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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Stamme ' 254. Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf. Dienstag, 28. Oktober 1924. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf 14. Jahrgang

i

(

Deutsch sranzösische Handelsbeziehungen.

Die ersten Wahlversammlungen. । General von Deimling auf dem FriedrichSplatz.

Bezeichnung der Spitzenkandidaten. — Material für die Richtlinien.

in

Reiches zur allgemeine» Verbilligung unmittelbare Aussicht gestellt.

Macdonald seinen politischen Gegnern zeigen daß auch ibm Englands Weltmacht am Herzen liegt und daß er ebensowenig wie eine bürger­liche Regierung davor zurückschreckt, tte gewalti­ge Uebe'rmacht der englischen Flotte auszusple- len, wenn das Prestige Englands in Gefahr ist.

M.

Deutschland und Frankreich.

Beffere Handelsbeziehungen.

«Eigener Trobib-’ncb >

Paris, 27. Oktober.

Der Kongreß der franzSsischen Autzenhandels- räte, der in der vergangenen Woche in Lyon tagte, ist gestern durch Handelsminister Ravnal- dy geschloffen worden Raynaldy hielt eine Rede, in deren Verlauf er sich über die Han­delsbeziehungen zwischen Frankreich und Deutschland uussprach. Er sagte, die friedlichen Beziehungen zwischen der Industrie und dem Handel Frankreichs und Deutschlands müffen durch gutes Bbwägen der gegenseitigen Konzes­sionen und durch gegensettigeRücksicht- nähme auf die parallele Entwicklung ihrer Produktion, die viel öfter einander ergänzen als gegeneinander arbeiteten, wieder hergrstellt werden Tas sei pie Regel, unter der am 6. No­vember die Handelsvertragsoerhandlungen wie­der ausgenommen werden, iwd Frankreich werde sich bemühen, sie zur Anwendung zu bringen. Nach deut provisorischen Handelsvertrag soll ein weite»gehendes und den Verhältnissen bester an­gepatztes Einvernchmeu erzielt werden.

Teuerung und Löhne.

Gewerks chastcn beim Reichswirtschaftsminister. lEigene Lrahtmeldun'z i

Berlin, 27. Oktober.

Tie gestrige Sitzung der Gewerkschaften beim Reichswirtschaftsminister über die neue Forde­rung nach 35prozentiger Lohnerhöh­ung und Wiedereinführung -er g l e i t e n d e n Teuerungsskala hat zu keinem Ergebnis geführt. Der Reichswirtschaftsminister hat die Unmöglichkeit erklärt, solange die wirtschaftliche Depression andauert, von sich auS eine derartige Erhöhung bei den Arbeitgebern anzurcgen. Die Wiedereinführung der gleitenden Lohnffala sei gänzlich undiskntabel. Dagegen wurden den Gewerkschaften neue Maßnahmen des

Berlin, 27. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Der Wahlkamps hat bis gestern abend die Auf­stellung der Spitzenkandidaten von mAr als der Hälfte der Wahlkreise gebracht. Soweit Mel­dungen auS dem Reiche vorliegen, sind die

Engi^He Gorgen.

Die Gärung im Rahe« Osten.

Nach mehreren Auslandsmeldungen hat sich in den letzten Tagen die ganze englische Mittelmeerflotte in Stärke von acht Großkampfschiffen, elf Kreuzern, über hundert Torpedo- und fünf Unterseebooten vor Malta versammelt und erwartet dort auch das Eintreffen der Atlantischen Flotte. Roch herrscht Dunkel über Englands Absichten im Na­hen Osten, und vorläufig sind wir nur auf Ver­mutungen angewiesen, warum England int Mittelmeer so bedeutende Streitkräfte zusam­menzieht. Zunächst könnte das Entfalten der großen Seemacht vor Malta als Antwort Eng­lands an die Türkei gelten, die bekanntlich vor wenigen Tagen ihre Volksvertretung nach Angora einberufen hat, um über weitere Schrit­te wegen Mosul und über die evtl. Mobilma- amitfl" des türkischen Heeres zu beschließen. Zwar ist die Trakstage vor einiger Zeit dem Völker­bund unterbreitet worden, aber dieser ist über die ersten vorbereitenden Schritte noch nicht hin­ausgekommen, die Entscheidung wird wie ge­wöhnlich lange aus sich warten lassen. Zudem ist die Türkei bisher noch gar nicht Mitglied des Bundes, sondern hat ihren Eintritt erst von der in dieser Frage zu treffenden Entscheidung ab­hängig gemacht. Es erscheint daher nicht ausge­schlossen, daß England durch seine Machtentfal- tnng einen Druck auf seinen Gegner auszuüben beabsichtigt; es will mit starken Kräften sofort an Ort und Stelle sein, wenn Angora seine Ab­sicht wirklich aussührt und sein Heer mobil macht, umsomehr, als immer wieder verlautet, daß Rußland bei einem Konflikt zwischen England und der Türkei sich aus Seite der letz­teren stellen Will.

