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Meier Neueste Nachrich

Kaffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 279. Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. Donnerstag, 27. November 1924. Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pi 14. Jahrgang

Schweden läßt uns in Stich.

wird Kvnl ^tto6 Iup*

Kairo, 26. November. /Eigene Drahtmel­dung.) Man glaubt zu wissen, daß, im Falle Ziwar Pascha nicht das Vertanen des Parlaments erhalten werde, er dem König raten werde, entweder das alte Parlament in seinem Amte zu belassen oder es durch ein könig­liches Dekret aufzulösen. Diu Lage ist des­halb die folgende: daß entweder der neue Pre­mierminister auf die englischen Forde­rungen eingehe,, wird, wodurch er sich die Feindschaft der BevSlkerung zuzieht, oder daß er fith England widersetzen wird, wor­

auf dann dieses Mittel finden werde, um sich Rastung zu verschaffen. Jedenfalls erwartet man, daß in der nächsten Zeit in Aegypten dir Gewalt herrschen wird.

VoMik der Vernunft.

Wie man mit den Gegnern verhandelt.

Von

Dr. Paul Rohrbach.

Wie gut wäre es, wenn man, ähnlich wie eS der große Philosoph Jmanuel Kant mit dem Handeln und Erkennen der menschlichen Ver­nunft getan hat, auch der volitischen Vernunft der Deutschen eine feste Basis geben könnte. Ranke sagt mit Seherblick, die an& wartige Politik müsse darum den Vorrang vor der inneren haben, weil es sich bei dieser

Auch aiuftraikii gegen Senf.

Rotterdam, 26. November. (Privattcle- gramm.) Aus Melbourne wird gemeldet, der nnstraltsche Senat hat einstimmig dir Annahme des Genfer Protokolls verworfen und sich damit gegen die Teilnahme an einer Abrüstungsloo- ferenz erklärt hat.

Zürich, 26. November.

Die Depeschenagentur Stefanie meldet au« Kairo, daß es tn Aegypten zu einer Ein­heitsfront aller Parteien gekommen ist, zu dem Zwecke, .inen

Boykott der Engländer durchzuführen.

Zwei englische Torpedobootsslot- itllen kreuzen vnr Alexandria und im Roien Meer In Alexandria wurden zwei engli­sche Bataillone ausgefchifft und nag, Kairo in Marsch gesetzt. Londoner Blätter er- klären, daß es keinen Krieg in Aegypten neben wird, weil Aegypten zu schwach ist, um in militärischer Form Krieg zu führen, aber England werde den Borwurf der Undank­barkeit Aegyptens immer wieder von neuem erheben und alle Sicherheitsmaßnahinen für yen Kanal und für den Sudan rücksichtslos treffen müflen. In einer Note von gestern abend, die die weiteren militärischen Maß­nahmen Englands gegen Aegypten vorberei­tet, heißt es, das Kabinett sei einstimmig zu der Ansicht gelangt, daß die ägyptische Negierung nicht imstandesei, Ruhe und Ordnung am Suezkanal aufrecht zu erhalten und daß der'

Schutz der Kanalzone mtlitärifch an England zurückqehen

Freunde in der Not...

Schweden gegen unsere Bälkerbundswünsche.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 26. November,

Die Antwort der schwedischen Regie­rung auf das deutsche Völkerbunds - Memo­randum hat tn den Berliner außenpolitischen Kreisen große Ueberraschung hervorgerufen. Man hatte erwartet, daß Schweden als neu­trale Völkerbundsmacht den von Deutschland geäußerten Wünschen eine ganz andere Beach­tung schenken wurde, als England und Frank­reich, die in ihren Antworten die deutschen Vorbehalte als unzulässig bezeichnet hatten. Die schwedische Antwort macht sich je-

E d f-' ine Kiym fckiung.

