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Kasseler Maeste Nachrichtm

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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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drum Mer 220. Einzelnumnier 10 Pf-, Sonntags 15 Pf. Dvrmerstag, 18. September 1924. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf. 14. HahrgtMg

Kabmettfitzunil in der tommenöro Woche.

Das einige Kabinett.

Marx und Stresemann.

In der Presse der Linksparteien war in den letzten Tagen mehrfach von einem Mißverständ­nis zwischen dem Reichskanzler Marx und dem Außenminister Stresemann die Rede, weil Dtrc- semann in Fragen einer etwaigen Regierungs­umbildung eigenmächtig gehandelt habe. Jetzt ist demgegenüber in den Berichten über die Ka­binettsbildung erklärt worden, daß zwischen den beiden Staatsmännern sowie im ganzen Kabi­nett volle Einmütigkeit herrsche. In man­chen Fällen ist es ja selbstverständlich, daß zwei ausgeprägte Politiker wie Marx und Stresemann, die auch Führer von recht verschiedenartigen Parteien sind, nicht in allen Dingen und Einzel- briten einer Meinung sein können. Auch in den zur Debatte stehenden beiden Hauptfragen Ab­sendung der Kriegsschuldnote und Völkerbund dürften sich ihre Ansichten in Nuancen unterschei­den. Aber damit ist noch lange nicht gesagt, daß die Linke ein Recht darauf hätte, den Kanz­ler für ihre Auffassung in Anspruch zu nehmen. Vielmehr wird man diesen ebenso wie Dr. Stre­semann zur ansgleichenden Mitte rech­nen müssen und kann deshalb annehmen, daß cs zu keinem tragischen Konflikt kommen wird.

Es ist allerdings ungewöhnlich, daß der Außenminister dem Kabinettsrat vorgcgrisfen und seine persönliche Stellungnahme bekan ttge- geben hatte. Mein das meiste, was er sagte, war rückschauend, um denDruck" der Deutsch- nationalen auf den Kriegsschuld-Protest als recht unerheblich darzustellen. Auch seine Worte über den Völkerbund können nur denen als glatt ablehnend erscheinen, die ein deutsches Ausnah­megesuch (auf gut Glück) garnicht abwarten kön­nen. Die vorsichtigere Haltung des Außenministers, die erst den Sitz im Völker­bundsratgesichert" haben und die Frage der Kriegsschuld keinesfalls zu unseren Üngunsten offen lassen will, wird sowohl vom Reichskanzler als auch von der Volksmehrheit gebilligt. Mtt Betonung hat Dr. Stresemann die Versuche a b - gelehnt, hier wieder einmal die polit:- schcn Agitationsbedürfnisse in die Außenpolitik hineinspielen zu lassen. Das ist ja in der Tat das charakteristische der gegenwärtigen Lage. Die Sozialdemokraten und die Demokra­ten wenden sich naturgemäß gegen alles, was irgendwie mit dem Gedanken der Regierungs­umbildung nach rechts zusammenhängt und wol­len die wettere und zwar festere Anlehnung der Mittelpärteien an die Linke herbeiführen. Hier­gegen wehrt sich die Deutfche Volkspartei, aber auch ein großer Teil des Zentrums.