Nun sind trotz aller persönlichen Vorliebe Macdonalds für Rußland die englisch-rus' fischen Beziehungen zurzeit sehr gespannt Der englische Gesandte ist von den Sowjets alle» andere als entgegenkommend behandelt worden und bat das wenig freundlich gefinnte Moskau bereits wieder verlassen. Die vom britischen M' Alicen Amt veröffentlichten russischen Geheimdokumente, in denen die engli­schen Kommunisten aufgefordert werden, den Aufruhr in England vorzubereiten, haben in England große Erregung hervorgerufen, Mit sckelen Augen blicken auch feit einiger Zeit die Engländer aus die geschäftige Tätigkeit, welche die Sowjetrepublik ihrer bisher etwas vernach­lässigten Flotte widmet. Die Anstrengungen im Bau neuzeitlicher Schiffe auf vielen rusti- schen Werften sind in London nicht unbekannt gebt eben, die im Schwarzen Meer bereits angelegten und noch geplanten Befestigun­gen sind zu stark und zu ausgedehnt, um al­lein gegen Rumänien und Georgien gerichtet zu fein: sie Bestrebungen, einen großen Kriegs­hafen an der M u r m a n - K ü st e zu bamn, und dort einen beträchtlichen Teil der russischen Flotte ständig zu belassen, können nicht nur mit der Absicht der Sowjets zusammenhängen, ihren Einfluß in Ostasien zu vermehren, sondern ge­ben auch für die Politik im Nahen Osten Jji

denken. , ., _

Es ist also Wohl zu verstehen, wenn die Eng­länder schon frühzeitig starke Kräfte bei der Hand haben wollen, um den Russen tm Schwarzen Meere ihre Ueberlegenheit zur See zu zeigen Die englische Besorgnis wird noch .verstarki durch die französische Nervosität, die gleichfalls infolge der geheimnisvollen russischen Tatig.eit entstanden ist. Eine Meldung des .Echo de Pa­ris' besagt, die französische Regierung hat ubei die angeblichen Absichten der Sowietregierung. die russische Flotte durch den Suezkanal nach Ostasien zu senden, einen Meinungsaus­tausch zwischen den Alliierten eingeleitet Dem Temvs' zufolge zeige sich in leitenden Kreisen deshalb eine aewisteBeunruhigung, weil weder der russische Vertreter in London noch die Moskauer Regierung selbst ein Dementi der feit Tagen umlaufenden Meldungen geben.

Nach diesen Vorgängen kommt man auf man« cho-lei Vermutungen. Möglich ist, daß die br i - tische Flotte im Mittelmeer bereit sein will, wenn die russische Flotte sich im Rahen Osten betätigen sollte. Schließlich konnte die britische Flottenversammlung aber auch mit dem Aui- stand der Wahabiten in M e k k a in Verbindung gebracht werden, der letzten Endes doch auch Englands Stellung in Indien bedroht Em Erscheinen starker Seekröste an der syrischen und arabischen Küste führt den Bewohnern wieder einmal Englands Hauptmacht vor Augen und zeigt ihnen, daß sie ungestraft zwar fallengelanc- ne Günstlinge, entthronen können, aber nicht darüber hinaus Feinde der britischen Weltmacht unterstützen sollen. — Die nächsten Tage werden den Schleier lüsten und aus dem Kurs, den die englischen Flotten von Malta nehmen ergeben sich von selbst Englands Absichten Oder sollte das ganze -twa nur ein geschicktes W.iblmano- ver bet Arbeiterpartei sein? Vielleicht will

Getzlers »aitung.

