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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Rmnrtrer 236. Einzelnummer !0 Pf.. Sonntags 1b Pf. Dienstag, 7. Oktober 1924. Einzelnummer 10 Pf . Sonntags 15 Pf 14. Jahrgang

Mische Lage -er Reichsregierung.

Englands KM.

Dsr KaS-nrLtwechsel und Neuwahlen.

Roch keine Nnigung der Parteien.

Blldungskampf.

Kasseler Rede des Kultusministers Dr. Borlitz.

:nt»

:. Auf Freiheit ist ja die preuß.

Friedensfreund Macdonald wird

puläi.

rung der Regierungskoalition nach rechts mitzu- machcn. Allerdings würde das Zentrum dar­auf bestehen ,datz auch die Demokraten wei­terhin im Reichskabinett vertreten sind, da sonst die Gefahr eines Ucbergewichtes der Deutsch- nationalen gegeben sei. Wahrscheinlich wird die Deutsche Volkspartei bemüht sein, diesen Wün­schen des Zentrums entgegenzukommen, zumal sie selbst in stärkstem Matze daran interessiert ist, daß der gegenwärtige aussenpolitische Kurs fortge­setzt wird. Falls jedoch die Demokraten aus die Umbildung des Kabinetts ohne Mitwirkung der Sozialdemokraten nicht eingrlfen, so besteht nach wie vor die Gefahr, datz eine Lösung des Rrgie- rungsproblems unmöglich gemacht wird. In einem solchen Falle würde die Frage einer Auf­lösung des Reichstages, die gegenwär­tig lediglich als Druckmittel auf die Parteien zur Erörterung gelangt, tatsächlich akut werden. $n den deutschnationalen Kreisen wird behaupiet, datz die Linke unter nachdrücklichster Unter­stützung des Reichspräsidenten Ebert auf Neu­wahlen hinarbeite.

Prozedurfrage wird er zweisellLs die Billigung des Unterhaltes finden. Aber das trotzige Ulster wird sich dem Schiedsgericht kaum gutwillig fu­gen. Aas dann? Eine militärische Exekution gegen so gute Englishmen, wie die Ulsterleute nun einmal sind, wäre in England sehr unpo-

sühren können. Da ist zunächst die noch nicht ge- ..... * ~ " -Wei

Aufnahme der Deutschnationalen oder Austritt der Deutschen Volkspartei. Die Gefahr einer Reichstags-Auflösung.

Die Frage des deutschen Beitritts. (Eigene Drahrmeidnng.i

London, 6. Oktober.

DieTimes" schreiben, datz die englisch

Äie Haiturtg ecr Karteien.

Berlin, 6. Oktober. (Eigener Jnsoimations- dienst.) Der Schritt der Deutschen Volkspartei, der unmittelbar bevorzufiehen scheint, wird oor- r.ussichllich von entscheidender Bedeutung fein. Fn den parlamentarischen Kreisen hat man den Eindruck, datz das Zentrum zur Vermeidung einer ernsten Regierungskrise unter bestimmten Voraussetzungen bereit sein wird, die Erwei-c-

Berlin, g. Oktober. (Eigener Informations­dienst.) In massgebenden parlamentarischen Kreisen glaubt man, dass die Verhandlungen über die Regierungsumbildung auf der vom Reichs­kanzler Dr. Marx vorgcschlagcnen Basis nicht mehr fortgesetzt werden können. Die deutsch­nationale Reichstagsfraktion wird, wie nach den Erklärungen deutschuatioualer Abgeordneter seststehen dürfte, auf keinerlei Verhandlungen mit der Sozialdemokratie eingehen. Da nunmehr die Gefahr besteht, daß die Bemühungen zur Umbildung des Reichstabinetts vollkommen ins Stocke» geraten, bereiten sich die Führer der Deutschen V o l k s p a rt e i auf einen ent­scheidenden Schritt vor. Wie wir hören, wird die Deutsche Volkspartei sich veranlaßt sehen, dem Reichskanzler Dr. Marx die Mittei­lung zu rnacheii, daß ein Fortbestand der gegen­wärtigen Minderheitsregierung Marx- Stresemann für sie nicht mehr in Frage iomme. Die gegenwärtige Lage erfordere drin­gend eine tragfähige Regierungsmehrheit, die alle positiv gerichteten Parteien umfassen müsse. Da die Fühlungnahme mit der Sozialdemokratie zu keinem Ergebnis führen werde, so komme nur noch eine Erweiterung der Rcgierungskoalition nach rechts in Frage. Für den Fäll, datz die Hin­zuziehung der Dcutfchnationalen in die Reichs­regierung n i ch t gelingt, werde die Deutsche Volkspartei aus der Regierung ausschciden.

