Einzelbild herunterladen
 

#

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung <

Hessische Abendzeitung

:k

Nummer 275. Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf Sonnabend, 22. November 1924. Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf 14. Jahrgang

ärueiflenpretfe Geschafts-Änzetaen Zeile 15 Pfennig. sZamiUew 15 Piennig, Kleine Anzeigen Vas Wort 21/, Pfennig. Reklamen die 4 Offerigebilvr 10 Pfennig (bei Zusendung der Onerien 20 Pfenm betrage sind innerhalb 5 ^agen zu bezahlen. Madgebend ist der Kur tages. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, iowie Tür Aufnabmedaten und Plätze kann ntcht garantiert werden. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz 100 Prozent Aufschlag. Druckerei: Schlachthossir. 28/30 Geschäftsstelle: Köln. Strane 5, gegenüber ver Svodrttrane. Kernsvrecher 951 u. 952.

®te Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal nachmittaas Per Äbonnementsvrris beträgt für »en Monat 2.- Mk. bei ^eier Zusielluna "s SS?8.' m Geschäftsstelle abgeholt 1^0 Mk. Durch die Post monatlich 2 00 Mk ^bLdr Verlag und Redaktion Schlachtbofsiratze 28/30!

ArMrösischenglische VerWeppungsmanöver.

nur tu EnglanD gl mit einem Gefühl Neides lesen. Auch

achtundvierzig Großstädte im Reiche,

man von em

am

teil der

tlichen Bevöl-

eine Förderung der Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland erwarten könnte. Dr. P. Rohrbach.

Grund lehnten Osten,

»ung gute ler waren e deutsche

die Schwierigkeiten, vor die sich Wirtschaft nach Kriegsende bei der

aus der Genfer würde. Frank-

Landflucht, Urbanisierung und rung bebii - -

streng fat' eine baue

reich sieht noch immer auf dem Standpunkte, daß daS Genfer Protokoll ratifiziert werden kann.

Der io. Sanitär 1925.

Sie wollen Räumung «. Kontrolle verschleppen. (Eigener Informationsdienst.)

Die Tochterstaattn geben den Ausschlag

Landon, 21. November. (PrivattelegravtM.) In politischen Kreisen betont man, daß der Be­schluß der Regierung, das Genfer Proto­koll nicht in Rom zu diskutieren, keineswegs dahin auszulegen ist, daß sich die Regierung g e- gen das Protokoll entschieden habe. Die Regierung will die Entschließung Yinauszögern, um Zeit für die Prükunq der Frage mit den Dominions zu gemimten, die zum Genfer Pro­tokoll Stellung nehmen sollen. Erst dann werde sich die Regierung für oder gegen das Protokoll entscheiden. Wenn sie sich dagegen entscheidet, dann wird sie neue Vorschläge machen.

lieferte steigende Erträge.

ten wird, so wird das bis dahin neugebil­dete Rerchskabinett eine außenpolitische Situation vorfinden, die ihr Können schon in den ersten Wochen auf die entscheidende Probe stellen dürfte. In Bezug auf die gegenwärtigen Wirtschaftsverhandlungen stehen die Aussichten einer Verständigung wesentlich günstiger als in den letzten Tagen. Allerdings ist man in den Regierungskreisen noch immer der Ausfasiung, daß es notwendig erscheint, bestimmte politische Einflüsie von diesen Verhandlungen fernzu­halten.

Mit England danbeltzeinig?

London, 21. November. (Privattelegramm.) Man teilt im Handelsministerium mit, daß die deutsch-englischen Handelsvertragsunterhand­lungen soweit fortgeschritten seien, daß der Ver- trag wahrscheinlich nächsten Montag unter» z e i ch n c t werden könnte. England soll in der Frage der sechsundzwanzigprozentigen Einfuhr­abgabe keinerlei Konzesiionen gewährt haben.

Um öen heißen Brei.

Wie man uns in den Völkerbund lockt.

(Eigene Drahtmeldung.l

Rotterdam, 21. Rovenwer.

