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Friedrich Kaytzler wurde am Schluß herzlich gefeiert von einer nicht allzu großen, aber umso dankbareren Zuhörerschaft. So warb am ge­strigen Abend das gesprochene Wort durch den Mund eines Großen für den Volksverband der Bücherfreunde, dessen Zweck und Ziel es ist, sei­nen Mitgliedern die Gedanken deutscher Meister durch das gedruckte Wort im schönen Kleide na­he zu bringen. -d.

Liederabend 6m*ry Leißner.

Am Flügel: Ludwig Kaiser.

Da hat der große Orgelbauer in eine Kehle ein himmlisches Instrument eingebaut, das schö­ner ist als alle Orgeln, Violen und Celli der Welt. Hier hat die Natur mit einer unerhörten Verschwendung, Stimme, Musikalität, Empfin­dungswärme ausgestreut, daß der Hörer sich stumm beugt. Schumanns .Frauenliebe und Leben- von so mancher Schülerin arg zugerich- tet und in Bruchstücke zerfeilt, wurde uns hier in einer Weise geboten, die dem Ohr ein uner­hörtes Labsal, der Seele eine tiefe wundersame Erschütterung gab, und dann welcher Gegensatz die Zigeunerlieder von Brahms.

Wie herrlich sang Frau Leißner die schmerz- zerrissenen ersten Gesänge, und in welcher echten Freude und Liebenswürdigkeit bot sie später, die mehr Freudiges und Lebensgenießen enthal­tenen letzten Zigeunerlieder. Was überhaupt an Charakterisierungskunst an vor­nehmer Tongebung, an schlichter ungekünstelter Vortragsart der kritische Hörer sich nur in kühnster Phantasie ausmalen kann, das wurde uns hier geboten. Ganz zum Schluß eine wun­dervolle Auswahl "ron Wolf-Liedern, von denen ich keins hervorheben möchte, weil in der Tat alle gleichmäßia schön gesungen wurden. Das ausverkaufte Haus (welch seltener Anblick!) raste manchmal erst nach minutenlangen Pausen der Ergriffenheit vor Begeisterung. Es er­zwang sich leider, leider Zugaben. Preissraze: Wie groß muß eine Künstlerin sein, daß sie nichts Minderwertiges zugibt, wenn sich Emmi Leißner entschließt, die Strauß sche Zuneigung,

die Dalila-Arie (!!) und schließlich das entsetz­liche .Jubilate- zuzugeben. Ich versuche nun seit Tagen diese Zugaben zu vergessen, und nur noch die wundervollen Liedergaben des eigent­lichen Programms in Erinnerung zu behalten.

Wenn etwas den Hochgenuß des Abends noch verschönern konnte, dann war es die wunder­volle, in jeder Beziehung hoch künstlerische Be­gleitung Ludwig Kaisers. Lediglich in den ersten Zigeunerliedern ließ er seinem Temperameni ein wenig zu sehr die Zügel schießen. Dr. P.

Aus Kunst und Wissen.

" Zehntausend Mark für ein Rembrandt- blatt. Auf einer Berliner Rembrandt-Verstei­gerung. fast das gesamte Radierwerk und gleich­zeitige Kopien enthaltend, wurden für das HauptstückChrfltus heilt die Kranken-, das so­genannte .Hundertguldenblatt", zehntausend Mark bezahlt, für den predigenden Christus Zweitausend Mark, dieselbe Summe für den.Tri- umph des Mardochäus". Verhältnismäßig hoch bewertet wurde der .Blinde Tobias, tausend Mark. Weiter erzielten: .Landschaft mit dem Zeichner fünfzehnhundert Mark, .Faust in sei­nem Studierzimmer" tausend Mark. .Der Jong- he" zwölfhundertsünfzig Mark, das Selbstbild­nis mit aufgestütztem Arm fünszehnhundertfünf- zig Mark.

" Eine neue Himmelsleuchte. Die Stern­warte von Greenwich meldet das Erscheinen eines neuen Sterner zehnter^Größe, der zwar Planelartigen Charakter trägt, sich aber mit so großer Geschwindigkeit bewegt, daß man einen Kometen in ihm vermutet. Der neue Stern wurde zurzeit durch Dr. Baade von der Hamburger Sternwarte in der Nähe des Sterns Vpsilon im Pegasus entdeckt.

