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Nr. 286.

Vierzehnte adrqang.

Kasseler Neueste Nachrichten

1. Beilage.

Freitag, 5. Dezember 1924»

Aus aller Well.

Dem Flammentod überliefert.

Das Schwurgericht Aschaffenburg hatte sich mit einem in der Kriminalgeschichte fast un­erhörten Vorfall zu beschäftigen, indem sich der 58 Jahre alte Landwirt und Kolonialwaren- Händler Philipp 59 en $ t n g aus Alzenau (Un- teifranlen) unter der Anklage zu verantworten hatte, seinen eigenen, allerdings blödsinnigen Sohn absichtlich vem Flammentod überliefert zu haben. Der in gut bürgerlichen Verhältnissen lebende Angeklagte hatte mehrere Kinder, von denen der eine Sohn an angeborener Verblö­dung litt. Am 22 Juli 1915, also vor neun Jahren, brannte die Scheune des Angeklagten wie auch der Dachstuhl seines Wohnhauses nie­der. Seit diesem Brandfalle ist auch der damals SElfjährige Sohn der Familie Benzing ver­wunden. bis es im Sommer dieses Jahres durch Zufall gelang, das über den Verbleib des verblödeten Knaben herrschende Dunkel zu lüf­ten. Die jetzt 24 Jahre alte verheiratete Tochter Johanna des Angeklagten konnte das lauge gehütete Geheimnis nicht mehr bewahren und erzählte einer Freundin, daß ihr Vater seinen verblödeten Sohn mit Feuerzertg und Kerzen auf den Heuboden geschickt habe mit der Wei­sung, das Stroh zu verbrennen. Bei dem aus­brechenden Feuer sei der Knabe verbrannt und feine Leiche von dem inzwischen verstorbenen Bruder Fritz mit Wissen des Vaters in dem Gattengrundstück verscharrt worden. Die Be­hörde bemächtigte sich erneut der Angelegenheit, ließ den Garten umgraben und fand unter einem vor neun Jahren gepflanzten Zwetschen- baum das Skelett des verschwundenen Knaben. Die gegen den Vater erhobene Anklage autele auf Mord und Brandstiftung. Das Urteil wü­tete auf zehn Jahre Zuch 1 haus wegen erschwerter Brandstiftung, bei der der Tod eines Menschen verursacht worden ist.

Roheit aus Geldgier.

Die 65jährige ledige Anna Maria Lüttgen in Großaktenoors bei Bonn hatte im Jayre 1922 ihr gesamtes Hab und Gut ihren beiden Neffen verschrieben und sich dabei ausbedungen, daß ihr bis zu ihrem Tode standesgemäße Wohnilng, Nahrung und Kleidung gewährt werde. Um die Kosten aus dieser Verpflichtung zu sparen, harte der eine der beiden Neffen, der Schneider­meister Johann gütigen, und dessen sechzig- jährige Mutter die Anna Maria gütigen über ein halbes Jahr lang in einen engen, dunklen, nicht zu heizenden Raum eingesperrt, ihr nur Strohsck, Schemel, sowie die allernotdürftigste Nahrung und Kleidung gewährt. Ja, als die Gefangene einmal zu entfliehen versuchte, hatte der Neffe ihr eine Kette um den Fuß gelegt und diese im Fußboden befestigt. Als die so grau­sam Mißhandelte im Juli 1923 befreit wurde, «-mußte sie erst längere Zeit im Elternhahuse be­handelt werden. Jetzt befindet sie sich -'n einer Siechenanstalt. Mit der scheußlichen Quälerei hatte sich die hiesige Strafkammer, als Beru­fungsinstanz zu befassen. Das Gericht verurteilte wegen gefährlicher Körperverletzung die Mutter des gütigen zu vier Monaten Gefängnis, die durch taufend Mark Buße abgelegt werden kön­nen, und den Neffen zu acht Monaten Gefängn-s.

*

Bestialische Eitern.

Ein grauenhaftes Verbrechen ist in dem böh­mischen Orte Josefsthal ausgedeckt wor­den. Der Arbeiter Josef T r o j a c e k, der in seiner Heimat arbeitslos war, hatte durch aus- gewanderte Arbeiter in Frankreich Arbeit erhalten und löste seinen Haushalt auf, um mit feiner Frau nach Frankreich auszuwandern. Ter greife Vater des Mannes erhielt auf seine Frage, was mit dem fünfjährigen Töchterchen der Eheleute geschehen solle, zur Antwort, daß das Kind bereits zur Mutter der Frau gebracht worden und dort gut aufgehoben sei. Nachdem das Ehepaar das Dorf verlassen hatte, wurde der Alte von Sehnsucht übermannt und er

Die Tragödie von Haiger.

