Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
Nummer 224. Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf. Dienstag, 23. September 1924. Einzelnummer 10 Pf , Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang
Die Umbildung der Reichsregiemng.
Das Abrüstungsspiel.
Die Frage einer Konferenz.
Der Beschluß der Genfer Völkerbundverfamm- lung, bis zum 15. Juni nächsten Jahres eine internationale Abrüstungskonferenz einzuberufen, hat in den Berliner Regierungskreisen lebhafteste Beachtung gefunden. Man erklärt, daß Deutschland einer Einladung zur Teilnahme an dieser Konferenz selbswersi ndlich Folge leisten werde, da das Deutsche Reich ein Interesse an der Abrüstungsfrage hat. Es lasse sich allerdings voraussehen, daß die Durchführung dieses Konferenzplanes auf außerordentlich große Schwierigkeiten stoßen werde, über deren Ausmaß sich die deutsche Oeffentlichkeit gar kein zuverlässiges Bild machen könne. Trotzdem sei es schon ein wesentlicher Fortschritt, daß man in Genf den Mut gesunden hat, den Beschluß zur Einberufung einer allgemeinen Abrüstungskonferenz ,u fassen.
Die Verwirklichung einer allgemeinen Wbrüstungsaktion in Europa würde nach Meinung der maßgebenden deutschen Regierungskreise mindestens fünf Jahre in Anspruch nehmen. Der Plan der Genfer Völkcrbundver- fam.mlnng erscheine daher im ersten Augenblick reichlich kühn. Trotzdem aber dürfe man keineswegs den außerordentlich großen Wert verkennen, der schon allein in der vorbereitenden Diskussion, des Problems der allgemeinen Abrüstung unter den beteiligten Großmächten gegeben ist. Diese Diskussion würde zum mindesten erkennen lassen, welche Stellung die eine oder die andere Großmacht einnimmt, welche politischen und moralischen Forderungen sie geltend macht und ob sie überhaupt an der Abrüstungsfrage interessiert ist und die Bereitschaft zeigt, an den Garantleen zur Durchführung eines eventuellen allgemeinen Abkommens mitzuwirien.
Oh die allgemeine Abrüstungskonferenz überhaupt Zustandekommen wird, muß im gegenwärtigen Augenblick noch stark bezweifelt werden. Man hält es aber in den deutschen Regierungstreisen bereits für einen wichtigen und bedeutungsvollen Fortschritt, daß die Genfer Völkerbundversammlung die Probleme der Friedenspakte und der allgemeinen Abrüstung miteinander verbunden hat. Man darf auch nicht vergessen, daß diese beiden Probleme in der künftigen Entwicklung der Welt- volitik überaus wichtige Faktoren darstellen werden, di« namentlich moralisch einen starken Druck aus die öffentliche Meinung der Welt ausüben weiden. Und dies ist gerade für Deutschland von großem Wert, da die allgemeine Erörterung dieser Probleme der deutschen Regierung die Möglichkeit bieten würde, die Fragen der Kriegsschuld und der allgemeinen rechtlichen Friedensgarantien auf breitester Grundlage aufzurollcn. Man spricht daher in den maßgebenden Kreisen des Berliner Auswärtigen Amtes die Erwartung aus, daß der deutschen Regierung die Gelegenheit geboten werde, an den vorbereitenden Diskussionen zur Lösung der Ab- lüstungsfrage mitzuwirken.
Eine Frage, die mit der Abrüstungskonferenz in unmittelbarem Zusammenhang steht, ist das Problem der Rüstungskontrolle, durch den Pol- kerbund, die ungerechtcrweife zunächst nur den besiegten Staaten gegenüber praktisch durckgeführt werden soll. Hier hat man in Gens die Klausel ausgestellt, daß die besiegten Staate r in den Kontrollorganen nicht vertreten sein sollen. Die Erörterungen über die allgemeine Abrüstung wird nach deutscher Auffassung dazu führen müssen, daß man endlich einmal die Frage auswirst, wie lange der Völkerbund in seinen Statuten den Begriff .Siegerstaaten" uid » .besiegte Staaten" anerkennen wird. Je mehr die Notwendigkeit einer Konsolidierung des europäischen Friedens anerkannt wird, umso stärker wird sich auch das Bestreben geltend macken, die rechtliche und moralische Position der im Weltkriege unterlegenen Staaten wiedcrberzu stell en und sie an den allgemeinen Friedensgarantien teilnehmen zu lassen. Diese Voraussetzungen werden schon jetzt teilweise anerkannt. Es wird daher auch von größter Wichtigkeit sein, ob es gelingen wird, in absehbare: Zeit mit einer grundlegenden Revision der unhaltbaren Völkerbundklauseln zu beginnen.
