Kasseler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeituna
Nummer 277
Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf
Dienstag, 25. November 1924.
Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf
England gegen Aeggpten
lsgerüstet lÄÄi Deutsche im Süden menh narLuaeüen.
recht. In Venedi
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Sturmzeichen in Aegypten
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Es gab zwar einige, die in echtdeutscher Un-
Außerdem ist Lord L_. , lichen Vollmachten ausgerüstet Berhältniffen entsprechend vorzugehen.
lung in der Lombardei das „Relsgericht. In Lenedig die in Oel gebackenen Fische und aller» wärts, oft in komischer Begeisterung die Maccar o n i, die sie schnell mit der Gabel imLöffel zu rtiter Schnecke drehen lernen. Wenige haben den Mut zu sagen, daß es ihnen nicht schmeckt und diese wenigen sind meist Männer. Wir werden saft alle von den vielen O e l g e r i ch - t e n krank und können dann diese Speisen
14. Zugang
Ad 16. November HSderrs Gestalt
Berlin. 24. November. (Eigene Drahtmel- vung.) Mit der Erhöhung der Grundgehälter der Besoldungsgruppen 1—6 um 12% Prozent, der übrigen Besoldungsgruppen um 10 Prozent und die der'Sozialzuschläge um je 2 Mark monatlich, für die Beamten der Besoldungsgruppen 1—6 bereits mit Wirkung vom 16. November soll der begreiflichen Unzufriedenheit in Benm-en- kreisen begegnet werden. Dr. Marx selbst hat
nezianerin oder ein Paar Pantöffelchen gelaust, in 9t o m Ohrringe wie sie die Römerin trägt oder silberne Löffel, die kein Mensch in Deutschland hat aber denen jeder später auf der Tafel ansehen soll, daß man in Italien war. So essen auch mit großer Vorliebe und Todesverach- g in der Lombardei das .Reisgericht". In
England droht mit Waffengewalt.
(Eigener Drabrveriw >
Rotterdam, 24. November.
Die englischen Zeitungen verbreiten Alarmnachrichten über die Lage in Aegypten. Times melden aus Kairo, daß nach Ablehnung des englischen Ultimatums die Engländer in Kairo und Alexandria sich in den Konsulaten in Sicherheit bringen. Morningpost schreibt: Die Folge der Ablehnung des englischen Ultimatums durch die ägyptische Regierung ist, daß der mitilärischc Zusammenstoß in unmittelbare
Nähe gerückt
erscheint. Es handelt sich um eine englische P r est i g e - F r a g e. Daily Chronirle erklärt, daß ein großer Teil der Gibraltarflotte am Sonntag nachmittag mit versiegelter Order ausgelaufen sei. Einer Dtailänder Meldung zufolge hat die Malta-Flotte gestern vor Alexandria Anker geworfen. Der Widerstand der Aegypter gegen die Truppentransporte nach dem Sudan verstärkt sich. Mehrfach wurden T r u p penzüge angehalten und zur Umkehr gezwungen. Die Lage ist auf die Spitze getrieben, die englische Regierung ist völlig machtlos gegen den Volkswillen, der sich g e g e n das Verbleiben der Engländer richtet.
