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Mder Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Nrrmr: er 239. Einzelnummer 10 Ps, Sonntags 15 Pf. Freitag, 10. Oktober 1924. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf 14. Jahrgang
Sturz der britischen Regierung.
tim die Anleihe.
Sine sachkundige Kritik.
Da weite Kreise der deutschen Wirtschaft das Lcudoner Protokoll als durchführbar bezeichneten, hat die Reichsregierung mit ihren Organen jede Kritik als gewissermaßen böswillig hingestellt. lieber die Tragweite des Dawesgutach- tens herrscht ein derartiger Optimismus, daß Kritiken hervorragender Fachleute einfach nicht beachtet werden, selbst wenn sie von der Autorität eines Sir Cassel sind oder der des Cambridger Professors John Manyard Keynes, Autoritäten, die in ihrer Beurteilung des Gesamtproblems seit Jahren durch die Ereignisse gerechtfertigt wurden. Im Dienst der deutschen Interessen liegt es, auch diesen Kritiken Gehör zu geben.
In der Londoner „Nation" hat Keynes jetzt eine Kritik des Dawesplanes veröffentlicht, die mit vielen Illusionen ousräumt und sich vicl- fach mit unserer Stellungnahme berührt. Keynes weist darauf hin. daß die „Wichtigkeit der Reparationsanleihe üb euch atzt Werde". Es sei unsinnig, daß die öffentliche Meinung Deutschlands und Frankreichs in so hobem Maße durch die Erwartung einer Anleihe beeinflußt werde, deren Höhe nur beilaung dem Betrage gleichtommt, den Deutschland nach dem Plan in den ersten acht Monaten zu bezahlen hat. Im nächsten Juli wird Deutschland den Alliierten den Wert aller Vorläufer dieser Anleihe zurückerstattet haben, eine Anlethe die nur soviel beträgt, Wie Deutschland alle vier Mo- naie zu zahlen hat, wenn der Dawesplmt in Wirksamkeit tritt. Zur Aufrichtung der Konkurrenzfähigkeit Deutschlands trage die Anleihe kaum bei. Sie sei klein im Verhältnis -nm deutschen Bedarf an Arbeitskapital. Aber auch spekulative Anlagen ausländischen Kapitals in Deutschland würden nicht im erhofften Matze erfolgen, denn, sagt Keynes, solche Geschäfte wurden nur gemacht, wenn ein entsprechender Nutzen
dabei herauskäme.
Die Geringfügigkeit der Summe, die Deutschland erhält, ist auf ein Faktum zurückzufübren, das vielfach übersehen wurde. Die nach dem Dawesplan Deutschland aufgezwungene neue Staatsbank muß in Gold oder bei Auslandsbanken einen Betrag festhalten, der 13!<--z- des Notenumlaufes und 12 Prozent der Depositen beträgt. Die bestehenden Goldreserven der in dieser neuen Bank aufgehenden Institute sind aber bedeutend unter dem vorgeschnebenen D e ck u n q s b e t r a g. Ich nehme an, daß etwa ein Drittel der Anleihe bet Auslandsbanken de- gmiert werden muß, um das vorgeschriebene eckungsverhältnis zu erreichen. Dabei ist sur die im April 1926 vorgesehene Einlösung der Dollarfchatzscheine, für die ein Teil des Goldes der Reichsl-ank verpfändet wurde, keine Voriorze getroffen. Um einen normalen Zustand herzustellen, müßte fast die ganze Anleihe für Deckungszwecke herangezogen werden.