München, 27. Oktober. (Eigener Trahtbericht.) Am Sonntag trat in München eine Sitzung des Landesausschusses der Deutschen Demokratischen Partei in Bayern zusammen. Reichweyrminlster Dr. Getzler vertrat die Anschauung, daß man die Deutschnationalen zur Beran t- w o r t u n g in der R e 5 i e r u n g zwingen müs­se. Die demokratische Partei müsse die Politik der Mitte weiter führen. Die geschichtliche Auf­gabe der Reichswehr sei einmal, den Wehrgedan­ken in eine bessere Zeit hinücherzuretten und Dann, den Staat vor Gefahren zu schützen. Die Deutsche Demokratische Partei in Bayern müsse der bürgerliche Block gegen den Partikularismus sein Reichswirtschaftsminister Hamm wies u. : a. darauf hin. daß zwischen den Begaffen demo­kratisch und liberal sehr ost nur künstliche Gegen­sätze geschaffen würden. — Der Landesausschutz bat aus den Darlegungen des Reichswehrmml- sters Dr. Getzler mit Genugtuung entnommen, daff keine grundsätzlichen Meinungsverfchieden- - beiten zwischen ibm und der Deutschen Dernokra - tischen Partei «eben.

den deutschen Organisationsleitern stattgesun- den bat und zu der mehr als 50 kommunistische Füstrer erschienen waren. Den gestrigen ersten Wahlversammlungen int Reiche kommt zumeist nur die Bedeutung zu, den Zentralleitungen Material für die endgültigen Richtlinien znzu- Ühren, nach denen der Mahlkampf geführt wer- >en soll Der eigentliche Beginn der Wahl- chlacht steht naturgemäß noch bevor.

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Voi're,..» r Schutz.

Berlin, 27. Oktober. (Privattelegramm.» Der preußische Minister des Innern, Severing, hat im Hinblick aus die bevorstehenden Wahlen im Reiche und in Preußen eine Verordnung zum Schutze der Wahlfreiheit erlassen. Die Bereitstellung von Polizei soll überall da erfol­gen, wo begründeter Verdacht zu gewalttätiger Sprengung von Wahlversammlungen gegeben ist.

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Sie Bleie d Stnlrume.

Berlin, 27. Oktober. (Drahtmeldung.) Wie wir aus sührenden Zentrumskreisen erfahren, wird das Zentrum im gegenwärtigen Wahl­kampf feine ganze Kraft dafür einfctzen, daß die bisherige Regierung eine Mehrheit er­hält und eine Einbeziehung der Deutschnationa­len in die Regiernngskoalition nach den Wahlen überflüssig wird. Das Zentrum habe den Ein­druck, daß es sehr wohl möglich sein werdenden Regierungsparteien durch die Reichstagswaßlen eine tragbare Mehrheit zu verschaffen. Die ganze Kraft müsse sich darauf konzentrieren, dieses Ziel zu erreichen, da man in einer Ber- chiebung des Kräfteverhältnisses nach rechts oder nach links keinerlei Sicherung der Täna- keit der eingeleiteten Ausbaupolitik erreicht, könne.

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©trefemannss Stellungnahme.

Mühlhausen. 27. Oktober. (Eigener Drccht- bericht.) Im Rahmen des türingischcu Partei-

bezirfen: Demokraten 60 731, Sozialdemokralen 146989, Mieterverband 6467, Deutsche Bo s- partei 60 703, Unabhängige ^italiften 1419, Wohnungssuchende 3089, Völkisch-Sozialer Block 11680, Kommunisten 68 35/, Gewerbetreibende 6135, Freier Wirtschaftsbund 2059, Zentrum 7359, Dentschnation.ile 76 142, ©anfeatenbunb 81, Grundeigentümer 2541. Volkswirtschaftler- bund 241. Tie Zahl der abgegebenen gültigen Stimmen beträgt 453 993, ungültige Stimmen 2521, zusammen 456511. ES sieben noch etwa 50 Wahlbezirke ans. (Siehe auch 3. Seite.)

