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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Nummer 256. Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Ps. Donnerstag, 30. Oktober 1924. Einzelnummer 10 Pf . Sonntags 15 Pf 14. Jahrgang

Kaffeler Abendzeitung

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Fmnzösifch-mssische Annäherung.

Die Wahl-Vorbereitungen.

Die Fühlungnahme.

In Voevereitung des Wahlkamp cs.

Die Wahlschlacht Hal begonnen, Die Kano­nade mit Wahlaufrufen und Führerreden ist er­öffnet. Aber so prompt auch die ersten Ge­schütze abgeseuert werden, so kann man sich doch des Eindrucks nicht erwehren, daß es sich vielfach erst um das Einschießen handelt, noch nicht um das Wirkungsschießen. Es ist das Kennzeich­nende an dieser Wahl, daß es mehreren Par­teien schwer fällt, von vornherein die Schutz- ziele genau festzulegen. Die Erklärung dafür liegt auf bei Hand: es gibt viele Riffe tn den Parteilagern, verursacht durch die Streitigkei­ten über die Fragen der Koalitionsbtldung, und man möchte am liebsten die Taktik etnfieöen aus das voraussichtliche Ergebnis der Wahlen. Aber niemand kennt das und so ergibt sich dieses Abtasten des Geländes mit der Methode des Einschießens. Besonders schlimm daran scheinen die Deutschnationalen zu sein, deren Stimniung durch die Hamburger Wahlen nicht ge­rade gehoben werden dürfte. Sie haben keinen Führer und möchten auch nicht die Entscheidung den Landesvorsitzenden überlaffen, deren Zu­sammenkunft deshalb immer weiter hinausge­schoben wird. In den Organisationen wird na­türlich die scharfe Tonart vorherrschen; aber den Hauptteil der Mandate liefern die unorganisier­ten Wohler, etwas unhöflich .Mitläufer" ge­nannt. Wie ist deren Stimmung wie be­kommt man dasTreibholz" an die Wahlurne und gar mit dem Kreuz an der richtigen Stelle?

Offenbar wird wie auch die Wahl in Ham- ' bürg gezeigt hat, die Rechre in erster Linie von der Wahlmüdigkeit bedroht, da die Be­geisterung für die unfruchtbaren Völkischen Wit euch für die gespaltenen Deutschnationalen sehr nachgelassen hat. Wer nicht zu einer anderen Partei übergehen will, wählt deshalb garnicht. Das ist bedauerlitch aber es ist so DteKonser­vative Partei", die ja in der Etappe immer noch weitergelcbt hatte, gibt die Parole für die Deutschnationale Volkspartei aus, unter der Bedingung freilich, daß bei der Kandidatenaus­wahl die Konservativen besonders berücksichtigt werden müßten. Das ist die alte Garde, rechts von Hergt. Und ihr Führer, Graf Westarp, der zur Zeit sicherlich ebenso in der deutschnationa­len Partei den größten Einfluß hat, schlägt in derKreuzzeitung" keineswegs wilde Töne an Er sagt den Kampf nur demMarxismus" an und will auf eine Regierungsmehrheit aus Deutschnationalen, Volkspartei, Zentrum, Bay­ern und Wirtschaftspartei' zusteuern. Eine solche Mehrheit wird es natürlich nicht geben aber eS ist doch sehr beachtenswert, daß Graf Westarp nicht die Opposition, sondern weiter die Mit­beteiligung an der Regierung will. Der offi­zielle Wahlaufruf liegt noch nicht vor.