London, =>f.. November. lPriLattelegramm.) Die üssentliche Meinung Englands in Bezug auf den englisch-ägyptischen Konflikt geht da­hin, daß man jede Ein Mischung fremder Mächte ableynt und der Ansicht ist, daß auf Grund der ägyptischen Versasiung England ein Recht habe, die ägyptische Frage gewisser- Mahen als innerpolitische Angelegenheit zu be­handeln. Einer Meldung aus Angora zufolge sagte der neue türkische Kavinettsche im Parlament: Alle Türken bedauern den eng­lisch-ägyptischen Konflikt, da Aegypten ein Bruderland der Türkei sei und das Gefühl der Zusammengehörigkeit heute inniger denn je sei. Die Sowie« Vertretung in Angora hat prompt mit einer intensiven Propa­ganda eingesetzt. In Rom verfolgt man den ägyptischen Konflikt mit großer Aufmerksamkeit. Eine offiziöse Mitteilung gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der Konflikt ohne Verwicklungen eine friedliche Beileauug durch direkte Verstän­digung der beiden Parteien finde. Die Liga der Menschenrechte protestiert in einer Kundgebung gegen das englische Ultimatum an Aegypten und stellt es dem österreichischen Ulii» matam an Serbien vom Jahre 1911 an die Seite Die englische Rote stelle einen Eingriff in die ägyptische Unabhängigkeit dar.

sein kann, wenn man den Versailler Frieden zu­gleich als die Quelle der »Rechte" Frankreichs und ols einen gerechten Frieden zu verteidigen hat. Ist es aber nicht ein geradezu jammer» liches und skandalöses Bild, tote die Leute, die den Krieg gemacht haben, die vor allen deut- chen Kriegserklärungen ihren russischen Freu.i- x-n ,.in gehobenem itrtb herzlichem Ton ver- "tdicrfen, sieseienzumKriegeentschlos- ' e n, jetzt winseln und schwören, sie seien engel» rein von Kriegsschuld und Kriegstoillen! Weiß wohl jemand besser als P o i n c a r e e, daß der Botschafter Louis die Wahrheit geschrieben bat 9 Wie die französische Seele wirklich emp­findet, das zeigt der Urteilsspruch gegen den Gen er al v. Nalhusius. Auch er ist ein Dokument n>cht nur des Haffes, sondern auch der Feigheit. Man kann trotzdem nach Lage der Dinge im Augenblick ganz gut mit ihm ver­handeln nur darf man den Verhanolungs- gegrn nicht anders zehen, als er ist.

Aegyten will keinen Krieg.

Zu schwach gegen das mächtige England.

Der Konflikt in der Schwebe / England als Herr des Snozkanals / Auflösung des äghpptischen Parlaments? / Türkische Sympathien für das Brudervolk.

doch dieses Argument ebenfalls zu eigen. Offen­bar hat sich die schwedische Regierung vor der Abfassung ihrer Rote an Deutschland mit Eng­land und Frankreich ins Einvernehmen gesetzt, was schon daraus hervorgeht, daß Schweden beinahe wortgetreu die

Ablehnung der deutschen Vorbehalte aus der englischen und französischen Rote übernommen

hat. Danach sei es mit der Bülkerbundssatzung und ihren Grundsätzen unvereinbar, daß Deutschland mit einem Vorbehalt bezüglich wichtiger Verpflichtungen aus Artikel 16 ein­trete. Eine gewisse Verschärfung des ab­lehnenden schwedischen Standvunktes kann man sogar darin erblicken, daß Schweden erklärt, eS sei mit Artikel 16 nicht vereinbar, daß bei der Ausführung von Sanktionen Rücksicht auf be­sondere Verhältnisse Deutschlands, namentlich auf die deutsche Rüstungsbeschränkung genom­men werden könnte. Die schwedische Antwort enthält das Zugeständnis, daß Deutschland in der Organisation des Völkerbundes die gleiche Stellung erhalten soll wie die übrigen Großmächte und daß Deutschland sofort einen ständigen Sitz im Bölkerbundsrat erhalten soll. Bet diesen Zusagen ist Schweden als neu träte Macht einen kleinen Schritt weiter gegan­gen als England und Frankreich, die lediglich erklärt hatten, daß man gegen eine deutsche Ver tretung nichts einzuwenden hätte.

