Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 235.

Sonntag, 5. Oktober 1924.

Einzelnummer 10 Pf , Sonntags 15 Pf.

Bessere Aussichten in der Kabinettfrage

leihe nufarfnurfjt sind, bezeichnet Finanzminister Dr. Luther als nur vornvcrgehend.

Erzeugung von Qualitätsarbeit

ist aber rind) ein weiteres wirtschaftliches Mo­ment für Vas .Handwerk gegeben. Um diese Ar­beiten zu vollbringen) es ein ausgesuchtes Heer von Qualitätsarbeitern nötig, die es sich selbst beranbildet. Das Handwerk stellt den Hauptträger für die Ausbildung unseres gewerb­lichen Nachwuchses dar. Es beschränkt sich in dieser flfv» ktivn nicht ettva auf seinen eigenen Bedarf, nein, es liefert gerade die Menge von Qualitätsarbeitern, die in der Industrie unter» kommen und die die Hauptstütze der Industrie bilden. Das Handwerk wird gewissermaßen das Reservoir, ans dem untere Volkswirtschaft im­mer wieder ibre Kräfte schöbst und zwar Kräfte, die allseitig ausgebildet sind und die Fähigkeit besitzen, sich anzupasten Wie werivoll gerade diele so ausgebildeten Arbeitskräfte sind, das dürste in überzeugender Weise her hinter >ms liegende Krieg gezeigt haben. Wie kommt es nun, da das Handwerk besonders zur Ansbft« düng de? Nachwuchses befähigt ist? Tie Ant­wort ergibt sich ans der Tatsache, daß beim Handwerk der Arbeitsprozeß nicht entgeistigt ist, daß bei ihm das Zurücktreten des Kaoitals im Gegensatz zur Industrie nickst die nachteiligen Folgen zeitigt. daß hei ihm dafür noch voll und ganz die Persönlichkeit vorherrscht. Im Hand­werk macht der Lehrling

die Sckmle des Lebens

durch, hier kommt er mit der Fülle der Wirklich­keit in Verbindung, alles Erforderknffe für eine allleitige und gediegene Ausbildung. Wir sehen al,o, welche wertvollen wirtschaftlichen Kräfte ,m Handwerk liegen, wie 'dm in erster Linie die Heranbildung >es oewerblichen Nachwuchses ob­liegt, In der Ausbildung imd Erziehung liegt aber auch die soziale Bedeutung des Handwerks.

Deutschland und Völkerbund

Die Frage der Zulassung. (Eigene Drahtmeldung.)

London, 4. Ostober.

Zur Frage der Zulassung Deutschlands zum Völkerbund berichtet der politische Korrespondent desDaily Telegraph", daß in französi­schen Kreisen die Annahme vorherrsche, daß die Denschrist der deutschen Regierung über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund von den alliierten Mächten gemeinsam beant­wortet werden sollte. Der Korrespondent be­zweifelt. daß dieses Vorgehen für E n g l a n d sich empfehle, denn die französische Formel:Keine Privilegien und keine Ausnahmestellung für Deutschland" gehe weiter, als Macdonald ein­verstanden sei. Das Verlangen Deutschlsnds, von den verschiedenen Mächten, die dem Völker­bund ongehören. Sicherheiten und Garantien zu erhalten, strlls Deutschland Mitglied würde, be- -eichnet die Zeitung als nicht regelrecht. Die Zulassung zum Völkerbund würde nur So- che des Völkerbundes und nid# einiger Mächte fein.

Gtteserntmn ist nytimlsttsky

Berlin, 4. Ostober. (Drahtmeldung.) Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, beurteilt Außenminister Stresemann die innenpolitische Lage gegenwärtig außerordentlich zuversichtlich. Er glaubt sowohl die unbedingte Beibehal­tung des gegenwärtigen außenpoliti­schen Kurses sowie eine Verständigung mit den Deutschnationalen herbeifübren zu können, als auch die Regelung der noch in Fluß besiüb­lichen außenpolitischen Fragen auf Grund eines einheitlichen außenpolitischen Regierungspro­gramms z,! gewährleisten, Dr. Stresemann, der nunmehr sich in hervorragendem Maße an den Verhandlungen über die Regierungs ceubildnng beteiligt, hat sich mit dem Reichskanzler in voll­stem Umfange verständigt, sodaß man von einer grundfätzlichen Uebereinstimmung zwi­schen ihm und Dr. Marx sprechen kann. Bnge- blicklich bietet er seinen aanzen politischen Ein- stnß auf um keine Partei zu einer vermitteln- den Haltung zwischen den Teutschnationalen und den Sozialdemokraten zu bewegen.

