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Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
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Nrrmmer 249. Einzelnummer 10 Pf . Sonntags 15 Pf.
Mittwoch, 22. Oktober 1924.
Einzelnummer 10 Pf . Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang
Die Auflösung des Reichstags.
Berlin, 21. Oktober.
Die Mille für ven bisherigen Kurs.
Berlin, 21. Oktober. (Eigener Drahtbericht.z Die „Germania" sagt zu der ReiÄstagsauflösung: Dieses Parlament war ein verspäteter Spröß- Uno der Inflationszeit, nicht fähig zur prakfischeu Arbeit und de» Todeskeim
Ser Varieikampf.
Berlin, 21. Oktober (Privattelegramm.) Die Bayrische Bolkspartei wird voraussichtlich den Wahlkampf über dir Grenzen des bayrischen Landes hinaustragen und sich vor allem mit den föderalistischen Elementen in Hannover, Rheinland und Schleswig verbinden Tie T e u t s ch n a t i o n a l e n werden den Kampf vor allem flegen das Zentrum unter der Parole „Die glückliche Volksgemeinschaft", führen Die Deutsche Bolkspartei wird das Verlangen der Deutschnationalrn, gleichzeitig den Reichspräsidenten neu zn wählen. energisch unterstützen.
Sntskveidung de« Iteichsprüsidenien.
Berlin, 21. Okt. (Gig. Drahtber.s Aus den letzten Vorgängen vor Erlaß der Verordnung des Reichspräsidenten wird bekannt, daß Reichskanzler Dr. Marx nicht abgeneigt war, auch ohne Demokraten und schließlich auch ohne Herrn G e tz l e r das Reichskabinett nach rechts zu erweitern. Die Verhandlungen nahmen einen günstigen Verlauf und 'landen am Montag nachmittag unmittelbar vor dem Abschluß. Die Entfcheidung lag beim Reichspräsidenten Ebett und diese Entscheidung lautete, wie der „Vorwärts" seit Wochen vorans- saqte, ablehnend. Daraufhin trat um 6% Uhr das Reichskabinett zusammen und beschloß die Auflösung des Reichstages. Im Reichstagsgebäude selbst hatte man, wie alle Morgenblärtcr zugebe», diesen Ausgang der Krise nicht erwartet.
Aeußerungen der Vrefle.
Befürwottung einer einheitlichen Rechtssront.
(Eigener Drabtbettckn.i
Auch Landtags-Auflösung.
Die Beratungen der Fraktionen.
(Eigener Dftrhtbericht.)
Berlin, 21. Oktober.
Im preußischen Landtag finden gegenwärtig unter den Fraktionen Beratungen wegen der Auflösung des Landtages statt. Es ist beabsichtigt, daß der Landtag durch Mehrheitsbeschluß sich selbst auflöfen soll. Der Wahltag soll mit dem für die Reichstagswahlen zusammenfallen. Um indessen die vorlie^nden dringenden Gesetzentwürfe nicht unter den Tisch fallen zu lassen, ist beabsichtigt, daß der Landtag bis zur Neuwahl seine Tätigkeit fottsetzi, wenigstens aber die wichtigsten Gesetzesvorlagen noch erledigen soll. Die Emscheidung hierüber dürste im Laufe des heutigen Tages, spätestens morgen Mittwoch erfolgen. Fest steht aber jetzt schon, daß die Wahlen zu gleicher Zeit mit den Reichstagswahlen zusammen ftattfinden.
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tim den WaMtermin
Berlin. 20. Oktober. (Eigene Drahtmeldung ) Der Termin der Reichstagswahl hängt davon ab, wie schnell im preußischen Landtag die Reform des preußischen Wahlgesetzes verabschiedet wird, die unter allen Umständen noch fortgesetzt werden soll. Die preußische Regierung will für die Preußenwahl den Finheitsstimmzettel einführen. Die meisten Parteien sind aber vorläufig noch dagegen. Man nimmt an, daß die Novelle in den nächsten Tagen vom Landtag verabschiedet wird. Im Wahlkampf werden die Rationalliberalen mit den Deutschnaiionalen eine Listenverbindung cingehen, die den Nationalliberalen eine Reihe von Mandaten sichert.
