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Mittwoch, 10. Dezember 1924.

Kasseler Neueste Nachricht?»

14. Jahrgang. Nr. 290.

diese oder jene Veränderungen und Verbesserun­gen vornehmen. Nach lange mußte der kühn. Erfinder dem Ansturm seiner Gäste an Boro standhallen, die ihm immer wieder die Hand drückten und ihn beglückwünschen wolllen.r Er aber, der nicht gern viele Worte macht, antwor­tete nur: »Ich freue mich, daß ich ein Deut­scher bin. Elise von Hopfgarten.

WiMvn-uen in

Eröffnungsreden im Völkerbundsrat.

Rom, 9 Dezember.

Bei der Eröffnung des Bolkerbundseates entbot Salandra den Gruß der italienischen Regierung und dankte für die Wahl Roms als Tagungsort Regierung und Volk strebten in Italien einmütig den friedlichen Fortschritt an. Tie erkennen den großen Wert der intenmtio- nalcn Solidarität an, ohne die es für die Menschheit keinen Fortschritt gebe Ter Prä­siden! hob die bedeutungsvolle Tatsache hervor, daß Ehamberlain in einem heiklen Augen­blick der englischen Politik London verlassen habe, um an den Sinuugen des Välkerbunds- rates tettzunehmcn. Ehamberlain pries den Völkerbundsrat, der eigens für die Erhal­tung des Volkslebens geschaffen werden müßte, wenn er nicht schon bestände. Der Präsident der sistrgrn Völkerbnndssefsian, Mello Franco, erklärte, über die Behandlung der A b - r ü st ungsfrage werde erst nach Ankunft von Beu'''.ch gesprochen werden. Das englische Ge­such um Aufschiebung werde dem Völkerbunds- rat vorgelegt, der darüber zu entscheiden habe. Die ägyptische Frage stünde vorläuftg nicht auf der Tagesordnung.

Der g i" cer DRffrrechtr.

Rom. 9 Dezember. (Eigene TrahtMcldung.l In der römischen Bevölkermig selbst scheint man wenig Interesse für die Völkerbundkonsc- renz zu bekunden. In den römischen Rezie- rungskreisen hat man in der Zusammenkunft des Völkerbundsrates eine erwünschte Gelegen­heit erblickt, die italienisch-englischen Beziehungen enger zu knüpfen, die aus der

stündigen Unterredung Mussolinis mit Ehamberlain mit aller Deutlichkeit hervorgcht. Es läßt sich heute natürlich nicht zum voraus sagen, ob der Völkerbundsrat das reichhaltige Programm seiner Tagesordnung erschöpfend behaicheln und erledigen wird uns noch skeptisch ist man offensichtlich bezüglich des endgültigen Ergebnisses der Kongreßarbeiten Tos drückt sich auch ziemlich unverblümt in den Kommentaren der römischen Blätter aus. di? mit ihren Zweifeln am Erkolg der Tagung nicht zurückhallen. Besonders oessimistisch kling eine Auslassung, die den katastrophalen Nieder­gang der Genfer Institution predigt, die sich immer mehr dem Ruin einer fehlerhaften Schöpfung zu nähern drohe. Wenn das ganze Werk eine neue Auferstehung und eine neue Blüte erleben soll, dann bedürfte es dazu Män­ner von anderem Gei st e und anderen Zeiten. Das Blatt weist im Zusammenhang auf die Frage dek Abrüstung hin, ferner aus den englisch - ägyptischen Konflikt, sowie auf die Tatsache, daß verschiedene große Nationen noch außerhalb des Völkerbundes stehen. Ein anderes Blatt schreibt, der Tages­ordnung der Sitzungen komme nur eine ziemlich relative Bedeutung zu, aber trotz aller Ungunst der äußeren Verhältnisse gehen die

Delegationen aus dem Saorgebiet und von Danzig

mit Mut und Zuversicht an die Arbeit, um ihre berechtigten Interessen vor dem Forum des Völ­kerbundes zu vertreten. Namentlich Danzig erwartet in dieser Konferenz .seinengroßen Tag" Am Ausschuß der italienischen Volks- Partei bildeten sogar kürzlich auch die oben ge- nanitten Fragen Gegenstand der Erörterung.

Dos moste Los.

Wahlecho im Blätterwald.

Berlin, 9. Dezember.

