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DmmerStag. 1. Januar 1925.

Äaffelet Neueste Nachritbseir

15. Jahrgang. Nr. 1.

Was brachte die Welle 1924?

feine rirndsunkähnttche Rückschau auf das abgeschiedene Jahr.

Still tst'S und aller Ohr hängt am Modern­sten, an dem Radio. Die übliche Stimme er­schallt aus dem Hörer: Achtung, Ächtung, hier ist der Rundfunksender. Wir geben auf Welle 1924. ... Frau Chassala, die bekannte Tausend­jährige, wird Ihnen einleitend einige Worte sagen ...

Maschinengeräusch, dann etwas verstimmt, aber sonst gut vernehmbar, eine Altstimme.

Ich habe Sie sür heut bestellt Zu einer Radiostunde, Was mir in diesem Jahr geschehn, Entströme meinem Munde.

Es stehn in meinem Tagebuch Gar mancherlei Geschichten, Zwöls Monde... es ist Vielerlei Darüber zu berichten.

Arn Schönem gibts zu lesen da Vielleicht aus einer Seite ... Die andern Blätter künden an Mitzhelligkeit und Pleite. Richt alles ging, ich sag es frei. Rach ganz bescheidnen Wünschen, Doch hört und, Wenns euch nicht gefällt, Vergeßt's bei heißen Pünschen!

*

Achtung, Achtung, hier ist der Rundfunksen­der auf Welle 1924. Die nächste Nummer des Programms ist ein Potpourri über Wetter, Magistrat, Stadtverordneten-Versammlungen und dergleichen mehr oder weniger erbauliche Dinge. Herr Winter, ein strenger Bassist, singt das Lied:

Der Januar.

Hei, wie der wilde Jäger Den Habichtswald durchbraust. Mit Eis und Schneegestöber Die kahlen Wipfel zaust. Es heult die grimme Meute, Es gröhlt der rauhe Troß, Und vorneweg das weiße, Das sagenhafte Roß.

Sie künden und sie sagen: Friedfertige Zeiten nah'n, Die ersten Buttermänner Am Köniqsplatz wir sah'n. Vorüber ist die Wirtschaft Des Zwanges, und Hurra Schreit alles: Run ist alles In Butter ... alles da! Rack Frieden, brummt der Jäger Sah doch nicht alles aus: Schneeschivper sah ick schuften Vorm Oberbürgermeisterhaus. Das war alsdann ein Zetern, Ob Kriegsorganisation Von wegen Uniformen ...

Der Hörer: Weg ... nichts mehr zu Horen ... Störung ... hätte so gerne noch vernom- m« wie der Januar weiter Verlief, wie jetzt die Uniform Mode ist ... allerdings, wenn zwei dasselbe tun ... In der Störung geht auch un­ter, wie vom Stadtoberhaupt aus über Kastel als teure Stadt anklagende Worte in die auf« horchende Welt geschickt werden, wie erstmals der Gedanke greifbare Form annimmt, den Dörnberg zum Segeliluagelände zu machen ...

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Achtung, hier der Rundsunksender auf Welle 1924. Herr

Februar

berichtet Ihnen von der Gründung des Radio­klubs durch Radiopioniere, die zeitig das er­kannten, was" heute selbstverständlich ist, von den Bestrebungen der Stadtverwaltung, einen Rundfunksender nach Kassel zu bekommen und von der halboffiziösen Verlautbarung: In ab­sehbarer Zeit ist nicht daran zu denken, daß ei,; solcher Sender in Kastel errichtet wird ...

Eine Minute Pause und Herr Februar be­singt den

Abbau.

Es trummclt aus zum Streite Das hohe Parlament

Ter Stadt: Wie steht es mit dem Abbauedikt-Fragments Es sind zu viel der Posten Und auch der Pöstchen da .. Die Allerhöchste Antwort IstNein" nicht und nichtJa", Doch läßt sich daraus schließen Daß der Abban-Genuß" Dem Bürger noch sehr öfters Im Ohr erklingen muß Die Geister, so gerufen, Wird Kastel nktrt mehr los ... Akute Magenstöiung Verursacht dieser Kloß!