ReichStagö-Snbe.
Die Partei-Gegensätze.
ES war ein unwürdiges Schauspiel, daß in Berlin seit vielen Wochen eine Erweiterung der Regierung ohne Erfolg versucht wurde Die redlichen Bemühungen des Reichskanzlers sind immer wieder durch die engherzige Prinzipienreiterei und E-fersuchtelrttn gewisser Parteien zunichte gemacht worden. Da die Reichsregierung dieses Schwanken als unerträglich empfand und alle Versuche zu einer Kabinetts-Umbildung, die von einer parlamentarischen Mehrheit gestützt worden wäre, fehlgeschlagen waren, benutzte die Reichsregierung als Ausweg die Auflösung des R erchs- tags Die gestrigen letzten Verhandlungen unter den Fraktionen im Reichstag und der Fraktionen mit dem Reichskanzler wurden ourch zwei Briefe bestimmt, die der Reichskanzler an die demokratische und an die deutschnatlrnale Fraktion gerichtet hat. In dem ersteren Schreiben bat der Reichskanzler die d e- mokratische Fraktion, im vaterländischen Interesse den Reichswehrminister Dr. Geßler als Fraktionsmilglied auch in einem nach rechts erweiterten Kabinett zu belassen In dem Schreiben an die deutsch nationale Fraktion bat der Reichskanzler diese, sich bei einer Neubildung des Kabinetts mtt drei Ministersitzen zu begnügen da er Wert darauf lege, den bisherigen Reicksernährungsminister Grafen Kanltz im Kabinett zu behalten. __
Die deutschnationale Fraktion hatte ursprünglich auf 6 Uhr nachmittags wte Mitglieder berufen, verlegte dann aber ihre L'.tzung schon auf 2 Uhr nachmittags, irm die Enstchet- dung möglichst zu beschleunigen. Nachdem die deutschnational« Fraktion sich in einer etwa zweistündigen Sitzung von neuern mtt der Durchsprechung der «tage beschäftigt batte vertagte sie ihre Aussprache auf %6 Uhr abends, ohne eine materielle Entschließung gefaßt zu haben. Die Fraktion fand nämlich kerne Veranlassung, auf den Brief des Reichskanzlers eine materielle Entscheidung zu fallen, da die Stellungnahme der demokratischen Fraktion, von der der Reichskanzler als Voraussetzung ausge- gangen war. ,u dieser Stunde noch nicht bekannt gegeben war. , c , ,. .
Am Nachmittag um 5 Uhr beendete die d e- mokratiscke Frattiov ihre Besprechung, und der Vorsitzende der Traktion Abg. Koch begab sich Mort zum Reichskanzler, um diesem dre Antwort der Fraktion aus die briefliche Anfrage des Reichskanzlers mitzuteilen. Tie deutsch- nationale Reichstagsfraktion versammel-e sich wieder um 6 Ubr, ging aber ohne weitere Erörterungen sofort wieder auseinander, da sie keine Veranlassung habe, auf die Beschlüsse der demokratischen Frattion oder sonst auf irgend welche Beschlüsse zu warten. Nach 6 Uhr abends endlich gab die demokratische Fraktion ihren dein Reichskanzler durch die Abgg Kock und Erkelenz übermitelten Beschluß bekannt. Der Beschluß wiederholt die früheren Erklärungen. daß n'cht der geringste Grund für eine Re- aierungskrise Vorgelegen habe und daß oas 6 c» stehende Kabinett von dem Reickstag cm glattes Vertrauensvotum erhalten würde Die demokratische Fraktion könne eine einseitige Verbreiterung des Kabinetts nach rechts mtt ihrer Verantwottung nickt decken, zumal in das neue Kabinett auch Teutschnationale be- ruf-n werden sollten, die das Dawes-Gutachten abgelebnt hätten. Auch dem Verlangen, ein Mitglied ihrer Frattion in einem ohne sie neugebildeten Kabinett zu belassen und durch einen solchen halben Beschluß unllare Verantwottlrch- keiten zu schaffen, könne die Fraktion nicht entsprechen
Nach dieser Ablehnung ttat das Kabinett zusammen und kam nack kurzer Besprechung zu der Ueberzeugunq, daß die Regierungsumbildung unmöglich sei Infolgedessen haben auf Veranlassung des Kabinetts der Reickspräsident und der Reichskanzler noch gestern abend folgenden Erlaß zur Auflösung des Reichstags herausgegeben:
Parlamentarische Schwierigkeiten machen bic Beibehaltung der gegenwärtigen Regierung und gleichzeitig die Bilvung einer neuen Regierung auf der Grundlage der bisher befolgten Innen- uMd Außenvolttik unmöglich Auf Grund des Artikels 25 der Reichsverfaffuriu löse ich deshalb den Reichstag« uf
Berlin, den 20. Ottober 1924.