timen gesandt wurde und nickt mehr lange -ruf sich warten lasten werde. Zwischen den alliierten Negierungen habe jedenfalls ein Gedankenaus­tausch stattgefunden und ein Uebcrcinkommcn über die allgemeinen Gruudzüge fei erzielt wor­den. Als der deutsck e Geschäftsträger daS Me­morandum im englischen Auswärtigen Amt über­reicht habe, habe man ihn nicht im Zweifel dar­über gelassen, daß das Memorandum einen un­günstigen Eiidruck mache. Dieser Eindruck fei seither in gewisser Beziehung abgeschwächt wor­den. Die englische Antwort werde aber ihre Freude darüber zum Ausdruck bringen, daß sich die deutsche Regierung entschlossen habe, dem Völkerbund beizutretrn, sagt aber, daß Deutschland sich streng an die V e r p s l i ch t« n - gen des Versailler Vertrages hält. Die Rote werde empfehlen, datz Deutschland sein Anfnahmeaesuch ohne weitere Einschränkungen an den Völkerbund richte.

Antwort cm" das deutsche Memorandum erst kürz ich an die im Völkerbnnvrat vertretenen Na-

gerische Verwicklungen auf der ganzen Erde er- Icheint und weil sie fühlt, datz das Problem der Arbeitslosigkeit nur aus einem Wege gelöst wer­den kann: Vermehrung der Verbrau­cher und des Verbrauchs. Diese Vermeh­rung. deren Grenzen überhaupt nicht abzusehen sind, bedarf aber des Weltfriedens. Weil Macdonald der englischen Arbeiterschaft den ^.>e-tsr eben verspricht, wird sie für ihn stimmen. Neuwahlen brauchen deshalb keineswegs das Ende Macdonalds zu bedeuten.

ÄnverönorNe Lage.

Berlin, 6. Oktober. (Privattelegramm.) Heute früh ist die innerpolitischr Krise unverän­dert. Am gestrigen Tage haben Besprech»n- aen und Fraktionssitzungen nicht statt- gefundcn. Die ;är gestern anberaumte Sitzung der Sozialdcinokraten ist auf Mittwoch vertagt worden. Der Widerstand des Reichs­präsidenten gegen die Rechtsbildung des Kabinetts wird jetzt auch von sozialdemokrati­scher Seite bestätigt. In einer Gewerk­schaftssitzung am Sonnabend erklärte Her­mann Müller, die Person des Reichspräsidenten biete Gewähr dafür, datz auch diesmal der An­sturm der Nationalisten auf die Regierung im Reiche ab gewehrt werde.

Bet Tröffmeng der Pädagogischen Woche an» Sonn, abend hielt «ultudminifter Dr. Boeich eine de- merkenswerte Ansprache über BUdnngSfrage.

Die Gemeinschaft der Erzieher. Aus Freiheit der pädagogischen Auswirkung ist ja die preuß. Schulreform eingestellt, auf Freiheit, aber auch auf Gemeinschaft und Organisierung der schon vorhandenen Kräfte. Auch das haben Sie, fuhr der Minister fort, erkannt. Sie bilden hier eine ideale Arbeitsgemeinschaft, die, jenseits aller Absonderungen, die erzieherischen und bildenden Kräfte sammelt und sich auswirken läßt. Tie Einheitsschule, deren große Idee für alle Schu­len. von der Grundschule vis zur Hochschule, der Arbeit meines Ministeriums den idealen Zielpunkt gibt, verlangt eine

sche Franken ausmacht, für das finanzschwache Belgien als reichlich hoch erachtet.