tageS der Deutschen Volkspartei sprach Reichsautzenminister Dr. Stresemann ge­stern in einer von Tausenden besuchten Ver­sammlung über die politische Lage. Seine Aus- oiinyrn uu» ocin <nriu#t uumrycn, ,mu utv sührungeil bewegten sich in den Gedaukengaugen gestern abgehaltenen Wahlversammlungen, mit- feiner in Frankfurt am Main und Hamburg ab- gegebenen programmatischen Erklärungen, bei feinen Ausführungen über die letzten wirtschaft­politischen Vorgänge wandte sich Dr. Strese­mann gegen die von dem Führer der demo­kratischen Partei, Erkelenz, in Hamburg ab­gegebenen Erklärungen. Wenn die Berichte über diese Rede zutreffend feien, dann könnte Herr Erkelenz gainicht die bisherige Regiernngspon- tik weiter verfolgen und proklamiere den An fchlutz der Demokratie nach links unter Ausfchlnß aller derjenigen Parteien, die rechts vom Zentrum stünden. Wolle die demokratische Partei diese Entwicklung nehmen, so werde sic sich über die Folgen täuschen, die daraus für fte entständen. Man werde abzuwarten haben, ob der demokratische Parteitag sich auf denselben Boden stelle. Für die D e u tsche V o lkspar- t e i komme keine andere Politik in Frage als diejenige, die sie bisher zum Ausdruck gebracht habe, nämlich die Führung der Mitte unter Einschluß der staatsbejahenden bürgerlichen Kräfte, nachdem durch die Sozialdemokratie eine andere Lösung abgelehut worden sei.

die Stimme von

Oberbürgermeister Scheidemann.

Er spricht ohne Zweifel als Reichstagskandidat. An frühere Zeiten erinnert er, wo alles ver­folgt wurde, was liberal dachte. So gehe es jetzt dem General von Deimling, der mit Schmutz beworfen werde. Die Kampfmittel der Reaktion seien Verunglimpfung, Verleumdnnz und Meuchelmord. Diese seit Wochen geplame Kundgebung sei keine Wahldemonstration, keine Wahlversammlung, dennoch... der Redner be­spricht die Situation vor und nach der Reichv- tagsauslösung und polemisiert scharf gegen Lu­dendorff. Der erstrebte Bürgerblock könne nichts anderes sein als neue Herrschaft de» Adels und des auf geben und Tod mit ihm verbündeten Geldsackes, die brutalste, junkerlicki- kapitalistlsche Herrschaft über den ehrlich Arbei­tenden. Die Forderung müsse lauten: Freiheit des deutschen Volkes nach außen und innen! Tas „Reichsbanner" sei eine Gewähr für die dem sehe Republik, für die Unverletzlichkeit der Verfassung. Dem .Reichsbanner" galt Schclde- manns „Frei Heil!" Die Antwort der „Reichs- banner"-Kolonnen ist der Gesang ihres Liedes. Dann wird das der alten Reichssturmfabne ähnliche Banner des Kreises Kassel und die Fahne der Ortsgruppe Ochshausen vorgefuhrt und

General von Deimling

redet zu seinen Kameraden. Erhebend sei die Kundgebung von Tausenden von sturmerprobten Männern, die vier Jahre lang im Weltkrieg heldenmütig gegen eine Welt von Feinden ihr Vaterland verteidigt haben und die jetzt wieder bereit ständen, um ihr Vaterland vor inneren Gefahren zu schützen. Die Reichsbanner-Orga­nisation habe jetzt die dritte Million Mitglieder erreicht u. 6 Millionen Fäuste zeigten dem deut­schen Volk und der Welt, daß Deutschland nicht nur eine Revublik ist, sondern daß es in ihr auch Republikaner gebe. Es gehe jetzt um Zweierlei: Demokratie und Wiederaufstieg oder Reaktion und Abstieg und neuen Weltkrieg auf deutschem Boden! Der General gebt dann tief in die Geschichte und fuhrt an, wie Schwarz- Aot-Gold die Reichssturmfahne war, wie die gleichen Farben Von Karls V. deutschen tanö^ knechten getragen wurden, dann Lützows Frei­korps, die Burschenschaften usw. Die deutsche Armee kenne Schwarz-Weiß-rot erst seit 1897. Jedem alten Soldaten werden diese Farven stets ehrwürdig bleiben, er Wird sie nie ver­gessen, aber nach dem Zusammenbruch brauchte der funge Staat eigene Hoheitszeichen und so wählte er die altheiligen Farben, für die Re­spekt verlangt werden müsse. Zu diesen Farben bekenne sich vor aller Welt das Reichsbanner. Dann hebt der General die Rechte und weiht die neue Fahne mit dem Spruche:

„Ueber alles das Vaterland!"

Auf dieses deutsche Vaterland bringt er ein dreifaches Hoch aus. Es folgt der Gesang der dritten Strophe der Nationalhymne: „Einigkeit und Recht und Freiheit!" Wieder Kommandos, dann Parademarschmusik und Vorbeimarsch der endlosen Kolonnen... immer wieder hebt der General die Rechte an die Mutze. Herzlich lacht

Ausnahme von Ruhestörungen in Potsdam, überall ruhig verlaufen. Die angelünöißtcn kommunistischen Berkammlungs - Sprengungen haben nirgends eingesetzt, was wohl damit zn- ammenhängt, daß am gestrigen Sonntag in der russischen Botschaft in Berlin eine Konferenz der Vertreter der Moskauer Internationale mit

Hamburger Wahlen.

Zusammenstellung des vorläufigen Ergebnisses (Eigene Drahtmeldung.»

, Hamburg, 27. Oktober.

Die gestrigen Bürgerfchaftswahlen in Ham­burg haben wesentliche Aenderungen in der Partei,usamensetztmg der Hamburger Bürger- schuft nicht gebracht. Soweit bi8 Mitternacht Meldungen vorliegen, ist wieder mit einer Koa­lition zwischen Tcuwkraten und Sozialdcinokra- len zu rechnen. — Ergebnis auS 550 Wahl-

Der von der Herbstsonne bestrahlte Fried- richsplatz bietet das Kundgebungsbild, wie er es schon mehreremale zeigte. Vor und hinter in Mengen gedrängten Menschen die Polizei, beritten und zu Fuß. Mit Trommeln und Pfeifen und schwarz-rot-goldenen Fahnen und Fähnlein rücken die einzelnen Abteilungen des Kasseler „Reichsbanners Schwarz - Rot - Golo" zum FriedrichSplatz. Bald staffeln sich wohlge­ordnet die khakifarbenen Kolonnen. Kommun- dorufe... Stillgestanden, richt euch, Augen rechts... Meldung bei der Gauleitung... wie enift, nur in etwas veränderlicher Form!

Mit roten Fähnlein ruckt die Arbeiter­jugend an. Gleich darauf fährt ein Auto am Schloß vorbei zur Landesbibliothek, wo die Inhaber von Ehrenkarten sich gesammelt haben. Äußer Stadwätern und Stadtverordneten >st Polizeipräsident Haack zu erspähen. Ein Ah geht durch die Menge, eine leichte Bewegung... „Der General"... von Deimling!" Er ist's. Bei ihm befindet sich außer demokratischen Angehörigen der Reichsbannerleitung Oberbür­germeister Scheidemann. JE er General trägt zum braungrauen Mantel mit Militärknöpfen und Lederkcppel blaue Mütze und schwarz-rot- goldenes Abzeichen, sowie die Kokarde des neuen Heeres. Jetzt Blechmusik, ein Fahnenwald in den neuen Farben ruckt an... die Fahnenab­teilung! Und wieder: Stillgestanden, richt euch usw. Die Spielleute lassen den Parademarsch erklingen, von den Köpfen der Zuschauer fliegen die Hüte... der Fahnengruß! Der Aufmarsch ist beendet. General von Deimling schreitet mit seinem „Stabe" die Front ab, von jeder Abtei­lung mit „Frei Heil!" begrüßt und bann er­hebt sich von den Stufen der Bibliothek aus