Der Reichspräsident- (gez.f Ebert.
Der Reichskanzler' (gez.) Marx.
Wie dazu weiter gemeldet wird, sollen die Neuwahlen am 30. November oder Mille Dezember statlfinden. Es ist jetzt vor allem zu wünschen, daß der Wahlkautpf in würdigen Formen geführt wird.
Wahlen am 7. Dezember.
Berlin, 21. Oktober. (Amtlich) Der Reichspräsident hat durch Verordnung vom 21. Okt. die Hauptwahlen zum Reichstag auf den 7. Dezember anberaumt.
Erregung im Reichstag.
Berlin, 21. Okt. (Privattelegramm.) Im Reichstag hat gestern bis zu dem Augenblick, wo die Auflösungsverordnung des Reichspräsidenten bekannt wurde, niemand ernsthaft daran geglaubt, daß diese gefürchtete Maßnahme getroffen werden könnte. Die Nachricht davon schlug w i e eineBombe ein. Die Abgeordneten strömten größtenteils sofott in ihre Fraktionszimnrer, wo man alsbald mit den vorbereitenden Arbeiten ür die Wahlaufrufe begann. Mündlich satten gestern die demokratischen Abgeordneten dem Reichskanzler noch den Rat erteilt, mit der bisherigen Regierung am Mittwoch vor den Reichstag zu treten, ein Rat, den der Kanzlei» angesichts der Haltung der Deutschen Bolkspartei nicht befolgen konnte. Der Staatssekretär der Reichskanzlei hatte um acht Uhr dem Reichs- tagsprasidenteu Wallraf die Auflösungsverordnung überbracht. Damit existiert der bisherige Reichstag rechtlich nicht mehr, und ebenso wie keine Vollsitzung können Ausschutzfitzungen nicht mehr stattsinden. Die Sitzungen, die noch angesetzt waren, find sämtlich abgesagt worden. Den Fraktionen ist es unbenommen, sich auch weiter in den Räumen des Reichstages zu versammeln. Für heute vormittag sind außerordenttiche Sitzungen sämtlicher Fraktionen angesagt. Ein neuerKabinetts r a t ist sür h e u te in Aussicht genommen, in dem vor allen Dingen der Termin für die Reichstagswahl beraten werden soll.
Nachdem die wochenlangen Bemühungen dcs Reichskanzlers, das Reichskabinett auf eine breitere Grundlage zu stellen, gestern endgültig ge- cheitett sind, hat der Reichsprästdent auf Veranlassung der Reichsregierung den Reichstag aufgelöst, um durch Neuwahlen eine Volksentscheidung hekberzuführen. Diese plötzliche Wendung kam selbst den parlamentarischen Kreien überraschend, wie aus dem nachstehenden Berliner Dmhtbericht ersichtlich ist;
Die „Deuttche Tageszeitung" nennt die Reichstagsauflösung nach dem Wirren und unwürdigen Hin und Her zielloser und aussichtsloser Verhandlungen das kleinere Uebek. Hinsichtlich der Neuwahlen spricht das Blatt den dringenden Wunsch aus, daß nach Möglichkeit eine einheitliche Front der rechtsstehenden Parteien für die Wahlen hergestellt werden. — Auch der „Lokalanzeiger" setzt sich für ein Zusammengehen der Deutschnationalen mit der Deutschen Bolkspartei bei den kommenden Reichstagswahlen ein. Wie die Deutsche Volkspartei in den letzten Wochen unablässig die Rc- gierunserweiterung nach rechts hin betrieben habe, so werde sie im bevorstehenden Wahlkampf alle ihre Kräfte für das gleiche Ziel einzusetzen haben. — Die „Deutsche Avg. Zeitung" bezeichnet es schließlich als die positive Forderung der Stunde, daß Deutsche Bolkspartei und Deutschnationale mindestens ein Wahlabkommen treffen müssen. Es verstoße gegen die nationalen Interessen, wenn diese beiden Parteien sich im Wahlkampf bis aufs Messer befehden.