Dadurch wird in taktisch geschickter Wei se den Mittelparteien die Stellungnahme gegen rechts erschwert. Das kommt zumal für das 'Zentrum in Betracht, das soeben seinen Parteitag in Berlin abhielt. Die übertempe­rierte Kundgebung der deutschnationalen Reichs- tagssraktion hätte, wenn sie maßgebend geblie­ben wäre, das Zentrum nach links gedrückt und seine Einigkeit im Protest gegen antiparlamen­tarische und antisemitische Politik hergestellt. Jetzt aber muß man vorsichtiger sein, um den agrarischen Rechtsflügel der Partei nicht zu ver­stimmen, und so nahm denn der Reichskanzler und Parteiführer in seiner großen Einführungs­rede die berühmte Einstellung nach außen vor Er predigte den Primat der auswärtigen Politik auf diesem Boden war dte Partet- einheit leicht her-ustellen und lehnte für die Innenpolitik jede grundsätzliche Bindung nach rechts oder links ab. Das war nicht nur prak­tisch, sondern auch logisch, sofern man eben die Koalitionsfraqen nicht als Glaubensfragen an« steht. Auch Dr. Stresemann hat als Führer der Volkspartei fick nicht die grundsätzliche Weigerung der Deutschnationalen, mit der So­zialdemokratie zusammenzuarbeiten, zu eigen gemacht, ober er ist doch angesichts der politischen Praris einen Schritt weiter gegangen als Herr Marx. Er hat daran festgehalten, daß die So­zialdemokratie, wie sie gegenwärtig ist, für eine Koalition ungeeignet scheine und daß die Her­anziehung der Deutschnationalen erstrebenswert sei weil dieunverantwortliche Opposition" einer großen Partei die Gesundung gefährde, die wir brauchen Dr. Stresemann hat auch den Standpunkt der Demokraten reckst witzig so cha­rakterisiert:Dckntzt die Republik - denn die Deutschnationalen wollen auf Ihren Boden

Im übrigen bilden aber die Häkeleien zwi­schen den Volksparteilern und den Demokraten aewiß nickt die erfreulichste Seite des Wahl­kampfes. Wenn Herr Erkelenz, der demokrati­sche Rübezahl, mit dem Knüppel dazwischen fährt und davon spricht, daß Stresemannreuig

Endgültiger Aufruf

Berlin, 29. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) Die Deutschnationalen veröffentlichen nunmehr ihren offiziellen Wahlaufruf. Es heißt darin, daß sie für Schwarz-Weitz-Rot kämpfen und daß in diesem Kampf die Parole laute: Christlich, völkisch, national, sozial. Die beste Staatsform für das deut­sche Volk sei die konstitutionelle Erbmonarchie. lieber die Ttaatsform solle zu gegebener Zeit auf gesetzlichem Wege der Volkswille entscheiden. Als nächstes Ziel werden erstrebt: Wiederher­stellung eines gesunden Föderalismus und Be­seitigung der Alleinherrschaft des Parlaments, lieber die Tawesgesetze wird in dem Aufruf ge­sagt: Die Dawesgesetze sind jetzt binden­des Recht. Ihre Ausführung, die die Not­wendigkeit einer Milderung unserer Lasten er­weisen wird, verlangt wachsame, mannhafte Vertretung des deutschen Standpunk­tes, damit Reich und Volk nicht in wirtschaft­liches Elend versinken. Der Aufruf verlangt dann weiter die Bekämpfung der jüdischen Vor­herrschaft und vor allem den Kamps gegen die marxistische Sozialdemokratie und spricht sich gegen Zersplitterung im nationalen Lager aus.

eine repuviikttmsche ,front 1

Berlin, 29. Oktober. (Privattelegramm.) Ge­stern haben aus Anregung der republikanischen Parcel Besprechungen zwischen Demokraten ur.r> Sozialdemokraten begonnen, über zur Mitte zurückkehren will", so ist das nur die Behauptung einer Wahlrede. Mittlerweile strei­tet man sich im Lager der Demokraten darum, ob ihre Partei keine Linkspartei, sondern eine Mittelpartei sei. Dr. Gerland, der bisher der Fraktion angehörte, hat in seiner Antwort an Koch die Zugehörigkeit zur Mitte bestritten. Aber die Demokraten sind stolz daraus, daß sie diesmal nicht umgefallen sind, sondern an ihrer Linksrichtung festhalten. Auch hier werden n,cht die Organisationen, sondern dieMitläufer" daS entscheidende Wort sprechen.

Frankreich und Rußland.

Anerkennung der Sowjetregierung.

(Eigener Drabtbertcht.l

Paris, 29. Oktober.

