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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nvininer 298

14. Jahrgang

Freitag, 19. Dezember 1924.

Einzelnummer 10 Pf Sonntags 15 Pf

Einzelnummer 10 Pf Sonntag.Z 15 Pf

Noch kein Ausweg aus den Regierungswirrev

darstellten.

>ch tonnte ihm nur deipflicbten mit dem Be

mich unten auf dem Fallreep mit herzlicher

Ichatzkanzlers Churchill wurde der liberale Zu- fatzantrag. in dem bctmuert wurde, daß die Thronrede nichts über die Behebung der Ar­beitslosigkeit aussagt

mit 539 gegen 151 Stimmen abgelehnt und die Dankadresse für die Thronrede des Königs angenommen.

wurde der

lieberale Bbänderungsantrag mit 339 gegen 151 Stirnen abgelednt.

<Sin Kaiferbriks.

Wilhelm II. Bündnis mit dem Zaren.

®e nnättft wird in beu amtiiebeit teutfcteit 'Publtfationen ein Biles W h«!« II. beebff .nt- litbt n» eben, in bem Dieier von »ent ernsten uno - rftn Der Mw Oer Ihrer, ein enstisty.i ent- f*e , «ainplbnnd- is gege- grenfeeid) nob E.ig- Unb ju icyüetzen. Nur zu «aio mußte aber bet gutgläubige Sjoßengellet erkennen, eaß seine geinbe «eimicirct waren al» er unb hinter seinem 9tlitte ein Komp »tt gesth-nieset hatten

Mein lieber Bülow.

Durch meine Telegramme haben Sie schon erfahren, daß das Werk der Annäherung ge­krönt und der Wurf gelungen ist! Ich haue die letzten Tage soviel nachgedacht, daß mir der Kopf brummte, um sicher zu sein, daß ich es richtig anfange, stets die Interessen meines Landes vor Äugen. Nun fühle ich mich wun­derbar gestürkt, und der Wille und die Absicht wurden bei mir immer fester und bestimmter, Du setzt es durch, koste es, was es tooUe!" So sah ich vertrauensvoll der entrevne entgegen. Nnd was fand ich nun vor? Einen

warmen, liebevollen, begeisterten Empfang, wie er nur einem von Herzen aufrichtig gelieb­ten Freunde zu Teil werden konnte. Bald nahm mich der Zar bei Seite und sagte, er brenne auf eine eingehende Konversation. Wir steckten die Zigaretten an und waren bald in Medias Res. Er war ungemein erfreut über unser Marokkoabkommen, was den Weg zu gu­ten dauernden Beziehungen zu Frankreich er­öffne, und spendete meiner Hoffnung, daß do--- aus eine dauernde Verständigung, vielleicht j.- gar ein agreetnent mit Gallien herLorblD.n möge, Icbftaften Beifall Nun tarn das Gespräch auf England und es zeigte sich sehr bald, oaß der Zar eine schwere persönliche Wut auf England und den König hat. Er be- zeichr.et Edw(ard) VII. als den

gefährlichsten Intriganten in der Welt.

flick geworden ist. Die Deutsche Bolks- Partei stellt sich ihrerseits auf den Stand- vnnkt, daß für sie keine andere Koalition in Frage kommt als der Bürgerblock, sodaß der nächste Ausweg za einer Lösung darin bestehen dürfte, eine Linksreg-crung zu bilden. Ob sich das Zentrum dazu entschließen wird, mit den Demokraten und der Sozial­demokratie zusammen eine Minder­heitsregierung zu bilden, steht int gegen­wärtigen Augenblick noch nickt fest. In einem solchen Falle würden die Sozialdemokraten e'it- wrdir eine Kanzlerschaft Dr. Wirths oder aber die Rückkehr des Reichskanzlers Dr. M arx wünschen Erschwert wird die Lösung auf jeden Fall dadurch daß sich zwei geschlossene Fronten äußerst feindselig gegenüber stehen: der Rechtsblock nnd der Linksblock.

Das Zentrum wird ssch schwerlich dazu entschlie­ßen '.önnen. sich aus die Seite der Rechten oder auf die Seite der,Limen zu schlagen, sodaß man mit einer längeren Taner der Krise rechnet.