Man wird abwartm müssen, wie sich die a me r i k an i s ch e Regierung zu dem Problem der internationalen Abrüstungskonferenz stellen wird. Die öffentliche Meinung Amerikas hat seit Jahren immer und immer wieder die Forderung nach de: internationalen Abrüstungsloii- serenz erhoben und das Fernbleiben von den europäischen Angelegenheiten wiederholt damit begründet, daß Europa erst an die Abrüstung Herangehen müsse, ebr Amerika daran denken könne, sich au dem Wiederaufbau Eurovas zu beteiligen. Man fragt sich daher in Deutschland, ob die Möglichkeit eines Eingreifens Amerikas gegeben fei. Ist dies der Fall, so darf man von den Diskussionen über die allgemeine Abrüstung auch wirklich positive Ergebnisse erwarten. Dir Washingtoner Abrüstungskonferenz, die
Deutschland und der Völkerbund.
Deutschlands Eintritt scheint gesichert.
Reichskanzler Marx befürwortet den Aufnahme-Antrag.
Radolfszell, 22. September. (Eigener Drahtbericht.) Auf dem gestern hier stattgcfundenen Landesparteitag der badischen Zentrumspartei sprach Reichskanzler Marx über die Reichspoli- tik. Zur Frage des E i n t r it t s Deutschlands in den Völkerbund sagte er, wenn der Gedanke des Völkerbundcs.sö oft verdächtigt würde, so geschehe es nur deshalb, weil diese Institution gegenwärtig noch unvollkommen sei und sich viele noch nicht im wünschenswerten Maße in die Idee eingelebt haben. Man müsse es verstehen und billigen, wenn Deutschland in voller Wahrung seiner Ehre und seiner Anerkennung als Großmacht einen A n t ra g auf Annahme in den Völkerbund stelle, der ihm seine Freiheit lasse und seinen berechtigten Ansprüchen gerecht werden müßte. Man dürfe zur Erreichung dieses Zieles keine Gelegenheit verstreichen lassen. Ob das Kabinett nm Dienskag in diesem Sinne zu einer Entscheidung kommen roeOe, das wisse er noch nicht. Doch glaube er, daß gegenwärtig eine große Zahl von Momenten dafür sprechen. Sein Kabinett werde nur den Weg des Rechtes und der Gerechtigkeit zu gehen haben, und sein zweites Ziel sei, für das Vaterland zu arbeiten. Dir Einheit deS Reiches sei das höchste Ziel. Deutschland dürfe kein Stück Boden mehr verlieren, da e© schon soviel verloren habe.
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Nansen gibt günfilge 3 sagen.
Sigmaringen, 22. September. (Telegraphische Meldung.) Heber den Besuch des norwegischen
sich allerdings nur mit den Rüstungen zur See befaßt hotte, hat immerhin ganz nennenswerte Resultate gezeitigt. Wenn Amerika hinsichtlich der allgemeinen Abrüstung ebenfalls seinen ungeheuren Einfluß aufbieten würde, um die europäischen Staaten zur Durchführung einer großzügigen Abrüstungsaktion zu zwingen, so wäre damit schon ein wichtiger Schritt vorwärts getan. Man hat in Berlin den Eindruck, daß Amerika gegenwärtig hinter den Kulissen bereits einen bedeutungsvollen Einfluß auf die Entwicklung der europäischen Politik geltend macht, sodaß eine M i t w i r k u ng der Vereinigten Staaten an dem Abrüstungsproblem nicht ganz unwahrscheinlich ist. Ob dabei die Interessen Deutschlands zur Geltung gelangen werden, ist allerdings eine andere Frage. Darüber muß sie Zukunft enffcheiden.