Keynes weist weiter daraus hin, daß wohl die Hälfte der Anleihe praktisch zunächst - m A u s - I a n be M e i b e n würde, um für eine in naher «eit zu erwartende Erhöhung des Notenumlaufes und eine Erhöhung der Einlagen Sorge zu tragen. Deutschland würde daher Geld zum Satze von etwa acht Prozent erhalten und die Hälfte davon der Entente gegen eine Vergütung von Mei Prozent wieder überlassen. Man könne daher annehmen, daß Deutschland davon keine Rohstoffe im Uebermaß einvausen kann Die deutsche Wirtschaftskrise Jet bedingt durch Mangel an flüssigem Geld, vieler Mangel würde aber durch Auslandskredite nicht behoben. Das Ausland könne vielleicht ein Viertel des deutschen Kapitalbedarfes gegen eine schwer belastende Verzinsung von zehn bis zwanzig Prozent befriedigen, aber unter dem Dawcs- vlan wurden Ausländer unter normalen Zins- faken reine Kapitalien in Deutschland anlegen. „Die Kapitalknappheit wird daher zum grollten Teil nicht anders behoben werden können als durch deutsche Spartätigkeit. Die ist aber ausgeschlossen, wenn man Deutschland Jahr für ^ahr das Fell über die Ohren zieht. Die Sachverständigen hätten der Auffüllung des deutschen Betrievskapttals mehr Ausmerk,a-n.ett widmen müssen." Deutschlands Arbeit werde künftighin „halb sklavenmaßig" sein.
Keynes behauptet, die Politiker hüteten sich, in die Geheimnisse des Dawesplanes hmeinzu- leuchten. Es fei nur dann günstig zu beurteilen, wenn .feine Urheber den Versuch gemacht haben, das Gutachten so zu gestalten, daß es bet iott- schreitender Entwicklung den Beweis der eigenen Undurchführbarkeit erbringt". Keynes kommt zu dem Schluß: „Ter Dawesplan will die Schaffung eines Systems, das unvereinbar ist mit Menschlichkeit oder Gesittung. Keynes st evtimistifch genug zu glauben, sie auslaiidilcheu Kontrolleure der ausländischer» Maichlnere in ^»utt'chland wollten nur den Beweis erbringen, "baß bei einem eventuellen Zusammenbruch iede mögliche Vorsichtsmaßregel ergritfen wuide und daß dieser Zusammenbruch nichts
Die deutsche Kabinettftage.
Stellung der Parteien zu deu Richtlinien.
Berlin, 9. Oktober. (Privattelegramm.) Die Fraktio.nen des Reichstags sind gestern zu- fammengetrcten. um über die ihnen zugestellten Richtlinien des Reichskanzlers zu beraten. Für heule vormittag ist grosser Partei- führerempfang. beim Reichskanzle>r vorgesehen, der zunächst Die Mitglieder der Koalitionsparteien und im Anschluss daran die Deutschnatio- nalen und die Sozialdemokraten empfangen wird. Die Antworten der Fraktionen liegen seit 9 Uhr abends vor. Die drei Bedingungen der Deutschnationalen sind: 1. CHristlicho Kultur als Grundlage des Staatslebeus, 2. Bekämpfung jedes den Arbeitssrieden bedrohenden Terrors, 3. Anerkennung und roet tere amtliche Verfolgung der Regierungsorllsi. rung vom 29. August über die Richtschuld Deutschlands am Kriege Die Deutschnationale ReichMUgsftaktion hat ihre Unterhändler zu weiteren Berhandlungen ermächtigt. — Die S o- zialdemokraten haben keinen Beschluß gefaßt. Sie billigten lediglich die bisherige Haltung ihrer Unterhändler und ermächtigten sie, in demselben Sinne weiter zu verhandoln.
Sie ©altung 6er Sozirttdsmottaren.
Berlin, 9. Oktober. (Privattelegramm.) Der „Vorwärts" veröffentlicht einen Brief des Vorstandes der sozialdemokratischen Retchs- tagSfraktion an den Reichskanzler, der sich eingehend mit den vom Kanzler ausgestellten Richtlinien beschäftigt. In dem Absatz 1 der Richtlinien. die vom Schutze der Reichsverfassmtg handeln, sei das Wort „Republik" vermieden worden. Da der Führer der Mehrheit der deutschnationalen Fraktion, Echta,-o--.- ' gen. oor kurzem noch für die Rückführung der Monarchie öffentlich propagiert habe, m isse naih Auffassung der Sozialdemokraten jede Partei, die in die Reichsregierung einbezogen werden
anderes barzustellen vermag, als die vollkommene Unmöglichkeit der Durchführung Yes Experiments". Aber auch dieser Glaube steht auf wankenden Voraussetzungen.
Llm das NeichswaMesetz.
Bor der Auflösung des Reichstags?