Er las einmal, zweimal, dreimal den Ihnen bereits mitgeteilten Tert. Ich betete ein Stoßgebet zum lieben Gott. Er möge jetzt bei uns sein und den jungen Herrscher lenken. Es war totenstill: nur das Meer rauschte und die Sonne schien fröhlich und heiter in die trauliche Kabine, und gerade vor mir lag leuch­tend weiß dieHohenzollern", und hoch in den Lüften flatterte im Morgenwind die Kaiser- ftanbarte auf ihr: ich las gerade auf deren schwarzen Kreu, die Buchstaben®ott mit Uns", da sagte deS Zaren Stimme neben mirthcft is guitc ereellent. I guite agree!"Das ist ganz ausgezeichnet. Ich stimme zu." Mein Herz schlägt so laut, daß ich es höre; ich raffe mich zusammen und sagte so ganz nebenhin:Willst du es unter­nehmen. Es würde ein schöner Gedanke an unsere Zusammenkunft feto." Er überflog noch einmal das Blatt. Dann sagte er:Yes, i will." Ich klappte das Tintenfaß auf, reichte ihm die Feder und er schrieb mit fester HandN'eolash dann reichte er mir die Feder, ick unterlchrieb, nnd als ich gufstand. schloß er mich gerührt in die Arme ... Mir stand das helle Wasser der Freude in den Augen- allerdings ries-lte es mir auch von Stirn und Rücken berab. Als ich den Zaren darauf aufmerksam machte, es weroe sich empfehlen, vielleicht noch zwei Gcgenzcick-

etrefemann lehnt ab.

Die Wahl zwischen rechts und links.

(Eigener Informationsdienst.!

Berlin, 18. Dezember.

Wie schon in einem Teil der gestrigen Abend­ausgabe gemeldet, wurde gestern mittag dem Außenminister Dr Stresemann im Berlnuf einer Unterredung »om Reichspräsidenten die Regier,ings Neubildung angeboten. Tr. Strefemonn hat den ihm vom Reichsprä­sidenten angebotenen

Antrag zur Neubildung der Regierung a b g e l e h n t,

nachdem durch den Beschluß des Zentrunis die Blldung einer Rechtskoalition unmög-

London, 18. Dezember. Im weiteren Ver­lauf der gestrigen Unterhausfitzung erklärte Baldwin, daß die Regierung alle Industrien, die für das Wirtschftsleben des Landes von Wichtigkeit seien, durch Vorzugszölle zu schätzen gedenke. Dies werde in jedem Falle geschehen, in dem die ausländische Goldentwertung, die Minderlöhne usw. gestatten, die englische Pro­duktion wirksam zu bekämpfen. Tie Regie­rung werde außerdem eine Million Pfund Sterling für die Entwicklung des Handels zwi­schen England und den Dominions aufwenvcn.

Lloyd George bekämpfte die Vorlagen Baldwins.

Er erklärte, daß diese in Wahrheit nur das Borspiel zu einem scharfen Protektionismus

ren, die Deutschland und der mohammedanrschen Welt vom Bolschewismus drohen könnten beant­wortet Chamberlain verneinend. Pomfomby fragte, ob die Absicht bestehe, ein

Abkommen über Marokko zwischen Frank-

reich und Spanien

zu entwerfen an dem Großbritannien beteiligt sein soll. Chamberlain erwiderte gleich­falls verneinend. Wedgewood Herr sagte, wie bringe der Premierminister eine Politik des Ausschluss es oder der Beschränkung französischer und deutscher Waren in Einklang mit einer Politik der Schuldenbezahlung von Seiten Frankreichs und Deutschlands. Der Premierminister Baldwin erklärte, er hoffe, daß sich irgend ein Plan ermöglichen lasse, durch den man

nicht die Lebesnmitrel des eigenen Volkes zu besteuern

in der Lage sein könne, den Lauf des Handels zum Nutzen des britischen Reiches und Volkes zu ändern. Baldwin wandte sich gegen die Auffassung, daß die Regierung kein Mandat für den Schutz der Industrie hebe. Er habe bereits erklärt, daß er keineswegs beab­sichtige die Jnvustriefchutzgesetze zu benutzen, um den Schutzzoll einzusühren.