Nach dem Geständnis Angersteins.

Wie der Verdacht auf Angerstein fiel / Raffinierte Vorbereitungen seit längerer Zeit / Wie die Opfer endeten / Verräterische Fingerabdrücke / Der bisherige Rnf des Täters / Keine Spur von Reue / Die Tat eines Wahnfinnigen?

Vor etwa sechs Jahren verheiratete sich der Bürochef der Stahlwerke van der Zypen in Wissen, Fritz Angerstein, Filiale Haiger, und errichtete sich in der Nähe des Bahnhofs von Haiger eine Villa, in deren Parterre-Räumen die Büros der Firma untergebracht sind. Das Haus wurde im Jahre 1920 fertiggestellt. Er stammt aus einer sehr geachteten Familie in Dillenburg, wo sein Vater Wiegemeister ist. Seine Frau, eine geborene Barth, stammt aus Wevlar. Kinder waren aus der Ede nicht ent­sprossen. Da Frau Angerstein sehr oft kränklich war, hatte sie ihre Mutter und ihre Schwester, ein hübsches Mädchen von 18 Jahren, bei sich.

Wie kam man nun zu der Annahme, daß A.n- gerstein der Täter fei? Nachdem dte Tat be- mnntgetoorben war, setzten die umliegenden Ortschaft;u alles in Bewegung, um die Täler zu ergreifen. Die Wälder, die bis an das Mord- 'haus heranreichen, wurden von der Freiwilli­gen Feuerwehr, der sich zahlreiches Publikum enge schlossen hatte, abgestreift, ohne daß man etwas Verdächtiges entdecken konnte. Die Aerzte hegten sofort bei der Besichtigung der geichen Bedenken, ob die Tat erst zwischen 6 und 7 Uhr abends ausgeführt war, weil bei sämtllchen gei­chen schon die Leichenstarre eingetreten war. Nach dem Gutachten des Gerichtschernilers muß die Tat bereits nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr vollbracht worden sein. Das wird auch durch einzelne Zeugen bestättgt, die um diese Zeit an dem Augersteiuschen Hause vor­übergegangen sind und weder den Gärtner noch seinen Gehilfen im Garten gesehen haben. Es war überhaupt schon nach dem ersten Bericht auffallend, daß nach 59üroschluß noch so viel Personal im Haus gewesen sein sollte. Speziell zwei Gärtner, die dort mit Anbruch der Dun­kelheit sonst weggingen. Um 4 Uhr kam noch ein Förster vorbei und blieb vor dem Hause stehen, weil ihm die Bauarbeiten, die gegen­wärtig dort vorgenommen werden, interessier­ten. Das Haus lag zu dieser Zeit vollkommen öde und still da, was ,hrn auffiel, weil er wußte, daß der GärMer mit seinem Gehilfen noch kurze Zeit vorher im Garten beschäftigt gewesen war. Tie Tat ist von Angerstein

mit großem Raffinement ausgeführt worden. Er hat eine Person nach der ande­ren umgebracht und dazu das eigene Beil aus feinem Haushalt verwendet. Dieses Beil fand sich später im Erdgeschoß, dicht neben der Trep­pe an einem Lustheizungskörper vor Wahr­scheinlich hat Angerstein zuerst seine im Bett liegende Frau getötet und bann die übrigen Personen einzeln in das Haus gelockt und durch furchtbare Beilhiebe und Stiche mit einem Hirschfänger gelötet