Die neuen Kubinettfragen.
Vor wichtigen Entscheidungen. (Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 22 September.
In den politischen Kreisen sieht man dem für Dienstag angesetzten Kabinettsrat in Berlin mit großer Spannung entgegen. Tie Mitglieder des ReichSkabinetts werden in Berlin versammelt sein, sodaß bereits zu diesem Zeitpunkt wichtige Vorbesprechungen zwischen dem Reichspräsidenten Ebert, dem Reichskanzler Dr. M a r r und dem Außenminister Dr. Stresemann stattfinden werden. Wie wir erfahren, werden tm Vordergründe der Beratungen die Probleme des Eintritts in den Völkerbund und die Umbildung der Reichs- rcgicrung stehen. Sehr wahrscheinlich wird auch über die bevorstehenden deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungcn zespro- chen werden, die in den nächsten Wochen eine wichtige Rolle spielen dürften. Weiter verlautet, daß das Reichskabinett die Einberufung des Reichstages erörtern wird, da sich in den parlamentarischen Kreisen der Wunsch auf früheren Parlamcntszusammcntritt immer lebhafter geltend macht.
In den parlamentarischen Kreisen erwartet man mit großer Bestimmtheit eine grundsätzliche Entscheidung der Reichsregierung in der Frage des Völkerbundes. Da der Reichskanzler Marx in Sigmaringen den bisher streng geheim gehaltenen Besuch des berühmten norwegischen Völkerbundsdelegierten Nansen empfangen hat, nimmt man an, daß sich die vorbereitende» Verhandlungen darüber bereits im entscheidende^ Stadium befinden.
Der deutsche Botschafter in Paris, Herr von H o e s ch. der seit mehreren Tagen in Berlin weilt, wird voraussichtlich vor dem entscheidenden KabinettSrat noch wictstige Besprechun-
Völkerbund-Delegierten, des bekannten Forschers Fritjofs Nansen beim Reichskanzler Marx verlaute, Nansen sollte mitgeteilt haben, daß Deutschland bei seinem Eintritt in den Völkerbund einen ständigen Ratsitz erhalten werde. Außerdem habe Nansen darauf hingewiesen, daß bei einem Eintrit Deutschlands die F r i st e n für die Räumung des Ruhrgebiets beMeunigt werden würden.
Etwaige -Aufnahme im nächsten Zoyr.
Gens, 22. September. (Eigene Drahtmeldung.) Man glaubt hier allgemein, daß die Aufnahme Deuffchlands in den Völkerbund in dieser Tagung ans formellen Gründen nicht mehr möglich sein wird, selbst wenn der deutsche Antrag sofort nach dem Kabinettsrai am Dienstag eingehen sollte und selbst wenn dic Völkerbundsversammlung bjs in die nächste Woche hinein dauern würde. Bis ein Antrag auf die Tagcs- ordnuug der Versammlung käme und bis er an die Kommissionen verwiesen und in diese» behandelt würde, würde zu lange Zeit vergehen als daß die Völkerbundsversammlung den deutschen Antrag noch erledigen könnte. Man rechnet aber damit, daß die Möglichkeit einer solchen Tagung des Völkerbundes zu Ende diesks oder Anfang nächsten Jahres für bett Fall, daß ein deutscher Antrag in der Tat eingehen sollte, gegeben ist Man hofft, daß mit Deutschland zugleich auch die Türkei in den Völkerbund ausgenomen werden fönte.
gen mit dein Reichskanzler und dem Außenminister haben. Er wird Mitte der Woche bann roteber nach Paris zurückkehrcn.
KemeNeigung zumAbMen
Frankreich will „genügenb stark sein".
(Eigener Drahtberichl.)
Paris, 22. September.