«ns Paris wird gemeldet: Nach dem ofsi- zeellen Bericht über die Herriot Rede in der Senatslommission über den Eintritt Deutsch­lands in den Völkerbund hat der ftan- zöUche Ministerprästdent wörtlich gesagt: Wir bestehen darauf, daß die stufnohme Deutschlands nur unter ausdrücklichen Vorbehalten

Umstellung von der Kriegs- in die Friedens­wirtschaft

gestellt sah und die ganz besonders auch durch die gänzliche Erschöpfung unserer Ver­te h r s m i t t e l verschärft wurden. Die erheb­lich zahlreichen Eheschließungen ließen die Wohnungsnot erst recht fühlbar wer­den, womit dann wieder die Arbeitszeit- und die Kohlenfraae verknüpft waren. Dazu der Raub großer Gebietsteile in Europa und des gesamten Kolonialbesitzes. Dom Eisenbahn- material wurden dreißig Pri^ent Lokomotiven,

1913 war ein Rückgang zu erwarten, und der ist dann auch bald durch Dürre in weiten Ge­bieten, Wld durch geringen Ertrag an Kartof­feln erfolgt. Unsere Preispolitik war stets nur c.uf eine kurze Kriegsdauer eingestellt, die Preise daher immer zu niedrig festgesetzt. Dazu kamen Korruptionen und Schleichhandel und 1917 und 1918 sogar die Hoffnungen auf Nahrungsmittel mts Rumänien und der Ukraine. Aber trotz aller Mängel ist anzuerkennen, daß die Kriegs­wirtschaftsorganisation in Sachen der Rohstoffversorgung und ----

Arbeit getan hat. Fast nod

Senser Vroivkvki und Kriegsfall.

Berlin, 21. November. (Eigener Informa­tionsdienst.) An Berfin verfolgt man mit größ­er Aufmerksamkeit die Verhandlungen, die ge- genwärfig zwischen England und Frankreich über eine Abänderung gewisser Bestimmungen des Genfer Protokolls gepflogen werden. Deutschland hat ebenso wie England ein lebhaf­tes Interesse daran, daß diejenigen Bestimmun- len des Genfer ProwokollS, die jedes Völker­bundmitglied vrrpflMen, bei einer Aktion

Keinen etwaigen Friedensstörer feine tte Macht zur Verfügung zu stellen, keine Gültigkeit erhalten. In einem Memo­randum hat Deutschland bereits erklärt, daß es die Befreiung von derartigen Verpflichtungen als eine der hauptsächlichsten Voraussetzungen für ein Zulassungsgesuch betrachte» würde.

schäftsträger darauf hingewiesen, daß innerhalb des englischen Kabinetts eine starke Strömung für die Beibehaltung der sechsundzwanzig­prozentigen Reparationsaogabe vorhanoen ist und daß man es in England nicht verstehen würde, wenn man auf die Erhebung dieser Ab­gabe verzichten würde, solange nicht aus anderen Quellen gesicherte Reparationszahlungen in ähnlicher Höhe von Deutschland geleistet werden.

Es bleibt abzuwarten, ob die französische Negierung Englands Wünschen nachkommt. So­weit aus den englischen Pressemeldungen erse­hen werden kann, soll in der Frage der Repara­tionsabgabe durchaus keine Einheits­front der alliierten Regierungen hergestellt werden, da England entschlossen sei, gegebenen­falls allein vorzugehen. Es muß also mit der Tatsache gerechnet werden, daß England unge­achtet einer günstigen Entscheidung der franzö­sischen Regierung die Beibehaltung der sechsund­zwanzigprozentigen Reparationsabgabe im Be­reiche seines Landes ausspricht. Die englische Wirtschaft scheint noch viel zu stark in dem Vor­urteil zu leben, daß die deutsche Industrie für England eine gefahrvolle Konkurrenz

Geschäft ist Geschäft.

Unsere Trümpfe gegen Frankreich-England.

unseren Tagen verstärkt weitergeht. Bei 62 Millionen Einwohnern, also ein gutes Viertel der Gesamtzahl, erwachsene Arbeiter. Vor dem Kriege erfreute sich das deutsche Wirtschafts- ^ben einer großen Blüte. Die stark wachsende Bevölkerung (der Geburtenüberschuß betrug damals achthunderttausend Menschen durchschnittlich im Jahre) sand fast restlos ihren Unterhalt im Lande. Wir waren der

zweitgrößte Industriestaat der Welt,

Berlin. 21. Novmeber.