Es ist sehr ausfallend, daß dieZeit" am Tage der Rückkchr Dr. Stresemanus nach Ber­lin zwei Aeußerungen über die innerpolttische Lage gebracht hat, die recht merkwürdig neben­einander stehen. Da wird der AusdruckBür- g e r b l o ck" ab g e l e-h n t und die Koalition der nicht sozialistischen Parteien nur als eine Etappe zur Volksgemeinschaft be­zeichnet, die keineswegs eine Ka m p f s r o nt gegen links sein solle. Aber so heißt es dann weiter solange die Sozialdemokratie an der Polittk des Freihandels fssthalte, werde es nicht möglich sein, die Politik des Schutzes der heimischen Erzeugung mit ihr gemeinsam zu machen. Daneben steht nun ein Artikel über die Deutschnationalen, der auf die sehr ernste Mah­nung an dieI a"» S a g e r der Rr.chten binausläuft, daß sie mtt einem weiteren Kamps gegen das Londoner Abkommen daS Recht ver- wirten würden, das sie durch ihre Abstimmung im Reichstage erworben zu haben glaubten. Grundsätzlich müsse die Ausführung des Gutach­tens von den Deutschnationalen bejccht werden und zwar von der Gesamt--eit der Pattei. Wie liegen mm die Verhältnisse dorts Die Ver- tretcrtaguna ist auf den 30. September anbe­raumt und hie große Mehrzahl der gegenwätti- gen Stimmen aus dem Lande laßt darauf schlie­ßen, daß ein Wechsel in der Patteileitung ein­treten wird und zwar in der Richtung der schärf­sten Tonart. (Ob ein Teil bet Jasager sich dabei loslöst, ist natürlich noch ganz ungewiß). Man steht wirklich kaum eine Möglichkeit dafür, daß die von derZeit" aufgestellten Bedingungen er- stillt werden tonnten. Dann aber ergibt sich doch das Bild, daß Dr. Stresemann weder mit den Sozialdemokraten noch mit den Deutschua- tionalen glaubt regieren zu können. Stellt man die Aeußerungen aus den beiden Zentrumslagern zusammen, so kommt man aus dieselbe Synthese heraus. Die logische Schlußfolgerung wäre dann, daß nur zweierlei übrig Riebe: entweder der Versuch einer Fortsetzung der Minderheitsregie­rung mit wechselnden Mehrheiten oder die bal­dige Reichstagsauflösung.

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Morr und Stresemann dementieren.

Berlin, 16. September. Amtlich wird fol­gende Erklärung veröffentlicht: SZn einem Tele- gram des sozialdemokratischen Parlamentsdien- sies werden Aeußerungen von Lord Par- o o r verbreitet, die sich auf .Verhandlungen"

Vertrag werde die Freundschaft mit einem Nach- barstaate befestigen. Wie der Corriere della Sera bestätigt, ist dieser Staat die S ch w e i z, mit der ein allgemeiner Schiedsgerichtsvertrag vorberei­tet wird. Diese Verhandlungen würden in die­sen Tagen abgeschlossen werden und die Unter­zeichnung vielleicht noch in dieser Woche erfol­gen. Der Vettrag verdient besondere Aufmerk­samkeit mit Rücksicht auf die Erörterungen der Schiedsgerichtssrage im Völkerbund und als Beweis für die guten Beziehungen zwischen Ita­lien und der Schweiz.

Negierung und Reichstag.

Neue Kabinettssttzung in der nächsten Woche. (Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 17. September.

Rack den mehrfachen Erklärungen des Reichs- außenminifters Dr. Stresemann und nach der halbamtlichen Verlautbarung besteht so gut wie gar kein Zweifel mehr, daß die Sitzung des Reichskabinetts, die am 22. September unter dem Vorsitz tzrs Reichspräsidenten Ebett stattfindet, die Absendung der Kriegsschuldnote nicht beschließen wird. Dazu bemerkt der Börsenkurier: Einstweilen wird nichts erfolgen. Die Frage ist erledigt. Die Ankündigung der Absendung durch' Stresemann mit samt ihren in­nerpolitischen Verabredungen, aus denen sie ent­standen ist, liegt bei den Akten. Der Reichs- kanzler Marx hat gestern Berlin verlassen, um noch einige Tage seinen unterbrochenen Urlaub fottzusetzen. Reichsaußenminister Dr. Strefe* mann beabsichtigt heute auf einige Tage Berlin zu verlassen. Beide Minister werden am 23. Sep­tember wieder nach Berlin zurückkehren, so daß dann das ganze Kabinett wieder versammelt ist.

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ReiHtziagseinberufung am 15. Oktober.

Berlin. 17. September. (Telegraphische Mel­dung.) Der Reichst^ wird, wie nunmehr fest­steht, vor dem 15. Oktober nicht einberufen wer­ben, falls nicht Ereignisse eintreten, die einen früheren Zusammentritt notwendig machen. Es ist, wie aus der Reichsregierung nahestehenden Kreisen verlautet, nicht zu erwarten, daß die Reichsregierung in der Frage der Kriegsschuld­lüge und des Beitritts Deurschlands zum Völ­kerbund ir^ndwelche Entscheidungen treffen wird, bevor der Reichstag wieder zusammenge- tteten iit- ,

Kein Entschluß im Völkerbund.

