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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Stumme 268.

Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf

Donnerstag, 13. November 1924. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 P, 14. Jahrgang

Vulkane im Süden Europas.

Wetterleuchten im Süden.

Ernste Gefahren für Italien, Spanien, Oesterreich.

Der italienische Vulkan / Mussolinis Leibwache / Früchte ves Fasztsmus , Spanien im Alarmzustand / Begeisterte Republikaner / Beruhigung in Oesterreich.

Zürich, 12. November. (Eigener Drahtbe- richt.) Aus Oberitalien laufen Nachrichten über ern.ste militärische Revolten ein. o aus Pisa, Bcrgabo und Rienini. Nach dem Tagesanzeigcr ist cs bei den Rekrutenjayr- qängen zu unliebsamen Vorgängen gekom­men. Die italienische Zensur schweigt die Vor­gänge tot, mutz aber zugeben, datz es in den ge­nannten drei Städten zur Aufbietung der fafzistifckcn Miliz gekommen ist. In Genua wurde das Gewerkschaftshaus der Ha­fenarbeiter von fa'zistischer Miliz besetzt, nach­dem man dort grotze Waffcnfunde gemacht hatte Auch aus Mailand und Verona liegen Meldungen über Beschlagnahme von Waffen und Munition vor. Die Lage ist äusserst kritisch.

Unter meinem Szepter.

Mussolini verteidigt sein System.

lEigene Drahrmeibung.

Rom, 12. November.

Anstelle einer Regierungserklärung hielt Mus­solini im Parlament vor Abgeordneten der Mehrheit ein.« Rede, in der er binsichtUch der Lage im Innern betonte, datz die Ordnung trotz einiger, im Nebligen schnell beendeter Streiks nickt ernstlich gestört worden sei. Die öffentlichen Dienstzweige feien in ihrer Tä­tigkeit nicht unterbrochen worden. Mussolini er­klärte dann, datz der

Druck des Faszismns leichter geworden und die Zusammensetzung der Parteien geändert worden sei. Seit mehreren Monaten hätten die Gewalttcucn an Zahl abgenommen. Im Uebri- gen fei jede Ungesetzlichkeit streng be­straft worden. In der auswärtigen Politik zählte Mussolini die Abkommen, Handels- und Freundschoftsverträge auf, die von seiner Regie­rung abgeschlossen worden seien und fügte hinzu, dies alles beweise, datz die Aussenpolitik der R e g i c r u n g die im Oktober 1922 in Aus­sicht gestellte geblieben sei. Minister und Depu­tierte dankrrn dem Ministerpräsidenten mit einer begeisterten Kundgebung.

Freunde und Gegner des Systems.

Rom, 12. November. (Eigene Drahtmeldung.) Die Rede Mussolinis und die Erklärungen der Opposition finden in der Presse geteilte Auf­nahme Während die faszistischen Organe die Er­klärungen Mussolinis unterstreichen und hervor- heben, wollen ihnen die O p P o s i t i o n s b l ä U ter leinen Glauben mehr schenken. Dir Erklärungen des Ministerpräsidenten könnten die Lage nicht mehr ändern. Das Gionale d'Jta- lia fragt, ob es Mussolini mit dieser Rede wirk- lich gelingen werde, die Geschlossenheit der Mehrheit zu sichern, da die Taten der Regierung die Mehrheit vielleicht nicht hinreichend beruhi­gen könnten. Der Ministerpräsident könne das Mißbehagen nicht leugnen, das in der Mehrheit um sich greife.

Spanien macht mobil.

Gegen Putsch und Generalstreik.

(Privat-Telegramm.)