(Segen den Reichspräsidenten.
Berlin, 21. Ott. (Privattekegr.) Die dentschnationale Fraktion verlangte heute vormittag einmütig den Rücktritt des Reichspräsidenten, nm die Neuwahl dcs Reichspräsidenten gleichzeitig mit der Neuwahl des Reichstags vornehmen lassen zu können. Die Deutsche Bolkspartei unterstützt die Forderung. Als gemeinsamer Kandidat der Rechtsparteien kommt eine Persönlichkeit in Frage, die nach keiner Richtung hin einen Widerstand Hervorrufen könnte. Für diese Kandidatur spricht man bereits von dem früheren bayerischen Ministerpräsidenten Grafen Hettling.
bei seiner Gebutt in sich tragend. Ein einziges Mal Hai der Reichstag feine Pflicht erkannt, als er am 29. August die Dawesgesetze mit großer Mehrheit annahm, doch war dieser Beschluß erst der Anfang einer Politik, die fortgesetzt werden muß, wenn nicht alle Erfolge der letzten Zeit wieder tn Frage gestellt werden sollen. Die Sicherung des bisherigen Kurses der deutschen Politik wird das Ziel der bevorstehenden Wahlen ein müssen. — Unter der Ueberschrist „Für die Republik" schreibt der Borfitzende des Pattei- ausschuffes der demokratischen Partei, Erkelenz, in der „Boss. Zeitung": Der durch den sranzöfl- chen Imperialismus des Herrn Poineaxs, durch die Markzerrüttung und Inflation erzeugte Reichstag hat geendet. Run handelt es sich um die Sicherstellung der Gefundung in der deutschen Außenpolitik, die feit London angebahnt ist. "Das schwerleidende besetzte Gebiet fordert mit Recht eine demokratische Innenpolitik
Nie Linke sudelt.
Berlin, 21. Ottober. (Eigener Drahtbettcht.) Der „Borwätts" erflärt, daß die Kunde von der bereits vollzogenen Auflösung des unmöglichen Reichstages vom 4. Mai überall in den Kreisen der Sozialdemokratie geradezu Jubel hervorgerufen habe. Man empfinde diese Auflösung als einen Sieg der Vernunft und des Rechts.
Die Reichsbahn.
Deutsche Gesellschaft unter fremder Aufsicht.
Heber die Organisation der neuen Reiehsbahngesellsltzäft find die nach. ftehendenSanptpnntte beachtenswert Auf Grund des vom Reichstag angenommenen! Reichsbabngesetzes geht die Reichseisenbahn aus den Händen des Reichs in feie einer Reichs- bahngesellschast Wer, in der jedoch das Reich maßgebenden Einfluß behält. Zum Gene- raldirettor der neuen Reichsbahngesellschast ist der bisherige Reichsverkehrsminister Oeser ernannt worden. Allerdings ist der aus län- dische Einfluß innerhalb der neuen Gesellschaft nicht zu unterschätzen. Maßgebend wird für die Zukunft die Zusammensetzung des Verwaltungsrats fein, dessen Befugnisse nach dem Reichsbahngesetz außerordentlich groß ind. Als Vorbild für die Organisation der Reichsbahngesellschast hat nämlich nicht die deutsche Aktiengesellschaft gedient, sondern die Verfassung der englischen und französischen Ei- senbahngesellschasten, die die eigentliche Leitung des Unternehmens in die Hand des Verwaltungsrats legt, sodaß auch der Generaldirektor mehr ausführende als leitende Funktionen aus. übt. Der Verwaltungsrat hat nicht nur die Geschäftsführung zu überwachen, sondern auch über alle wichtigen und grundsätzlichen Fragen von allgemeiner Bedeutung zu entscheiden, wobei er selbst allein darüber entscheidet, welche Angelegenheiten als solche b^Maer oder grundsätzlicher Art a^gcteC1 f°' wurden allgemeiner Bedeutung nutz-chast zoa tun burt