Die volksparteiliche Zeit schreibt zu dem Ergebnis der Wahlen daß die Verschiebungen

'gegenüber den Maiwahlen doch recht gering jseien. Zur Frage der Regierungsbil- -düng erklärt das Blatt, daß die Parteien end­lich all das von ihren Kräften O Gemeinfchasl verstärken mögen, was sie zu gleichberechtigten: Streben zusammenführen kann und sei es auch nur eine mehr oder minder große Wegstrecke lang, daß sie aber all das andere zur Seite stehen lassen mögen, was letzten Endes ange­sichts der großen Dinge des Volkes klein ist und kleinlich wirken muß. Von den demokratischen Blättern schreibt dieVoss. Ztg.":Tas Er­gebnis des 7. Dezember hat bewiesen, daß der Genesungsprozeß des deutschen Volksköroers fortschreitet. Aber es geht langsam. Das hitzige Fieber des Nationalsozialismus ist gebrochen und auch die kommunistische Jnsektion beoeutet keine Lebensgefahr mehr. Die Politik der Mitte entspricht so sehr den Lebensbedürfnissen der Nation, daß die Erneuerung des Versuchs, sie 'U verlassen, ein Fehler wäre, der vielleicht nie wieder gutzumachen wäre." ImBerliner Ta­geblatt" heißt es: Will man noch den Bürger- block? Will man das Laad herausfordern und eine Kampffront gegen die Sozialdemolratir zusi.mmenleimen. Die Entscheidung des Lan­des lautet für die Republik, für diejenigen und mit denjenigen, die dem republikanischen Staat aufrichtig dienen, ihn schützen und au» bauer:, wollen." DieDeutsche Allgemeine Zeitung" ist der gegensätzlichen Auffassung, wenn sie sagt, daß das Weiterbestehen der jetzigen Koalition im Reich als ausgeschlossen gelten darf ... Es bleiben noch zwei Lösungen übrig, die soge­nannte große Koalition von Stresemann brs Hilferding oder die Regierung der bürgerlichen Äottsparteien, wobei zunächst offen bleibt, ob die Demokraten mit ihrem M rndatsgcwinn von zwei Mann sich dazu rechnen wollen oder nicht DieDeutsche Tageszeitung" kommentiert noch etwas schärfer und sogt, daß in Preußen an die Stelle der großen Koalition ohne weiteres eine sichele Mehrheit der bürgerlichen Parteien ohne die Demokraten treten kann, die nach vorläufi­gen Erg'bnissen schon über etwa 204 von 434 Sitzen versagt.

Geoe s Konzept.

Eine lange Thronrede.

London. 9. Dezember.

Baldwin wurde gestern abend vom König in Audienz empfange». Es wurde ein K r o n - rat abgchaltcn, während dessen dem König die Thronrede vorgelcgt wurde, die von ihm unter­zeichnet wurde. Man nimmt an, daß die Rede viel länger sein wird als es sonst üblich ist Außer der Behandlung außenpolitischer Pro­bleme soll, um den Handel innerhalb des Reich e s zu heben, ein System von Vor zugszöllen dem Parlament unterbreitet werden. Die Frage de» Reichsverteidigung wird auch berührt werden. Die Regierung tfi l"st entschlossen, mit dem Ausbau der Floiten- basis in Singapore zu beginnen. Ferner wird sich die Thronrede auf das Flotten- programm beziehen, das dem Hause bereits vorgelegt worden war. Außerdem werden er- ivähnt: 1. der Beschluß der Regierung, das Wohnungsbauprogramm zu förderst, 2. Einstellung von Hilfsarbeitern zur Behebung der Arbeitslosigkeit, 3. Ernennung einer Kommission für Nahrungsmittelpreise, 4. der Vorschlag zur Einberufung einer Konferenz der Großgrundbesitzer für Landwirte und landwirtschaftliche Arbeiten.

Ni- Soyylis -- Hpft'nx.

Kairo, 9. Dezember. (Durch Funkspruck.) Die Auflösung des Parlaments wird von der ägyptischen Presse eingehend eröriert Man beschuldigt die Regierung, Manipulatio­nen und Wahlgesetze vorzubereiten, um die Zaglulisten zu verhindern, eine Mehrheit zu erlangen. Im Allgemeinen ist die Lage ruhig, doch wird diese Ruhe als Stille vor dem Sturm bezeichnet.

Rußlands G Subiger.

