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Nummer 215. Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf.

Freitag, 12. September 1924. Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang

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Kasseler Neueste Nachrichtm

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Sie Streitfrage SeuWland und Völkerbund.

Wlrtschastshoffnung.

Sind die Lasten tragbar?

In einer Unterredung mit dem Korrespon­denten des französischen Nationallistenblattes "Echo de Paris- sagte der deutsche Reichsbank- prälsident Dr. Schacht recht zuersichtlich:Die Atmosphäre hat sich unzweifelhaft ge­bessert. Ich komme aus Rom und Genf zu­rück, nachdem ich mich in London und Paris auf­gehalten habe. Ich bin jetzt voll von Vertrauen über das Ergebnis der 800-Millionen-Anleihe. Der Fehlschlag würde im übrigen den Fehl­schlag der Londoner Beschlüsse bedeuten. Na­türlich bedaure ich, daß die französischen Unter­händler sich nicht dazu verstanden haben, die Ruhr in einem kürzeren Zeitraum zu räumen. Ai an hätte sich tatsächlich überall mit einer ge­wissen Begeifteruu an der Zeichnung oer An­leihe beteiligt in der Ueberzeugung, daß Europa endlich zur Ruhe kommen wird. Die Anleihe wird durch eine erste Garantie auf Deutschland, das der Kontrolle einer internationalen Körper­schaft untersteht, gesichert. Das beweist, welcher Wert den Zeichnungen, zu denen die Geldgeber aufgefordert werden, beizumeffen ift."

Die wichtigste Persönlichkeit, mit der Dr. Schacht in der nächsten Zeit zusammen zu arbei­ten haben wird, ist der sogenannte Generalagent Herr Young. Dr. Schacht stimmt mit Young in der Gnindauffassung des Problems überein. Beide Männer glauben an die Schwer­kraft der sogenannten Wirtschaftsver­nunft, die genug Gewicht besitzt, um politische und psychologische Hemmungen, die ja sicherlich zu erwarten sind und die in London bereits so ungünstig auf die Endgestalung des Paktes eingewirkt Haben, auszuschalten oder doch ent­scheiden- zu beeinflussen. Diese Gedankenüber­einstimmung der beiden zurzeit wichtigsten Per­sönlichkeiten ist immerhin wertvoll, mag man sich sachlich zu ihren Ansichten stellen wie man will. Die Arbeit wird jedenfalls erleichtert. Für Herrn Young spricht außerdem noch der Umstand, daß er sich nur nach starker Selbst­überwindung zur Uebernahme eines Postens entschlossen hat, der ja, wie Young selbst seiner­zeit zugegeben hat, Möglichmachung des Unmöglichen verlangt.

. In sachlicher Beziehung ist Dr. Schacht, wie ia bereits bekannt, ein Anhänger der deutsch, französischen Wirtschaftsverstän- dlgung. Auch in seiner neuesten Unterredung bringt er diefen Standpunkt mit einer Entschie­denheit zum Ausdruck, die sicherlich uicht nur da­durch beeinflußt ist, daß er zu einem Franzosen spricht. Rein wirtschaftlich gesehen zieht sich die Notwendigkeit enger Verschmelzung der franzö­sischen und deutschen Wirtschastsbelange wie ein roter Faden durch die Geschichte des letzten Jahrzehntes. Die Verbindung von Er; und Kohle zeitigte gewisse Kriegszielforderungeu der deutschen Schwerindustrie während des Krieges, sie schwebte den Wirtschaftlern verschie­denster politischer Einstellung in den Leidens­jahren der Nachkriegszeit vor. Die Schuld, daß das Zusammenarbeiten deutscher und stanzösi- scher Interessen nicht zustande kam, lag nicht auf deutscher Seite. Ist es doch immer und immer wieder Frankreich, und das heißt, wiederum das französische Großkapital gewesen, das diese Jntereffeuverflechtung, gestützt auf die po­litisch-militärische Ueberlegenheit Frankreichs, in einer Weise herbeiführen wollte, die nun ein­mal für Deutschland nicht tragbar ist und die letzten Endes eine gesunde Wirt- schastsentwicklung ausschließen mußte.

