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Meier Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Seile

Nummer 213. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf. MNUvvch, 10. September 1924. Einzelnummer 10 Pf . Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang

Sie llnkerdnilkung des freien Wortes.

Die Seschäftsstille.

Enttäuschte Erwartungen.

Die Herbstmesse in Leipzig hatte viel Hoff­nungen erweckt, da nach Annahme des Dawes­planes eine geschäftliche Belebung erwartet wurde, aber sie hat diese Hoffnungen ebenso gründlich enttäuscht, denn das Geschäft ist schlecht geblieben. Noch vor dem offiziellen Ende der Messe brachen die meisten Aussteller ihre Zelte ab. Es sind nicht Wenige, die nicht ein einziges Mal das Orderbuch haben öffnen dürfen. Wenn manche zufrieden sind, hat das seine besonderen Gründe, aber diese liegen größtenteils in ganz geringen Erwartungen und in der Bescheidenheit, an die sich die deutsche Wirtschast gewöhnen mutzte. Tas Ergebnis der Leipziger Messe ist aber vor allem dadurch symp- tomisch, daß nicht einmal die Illusion nach der Annahme des Dawesüerichtes dazu ausreichte, eine Scheinkonjunktur in Bewegung zu bringen. Wie soll es da erst werden, wenn das nüchterne Erwachen zeigt, daß der Dawesplan Deutschland fast ausschließlich neue Lasten aufgebürdet hat, und daß je auch die Anleihe nur eine neue Last darstellt.

Die Ernüchterung in Handels- und Jndustrie- kreisen ist, wie wir erfahren, durchaus stark, nachdem sich die Hoffnung auf eine Geschäftsbe­wegung als trügerisch erwiesen hat. Es komm: hinzu, daß der innere Warenbedarf aus Man­gel an Kaufkraft sehr schwach geworden ist, was namentlich mit den überaus ungünstigen Ernteaussichten zusammenhängt. Die Land­wirtschaft sieht sich einer verzweifelten Lage ge­genüber. Die lange Regenperiode har die Er­träge so weit dezimiert, daß die vielfach nur durch Kredit mögliche Einbringung der Ernte durch den Ertrag kaum finanziert wird. Die Beschaffung der Saaten und Düngemittel für das nächste Jahr begegnet den größten Schwie­rigkeiten, und die Kaufkraft der deutschen Landwirtschast am deutschen Markt fehl: daher fast vollkommen. Die Industrie be­fürchtet Beschäftigungslosigkeit, denn die Aus­landsaufträge sind angesichts der deutschen Selbstkosten größtenteils nicht annehmbar, und die unter Preis verkauften Warenlager sind geräumt. Mit dec sicheren Aussicht auf Verlust wird unsere Industrie aber kaum arbeiten wol­len, denn die Kreditzinsen fressen mehr, als an Ertrag überhaupt zu erwirtschaften ist.

Für einen großen Teil der Aussteller in Leipzig hat sich die Hoffnung auf Geschästsbele- bung in ein großes Defizit verwandelt. Man batte vielfach das Letzte zusammen gerafft, ja sogar für die Beteiligung an der Ausstellung sich mit Schulden belastet, denn auch von den Krei­sen, die den Dawesplan als unausführbar durchaus ungünstig beurteilen, war angenom­men worden, daß wenigstens eine kurzfristige Konjunktur den Geschäftsstillstand bei der Zu­stimmung des Reichstages ablösen würde. Auch diese Konjunktur ist nicht eingetreten, außer an der Börse, wo man mit trügerischen Erwartungen eine ganz unberechtigte Häufle in wertlosen deutschen Anleihen begünstigt, um das Publikum zur Beteiligung zu veranlassen, das in ein paar Wochen ein neues Jammerge­schrei erheben wird, sobald der unausbleibliche Rückschlag eintritt, und die Spekulation ä la baiffe geht. Deutlich genug sollte doch das War­nungszeichen sein, daß die immerhin weitaus günstiger liegenden Jndustrievapiere eine deut­liche Schwäche aufweisen. Woher sollen aber das Reich und die Staaten und Gemeinden die Mittel einer Verzinsung oder Aufwertung ihrer Anleihe nehmen, wenn die Wirtschaft nichts auf­bringen kann, und die Aussichten auf Steuerein­gänge werden angesichts des erschreckenden Ge­schäftsrückganges sehr ungünstig. Mögen sich die Politiker durch völkerverbindende Phrasen über die wirkliche Lage täuschen lassen, der Wirt­schafter darf nur kühl abwägen und kann, wenn .r unpolitisch zu der Annahme des Dawesberichtes Stellung nehmen soll, nur in der gleichen Weise und mit gleicher Schärfe sei­nen Befürchtungen Ausdruck geben, mit denen er vor der Entscheidung bat warnen müssen.