Mit der Wiederaufnahme der deutsch-franzö­sischen Wirtschaftsverhandlungen ist gleichzeitig auch in den wichtigsten Fragen der Autzenpo­lt t i k eine äußerst kritische Wendung eingetreten. Wie schon die besondere Mission des deutschen Botschafters in Paris, Dr. v. H o e s ch, beweist, geht es jetzt nicht nur um daS Zustande­kommen eines deutsch-französischen Handelsver- träges, sondern cs handelt sich auch um die Re­gelung der dringendsten Fragen der Räu­mung der Kölner Zone und der Been- Vigung der Miliiärkontrolle. Es ist durchaus kein zufälliges Zusammentresseu, daß gerade im jetzigen Augenblick von englischer Sei­te mitgeteilt wird, über die Räumung des be­setzten Gebietes sei ein englisch-französtscheS Kompromiß zustande gekommen, daS eine kurze Hinausschiebung der Räumung der Kölner Zone vorsehe, damit Frankreich die not­wendigen Vorkehrungen treffen könne, um das gesamte Ruhrgebiet schneller räumen zu können.

England und Frankreich würden dann gleichzeitig die Kölner Zone und das Ruhrgebiet völlig räumen.

Es besteht die Gefahr, daß das ganze Problem der Räumnngsfristen um mindestens ein Vier­teljahr über den 10. Januar hinaus verzögert wird, weil dann alle wetteren Entscheidungen von dem Tempo der sranzöfischen Vorbereitungs- Maßnahmen abhängig gemacht werden. Die deutsche Regierung wird ja bei der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit in nachdrücklicher Form gehaltene Schritte unternehmen müssen.

Zn der Dornenkrone.

Deutschland wie es war, ist und sein wird.

I > der Hiesigei! La»desd!dl,othek umtlb kürz. liO» Univerfitütsprofefior Dr. Ääpk. aue Mar. »urg vor seiner dankouren Äörerschar da« ke- dendige, von tragische« Zügen dnrchfurchte Profil unseres schwerbetrofienen Vaterlandes t» folgenden,lichivoaenUN» plo'-tt en Strichen

erfolgen darf und ohne Vorrechte für Deutsch­land. Rur wenn der Bölkerbnndrat erweitert wird, kann Deutschland einen Sitz darin erhal­ten. Ueber diese unsere endgültige Stellung­nahme ist Deutschland seit Wochen genau infor­miert. Eine Ministerversammlung unter Her- not prüfte gestern die Lage, die wahrscheinlichen Ablehnung

Auch auf dem finanziellen Gebiete waren große Schwierigkeiten zu überwinden. Mit ins­gesamt einundzwanzig Milliarden Mark Schul­den etwas mehr als das Kapital sämtlicher deutscher Aktiengesellschaften traten wir in den Krieg ein Trotz ungeheurer Kriegslasten hielt sich die Mark bis Kriegsende

ganz leidlich. Schwerer war schon die Koh­le n n o t, am schwersten aber die E r » ä b - rungswirtschaft, wo ein gutes Fünftel der Bevölkerung für den Nahrungsmittelbedarf der übrigen vier Fünft« und des Feldheeres zu argen hatte Nach der Rekordernte von

Wir besaßen die Zweitgrößte Handelsflotte, die nur durch England, allerdings um ein mehr­faches, übertroffen wurde, unsere Landwirtschaft fette steigende Erträge. Freilich hatte das rtzchastsleben eine schwache Stelle: die für die Industrie erforderlichen Rohstoffe mußten zum großen Teile vom Auslande bezo­gen werden, namentlich Texttlien. Dadurch und durch die Notwendigkeit, auch Nahrungsmittel für die starker als die landwirtschaftliche Pro­duktion ansteigende Bevölkerungszahl einzufüh­ren, waren wir vom Auslande stark ab- Hängig Fast die Hälfte unserer Einfuhr 1913 tut Werte von elf Milliarden Mark, näm­lich 46,5 Prozent, entfiel auf überseeische Roh­stoffe. Dadurch wurde im Kriege die Roh- stof frage besonders schwierig. Immerhin hat die behördliche Organisation des Konsums es doch ermöglicht, daß man mit den Rohstoffen bis in den Mai des Jahres 1919 durchzuhallen hoffte, zumal unsere Vorräte durch Ersatzstoffe

Amerika winkt av.