DeutschlanS unöVMkerbunb

loste irische Frage. Ter Streit um zwei Grafschaften, der zwischen Ulster und dem südiri­schen Dominion schwebt, rollt das ganze irische Problem von neuem auf. Südirland braucht steuerkräftige Bevölkerung und die ist nur im Ul­ster zu f'.nden. Darum hält es jedes Stück Bo­den, das man noch irgendwie zu Ulster rechnen kann, eifersüchtig fest. Entscheidung durch Volts- abstimmung oder Schiedsgericht wird von Ul­ster abgelehnt. Macdonald wird jetzt den Rich­ter an Ulsters' Stelle ernennen mb in d:eser

Englands NemerungEije.

Macdonald unb die Opposition.

(Eigene Trahtmeldung.>

Lonvon, 6. Oktober.

Wie verlautet, hat Macdonald für Diens­tag die beiden Oppositionsparteien zu sich gebeten. Tie scharfe Ankündigung des Pre­mierministers, datz er im Falle eines Mißtrau enstotums das Unterlprus auflösen werde, hat in unionistischen Kreisen ernüchtert. Man scheint nickt rmbcdinat^ewillt zu sein, den Libe­ralen einen Sieg zu erm.öglichcn. Infolgedessen erwartet die unwnistisck< Presse von den Tiens- tagbesprechungen keine Niederlage des Kabinetts. - Für heute, Montag, ist ein wichtiger Mini- sterrai anberaumt, an dem außer Lord Par- moor und Lord Thompson alle Mnist-r teilueh men werden. Es wird dabei über die Haltung der Regierung in der nächsten Untcrhmssitzung die am Donnerstag stattfindeu soll, Beschluß ge­faßt werden.

Daß der Oktober oder November England Unterhauswahlen bringen wird, steht schon fest. Sowohl Macdonald als die Opposition sind ent­schlossen, das Land zu befragen, ob es den Kurs fortsetzen oder einen neuen Kurs gesteuert haben will und ob der Mann am Steuer wechseln soll. Die häufig wiederholten Volksbefragungen ge­hören zum System der englischen Regierung, die sich, mag sie von Tories, Whigs oder Labour ge­leitet werden, immer mehr einer V o l k s r e g i e- r u n g entwickelt. Macdonald wird natürlich bemüht fein, soweit es irgend möglich ist, selbst zu bestimmen, zu welcher Zeit und zu welcyen Fragen das Volk in den Neuwahlen Stellung nehmen soll, aber es kann auch geschehen, daß die Opposition ihn zwingt, eher zu gehen als er will. Die Konservativen klagen das Arbftter- kabinett eines Eingriffes in die Rechts-, pflege an, weil ein Strafverfahren ge­gen den Heransgcber eines antimilitaristischen Blattes, der die Soldaten zum Ungehorsam an­gereizt haben soll, eingestellt worden ist. Der betreffende Redakteur soll gedroht haben, seine Verteidigungsrede mit einer Anzahl antimi- l i t a r i st i s ch e r Z i t a t e n au s Kreigszeitreden mehrerer gegenwärtiger Minister zu Würzen. Natürlich wäre es sehr ungeschickt, wenn die Minister wirklich versucht hätten, ihre frü­heren Bekenntisse zu verleugnen und es kann ge­schehen, daß das Kabinett über diese Ungeschick­lichkeit stürzt.

Man hat Macdonalds Erklärungen noch nicht gehört und es wird wahrscheinlich seiner Dia, leltik gelingen, den Fall dahin aufzuklären, daß der guten Dame Themis kein Unrecht geschehen sei. Die Liberalen werden in dieser Angelegen­heit eher mit den Arbeitern als gegen sie stim­men, schon weil ihnen daran gelegen ist, den kon- seiwaliven chauvinistisch-militristifchen T iehardz leinen Einfluß auf die Neuwahlen zu lassen. Es bietet sich ja auch eine ganze Auswahl anderer Fragen dar. die zur Auslösung des Parlament

ranMichs und Beigirns Settnigimg.