** Arnold Rieck i-. Der bekannte Berliner Künstler Arnold Rieck, der kürzlich einen Schlag­anfall erlitten hatte, ist in Leipzig an den Fol­gen eines zweiten Schlaganfalles in Gegenwart seiner an das Krankenlager geeilten Gemahlin und Tochter geswrben. Er hat nur ein Alter von

48 Jahren erreicht. In seiner Jugend war er Kammerdiener bei dem Baron von Oelschläger in Dessau. Dort entdeckte man sein Talent. Vor etwa zweiundzwanzig Jahren trat er zum ersten Male im Berliner Apollo-Theater auf und wur­de später sirr das Thalia-Theater engagiert. Ne­ben Thielscher war er der Hauptträger der größ­ten Erfolge dieser Possenbühne.

** Vor fünftausend Jahren begraben. Auf einem Domänenfelde bei Halle sind siebzehn Hockergräber freigelegt worden, die aus der Zeit um 3000 vor Christi Geburt stammen. Die Gräber sind aus teilweise bearbeitete» Porphyrsteinen errichtet und sorgfältig mit Lehm verschmiert; bei den Gräbern wurden auch acht Tongefäße, aus derselben Kulturperiode stammend, gefunden. Aus der Lage der ausge- sundenen Skelettknochen wurde ersehen, daß die Toten in H o ck e rst e l l un g, d. h. mit einge­zogenen Füßen begraben worden sind, weshalb die Steinkasten auch nur achtzig Zentimeter bis 1,10 Meter lang sind. Die freigelegte Stelle läßt auch erkennen, daß die Gräber um einen Kult­platz im Halbkreise anaeordnet sind. Wie an den Gefäßen festgestellt wurde, gehört der Bcgräb- nisplatz zur nordindogermanischen Völkergrup­pe, die sich vor fünftausend Jahren in Nord­deutschland und Dänemark bis zum Orient aus­gebreitet hatte.

** Thkaterdirektor Martin Klein gestorben. Martin Klein, der langjährige Direktor des K ö- nigsberger Luisentheaters, ist im Alter vgu 60 Johlen nach langem Leiden geswrben. Nach einem ersten Engagement 1886 am Karlsbader Theater hatte Klein eine erfolgreiche Bühnen­laufbahn absolviert, die ihn an das Deutsche Volkstheatcr in Wien, an das Stadttheatek in Köln, das Stuttgarter und das Münchener Hof- theater führte. In Wien wirkte er dann auch mehrere Jahre im Theater an der Wien als Nachfolger GirardiS. Klein, während seiner Glanzzeit wohl der bekannteste deutsche Tenor- busfo, kreierte in Köln den Mime im .Siegsried- und in dieser Rolle w-irde er zu Gastspielen a» zahlreiche Bühnen geladen.

Freitag, 14 November 1924.

Kasseler Neueste Nachrick>t«r

14. Jahrgang. Nr. 268.

RatnHe, Esel, Rrkchas u. a. sind Eiienbahmn, ^.ampfer, Autos und Luftschiffe getreten. Man Hai auch elektrische Beleuchtung, Telephon Rad o und alle anderen Errungenschaften der Neuzeit.

Felbgeichrei um Mussolini.

Fremdenflucht. Ein Bannstrahl. Aufrufe.

kPrivar-Dewaramm i

Rotterdam, 13. November. Meldungen aus Rom besagen, daß sich die Lage in Oberitalien innerhalb der letzten 24 Stunden kritisch ver­schärft, doch ist kein unmittelbarer Ausbruch einer Revolution zu befürchten. Die Gegner Mussolmts sind sich über ihre Tattik auch jetzt noch nicht einig. Biele Fremde verlassen in Scharen Rom und Oberitalien. Das Ereignis des Mittwoch war die gewaltsame Schließung der sozialistischen Parteibüros in Oberitalien auf direkten Befehl Mussolinis. Aus Mailand und Turin werden neue Zusam- m e n st ö tz e zwischen Faschisten und Sozialisten gemeldet. Die Gewerkschaftszentrale in Mailand fordert in einem Aufruf die Entwaffnung der Faschisten im Stadtgebiet und droht mit dem Generalstreik als Gegenmaßnahme. Die Zen­sur der nichtfaschistischen Zeitungen ist so streng, daß dieselben oft mit mehreren unbedruck­ten Seiten erscheinen müssen. In Rom haben im Anschluß an die Kammereröffnung mehrere Gegendemonstrationen gegen die Re­gierung stattgefunden. Im Rom wurden gestern sechzig Kommunisten verhaftet, vrn denen ungefähr 13 vorgestern Nacht die W h- nungcn der Leiter des Faschismus in 'wei ab­gelegenen Vorstädten angegriffen und dort die Fenster eingeschlagcn hatten.

