde». Churchill erwiderte im Namen aller ausländischen Vertreter die Willkommensgrüße Clementels. Die erste Sitzung ergab, daß no» kein Antrag irgendeiner der vertretenen Mächte vorliegt. Havas zufolge wird die Dauer der Konferenz vierzehn Tage nicht überschreiten. Der amerikanische Beobachter H e r r i ck erflärtc gestern, er habe weder Vorschläge zu machen

ernannt wurde, betonte Pressevrekretern gegen­über, den rein technischen Charakter der Zusam­menkunft. Er erklärte, diese Konferenz habe nur den Grundstein für die Regelung der deut- chen Zahlungen zu lege«.

Die Kriegsschulden hinter den Kulissen.

Paris, 8. Januar. (Privattelegramm.) Ueber eine Unterredung Churchills mit Klemen- t e l besagt ein Kommunique, daß die beiden Fi­nanzminister einen freundschaftlichen Meinungs­austausch in der Frage der interalliierten Kriegs­schulden hatten,obwohl dieses Thema nicht auf dem Programm der Konferenz stehen darf." Vor Eröffnung der Konferenz der interalliierten Fi­nanzminister hatte Clementrl eine Unterre­dung mit Herriot. In der pessimistisch ge­stimmten Pariser Presse herrscht allgemein die Ueberzeugung vor, daß die Kriegsschulden Frankreichs doch den größten Teil des In­teresses beanspruchen dürten, obwohl die Infor­mation die Presse darauf hinweist, daß die Kon­ferenz sich nur mit der Liquidierung der Ruhr beschäftigen werde. Ein betrübter Abgeordneter meinte: Wir werden gezwungen werden, unsere Schulden zu bezahlen, bevor die bösen Deut­schen die ihrigen geregelt haben.

Der zwerke Hieb.

WaS wird die Entwaftnungsnote fordern.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 8. Januar.

Die auf der zweiten Seite abgedruckte deutsche Köln-Protestnote werden die alliietten Regie­rungen nicht gut Stillschweigen übergehen kön­nen. Die in Aussicht gestellte zweite, Note der alliierten Mächte soll bekanntlich im An­schluß an den endgültigen Bericht der Militär- kontrollkommission erfolgen, der nach neuerlichen englischen Mitteflungen

im Laufe der nächsten Wach« schon überreicht werden soll. Die Befürchtungen der deut­schen Regierung gehen dayin. daß die angetün- digte« Bedingungen in der Entwaffnungsfrage, die Deutschland vor der Räumung der nördlichen Zone noch erfüllen müßte, die

Festsetzung eine« bestimmten Termins fast unmöglich

machen werden. Es ergibt sich vor allem die Frage, ob eS möglich sein wird, den K o m p r o - mißweg zu beschreiten rt»b auf die bereits von England angeregte Zusammenlegung der Räumung deS Ruhrgebietes mit der Räumung der nördlichen Zone einzugehen. Man hofft noch immer, daß die

Vermittlungsbemühungen der amerika - Nischen Regierungskreise

in London und Paris fortgesetzt werden, da sonst wenig Aussicht vorhanden sein wird, in absehbarer Zeit zu einer Einigung zu gelangen. Auch ist es nicht ausgeschlossen, daß die zweite Rote der Botschasterkonferen, den Weg zu Ber- handlunaen vorschlägt und die deutsche Regie­rung dirett auftordert, ihre entgegengesetzten Auffassungen zum Ausdruck zu bringen.

Vampir Frankreich.

Trendelenburg über das Wirtschaftsprovisorium

(Eigener Jnformattonsdienst.)

Berlin, 8. Januar.

Wie wir hören werde« mit dem Bericht des Leiters der Handelsdelegmion in Paris, Staats­sekretär Dr. Trendelenburg, die Vor­schläge der französischen Regierung über das Wirttchastsprovisorium in Berlin als nahezu unannehmbar

bezeichnet. Staatssekretär Trendelenburg wird am Freitag dem Reichskabinett Bericht erstatten. Auf Grund seiner persönlichen Eindrücke wird dann die Reichsregierung Gegenvorschläge ausarbeiten, die der französischen Regierung un­terbreitet werden sollen. Deutscherseits wendet man vor allen Dingen ein, daß eine

dreimonatliche Laufdauer des Provisoriums nicht angenommen werden könne, sondern daß das Provisorium nur solange laufen darf, bis der deutsch-französische Handelsvertrag zustande gekommen ist.

Wir müssen aufwerten.

Die erste Pflicht des neuen Reichstags.