Gen ra stk kpeiLste
Berlin, 24. November. (Privattelegramm) Die kommuni st ischen Betriebsräte Deutsch lands haben gestern in Berlin-Lichtenberg wegen der neuen Lohnbewegung getagt. Wie es heißt, soll die Sage für einen allgemeinen Generalstreik als günstig bezeichnet worden sein. Die Höhe der Forderungen wurde mit fünfzig Prozent festgesetzt. Sie sollen zunächst in Magdeburg und in den Kohlenrevieren überreicht werden
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nicht mehr riechen. Es ist mir so gegangen, daß ich im Hotel die Mahlzeiten verfallen ließ, und mich von Weißbrot und Schinken schlecht und recht nährte, oder von einer Hand voll Feigen oder Pfirsichen, die der Straßenverkäufer feilhielt. Rach den ersten Freudenrusen, wenn man einen Deutschen fand, ging es sofort über das Esten her. Man wünschte sich nichts weiter, als einmal einen Teller voll Gemüse wie es in Deutschland gekocht wird und Suppen, die man wirklich essen kann. Ich kann da eine hübsche kleine Geschichte erzählen. Es war in Venedig. Am Tage hatte es geregnet und wir kamen über Nacht zu Schiff vom Lido her. Auf dem dunklen Vorderdeck saßen nur wenige Menschen und blickten ins Wüster und zu den dämmernden Palästen hinüber, gin Ehepaar flieg ein und war alsbald als ein deutsches zu ertennen, denn er schimpfte in einem fort vor sich hin, ohne daß sie ihn hörte. Sie hatte ihren Hut abgesetzt und stand nun staunend und versunken in die
abenteuerliche Pracht der venezianischen Nacht. Sie lehnte sich an die Brüstung und stammelte schöne italienische Worte, die sie wahrscheinlich schon in ihrer sluaendzeit auswendig gelernt hatte, und er ließ sich unwillig auf eine Bank nieder und sagte: »Elisabeth, ich dächte, Du hättest diese Sehenswürdigkeiten nun endlich satt. Es ist doch dunkel jetzt." Als sie nicht hörte, fuhr er fort: »Ich kann das Esten nicht mehr vertragen, wir reifen morgen. Im Vido hat mit jemand erzählt, daß man in Rom deutsche Pensionen hat, wo es deutsche Gerichte gibt, sonst must Du kochen. Sag mal, hatten wir nicht noch etwas Schlackwurst und Bro zu Haus? Wenn ich nur nicht das letzte Stück Schwarzbrot weageworfen hätte! Von diesen wabbelichen Semmeln ist mir ganz übel geworden." Llsabeth hat ihm keine Antwort gegeben. Sie fliegen bei der Rialdobrücke aus. Ich sah sie im Schein der Laterne verschwinden. Philister? fragte ich mich. Sicherlich nicht, aber dem Manu fehlte feine tägliche Gewohnheit, und die konnte ihm alle Schönheit Italiens nicht ersetzen. . Ich habe unsere Frauen mit Bewun- dcrung den ganzen Tag durch Museen u. Galerien ziehen sehen, der trocknen Engländerin gleich, ohne daß sie ermübenten oder ihre Ermüdung zeigten. Die jahrelange Sehnsucht, hatte einen solchen Schatz an Energie in ihren auf- gespeichert, daß sie nun mit vollen Händen aus ihnen nehmen konnten. Sie erwachten zu fast südlichem Temperament und waren nicht zu bewegen, den Genuß der Fremde vor 1 Uhr nachts abzubrechen. Mit offenen Augen und Ohren saßen sie, staunten, verglichen, erzählten und wenn sie dann heim tarnen, schrieben sie noch das Tagebuch, damit sie garnichts vergäßen und zu Hauie alles haarklein berichten könnten. Ueberhaupt haben mir
unsere deutschen Frauen da unten sehr imponiert.
selbst. Das Allerprägnanteste ist uns gerade ig wird der Schal der Ve- Paar Pantöffelchen gelaust,
Der Bruch mit Rußland.
Baldwin und die Sowjetmachthaber.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 24. November.
Wie wir aus maßgebenden Kreisen der Berliner Sowjet-Botschaft erfahren, werden die beiden Noten der englischen Regierung an Sowjetrußland wahrscheinlich ernste Nachwirkungen im Gefolge haben, da sich Sowjetrußland keinen neuen Demütigungen aussetzen will. Mit der Ablehnug des englfich-russischen Vertrages fei diese Frage für Rußland endgültig erledigt. Das englische Kabinett dürfte sich wahrscheinlich nicht darüber im klaren gewesen fein, daß feine Note den Bruch mit Rußland zur Folge haben wird. Was die Angelegenheit des sogenannten „Synowjew-Brrefes anlangt, so müsse es die Sowjetregierung mit Entrüstung zurückweisen, wenn England mi* einer gefälschten Wahlpropaganda diplomatische Schritte begründen zu können glaubt. Das Verfahren der englischen Diplomatie sei einer zivilfierten Regierung unwürdig.