Genf, 12. November. Ein Pariser Blatt meldet von her spanischen Grenze die allge­meine Mobilmachung des spanischen Heeres. Die Maßnahmen bezwecken die Mili­

tarisierung des Verkehrswesens zur Verhinde­rung des für den 20. November angckündigten spanischen Generalstreiks. Die letzten dürftigen Meldungen aus Madrid besagen le­diglich, dass die Zensur nach wie vor ausseror­dentlich streng gehandhabt wird. Ein gegen die Zensur gerichtetes Schreiben des Preffevorstan- des wurde ablehnend beschicden. Gestern abend wurde in Madrid zu Ehren eines Universitäts- Professors ein Diner veranstaltet, an dem zahlreiche Politiker des alten Regimes teilnah­men. Die Festrede wurde dabei von dem Rufe unterbrochenE s l e b e d i e R e p u b l i k". Der Redner sprach von der garnicht wieder gutzu­machenden Spaltung in der Armee. Gene­ral Mayac hat einen Aufruf erlassen, in dem er alle vaterlandsliebenden Männer ermahnt, treu zum Direktorium zu stehen, um die Auflösung alles bestehenden zu verhüten.

Seipel bleibt Kanzler. Bor dem Ende ves Eisenbahnerstreils.

tEtgener Drahtberich!.)

Wien, 12. November.

Bundeskanzler Seivel hat sich gestern abend bereit erklärt, die neue Regierung zu bilden. Die bisherigen Minister bleiben im Amte.

Heule Abstimmung...Sturm auf v«eLäden

Wien, 12. November. (Pnvattclegramm.) Die Wiederaufnahme der Arbeit bei den Eisenbahnen beginnt nicht vor Donnerstag früh, da zunächst heute Die Organisationen Abstimmungen der E'!e»bahner hrrbeiführen wollen. Die Generuldirrn.on der Bundesbah­nen geht in ihrem Vorschlag, über den eine grundsätzlicheuebereinstimmungmit den Gewerkschaftsvertretern erzielt wurde, über die vor dem Ausbruch des Streiks gemachten Zugeständnisse nicht hinaus, erklärt sich jedoch be­reit, für das kommende Jahr in der Frage der Besoldungsreform weitere Zuge­ständnisse zu machen. In Graz kam es gestern abend zu grossen Ausschreitungen infolge Zurückhaltung der Waren durch die Kaufleute. Eine Anzahl Läden tat der Vor­stadt wurden demoliert.

LonbonerKommunistenflucht

Bon Baldwin als Hochverräter verfolgt.

«Priva«-' - «ramm «

Rotterdam, 12. November.

Das neue englische Kabinett hat die Wieder- Überwachung der kommunistischen Bewe­gung in Engiano angeordnct. Wie die Mor- vingpost schreibt, wird die Folge dieses Beschlus­ses sein, dass in England dir Kommunisten als Hochverräter verfolgt werden kön­nen. Die Blätter bringen bereits Schilderungen von der Flucht vieler russischer Pro­pagandisten aus London. Dir Morning- post berichtet, wie hunderte dieser Gestalten sich vor den Fahrkartenschaltern drängen. Die Flucht nehme groteske Formen an. Man steht, sagt das Blatt, jetzt erst, wie viele tausende von Agitatoren Sowjetrussland unter dem kurzen Arbeiteregiment auf England losgelaffen hat.

Das Vöikerkonzert.

Baldwins Programm... Frankreichs Eisen.