London, 9. Dezember. (Privattelegramm.) Die britischen Gläubiger Rußlands, deren F o r- betungen an die Sowjetregierung

sich ous dreihundert Millionen Pfund Sterling belaufen, haben gestern eine Ent- s-tzließung angenommen, in der der sie die bri­tische Regierung auffordern, der Sowjetregie- rung keine finanzielle Unterstützung oder Kredit zu gewähren, bis ihre Ansprüche geregelt sind.

Ruffenlhearer in Varis.

Eine Warnung vor der Revolution.

Paris, 9. Dezember.

General Castclnau, der Präsident der Liga der Patrioten veröffentlicht einen Aufruf an die Franzosen, worin er aus die bolseye- w i st i s ch e Gefahr hinweist und das Publi- kmn einläd, der patriotischen Liga beizutreten und sie finanziell zu unterstützen, um Frankreich vor einer kommunistischen Revolution zu schützen. Der Botschafter der Sowjetregierung Krassin hat gestern die Formalitäten feines Empfanges durch den Präsidenten der Republik geregelt Er verzichtet auf die übliche Ein­holung und begibt sich mit den Mitgliedern der Botschaft im Auto nach d?m Elysee.

Ein Qberfiüifi er Gesandter.

Berlin» 9. Dezember. (Eigene Drahtmel­dung.) Die bayerische Regierung hat sich mit der Reichsregierung in Verbindung gesetzt, um ein Einvernehmen zu erzielen über die beider­seitige Stellungnahme zu dem französischen Plan, die französische Gesandtschaft in München neu zu besetzen. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, will die bayerische Regierung einem neuen französischen Gesandten das Agre­ment keinesfalls eher erteilen, ehe nicht zwi­schen der Reichsregierung und dem französischen Kabinett die Angelegenheit endgültig geregelt ist, da man in Berlin mit der französischen Sondergesandtschaft in Bayern möglichst ein Ende machen will.

Ende des Kailflreiks.

Paris, 9. Dezember. (Eigene Drahtmel­dung.) Heute morgen ist der Generalstreik der Bergarbeiter in den elsässischen Kali- gruben zu Ende gegangen. Die Einigung sieht vor, daß auf jeder der einzelnen Gruben die Forderungen der Bergarbeiter besonders geprüft werden sollen.

Variier Duelle.

Fortgang der Konferenz. Die Finanzminister.

Paris, 9. Dezember.

Am Montag Nachmittag waren die deutsch- französischen Vertragsverhandlungen den Land­wirtschafts- und Wirtschaftsfragen gewidmet. Besondere Schwierigkeiten traten bei der Be­handlung der Tarife für Wein, Südfrüchte, Blu­men und Liköre auf. Es bestehen in diesen Punkten noch bedeutende Meinungsverschieden­heiten. Morgen( Mittwoch) wird eine beson­dere Sitzung den chemischen Produkten gewid­met werden. Die Vorbereitungen für die Fmanzministerkonsercnz sind so zu sagen fertig- gestellt. Die Finanzministerkonferenz tritt bc ianntlich am 6. Januar zusammen und entschei­det üher die I

Verteilung der Einnahmen und Ausgaben aus der Ruhrbesetzung

über die Verteilung der deutschen Reparations- -^.hlungen auf Grund des Dawesplanes. Die sachverständigen tonnten in allen diesen schwie­rigen Problemen keine endgültige Lösung erzielen, da allein die verantwortlichen Minister in der Lage sind, hier Entscheidungen zu tief­en. Sie haben aber alle nötigen Vorarbeiten für die Diskufsion der alliierten Finanzminister ausgestellt. Es sei wahrscheinlicher, so meldet ein Londoner Blatt, daß die Sachverständigen jedes einzelnen Landes ihre verantwortlichen Minister über den Stand der vorbereitenden Arbeiten unterrichten würden.

SMckwllnWe aus dem Ausland.

Sie sind mit dem Wahlausgang zufrieden.

Londön, 9. Dezember.