Achtung, hier der Rundfunksender ans Welle 1924- Die Musik, die jetzt erklingt, ist der Kas­seler Einzugsmarsch des Jägerbataillons bei d.-r Heimkehr aus demFeldzug" in Thüringen, sieg,kick beendet durch die Regiments,nusik und über die Mädchenherzen hinweg . .! Wir ma­chen jetzt eine Pause von höchstens zwei Minu­ten, dann folgt Herr

März

mit einer feuchtfröhlichen Reminiszcns an einer jetzt gewesenen Stadtverordneten, der den Bockbierteufel beschwört. Alle Hörer der Kapuzinerpredigt wider den Teufel Bockbier schütteln sich ... ob vor Grauen ist nicht mehr festzustellen ... bald darauf wird von den Kas­seler Brauereien die Rückkehr zum Friedensbier angekündigt ... Es folgt ein stillvergnügtes Rückerinnern anSchminke und Feder", cn dar­tieftraurige und zu Herzen gebende Drama. Darüber eine Moritat-Ballade.

Es war ein grauser Ritter, Der Herr vom Kohlenamt Kaltblütig hat zum Frieren Er viele Leut' verdammt. Es war ein edles Fräulein, Die Milchzentrale, die Richt immer Milch verteilte Grund: Futternot beim Viel! Und als die Todesstunde Auch diesem Paar genaht, Gab's keine einz'ge Träne Dafür in Land und Stadt. Doch über seinem Grabe Ein Denkmal tat ersteh'n Mit diesen Worten: Hoffet Auf Rimmer Wiedersehn!

Nächste Nummer W Programms: Nachrich­tendienst über den April: Hrmdesperre, Zwei- k.'.mvf Aerzte u-id Krankenkasten aus Siede­punkt, Auftakt zum Wahlkampf. Nabtragsae- haltsbewilligung für den Oberbürgermeister, Brote für die Armen, Wahlparole Herkulesbahn mit Henkel-Afiäre", und

Ilm H ö b l e n tobt der grimme Streit, Der diesem nicht zum Heil gedeiht, Wer Wohnung fuckt mit plumpem Trick, Der bricht sich habe* das Genick.

Musikdarbietung: Hexensabbath ( Stabt« ,, tseid, Verdonnerung, strenges Gericht) und Maicnmond

Die seltsame Musik umschließt folgende Sätze: Briefe, die nach Wocken erst cüttrafen . . die Polizeistundenverfügung des Ministers des In­nern, immer reklamiert, aber niemals Erfolg, dannGnadenakt" vor den Wahlen ... das Ende der roten Mehrheit im Stadtparlament.. Im Kampfe wider be Vorsteher ... liebliches Intermezzo- ..Der Muttertag" . . Zwischeusviel der leiden Teile des Rihelungenstlms: Der grimme Hagen vom Stoatstheater vor dem Kadi ...

Achtung, hier Rnndsunkfender auf Welle 1924. Herr Juni hält einen Vortrag über gedeih­liches Zusammenwirken im Stadtporlamenr, Belehrung über Geschäftsordnung und Prakti­sche Handhabung eines Mißtranensvo!'u>>s ge­gen einen Oberbürgermeister. Ohne Pause bringt der feuchte Juli das Lied:

1 l'' rtr

Und der Regen, der Regen.

Der Regen regnet jeglichen zag ...

Die Uebertragmtg ist etwas verschwommen. Deutlich vernehmbar sind einige besonders stark betonte F Stellen: Abbaubeschluß gegen den Oberbürgermeister usw. .. Der Stadtrat vor @(ti<H eine unerquickliche Tragödie ...