Noch vor der ersten Kabinetissttzung hat B a l d w in gestern beim Bankett in der Guil- dcnhall sein Programm entwickelt, um auch nach außen hin deutlich zu machen, daß England wieder ein Kabinett der klaren Willensdestim- nuing besitzt, ohne der Welt freilich viel Neues zu sagen. Diejenigen Fragen, die eine Möglich­keit, ja, eine Wahrscheinlichkeit der Kursände­rung in sich bergen, werden geflissentlich in den Einzelheiten offen gelassen. Das Londoner Pro­tokoll hleibt wie vorher zu sehen war, Grund­lage der weiterhin ju verfolgenden Reparations­politik. Für Deutschland fallen bei dieser Ge­legenheit gerade ein paar anerkennde und aus- muntcrnde Worte ab, während der englische Premier sowie der Leiter der Außenpolitik Chamberlain ihrer Sympathie für F r a n k- ret(6 unverhohlen Ausdruck gaben. Inhalt- reicher als Baldwins Rede seihst ist im Bezug aus die deutschen Sorgen ein Aussatz des libe­ralen, vom Außenminister Chamberlain beein- slußten Blattes derzufolge die neue Regierung hinsichtlich der Räumung der Kölner Zone eine größere Aktivität entfallen dürste, als es seitens ihrer Dorgänger der Fall war. Die Franzosen erklärten naturgemäß eine Räumung der Zone, wie sie am 10. Januar 1925 erfolgen muß, für unmöglich, solange das Ruhrgebiet in ihrer Hand ist. Sie haben bereits ihre Absicht angekündigt, nach dem etwaigen Abrücken der Engländer selbst die sogenannte Sicherung dieser Zone zu übernehmen. In diesem Krisen­falle wird nochmals das Gesamtproblem der Ruhrbesetzung von der rechtlichen Seite aus aufzurollen und an den Haager Gerichtshof zu überweisen sein. Die dringliche Aufforderung an Deutschland, in den Völkerbund einzu­treten, läßt angesichts der bekannten und in England sicherlich auch gewürdigten Vorbehalte der deutschen Regierung darauf schließen, daß in England die Absicht besteht, das Genfer Protokoll in wesentlichen Punkten den tat­sächlichen Notwendigkeiten anzupassen. Deutsch­land kann ohne die entsprechenden Zugeständ­nisse hinsichtlich des Sitzes im Völkerbundsrat und der Nichtbeteiliguna an Völkerbundsexeku­tionen usw. einfach der Aufforderung Baldwins nickt folgen. Hier liegt für Deutschland eine Zwangslage vor.

In der Mossulfrage hält sich Baldwin ebenfalls an den von Macdonald eingenomme­nen, von jeder englischen Regierung vertretenen Standpunkt. Daß Baldwin keine Neigung hat, sich in der heiklen russischen Vertragsange­legenheil irgendwie vorzeitig festzulegen, ist verständlich. Arbeitslosigkeit, Wohnungsmangel, Jndustriekrise uni) ähnliche Angelegenheiten sol­len in der Linie desgeordneten Fortschritts" gelöst werden. Stärkung der englischen Macht­stellung nach anßen und im Zusammenhänge da­mit Besserung der Lrbensbedingungen im In­nern, das ist das Ziel Baldwins.

Währenddessen geht in Paris das Feilschen um den deutsch-französischen Handelsver­trag weiter. Frankreich ist bereit, für die Waren, deren Export für Deutschland besonders wesentlich ist, seine Minimalzölle in Anwendung zu bringen und auch vertragliche Sicherungen gegen künftige Erhöhungen dieser Minimalzölle zu geben, insofern als auch Deutschland ein aus­reichendes Entgegenkommen zeigt. Neben der Textilindustrie ist an diesen Verhandlungen, be­sonders die Eisenindustrie interessiert. Frank­reich ist, nachdem es durch den Vertrag von Ver­sailles in den Besitz von Lothringen gelangt ist, zum Besitzer der größten Eisenerzgru­be n der Welt geworden. Die ursprünglich fran­zösischen Gruben haben mtt den lothringischen zusammen eine Vorkriegsförderung von 43 Mil­lionen Tonnen von denen 29 Millionen Ton­nen zur Ausfuhr zur Verfügung stehen. Die französische Eisenerzförderung des Jahres 1923 betrug icdoch nur 23,4 Millionen Tonnen. Un­gefähr ein Drittel der Hochöfen in Lothringen und im Becken von Brieh und Longvy ftifö vollkommen stillgelegt. Das brennende fran­zösische Interesse an der Eisenerzausfuhr in das benachbarte deutsche Industriegebiet ist also nur zu begreiflich. Deutschland seinerseits war, so­lange seine Industrie besteht, auf den Verbrauch lothringischer Erze angewiesen. Würde die deutsche Industrie den Vorkriegsverbrauch an Eisenerz wieder erreichen, so müßten selbst bei Wiedergewinnung der Vorkriegskapazität in ber Erzförderung ungefähr dreiunddreißig Millio­nen Tonnen eingeführt werden. Aus die­sen Zahlen geht hervor, datz Deutschland bei einem Wiederaufleben feiner Wirtschaft nicht aus die Einfuhr lothringischer Erze verzichten un* sie auch durch die Erzeinfuhr aus Schweden und Kanada nicht vollkommen ersetzen kann. Die deutschen Unterhändler in Paris können also in dieser Frage durchaus das Entgegenkommen zei­gen, das notwendig ist, um auch der deutschen Industrie günstige Wsatzbedingimgen in Frank­