Die Leipziger Messe hat den ernsten Anhalts­punkt zur Beutteilung der künftigen Wirt­schaftsentwicklung in Deutschland gegeben. Die Bilanz tst so ungünstig, daß man bei­nahe von einem Fiasko reden kann. Dabei wenn irgend jemals psychologische Wirkungen wirt- schaft'ichen Ausdruck sinden. so wäre es in die­sem Augenblick gewesen, wo noch immer große Teile des deutchen Volkes in Hoffnungen schwel­gen. es könnte es müßte jetzt w-niasiens vor­übergehend besser werden Aber man kann eben nur mit Geld einkaufen., oder der Verkäufer muß das Geld haben Kredit zu gewähren. Beide V^ro'-ssenunoen sind nicht geaeben, und man verhehlt.sich nicht einmal die Sorge, daß

die Regierung von Peking in einer Note aufge­fordert, den Schutz der Ausländer und deren Eigentum «j garantieren. Jedenfalls ist zur Zeit die Lage des europäischen Han­dels außerordentlich bedroht. Zahlreickse Firmen stehen vor dem Konkurs, weil kick, die Chinesen weigern, ihre Waren abzunehmen. Die Lebensmittel fangen an in Schang­hai knapp zu werden. Die Preise stei­gen infolae des unaufhörlichen Zustromes der Flüchtlinge fortwährend.

Die Linke siehi eine Gefahr.

Berlin, 9. September. (Eigener Drahtbericht.) Von den großen Parteien liegt bis heute nur die Stellungnahme der Sozialdemokraten und der Demokraten ,ur Kriegsschuldfrage vor. Der so­zialdemokratische Parteivorstand wird noch heute, spätestens morgen, den angekündigten dringenden Schritt bei der Reichsregierung un­ternehmen, um eine Hinausschiebung der Kriegsschuldnote an die Alliierten herbeizufüh- ten. Auch die D e m o k r a te n äußern die gleiche Absickft. Ihre Führer, voran Teruburg betonen, der Schritt des französischen Botschafters in Ber­lin hätte die ungeheuere Gefahr (?) beleuchtet, in der sich Deutschland im jetzigen Augenblick durch ein Aufrollen der Kriogsschuldfrage bege­ben würde. Bedeutsam ist. daß die Gewerk-

Segensotz London-Varis.

Herriots Furcht um dem Veifailler Vertrag.

(Sigene Drahnneldnng.l

Paris. 9. September.

Ein HavaSbericht besagt, daß Herriot eine Gesamtsitzung des Kabinetts einberufen hat. Aus den Pariser Morgenblättern geht hervor, dast der Bericht des französischen Bot­schafters in Berlin Gegenstand der Be­ratungen gewesen ist. Die gestrige Mittagsuns- gabe desFigaro" gibt eine Aeutzerimq Her­riots nach seinem Eintreffen in Paris wieder, die er den Abgeordneten seiner Partei gegen­über machte. Voraussetzung für alle Zugeständ­nisse an Deutschland haben die Unversehrt­heit des Versailler Vertrages zur Grundlage (!). Ich kann, so sagte Herriot, meine Politik gegenüber Deutschland vor Kammer und Senat nur vertreten und fortsetzen, wenn der Versailler Vertrag außer jeder Diskussion sieht.

Das chinesische Problem Die Lage der Ausländer ist bedroht.

(Eigene Trahtmeldung.t

fügt denn auch über französische Waffen und rus­sische Offiziere und Flugzeuge Frankreich be- ssirchtet ein zu starkes Anwachsen des angelsäch­sischen Einflusses in Ostasien. ,

Britische Gichertzeiis-Semtzhunqen.

London, 9. September. (Eigene Drahtmel­dung.) Der Genfer Berichterstatter desMnn- chcster Guardian" spricht die Besorgnis aus, daß die in Genf zurückgebliebene britische Dele­gation der französischen nicht gewach­sen fein wird, von der sie sowohl durch Geschick­lichkeit in der Debatte als auch durch Erfahrung weit übertroffen werde. In dem liberalen Blatt heißt eS weiter: Es sei nicht wahrschein­lich. daß Abrüstungen in beträchtlichem Umfange auf Grund einer Konvention statt- finden können, die Rüstungen würden sich nur vermindern, wenn das Gefühl der Sicher­heit zunehme. Kriege würden heutzutage weit mehr aus Furcht als aus Ehrgeiz geführt. Deshalb müsse man in der Ausgestaltung des Schiedsgerichtsgedankens das Ziel erblicken, das vor allem anzustrebcn fei.