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 9. Oktober.
’ Angesichts der drohenden Auslösung des Reichstages hat sich das Kabinett bereits mit der Frage beschäftigt, ob das R e ich s ° Wahlgesetz auch dann noch vom Reichs-age verabschiedet werden soll, wenn der cigetitliche Beginn der politischen Aussprache in diesem Reichstage nicht mehr Ur Aussicht genommen wäre. Die Meinungen darüber sind vorläufig noch geteilt. Heftiger Widerstand gegen den Entwurf wird vor allem von den Frauen aller Parteien geleistet. Der Entwurf sieht nämlich das Einmännersystem für jeden Wahlkreis vor, und die Frauen befürchten nicht mit Unrecht daß sie. wenn dann jeder Wahlkreis nur e i n e n Abgeordneten zu wählen hätte, in den Fraktionen noch mehr in das Hintertreffen geraten wurden, als. es im Lause der Entwicklung der letzten Jahre schon jetzt der Fall ist Die Frauen haben sich daher zusammengeschloffen, um in diesem Punkte eine Aenderung des Entwirrst herbeizu- sühren, und sie werden in den nächsten Tagen die Besprechungen darüber sortsetzen. um über ei- s.lqhd,H,nN. tzbrq an o Usssedk.egde chck neu demokratischen Kompromißvorschlag zu beraten, der, ohne den Grundgedanken des Entwurfs anzntastcn, den Forderungen der Frauen mehr entgegenkommt. Jedoch wird in den politischen Kreisen die Aussicht für eine Verabschiedung des Gesetzes nicht sehr günstig beurteilt, da die Reicklsregierung in ihrer überwiegenden Mehrheit der Ansicht ist, daß jede Einberufung beS Reichstages mnlichst vermieden werden muffe, wenn die Verhandlungen über die Regierungsumbildung scheitern sollten.
Die Dölkerbundfrage.
Rach den Antworten der Machte.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 9. Oktober.
Tie maßgebenden Antworten auf das deutsche Memorandum in der Bölkerbundfrage und zum größten Teil etngelaufen. Das Reichskabt nett glaubt, daß ebenfalls der weitere Gedankenaustausch mit der französischen Regierung über die noch nicht beantworteten Punkte der deutschen Anfragen bis Ansang nächster Woche beendet sein wird. Das Kabinett plant alsdann
will, in der Frage der Staatsform einer ganz unzweideutigen Fassung des Regierungssystemszustimmen. Hinsichtlich der Außenpolitik komme es nach Ansicht bot Sozialdemokraten jetzt daraus an. vor aller Welt klar zu stellen, daß sich die Reichsregierung aus die Fortführung der bisherigen Außenpolitlk des Kabinetts Marx festlegt. Die sozialdemokratische Fraktion nehme an, daß der Eintritt Deutscksiands in den Büllorbund so schnell wie möglich erfolgen werde Das Programm der Reichsregierung mässe ferner die Ratifikation des Washingtoner Abkommens über den Achtstundentag enthalten. Bezüglich der Steuer-, Wirtschafts- und Handelspolitik wird in dem Brief botnertt, daß die zum Schutze der menschlichen Arbeitskraft und der Hebung der Konsumkraft der breiten Volksmaffen zu treffenden Maßnalimen vor Abgabe der Regierungserklärung genauerer Präzisierung bedürfen. Der Brief schließt mit dem Ausdruck der Ueverzeu- gung, baß sich die sozialdemokratischen Wünsche im Rahmen des Programms des Reichskanzlers erfüllen laffen. Die sozialdemokratischen Unterhändler ständen zu einer Besprechung über die präzisere Formulierung gern zur Verfügung
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Der Aettesttnai-Sschrch 6?3 Nekchstans
Berlin. 9. Oktober. (Privattelegramm.) Der Aeltestenausschuß des Reichstages tritt am 14. Oktober zusammen. Das Kabinett wird bleiben und die Politik bleibt die gleiche wie bisher. Tas ist ungefähr übereinstimmend der Eindruck bei allen Parteien nach der bisherigen Entwicklung der Dinge Der frühere Reichskanzler Dr. Wirth, der zum Abschluß ge- , schriftlicher Tronsaktionne von Berlin nach London gereist war. wird in einigen Tagen wic- i dcr in Berlin zurückerwartet.
in den ersten Tagen der nächsten Woche sich in einer besonvcreu Sitzung mit den Resultaten der Anfragen zu befassen und sich über die weiteren Schritte schlüssig zu werden. Dio R e i ch s t a gs- sraktionen werden wahrscheinlich erst gegen Ende der nächsten Woche nach der Verössent- titbung des Schriftstücks ihrerseits sick über ihre Haltung zum Vdikerbundeiiitritt schlüssig werben.