Die Unterhandlungen zwischen Frankreich und Rußland wegen der Anerkennung der Sow­jetregierung werden wahrscheinlich nächste Woche in Paris eröffnet werden. Es ist nicht ausge- schloffen, daß Tschitscherin persönlich nach Paris reifen wird. Gestern sind Telegramme ausge­tauscht worden. In dem Telegramm Her- riots an die Sowjetregierung heißt es: Die Regierung der französischen Republik erkennt von heute ab die Sowjetregierung de jure an als die Regierung des ehemaligen russischen Rei­ches, in denen seine Autorität von den Anwoh­nern anerkannt wird und als die Regierung die­ser Gebiete in ihrer Eigenschaft als Nachfolgerin der ehemaligen russifche« Regierung. Indem sie an die Möglichkeit glaubt, daß zwischen den beiden Ländern ein Abkommen erfolgen kann, zu dem die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen der erste Schritt ist, behält sie sich ausdrücklich die Rechte vor, die die französischen Staatsbürger aus den von Rußland und seinen Staatsangehörigen unter dem vorangegangenen Regime eingegangenen Verpflichtungen herlelten. Dieselben Vorbehalte gelten auch für die feit 1914 von Rußland und feinen Staatsangehöri­gen übernommenen Verpflichtungen.

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Die russische Antwort.

Moskau, 29. Oktober. (Telegr. Bericht.) Die von Kalinin, Rykow und Tschitscherin unter­zeichnete Antwort der russischen Regierung be­sagt u. a.: Tie Sowjetregierung nimmt mit der größten Befriedigung den Vorschlag der franzö­sischen Regierung an, die regelmäßigen diploma­tischen Beziehungen wiederherzustellen und ge­genseitig Botschafter zu ernennen, außerdem auch den Vorschlag sofort Verhandlungen einzulei­ten. Das Zentral-Exekutlvkomitee der Sowjets legt den größten Wert darauf, daß alle Mitzver- ständnisse zwifchen Sowjetrußland und Frank­reich beseitigt werden und wünscht den Abschluß eines allgemeinen Abkommens, das eine solide Grundlage für die wirtschaftlichen Beziehungen bilden könnte und zum Ziele habe, zu einer wirklichen Garantie des allgemeinen Friedens im Interesse der arbeitenden Bevölkerung aller Länder zu gelangen und in Freundschaft mit

der Deutschnationalen.

die Bildung einer republikanischen Union für den Wahlkampf. DaS Zentrum sog heute oder morgen zu den Besprechungen hinzugezogen werden. Die Besprechung gilt der gemeinsamen Verbindung der Reichsllste zur Grundlage für die republikanische Union. Die republikanische Partei selb« verzichtet auf Auf­stellung von Kandidaten.

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Ende des »criiner Gtadtparlomenta

Berlin, 29. Oktober (Privattelegramm.) Die Berliner Stadtverordnetenversammlung befihäs- tigte sich gestern mit einem demokratischen An­trag, das Stadtvarlamentaufzulösen und die Neuwahlen am Tage der Neichs- tagswahlen vorzunehmen. Der Antrag wurde in der Debatte unterMtzt von den Deutsch- nationale«, der Deutschen BolkSpartei und den Kommunisten. Die Abstimmung über den An­trag wurde auf Donnerstag vertagt.

Heraufsetzung des Wahlalters.

München, 29. Oktober. (Privattelegramm.) Der Eerfaffungsausfchutz des Bayerischen Landtages hat einen bauernbündlerischen Antrag aus Hinaufsetzung deS Wahl- alters auf 25 und der W « h l b a r I e i t auf 30 angenommen und zwar gegen die Stim­men de: Sozialdemokraten, des Zentrums, der Demokraten und »er Völkischen.

allen Völkern zu leben. Genau wie die franzö­sische Regierung glaube auch die Sowjetregie­rung, daß die gegenseitige Nichteinmischung (!) in die inneren Angelegenheiten eine unerläß­liche Bedingung guter Beziehungen mit jedem Staate im allgemeinen und mit Frankreich im besonderen sei. ______

Die Unruhen in Ehina.

Schutzmaßnahmen fremder Truppen.