reich zu verschaffen. Aehnlich sieht die Frage der Einfuhr französischer Eisenhalbfabrikate. Eine befriedigende Regelung des Eisenproblems durch die Handelsvertragsverhandlungen von Staat zu Staat ist um so notwendiger, als die darge­legten wirtschaftlichen Gründe früher oder spä­ter doch eine Regelung erzwingen würden, die dann über bie Köpfe der Regierungen hinweg zu erfolgen droht. Eine solch« Entwicklung würde auch die Beziehungen zu England aus des Schwerste gefährden.

(Sin englischer Schritt in Berlin.

Berlin, 12. November. (Privattelegramm.) Der erste englische Botschastsrat weilte gestern über eine Stunde lang im Auswärt i- gen Amte. Sein Besuch wird mit den deutsch - englischen Wirtschafts­verhandlungen und mit der Frage des

Eintritts Deutschlands in den Völkerbund in Zusammenhang gebracht.

Warum Drängt Baldwin zum Völkerbund?

Berlin. 12. November (Eigene Draht Mel­dung.) Dte Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund wird im Frühjahr 1925 wieder in ein akute- Stadium eintrcten Von imteirichieter Seit; ersahren wir hierzu, daß die Erklärungen des neuen englischen Minister- präsldentenBaldwin, Deutschland dürfe mit der Stellung eines Zulassungsantrages nicht länger warten lassen, in Berlin ziemliche Heber- raschung hcrvorgerufen haben Es verlautet, datz ber deutsche Botschafter in London, Dr. St Jam er, bei Baldwin nochmals anfrugen wird, welche Haltung die englische Regierung gegenüber dem deutschen Standpunkt cinititmnt und welche Absichten sie damit verbinde,

Kapuzinerpredigl.

Artur Mahrauns jungdeutsche Kundgebung.

Gestern abend war die Stadthalle vom Jung, deutschen Orden überfüllt. Die Halle mußte po­lizeilich gesperrt werden. Der Hochmeister bes Jungdeutschen Ordens, Artur M a h r a u n er­ließ sein jungdeutsches Manifest, auf das feit Wochen gewartet wurde. Der langen Rede kur­zer Sinn war der: Noch einmal muß gewählt werden, dann aber kommt die nationale R e v o l u 1 i o n, der neue Staat, von unten aus- gebaut auf der Grundlage der Nachbarschaft!

Vorher feierliches Orgelspiel, dann Musik eines ganz großen und guten Orchesters (allein fünf Bässe dabei und Harfe), Kapelle des Jung­deutschen Ordens unter Leitung von Frommels, großer Banneranftnarsch, gemeinsamer Gesang des Ordensliedes, Gesang von der Orgel herab nnb nach diesem Anstatt, großartig mtt akade­mischem Beifall empfangen, in der Windjacke mit Offizierskoppel, freiredend und je länger, desto lebendiger, der Hochmeister selbst, Armr M a h r a u n. Er hält eine regelrechte Kapu- zinerpredigt, die sich nicht zuletzt gegen seine eigenen Gefolgschaften richtet, die Kasseler Un- sitten, daß keiner mit dem anderen an einem Tische sitzen will, daß selbst bei dem Gruß auf der Straße jeder ängstlich darauf achtet, sich nicht zu viel zu vergeben, der Huchmut, der Standes­dünkel ... ist das, fragte Mahraun die Volksge­folgschaft, die er unter tosendem Jubel vor drei Jahren forderte? Jetzt jubelte man seiner Kri-