Was in London beschlossen worden ist, steht leider in weit höherem Maße noch unter dem Einftuß französischen Vormachts- und Herr­schastsstrebens, als es Dr. Schacht in seiner Unterredung zu erwähnen für zweckmäßig hält. Tie Zusammenarbeit, wie Frankreich sie sich denkt, ist weiter nichts als eine ungleiche Ver­bindung, bei welcher Frankreich die Fleischstücke für sich beansprucht und Deutschland möglichst nichts weiter als abgenagtc Knochen lassen will Die Frage des deutsch-ftanzösischen Handels­vertrages als Ergänzung der Londoner Ab­machungen ist ein Lieblingsgedanke des Reichs- bankpräsidenten. Daß England mit gewissen Befürchtungen auf diese Entwicklung sieht, ist an sich nicht erstaunlich Schacht glaubt, daß die deutsch-französischen Vereinbarungen so gestaltet werden können, daß auch England sich nicht durch sie beengt zu fülen braucht. Außerdem ist es ja England gewesen, Las durch die Zickzack- wcge seiner Politik Deutschland geradezu in diese der Londoner City nicht angenehme Ein­stellung hineinaezwungen hat.

Nicht von Tentschland. sondern von Frank­reich wird cs abhängen, ob die Wirfichaftshoff- nunqen Dr. Schachts sich erfüllen. Nickt der Geist, wie er in London noch übermächtig ber- vorgetreten ist. der Geist absoluten Machtwillens und rücksichtsloser Ausnutzung der palitisch­militärischen Unterleaenheit des Gegners kann eine gesunde Entwicklung verbürgen, sondern

die nüchterne Anerkennung der Tatsachen­verhältnisse und K r ä f t e, die sich zwang- läufig in wirtschaftlichen Dingen auswirken. D-e Anerkennung der deutschen Leistung und Eigeu- krast, die sich, wenn auch allzusehr im Gewände der Furcht in den Ereignissen der jüngsten Zeit ausprägt, ist an sich für Deutschland, für das deutsche Volk ehrenvoll. Sie muß sich jedoch von der geradezu Phantastischen U eber­sch ätz ung der Verhältnisse, von der Ableug­nung der doch tatsächlich bestehenden Schwächung Deutschlands in den vergangenen Jahren frei­machen.

Die Reden im Völkerbund.

Der Engländer Parmoor widerruft.

(Eigener Drahtbericht.)

Gens, 11. September.

Lord Parmoor empfing gestern abend nach der Sitzung des dritten Ausschusses die Pressever­treter und erklärte u. a daß seine Schluß­worte seiner Heufigen Erklärung für die Auf­nahme Deutschlands allgemein mißverstan­den worden seien. Die Ankündigung von einem ähnlichen Vorschlag bezog sich, wie jetzt Lord Parmoor erklärt, nicht auf die Aufnahme Deutsch­lands, sondern auf die besoudereu Vorschläge in der Abrüstungsfrage. Was die Aufnahme Deutschlands betreffe, so könne England keinen Vorschlag machen, sondern es sei ein deutsches Ausnahmegesuch notwendig, das dann von der zuständigen Kommission der Völkerbundsver­sammlung, die die Aufnahmegesuche aller Staa­ten und der übrigen Präzedenzen übernommei, hat, geprüft werden müßte.

Anträge zum Eintritt.

Berlin, 11. September. (Privattelegramm.) Rach den heute früh vorliegenden Dispositionen werden der Reichskanzler und der Reichsaußen­minister am Montag wieder in Berlin eintreffen. Unmittelbar nach ihre Ankunft werden die Be- sprechuiMn mit den Parlamentariern beginnen. Für den sozialdemokrafischen Antrag auf sofor­tigen (Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, werden auch die Demokraten und der linke Flügel des Zentrums eintreten. Gestern nachmittag hatte der englische Botschaftsrat eine halbstündige Unterredung jm Auswärfigen Amte.

Gegen die Minderheiten.

Tie Stimme derBesiegten" ist nicht erwünscht. (Eigener Drahtbericht.)

Genf, 11» September.

