Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Die riaiieler SZeueften Nachrichten ertcheinen wöchentlich lechsmal iiachmttiags Der rlbounememSvreis deträai für oen Monai 2.- -JJit bei freier duftellunn e'r GeschäfiSfleUe abgeboli l.silHil. Durchdie«oft monatlich 2.1 Kl Mk ausfchlieiUich zjufteUunosaebüdr Berlaa uns Nedakiion Schlachibofftrane 2H/30 »«rnforeger ijfti und 952. ftftr unvcrlanai einaefandte Bcilrüge kann die Ne- rantwortuna oder Gewäbr in keinem Solle nbcrnebmen. 'Jiüct- Ä des Be»ugsaelde8 »der Anfvruche wegen eimaiaer nicht ordnungsmäßiger rie'eruna ift ausaefchloffen l-oftichechkonto Srankfur« a. Main Nummer 63ft0

Änzeigenpreife Gefchäfts-Änseigen ,-jeile 15 Pfennig. Samilten-Anzetaen Seile 15 Pfennig, Kleine Änreigen das Äori 2/, Pfennig, Reklamen die Seile 60 Pfennig. Offerigebudr 10 Pfennig ibei sufendung der Offerten 2>> Pienuigf. ötechnungs- veträge find innerhalb 5 Tagen yt bezahlen. Maügebend ift der Kurs des Sablunüs- tages. Sür die Richtigkeit aller durch Sernfvrecher aufgegebenen Anzeigen iowie für Aufnabmedaten und Plätze kann nicht garantier! werden. Sitr Anzeigen mit besonders schwierigem Latz lüo Prozent Aufschlag. Druckerei Schlachthofstr . 28/80 Geschäftsstelle: Köln.Strafte 5. gegenüber der Svobrftrafte. Sernsvrecher »51 u. 952.

Sonnabend, 6. Dezember 1924. Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf 14. Jahrgang

Nummer 287. Einzelnummer 10 Pf , Sonntags 15 Pf

Lhamb erlam und Krassin an der Seine.

England enthüllt.

Um sich von der Kriegsschuld zu reinigen. (Von unserem Berliner Berichterstatter.) Die englische Regierung hat sich jetzt ent- schlossen, eine Sammlung amtlicher T iflu« mente über die Vorgeschichte des Welt­krieges der Oeffentlichkeit zu übergeben. Dieser Entschluß Englands ist ein politisches Ereignis von größter Bedeutung, denn nunmehr wird die e r st e Ententemacht, die bei Aus­bruch des Weltkrieges eine entscheidende Rolle gespielt har, mit dem Tatsachenmaterial hervor­treten, das in den Archiven des Londo­ner Auswärtigen Amtes seil Jahren gelagert ist, ohne daß die Welt jemals davon Kenntnis erhalten hat. Gerade für Deutschland ist es von größter Bedeutung, daß die Archive unserer ehemaligen Kriegsgegner geöffnet wer­den, um vor aller Welt den Nachweis führen zu iönnen, daß die alliierten Mächte an dem Ausbruchdes Krieges in hervorragender Weise aktiv beteiligt waren Wenn England jetzt seine Archive der Oeffentlichkeit bloßlegen wird, so ist dies der beste Beweis dafür, daß die europäische Entente zwischen Frankreich, Italien und Großbritannien nicht mehr so fest gefügt ist, als zur Zeit des Versailler Friedens- Vertrages, denn das selbständige Vorgehen Englands beweist immerhin, wie wenig Rück­sicht die Londoner Staatsmänner auf ihre Ver­bündeten zu nehmen geneigt sind. In Der eng­lischen Presse finden sich interessante Ankündi­gungen über die Initiative, die der englisch' A u ß e n Ni i n i st e r Chamberlain in die­ser' Frage ergriffen hat. Chamberlaiu steht auf dem Standpunkt, daß nach den Veiösientlichun- gen durch Deutschland Rußland und Oesterreich der Anstoß dazu gegeben wäre, auch von eng­lischer Seite einen Beitrag zur wahrheitsge­mäßen Feststellung der Kriegsursachcn zu ue- fern Allerdings scheint dem Londoner Auswär­tigen Amt das Bestreben vorzuherrschen, den englischen Anteil an der Kriegsschuld soweit als möglich ableugnen zu wollen. Man hat Vorsorge getroffen, durch unparteiische Persön­lichkeiten auf das von Deutschland herausgege­bene Material über die Kriegsschuld prüfen zu lassen.