Die Verhandlungen verlieren sich inS Uferlose. Urrterausfchiifse quälen sich mit den Problemen ab.

Genf, 17. September. (Eigener Drahtbericht.) Tie Sanktioitsverhandlungen in Viens haben am gestrigen Tag leine wesentlichen Fort­schritte gemacht. Die Verhandlungen beginnen sich ins Uferlose zu verlieren. Die englifch-französisü>c Einigung hat besher kein Echo bei den übrigen Delegationen gefunden. Ge­stern nachmittag erfolgten Erkläruilgen der Ver­treter der drei skandinavische» Staaten, daß sie militärischen Sanktion eg n i ch t z u st i m m e n könnten.

Gicherungsp.'an für Streitfälle.

Genf, 17. September. (Eigener Drahtbericht.) Ucber das französisch-englische Einigungsprojekt in der Sicherheits- und Schiedsfrage daS dem Zwölfer-Komitee zur Beratung, vor- liegt und das von den Komitee-Mitgliedern ge­heimgehalten wird, kursiert heute in den Kreisen des Völkerbundes folgende Mitteilung: Das Projett besteht ans einem Vorwort, dem Artikel und zwei Zusatzartikeln. Im Vorwort wird zum Ausdruck gebracht, daß die unterzeichnen- den Staaten ihre gesamte Land-, See- und Luftstreitkräfte dem Völkerbund zur Verfügung stellen. (i} Dann folgen einige Artikel über die Organisation des Schieds- und Vcr- mittlungsversahrens, das für alle beitretenden Mitglieder obligatorisch ist. Sobald ein Kon­flikt ausgebrochen ist, haben die Vertragsstaaten Sorge zu tragen, daß eine entmilitari­sierte Zone geschaffen wird und daß durch militärische Sachverständige eine Kontrolle dar­über ausgeübt wird, daß in den am Konflikt be­teiligten Staaten keine Kriegsrüstungen vorgenommen werden. Alle Staaten, die der Vereinbarung beitrettn, müssen dem Völkerbund vollständige Statistiken über ihre Land-, See- und Luftrüstungen zur Verfügung stellen und

mit dem Reichskanzler und dem Außen­minister über die Frage des Eintritts in den Völkerbund beziehen. Wir wissen nicht, ob die Aeußerungen Lord Parmoors tatsächlich gefal­len und vom sozialdemokratischen Parlaments- dienst richtig wiedergegeben sind. Tatsächlich hat aber Lord Parmoor anläßlich der Anwesenheit des Reichskanzlers, des Außenministers und des Finanzministers Dr. Luther am Sonntag, dem 10. August, in Henley mit keinem der deut- l'chen Delegierten über hie Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund gesprochen.

werden verpflichtet, an einer Abrüstungskonfe­renz teilzunehmen.

Äie Finanzierung für Oesterreich.

Genf, 17. September. (Eigener Drahtbericht.) Tas Komitee hofft, daß es der Regierung im Verein mit den maßgebenden Stellen in Oester­reich gelingen wird, die Durchführung aller Reform Maßnahmen zu sichern, sodaß das neue Finanz-Kontrollsystem in einem nicht allzufernen Zeitpunkt in Kraft treten wird. In einer einstimmig unjeuemmenett Resolution sprach der Rat feine Befriedigung über die er­zielte Vereinbarung aus. Bundeskanzler Sei» p el gab in längeren Ausführungen in deutscher Sprache einen Ueberblick über die Vorgeschichte der jetzigen Vereinbarung. Er erinnerte daran, daß die österreichische Forderung daraus erwach­sen sei, daß die Gesamtanleihe nicht für die Til­gung des Defezits verwend wurde und ande- rerfeits die StnatsanSgaÄen den vom Völker­bund vorgesehenen Stand überschritten hätten. Er sehe in dem Beschluß des Rates, der eine Er­höhung des Budgets und eine bessere Verwal­tung der Anleihe ermögliche, den Beweis für das Vertrauen und die Sympathie, die man Oester- reich entgegenbringe. Allerdings müffe et auch Rechenfchast darüber ablegen, daß einige Punkte in Oesterreich enttäuschen wurden, so vor allem die Zeitdauer für die Aufhebung der Kontrolle.