Die englische Presse nimmt in längeren Aus- ührungen zu dem Ergebnis der deutschen Neichstagswahlen Stellung.Daily Telegraph

bemerkt, daß bei den deutschen Reichstagswah- len ke:n so endgültiger Wechsel statt- gesunden bube, wie bei den französischen Wahlen im letzten Mai. Der Kamps sei für uns gegen die Republik ausgefockten worden. Die Macht liege nach wie vor in den Händen der deut- schenVolkspartei, deren Treu zur Repu­blik niemals fragwürdiger gewesen sei als in diesen Tagen. DieTimes" schreiben, daß die Situation nach den Wahlen wieder die al- t e fei. Der Berliner Korrespondent des Blattes ist der Ansicht, daß Deutschland einen trüben Ausblick nach dem anderen vor sich sehe.Mor- ningpost" schreibt, daß das Wahlergebnis der Republik für die Verfassung und für den Präsi­denten Ebert vorerst gesichert sei. Nach dem jet­zigen Wahlergebnis wird der Bolschewismus in Deutschland keine Aussichten haben. Der Sieg Baldwins, der Triumpf Coolidges, das Fehlschlägen der kommunistischen Hoffnungen in Deutschland dürfte selbst Moskau überzeugen, daß eine Revolution an Boden verloren hat. Westminstergazette" sieht in dem Wahlausgang noch keine Klärung für die Regierungsbildung, das Blatt hofft aber, daß Dr. Marx oder fein Nachfolger die versöhnliche Politik fortsetzen werde, die schon heute gute Erfolge gezeitigt hat. Die Zusammensetzung des neuen Reichstages sei füre Europa günstig. Das Resultat der Wah­len habe sich vorteilhaft gegen die letzten Wah­len verschoben. Eine bessere Atmosphäre sei ge­schaffen worden. Eine Reutermeldung besagt, es sei klar, daß die Republik über die Reaktion und den Monarchismus den Sieg davontrage. Die Politik der neuen deutschen Regierung wer­de eine Politik der Versöhnung und 6t« iüllung der Verpflichtungen des Versailler Vertrages und des Dawesplanes sein.

Versöhnung nur... vis Versailles

Genf, 9. Dezember. (Privattelegramm.) Von den Pariser Blättern brachte bisher nur derMatin" ein Berliner Telegramm, das von einer unbedingten Mehrheit der jetzigen deutschen Regierung zu melden wußte. DerMatin" fügte hinzu, dieses Ergebnis fpor- ne Frankreich an, wegen der Wahrung seiner Rechte besonders auf der Hut zu sein, denn die Versöhnung müsse vor dem Versailler Vertrag u. seinen Verpflichtungen vorläufig Halt machen.

Wie 3tßtLn es sicht.

Zürich, 9. Dezember. (Eigene Drahtmeldung.) In der Wiedergabe der Ergebnisse der deutschen Wahlen durch die amtliche italienische Nachrich­tenstelle ist die Auslassung interessant, die Wahl hätte keinen Zusammenbruch der Rechtsparteien gebracht, aber eine unbedingte Mehrheit für Deutschlands Eintritt in den Völkerbund und es sei zu wünschen, daß der Aufnahmeantrag Deutschlands recht bald in Genf eingehe.

Neues aus Mel

«S-Miche Muflf.

Wahlfonntag-Abend in der Kreuzkirch'.

Der Kirchenchor der Oberneustädter Kirche veranstaltete am zweiten Adventssonntag eine Aufführung geistlicher Musik in der Kreuzkirche, die als tocblgehtngen zu bezeichnen ist Die Lei­tung des Chores liegt in den bewährten Hän­den von Robert E ck, der mit viel Umsicht seines Amtes waltete. Die Vortrags folge war schon recht weihnachtlich gestimmt. Mit den beiden Chören:Wie soll ich dich empfangen" von Teschner, undWie lieblich ist deine Wohnung, o Herr" führte sich der Chor bereits vorteilhaft ein, um in dem später gehörten Satz Von I. Eceard:Vom Himmel hoch" und in dem Nach­sehen:Brich an du schönes Morgenliche" den Beweis zu erbringen, daß er über rech: gutes Stimmenmaterial verfügt und größeren Lnwr- berungen wohl gerecht werden kann. Die ftraire Leitung Robert Ecks versteht es, alle Feinheiten herauszuarbeiten: wahrend die Sängerschar wil­lig auf jeden Wink des temperamentvollen Lei­ters eingeht

Als Solistin war Hedy Aschermann ge­

Kunstausstellung.

Gemäldeschau Kasseler Künstler.

Die hiesige Ortsgruppe der allgemeinen Kunstgenossenschaft zeigt mit der Vereinigung der Künstlerinsten Hessen-Nassaus eine Anzahl von Werken, die durchweg auf einen versöhn­lichen, technisch befriedigenden Ton abgeftimmt sind. Ausgesprochene Ueberraschungen gibt es nicht, dafür interessante Einzelheiten, auf die wir Hinweisen wollen.