(Eigene Drabtmeldung.)

Newyork, 29. Oktober.

Nachdem die Japaner ihre Truppen an der Eifenbahnstrecke Tien tf in.Peking postiert haben, um nötigenfalls die Interessen der japanischen Staatsangehörigen zu schützen, haben auch amerikanische Kriegsschiffe ein Landungskorps in Tientsin ansgeschifst. Die Nachricht von der Landung von 900 ameri­kanischen Matrosen Hal in französischen diploma­tischen Kreisen einen ungewöhnlich starken Ein- druck gemacht. Man erklärt diesen Schritt der Vereinigten Staaten als den Beginn eines allgemeinen internationalen Vor­gehens zum Schutz der Eisenbahnlinie Tien- sin-Peking, die nach den getroffenen Verein­barungen unberührt bleiben soll. Wu - Pel- fu befindet sich wieder aus dem Marsch nach Peking. Man kann also mit neuen Zusam­menstößen rechnen. Eine Proklamation des Marschalls Ehiosiehyuan teilt mit, daß vier Militärgouverneure sowie die ganze chinesische Flotte beschlossen Hütten, Wu-Pei-fu zu un­terstütz en. Die Proklamation klagt Feng- Au-kstang des Verrate« m.

* « * eine Olote der Gesandten.

Newyork, 29. Oktober. (Telegraphische Mel­dung.) Das diplomatische Korps ließ General Feng-Nu-Hfiang wissen, daß er für das Leben und Eigentum der fremden Staatsangehörigen verantwortlich gemacht werde. Die Mitglieder des bisherigen chinesi­schen Kabinetts sind verschwunden. Der ame­rikanische Geschäftsträger in Peking, Edward Bell, ist plötzlich gestorben.

2ap n siche« sich Dorlelle.

Newyork, 29. Oktober. (Telegraphische Mel­dung.) Wie verlautet, hat Japan dem Gene­ral Tschang-Tso-lin zur Bedingung für die japanische Hilfe gemacht, daß im Falle des endgültigen Sieges Tschang-Tso-lins Java« wirtschaftliche Konzessionen in China erhält.

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Um Reling und Tientsin.

Rotterdam, 29. Oktober. (Eigener Drahtbe­richt.) Reuter meldet von gestern abend: Pe­king ist neuerdings bedroht. Das Frem­den- und GesandtschastSviertel ist von neuem ab­gesperrt worden. Die gegen Peking anrückende Armee des Generals Wu-Pel-fu stand am Sonn­tag vor Kaifeng. In Tientsin sind 300 j a- panische Marinesoldaten gelendet und zum Schutze der japanischen Riederlaffmigen von Tientsin aus In Marsch gesetzt worden.

Ein Äahr Rundfunk.

Eine gute Entwicklung. Heber bett Fortschritt de« Funkwesens in Deutschland und iiver die weiteren Möglich, retten schreibt uns F.Sunftermann.Berlin Der Ottober ist der Geburtsmonat des Deutschen Unterhaltungsrundfunks. Vor einem Jahre, am 21. Oktober 1923, begann der erste deutsche Sender seine Tätigkeit, und zwar im Voxhanse In Berlin. Dieser Sender war aus Veranlassung des Staatssekretärs Bredow von der Reichspostbehörde eingerichtet worden. Aus Welle 400 gingen 12 Konzertstücke von 8 bis 9 Uhr abends zu den staunenden Hörern. Bescheiden war der Anfang. Skeptiker und Kritiker fanden reichlich Gelegenheit zum Nör­geln. Was ist im Lause des Jahres aus dem Rundfunk geworden? Man mag zum Unter­haltungsrundfunk stehen wie man will. Das eine steht fest: der Rundfunk hat eine Bewegung entfacht, die weiteste Schichten unseres Volkes umfaßt. Staatssekretär Dr. h. e. B r e d o w, der der eigentliche Schöpfer des Rundfunks in Deutschland ist, gab vor wenigen Tagen