^iHfeUise 2Jefrttöi&uti£.

Die einzelnen Ratsmitglieder, vor allem I u v e n e l - Frankreich, Parmoor-England und B e n e f ch - Tschechoflowakei sprachen hierauf ihre Genugtuung Wer die erzielte Verein- barung und ihr Vettrauen in die weitere glück­liche Entwicklung Oesterreichs aus. Bor den Pressevertretern gab später noch der österreichi­sche Finanzminister Kienböck einen op­timistisch gehaltenen Ueberblick über die durch das neue Abkommen erziehen Ergebnisse.

Dawesplan - Durchführung.

Die fremden Kontrollausschüffe.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 17. September.

In der gestrigen Rachmittagsfitzuna der Re- parationskommifsion gab der Generalzahlungs­agent Owen Young einen Bericht über feine Ber­liner Besprechungen. Die Ausführungen Owen Uougns bildeten den Gegenstand eines Mei­nungsaustauf ches, aus dem hervorgeht, daß die Reparattonskommisston und die nengeschasfene» Organismen ,ur Durchführung des Sachverstän» digenplanes eng zusammenarbeiten. Einige De­legierte unterbreiteten Dmen Young einige Fra- gen, auf die er in einer von der ReParationS- kommifsion einzuberufenden neuen Sitzung ant­worten wird. Die Reparationskommission hat im Lause der Nachmittagssitzung die Ernennung einiger Beamten für die im Dawesplan vorge­sehenen Organismen vollzogen. Die Namen der Beamten sind noch nicht bekanntgegeben worden.

Für die deutsche Anleide.

Paris, 17. September. (Eigene Drahtmel­dung.) Ein französisches Wirtschaftsblatt ver­breitet die Nachricht, die meisten vom Finanzmi- nifter Clemente! befragten Direttionen der Pri­vatbanken hätten hinsichtlich der französischen Beteiligung an der tntfsirfcgenbe« Anleihe von 500 Millionen Goldmark erklärt, daß sie die oon den amerikanischen Bankiers aufzusftllenden Be­dingungen unterstützen wollen. Nach dem Blatt haben die beteiligte« Kreditanstalten ihre Betei­ligung zugesagt.

Italien und feine Nachbarn.

Ein Vertrag mit der Schweiz.

(Eigene Drahtmeldung.)

Mailand, i7. September.

Mussolini hat tu Neapel aus die Außenpoli- tik anspietud die baldige Unterzeichnung eines Bettrages angekündigt und hinzugefügt, dies«

Sn der Mandschurei

Mit Feder und Kurbelkasten"

Von

Colin Roß.

* vielen Brief unsere« Mitarbeiter« Colin Motz drucken wir aaftatt ans der Beilage heute an dieser Stelle ab, weit gerade der Aufenthalt auf dem nord-yinefifche» «riegSschauplatz aktuill.ft Das Reich Chang-Tso-ltns.

Es ist das Reich der Kontraste. Der Schnell­zug mag eben noch eine uralte Pagode oder ei­nen ragenden Lamaturm mit bauchiger Zwie­belkuppel, die in eine Art gotische Spitze aus- läust^passiert haben und gleitet kurz daraus an modernsten Hochöfen und Stahlwerken vorbei. Zonen von Reis» und Weizenfeldern folgen wü­stenartige Steppen, in denen wirbelnde Sandstür. ine lanäfam ziehnde Karawanen in dichte Schlei- er hüllen. In Mukden, der Hauptstadt der Mandschurei, und Residenz Chang. Tso-lins, das gleiche Bild. Vom Bahnhof, der wie auf den meisten Stationen der Süd- mandschurischen Bahn gleichzeitig Hotel ist, kommt man auf einen Platz von fast erschreckenden Ausmaßen. Straßen laufen radiensörmig von ihm aus, auf denen Regimenter in Kompagnie- front marschieren könnten. Für die wenigen Rikschas und Wägelchen und spärlichen Autos, die sie passieren, hätte ein Viertel der Breite noch überreichlich genügt. Aber die Russen, die dies» Stadt anlegten, bauten wie in allen ihrer: astatischen