* * *

JNatteottla Kr nz u o di- Fosz'sten

Rom, 13. November. (Eigene Drahtmeldung. > Während der Gedenkfeier für Matte- o t t i in der Kammer hatte die sozialistische Kam­mergruppe an der Stelle des Ueberfalles am Tieber einen Blumenkranz mit der In­schriftZur Sühne' niedergelegt. Während einige Arbeiter den Kranz umstanden, erschien plötzlich ein Au t o m i t j u n g e n F a s ch i st e n, die mit erhobenen Revolvern den Kranz weg­rissen und ihn in den Tiber warfen. Mussolini schloß sich in der Kammer der Gedächtnisfeier für die ermordeten und verstorbenen Abgeordne­ten an und betonte, der Umstand, daß Matteotti ein Regierungsgegner gewesen sei, tue dem vom ganzen Lande geteilten A b s ch e u über den Mord keinen Abbruch. Zum Zeichen der Trauer wurde die Sitzung eine Stunde lang unter­brochen.

e Der um ütmw (Sio ittl.

Rom, 13. November. (Privattelegramm.; Die Oppositionsblätter befassen sich neuerdings wieder mit Giolitti, da der greise Politiker im­mer noch großen Einfluß und großes Ansehen genießt, sodaß man ihn vielfach allein für den Staatsmann hält, der über den Parteien stehend, die Neuwahlen leiten könne, wie er es früher schon so oft getan habe. Demgegenüber meinen die faschistischen Blätter, die Ovposition wolle Giolitti nur für den Uebergang benutzen, um dann selbst umso leichter die Regierung übernehmen zu können.

Spaniens Schicksal.

Der König und seine Getreuen.

(Eigener Drabrberich »

Zürich, 13. November.

Aus Madrid wird gemeldet: Die Prinzen und Prinzessinnen des Königshauses haben Spanien verlassen und find auf Auslandsreisen gegangen. Ter König ist entschlossen in Madrid zu bleiben. Der DUtator hat am Mon­tag eine Konferenz aller Militärkom- Mandanten nach Madrid berufen. Acht KorpSkommandcure und 32 Stabsoffiziere nah­men an der Konferenz teil, die dem Diktator die unbedingte Treue der Armee votiert hat. Ein Aufruf des Direktoriums ruft alle Baterlands- freunde zur Sammlung aus. Die revolutionäre Bewegung gehe von gewissen Intellektuellen, vereint mit katatonischen Separatisten und So­zialisten aus, die fich hinter der französischen

Grenze organisierten. Es wird eiserne Strenge angedroht.

3n Morok.o verdiutet.

Genf, 13. November. (Privattelegramm.) Aus Madrid wird gemeldet: Der Feldpost­verkehr zwischen der Heimat und Marokko ist seit Dienstag Mittag vollkommen ge­sperrt. Diese Tatsache gibt Grund zu Gerüch­ten von einer neuen katastrophalen Niederlage des spanischen Heeres in Marokko. England Hai ein großes Interesse an dem demnächst in Gibraltar beginnenden Friedensverhand­lungen zwischen Span'm und den Rifskabylen. Die spanischen Verluste in Marokko sollen sehr groß sein, besonders im Oktober. Man soll be­absichtigen, die Kämpfe weiter aus französi­sches Gebiet auszudehnen. Frankreich verlangt deshalb von Spanien Schritte, um Abd El Krim daran zu hindern.

*

Verhaftete x ooluttonüre.

Madrid, 13. November. (Privattelegramm.) Techsunddreif.g Personen von verschiedenen revolutionären Banden in btr Provinz Navarra wurden verhaftet und dem Kriegsgericht über­geben. Im Zusammenhang damit wurden wei- terc Verhaftungen in Saint Jean de Lux, San Sebastian und Bilbao vorgenommen.

W r soll Spanten regieren ?

Berlin, 13. November. (Eigene Trahtmel- dung.) Ein hervorragendes Mitglied der spa­nischen Botsck aft in Berlin gab Pressevertretern gegenüber eine kurze Schiloerung von den augenblicklichen Verhältnissen. Danach soll der weitaus überwiegende Teil des spanischen Volkes nach wie vor zu dem Direktorium halten. Immerhin werde doch Primo de Revera daran denken müssen, sobald wie möglich zu verfas- sungsmäärgen Zuständen zurückzukehren. Viel genannt werde der General Amido als Nachfol­ger des Diktators, der den Ruf eines äußerst fähigen Politikers besitzt.

tiütsr belgischem Wind.