die Zahl der angemeldeten Teilnehmer

aus 860000 an. dazukommen die Familienmit­glieder, so daß täglich etwa 1 Million Volks, genossen durch den Rundfunk erbaut, erfreut ober hin und wieder geärgert werden. Diese Zahl, die eher zu niedrig als zu hoch ge­griffen fein dürfte, umfaßt nur die angemel« beten Teilnehmer. Es ist jedoch offenes Ge- heimnis, daß es eine fehl große Zahl von fo- genannten Schwarzhörern gibt, die nicht allein die Postbehörde um den gewiß nicht uner- schwinglichen Monatsbeitraa von 2 Mark drin­gen, sondern die durch selbstgebaute, unsachge­mäße Apparate oft die Ursache unmigenehmer Störungen sind. Der Kampf gegen diese Schwarzhörer ist lebhaft im Gange: es ist zu wünschen, daß er Wandel schafft. Das eigent­liche Funkwesen das erst allgemeine Be- deutung erlangte, als es der großen Masse zu­gänglich gemacht wurde ist natürlich erheblich älter als der Unterhaltungsrundfunk. Vorher diente das Funkwesen lediglich militärischen Zwecken. Marroni, der die elektromagneti­schen Wellen zuerst In ihrer Auswertbarkeit er­kannte, hatte keinen geringeren Plan, als an allen Enden der Erde seine Stationen zur Verbindung mit dem gesamten Schifssver- kehr zu errichten und so ein Monopol tn die Hände zu bekommen. Beinahe wäre ihm das gelungen. Er hatte Anweisung erlassen, keinem Schiffe Mitteilung zu geben, dgs nicht mit sei­nen Instrumenten ausgerüstet war. Das Funk­wesen wäre völlig in die Hand Englands ge­raten. Auch deutsche Schiffahrtsgesellschaften waren schon in den Ring eingeschlossen. Hier setzte aber die Arbeit Bredows ein. Mit Hilfe der Hamburg-Südamerika-Linie gelang es, Bresche ^,u schlagen. Nach wenigen Jahren war

eine deutsche Organisation

zu schassen, die sich über die ganze Erde er­streckte. Das war besonders wichtig, da Eng­land es verstanden hatte, den Erdball mit einem Kabelnetz zu umspannen Die Säulen Englands waren tatsächlich seine Flotte und das Kabel­netz. Deutschland begann zwar auch Kabel zu bauen und schuf die Verbindung mit Süd­amerika, mit dem Osten. Aber der Anteil Deutschlands am Weltkabel betrug doch nur 8,3 vom Hundert, der Anteil Englands dagegen 54 vom Hundert. Trotz dieser Sachlage wurde es in Deutschland vor dem Kriege versäumt, das Funkwesen genügend auszubauen. Welche Be­deutung die Gegner Deutschlands den wenigen Stationen des Deutschen Reiches beimaßen, geht daraus hervor, daß sie bei Ausbruch des Weltkrieges die erdenklichste Mühe darauf ver­wandten, die deutschen Funkverbindungen in Uebersee mit großem Aufwand von Streitkräf­ten zu zerstören. 1919 ging man in Deutschland daran, Funkverbindungen mit den wich­tigsten Ländern herzustellen. Heute ist das Funkwesen bereits stärker ausgebaut als vor dem Kriege. Verbindungen bestehen mit saft allen Ländern Europas, zwei mit den Vereinig­ten Staaten, eine mit Südamerika, eine mit China, eine mit Togo. Mer nicht nur dem Fernhören, auch dem

Fernsprechen ohne Draht wendet man besondere Aufmerksamkeit zu. Und da ist gerade dieser Tage ein Erfolg zu ver­zeichnen gewesen, der bahnbrechend fein dürfte. Wie Staatssekretär Bredow in einem Vortrage mitteilte, ist es am 14. Oktober 1924 gelungen, ein Gespräch zu führen mit einem Damp­fer auf See, nämlich mit dem von Bremen ausgefahrenen TampferrSierra Morena". Von Berlin aus wurde er drahtlos angeru- fen und zur Antwort aufgefordert. Deutlich vernehmbar konnten die in Berlin in der Reichsposst versammelten Gäste durch Laut­sprecher die Antwort hören:Hier Sierra Mo-