Der gegenwärtige Präsident des Völkerbund lates Hymans, nahm in einer Entgegnung scharf Stellung gegen die gestrige Rede des Ver­treters Ungarns Aponyi. Hymans Witt den Minderheitenschutz nur im Rahmen der bestehen­den Verträge vom Völkerbundsrat durchgeführt wissen. Namentlich das Wort Apponyis, daß in den Fragen der Minderheiten beim Völkerbnnds- rat keine Gerechtigkeit zu finden sei, Hai die schärfste Verstimmung hervorgerufen. Im übrigen sei der von Apponyi vorgebrachte Vor­schlag zur Regelung des Minderheitenschutzes nach Hymans Ansicht vage und ungeeigneter als das gegenwärtige System des Völkerbundes. Der in Gens weilende österreichische Bundeskanzler Seipel hat mittlerweile die Leitung der öster­reichischen Delegation übernommen.

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Unterschied zwischen Besiegten und Siegern!

Paris, 11. September. (Eigene Drahtrnel- bung.) Die Pariser Presse ist durch die Rede Ap­ponyis zum Teil stark erbost. Man scheint in Pa­ris dieStimme der Besiegten" noch nicht zu ver­tragen. DerMatin" tut die Rede mit einer bil­ligen Wendung ab, Apponyi sei ein ungarischer Reaktionär und derExzelsior" bezeichnet die Ausführungen als eine Anklagerede gegen die Kleine Entente. Offener ist dasEcho de Paris", das sehr deutlich erttärt, die Rede sei ein Beweis dafür, auf welch abenteuerlichen Weg die französische Regierung sich in Genf drängen lasse, wenn sie beabsichtige, den Unterschied zwischen den besiegten und siegreichen Nationen auszulöschen. (!)

Um die Kriegsschulbnote.

Absendung nach milderer Formulierung?

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 11. September.

In den Berliner politischen Kreisen glaubt man, daß die Frage der Kriegsschuldnote wie folgt gelöst werden wird: In dem entscheidenden Kabinettsrat wird daran ftstgehalten werden, trotz des wahrscheinlichen Widerspruches der de- mokratischen Minister, paß die Bindung, welche die Reichsregierung gegenüber der Teutschnatio- nalen Bolkspartei eingegangen ist, nicht abge- lcugnet werden kann, daß also an der offiziellen

Uebermittelung der Kriegsschuldnote festzuhalten sei. Hingegen dürfte die Formulierung dieser Rote und die Art ihrer Uebermittelung noch Gegenstand eines lebhaften Meinungsaus­tausches sein. Reichsaußenminister Dr. Strese- mann wird sich bemühen, die schädlichen Wirkun­gen, welche die Note in Paris und London ha­ben könnte, durch die begleitenden Umstände und die Art der Formulierung nach Möglichkeit ab­zuschwächen. Es ift deshalb beabsichtigt, vor der offiziellen Uebermittelung in London und Paris eine engere Fühlungnahme mit der englischen und französischen Regie­rung vorzubereiten. Dr. Stresemann beabsichtigt außerdem! bei seiner Schweizer Reise mit fran­zösischen Staatsmännern, möglicherweffe mit Serriot selbst, in persönliche Verbindung zu tre­ten und hier ErNärungen abzugeben, welche die Absichten der Reichsregierung so klar wie mög­lich erkennen lassen. Bor allem wird Wert dar­aus gelegt, werden zu betonen, daß diese Rote keinen Akt darstellen soll, der irgendwie als Vorwand dienen kann, sich eingegangenen Ver­pflichtungen zu entziehen oder die Revision des fBerfaiffcr Vertrages aufs neue zur Erörte­rung zu stellen.

Das Arbettszeit-Abkommen.

Der vielumstrittene Achtstundentag.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 11. September.

In unterrichteten politischen Kreisen nimmt man an, daß nach Beendigung der Besprechungen zwischen den Arbeitsministcrn von Deufichland, Frankreich, Belgien und England die Ratifikation des Washingtoner Abkommens in kurzer Zeit er­folgen wird. Die Gewerkschastskreise be­tonen, daß eine endgültige Beurteilung der Ver­einbarungen nicht eher möglich sein würde, als von amtlicher Seite klare Auskunft darüber ge­geben ist, inwieweit beabsichfigt wird, durch die amtliche Auslegung des Abkommens den Acht­stundentag prattisch für große Industriezweige unwirksam zu machen. Man rechnet damit, daß bereits in der nächsten Woche die Vertreter der Gewerkschaften einerseits, der Arbeitgtt>er-Orga- nisationen andererseits zu Besprechungen ins Reichsarbeitsministerium geladen werden, wobei dann die Richtlinien festgelegt werden sollen, die sich für die praktische Durchführung des Abkom­mens Herausstellen werden.