müsse über die Haltung der D e u t s ch na­tiv n a l e n VolkSPartei zum Schuhe der repu­blikanischen Verfassung und zur Durchfüh­rung deS Washingtoner Achtstundentag- AbkommenS und zu entscheidenden Fragen der deutschen Außenpolitik.

man in Bettackt zieht, daß dies von beiden Seiten taktische Manöver sind, so muß man sich do.h sagen, daß man mit solchen Verzerrungen nicht vorwärts kommt. Verschlimmert wird die Angelegenheit noch dadurch, daß aus den ver- scksiedeneu Parteien einzelne Köpfe emportnu- chen die ihre besonderen Bedingungen in die Debatte werfen und die Verhandlungen der Verantwortlichen stören. Das ist der alte Feh­ler der die Atmosphäre unnötigerweise erhitzt, Mißtrauen schafft und letzten Endes die Aufbau­arbeit hemmt. Die heutigen Berliner Telegram­me melden allerdings von besseren Aussichten, aber man mutz die' , nächsten Tage abwarteu.

R. F. D.

Amerikanische Hoffnung.

Neywork, 4. Oktober. (Telegraphische Mel- dung.) Amerikanische Bankkreise sind der An­sicht, daß die <dutsche Anleihe in zehn bis vierzehn Tagen ansgegcbcn werden wird. Inzwischen ist der Handel in neuen Anleihen fast gänzlich zum Stillstand gekommen, da sich ein außerordentlicher Stückemangel geltend macht. Man meint, daß die Zeit für die Ausgabe der Dawes-Anleihe sehr günstig gewählt ist, da täg­liches Geld zu zweieinhalb Prozent erhältlich ist unp wahrscheinlich noch ans zwei Prozent her- nnteroehen wird.

tim ven Zinsfuß-

London, 4. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) Wie dieTimes" meldet, haben sich bei den Lon­doner Anleiheverhandlungen Schwieritteiten er­geben, die die Reise des Finanzminifters Dr. Luther nach Berlin notwendig gemacht haben zu dem Zwecke, weitere Instruktionen des Reichs kabinetts cinzuholen. Der von Dr. Luther vor­geschlagene Zinsfuß der Anleihen ist von den Bankiers a b g e l e h n t worden, da bei dem Feh­len größerer Garantien für die Anleiheerwerber als Anreiz ein höherer als sonst üblicher Zins­fuß gegeben werden muß.

Anzeigenpreise. Geschäfts-Anzeigen Zeile 15 Pfennig, Famlllen-Än»elgen Zeile 15 Pfennig. Kleine Anzeigen das Bort 2*/, Pfennig. Reklamen die Zeile 60 Pfennig. Offertgebühr 10 Pfennig (Bei Zusendung der Offerten 20 Pfennig). Rechnungs­beträge sind innerhalb 5 Tagen zu bezahlen. Maßgebend ist der Kurs Ses Zahlungs­tages. Für die Richtigkeit aller durch Fernivrecher ausgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann nicht garantiert werden Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz 100 Prozent Ausschlag. Druckerei: Schlachihosstr. 28/80 Geschäftsstelle: Köln.Straße5. gegenüber derSvolirttrake. Fernsprecher 951 u. 952

Die Kahrnett-EkwMrung.

Die Deutschnationalen beim Kanzler. lPrivat-Telegramrn.)

Berlin. 4 Oktober.

In seinen Versuchen zur Regierungsumbil­dung hatte Reichskanzh.r Marx gestern nach­mittag eine Rücksprache mit den Führern oer D e u t s ch n a t i o n al e n. Es waren erschieneit die Aboeordneten Hk egt. Graf Westarp, Schiele und Behrens. Von der Regierung nahmen außer dem Kanzler an ver Besprechung teil die Mini­ster Faires, Stresemann und Graf Kanttr. Die deutschnationalen Vertreter erklätten, daß durch die Antwott der Sozialdemokraten völlig neue Tatsachen geschaffen seien und paß sie des­halb erst Rücksl-rache mit ihrer Reichstags- fraktion nehmen müßten. Eine endgültige Stellungnohmc konnte deshalb noch nicht erfol­gen. Die dimfchnationale Fraktion wird ebenso wie diejenige der anderen Parteien in der nächst en Wochc zusammentreten. Das Kabi­nett konnte sich in feiner Freitagabendfitzung in­folgedessen mit diesen Dingen auch nicht befasse».