Von den Landschaften, die im Großen Saal nicht leicht zu hängen waren, fällt Albert Metz­gers farbig und perspektivisch interessierendes Hessisches Bergnest" ins Auge. Schmaler Him­mel und dunkler Vordergrund rahmen außer­ordentlich glücklich das Dörfchen ein, dessen rote Dächer dem wogenden intensiven Grün das Gleichgewicht halten. MetzgersOktobersonne", eine flüchtige lichte Studie, erläutert die Mal­art des Künstlers. Gegenüber drängt sich die barocke, dekorative Malerei van Brackeis vor. SeinPark Wilhelmshöhe", sehr wir­kungsvoll auf dem ersten Blick, erweist sich in der Komposition nicht ganz vollkommen. Tie Tiefe, der Blick aus lichten Rasen, wird hart eingeengt durch dunkel gehäufte Baumgrupven. Ter Bildinhalt ist in sich noch nicht zur Ein­heit gestaltet. Dagegen muß dasStilleben" als eine der besten ausgestellten Arheiten gel­ten. Technische Vielseitigkeit und künstlerisches Temperament haben sich hier glücklich verbun­den. In derKupferschmiede", die als Ge­mälde zu unruhig wirkt, verrät van Brackei gute zeichnerische Fähigkeiten.

Neben diesen Arbeiten fallen Pastelle F e r- binanb Kochs durch ihre innere Ruhe und Ausgeglichenheit aufBlick von der Wasser- kuppe" undAuf der Höhe". Die Atmosphäre kommt in der Pastelltechnik recht duftig zum Ausdruck. Das Selbsiporträt von Margarete von H ü 11 e f f e n, von gütig-feiner Auifas- sung. farbig gedämpft, wird in seinem Wert durch den tot-grünen Hintergrund herabgemin- bert Martha Wenzel will recht schmissig

skizzieren. Ihren Impressionen fehlt ober Bte notwendige Farbigkeit. Es bleibt vieles halb im Wollen stecken. Lola Schwarzenberg beginnt mit AquarellskizzenPferde", die gut komponiert, aber »och nicht von Einflüssen frei sind.

Wir erwähnen die flotten Aquarelle von Prof Wittig, dessen Nordsee eine gute, inter­essante Arbeit darstellt. Karl Lotze gibt einen Ausschnitt Hirsche im Wald, der die roten Tier­körper mit den dunklen Stämmen und dem spärlichen Licht zu einer Bildeinbeit verbinden will, deren Komposition besser als ihr farbiger Inhalt gelungen ist. Straßburger-Lo­renz betont in seinemHünengrab" die Idee durch die abfterbrnben Farben (lila, blaßgrün) eines Oedlands, das schwer unter hohem küh­lem Himmel liegt.

Im großen Saal interessiert der Vergleich einiger Porträt st udien. Während Anna Jacobi-Thomas mit frisch ausgesetzten Lichtern eine gute impressionistische Studie gibt, die (technisch wenigstens) recht temperamentvoll sich vorstellt, will S. von Bamberg-Asch e- b e r g die zwar intensive Farbigkeit dem Aus­druck ihrer Kinderbildnisse unterordnen. Die beiden Bildnisse sind vorläufig nur in Einzel­heiten gut, es wogt viel Gefühl, viel Wille, aber im technischen fehlt noch die Vollendung. Lola Schwarzenberg konzentriert vollends alles im Auge. Sie wählt zarte, unaufdringliche Farben wirkt dadurch unplostisch, flächenbaft, aber die Augen ihrer Mädchen, ihres Selbst­bildnisses bekommen nach anfänglicher Starr­heit gefüblerfülltes Leben. Umso vitaler wirkt bann Elisabeth Schiebelers vorzüglicher Stubienkops.

Im Vorraum hängt eine Anzahl guter Aquarelle unb Skizzen, von benen wir Anny von Holwabes Wanbervöael hervorheben. Zu nennen sinb hier Berta Martin, H. R. Schlegel, Marga L o e b e 11, Käthe Gabel, L. Voß (Mäbchenkopf). Man siebt noch heben Pforrs netten bunten Bildern eine gute Lanbschast von Höbman n. Trieb ns Berge im Schnee" unb Pros. Meyer- Kassels

Parkbilb. in bem ber Künstler aus sehr viel Grün ein stimmungsvolles Gemälde macht.