Der frühere Kriegsminister M a g i n o t hielt auf einem Kongreß ber früheren Kriegsteilnehmer eine Rebe, in ber er unter anderem erklärte, daß es nicht genügen könne, den Frieden zu wollen, um den Krieg zu vermeiden. Der Friede werde nicht zustande komme», wenn man dem früheren Angreifer glauben werde, umsoweniger als dieser nach wie vor Beweise seiner kriegerischen Absichten zu erkennen gebe. (?) Um beit Frieden zu sichern, müsse man genügend stark sein, ohne indessen den Krieg zu wollen. Gerade wie es Individuen gebe, die sich dem Gesetze nicht unterwerfen, so gebe es auch Nationen, die ihre eingegangenen Verpflichtungen nicht halten. Unter diesen Umständen würde cs töricht sein, auf die B ü n d n i f s e z» verzichten, die eine der ersten Bedingungen für die Ehre Frankreichs seien Die französische Armee sei die beste Garantie für die Sicherheit Frankreichs. (!)
Um bie britische Fiotte.
Keine Bereitstellung für den Völkerbund.
(Eigene Trahtmeldung.)
London, 22. September.
Der vormalige Lord der Admiralität Amery schreibt in der „Sundaq Timc^" zu den Völker- vundsvcrhandlungen, wenn England sich verpflichte, bei jedem europäischen Streit einzugreifen, so bedeute dies, daß es seine Streitkräfte, vor allem also seine Flotte, endgültig dem Völkerbund zur Verfügung stellen müsse, gleichgültig, ob dies jn dem abzuschlicßenden Pakt gesagt werde oder nicht. Wenn es England damit ernst sei, so müßte es seine Flotte um mindestens 50 Prozent vermehren und laufe außerdem Gefahr, Srtc g mit aller Wett zu bekoMmen. Habe es nicht ernstlich diese Absicht, dann habe es auch kein Recht, den Pakt zu unterzeichnen.
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Englische Brotefte.
London, 22 September. (Eigene Drahtmel- dung.) Die unionistischc „Morningpost" schreibt, daß die «monistische Partei gegen die B e - reitstellung der englischen Flotte für den Dienst des Völkerbundes entschiedenen Einspruch erhebt. Außenpolitische Verpflichtungen für die englische Flotte fänden keine Unterstützung im Unterhause., Auch die liberale „Westminstergazet- tc" schreibt, daß kein engliscktes Parlament sich bereit finden wurde, die englische Seemacht einer Institution zur Verfügung zu stellen, die nicht identisch mit der englischen Regierung wäre.
Der Brotpreis.
Stellungnahme der Kasseler Handwerkskammer.
Unter der rieders«drlstRei<d«wtrtfchaftsmintfler BrotpreUfrage wurde vor einiget Seit ein
Ertatz des Reichs.SrnithrungsminifterS i»r Kenntnis gebracht, der sich mit der Brotpreis, frage beschäftigte und ganz allgemein die Er- Höhung der »rotpreise nach dem Juli für unberechtigt erstatt. Dazu schreibt uns die
• Sandwerkskammcr Kaffer, daß diese Aus- laffungeo des ReichSeruShruugsminister« nicht unwidersprochen bleiben rönnen, da sie sowohl zeitlich als auch örtlich in keiner Weise zulreffen
Zur Klarstellung der Angelegenheit gibt die Kasseler Handwerkskammer das Folgende kund: 1. Die Veröffentlichungen in den Zeitungen erwecken den Eindruck, als wenn die Ausführungen eine offizielle Presseverlantbarung des Aeichsernährungsministers wären. Tatsächlich war es redoch nur ein internes Rundschreiben an die Nachgeordneten Dienststellen, das bereits am 13. August abgegangen ist und die Preisverhältnisse vom Anfang August behandelt hat. Wie durch eine persönliche Rücksprache von Vertretern des Bäckerhandwerks mit dem Ernäh- rungsminister sektgestellt wurde, steht das E'- nährungsministerium dieser Veröffentlichung ganz fern, zumal sie durch die heutigen Verhältnisse, wie in der Besprechung ausdrücklich ve» stätigt, gänzlich überholt ist. Jn der Notiz wurde besonders geltend gemacht, daß die Bäcker, die die Mehlverbilligung ohne weiteres hingenommen Hatten, nun auch bei der Erhöhung des Mehlpreises einen enffprechenden Ausgleich geben mußten. Es wird also behmip- tet, daß ein Mehlpreisabbau vorübergehend do- gewesen sei. Es bleibe dahingestellt, ob in einzelnen Teilen Deutschlands eine Verbilligung des Mehles eingetreten ist