In Deutschland wird man den angekündig- ten englischen Veröffentlichungen ohne Unruhe entgegensehen können. Obwohl schon jetzt einigermaßen seftsteht, daß England ein be­stimmtes Interesse daran hat, gewisse Beschul­digungen gegen Deutschland zu wie­derholen, wird man doch in London in der Lage sein, die Kriegsschuld der z a r i st i s ch e n russischen Regierung abzuleugnen. Die russische Sowjetregierung hat mit einer solchm Rücksichtslosigkeit die Kriegspolitik der russischen zaristischen Staatsmänner enthüllt und alles Belastungsmaterial, das sich in den Archive» des Moskauer Außenministeriums gemndem hatte, lückenlos der Oeffentlichkeit preisgegeben. Gegen dieses russische Material wird England nicht aufkommen können; auch wenn es vielleicht den Versuch machen sollte, die Haltung des da­maligen englischen Außenministers Lord Grev zu rechtfertigen, der die damalige deut­sche Regierung durch schöne Worte hinzuhalten suchte, obwohl es feststand, daß das zaristische Rußland seine Mobilisierungsmaß- nahmen bereits begonnen hatte, wäh­rend England seine Intervention zur Herbei­führung einer Vermittlung zwischen Rußland, Serbien und Oesterreich fortsetzte. Wie übri­gens festftehk. war der erste Anstoß zu den englischen Veröffentlichungen von der Regie­rung Macdonald gegeben worden. Tie englische Arbeiterregierung wird offenbar guten Grund gehabt haben, mit dem Material an Die Oeffentlichkeit zu trete i. und es ist immery'n zu begrüßen, daß die konservative Regierung ihrer­seits bereit ist, die 'Absichten Macdonalds zur Durchführung zu bringen. Vorläufig ist aller­dings noch kein Beweis dafür gegeben, daß England mit seinen Veröffentlichungen mehr zu unternehmenbeabsichtigt als lediglich die R e i n- Waschung der englischen Staats­männer. Trotzdem darf man jedoch in Deutschland hoffen, daß England nicht dazu bei- tr :gen wird, die anfibeutfclH Propaganda mit seinen Tekumenten-Veröffentlichungcn vv' neu­em tu unterstützen

Mit der Zusammenstellung der Dokumente wurde T a m e r 1 y, der Herausgeber des offi­ziellen Werkes über die Pariser Konferenz and den Versailler Vertrag, und G o o ch. der ange- seh"l.fte Schüler des großen Historikers Lord Acton und der Verfasser des großen Bandes .Geschichte Emovas von 1878 bis zum Schluß des Weltkrieges' beauftragt Gleichzeitig ver- fügtc er die Oef knuna des Archivs im A u ß e n n m t bi8 Ende 1878 statt wie ' isher Ende 1860 Sern das Jahr 1878 tatsächlich die

Grenze der Veröffentlichungen bleiben sollte, ist natürlich für die endgültige Klärung der Schuldfrage nicht viel gewonnen. Aber der Anfang ist da -mb diesem Schritt werden wei­tere folgen müssen.

Auf dem Variier Varkett.

* Chamberlains heutiger großer Tag. lEigene- "fr<*»«>>. n-D .

Paris, 5. Dezember.

Austen Chamberlain ist in der vergangenen Rächt in Paris eingetroffen und tetra (jeit'e eine wichtige Unterredung mit Herriot haben Chamberlain wirb am Onni d'Orsay das Frühstück -innehmeu und am Nachmittag von dem Präsidenten der Republik empfangen werden. Es wird als möglich angesehen, daß der englische Mnttster anläßlich seiner

Rückkunft aus Nom sich wiederum in Paris aufhalten wird, um Besprechungen bezüglich seiner Unterhandlungen mit Musfolini zu hal­ten Den Vertretern der französischen Presse er­klärte Chamberlain bei seiner Ankunft: Mein Betuch soll dazu beitragen, die ausgezeichneten Beziehungen zu bestätigen, di ezwischen den bei­den Nationen bestehen. Die Abreise nach Rom ist für 5 Uhc nachmittags festgesetzt.