Nachdem die acht Personen erledigt waren, ging Angerstein in den Keller, wo er Benzol aufbewahrte, das er geschäftlich benötigte. Er üb.rooß hauptsächlich fein Privatbüro finger« hach mit Benzol und begab sich bann auch in das obere Stockwerk, wo er bas gleiche Ma­növer vollbrachte. Dann zog er sich an und ging in die Stadt. Zunächst kaufte er in einem gaben zwei Tafeln feinste Schokolade, angeblich für feineliebe Frau", die inzwischen natürlich schon längst tot war. Dann ging er in ein Jnstallationsgeschäft und kaufte sich eine Ta­schenlampe. Sein dritter Gang war nach einer Buchhandlung. Inzwischen war die Dunkelheit hereingebrochen, und Angerstein begab sich wie­der nach seinem Haus zurück. Dort hatte er den Brand angelegt, wahrscheinlich aber in der Aufregung vergessen, auch im Parterregeschvß bas Benzol anzuzünden, sobaß biefer Raum vollständig unversehrt blieb. Dann muß sich Angerstein vor bas Haus begeben und sich selbst

einen Stich mit einem großen Hirschsänger beigebracht haben, der in die linke Bauchseite eindrang. Tie Verletzung ist nicht lebensgesähr- lich, und Angerstein hat sich bereits nach der Operation wieder etwas erholt.

Er hat also, wie sich durch die Indizienbe­weise ergab, die ganze Tat der Ermordung von acht Personen mit größter Ruhe und lieber« legnng ausgeführt. Offenbar wollte er durch die Anlegung des Brandes die Tat verschleiern, und man sollte annehmen, baß bie Ermordeten durch den Brand umgekommen seien. Durch bas rechtzeitige Loschen des Brandes ist diese Ab­sicht aber vereitelt worden

In Haiger genoß Angerstein das größte Ansehen. Er galt als ein durchaus ehrlicher, braver und pflichttreuer Mensch, dem man eine solche Tat nicht zugettaut hätte.

* » *

Das Geständnis Angersteins.

Zu dem Geständnis Angersteins totrb ge­meldet: Nach Vorhaltung aller belastenden Mo­mente, besonders der Tatsache, baß mehrere in der Villa aufgefunbene Fingerabdrücke identisch mit denen Angersteins seien, und zu Ergebnissen von Nachforschungen bei den Kauf­leuten nach der Herkunft des aufgefundenen Benzolbehälters, wonach sich herausstellte, baß dieser Behälter vor zehn Tagen an Angerstein geliefert worden fei, brach Angerstein, der bis­her hartnäckig geleugnet hatte, zusammen. Er gab an, den Mordplan fett drei Monaten vorbereitet zu haben, als die Geschästsieitung hinter Verfehlungen gekommen war, die er sich halte zuschulden kommen lassen. Er habe aber immer wieder mit der Ausführung gezögert, weil er noch auf eine günstige Wendung hoffte und weil ihm der Mut gefehlt habe. Auffallend ist, wie teilnahmslos Angerstein fein Ge­ständnis ablegte. Er zeigte keine Svur von Reue und hatte keine Träne, als er sei­nen Opfern gegenüber gestellt wurde. Voraussichtlich to-rb Angerstein, sobald er wie­der hergestellt ist, der psychiatrischen Kli­nik der Universität Marburg zur Beob­achtung überwies--» werden.

Ueber die finanziellen Schwierigkeiten An- gersteins verlautet gerüchtweise: Er war von der Pfändung bedroht, weil er ihm ge­gebene Darlehen nicht znrückzahlen konnte. In einem Falle war bereits ein vollstreckbares Ur­teil ergangen und zwar am letzten Freitag. Äuget stein hat, wie behauptet totrb, seine Villa vor zwei Mouateu neu versichert zu einem ganz außerordentlich hohen Satze. Nach allen bis­her eingegangenen, zum Teil widerspruchsvollen und unlogischen Meldungen kann angenommen werden, daß Angerstein schwer geisteskrank ist und die furchtbare Tat in einem Anfall von Ver­folgungswahn begangen hat.

Angerstein noch Gießen gedracht.

Siegen, 4. November. (Privattelegramm.) Der verwundete Angerstein wurde am gestrigen Abend zur weiteren Behandlung seiner schwe­ren Verletzungen nach Gießen in die chirurgische Abteilung der Universitätsklinik gebracht.

Ak »1» dkl».

22) Roman von Lola Stein.

Sie sagte, sich gewaltsam zur Ruhe zu einer unbefangenen Haltung und zu einem leichten Ton zwingend, waS ihr nicht ganz gelang:Ha­ben wir uns so sehr verplaudert, baß der Abend schon da ist, ohne baß wir es mertten?