August Klänge:

Mondfinsternis, Marsbesuch, Aufhebung der Hundesperre, Einbruch in die Löwenburg und dann wieder Mnsik und Gesang: Hei» Henkel wird der Beigeordnete, Des Stadtgewalt'gen Stellvertreter, Von einem richt'gen Flugplatz Kassel schwirr»

Die beim'scken Flieger in den Reiher, Die Säuger ziehen nach dem Leinestraud, Den Ruhm Kurhessens zu Verbreiten, lind dann .. man will Verhältnisse nicht mehr,

Weil Anstoß sie erregen, leiden I Jawohl, Verhältnisse, doch nicht, Was der lind jene sich darunter denken Die ous dem Friedhof will zum Bestem Ein Kamps, der Opfer fordert, lenken. Eins fiel bereits, das andre ist geschmückt, Ob's fällt» Laßt nur den Kahn jetzt treiben, Der Endzweck ruft: So wie er jetzt sich gibt, Kann unser Friedhof nimmer bleiben! Wir streben ja empor zum Großstadtsein Und schützen endlich die Reklame So wuchs heran der Bahnhosstraßenwald, Der Ständerwust, der wundersame. Roch jeden Fremdling hat er hochbeglückt, Die Eingeborenen nicht minder Ach ja, seufzt Chastala, es macht sich schön, Bestätigt hat's sogar ein Blinder!

*

Der September hat das Wort: Ick ziehe die buntesten Fahnen auf, die roten, die gelben, die goldbrokätenen, der Herbst, vom Regenwind getragen, schreitet früh ins Land, da bleibt nicht aus, daß auch im Rathaus in Farbe gemacht wird ...

Ob Schwarz-rot-gold am Firste Und in dem Stadthallusaal, Da war vom muntern Streiten Ein Sprung nur zum Skandal, So chevaleresk wie immer Sick nahen die Partein, Saß rechts und links beisammen: Willst Bruder du nicht sein .,!" Da wurde uichrs vergesteu Aus altem Schuldenbuch, Der Splitter uns der Balken ... Ums Tuch nur ging's, ums Tuch! Nur eines ward vergessen, Was hoch vom Rathaus sagt Die Arbeit ... Bürgers Zierde! ' Zu hoch ward's angeb'acht!

Der Bürger, der noch unbeleckt von der Kul­tur seiner streitbaren Erwählten, rümpft die Nase über diesen Dust und eilr zur selben Zeit nach der Stadthalle, in der ein anderer Duft sinngefälliger ... die Gartenbauausstellung, das Blumenfest, eine Sinfonie von Farbe und zar­tem Naturjubel ... kleiner wird das Innen­leben der Stabt angesichts des Großen draußen in der Welt ... hoch geht der Blick, weit über das Rathausdach hinaus ... Zeppelins stol­zes Werk raufd't über Kassel hinweg . . so geht das Weltgeschehen über niederen Kleinheitsstreit, vor dcm's nur eine Rettung gibt ... Rase zu!

Oktober

wird, der Weinmond, da gibt es stilles Weinen über neuen Zank, über Anfragen, Antwor­ten und wieder Anfragen, dann aber etwas ge­schlosseneres ... das Handwerk zieht zur Kund­gebung aus, der neue Landesoherpfarrer wird eingeführt, der Bisckos der evangelischen Lan­deskirche, aus dem Martinsplatz demonstriert die Kirche, die Wehlheider freuen sich, fünsund- iwauzigjährige Kasseläner zu fein ... im Rat­haus zankt man sich mit der Reichswehr um­

her und so geht es im bunten Wirbel durchs,n. ander: Hoffnung und Verzweiflung! Der November

aber ist der Mond der Kinderliistballon-Reklame und der hochfliegenden Gasbehälterchen., wie am Flugtag auf dem Waldauer Platze mit Fall­schirmabsprung. Die Ausstellung 1926 wird an- gekündigt, die Keglersporthalle hat Grnndstein- weihe, vom Stadtbau-Renbau ist die Rede und ... Achtung, Rundfunksender auf Welle 1924... das Programm erfährt eine kleine Aenderung: Anstatt des grünen Fried tichsplatze" vorerst der reformierte Ständeplatz ...!

Störung ... gräßliches Trommelfeuer funkt zwischen die ruhig-sachlichen Planentwicklungen: Man macht den Mund uns wässrig Mit einem Ueberschnß, Am liebsten gab der Bürger Dem Magistratnen Kuß. Die Freude steigt zu Kopfe, Doch dieses darf nickt fein, Deshalb ein Nasenstüber ...

Ein Defizitelein!