Stadtgründungen mit Raumverschwendung für eine wahrhaft amerikanische Entwicklung. Die Japaner, die die russische Erbschaft über« nahmen, bauten die Stadt in gleichem Stile und gleichem Tempo weiter aus, so daß heute dis breiten Straßen über der ganzen Emwoh«. nerschaft sitzen wie ein viel zu weites, schlottti- ges Gewand auf einem dürren, schmächtigen Kör­per. Aber bei der rapiden Entwicklung, die in allerletzter Zeit in der Mandschurei eingesetzt hat, ist es nicht ausgeschlossen, daß das allzu weite Straßentteid Won in wenigen Jahren prall sitzt. Es sind ein paar neue Hotels in de« Einrichtung begriffen, und in der Hauptstraße zählte ich fünf Konditoreien, von denen vier erst im Lause des letzten Vierteljahres aus. gemacht wurden. Es werden sich vielleicht auch bald jene abgelegenen Häuserzeilen Men, die man auf Vorrat baute, und die heute noch un« vermietbar sind, nicht zum mindesten aus dem Grunde, daß hier nächtliche Chunausenüberfälle in einsamen Straßen immer noch zu fürchten sind. Ein armseliges Pf erdeb ähnche» verbindet daS europäisch-japanische Mukden mit dem chinesischen. Es sind ganz dürre Klepper, dir die klapprigen Wagen ziehen, die bereits in allen Fugen, zittern, wenn man ein wenig energisch aufspringt. Allerdings hat Mukden mit zwei europäischen Firmen, darunter der AEG-, wegen des Baues von elettrischen Stra­ßenbahnen abgeschlossen. Nach einer guten Hal- Ben Stunde

Fahrt durch dichte Staubwolken die überhqupt für Mukden charatteristisch sind, kommt man zur Chinesenstadt. Sie Ist über die dicken hohen Mauern hinausgequollen, die ihr Zentrum noch im Viereck umgeben. Durch Doppeltore kommt man in rechtwinkelig sich schneidende Straßen der nordchinesischen Städte mit all ihrem Gedränge und Geschiebe, Lärm und Geschrei, aus dem das gräßliche Quietschen der ungeschmierten Räder der schwe. ren großen Lastschubkarren charakteristisch heraus- tönt. Inmitten der ummauerten Stadt liegt der alte Palast der Mandschukaiser. In seinen Höfen exerzieren Soldaten und die alten Pnmk» gemächer und Audienzhallen dienen als Mann» ichastsräume. Das Ganze erinnert ein wenig an daS Berliner Schloß in der Novemberrevolution, als tS der Volkksmarinedivislon als Kaserne diente. Vom Mittelbau des Kaiserpalastes steht man über die ganze Stadt und unweit der Süd­mauer die

palaisartige Billa Chang-Tso-lins.

Der Dittator war zu taktvoll oder auch zu be­quem, um im Schloß der Mandschukaiser zu re­sidieren, und so baute er sich lieber eine moder, ne Villa. Chang-Tso-lin hat die in China mög. liebe Karriere vom R äub erh auptmann zum General und allmächtigen Gouverneur eingeschlagen. Er befehligte eine gefürchtete Räu« berbande in der Mandschurei, bis die Regierung, die anders nicht mit ihm fertig werden konnte, ihn unter Ernennung zmn Stabsoffizier samt seinen Räubern ins Heer aufnahm. Der ehe­malige Räuber machte rasch flaniere unb er war nahe daran, die Macht in ganz China in die Hand zu bekommen, als ihm sein Konkur­rent 38 u - Pei - fu fübfich von Peking schlug. Die Pekinger Regierung, die sich jetzt natürlich