Washington, 21. November. (Durch Fimk- spruch.) Das Staatsdepartement dementiert die Meldungen, die in Europa verbreitet worden ind, wonach die insterikanifche Regierung daran denke, in nächster Zeit eine Abrüstungskon- erenz einzuberufen.

eine Politik der Hinterhältigkeit und der Schika­nen ,u betreiben. Die Verhaftung des Gene- rals von Nathusius und feine skandalöse Verurteilung kann als Beispiel dafür ge­nommen werden. Was das R u h r g e b i e t be­trifft, so ist die Rechtslage klar. Sobald die vertragsmäßige Marimalsrist von einem Jahre abgelaufen ist, müssen die Franzosen es räumen. Eine Weigerung Frankreichs würde eine ganz neue internationale Lage schaffen und die französische Politik in der schärfsten Weise bloßstellen. Für uns kommt also als praftischer Gesichtspunkt für Verhandlungen mit Frank­reich eine verhüllte französische Drohung, cte Räumung könnte hinausgeschoben werden, we­der praktisch noch grundsätzlich in Bettacht. Jede Andeutung dieser Art müßte bedingungslos zu­rückgewiesen werden.

Unter der Voraussetzung, daß Frankreich in feiner allgemeinen Haltung bezüglich Deutsch­lands jetzt international gebunden ist, bat Deutschland für den Handelsverttag die stärke- r e n T r ü rn p f e in der Hand. Für Frankreich bleibt als Pressionsmittel nur die sechs­undzwanzigprozentige Reparattonsabgabe übrig. Diese ist eine starke Belastung für den deutschen Handel, aber sie verstößt, wenn nicht im Wort­laut, so doch entschieden dem Sinn nach gegen den Sachverständigenbericht und gegen das Lon­doner Abkommen. Für solche Differenzen wurde in London der Grundsatz des Schiedsge­richts aufgestellt, und es wäre daher verkehrt, wenn deutscherseits hiervon abgesehen würde. Erst wenn das Schiedsgericht, was kaum zu er­warten ist, gegen Deutschland entschieden haben sollte, würde die sechSundzwanzigProzentige Abgabe einen Gegenstand der Kompensation in. den Verhandlungen bilden. Dazu kommt, daß an einem deutsch-französischen Handelsvertrag auch noch eine dritte Macht stark interessiert ist, nämlich England. In einer Unterredung mit dem französischen Geschäftsträger in London soll Chamberlain unzweideutig von Frankreich gefordert haben, daß es einer Aufhebung der Er- portabgabe seine Zustimmung verweigern müß­te. Auf diese französischen Veröffentlichungen haben die englischen Regierungsstellen ein halbes Dementi veröffentlicht, um den Verdacht, daß England der eigentliche Urheber der Schwierig­keiten bei den deutsch-französischen Verhandlun- K" in könnte, abzuwälzen. Chamberlain hat soviel steht fest, den französischen Ge-

vcm denen insbesondere Berlin und Mün. chen sich durch starke Zuwanderung auszeich­nen, abgesehen natürlich von den Zentralen des Aeinisch - westfälischen Industriegebietes. Ein Drittel der deutschen Bevölkerung lebt in den Großstädten. Wenn auch einzelne Industrie­gebiete, vor allem das sächsische, bereits über­sättigt sind und wieder Menschen abgeben, so ist doch der Anteil der Industrie an der beut- Aai Bevölkerung von 35,5 Prozent tm Jahre i882 auf 42,8 Prozent 1907 dem Jahre der letz­ten Berufszählung gestiegen, wogegen der An- teil der landwirtschaf" ' 7 7

te t u ng in der gleichen Periode von 42,5 auf 28x5 Prozent herab ging, ein Prozeß, der in

englischen Delegierten werden London am 6. Dezember morgen« verlassen. Daß der englische Außenminister stch persönlich nach Rom begibt, wird atS ein Zeichen dafür angesehen, daß die Regierung Baldwin dem Völker­bund große Bedeutung beimitzt und da 1 .hr daran gelegen ist, die Arbeiten in jeder nur erdenklichen Weife zu fördern.

Die Feuerprobe der neuen Jtrglerung.