Ein Reisebi,rf aus Italien.
eilt »iigttlvrs ettia Ser verdorben« Mage« Venetrantjcves Er « ... — Ein hohes Lied ans die ventfMe Fra» - Vicht im b auen Süden. Man macht immer wieder dieselbe Erfahrung, daß der Deutsche auf Reisen nicht als Deutscher gelten möchte. Er verfügt z. T. über io gute Sorachkenntnisse, daß man ihn an der Sprache nicht erkennen kann und weiß sich auch den Formen und Sitten des fremden Lauoes so gründlich anzupasscn, das er unauffällig zwischen den Einheimifchen leben kann. Es ging schon in Bozen los mit dieser Verstellungskunst unserer lieben Landsleute. Dort befand i ch natürlich ein italienisches Restaurant, das stch von dem deutschen dadurch unterscheidet, daß es italienische Gerichte führt. Die Bevölkerung geht aus Prinzip nicht in dieses Restaurant, um ihren Abscheu vor allem, was mit Italien zu- ,ammenhängt, kundzutun, und es wäre sicherlich schon langst geschlossen worden, wenn nicht unsere Jtalienr ei senden ihm immer wieder Geld zuführten. Und so ist es immer: wir Deutschen sind
in Italien italienischer als die Italiener
Znr Triumph heimgekehrt.
Dr. Eckeners Empfang in der Heimat.
(Primn-T eleprnmm?
Berlin, 24. November.
Zur Begrüßung des aus Amerika zurückkehren- deu Führers des Z. R. 3 Dr. Eckener waren am Sonntag nachmittag Vertreter des Reiches, des Landes, der Presse und der Wissenschaft dem Dampfer Columbus bis zum Leucht- tnrm Roter Sand entgegengefahren. Der Dampfer hatte sich bei der Ueberfahrt infolge eines heftigen Schneesturmes und starken Nebels verspätet. Fm Rauchsalon des Schiffes fanden große Ovationen für Dr. Eckener statt. Zuerst begrüßte ihn der Vizepräsident des AufstchtsratS des Nordd. Lloyd Hoffmann, Staatssekretär Kröhne begrüßte Dr. Eckener im Namen des Reichspräsi- deuten. Nach weiteren Willkommengrüßen dankte Dr. Eckener in einer Ansprache für die ihm bereiteten Ehrungen. — Gin Dr. Eckener entgegengesandter Pressevertreter erhielt von Dr. Eckener und Kapitäuleutnant von Schiller einige bisher noch unbekannte @vt» zelheiten über ihre Ankunft in Newyork als bezeichnend für die Bewunderung und die Begeisterung der Amerikaner. Bei der Einfahrt in den Hudson gab die amerikanische
Küstenbatterie vor der deutschen Handelsflagge einen Salut vo„ neun Schüssen ab, eine Ehre, die sonst nur Kriegsschiffen erwiesen wird. Einer der größten englischen Passagierdampfer, der in Newyork lag, setzte beim Passieren des Luktfcknffes seine große Toppflagge. Als Eckener im Auto von Lakehurst nach Newyork fuhr, wurde der ungeheure Ve r k e h r aus seiner Fahrt durch die Straßen NewyorkS stillgelegt und eine Polizeiehreneskorte gestellt. Die Be- faljing wurde mit Geschenken überhäuft. Eckener und Schiller erhielten Autos, die sich an Bord des Columbus befinden. Eckener wird in der nächsten Wache in Berlin ausführlich über die Brauchbarkeit der Luftfchiffe für den Ueberfeeverkehr Mitteilungen machen.
Sin (SrunO zu neuen Rastungen.
Rotterdam. 24. November. (Privattele- ßramm.) Nach Meldungen aus London kündigt nie Regierung Baldwin ein großes Flottenver- stärkungsprogru,'Nm an. Es werden drei Linienschiffe und fünf neue Kreuzer angeforbert. Offiziös wirb dazu bemerkt, baß auf Grund der Washingtoner Vertragsbedingungen der Bau ■on fünf neuen Kreuzern gestattet sei.
Moskau und Berlin.