»

^Am-rikoo Schu Vner

London, 5 Dezember. (Privattelegrrmm.) Zu der durch die französisch-amerikanischen Fun- dierutipsverhandlungen wieder in den Vorder­grund per ückten Frag - der interallii-er te n Schulden besteht die britische Regierung Londoner Blättern zufolge auf zivei Grund­sätzen: 1 daß, wenn Frankreich an die Vereinig­ten Staaten zahlen könnte, es auch an Eng­land zahlen könnte, und 2 daß Amerika nickt einem der Alliierten Vorzugsbe­handlung gewähren sollte. Churchill werde die ganze Frage im Januar in Paris aufwersen.

Krassin zieht ein.

Empfang und Botschaft in Paris.

(Privat-Telegramm 1

Daris, 5. Dezember.

Der Botschafter der Sowjetrepublik Krassin ist gestern auf dem Nordbabnhof angekomnien. Mi­nisterialdirektor Carre ist von der französischen Regierung zum Empfange nach dem Bahnhof delegiert worden Attßerdem hatten sich die Mitglieder der russischen Botschaft und eine Reihe französischer kommunistischer Abpeordnete zt.m Empfang eingefunden Vor dem Bahnhof hatte sich eine ziemlich zah'reick'e Menschenmenge versammelt, die beim Erscheinen Krassins in

Hochrufe auf Rußland auSbrach

und dann die Internationale anMmmte. Der kommunistische Abgeordnete Doriot erklärte in einer kleinen Ansprache an die Menge, daß Frankreich bald eine Revolution sehen wer­de, ähnlich der,die die Größe Rußlands ge- fdmffrn habe" Die Menschenmenge wurde dar- anfb-'n von der Polizei zerstreut. Krassin gab später folgendeErklärung ab: Unser Ziel ist die W'edeianfnahme der normak-o Beziehungen zwischen den beiden Völkern

und die Vorbereitung von Verhandlungen Über alle Frauen, die unS interessieren. Ick hoffe zuversichfltch, dast wir zu einer Einigung kom­men. Es ist augenscheinlich, daß man nicht dar­an denken kann, den Handel zwischen beiden Ländern zn reorganisieren, bevor normale Be­ziehungen zwischen den beiden Regierungen ein- getreten sind. Erst nach Droftififfem und g -'süd­lichem Studium wird es möglich sein, den Ab­schluß von Verträgen zwischen den beiden Län­dern ins Ange zu fassen, und von Krediten oder Anleihen zu sprechen.

Nußlands (Sfinftling.

Hauptma» Sadoul in Paris verhaftet.

(Eigener Drab'bertcht l

Paris, 5. Dezember.

Die französische kommunistische Partei rich­tete vor kurzem an den seinerzett in Abwesen­heit wegen Desertieren, Einverständnis mit dem Feinve'usw zum Tode verurteiltei' Hauptmanns Sadoul der sich bis jetzt -n Moskau befand und dort hohe Stellungen bekleidete, die Aufforderung, sich nach Frankreich M begeben. Sadoul ist tatsächlich, in Paris ein­getroffen und dort verhaftet worden. Das Am- nestirgesetz, wie es von der Kammer angenom­men worden war, hatte eine Begnadigung Sabonis vorgesehen, der Senat aber hatte die­sen Paragravhen gestrichen. Da auch der neue russische Botschafter, Krassin in Paris ein­

getroffen ist wird angenommen, daß die Kom­munisten damit einen großen Vorstoß gegen die Regierung Herriot unternehmen wollen.

*

Eine stiLp^e flr Herriok.

Paris, 4. Dezember. (Eigener Drahtbericht.) Auf eine Ammnnistische Anfrage, ob der Haupt­mann Sadoul provisorisch aus freien Fuß gesetzt werde, erklärte Herriot in der Kammer, daß nur das Kriegsgericht, das Sadoul verurteilt habe, eine Maßnahme dieser Art beschließen könnte. Die Regierung wünsche nicht, in eine (Zustizangelegnheit einzngreisen. Poincarö hat sich auf Wunsch seiner Freunde bereit erklärt, durch eilte Vvrtragsreise durch Frankreich die Propaganda für die kommenden Kammerwahlen vorzubereiten. Man gebe in vorsichtigen parla­mentarischen Kreisen dem Kabinett Herriot noch eine Höch st lebensdauer von zwei Mo­nate ii. lieber den Vertrag mit Sowjetrußland würde Herriot stürzen, wie Macdonald stürzte.

Nachbar MuMim.

Willkommengrntz an unsere Handelsvertreter.