Das Konzll kn Rsm.

Wegen Aegypten verschoben?

tPrivat-Telegramm.)

London, 26. November.

Austin Chamberlain wird bei seiner Anwe­senheit in Paris in der englischen Botschaft wohnen. Die anderen Mitglieder der Delega­tion verlassen London erst am Tage der Abreise Chamberlains von Paris und reifen zusammen mit Chamberlain noch Rom Auch in Nom wird Chamberlain in der englischen Botschaft Woh­nung nehmen. Nach einer anderen Meldung hat Chamberlain seine Abreise verschoben, mit Rücksicht auf die bevorstehende Debatte im Unterhaus über die ägyptische Krise, die seine Anwesenheit in England erforderlich macht. In gut unterrichteten Kreisen erklärt man, daß Chamberlain in Nom eine große Rede hal­ten werde. Er werde vor allem auscinander- sctzcn, warum England das Genfer Protokoll nicht sofort ratifizieren könne.

nur um die E i n r i ch r u n gver Staaten hancle, bei jener aber um ihren 33 e ft a n b und ihre Sicherheit. Die innere Politik herischt naturgemäß bei kleinen und schwachen Völkern vor, deren Sicherheit nichts mit ihrer Starke zu tun hat; bei großen Nationen tut sie es nur zu Zeiten des innern Verfalls und Niedergangs. Auch damals als das Deutsche Reich auf der Höhe seiner Macht stand, waten die Instinkte des po­litischen Denkens beim deutschen Volk m c y r aus das Innere als aus das Auswärtige gerichtet. Indessen, Geschehenes ist nicht zu ändern. Nun aber, wo wir uns als Volk wieder avfrichten wollen, besitzen wir keine Waffen, haben auch in absehbarer Zett keine Möglichkeit, zu solchen zu gelangen. Um Politik zu machen, dazu bedarf es der Druckmittel, und wenn »des Königs letztes Argument", die Sprache der Kanonen, nicht in Frage kommt, so muß man auf andere Weise imstande sein, Vorteile anzu­bieten und zu verweigern, mit Nachteilen zu drohen, und wenn die Methode gewirkt hat, sie zu Ludern. Wenn wir die heutige europäische Lage mit der vor fünf Jahren vergleichen, als eben der Friede von Versailles geschloffen war, so ist kein Zweifel möglich, daß wir nicht mehr ganz so vollständig aller Verhandlungsmitiel entbehren, tote damals. 1919 hatten totr die geschloffene Front derMiierten und Assoziier­ten" gegen uns, und es gab nur Diktate, wie auch noch jahrelang nachher. Heute hat man die Tiktatmethode fallen gelassen, und es wird verhandelt. Niemand wird glauben, daß diese Aenderung daher stammt, daß die Gegner setzt einsehen, sie hätten damals unmoralisch gehandelt und müßten jetzt moralischer handelt' Auf diesem Wege vollziehen sich keine Aend.'- rungen in der Politik. Wenn wir jetzt wieder verhandeln können, so liegt das daran, daß die Interessen unserer Gegner sich getrennt haben, und daß ein Teil von ihnen jetzt eine Politik verfolgt, die direkt oder indirekt aus Deutsch­lands relative Stärkung abzielt. Das gilt für England und Amerika, aber es wäre töricht, za glauben, es sei irgend etwas »Deutschfreund­liches" dabei. Nur mutz Deutschlands auswärtige Politik dieser Erkennt­nis auch Rechnung tragen! Erstens gibt es heute für uns kein wichtigeres Studium, als die politisch-ökonomischen Zustände und Be­wegungen in Amerika und England, und zwei- lens müssen wir aus Grund der Einsicht, die wir tun diesen Dingen gewinnen, auch selber konse- giiei.t handeln.