Berlin, 24. November. (Eigene Drahtmel- dung.) Wie unser Berliner Informationsdienst erfährt, werden die deutsch-russischen Verhandlungen wahrscheinlich schon Anfang Dezember zum Abschluß gelangt sein. Die russische Regierung hat Deutschland nicht nur das Meistbe- günstigungswerk zugesichert, sondern auch alle anderen Wünsche Deutschlands widerspruchslos angenommen. Die Zentrale der russischen Wirt- schc stsvertretungen mit dem Auslände wird wahrscheinlich wieder nach Berlin verlegt werden. Dies würde bedeuten, daß der vorherrschende Einfluß Deutschlands auf den russischen Außenhandel nach wie vor erhalten bleibt, und die Bestrebungen Englands gescheitert sind
keinen Zweifel darüber gelassen, daß et für die Forderungen der Beamten das vollste Verständnis hat, nach den zahlenmäßigen Darlegungen des Reichsfinanzministers war aber das au Grund des vorstehenden Beschlusses erneut gezeigte Entgegenkommen das äußerste, was gegenwärtig tragbar schien. Der Entschluß des Fi- naiizministers wurde mitbediugt durch Die notwendige Rücksichtnahme auf die Sage der Reichsbahngesellschaft. Erhöhungen über den vorbezeichneten Rahmen hinaus hätten Tariferhöhungen auf der ganzen Linie bedingt, was wiederum wirtfchaftlich vollkommen untragbar gewesen wäre. Bei der R e i ch s p o st ist ein neuer Grundtarif abgeschlossen worden. Hiernach erhalten Die Arbeiter ab 16. November dieses Fabres eine Lohnerhöhung von durchschnittlich neun Prozent mit der Maßgabe, daß ein 24jähriger Arbeiter in allen Lohngruppen und Ortsklassen eine Zulage von mindestens vier Pfennigen für die Stunde erhält.
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GchMk,Wahlkampf.
Ein Hoffnungsstrahl . . . Kanzler und Minister.
Ist es schon an sich schwer, unter dem parlamentarischen System die Balanziecuug des Etats mit den Forderungen der Wählermassen in Einklang zu bringen, so wachsen naturgemäß in Wahlzeiten die vorhandenen Schwierigkeiten noch besonders. Als daher die jetzige -ieichs- regierung vor einigen Wochen Steuermilderun- gen und Preissenkungen und Gehaltserhöhungen ankündigte, da hieß es rechts und links: aha, Wahlmachc! Aber es geschah doch etwas. Die Steuern wurden teilweise herabgefetzt, die Preise stiegen zum mindesten nicht mehr, zeigen jetzt sogar eine leichte Tendenz zum Fallen; und auch die Beamtengehälter wurden heraufgesetzt. Diese Erhöhung ist mit 10—12% Prozent der bisherigen Sätze allerdings mäßig und ganz gewiß nicht ausreichend, um den Beamren ein Leven wie vor dem Kriege zu ermogltdjen. Ja: vielfach wird man auch jetzt noch von einem Leben unter dem Existenzminimum sprechen können.
Es ist daher verständlich, daß die Bcamt.'U- organifationen sich nicht mit diesen Gehaltserhöhungen zufrieden geben wollen. Und es wird auch unvermeidlich sein, daß die tm Wahlkampf stehenden Parteien die Frage aufgreifea, um die Stimmen der Beamten für stch zu gewinnen. Natürlich muß ein Finanzmmister den Daumen auf den Beutel drücken, iyn Einnahmen und Ausgaben in Einklang zu bringen. Ein Finanzminister, der etwas taugt, kann nie als Parteimann handeln. Run war allerdings das Reich mit feinen substanzfreffenden Gewalt - steuern zu einem Ueberschuß gekommen, der zu den ©tcuermilberungen und den Gehaltserhöhungen die Möglichkeit bot. Allein dieser Ueberschuß ist doch lange nicht groß genug, um die tausend Hoffnungen zu tragen, die sich schort an ihn angehängt haben. Der Bericht -m Reichstag über den neuen Reichsetat hat das gezeigt. Arm sind wir und arm biet. Jen w i r. Wenn der Reichsfinanzmimster erklärt und mit dem Rechenstift nachweist, daß er Über die sofortige Auszahlung der neuen Gehaltssätze (ab 15. November) nicht hinausgehen