Schutzes der Industrie ohne Aufstellung eines Ich konnte ihm nur beipflichten mit dem Be- Mrueraltarifs anzuwenden. Es sei ansgeschlos- nierken, daß ich ganz besonders unter seinen sen, daß das Gesetz der erste unbedeutendeIntrigen in den letzten Iabren gelitten hätte. Schritt zur Einführung eines Generaltarifs Am iiöchsien Morgen stieg ich hosfnungsjreudig wäre. Die Regierung wünsche, die Reichsprv- ins Boot, das mich zur Jacht des Zaren führte, dnkte auf Kosten der fremden und nicht d r den Vertrag in der Tasche Der Zar empfing heimischen Prod ikte zu unterstützen. Daraus »nich unten auf dem Fallreep mit herzlicher

tzthnrrrM ßal pflegt,

London, 18. Dezember kPrivcittekcgramm.) Finanzminister Churchill wiederholte im Unter­haus, daß die Politik der Reicksvorzngsbehand- hmg in Wirksamkeit treten muffe, ohne die Le­bensmittel zu besteuern und den Grundsatz des

Umarmung, und bann ging» zu einem vertresf- lichen Frühstück hinunter. Hierbei kam das Gespräch auf ziemlich die nämlichen Themata wie die eben aefdiitberten. Ans meine Vermu­tungen, daß Edward VII. wohl mit Frankreich ^Vereinbarungen in der Doggerbankaffäre ge­troffen hätte, ließ der Zar tief traurig den Kops hängen und meinte:Das ist zu häßlich. Was soll ich in dieser fatalen Lage tun?" Jetzt suhlte 'ch, war der Moment gekommen! Da der Alli-- I ebne Mitteilung und Anfrage beim Zaren sich die Politik der freien Hand und Rückversiche­rungen gewahrt habe, so fei es ihm ja unbe­nommen, ohne Mreckt zu begehen, ein Gleiches zu tunfttttm cuiqite! Wie wäre es denn, wenn wir auch so einütib agreement" mach­ten? ...Ich besitze eine Abschrift, die ich so ganz zufällig in der Tasche bei mir habe." Ter Zar faßte mich beim Arme und zog mich ans dem Saale in seines Vaters Cajüte und schloß sofort alle Türen selbst.Zeige es m-r, bitte"; dabei funkelten die träumerischen Augen in hellem Glanze. Ich zog das Couvert aus der Tasche, entfaltete das Blatt auf dem Schreib­risch Alexander III. vor dem Bilde der Kaiserin- Mutter zwischen lauter Pbotos aus Frievens- borg nnd Kopenhagen und-rite es vor dem Zaren hin.

uaiieiei meuefteuJiadmdnen etldjetnen wüchenilich ied)8mai nacbmuiags Der Abonnememsvreis beträgt für oen Monat 2.- Mk. bet reler Zustellung tnS »ans. in öer <«elrt)äft«fielle abgedolt 1.8V Mk. Durch bie Pv» monatlich 2.1X1 Mk ausichliekiich Zustellungsgebühr Verlag und Redaktion Schlachtbotitraße 28/30. Fernsprecher 961 und 962. stur unverlangt eingesandte Beiträge kann Sie Re­daktion eine Verantwortung ober, (»ernähr in keinem stalle übernehmen Rück- joblung be8 BezugSgeloeS oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger vtefernnc 'ft ausgeschlossen Postscheckkonto stranksur« a. Main Nummer 6380.

Englands Wohl und Wehe

Baldwin Chamberlain Lroho George im Schutzzollkampf.

Baldwins Schutzzoll gegen die deutfche Konkurrenz / Chamberlain leugnet Keine Besteuerung der Lebensmittel / Schutz der britischen Industrie.

Was Primo de Revera drahtet ...

Paris, 18. Dezember.

Aus Madrid wird gemeldet, daß Primo de Revera folgendes Telegramm von Tctuan nefanbt habe:Die Lage ist ruhig Dir Eisrnbahiizügc nach Ceuta und Tanger erledi­gen ihren täglichen Dienst ohne jeden Zwislveu- fall Unsere Truvpen sind in Tctuan cingr- troffen und haben die Garnison verstärkt. Sie konnten die Stadt ohne großen Kampf erreichen. Ich entlasse die Soldaten der Iahresklaffe 21, die ihre Dienstzeit nunmehr erledigt haben, nach Spanien. Der Posten Alcarar-Scguir wurde durch Eingeborene verraten und von den Andjeras durch einen Handstreich genom­men Wir hatten zwölf Tote, zwei Offi­ziere find gefangen genomrn worden. Die Ruhe ist aber sofort wieder hergefiellt »arbeit.