Die Art der Slundenverrechnung.

Berlin, 11. September. (Privattelegramm.) Von einer Beendigung des Kampfes um den Achtstundentag wird noch keine Rede sein können, da anscheinend beabsichtigt ist, dem französischen Borbilde zu folgen und die Verrechnung der Ar­beitszeit auf möglichst großen Zeitraum vorzu­nehmen, sodaß beispielsweise in der ganzen In­dustrie einfach festgesetzt werden würde, daß die Zahl der Arbeitsstunden eines Monats oder eines Vierteljahres eine bestimmte Ziffer nicht übersteigen dürfte, während die Ver­teilung auf die einzelnen Tage dem Arbeitgeber überlassen bleibt. Die ganze Materie wird aller Voraussicht nach im Parlament noch Gegenstand einer längeren Auseinandersetzung sein.

Aus dem besetzten Gebiet.

Protest gegen das KfiegSgericht.

' (Eigene Drahtmeldung.)

Dortmund 11. September.

Bis gestern sind fünfzig Gefangene aus den französischen Gefängnisse» entlassen worden. Te^ Rest wird nach Prüfung der Ein- zelsälle biS spätestens 1. Oktober in Freiheit ge­setzt werden. Wie aus zuverlässiger Quelle be­kannt wird, hat der bekannte Verteidiger der deutschen Ruhrgefangenen, Rechtsanwalt Dr. Grimm, der augenblicklich in Paris weilt, bei der französischen Regierung dagegen Protest erhoben, daß das Kriegsgericht in Dort­mund nach wie vor mit Urteilen gegen die Deutschen vorgeht. Gestern wurden wieder acht Deutsche vom Kriegsgericht abgeurteilt, wenn auch die Strafen geringerer Art waren.

T>ie Truppe» sind noch in Karlsruhe.

Karlsruhe, 11. September. (Privattelegramm.) Die Zollsperre um das Hafengebiet von Karlsruhe ist zwar feit vorgestern abend be­seitigt. aber die Truppen sind n o ch nicht abgezogen. Es wird heute bekannt, daß die Besetzung des Hafengebietes von Karls­ruhe noch bis zum 20 Oktober aufrecht erhal­ten bleibt. Fn der Bevölkerung herrscht dar­über große Enttäuschung. ,

tim Oberscftlesien.

Kundgebung der Heimattreuen.

Rachd-rn der britische Ministerpräsident di« Jerreitznng Over,ch,egen« als ei» Unrecht erklär, hat, haben die Heimattreuen Derbän- de inDerlin eine sehr berechtigteUnndgebung für da» derrtsche Sberschlefie» veranstalte».

In einer zahlreich besuchten Versammlung protesfierten die Heimattreuen Verbände gegen die Abtrennung eines Teiles Oberschlesiens. Der Oberpräfldent der Provinz Oberschlesien über­brachte den Heimattreuen die Grüße ihrer Heimat und richtete einen warmherzigen Appell an alle Deutschen, Oberschlesien nicht zu vergessen. In dieser Versammlung wurde auch Macdonald und fein Ausspruch über Oberschlesten in Genf er­wähnt. Der Rede des Landgerichtsbirektors Szyja kommt im gegenwärtigen Augenblick be­sondere Bedeutung zu. Der Redner führt zu­nächst die Gründe an, warum