Ich greife zwei bestimmte Momente heraus: Erstens: Amerika hat weit mehr als die Hälfte alles in den Kreislauf der Weltwirtschaft übergegangenen Goldes bei sich gesammelt; <8 mutz diese Masse irgendwie verwenden, und da cs unmöglich ist, sie ganz in dte Eigenwirt­schaft der Vereinigten Staaten hineinzupumpen, so sehen die Amerikaner za, daß sie einen Teil thres Goldes nach Europa schicken, damit es hier arbeitet. Also mußten sie aus Frankreich drücken, daß eS seine Politik gegen Deutschland änderte, denn diese halt? aus die europäische Wirtschaft zerstörend gewirkt. Zweitens: In England gibt es immer noch über eine M t l- lion Arbeitslose Jeder von ihnen kostet dem englischen Staatsschatz fünfzehn Schilling wöchentlich, was zusammen im Jahr über fünf- , zig Millionen Pfund oder eine Milliarde Gold- mark ausmacht. Woher kommt diese Arbeits­losigkeit? Von der mangelnden Kaufkraft des Wiltmarktes für englische Güter; die Völker sind arm geworden. Es gibt aber ein sehr ein« fockns Rezept um den Weltmarkt rasch und gründlich zu stärken: wenn die waffenstarrenden »Sieger" und »Gewinner" des Weltkriegs, Frankreich voran, di? Hälfte ihrer Kriegs­rüstung ablegen und die frei werdenden Gelder und Kräfte der Wirtschaft zugute kom- m-n. Daher ist England für Abrüstung, ver- ; bältnismäßig ebrlich, und weil hinter bei Ab- , rüftuna ein starkes ökonomisches und polttijches , Interesse steht Darum fängt der Weizen der ' Friedensfreunde tatsächlich an zu blühen. i

Man soll indes nbRt glauben, daß Frank- reich freiwillig den Weg betreten hat, auf dem i es jetzt notgedrungen einige Schritte vorwärts i gegangen ist Auch Herriot ist ein ehrlicher ! Mann, aber noch nur soweit, tote man ehrlich 1

muß. Austen Chamberlain hatte eine lange Unterredung mit allen Armee- und Flottenführern Es wurden alle not­wendigen zu ergreifenden Maßnahmen bespro­chen. Die englische Regierung wird, mit erklärt wird, abwarten, bis die neue Regierung zu der Krisis Stellung genommen hat. Die Mmistcr des Kabinetts Baldwin sind ersucht morden, London bis auf weiteres nicht zu verlassen Es besteht die Absicht, dem neuen ägyptischen Kabi­nett Zeit und Gelegenheit zu geben, sich mit der Lage zu befassen. In diesem Falle sei es wahr­scheinlich, daß die noch schwebenden Streitfragen schnell gelöst werden würden.

Der Krieg im Riff.

Spaniens rühmloses Marokkoabenteuer.

Von Spanens innerer K Ifis, Auf st noen, Re­volte», Hinrtcytrrngcn haben wir in letzte. Zeit nie. beruhte». Die katastrophalen Rtz.sltziage der Gewaltpolii-e gdrimo de Sirvera» liegen n itzt zuletzt ,n Bem niarotkanis en Hixrntefiel, der Spanten«» beste Lüyne verithlang. Hebet Verlauf t.ub unrühmliches Felbzugsende Platt ertueferorie .tal icheMitarberte. w>e olgt

Akerandrien, Mitte Nov. 1924.

Die kritische Lage Spaniens, die fast zu ei­ner chronischen geworden ist, ist vor allem die Folge der langjährigen Kolonialpolitik in Marokko. Marokko, das nordafrikanifche Landgebiet am Mittelrnecr, ist bekanntlich größ­tenteils französisch. Ein kkriuer Teil des Landes ist jedoch noch spanisch. Spanisch - Maral- t o hat im ganzen dreißigtausend Quadratkilo­meter Flächeninhalt und ettoa sechshundcrttau- send Einwohner. Es erstreckt sich im äußersten Norden des Landes von den Küsten des Mittel­meeres im Osten bis zum Atlantis.»,en Ozean im Westen, jenseits also der Gibraltar-Straße. Spanisch-Marokko, dessen größerer Teil unter dem Namen R i s f - G e b i e t bekannt ist, ist ein wildes Gebirgsland. Die Hauptzentrcn sind: M e l i ll a, Teluan, Geuta u. a. Die Bewohner des Landes sind unter dem Namen K a b y l e n bekannt. Diese letzteren sind hamitischcr Abstam­mung, Nachfolger einer von uralten Zeiten her dort ansässigen derberischen Rasse. Die Kabylen von heute sind stark

mit Arabern vermischt, stark und kriegerisch.