Rur ein paar Goldmilliönchen Weil man nun ohne Krack Im Rathaus nicht kann leben, Zieht's heiße Kopse nach, lind wieder fliegt der Splitter, Der Balken hin und ber Den Bürger grauft's, er z a b l t ja, Er tut's und settszt gar schwer.

ES ist die alte Leier, Sie klingt so totbetrübt: Weh, wer sich in dem Glashaus Im Steinewerfen übt!

*

Achtung, Rundfunk, wir geben auf Welle 1924 noch einen Wahlkampf mit allen Schi- kauen, glänzender Auftakt zum

Weihnachtsmond, anschließend Steuerbewilligung ... das schönste Geschenk für eine brave Gemeinde.

Die Welt soll untergeben bei solchen Freu­den ! So knurrt der Bürger am Hörer und schon hört er einen Herrn Hagendorf verkünden: Fürchtet euch nicht, Siehe, ich verkünd - das Ende Rock vor der Ehr, äacktswende, Bleibt nachts im n "men Rock. Auf auf nach Jäter, g!

Die Welt istnickt untere äugen, sonst könn­te der Ansager nicht das P ogramm für die Welle 1925 verkünden. Was gibt's? Frage links, Frage rechts, keiner hat's verstanden .. Raschinengeräusch allein ist hörbar. Jst's das llmdrehen des Jahres vom Ende auf den An­fang? Noch einmal gibt's zum Hören:

Nock einmal gibt's zum Hören: Trotz alledem, Es gab auch' frohe Stunden, Uns wenn Krittk erzieht, Gibt's auch Gesunden. Heil Raffel dir, Du bist so reich und schön Laß Hader fein und hör Bald auf mit Webgestöhn. Es leben starke Kräfte In deinem Banne, teil Mit ihnen dich ins Wirken Und dir wird neues Heil!

Achtung, der Rundfunksender, noch einmal auf Welle 1924 . . leaen Sie Ihre Uhr zurecht, es schlagt in 15 Sekunden 12 Uhr...

Helle Glockenschläge ... 1 ... 2 ... 3 1-2 Uhr ... Dann Glockengeläut, Klingen, als würden Kelche aus Krvstall gegeneinander be­wegt und dann

Heil Welle 1925!

Krach... vorbei ... Ich wache aus ... so bin ick wieder mal mit den Hörern am Gehör ein- geschlafen ... aber ... nichtsdestotrotz:

Prosit Neujahr!

Das alte Jahr, das köstlich war, weil's Riühe und Arheit bedeutete, ist tot, es lebe vas neue! R H.

Die Jagd nach dem Tode

». UNTERE KÖNIGSSTRASSE NR.64 Ab Freitag, den 2. Januar 1925

Großer, äußerst spannender

Abenteuerfilm aus dem Wilden Westen in 4 Episoden

in der Hauptrolle:

Nils Cbrisander

Lil Dagover Kurt Brenkendorf

Fürstenhot Wein- und BierReslaiiraii

Heute Donnerstag abend

Künstler-Trio Wisotzki

von - i>in U Ubr

'WSäLLLLLÄWLÄLWLALW.

gesetzt gesch.)

FußpirSege beseitigt gründlich Kaste Füße.

Diese sind beinahe Gemeiniibe.

Aller. Darum u. um Schlimmeres fernzuhalten, Katarrhe, Husten, Heiserkeit.Rheuma,Gicht,Zahn­weh usw.,dieoftvonka!tenFüßen ausgehen, is: der Gebrauch von O-so-warnr* empfehlenswert.

Dr mrd. riandaat

Strumpf u. Schuh halten länger, wenn durchO-so-warm-Kos- metik dem Fuß die geregelte Pflege zuteil wird Literatur W. 7|51 kostenlos.

Stiefel

Anatomisch richtig. Vollendet In Schönheit und Form,

undO-so-warm e sofährieisten Is'iriQ Füße.

Kassel, Kölnischestraße 14.

Ab Freitag, den 1. Januar

Alter Schofferhof

Kölnischeste. - Ecke L hlandstr. - Tel. 3817

Ein historischer, erstklas­siger Roman film größten Stils aus den Tagen der französischen Revolution

Täglich

Künstler -Konzert

Amerikanischer Monumentalfilm 10 Akte