der Genfer Spruch ein Unrecht

sei, daß zweiundsechzig Prozent aller Abstim­mungsberechtigten trotz des größten Terrors für Deutschland gestimmt hätten, daß die Zerreißung Oberschlesiens nur von einem gut­geheißen werden könne, der an krankhafter Zer­störungswut leide, daß Oberschlesten mit tausend wirtschaftlichen und sozialen Ketten an Deutsch­land gekettet fei. Es sei unverständlich, daß der Genfer Spruch im Namen und Anfrage des Völkerbundes gefällt wo-rden fei, einer Einrich­tung, die Völkerversöhnung und Gerechtigkeit allen Völkern bringen soll. Wörtlich fuhr dann der Redner fort; Wieder tagt zurzeit in Gens der Völkerbund, sehr wichtige Verhandlungen wer- ben dort geführt. Handelt es sich doch darum. Mittel und Wege zu finden, um in Zukunft Kriege zu verhindern oder wenigstens seltener zu machen. Die bedeutsamsten Männer der Weltpolitik sind anwesend, so z. B. der englische Premierminister Macdonald und der französische Ministerpräsident Herriot. Macdonald spricht, und aits seinem Munde kommt ein Wort, daß niemand in diesem Zusammenhänge erwartet hätte, et nennt unsere HeimatOberschlesten- nnd prägt den Satz:Wenn

der Völkerbund einen Fehler

begangen hat, wie z. B. in der ob er sch le fi­schen Frage, so wird das in allen Zeitungen ausgeschrieen.- Mag auch die englische Diplo­matie den Sinn dieses Satzes abzuschwächen versuchen, firr uns ist es von allergrößter Wich­tigkeit in dieser feierlichen Stunde, in der das erste Banner der Vereinigten Verbände heimat- treuer Oberschlesier znm Zeichen unserer Liebe und Anhänglichkeit an unsere Heimat und unser deutsches Vaterland, zum Zeichm aber auch, daß wir nicht eher auseinandergehen werden, bis unser Recht auf unsere ungstellte deutsche Heimat geweiht wird, sestzustellen, daß ein Engländer, und zwar ein Mann, der in d;t Weltpolitik vielleicht die erste und bedeutscnnste Rolle spielt, der Ansicht ist. daß bet Genfer Spruch über Oberschlesien ein Fehler des Völ­kerbundes ist und daß dieser Mann das auch ei- klärt hat. Warum halten wir Oberschlesier

auch außerhalb der Heimat fest und treu zusammen? In der Hauptsache, um zu erreichen, daß die Welt es endlich einsieht, daß der Genfer Spruch über Oberschlesien ein Fehler ist und daß dieser Fehler unter allen Umständen von dem Völkerbünde wieder gutgemacht werden muß. Damm ist dieses Anerkenntnis, das aus so bedeutsamem Munde vor dem Völkerbunde ausgesprochen worden ist, für uns von außer­ordentlich großer Bedeutung. Es ist ein großer Schritt vorwärts in unserem Kampf für das Recht unferer Heimat." Der Redner wies dann auf die weltwirtschaftliche Bedeutung Oberschle- siens bin. darauf, daß infolge des Schnittes durch Oberschlesien Arbeitsstätten und Maschinen schon jetzt st i 11 g e I e g t worden sind, die Hunden au senden von Oberschlesiern früher Arbeit und Brot gegeben haben, daß vor wenigen Tagen 42000 oberschlesische Hütten- und Bergarbeiter aus Polnisch-Ober- schlesien nack Frankreich ausgewandert sind, daß der polnische Volksbund 148 neue Ortsgruo- ven in den letzten Tagen in Deutsch-Oberschle­ien gegründet hatte, während in Poluisch Ober- schlesien jede Reguna deutschen Gei st es und deutscher Kultur

in brutalster Weise unterdrückt wird. Er fordert den Völkerbund auf, dieses große Unrecht an dem oberschlesischem Volke, das namenloses Leid über Tausende von Men- "chen gebracht hat und immer von neuem bringt, endlich wieder gutzumachen und wendet sich mit einem warmherzigen Appell an alle Deutschen, bei* Obeficklesiern zu helfen, und an all« Oberschlesier, nicht müde zu werben, bis bai Ziel eri eicht ist, nämlich eine ungeteilte beutsch» Heimat! Stürmischer Beifall zeigte bem Reb- ncr, daß er aus dem Herzen der Versammlung gesprochen hatte. Es wurde dann eine Ent­schließung einstimmig und mit großer Bcgeiste-