Wie der ' tzterungsdirektor bei der Hamburger Senatskommission für die Eisenbahnangelegenheiten, Dr. Kurt Giese, im Hamburger „Wirtschaftsdienst" ausdrücklich feststellt, ist es erfteulicherweise gelungen, die deutsche Mehrheit auch im Verwaltungsrat sicherzustellen. Von den 18 Mitgliedern des Verwaltungsrats ernennt die deutsche Reichsregierung allein 9. Später müssen von diesen 9 Verwal- rungsratssitzuug allerdings 4 den Inhabern von Vorzugsaktien eingeräumt werden. Aber auch deren Vertreter int Verwaltungsrat müssen Deutsche sein. Die übrigen 9 Verwaltungsratzmitglieder ernennt zwar der ausländische Treu- bänder; aber 5 der Ernannten können Deutsche sein, und tatsächlich hat der Treuhänder bereits 5 Deutsche und 4 Ausländer zu Verwaltungsratsmitglieder ernannt, sodaß im Verwaltungs' rat zunächst 14 Deutsche 4 Ausländern gegenüber' stehen. Selbst wenn der Treuhänder aber später bei Vakanzen mehr Ausländer ernennen sollte, bleibt die deutsche Mehrheit gesichett, da bei Stimmengleichheit der Präsident des Verwaltungsrats, der stets ein Deutscher sein muß, den Ausschlag gibt.
Neben dem Verwaltungsrat steht ein Arbeitsausschuß, der vor allem die laufenden Verwaltungsarbeiten zu erledigen hat. Von seinen sechs Mitgliedern werden drei durch die von der Reichsregierung ausgewählten Ver- waltungsratsmitglirdrr und drei durch die vom Treubänder ausgewählten Verwaltungsrats- mitglieder ernannt. Auch hier kann man die deutsche Mehrheit als gesichett ansehen. Zur Zeit setzt sich der Arbeitsausschuß aus fünf Deutschen und nur einem Ausländer zusammen. Den Vorstand endlich, bestehend aus dem Generaldirektor und den Direttoren, müssen nach dem Gesetz ausschließlich Deutsche bilden, ebenso muß das gesamte Beamtenpersonal der Ge
sellschaft gleichfalls deutsch sein.
Neben diese eigentliche Verwaltung der Reichsbahn, in der der maßgebende deutsche Einfluß festgelegt ist, tritt nun allerdings der mit sehr weitgehenden Rechten ausgestattete fremdländische Eisenbahnkommis- s a r. Er ist der Vettrauensmann der amerikanischen Geldgeber und soll die Verwaltung im Interesse dieser seiner Aufttaggeber beaufsichtigen. Werden die Zinsen und Tilgungsbeträge der Reparationsschuldverschreibungen, die auf der deutschen Eisenbahn ruhen, an die amerikanischen Gläubiger pünttlich bezahlt, so kommt der Einfluß des fremdländischen Eisenbahnkommissars nicht allzu stark zur Geltung. Er haty dann nur Aufsichtsbefugnisse und hat das Recht, alle Anlagen und Dienststellen zu besichtigen sowie die erforderlichen Unterlagen und Auskünfte zu verlangen. Einspruch beim Generaldirektor darf er gegen jede Bau-, Betriebs- oder Tattfmatznahmen erheben, wenn er der Ansicht ist, daß durch sie die Reckte der Schuldvrrsckreibungsgläubiger oder der Revarattonskommission bedroht werden, oder daß gar die Zahlungen für den Zinsen- und Tilgungsdienft der Schuldverschreibungen gefährdet sind B'.eil't dieser Einspruch beim Generaldirektor erfolglos, so kann der Kommissar die Angelegenheit vor den Verwaltungsrat bringen. Auch hier entscheidet aber letzten Endes die deutsche Mehrheit. Weit stärker tritt der ausländische Eisenbahnkommiffar in den Vor--