Hymans über London, Köln und fich.

(Eigene Drabirneldung 1

Brüssel, 13. November.

Hymans hielt gestern Nachmittag in der Kammer eine außenpolitische Rede, worin er unter anderem erklärte, daß die BcsckMffe der Londoner Konferenz auf starker Grundlage be­ruhten. Wenn Deutschland versuchen würde die übernommenen Verpflichtungen ab zuschüttel n, so würden die Alliierten ohne Verzögerung wirksame Sanktionen ergreifen. (!) Frankreich habe für alle Meinungsverfchiedenheiten das Tchiedsgerichtsprinzip zur Durchführung ge­bracht. Man dürfe fich nicht verhehlen, daß neue Schwierigkeiten und Gefahren noch auftreten könnten. Hinsichtlich der Räumung der Kötner Zone am 10. Januar 1925 erklärte der Redner: Werde die Frage der Vertragserfüllung und Entwaffnung Deutschlands besaht, so solle die Kölner Zone geräumt werden, in welchem Falle die alliierten Besetzungstruppen in den beiden übrigen Zonen einer Umgruppierung unterzo­gen werden. Hymans stellte ferner fest, daß ein Verteidig,ingsabkommcn mit England und Bel­gien noch fehle und daß das Zustandekommen eines Blocks der drei Weftmächte Belgien, Frankreich und England Belgiens Hauptziel fei

e

©e bgeffliafte unter Freunden.

Paris, 13. November. (Eigener Drahtbericht.) Herriot empfing gestern Nachmittag von neuem den belgischen Botschafter, mit dem er sich über die Schwierigkeiten der französisch-bel­gischen Handelsvertragsverhandlungen unter­hielt. Französischerseits wirft man Belgien un­loyales Verhalten vor, weil am 6. November in Brüssel offiziell eine Meldung veröffentlicht wurde, wodurch für eine Reihe von Waren, die nicht im modus vivendi vermerkt sind, die E i n- uhrzölle bedeutend erhöht wurden. Nach ranzöstscher Auffassung hat damit die belgische Regierung in letzter Stunde versucht, sich für die Konzessionen schadlos zu halten die sie durch den modus vivendi freiwillig gewährt *

Außerdem soll die Veröffentlichung vom 6. No­vember bereits von einemDhnifterrat am 23. Oktober beschlossen worden sein, d. h. zu einer Zeit, als die Handelsvertragsverhandlungen in Paris noch andauerten. Die Ratifizierung sei auch daraufhin suspendiert worden, weil eine Reibe von französischer Industrieller gegen die Erhöhung der Einfuhrzölle protestiert habe.

D'e neuen Freunde.

Wann reift Baldwin nach Paris?

Paris, 13. November.

Ministerpräsident Herriot hat durch ein Telegramm dem englischen Premier Baldwin seinen Tank für seine Unterstützungspolitik aus gedrückt und ihn versichern lassen, daß er ebenso auf seine volle Mitarbeit in den gemeinsamen Aktionen zählen kann, die aus den Respekt der Verträge und der Abkommen gegründet sind, die im Hinblick auf das Gedeihen der beiden Völker und zur Friedenssicherung abgeschlossen worden sind. Dem Matin zufolge werden die Unter ledungen zwischen Baldwin und Herriot in der zweiten Dezemberwoche stattfinden. Der Schatzkanzler Churchill wird aber schon vorher nach Paris kommen, um an der Ti.luf- siou über die Aufteilung btr Rcparationsfchul- den teilzunehmen.

S»? Heils mzfchritt

Die Richtlinien für ihre Einführung.

Eine im Reich sministerium des Innern un­ter Leitung des Staatssekretärs Schulz aögehal- tene Konferenz, an der Vertreter aller Reichs­ressorts und Landesregierungen teilnahmen, hat einstimmig zunächst die amtliche Systemurkunve festgestellt und daraus gleichfalls einftmmig folgende Richtlinien für die Einführung der Einheitskurzichrift in den Schulunterricht und in den amtlichen Verkehr beschlossen:

1. Spätestens am 1. April 1926 ist in fast allen öffentlicher, höheren Handelsschulen vno, soweit möglich, auch in sämtlichen anderen Schu­len die Einheitskurzschrist als Pflicht- oder Wahlfach einzuführen. In anderen Systemen als in der Einheitskurzschrist darf Unterricht in Den Schulen nicht erteilt werden.