änietgenuretle GeschäsiS-Anzeigcn Zeile 15 Pfennig. stamiiien-Anzeigeu Zelte 15 Pfennig, Kleine Anzeigen das Wort 2b. Pfennig. Reklamen die Zeile 60 Pfennig. Öfiertgebübr to tUeuniä ibei Zusendung der Cnerien 20 Pfennigl. Rechnungs­beträge sind innerhalb 5Tagen iu befahlen. Maßgebend ist der Kurs des Zablungs- tages. stilr die Rlchiigkett aller durch Fernsprecher ausgegebenen Anzeigen, sowie für Autnahmedaten und Plätze kann nicht garantiert werden, stitr Anzeigen mit besonders schwierigem Satz ton Prozent Aufschlag. Druckerei : Schlachibofstr. 28/30 Geschäftsslelle $öln. Strafte 5. gegenüber ber Soohrftrahe. sternsprecher 951 tt. 962.

Marokkokotoftrophe.

Spanien weicht. . . tkuropa greift ein.

Das spanische Abenteuer in Marokko scheint sich nach den heute morgen vorliegenden Drahtberichten zum Schlimmsten zu wenden. Der Fall von El Cf ar nach zweitägiger Bela­gerung wird als ein Todesstoß für die spa­nischen Truppen angesehen. Es erscheint auch zweifelhaft, ob Primo de Rivera sich wird in Temn halten können Die gut ausgerüstete t Andjerastämme haben sich deshalb gegen die Spanier erhoben, weil das Haus eines ihrer Führer, der überdies noch als spaaie»- freundlich gilt, von einem spanischen Flugzeug bombardiert worden ist. An einigen Stel­len stehen die Marokkaner bereits zwanzig Meilen vor Tetuan. Wenn keine Aende- rung der Lage eintritt, ist die Besatzung von Te­tuan mit der Aushungerung bedroht. Primo de Rivera hat seine Abreise mich Madrid erneut aus den 26. Dezember verschöbe». In einem Ausruf an die Truppen weist er aus die Schwierigkeiten des Rückzuges hm. Tas spanische Direktorium erklärt in einer Bekanntmachung. Spanien denke nicht da­ran, Nordafrika anszugeben.

Tie Andjeras zählen etwa zehntausend Krie­ger. Da sie aber gut bewaffnet und in dem unwegsamen, zerklüfteten Gelände jeden Schlupf­winkel kennen, so können sie den Spaniern ge­radezu verhängnisvoll werden. Greist der Ausstand um sich, so ist es fraglich, ob Sva- nien seinen Besitz in Marokko wird halten kön­nen, denn die Soften der Expedition sind ge­radezu unerschwinglich und drohen die spa­nt'chen Finanzen völlig zu zerrütten. Die Kämpfe Spanies in Marokko halten nun schon lange Jahre an. Von einer völligen Be­ruhigung des Landes und einer kampflose» Ruhe der Besatzungen kann man schon seit Jahr zehnten kaum noch sprechen Gegenwärtig untcibält man in Marokko nicht weniger als 125000 Mann. Besonders schwierig und kostspielig ist deren Verpflegung nnd Ausrü­stung. Das Land bietet an sich gar- nichts, so daß auch das kleinste Stück und vor allem die ganze Verpfltgttng aus der Heimat herbeigeschafll werden muß. Nach Rachrichten aus Madrid muß Spanien für feine Truppen in Marokko Tag für Tag sechs bis acht Millionen Peseten ausgeben. Der hier­zu zur Verfügung stehende Fond schwindel i rnft- lieft bat-in, und in kurzer Zefl sind diese Gelder erschöpft Dazu kommen noch die ungeheuren Verluste, die der letzte Rückzug verarsacht hat. Bis jetzt sollen zwanzigrau send Mann tot oder verwundet sein, außerdem sollen die Riffkabylen nicht weniger als sieben- tanfend Gefangene gemacht haben.

Dazu kommen noch die ewigen Intrigen feiner Nachbarn, unter denen Spanien in Ma­rokko schon seit Jahren zu leiden hat. Immer wieder war es Frankreich, das mit den Riffkabvlen verbandelt und diese zu erneuten Kämpfen veranlaßt hat. Nach den neuesten Vorgängen dürfte es keinem Zweifel mehr un­terliegen, daß von Paris ans auch etzt die Aufständischen ansgestaitet und bewaffnet, wen» nicht auch bezahlt werden Frankreichs Marokko-Politik läuft seit langem daraus bin- aus, der ungestörte Herrscher von 91 erb- afrifa unb auf biese Weise die erste Macht im mittelländischen Meer zu werden. Breitet der Ausstand sich weiter aus, so ist in erster Linie die benachbarte Stabt Tanger idirocr gefähr­det Fällt aber dieser für den Handel jo über­aus wichtige Hafen und Handelsört in die Hän­de einer feindlichen Macht, so ist E»glau.s Stellung im mittelländischen Meer stark g fSftrbet. denn mit den neuzeitlich beitragen« den Geschützen kann von Tanger aus oas aegea- übet liegende Gibraltar leicht beschosie.i werden Der Weg über das Mittelmeer wäre bamit für die Engländer verschlossen nnd fein Handel hätte eine empfindliche Schlappe erlit­ten, daher rührt das große Interesse, mit bem man die Erpedition der Spanier in Loudon verfolgt