Verzeih', Livia, ich komme viel früher, als wir verabredeten. Mutter ist fo glücklich, dich kennen zu lernen, daß ich dich ihr gern zuführen wollte. Und mich selbst trieb meine schreckliche Ungeduld. Nun störe ich dich."

Du störst nicht," sagte sie lächelnd. Mein Schwager kam, um mir allerlei mitzuteilen. Fa­miliengeschichten, bie dich nicht interessieren. Aber nun darf ich Wohl die Herren bekaimtmachen.'

Sie reichten sich die Hände, kühl, formett. Zwei Feinde im ersten Augenblick der Bekannt­schaft Adrian Hagen haßte denMann bewußt mit einer glühenden, unerhörten Qual, die ihn um Sinn u. Verstand zu bringen drohte Satter, der dem Zusammentreffen mit dem Professor mit großen Erwartungen und unbefangener Freude entgegengefehen hatte, warnte ein instinknves Gefühl her Abwehr. Er fühlte dunkel: Dieser da ist dir nicht fremivlich gesinnt. Er hatte einen Glückwunsch, ein freundliches Wort von dem Professor erwartet, aber es blieb aus. Ein orückcndes Schweigen war im Raum.

Kam keiner bet beiden Männer ihr denn zu Hilfe? dachte Livia bang. Doch niemand sprach. Da sagte sie mühsam:

Dann wollen wir also gehen, wenn deine Mutter uns schon erwartet, Waller."

So will ich mich verabschieden," erklärte Adrian Hagen. Und Livia hielt ihn nicht. Sic atmete auf, als er sich über ihre Hand beugte Sie erwiderte den schmerzhaften Druck feiner klammernden Finger nickt. Er sah ihr tief, beschwörend, flehend in die Augen, aber sie senkte den Blick. Und er wußte nun; Heule hatte er nicht gesiegt. Doch er gab den Kamps

nicht auf. Den Kampf um diese Frau, djK zu erringen ihm einzig begehrenswert auf bet Welt dünkte.

Er neigte sich knapp vor dem jungen Arzt. Auf Wiedersehen, Herr Doktor."

Wieder ruhten die' beiden Hände für einen Moment ineinander, kühl, ablehnend, sahen sie sich an. Dann ging Adrian Hagen, weil er fühlte, daß heute fein Bleiben doch zwecklos war, daß erst eine kleine Weile vergehen mußte, ehe er Livia vollends von der Sinnlosigkeit ihres Bündnisses überzeugen konnte.

Er war sehr unglücklich, als er das Haus der geliebten Frau verließ. Aber die wahnsinnige Verzweiflung, die ihn heute hierher getrieben, toab doch einer kleinen Hoffnung gewichen. Seit er Livias Verlobten kannte, dünkte ihn der Kampf nicht mehr aussichtslos zu fein. Mil diesem jungen, unerfahrenen, vertrauenden Menschen konnte ein Adrian Hirnen wohl fertig werben. Es schien unmöglich, daß Livia dauernd an eine Verbindung mit diesem Manne dachte, wenn sie in Adrians Nähe war. Sie hatte sich zu diesem unüberlegten Schritt hin- reifern lassen, als seine Nähe nicht auf sie wirkte, sie war seinem Einflufe auch heute nock nicht wieder völlig erlegen. Aber am Ende würde er doch wohl den Sieg davontragen. Alles, alles wollte er versuchen, daß es so kam...

Walter war auf seine Braut zugestürzt, als sie allein blieben.Du hast geweint, Li, was ist geschehen?"

Sie errötete, schien verwirrt.Ach, laß die dummen Geschichten. Wir sprachen über allerlei Trauriges, Adrian und ich. lieber seine Frau, die feit Jahren krank ist, ich erzählte es dir doch. Nun geht es ihr besser, aber wer weiß, ob diese scheinbare Genesung nicht trügerisch ist?"

Sie sprach hastig, griff zu irgendeiner Lüge, weil sie nicht wußte, was sie sagen sollte. Fand sich schlecht und niedrig, weil sie log, weil sie diesen gläubigen Mann betrog. Er atmete erlöst auf.

Weiter war es nichts, Li? Ich dachte schon, du persönlich hättest Unangenehme? gehabt."

Nein, nein, sie wich seiner stürmischen

Zärtlichkeit ans. Sie konnte sie jetzt nicht er­tragen.