2. Soweit Behörden bereits eine Kurzschrift amtlich eingeführt haben, stellen sie sich binnen einer möglichst kurz zu bemessenden Frist aus die Einheitskurzschrist um.

3. Sämtliche Zentralbehörden sind verpflichtet, ihren Verwaltungszweig daraufhin zu prüfen, inwieweit er sich auch über den bisherigen Um­fang hinaus für die Einführung der Kurzsch-ift eignet, und in entsprechendem Umfang die Ein- heitskurzschrift alsbald amtlich einzuführen.

4. Alle Beamten und Angestellten sind darauf aufmerksam zu machen, daß nach Ablauf einer gewissen, nicht allzu lang zu bemessenden Frist im Behördenwesen nur noch die Einheitskurz­schrist verwendet werden wird. Reich und Län­der werden in ihren Behörden die Erlernung der Kurzschrift noch Möglichkeit fördern.

Ferner hat die Konferenz die Einsetzung eines behördlichen Ausschusses für die Einheitskurz­schrist beschlossen, der die weiteren Maßnahmen vorzubereiten bat, und eine Dachverständigen- kommifsion eingesetzt, die alsb»td die Redeschrift festsetzen soll.

Jarres für unmöglich und aus Gründen der Sicherheit der Vesatzungsarmee den Reichsminister für die Dauer der Besatzung von Duisburg fern hallen müßte. (!)

Vom marokkanischen Kriegsschauplatz. Die Spanier melden aus Marokko, daß die Opera­tionen vurch Regengüsse und unausgesetzte femd- liche Angriffe, die bedauerliche Verluste zur Fol­ge gehabt hätten, erschwert würden.

Standrechtlich erschossen. In Barcelona wurden zwei Anarchisten, die bei den letzten Grenzunruhen Polizeibea nie getötet und ver­wundet hatten, hingerichtet.

Dieheinfuhr gesperrt. Wegen der starken Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche in Holland, Belgien und Luxemburg wird die Ein- und Durchführungsgenehmigung für lebende Wiederkäuer und Schweine aus diesen SanDent nicht mehr erteilt. Sämtliche Genehmigungen sind mit Wirkung vom 21. November zurückge­zogen.

Neues aus Kassel.

3m 3? chen des W h kampfes.

Eine Zentrumsverfammlung

fand triefet Tage für die Bezirke Altstadt, Bet­tenhausen und Rothenditmold statt, m der Dr. Ruppert über Wirtschaftsfragen sprach, die et vom Zentrumsstandpunft aus beleuchtete und dabei die Außenpolitik des Kabinetts Marr gnt- hieß, von der die Reparationspolitck in feste Bahnen gelenkt wurde zum Besten des Ruhr­gebiets und der Festigkeit der Währung. Redner stellte sich auf den Standpunft, daß nur eine Re­gierung, die das Vertrauen des Auslandes habe, Zollfreiheit und Meistbegünstigung bringe und forderte deshalb erneut eine sachliche und klare Regierung der Mitte. Im W rt- schaftsleben müsse erst der Mensch, bann die Ma­schine kommen. Der Redner zählte dann eine Reihe sozialer Verbesserungen auf, die der Zentrumspartei zu danken seien Es gab eine Aussprache, in der vor allem der Mißmut der Beamten über den Neunsttindentag undge- heimrätliche Behandlung zum Ausdruck kam.

Senatspräsident Dr. Heldmann

ist, wie aus Frankfutt gemeldet wird, von der Spitzenkandidatur der Deutschnationalen Volks­partei zurückgetreten.

Ein neuer Schwindeltrick.

Die Geschäftswelt kann heute nicht genug aus der Hut sein. So taucht jetzt in den verschieden­sten größeren Städten ein Wechselfallenschwind­ler auf, der in irgend einem Geschäft eine Klei- nipkeit. Seife und dergleichen, einkaust. Nachdem er bezahlt hat, sucht er einen Briefumschlag, Der adressiert und frankiert ist, aus der Tasche und bittet die Geschäftsleute, ihm einen Zwanzig­markschein zu geben, da er diese Summe in dem Brief absenden müsse. Die Geschäftsleute über­gaben auch den gewünschten Schein, der Mann steckt diesen in den Briefumschlag und verschließt ihn Tann zählt er (unter Zwei- oder Einmark­scheine auf, aber es fehlt att den benötigten 20 Maik ein Zwei- ober Einmarkschein!