Berlin, A. November. (Eigener Informa­tionsdienst.) Mit dem englischen Antrag auf Vertagung der Völkerbundsberatung über die Abrüstungsfrage und Über das Genfer Protokoll ist eint ganz neue Lage geschaffen worden, die zu einer ernsthaften Erschwerung der Regelung der Militärkonttollfrage führen kann. Das Genfer Protokoll hängt mit der Fra­ge der sogenannten Sicherheiten eng zusammen, sodaß die Gefahr einer

Verschleppung der Milftärkontrolle immer akuter wird. Wenn im Januar nächsten Jahres der neugewählte Reichstag zusammentre-

Landflucht, Urbanisierung und I istrialisie> rung bedingen, so führte der Redm. .us ' streng sachlicher Studien aus, seit Jahr eine dauernde Umgestaltung des deutschen aber z. B. auch Hessen geben Menschen ab teils in die Großstädte, teils in die Industrie­gebiete, weil hier die Verdienstmöglichkeiten großer sind. Hatten wir 1870 erst acht, so waren es 1910

ben Umfang und mit derselben Bestimmtheit wie der englische Premierminister für sein Land, so doch bis zu einem gewissen Grade auch für uns den Grundsatz aufzustellen, daß die deutsche Handelspolitik in Deutschland ge­macht werden müsse? Ober haben wir uns von vornherein damit abzufinden, daß unsere Ver­handlungsgegner die entscheidenden Punkte in ih r em Interesse seftlegen?

Pölitik machen, heißt über Druckmittel in der Verhandlung verfügen. Druckmittel besitzen, be­deutet so viel, wie den Gegner, wenn er keiner­lei Rücksichten auf unser Interesse nehmen will, in fühlbare Nachteile versetzen können. Kann er uns auf jeden derartigen Versuch sosott mit noch stärkeren Nachteilen drohen, so können wir eben keine Politik machen, sondern haben D i k- t a t e zu empfangen. Wie steht es da zwischen uns und den Franzosen? Nachdem durch das Londoner Abkommen die Reparationsfrage, die bisher das französische Zwangsmittel war, in bestimmter Weise geregelt und nachdem die Re­parationskommission, wie in Paris gesagt wird, guiüatiniert* ist, kann Frankreich auf diesem Wege keine Pression mehr auf uns aus- üben. Was ihm bleibt, ist die Besetzung des S"jern Teils des Ruhrgebiets und vie Mög-

eit, im Rheinland statt einer Politik der Loyalität im Sinne des Londoner Abkommens

Der englische Premierminister Baldwin Hai neulich mit Bezug auf den englisch - russischen Vertrag und auf das Verhalten seines Vorgän­gers Ramsay Macdonald gegenüber Sowjet­rußland daS Wort geprägt, es sollten gerne alle guten Anregungen auch aus dem Auslande ge- nontmen werden, aber englische Politik würde nur in England gemacht! Das war zugleich eine Absage und eine sehr deutliche Kritik an der politischen Methode des früheren Kabinetts. Jedermann in Deutschland wiro Baldwins Wort von der englischen Politik, die nur in England gemacht werden darf, zugleich mit einem Gefühl der Anerkennung und ves Neides lesen. Auch wir müssen auswärtige Po­litik machen, und zwar im Augenblick haupt­sächlich Handelspolitik mit dem Aus­lande. Es werden Verhandlungen auf diesem Gebiet mit einer Reihe von Staaten geführt; mit Frankreich, mit England, mit Rußland, mit Italien und andern. Am wichtigsten ist der Handelsvertrag mit Frankreich. Können wir daran denken, wenngleich nicht in demsel-

um gegen derartige Absichten Einspruch zu erheben. Da auch der französtsche Botschafter in Berlin, de Margerie, und der englische Botschafterin Berlin, Lord d'Abernon, im Begriff stehen, Berlin zu verlassen und ihren Re- gierungen Bericht zu erstatten, ist mit einer Si­cherheit anzunehmen, daß wir bereits inmitten wichtiger außenpolitischer Erörterungen stehen.

Aus dem Wege nach Nom.

England im Bölkcrbundsrat.

(Eigene Drahtmelvung.)

Genf, 21. November.

HavaS meldet: Der Bölkerbundsrat tritt am 15. Dezember in Rom z-sammen. Auf der Ta­gesordnung steht nur eine einzige Angelegen­heit, die Arbeit der Abrüstungskonfe­renz, die im Genfer Protokoll vorgesehen ist, vorzubereiten. Die Vorbereitungen zur Abreise Chamberlains nach Rom find im Gange. Die