Sei vernünftig, Walter, laß mich. Ich habe nun doch nicht geruht, weil Adrian kam, bin noch im Reisekleid. Du mutzt mich einige Mi­nuten entschuldigen, bis ich mich umgekleidct habe.

Dein Schwager mag mich nicht, Li!

Sie stutzte.Wie kommst du darauf?

Das war sehr deutlich zu merken. Wahr­scheinlich bin ich ihm zu unbedeutend, zu ein­fach, zu arm für dick."

Was für törichte Einbildungen, Walter. Er hat dir wohl nicht gefallen?"

Ich hatte mich auf ihn gefreut. Aber als ich feine Eismiene sah, wurde mir sehr merk­würdig zu Sinn. Er hat irgend etwas gegen mich"

Das bildest du dir gewiß ein. Du wirst anders über ihn denken, wenn du in seinem Hause bist, wenn bit seine Frau tennenlernft. Er hat mich nicht aufgeforbert, ihn zu be­suchen."

Aber es ist selbstverständlich, baß ich meinen Verlobten Beate bringe, da sie nicht zu mir kommen kann."

Ich gehe nicht gern in fein Haus, Li.

Auch bas noch, dachte bie junge Frau ver­zweifelt, auch dieses Abwehrgefühl bei Walter, auf das sie nicht gerechnet hatte. Aber viel­leicht war es besser so, als wenn Waller den Verkehr mit den Hagens gesucht haben würde. Vielleicht brachte bie Abneigung bei beiben Männer bie einfachste Lösung des furchtbaren Konflitts.

Ach, als sie biefe Verlobung schloß, hatte sie an biefe taufend Schwierigkeiten, diesen ganzen Lug nnd Trug nicht gedacht. Alles hatte sie sich einfacher vorgestellt. Sie war so müde, so gren­zenlos müde Ihr Haupt schmerzte, ihre Augen brannten. In ihrem Herren war eine große Leere.

Sie barg einen Augenblick ihr müdes Köpf­chen an Walters Brust. So, wenn sie in seiner war, wenn er still blieb und nicht stür­misch wurde, hatte sie zuweilen ein gutes, be­

schrieb der Mutter der Frau, sie möge ihm das Kind überlassen. Ueberrascht antwortete die alte Frau, daß das Kind bei ihr nicht eingetruf- sen fei. Der Alle vermutete Schlimmes und verständigte die Kriminalpolizei. Es gelang, das Ehepaar noch in Prag festzunehmen. In die Heimat zurücklransporlierl, gaben die ent» menfchten Eltern an, das Kind von einem Fel­sen in den Dorfbach geworfen zu ha­ben. Dort wurde dann auch die verunstaltete Leiche des unglücklichen Kindes gesunden. Tas Mörderpaar wurde ins Gefängnis eingeüefert.

(Sin Sutoeten&teb erwischt

Ende Oktober dieses Jahres war in Kolt- b u s in ein Uhren- und Jutoelengeschäft einae- brochen worden. Es tourben Waren im Weite von etwa zehntausend Mark gestohlen. Der Tä­ter hatte vorn Keller aus das Fußbodengewölbe und die Diele durchbrochen. Zunächst fehlte je­der Anhalt über den Täter. Bald jedoch kam die Kottbuser Polizei auf seine Spur, die nach Leipzig führte. Er wurde durch die Leipziger Polizei hier auch ermittelt und festgenornmc n. Aber das Diebesgut war verschwunden. Der Festgenommene behauptete, alles einemUnbe­kannten" zum Verkaufe übergeben zu haben und der habe ihn um den gesamten Erlös geprellt. Es wurde jedoch ermittelt, daß der Einbrecher unter einem falschen Namen eine zweite Woh­nung gemietet hatte. Seine W-rli» kounie sich kaum fassen, als man in ihrer Gegenwart aus einem Kommodenkasten fast die gesamte Kott­buser Beute hervorzog und sie erfuhr, wen sie in ihrer Wohnung beherbergt hatte. Etwa neun Zehntel des Gestohlenen konnte dem Kottbuser Geschäftsmann zurückgegeben werden.