Das britiW Kabinett.
Sturz durch die gestrige Abstimmung.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 9. Oktober.
Die britische Regierung ist gestürzt worden.
Nachdem der konservative Tadelsantrag mit 359 gegen 198 Stimmen abgelchnt worden war, wurde der liberale Antrag, der eine Untersuchung fordert, mit 364 gegen 198 Stimmen angenommen. Bei der Abstimmung im Unterlaufe ist das Kabinett Maedonald unterlegen. Das Kabinett ist daraufhin zur Beratung sufautmengetreten. In der Halle des Parlaments gebäudes debattierten um Mitternacht die Mitglieder des Hauses über die Möglichkeiten der nächsten Stunden. Die Niederlage des Kabinetts wurde hervorgernsen durch den Vorstoß d e r Liberalen, die Maedonald der Unüberlegtheit beschuldigten bei seinem Eingreifen in die Camp- bell-Untersuchung. Maedonald erwiderte mit solcher Schärfe und mit so schweren Drohungen gegen die Liberalen, daß diese entgegen ihrer Absicht geschlossen gegen das Kabinett stimmten.
Gegen die arrbdierpartei.
London, 9. Oktober. (Eigene Drahimeldung.) Maedonald erklärte unter größter Aufmerksamkeit des Hauses, daß er vor der Einstellung der Verfolgung gegen den Redakteur Campbell nicht gefragt worden ist. Als er aber durch die Zeitungen davon erfahren habe, habe er sofort um Aufklärung ersucht. Diese Erklärung brachte bei den Liberalen und Konservativen ein ungläubiges Lächeln hervor. — Die „Evening RrwS" schreiben, daß Maedonald sich jetzt anschicke, b:c Rolle des Märtyrers zu spielen. Tas Blatt su-hrt aus, daß die sozialdemokratische Minderheitsregierung die Wünsche des Volkes nicht zu kennen scheine. Im Falle von Neuwahlen würde sie jedenfalls mit verminderter Stärke miederkehren. Alle Schuld treffe die Arbeiterpartei, die eS nicht verstanden habe, Neuwahlen zu vermeiden.
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Auflösung des Unterhauses §
London, 9. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Nach einer Reutermeldung scheint die Auslosung des Unterhauses infolge der Niederlage der Regierung unvermeidbar.
Deutsche in China.
Mit Feder und Kurbellasten.
A«S der Reid- der Ausjiitze von unteren, Mitar- beitet Seit« Rotz bringen wir den nachstehenden Aufsatz «egen der attueUen Bedeutung aller chi- nestschen Angelegenheiten wieder an dieser Stelle. Die deutsche Kolonie H a n k a u am Hangt- se-Fluß feiert. Am Quai liegt das deutsche Schiss „Saarland". Zwischen Dschunken und Sampans hebt es sich wie ein Riefe aus dem Wasser. Wer aud) mit den Engländern, Amerikanern und Japanern, die vor und hinter ihm sestgemacht haben, kann es den Vergleich leicht aushalten. Es ist eins der erstaunlichsten Dinge, wie rasch die Harnburg-Amerika-Linte und der Norddeutsche Lloyd ihr alte Position tu der Oft» asienfahrt wiedr erobert haben, und den Deutschen in Shanghai oder Kobe ist ein deutscher Dampfer längst wieder eine altgewohnte Erscheinung geworden. Aber in Hankau — das ist etwas anderes. Hankau liegt hunderte von Kilometern den Aangtse aufwärts. Und Wenn der Strom auch bis dorthin für Seeschiffe schiffbar, so ist die Fahrt bei dem wechselnden Wasserstand ein wenn auch nicht gefährliches, so doch immerhin langwieriges und kostspieliges Unterneh- men, das sich nur bei entsprechender Fracht lohnt. So ist die deutsche Flagge auf dem Aangtse noch eine Seltenheit und die Ankunft eines Hapag- oder Lloyd-Dampfers eine Gelegenheit, die man feiern muß, besonders wenn, wie diesmal, die Hapag ein so großes, schönes Schiss schickt.