Abschließend stellen wir fest, daß hier wie auch in anderen Kunstzweigen wir eine Menge guter Leistungen vorfinben, die es technisch zu einer erstaunlichen Vielseitigkeit gebracht haben. Wir sehen in einer äußerlich unb innerlich wo­genden, gärenden Zeit eine besondere Vorliebe für das Idyll, ?in Spielen mit technischen Möglichkeiten, eine erstaunliche Entfernung von dem Geist unserer Zeit. Man ist angenehm be­rührt, aber nicht cmfgerührt. Es fehlt die große Anregung, die von einer bedeutend gestalteten Idee ausgehen muß. Man betrachte einmal diese Werke unter dem Gesichtspunkt, welche von ihnen noch nach zehn Jahren sich behaupten kön­nen, und man wird gestehen, daß nur wenige diese Probe bestehen. G. M. Vonau.

Aus ftunfl und MMn.

** Neue Opern. Am 9. Dezember findet in der Dresdener Staatsoper eine Urauffüh­rung der Oper Hand und Herz" von Kurt Strre- geler statt. Die Oper entlehnt ihren Tert von bem gleichnamigen Drama Ludwig Anzengru bers. Ebbe H a m e r i k s Oper Stepan" batt bei ihrer Uraufführung int Mainzer Stabst tfieater dank ihrer melodiösen Musik, ihrer pak- kenden Handlung (sie spielt in Sowjet-Rußland) großen Erfolg.

** Der Dichter als Feldherr. Der tschecho­slowakische Dicker I S. Mach ar mar seit Gründung ber tschechoslowakischen Armee bereit Oberkommandierenber. Nunmehr scheint ihn aber ber militärische Lorbeer nicht mehr zu be­friedigen. Er hat sein Amt niebergelegt und will sich jetzt wieder ganz dem literarischen Schaffen zuwenden.

** Die Tschechen beschlagnahmen einen deut­schen Roman. Der weit über die Grenzen seiner engeren deutschböhmischen Heimat bekannte Schriftsteller Rudolf Haas (Mathias Triebl", , Mathias Triebl, der Wanderer") ließ vor kur­zem einen neuen RomanHeimat in Ketten",

ber bas Schicksal des deutschen Volkes tn Böh­men zur Unterlage hat, erscheinen. Das Kreis­gericht in Reichenberg hat den Roman beschlag­nahmt. Der Roman hat bereits in ungezählten Stücken im Volke Verbreitung gefunden.

**Island-Saga" Die MusiktragöbieJs- lanb-Saga" von Georg Vollerthun wird am National-Theater in München am 5. Ja­nuar uraufgeführt.

** Für y, Million Mark Briefmarken. Eine piächttge Markensammlung der Vereinigten Staaten, die im Besitz eines Herrn Waterhonse war, wurde in London für 1458465 Franks verkauft.

** Plakatwettbewerb. In Köln findet im nächsten Jahre dieJahrtausend-Aus­stellung der Rheinlande" statt. Die Stadt schreibt nunmehr dafür einen Plakatwett- betoctb ans An Preisen sind 1500, 1000 unb 500 Mark ausgesetzt.

** Wertvolle Schriften entdeckt. Der staat­lichen Bücherei von Moskau wurde eine Partie seltener Bücher aus dem 16. Jahrhundert über­gehen. Unter diesen Büchern wurden einige sehr bedeutende Erstdrucke ber Arbeiten von Copernikus gefunben.

** Italienisches Ehrenmitglied ber Hambur­ger Universität. Der Professor Dr .G. M i n - gazzini, Lehrer für Psychiatrie unb Neuro­logie an ber römischen Universität, ber in der psychiatrischen Klinik ber Staatskrankenanstalt Friebrichsberg bei Hamburg eine Vorlesung über Sprachstörungen hielt, würbe von ber me­dizinischen Fakultät ber Hamburger Universität zu ihrem ersten Ehrenmitglieb ernannt.

** Kunstsinnige Dollarkönige. Der amerika­nische Oelmagnat Edward Harkneß hat ber Nale-Universität 800 000 Dollar für die Hebung derbramo.tischenKunst gestiftet. Ja einem eigens für diesen Zweck einzurichtenden Theater sollen neue Dramen auf ihre Bühnenfähigkeit geprüft werden. Die dramatischen Autoren sol­len durch besondere Lehrer über die Wirkung ihrer Werke auf die Zuschauer unterrichtet werden.