Die veutfchen tinterhänöler.

London, 4. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Dr. Luther und Dr. Schacht reisten gestern iiilerwar.eter Weise wieder nach Berlin zu­rück. Dr. Schacht ert'ünc einem Korresponden­ten desDaily Telegraph", daß er mit einem Ausschuß des Reichstages verhandeln wolle, der alle vierzehn Tage zusammentrete. Dr. Luther beabsichtigt, Anfang nächster Woche wieder nach London znrückzukehren, um die Verhandlungen über die Dawesankeihe am nächsten Mittwoch zum Abschluß zu bringen. Die Schwierigkeiten, die in Amerika zur Frage der Sicherheit der An-

London, 4. Oktober. (Eigener Drahtbericht.', iieTimes" schreiben, daß die Verhandlungen -der den Beginn der deutschen Buslandsauleihe ii befriedigender Weise fortschreiten und > die öffentliche Zeichnung wahrscheinlich Ritte dieses Monats beginnen dürste. Da die Anleihe eine internationale Sache sei, würde mehr Zett für die Vorbereitung erforder­lich fein, als wenn die Anleihe nur in einem Lande aufgelegt würde. Man sei im allgemeinen der Ansicht, daß en Zinsfuß von 7 bis 7% Prozent in Frage kommen würde. Der Vertre­ter der amerikanischen Bank Morgan hat gestern eine Erklärung veröffentlicht, in der gesagt wird, daß feine Bank von den alliierten Regierungen ersucht wurde, die derttschc Anleihe zu unter­stützen, in dem sie sich selbst an der Zeichnung der in Newyork aufgelegten Anleihe beteilige. Die Bank habe diesem Gesuch entsprochen und Unter­handlungen mit den Vertretern der deutschen Regierung ausgenommen. Da aber gleichzeitig auch mit den übrigen Festlandmächten verhandelt werden müsse, deren Mitarbeit für das Gelin­gen der Anleihe unvermeidlich fei, habe die Aus­gabe der Anleihe eine Verzögerung erfahren.

Die «afftler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal nachmittags. Der Abonnemenispreis beträgt für öen Monar 2. Mk. bet freier Zustellung ins Haus, in der Geschäftsstelle abgebolt 1.80 Mk. Durch die Pott monatlich 2.00 Mk. ausschließlich Zuttellungsgebühr Verlag und Redaktion Schlachtdoittratze 28/30. Ferissprccher 951 und 952 Für unverlangt einyesandte Beiträge kann die Re­daktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rück­zahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ift ausaelchloffen. Postscheckkonto Frankfurt a. Main Kummer 6380.

Die Belgier unö Franzosen.

London, 4. Oktober. (Eigene DraHtmeldunz.) Französische und belgische Bankiers nehmen seit gestern an den Londoner Anleiheverhandlungen teil. Die Unterbringung der achthundert Millio- nen-Anleihe erfordert, wie zum Ausdruck kam, größere Vorbereitungen als man zuerst annahm.

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf 14. Jahrgang

Zum Iubiläumstage.

Staat, Wirtschaft und Handwerk.

Von

Dr. W. Hartmann.

(Syndikus der Handwerkskammer Kassel.)

An einem Jubiläumstage ist es besonders angebracht, sich der Bedeutung des Jubilars für die Allgemeinheit zu erinnern. Es soll deshalb in kurze» Zügen hier dargelegt werden, welche Rolle dos Handwerk für Staat und Wirtschaft spiclt: In wirtschaftlicher Beziehung hat sich wohl im Laufe der Zeiten im Handwerk ein Wandel vollzogen. Das Handwerk des Mittel­alters deckt sich nicht mehr mit dem Handwerk der Jetztzeit. Damals herrschte es vor. Es war der einzige Bernssstand der gewerblichen Güter- erzeugung. Heute steht neben dem Hlladwerk die Industrie. Sie hat ihm einen Teil der Produk­tion abgenommen, ohne allerdings das Tätig­keitsfeld gänzlich mit Beschlag belegen zu kön­nen. Auch für das Handwerk ist noch genug Platz übrig geblieben. Ihm sollt die Aufgabe zu, die Versorgung des lokalen Marktes sicher zu stellen, während der Industtie mit ihren Maffenerzev.gnissen die Befriedigung der großen Iulandsmärkte und Weltmärkte obliegt. In die­sem Unterschied zwischen lokalem Markte und Weltmarkt ist für das Handwerk die Lebensfähig­keit gegeben. Solange es lokale Märtte gibt, und die wird es immer geben, solange bildet auch das Handwerk einen wirtschaftlichen Faktor (vorausgesetzt allerdings, daß man es nickst ge­waltsam zum Schaden unseres gesamten Volkes vernichtet). Welche Bedeutung dieser Tatsache beizumessen ist, das .zeigen schon rein äußerlich die Zahlen über den Umfang des Handwerks, über die in ihm beschäftigten Personen und über die von ihm erzeugten gewerblichen Güter. Das Handirwrk umsaßt

etwa zwei Millionen Betriebe.