Der gegenwärtige Kampf zwischen den Spaniern und den Kabylen ist, historisch betrachtet, die Fortsetzung des alteii Kampfes zwischen den Spaniern und Mauren, die im Mit­telalter von Afrika aus in Europa eingcdrungcn waren und auch Spanien erobert hatten. Nach zähen und jahrhunderte langen Kämpfen gelang es den Spaniern, ihr Land von der Fremdherr­schaft zu befreien und ihrerseits sogar in Afrika einzudringen. Gegenwärtig sind es nun die heutigen Nachfolger bet fflauten, die ihren Freiheitskampf gegen die letzten lieber» bleibsel der ehemaligen spanischen Kolonialmacht in Nordafrika mit Erfolg führen. Wie gegen­wärtig, so stand schon vor fünf Jahren der be­kannte Führer Abdul K e r i m an der Spitze der kabylischen Freiheitsscharen. Dieser Häupt­ling der Kabylen ist ein in europäischem Sinne g e b i l d e te r Mann ; er hat feine Bildung in Spanien und Frankreich erhalten, spricht Verfett französisch und spanisch, ist aurfi ein bester Ken­ner seines Landes und seines Volkes. Der fpa. nische Sieg von 1921 war nur ein Pyrrhussieg; die Spanier erlitten koloffale Verluste: nicht weniger als

siebzehntaitsend Soldaten sanden aus den Bergen der Kabylen den Tod;

sehr fühlbar waren auch die materiellen und die finanziellen Opfer des spanischen Volkes in dem abenteuerlichen Feldzuge in Marokko, der ja selbstverständlich im Lande nicht populär fein konnte. Nach einem einjährigen Waffen­stillstand griffen die Kabylen erneut, wieder un­ter Führung Abdul Kerims, zu den Waffen. Der in Marokko abermals ausgebrochene Aufstand war eben der Vorwand dazu, daß man am 13. September 1923 in Spanien eine militäri­sche Umwälzung hrrvorrief; die Parlamen. «arische Regierung wurde gestürzt und eine M t» litär - Diktatur zur Herrschaft gebracht. Das Direktorium, an dessen Spitze Primo de Rivera steht, versprach am Tage seines Amts» antritts, im Laufe von drei Monaten das Ge­spenst von Marokko zu beseitigen. Mehr als hunderttausend Mann zählt nun die spanische Armee in Marokko. Viele Millionen spanischer Pesetas sind in Afrika vergeudet worden, viele Hunderte von Offizieren und Soldaten haben dort wieder ihr Leben verloren. Trotzdem aber hat das neue spanische Militärunternehmen in Afrika im Laufe eines Jahres absolut keinen Er.

olg gehabt. Die Kabylen haben diesmal den westlichen, gebirgigen Teil des Landes, d. h. das Riff - Gebiet, zum Zentrum ihrer Opera­tionen ausgetoählt, wo sie auch imstande sind, ich mit Erfolg zu behaupten. Was das spanische Volk betrifft, so waren von Anfang an die brei­testen Schichten, bi? ja auf ihren Schultern die ganze Last des Feldzuges tragen mußten, ent» chieden gegen dieses Abenteuer. Nicht nur Sozialisten und Revolutionäre, sondern auch liberale Kreise, Intellektuelle und andere, kurz, die größte Mehrheit des Volkes sind der Dikta- tur gegenüber strikt oppositionell gesinnt und

verlangen das Ende des Feldzuges.

Nicht einmal die persönliche Führer, ch a f t des ersten Diktators Prirno de Rivera in ?em Feldzuge in Marokko hat den geringsten Erfolg herbeigeführt. Kein Wunder also daß der spanische Diktator sich nun über die wettere Ent-