Der Hauptgrund bet Interessen Italiens tot Mittelmeer liegt natürlich mehr im Otten. Ihm kommt es daraus an seine Stellung >n Tri­polis «i befestigen und seine dortigen Besitzun­gen aftzurunden Es kommt dort unmittelbar Frankreich nicht ins Gehege nnd wird daher ans einem Vorgehen Frankreichs für sich selbst nur Vorteile ziehen können, tobent es entsprech ndc Kompensationen verlangt Immerhin ist aber Marokko nach wie vor ein internationa­ler Brandherd Wenn mich Deutsch land in der Marokkkoftage völlig aus-,.'schal'et ist. und viele nach den unerquicklichen Vorgän­gen der Konferenz in Algeciras von diest-m Lande nicht mehr gern etwas hören wollen, so ist cs doch erforderlich die Vorgänge im Mittel­meer genau zu verfolgen Ist Spanien nicht mehr in der Lage, sein Gebiet zu sichern, ss hat

Wie soll die Krise enö§n?

Marr beim Reichspräsidenten.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 18. Dezember.

Heute vormittag 9/ Uhr begab sich der Reichskanzler Dr. Marx erneut zum Reichs­präsidenten, um mit ihm die Lage zu besprechen, die durch die Ablehnung Stresemanns und die Weigerung des Zentrums entstanden ist, eine Rechtsregierung mitzumachen. Auch Dom­kapitular Leicht wurde von ihm empfangen. Im Anschluß dein begab sich Reichskanzler Marr in den Reichstag, um dort mit den Parteifüh rem über die nunmehr zweckmäßig zu treffende Entscheidung Fühlung zu nehmen. Tas Volk?- parteiorga» nimmt au, daß sich der Reichsyrä Ident nun an das Zentrum mit dem Auftrag der Regierungsbildung wenden werde. Tas Blatt glaubt im Gegensatz zum Zentrumsblatt nickt an eine Fortsetzung des Kabinetts der Mitte, da eine solche Regierung bei der num­merischen Schwäche der Varteieu, die hinter ihr stehen wrüden, keinen Bestand haben könnte. Die Wirtschaftspartei hat erklärt, daß sie eine Re­gierung, in der die Sozialdemokratie vertreten ist, grundsätzlich nicht unterstützen werde.

Kreuzfeuer cm Her Themse.

Baldwin und Chamberlain wehren sich.

((Eilten? Drahtmelvung )

London, 18. Dezember.

Snowden, der im Unterhaus nach Bald­win das Wort ergriff, sagte, die Arbeiterpartei werde die Einbringung einer Zollvorlage aüwar- tcit, aber Baldwin dürfe nicht erwarten, daß ihre Annahme durch das Haus leicht sein werde. Lloyd G e o rc g e sagte, Baldwin habe cigent- iick eine Umwandlung des englischen Steuerst) ftems und deS aligeininen Tarifs angckündigt und das sei nicht eine sehr aufrichtige Weise, ihn aufzuerlegen. Die Wahrung in Deutschland sei lo gut wie stabil und ein solches Gesetz sei gut wie wertlos zur

Abwehrung des deutschen Wettbewerbs.

Tie Frage nach einem Pakte zwischen Frank­reich und Großbritannien gegen Eefah-

Frankreich den gewünschten Vorwand, auch of­fen in das Spiel von Marckko einzugreisen.

Nach der Wendung der Dinge in Marokko rechnet man in maßgeb »den englischen Kreisen ernsthaft mit der Möglichkeit einer engli­schen Vermittelung. Chamberlain suche nach einer Formel, die dem SicherheitSbe- dürsnis Englands und den politischen Anfvrü chrn von Frankreich, Italien und Spanien ge­recht wird. Man hält cs deshalb für wahrschein­lich, daß Chamberlain eine Marokko - Kon­ferenz einberufcn wird, die unter seinem Vorsitz in London tagen würde.

Rach einer Intervention des