* Noch ein Opfer der Inflation. In Ca­dolzburg bei Nürnberg verübte der ehe­malige Direktor der vor einigen Monaten in Konkurs geratenen Nordbayerischen Handels­und Gewerbebank A.-G. in Nürnberg, Theusing, Selbstmord durch Erschießen. Theusing war Vorstand der Effekten- und Devisenabteilung der genannten Bank. Er hatte in gefetzlich nicht zulässiger Weise Depots und Effekten ver­sandet. In der Effektenabteilung herrschte die größte Unordnung. Es wurden öfters Effekten verkauft, die gar nicht im Besitze der Bank wa­ren. Um die verkairften Papiere liefern zu kön­nen. mußte sie die Bank erst anlaufen, ein Um­stand, der in der Inflationszeit riesige Verluste mit sich brachte. Die durch diese Geschäfte ent­standenen Verluste werden mit 450 (KM) Gold- mark angegeben.

* Tragischer Zweikampf. Der Waffensaal in der Pariser Kriegsschule war der Schauplatz eines freundschaftlichen Fechtkampfes mit töd­lichem Ausgang. Ein Unteroffizier forderte den Sattlermeister der Kriegsschule zu einem Duell auf, das dieser auch annahm. Ohne die Schutzjacken anzuziehen, gingen die beiden Sol­daten in Hemdsärmeln aufeinander los. Gleich beim ersten Angriff brach der Degen des Satt­lermeisters nicht weit von der Spitze, er konnte aber den Schlag nicht mehr aufhalten, so daß der zerbrochene Degen seinem Gegner in die Achselhöhle drang und eine tiefe, stark blutende Wunde verursachte, da eine Ader getroffen war. Der Unteroffizier wurde sofort in das Militär­krankenhaus gebracht, wo er aber nach einer halben Stunde starb.

* Choleraepidemie. In der Woche vom 4. bis 11. November starben an Cholera in Ma­dras Indien) 357 Personen, in der Woche vom 11. bis 18. November 265 Personen.

* Folgenschwerer Bergrutsch. In einem Bergwerk bei Bombay fand ein schwerer Berg­rutsch statt. 17 Personen, darunter zwei Euro­päer, wurden verletzt.

* Erdbeben auf Batavia. Nach Meldungen .ms Batavia ist ein Eingeborenendorf durch die letzten Erdstöße vollständig zerstört worden, wobei dreißig Menschen ums Leben kamen.

ruhigendes Gefühl der Geborgenheit. Dann empfand sie die Liebe dieses Mannes als Zu­flucht und Schutz. Aber wenn seine Männer­zärtlichkeit wieder erwachte, die sich nur für Minuten mühsam bändigen ließ, kam von neuem die Angst die Verlassenheit, die Verzweiflung über sie.

Wieviel schöner war es doch in Binz als hier," sagte sie traurig.

Er sann ihren Worten nach, als er nun allein war. Livia kleidete sich in ihrem Schlafzimmer um. Hatte sie irgend etwas in Berlin gefürch­tet? Hatte sie darum die Heimkehr von Tag zu Dag verschoben? Wollte sie darum, daß ihr Verlöbnis noch verborgen bleiben sollte? Er hatte auf Abreise, auf Bekanntgabe ihres Bun­des gedrungen. Aber auch ihm war jetzt plötz­lich bang und fehr seltsam zu Sinn. War irgendein Geheimnis in Lis Leben, das sie ihm verschwieg? Ihre Auskunft, warum sie geweint hatte, war sehr kurz und wenig einleuchtend gewesen.

Aber alles Grübeln und Sinnen verging dem Manne, als Livia eine Viertelstunde später das Zimmer betrat

Schön, festlich gekleidet, in einem dekolletier­ten Abendgewand aus schimmernder Seide, lächelnd, bezaubernd stand si: l ,r ihm.

Alles Dunkle versank. Um ihn her war nur noch Licht, blendende Helle, sttahlendes Glück, überschäumende Seligkeit.

Er küßte ihr Hände, Hals, Wangen und Augen. Er sah zu ihr auf, wie der fromme Pilger zur Madonna, wie der Gläubige zur gnadenspendenden Göttin.

Du meiner Seel Seeligkeit", sagte er leise, »ich liebe dich!" (Fortsetzung folgt)

Humor in ernster Sri».

Der harte Kuchen. Frau:Unfere Köchin macht alles aus dem Kochbuch." Mann- .Dann muß der Kuchen einer von den Deckeln >- n!" "Boshaft.Minna, singt weine Fr-z. n ch?« Rein, die Gnädige hat sich eben beruhigt!"