Aus VoNM und Wirtschaft.

Durch das kaudinifchc Joch Poincarös Anhänger haben im Senat eine Interpellation ein gebracht, die von Herriot fordert, daß die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund von der Anerkennung der Integrität des Versailler Vertrages abhängig zu ma­chen ist.

Italien und der Raubvertrag von Versailles. Die italienische Regierung gab dem deutschen Botschafter in R o m die Zusicherung, von dem ihr durch den Friedens-Vertrag von Versailles gewährten Recht bezüglich des deutschen Eigen­tums keinen Gebrauch zu machen.

Sie bestimmen über unsere Oberbürgermeister. Die belgische Regierung läßt den Reichsmi­nister Dr. Jarres nicht wieder auf seinen Obetbürgermeisterposten nach Duisburg zu- rückkehren. weil sie ein ersprießliches Zusam­menarbeiten der Besatzungsbebörde mit Dr.

Der Mann ist darüber erstaunt, sein Chef muß sich vertan haben und er erbietet sich, sofort den fehlenden Einmarkschein zu holen. Als Si­cherheit laßt er den Brief, in dem sich der 20 Mark-Schein befinden mutz, zurück. Die einzel­nen achtzehn Einmarkscheine streicht er ein, geht und kehrt nicht mehr zurück! Nach einigen Ta­gen öffnen dann die Geschäftsleute den Bries und finden darin lediglich wertlose Papiere! Der Gauner hatte zwei gleichartige Briefum­schläge vertauscht und somit 20 Mark er- schwindelt.

Ter Schwindher hat, wenn die Sache sich so herausgestellt, seine Betrügereien schon in an­deren Städten sorrgesetzt Um feinem Treiben ein Ende zu bereiten, wird vor ihm gewarnt und ersucht, im Betretungssalle der hiesigen Kri­minalpolizei Mitteilung zu machen. Der Be­treffende ist etwa 28 Jahre alt, 1,70 Meter groß, dunkelblond, und trägt blauen Anzug.

Die Freunde der Bücher.

Vortragsabend Friedrich Kaytzler.

Der Volksverband der Bücherfreunde (Weg­weiser-Verlag) scheut keine Mühe, weitesten Kreisen der Bevölkerung gute Literatur in wür­digem Gewände und zu volkstümlichen Preisen darzubieten, lieber 200000 Mitglieder zählt der Verband bereits: um neue Interessenten zu gewinnen und den alten treuen Freunden zu Ehren veranstaltet man einen Vortragsabend im Evangelischen Vereinshause. Friedrich Kaytzler, der bekannte Berliner Schauspie­ler und Vortragskünstler, nahm am geschmackvoll hergerichteten Vortragstisch dessen dekorativ wirkende Bedeckung mit den Einbänden der Bücher des Volksverbandes übereinstimmte, Platz und las im ersten klassischen Teil Goethe. Man erlebte die Leiden des jungen Werther, die in den Briefen an Lotte so ttesflich geschil­dert sind, durch des Künstlers reife Sprachkunst vermittelt, mit. Dann gestaltete Kahßler das Abenteuer, wie Rüdiger erschlagen ward", aus dem Niebelungenlied mit wuchtigem Organ. Ei­sern und festgefügt erstand der grimme Hagen, ebenso alle andere» wohlbekannten Gestalten aus dem Niebelungenlied dank der vollendeten Charakterisierungskunst Kayßlers vor unserem geistigen Auge.

Im zweiten modernen Teil vermittelte uns der Künstler ein Bruchstück aus dem Roman Die Schwefle nt Hellwege- von Otto Gysae und ließ mit dem Epos: .Weltenmär- von Hans Offenbach den Abend ausklingen. JunA, zart und frisch erlebte man den Frühling, männlich gereist djarafternierle Kahßler den Sommer, malte wuchtig und brausend das Sturmlied; es folgte der Herbst mit dem wehmütigen Unter­ton und dann des Lebens Winter mit der stillen Trauer um alles Vergängliche. Wie der Künst­ler alle Werke gleichsam nachbildete und mit seinem voluminösen, wandlungsfähigen Organ zu Gehör brachte, war schlechthin vollendet zu nennen