In ihnen finden zirka 10 Millionen Menschen Lebensunterhalt Bon ihm werden bedeutende Werte an SacWutern und Leistungen geschaffen. 1913 waren es für 12 Milliarden Mark, das war mehr als die gesamte -»eutsche Ausfuhr und mehr als ein Drittel des deutschen Inlandsverbrauchs. Während des Krieges bat das Handwerk des Handelsla-mmerbezirks Düsseldorf allein 130 Mil­lionen Mark an Heeresanfträgen ansgeführt. Diese Zahlen auch den anderen Kammerbezirken zugrnndegelegt, ergibt für das gesamte Hand­werk eine Beteiligung an den Heeresanfträgen in der Höhe von 6 Milliarden Mark. Es erzeugt also Güter und vollbringt Leistungen, die einen wesentlichen Prozentsatz unserer gewerblichen Produktion überhaupt ausmacben. Das Hand­werk erzeugt gerade die wirtschaftlichen Güter des täglichen Bedarfs. Es versorgt die Bevölke­rung mit Kleidung, Nahrung und Wohnung, die drei Haupterfordernisse für jede Existenz. Aber darüber hinaus liegt »och nicht einmal die ganze Bedeutung des Handwerks in wirtschaftlicher Be­ziehung. Diese tritt erst voll und ganz in Er­scheinung. wenn man bedentt, daß es hoch­wertige Qualitätsarbeit ist, die vom Handwerk geleistet wird. Mit der

Regierungspolitik zustimmen und ihre gegne­rische Haftung gegen die Reichsrermssung aus­geben. Wenn die deuffchmat-onale Partei sich in diesem Sinne entscheiden würde, so bestände nach Auffassung des Reichskanzlers kein Grnnv mehr für die Sozialdemokratie, in der Opposition zn bleiben Nach links legt er großen Wert darauf, die Sozialdemokraten zu bewegen, daß sie ihre klassenkämpferisch: Tendenz bei den Fra­gen, die das gesamte Volk angehen, zurückstellen Auf diese Weise wären die Grundlagen für die Volksgemeinschaft geschaffen und die Politik der Mitte gewähileistet, die die Voraussetzung für eine erfolgreiche Aufbauarbeit ist.

In der Haltung der Mittelpatteien ist aber noch keine Annäherung zu sehen. Während sich die Deutsche V o l k s p a r 1 e i für die Ein­beziehung der Deutschnationalen in die Reichs­regierung energisch einsetzt, mackt sich im Z e n - trum immer mehr eine verscksiedene Auffassung dadurch geltend, daß der linke Zentrumsflügel unter Dr. Wirths Fichrung eine Oppositions- stellnug in dieser Frage einnimmt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß dadurch eine Spannung zwi­schen Deutscher Volspattei und Zentrum heraus- beschworen wird, die den Reichskanzler, der als Zentrumsmann einen Ausgleich erstrebt, in eine schiefe Lage bringen kann. Diese Strömungen bewirken eine Annäherung der Deutschen Volks- Partei an die Teutschnationalen, wahrend auf der anderen Sette ein Teil des Zentrums, die Demokraten und Sozialdemokraten eine Gegeu- bewegung verfolgen. Wer von den beiden Grup­pen bei den Auseinandersetzungen das Uebdr- gewicht gewinnen wird, ist noch zweifelhaft Bei den Demokraten scheint festzustehen, daß sie an einer Regierung, die einem Bürgerblock gleichkäme, nicht teilnehmen wollen Es ist ja von dieser Seite schon die Drohung mit dem Austritt aus der Regierung laut geworden, was wiederum zu Schwierigkeiten führen würde, denn ohne ihre Mitwirkung wäre auch die Grundlage einer durck die Teutschnationalen e"- weitetten Regier ungskoalition unsicher, da dann eine sehr geringe Parlamentarische Mehrheit vor­handen wäre, womit auch die erstrebte Kahinett- Erwriteruna illusorisch gemacht würde.