Für bett Kasseler Bezirk
ist dies jedoch feit Anfang Juli nicht dec F' Vielmehr ist feit dieser Zeit eine stete Erhöhung der Kasseler Mehlpreise, die allein für den Brot- Preis maßgebend sind, eingetreten. Während Anfang Juli das Mehl noch 25 bis 26 Mark kostete, ist der Preis jetzt 33 Mark. Daß diese Erhöhung im Preise berücksichtigt werden muß, kann von keinem gerecht denkenden Menschen bestritten werden Die vor dem 1. Juli mal für kurze Zeit eingetretene geringe Verbilligung des Mehles (von zwei Markt ist einmal im Brot- preis zum Ausdruck gekommen, zum anderen aber ist sie durch die Lohnerhöhungen und Erhöhung aller sonstiger Unkosten glatt ausgeglichen worden. Es ergibt sich also, daß die Voraussetzungen, von denen man bei der Veröffentlichung ausgegangen, für den Kasseler Bezirk nicht zutresfen. In den Veröffentlichungen wird endlich auch ein Vergleich der Spannungen zwischen Roggen- und Brotpreis von 1913 und 1924 angestellt. Hierzu muß gesagt werden, daß für den Bäcker nicht ber Roggenpreis, sondern der Roggen mehl Preis maßgebend ist. Wenn ein Vergleich vorgenommen werden soll, an den so weittragende Folgerungen geknüpft werden, so muß der Vergleich stimmen, was hier nicht der Fall ist Setzt man nun mal die Spannungen des Roggenmehlpreises und des Brotpreises von 1914 und 1924 ins Verhältnis, so ergibt sich das für die Böcker äuerst günstige Bild, daß sie
stet? weit hinter den Mchlpreiserhöhungen zurückgeblieben sind. Der Zeutralverband der Bäckerinnungen hat den Reichsernährungsmini- fter Material übersandt, das gerade in dieser Beziehung interessant ist und das auch für d;u Kasseler Bezirk zutrifft. Tie darin verwendeten Zahlen ünb alle' amtlichen Statistiken entnommen. Während in 1914 die Spanne zwischen Rcggenmehlpreis und Brotpreis 7,15 oder 34,29 Prozent betrug, machte sic an den einzelnen Tagen im August folgendes aus: 1. August 1924 2,25 ober 8,7.3 Prozent, 10. Sept. 1924 2.50 oder 9.19 Proz., 15. August 1924 1.— oder 3,33 Proz. Damit ist der einwandfreie Beweis erbricht, daß bei allen Preissteigerungen der letzte Produzent den Preisen nicht nachkommt und nachkommen kann, trotzdem man ihn für die Steigerungen, au denen er unschuldig ist, die erbittertsten Vorwürfe macht. Aus allem ergibt sich, daß die Voraussetzungen für die Ausführungen des Reichsernäbrungsminisierinms für den Kasseler Bezirk nickt zutreffend sind. Damit entbehren auch alle Folgerungen daraus jeder Grundlage.
Tagung ves Großhandels.
Zentralverbands-Bcrsammlung in Berlin Berlin, 21. September.
Der Zentralverband des Deutschen Großhandels hielt am Sonnabend im Saale des Reichswirtschaftsrates in Berlin seine achte ordentliche Mitglieberverfanunlund ab. Der Präsident des Zentralverbandes. Dr. R a ü e nfi, gedachte >u einer Ansprache der Lasten, die das Tawesschr Gutachten dem Großhandel auferlege. Der Großhandel sträube sich nickt gegen diese Lasten, dock liege der Gedanke nabe, ob nicht besser die Last auf das ganze deutsche Volk zu verteilen sei.