Die Hankaucr Deutschen, die mit ihren englischen und amerikanischen Ge. schästssreunden— man hat mit diesen in gewis- senGrenzen den Verkehr wieder ausgenommen —< über das elegante Promenadendeck spazieren, stecken das dem ganzen Schiff gezollte Lob wie ein perfönliches Verdienst ein und führen die anderen in den Rauchfalon zu „german beer", wo das Gros der deutschen Kolonie augenblicklich bereits die Verpflichtung fühlt, den Fatzbiervor- rat der „Saarland" zu erschöpfen. Und wenn er nicht gar so große gewesen, wäre es fast gelungen, in den Vorrat von dem edlen Naß Bresche zu trinken, das im ganzen Osten so selten ist, und von allen Nationalitäten so sehr geschätzt wird. „Sie sollten das nächste mal mehr von diesem Bier mitbringen,* sagte der englische Seezollbeamte beim Vonbordgehen. — Allerdings darf man dabei nicht vergessen, daß die deutsche Kolonie in Hankau wieder einige hundert Köpfe zählt. Als mit Kriegsende die Alliierten die Deutschen aus ganz China vertrieben, glaubten sie den deutschen Handel in Ostasien mdgültig vernichtet und ahnten nicht, daß die Vertriebenen in ganz kurzer Zeit vollzählig wieder zurück sein würden. Ja vollzählig! All die alten Chinadeutschen sind wieder da, Leute, die zehn zwölf, sechzehn und mehr Jahre ™ Lande sind. Und ein ganzes Rudel neuer sind dazuqekommen
Man bat fein altes Geschäft wieder atyge- baut. Aber freilich, die Zeiten sind fchlecht. Ma« hört mancke Klage, und -selbst in der offiziellen Rede bei dem feierlichen Diner auf der „Saarland" wurde
die kritische Gefchästslage sorgenvoll erwähnt. Es sind nach dem Kriege zu viel Waren nach China geworfen worden. In manchen Artikeln sind die Preise binnen weniger Wochen auf die Hälfte gefallen. Für die Deutschen ist die Lage besonders schwierig. Sie sind in vielen Artikeln durch die geringe Lentungsfa- higkeit u. die hohen Preise der demschen Industrie gehindert. In Schreibmaschinen und Fahrrädern beispielsweise sind Engländer und Amerikaner ganz unverhältnismäßig viel billiger. Es ist ein Wunder, daß unter die' fen Verhältnissen noch derartige Wsätze getätigt werden, die nur durch gute Beziehungen und besonderes Geschick möglich sind. Allein, das oebt natürlich nicht mehr lange, und man hörte oon den deutschen Asiaten sehr kräftige Worte über ihre Lieferanten und die offene Drohung, amerikanische und englische Waren zu beziehen, wenn die deutsche Industrie ihre Preise und Lieferungsbedingungen nicht ändert! In anderen Dingen sieht es glücklicherweise besser aus, und in Farben beherrschen die deutschen Fabriken noch immer restlos den Martt gegen eine ött Laufe des Krieges sehr erheblich gewordene rn- temationate Konkurrenz.
Der rasche Wiederaufbau des deutschen Geschäftes in China ist umso bemerkenswerter, als Deutschland durch den Krieg alle R e ch t e v e r l o r und seine StaaisangchS- rigen gegenüber allen anderen Nationen int Nachteil sind. Die anderen fremden Mächte haben noch ihre Konzessionen, ihre Niederlassungen, in denen sie ihr eigener Herr sind. Engländer, Franzosen. Italiener, auch Japaner sind in China heute noch immer erterritorrial, stehen nicht unter chinesischem Recht und nicht unter chinejk.