könne, so wird man ihm wohl ober übel glauben müssen. Inzwischen hat sich berAufmarsch der Parteien im Wahlkampf nunmehr vollzogen. In den Kreisen, die der Regierung nahestehen, bedauert man, daß alle Bemühungen, zzwischen en Parteien der bisherigen Regierungskoali- tion ein Burgfriedensabkommen für die Wahlen zustandezubringen, nicht zu dem von allen Seiten gewünschten Erfolg geführt haben. Auch zwischen der Deutschen Volkspariei und dem Zentrum sind nellerdings ganz erhebliche Gegensätze aufgetaucht, die sogar in das persönliche Gebiet hinWerspielen. Es wird dem Reichskanzler Dr. Marx der Vorwurf gemacht, er habe vor der Londoner Konferenz die Debüt» gungslose Annahme des Sachverständigcn-Gnt- achtens gefordert, während Außenminister Dr. Stresemann von vornherein die Befrelung des Ruhrgebietes als erste Voraussetzung für die Annahme der Londoner Verpflichtungen aufgestellt habe. Diese Aeußerung des dem Minister Stresemann nahestehenden volksparteilichen Blattes, »Die Zeit", hat in den Kreisen des Zentrums eine ungeheure Erregung hervorgerufen. Man fordert für diese Beschuldigungen den Beweis. Außenminister Dr. Strese- mann scheint übrigens den in Frage kommenden Artikel in keiner Weise zu billigen. Von unterrichteter Seite des Auswärtigen Amtes erfährt unser Berliner Informationsdienst dazu, daß die Frage der militärischen Räumung des Ruhr gebiete- in gemeinsamen Beratungen zwischen dem Reichskanzler und dem Außenminister Dr. Stresemann vor der Abreise der deutschen Delegation nach London eingehend erörtert worden ift In den maßgebenden voli- tischen Kreisen nimmt man übrigens nicht an, daß die Uneinigkeit im Lager der Parteien der Mitte die Reichstagswahlen überdauern werde Man ist der Meinung, daß die letzten Auseinandersetzungen sich aus den wahlagitatorisch.n Bedürfnissen ergeben haben. Allerdings behaupten Zentrum und Demokraten, daß der rechte Flügel der Deutschen Volkspartei in feinen Annäherungsversuchen zu den Deutschnationaleu das Bestreben verfolgt habe, von den anderen Parteien der Mitte abzurückeu.
<8in zweites englisches Ultimatum.
London, 24. November. (Eigene Drahtmel- bung.) 9hieiner Meldung aus Kairo erklärte Premierminister Zaglul in der Kammer, das Kabinett schlage vor, die Forderungen auf Zahlung einer halben Million Pfund, ebenso die Forderung auf Verhaftung und Bestrafung der Verbrecher anzunehmen, die anderen Forderungen aber abzulehnen. Diese Entscheidung und die Vertrauenstagesordnung wurden angenommen. In Kairo sind bisher zwei Personen verhaftet worden, die der Teilnahme an der Ermordung des Sir Lee Stack verdächtig erscheinen. In Alexandria kam es gestern wieder zu englandfeindlichen studentischen Kundgebungen, worauf britische Truppen einen Umzug durch die Stadt veranstalteten. Auf die ungenügende ägyptische Antwort hin, ließ Lord Allendy Zuglul Pascha erklären, daß er von der englischen Regierung den Befehl erhalten habe, die ägyptischen Offiziere und Soldaten aus dem Sudan ausweisen zu lassen, ferner, daß die
Entschädigungssumme von 500 000 Pfund Sterling vor Montag Mittag bezahlt fein müsse. In einem (Kommunique an Die Presse hat Die englische Regierung folgende drei Forderungen aufgestellt: 1. Entschädigung wegen des Attentats und Auslieferung Der Schuldigen, 2. Zurückziehung Der ägyptischen Offiziere imD Soldaten aus Dem Sudan, 3. die englischen Fnteressen in Aegypten müssen gewahrt werden. Zum Schluffe erklärt das Communiqu^ daß Die englische Regierung die Fähigkeiten Der ägyptischen Regierung, das Land selbst zu regieren, überschätzt habe Sie sei aufs Tiefste enttäuscht. Durch diese Maßnahmen nrrbc nicht an der Unabhängigkeit Aegyptens gerührt.