So zeig) sich den»g?g-nwärtige Stand als nn- gewiß. do die Lage anstatt sie zu klären nur verwirrt worden ist. Auf der einen Seite for­dern die Teutschnationalen für ihren Eintritt eine nnzw eideutige Umgestaltung des Regic- rmrgskurses nach rechts, auf der anderen Seite

Nie Gvzioideniotea en '»i.m Kinzi»?.

Berlin, 4. Oktober. (Telegraphische Mel­dung) Neber die Aussprache, die gestern vor­mittag zwischen de« sozialdemokrati­schen Frattionsführern und dem Reichs­kanzler über eine Regierungsumbildung statt­fand, verlautet daß die Sozialdemokraten dabei zunächst feststellten, daß ihre Partei sich bei der Entscheidung über die Frage der Erweiterung der Reichsregierung nicht von varteitaktischen Erwägungen bestimme,i lasse. Ohne der Stel­lungnahme der lozialdemokratifche» Reichstags- ra'tion vornreifen zu wollen, wurde betont, daß eine qrundsäklickie Ablehnung der Erweite- runn der Reichsregierung im Sinne des Reichs­kanzlers für die Sozialdemokratie nicht i»

Die Negirnmasfrage.

Lrrhand »ngr-Schwierigkeiten.

Wie man vermuten konnte, sind in den Ver­suchen, eine Kabinetts-Erweiterung auf breiter Grundlage lierznftellen, ernste Schwierigkeiten eingetreten, die das Gelingen um einige Zett verzögern werden. Augenblicklich stellt sich die Lage 'so dar, daß des Reichskanzlers Bemühuu- geil. die vom gesamten Kabinett gebilligt wer­den. erst als eine Fühlungnahme mit den in Betracht kommenden Parteien angesehen werden können. Aber schon dieser Anfang sah sich vor so vielen Hindernissen, daß Dr. Marx bereits anaedeutel hat, daß sein Kabinett >m Falle eines Scheiterns zum Rücktrit: ge­zwungen fein werde. Diese Entwicklung zeigt ailks Neue die parteipolitische Uneinigkeit, die noch keine Politik von höherem Gesichts­punkte ziiläßt. Die Gegensätze sind immer noch zu stark ausgeprägt und die Kampsesweise ist noch zu sehr vom Haß diktiert eine betrübende Erscheinung, die zwar ihrm Ursprung in de» wirtschaftlichen Nöten und in dem außenpoliti­schen Druck hat. aber doch auch ans die partei­politische Engherzigkeit zurück,uführen ist, weil die Flügelparteien nur von der Opposition leben. Wir könnten innerpolitisch schoss viel weiter in der Aufbauarbeit vorgeschritten fein, wenn nicht immer wieder der Zwist von den bezahlten Parteiagitatoren künstlich geschütt würde. Anstatt die gemeinsamen Berührnngs- puiifte zu suchen, sind sie immer darauf bedacht, das Trennende heivorzuheben und das Volk zu ,r zersplittern. Solange diese falsche geistige Lw- wMrmg vorherrschend ist, wird auch in den Parlamenten keine ersprießliche Arbeit geleistet werden können. Umso mehr wäre es die Aus­gabe der Mittelparteien, sich feitet zusammcnzu- schlietzen, aber leider auch da stößt man auf kleinliche Eifersüchtelei und Verdrossenheit.

Die Besprechungen des Reichskanzlers mit de» Parteiführern, die in den letzten Tagen stattianden. lassen die Lage noch nicht klar er­kennen, da wieder mit allen möglichenBedin­gungen- undGarantien" gearbeitet wird Der Kanzler steht bei seinen Vermittlungs­versuchen nach wie vor auf dem Standpunkt, daß eine Ei Weiterung nach rechts und links zu­stande kommen muffe. Man braucht nicht daran zu zweifeln, daß es ihm mit diesen Bemühun­gen sehr ernst ist. Nach rechts kommt es hm dar­aus an. die D e u t i ch n at i o n a l e n zu bewe­gen. daß sie der Fortführung der bisherigen

Die Anleihe für Deutschland

OeffenMche Zeichnung wahrscheinlich Mitte Oktober.

erftnrer sich, wie verlautet, die Sozialdemokraten j Frage komme, daß aber vor abschließender Stel- auch zum Eintritt bereit, wenn der Regicrungs-1 lummechme völlige Klarheit geschaffen werden kurs nach links gewendet würde. Selbst Wenn'