Unb weiter sprach Mahraun: Der nationale Kampf, ber bisher geführt würbe, hat nicht zum Siege geführt, es würben große Fehler gemacht, eine trügerische Gefiihlspolitik wurde getrieben, alle waren zu viel Materialisten, keiner opferte wie «1» sollte, man verdiente und vergnügte sich, es waren die Männer nicht, die es versprochen hatten zu sein, nur Lippen-, kein Herzensbe­kenntnis, zu viel Spießbürgerlichkeit. Der Welt­geschichte ist kein neuer Sinn gegeben worden. Ihr bezahlt nur eure Beiträge bei einer Partei, rief Mahraun unter schallender Heiterkeit unb ... bezahlt sie nicht einmal! Das ist die bittere Wahrheit, der Bankerott bisheriger nationaler Methoden. Der Kampf wurde zu wenig ernst! genommen, es wurde zu wenig in die Tiefe ge­gangen, man dient noch heute der kümmerlich­sten Hoffahrt, hält die Standesunterschiede hoch, verachtet, wer einen besseren Rock am Balge trägt, glaubt ein Recht zu haben, auf andere berabzublicken. An alledem hatdie kümmerliche Judenrevolution" nichts geändert. Dieser Geist des Dünkels ist gerade in Kassel noch viel zu viel verankert.

Dann rief Mahraun nach dem Geist von 1914, dem Frontgeist, ber nicht fragte, wes Standes jemand war. Damals schrie alles Hurra, auch General Deimling. Gegen Letzteren Polemisierte er, weil er behauptet hat, beis Jungdeutsche Orden sei eine gekaufte Organisation. Der An­gebote sind allerdings viele bisher gewesen, aber alle abgewiesen. Und weiter bekämpfte er den gegenseitigen Haß auf den anderen, ob er eine Windjacke oder Shimmischuhe trägt, weil er evangelisch oder katholisch ist. Habt Achtung vor der Religion der Andern!

Dann Kampf gegen Hochmut des Alters und Frechheit der Jugend. Alt und Jung gehören zusammen. Viele lieben ihr Volk mtt glühen­der Seele, finden aber nicht den Weg zu ihm, weil das Vergangene noch nicht gestürzt ist, die Armen sind die gleichen Halunken wie die Rci- (6en, wenn sie sich geehrt fühlen, bei Herrn Raffte sitzen zu dürfen, überall sind Kriecher... ein neuer Menschenthp muß geboren werden, über die Volksgemeinschaft zum Staat, fort mit der Plutokratie. Das Wesen des heutigen Staats wirdteilweise scharf antisemitisch als un» demokratisch abgelehnt. Notwendig ist eine So­zialisierung des Staatsgedankens, Wehrhaft- machung, hei der der Geist alles, die Form nichts ist und vor allem Taten, nicht Worte. Noch ein­mal muß cm die Wahlurne gegangen werden, dann aber muß der große Kampf kommen, die nationale Revolution für eine neues Deutsch­land. Den richtigen Weg dazu zu weisen sei alles, was der Jungdeutsche Orden wolle.

Aus den Schultern wurde Mahraun durch den Saal getragen, der Beifall wollte nicht enden. Tas Deutschlandlied wurde gesungen, die Musik spielte einen Marsch von Hiege, und dann klang die Feier mit dem Niederländischen Dankgcbet aus... o Herr mach uns frei! Tas Jungdeutsche Manifest soll, wie mitgeteilt wurde, in aller Kürze in alle Hände geleitet werden! =a«

Horsch M ©erriet.

Fortschritte in den Wirtschaftsverhandlungen.

Berlin, 12. November, tEigener Jnformations. dienst.) Wie wir von zuständiger Stelle ersah, reu, sind die deut sch-französifchen Wirtschaflsverhandlungen zwar schon