Paris, 6i Olt. (Gig. Drahtber.) Das französische Mitglied des Tawes-Komilees, der Finanzpolitiler Parmentier, ist im Auftrag der französischen Regierung nach London abge­reist, um dort mit den übrigen Fachleuten dir Modalitäten der deutschen 8üü-Millionen-Go!d- anleilie zu beraten Es heisst' Frankreich solle von der Anleihe drei Millionen Pfund Sterling, Belgien anderthalb Millionen Pfund überneh­men. Belgischerscits wird diese Summe, die bei dem augenblicklichen Kurs 138 Millionen belgi-

es sicher vorziehen, die Verantwortung für einen Bürgerkrieg einem anderen zu überlassen. Es wird sich wohl keine Partei dazu drängen, die irische Angelegenheit zu lösen: man kann sie höch­stens durch einen Kompromiß, das keinen Teil befriedigen wird, einige Zeit unter der Ober­fläche verschwinden lassen; sie wird immer wie­der auftauchen.

Eine andere Frage, über die Macdonald fal­len kann, ist die des Vertrages mit Sow­jet- Rußland. Während bei Lonboner Kon­ferenz wollten bie englischen und russischen Un­terhändler, der monatelang unfruchtbaren Un­terhaltungen müde, die Verhandlungen abbrechen. Das wäre ein unangenehmer Mitzklang in diö Friedensmelodiim hinein gewesen, die Macdo riald und Herrsch bliesen. Macdonald besahl kurzer Hand: Der Vertrag muß geschlossen wer­ben! unb bie Sache, über bie man in Monaten nicht einig geworben war. war in zwölf Stun­den erlebigt. Natürlich siel der Vertrag sehr g ü n st > g für bie Russen aus, bie mH nur allen Ansprüchen englischer Privatleute wegen Revolutionsfchäden entschlüpften, sondern auch noch das Versprechen eines Kredites von drei­ßig Millionen Psund erhielten. Die Regierung selbst hat nur sehr schwache Hoffnungen, im Unterhaus eine Mehrheit für bieen Ver­trag zu finben. Die Opposition wird freilich Mühe haben, wenn sie einmal ans Ruber kom­men sollte, von ben Russen etwas mehr zu er­halten. Die Konservativen weisen baraus hin, daß Macbonalb keine bet wichtigen Fragen, die im Arbeitcrprogramm figurieren, löten konnte. Die Liberalen hoffen, ihre Stellung als ausschlaggebende Mittelhartes zu verstärken; sic lönnen aber auch Verlüste an die beiden Flügel­parteien erleiden und zerrieben werden. Die Arbeiterpartei geht, trotzdem Macdonalds Wirken ibr keine unmittelbaren und greifbaren Erfolge gebracht hat, mit Hoffnungen in den Kampf. Sie hängt an Macdonald, weil er ihr als beste Sicherung gegen Krieg und gegen ttie-

t innere Einheit aller Erzieher

, in Haus, Schule, Leben und Wissenschaft Daß i ich diese Einheit hier finde, daß hier solch ün [ Krgftzentrum wirksam ist, macht mir Ihre , Tagung so außerordentlich wertvoll, daß ich bi-s in dieser Stunde persönlich auKsprechen wollte.

: Uno schließlich ein Drittes: Sie haben erkannt und in Ihrer Arbeit tzür diese Tagung bekannt, ; daß die neue Eiziehung und Bildung aus dem Geiste der Jugend erblühen muß, aus jener in­nerlichsten Einfühlung in die jugendliche S:ele. die allein wahre Menschenbildung ermöglicht. Unsere Jugend, von Gefahren bedroht, di- frühere Generationen in diesem Ausmaß nicht kannten, unsere Jugend, vor Zukunftsaufgaven gestellt, die Höchstes und Tiefttes von ihr for­dern, unsere Jugend, in deren Sehnsucht '.'nd Innerlichkeit Neues und Schöpferisches bin» durchbrechen will, unsere Jugend muß in ihrer Tiefe belauscht und verstanden werden, toem wir sie zu dem bilden wollen, was ihr gottge­wolltes Ziel ist Niemals war dies schwerer als heute, und niemals war Nietz'sches Won zu» treffender als heute, daß Erziehung Vollendung der Natu- ist, wenn sie ihren graufamcn und un­barmherzigen Anfällen vorbeugt und sie zum Guten wendet. Und für keine Epoche dieser Ju­gendzeit ist gerade dies bedeutsamer als für die Reife-Zeit, für jene Epoche, in der dunkle, rät­selhafte Gewalten aus der Tiefe emporstreben und jene große seelische Umwälzung Hervorrufen, jenes Zeitalter der schmerzlichen Gebnrt des höbeern Ich. Zwei große Forderungen stellt diese Jugendepoche an den Erzieher:

Verständnis und Liebe.