Sn bem fachen aufammengetretenen ReiaiStag wird die An toertungefrage, der Hoffnung«anker tue alle vorn Staat Enterbten, mehr wie bis­her die Rei-vopolit» betzerrsthen. Zu diesem Kar. btnalproblem nnfererWirtstr aft wird geichriec en Durch die letzte Verfügung des Reichspräsi­denten ist die dritte Steuernotverord- n u n g gegenüber allen Anfechtungen u. Rechts­sprüchen in der Oeffentlichkeit vorläufig als rechtsgültig anerkannt worden. Aber doch nur vo r l ä u f i g. Die Verfügung des Reichspräsi­denten gilt selbstverständlich, wie auch in ihr ausdrücklich hervorgehoben wird, nur bis zur bevorstehenden Regelung der Aufwertung im Wege der Gesetzgebung". Mit anderen Worten besagt das, daß der neue Reichstag in der Aufwertungsfrage

das letzte Wort zu sprechen

qat. Die bisherige Regelung ist als anstößig und verhängnisvoll fast überall anerkannt, und wie man auch im einzelnen zu den aufgerollten Fra- gen stehen mag, darüber kann kein Zweifel fein, daß eine wesentliche Umgestaltung der ursprüng­lichen Verordnung, und zwar eine Regelung nach s o z ia l e n Gesichtspunkten, nicht länger ver­schoben werden kann. Dabei muß allerdings be- rückstchtigt werden, daß der Eingriff sowohl im privaten als öffentlichen Interesse so schonend als möglich vorgenommen werden muß. Wir ha­ben den Krieg verloren und erheblich» Substanzwerte eingebüßt. Wir müssen auc jetzt noch erhebliche Lasten tragen, um unseren Ver­pflichtungen nach innen und außen gerecyt zu werden. Niemand kann verlangen, daß alles wie­der in den früheren Stand zurückgebracht wird.

So wie es vor zehn Jahren war, wird es nicht wieder.

Das gilt schon von den Siegerstaaten, wie viel mehr von den im Weltkrieg unterlegenen Mäch­ten. Alle irgend verfügbaren Mittel würden nicht im entferntesten ausreichen, um alle Wün­sche zu erfüllen, die sich auf die Wiederherstellung des status qno ante richten. Aber was wir al­lerdings können, das ist die Durchführung eines gerechteren, vom sozialen Geist getragenen Aus­gleichs. Wie sich diese Regelung im einzelnen ge- stolten wird, das läßt sich heule noch nicht sagen. Es wird schließlich nichts anderes übrig bleiben, als daß Reichs Staat und Gemeinde ebenso wie der einzelne, der an Gewinn und Verlust betei­ligt ist, Öpfer im Rahmen seiner Leistungsfähig- keit bringen muß. Vom Standpunkt der Ge­meindefinanzen aus hatten die Kommu­nen bei der bisherigen Regelung besonderK-Mt abgeschnitten. Denn eine Verpflichtung zur Aufwertung hatte man ihnen in der dritten Steuernotverordnung erlassen, obwohl noch der größte Teil der städtischen Anleihen einmal für werbende Zwecke ausgenommen worden war, ob­wohl die Gemeinden vielfach ihreSubstanz" er­halten hatten und manche von ihnen auch bald wieder finanziell in eine so günstige Lage gekorn men waren, daß eine teilweise Wiederausnahme des Schuldendienstes nicht mehr außer dem Be­reich der Möglichkeiten zu liegen schien. Einzelne Stätzte, darunter die Stabt Berlin, hatten denn auch bereits aus freier Entschließung mit einem Rückkauf der alten Anleihen zu einem bestimmten Prozentsatz des Vorkriegswer- tes begonnen, was praktisch einer Auswertung gleichkam. Diese Maßnahme mutzte jedoch wie­der aufgegeben werden, weil die Stadt Berlin M nicht dem Risiko r ussetzen will, später ein, mal sämtliche alten Anleibegläubiger zu einem vorn Reich festzulegenden Auswertungssatz abzu- sinden, nachdem sie bereits im allgemeinen den jeweiligen Inhabern die alten Anleihestücke zu fünf Goldprozent des Nominalwertes abgenom­men hat. Vom fiskalischen Standpuntt aus wird man diese Vorsichtsmaßnahme verständlich fin­den, wenn sie auch für die Anleihegläubiger, die sich nun schon seil einem dreiviertel Jahr daran gewöhnt hatten, jederzeit ihre Anleihestücke aus der Htadthauptkasse einlösen zu können, eine uu« liebsäme Weihnachtsüberraschung ist. Die An­leihepolitik der Stadt Berlin Zeigt jedenfalls, daß der neue Reichstag unverzüglich einen ge­rechten Ausgleich in der Aufwertungsfrage su­chen und finden muß.

(Segen die Schmach von Köln.

Deutschlands geharnischte Antwortnote.

Berlin, 8. Januar.

Die deutsche Antwortnote zur Räumungs- und Entwaffnungsfrage weist zunächst darauf hin, daß die für lange Jahre vorgesehene Be­setzung großer beptfffler Gebietsteile eine der härtesten B est i mmun ge n des Versailler Vertrags ist und kaum eine Parallele in den letzten Jahrhunderten der Geschichte hat. Die Alliierten haben, so heißt es dann u. a. in der