Rom, 4. Dezember. (Privattelegramm.) Im Palazzo Chigi hat gestern die erste Sitzung der der deutsch-italienischen Handelsdelegation stattgefunden. In seiner Begrüßungsansprache führte Mussolini u. a. aus: Dank dem guten Willen der beiden Regierungen, die größten Hindernisse zu beseitigen, hat sich der Handels­verkehr zwischen den beiden Landern schon an­sehnlich entwickelt. Trotzdem würde der italie­nisch deutsche Handelsverkehr besonders nach dem 10. Januar 1925 nicht den erforderlichen Umfang annehmen, wenn nicht vorher gemein­sam die unentbehrlichen Bedingungen für seine regelmäßige Abwicklung festgesetzt werden. Die Aufgabe der italienischen Delegation besteht darin, eine Abänderung des Zollabkom­mens vom Jahre 1904 zu erlangen, die für die weitere Entwicklung des italienischen Wirt- scktzistslebens unerläßlich ist. Der gute Wille beider Delegationen bei der Erfüllung ihrer Aufgabe wird zu einer

Versöhnung der beiden Gegner den Weg ebnen

und günstige Verhältnisse für die Wiederauf­nahme des italienisch-deutschen Handels in vol­lem Umfange fdjflffen. Wenn es wahr sei, daß gute politische Beziehungen sich auf gute wirt schaftliche Beziehungen stützen, so treffe dies besonders für Italien und Deutschland zu. Das Wörk der beiden Delegationen werde einen namhaften Einfluß auf die allgemeinen Be­ziehungen der beiden Länder ansüben, die im allgemeinen Interesse immer gut und herzlich sein müßten. Der deutsche Botschafter von R e u r a t erwiderte: Deutschland verhandelt zur Regelung der Haudelsbezieh-ngen auf der

Grundlage der Gleichstellung auf wirt­schaftlichem Gebiet, die allein eine normale Entwicklung gewährlei­sten kann. Die deutsche Delegation nimmt die Verhandlungen mit der Absicht auf, ein für beide Staaten vorteilhaftes Kompromiß zwi scheu den wirtschaftlichen Interessen beider Länder als dauernde Grundlage für die guten Handelsbeziehungen zu finden, die auch nute politifche Beziehungen gewährleisten Die eigentlichen Verhandlungen beginnen den den Handelsvertrag beginnen erst morgen.

eine Dresche In Rom.

Zürich, 5. Dezember. (Eigene Drahtmeldung. > Ein faschistisches Mailänder Blatt meldet, daß Italien bei den Handelsvertragsverhandlun­gen mit Deutschland auf die Erhebung der Wprozentigen Abgabe endgültig verzichtet habe.

Schritt um Schritt vorwärts.

Die Pariser Sachverständigen. (Eigene Dralnw-idiing.

Paris, 5. Dezember.

Die deutsch - französischen Wirtschastsver Handlungen nehmen einen normalen Fort­gang Gestern haben die dentsckien und die französischen Sachverständigen für Garten-. Obst- und Gemüsebau ihre Beratungen aufge- nommen. Die Sachverständigen für den Wein bau werden heute miteinander Fühlung neh­men Für Sonnabend ist eine Vollsitzung der Tachnerständigen für landwirtfcha t - Itche Fragen mit den beiden Delegationen vorgesehen. Montag beginnen die Sachverstän- d'genverhandlungen der Chemie, Mittwoch die der Textilindustrie.

Kreuz und Halbmond.

Zwischen Balkan-Menschen und -Städten.

Serben start v Österreicher Ein Mittelmrer. Paradies Muhamev in »er Herjogowina Virictzieterte Frauen - Sarajewo Kloster S-u :encha Ein MbuchStvy in den Bergen.

Der Krieg beginnt auch in Neu-Serbien zu verblassen. Eins allerdings ist anders gewor­den, statt Oesterreich Serbien: serbische Straßen­namen, serbische Inschriften, serbisch natürlich auch die Gerichtssprache und Unterrichts­sprache. Und Ragusa heißt heute Dubrov­nik, und im Hasen von Dubrovnik, in Gravosa, ist die Inschrift aus dem Einsahrtsselsen über dem Hafen, das stolzeFranz Joseph' ver­wischt. Die Menschen haben sich aber kaum ge­ändert, waren doch vordem hier schon reichlich viel Serben, und noch weniger selbstverständlich die Narur die hohen, kühnen Berge, die Ra- gusa überragen, die, wenn man sich mit dem Schiff nähert, wie eine Mauer aus dem Wasser aufaufteigen scheinen, oben kahl und steimg,