Nur so kann er die ungeheure Verantwortung tragen, die ihm auferlegt ist. Sie haben sich diese Problemreihe als Sonderausgabe gestellt und haben damit bezengt, daß sie die Zentral- srage aller wahren Erziehung verstanden haben. Jeder Dienst an dieser Jugend ist Gottesdienst, daß sich die junge Seele zu dem vollende, was ihre Bestimmung bst. Es ist damit zugleich Dienst an der Menschwerdung des Kindes, ein Dienst am Vaterland, datz der junge Mensch zu deutschen Menschen reise. Der Minister schloß

Wir stehen in Preußen vor einem die Geister aufwühlenden aber auch aufwcckenden Bil­dungskampf, in einer Kulturauseinanderstetzung die weit über Preußens Grenzpfähle hinaus tiefgreifende Bewegungen ausgelöst hat. In Zustimmung und Bekämpfung der preußifchen Schulreform spiegelt sich die Problematik, die Kulturzerrissenheit upd die Unausgeglichenheit der geistigen Strömungen Deutschlands wieder. Wenn die Geschichtsschreibung zu diesen Kämp­fen erst die rechte Perspektive gewonnen har, wird sie dieses Ringen der Geister als ein ganz charakteristisches Symtom für die Kulturlage un­seres Urbergangszeitalters würdigen. Wo aber ist die Instanz, die diesen Widerstreit schlichtet, die überparteilich jedem Wertgebiet sein Recht und seine Grenzen anweist, damit innerhalb der deutschen Bildung jedem Kulturkreis sein Eigen- ch egertsichert werde? Ganz gewiß muß hier der Staat das letzte Wort sprechen, denn es handelt sich dabei um Fragen, die der Staatsmann unter höchsten staats- und kulturpolitischen Gesichts­punkten beantworten mutz. Aber bei dieser Ent­scheidung mutz der Staat, der seinem Wesen nach nicht kulturschöpferisch, fonde'.n kulturorganisie- rend ist, sich da Rat Halen, wo

der gesamte Kulturprozeß grundsätzlich und eigengesetzlich aus seine Bil- dungswerte betrachtet, verarbeitet und zu einer Bildungsthese vereinheitlicht wird. Darum steht neben dem Staatsmann mit eigentümlichen Sonderrecht der pädagogische Genius neben bet Behörde bie schöpferische Pädagogik. Den Teil­nehmern an ber Päda.' zischen Woche zollte bann bei Minister bie Aneinanung, baß sie diese ge­waltige Arbeit richtig erkannt haben, was daS erste ist, was ihn innerlichit mit ihnen verbindet. Und dann noch ein zwBM. Roch besitzen wir den .großen pädagogischen Genius unseres «Ät» alters nicht. Bis er, den wir erhoffen, lotiemt und uns das deutet, was uns noch verwirrt und bedrängt, haben wir doch schon eine Kraflcchelle, aus der Geist, Sinn und Zielsetzung ausMmt:

Am öre gwße Qimeibe.

Die letzten Verhandlungen in London.

London, 6 Ott. (Gig. Drahtber.l Der diplomatische Korrespondent desDaily Tele­graph" teilt mit, dass Dr Schacht von neuem in London eingetroffen ist Außerdem befin­den sich die Direktoren der b e l i g s ch e n Natio- nalbank in Loudon und erörtern mit ! em Dirck j tor der Bank von England ben voraussichtlichen' Anteil Belgiens an bei deutschen AuslnidSm- krihe. England legt grossen Wert auf eine Be­teiligung Belgiens und Frankreichs. Der amerikanische Bankier Morgan sali erklärt haben, dass diese Anleihe die am besten gesicherte in Europa sei. In englischen Geschäftskreisen herrscht gegenwärtig wachsende Ilnzufriedxnhcii darüber, datz Macdonald das versprochene Han­dels- unb Jndustrickomitee für bie Ueberwachunq bet Handelsvettragsverhanblimgen mit Deutsch­land noch nicht eingesetzt habe. Man glaubt aber, daß Vic Verhandlungen in dieser Woche zum Abschluß kommen werden.