unten bedeckt mit Wein, Oliven, Platanen, Zypressen. Aloen, Kakteen

und mit der ganzen sonstigen Flora des Mittel­meerklimas. Mit dem. würzigen Meeresvust mischt sich der Tannendust, der von den zahlrei­chen kleinen vorgelagerten Inseln herüberzteht, ine mit dichten Wäldern bedeckt sind; auch Thy­mian und Rosmarin wuchern dort in unzähligen Feldern und spenden hierher ihre Wohlgerüche. Ehedem sollen auch hinter Ragusa solche grotzer, Tannenhaine gelegen haben. Daher der R c Dubrovnik. Heute sind sie >Ucht mehr; aber ganz damit bedeckt ist z. D das Jtzksetche.r 2 u» croma, ein romantisches Eiland, romantifch durch seine Natur wie durch seine Geschichte. Es ist die U n g l ü ck s i n s e 1: ihre Haupkzierde, das ehemalige Kloster, gehörte erst dem Erzher­zog Marimilian, der so unglücklich als mert- konischer Kaiser endete, und dann dem ebenso unglücklich ums Leben gekommenen Kronprinzen Rudolf. Jetzt haben die Ser­ben es als Sanatorium für schwindsüchtige Kin­der eingerichtet. Ragusa selbst hat als Ha­fenort wenig oder gar keine Bedeutung; man sieht dort nur kleine Küstendampser und Fisch­boote; fein Hafen ist vielmehr das auf der nörd­lichen Seite der Halbinsel gelegene G r a v o s a. Da herrscht lebhafter Verkehr, vom Hinterlande aus gehen hier viel Bauholz, Zement, an Früch­ten viele Rosinen und getrocknete Pflaumen m die ganze Welt. Wenn man von Ragusa ans weiter ins Land bringt, kommt man -unächst nach Mostar, der früheren Hauptstaot der Herzegowina. Einst hat hier nicht Oester­reich geherrscht, ebenso wenig wie jetzt Serbien, hier ist alles muhamedanisch. Maa sieht

nur Moscheen und Minarets und Fez und Turbans

und die Frauen t-ngen alle die schwarzen Schleier und über vent Schleier noch eine Ka­puze, die weit auf die Stirn niederfällt und auch die Seiten des Gesichts vollkommen ein­hüllt; aber sonderbar, diese Muhammedanenn- neii sprechen alle serbisch, d. h. sie sind ur­sprüngliche Slaven, aber nicht dem orthodoxen Christentum treu geblieben, sondern zum Is­lam übergetreten. Mostar lieg: malerisch an Felsabhängen und ist ein freundliches Städt­chen. Man ringt hier aber schwer mit dem Le­ben, denn die dinarischen Alpen mit ihrem kah­len, öden, überaus zerrissenen Kalkgestein und den vielen Steinwüsten zeigen nur wenige frucht­bare Täler: die vor dem Vorbeifahrend-n hier und da au flauenden Felder scheinen nicht grö- ;er als ein Bivardtisch Romantisch wird diese Gegend durch die starke wild schäumende Tr e- b e n e tz a; aber selbst sie verschwindet im Som­mer fast ganz. Muselmännisch ist auch das Le­ben in Sarajevo. Die Fahrt dorthin von Mostar durch die Alpen bietet manchen Reiz. Romantische Täler voll fruchtbaren Lebens wech­sln mit Steinwüsten, unten sieht man herrliche

dunkelgrüne Tannenwaldtmgen, oben weiß glänzenden Schnee

Sarajevo selbst liegt malerisch in einer von Ber­gen eingeschlossenen, nur nach Westen offenen Mulde ist aber zu sehr Fabrikstadt, staubig und dunstig Es herrscht lebhafter Handel in Holz, Tabak. Getreide, Leder und Waffen. vJefabe« rühmt sind die Sarajev.oer Säbel. Die Stadt ist durch und durch muham.danisch. D-n hun­dert und mehr Moscheen stehen kaum ein Dutzend katholischer Kirchen gegenüber Der muhamedanische Stadtteil lehnt sich an den Berg and hat steile, krumme Gassen; der christliche m ser Ebene unterscheidet sich merklich davon durch eine geraden Straßen Interessant :ft, daß edcs Handwerk seine eigene Gasse hat. Von b'er aus lohnt sich ein Ausflug über die Grenze, nach Alt-Serbien um die ältborii hatte Stätte, das Kloster Studenitza, zu sehen.