London. 9. September.

Aus Schanghai wird gemeldet, daß die ausländifchen Behörden beschlossen haben, die Matrosen aller ausländischen Schis­se, die vor Schanghai liegen, an Land zu beordern, sobald Schanghai ernstlich bedroht sei und sobald insbesondere Liuho von den Truppen des Gouverneurs der Provinz Kiangsu eingenommen werden sollte. Liuho ist gegen­wärtig ernstlich bedroht. Der Gouverneur von Tschekiang hat Truppen nach Liuho entsandt, um die Stad, von der Belagerung zu befreie». Tie amerikanische, japanische. franzö sische und italienische Regierung haben

Um den Kriegsschuld-Protest

Nur Frankreich und Belgien fürchten die Wahrheit.

für den nächsten Winter vielleicht mehr als die ganze auswärtige Anleihe für die Einfuhr von Lebensmitteln zugeschossen werden muß, um dem Volke wenigstens dre nackte Existenz zu er­halten. Diese Wahrscheinlichkeit hat auch in Industrie und Handel die große Zurückhaltung veranlaßt, die ans der Leipziger Messe ihren Ausdruck fand. Wohl werden die 800 Millionen in Aufträgen erteilt werden müssen, aber die Selbstkosten sind so beängstigend hoch, und zwar namentlich wegen des Zusammenbruches des inneren deuffchen Marktes, daß die Industrie ernste Befürchtungen hegt, ob sie auch nock bei der Verwandlung der 800 Millionen in Waren selbst Geld, das sie nicht hat, würde zuschießen müssen.

und zwar der Zuschläge dazu um 100 Prozent. Im Effekt bedeutet diese Erhöhung, deren für ein Halbjahr 500 000 Mark ausmachendes Er­gebnis restlcs der Erwerbslosenunterstiitzang zugcfühtt werden fall, eine Erhöhung der Steuer um 25 Prozent. Dabei entwickelte sich ein munteres Scharmützel- zwischen Frau Lüpnitz, die die Hauszinssteuer überhaupt als unsozial ablehnte, und bürgerlichenKollegen", oor allem Roland Freisler von der wie Frau Lüpnitz sagte, Hakenkreuzle> fraltion Letztenendes wur­de dieser Maßnahme zugestimmt, nachdem Bür­germeister Brunner noch zu erwägen gegeben batte, daß neben der Hundesteuer keine ancere Steuergnelle mehr zum Fließen kommen kann. Mitanaenommen wurde ein Antrag, die Steuer- zuschläae den Hausbesitzern zu erlassen, die sie von ihren Mietern nicht einzieben können. Bei der Bewilligung der

Hundesteuer-Erhöhung

fanden die Vierbeinler verschiedene Freunde. Dr Hägermann behmptete u. a., daß die ehr­lichen Hundebesitzer die Steuer bezahlen müssen, während vieleSchakale" aus der Straße steuer­frei umberlausen. Auch für weniger engherzige Auslegung der Bestimmungen über die Sieuer- ermäßiguna für Wachhunde brach er in Gemein-

schäften gestern abend beschlossen haben, eine Abordnung unmittelbar zum Reichspräsidenten nach Freudenstadt zu schicken, um den dort zur Erholung weilenden Reichspräsidenten gegen die angebliche Gefährdung des deutschen Wiederauf­baues mobil zu machen.

Sntertffenfampf der Machte.

London, 9. September. (Telegraphische Mel­dung.) Gewisse Andeutungen, Depeschen und Artikel beweisen ziemlich einwandfrei, daß sich um Schanghai gegenwärtig ein starker Intereffen- kampf der Großmächte abspielt. Amerika, Eng­land und Japan sind die Verfechter der Idee der chinesischen Dezentralisation, da ein uneiniges Reich der Mitte ihren Interessen besser entspricht Ihr Werkzeug ist der Schanghai verteidigende General Lu-Bungh-Siang, der soeben zusammen mit dem Militärgouvernenr von Tschekiang durch die Regierung von Pelin« abgesetzt worden ist. Ter Widersacher Lu-Pung-Siangs, Chi- Sch'eh-Uuan, der Militärgouverneur von Kiang- sn, ist beauftragt worden, eine scharfe Strafexpe­dition gegen die Rebellen zu unternehmen. Er lämpst für die Einheit Chinas. Hinter ihm stehen Frankreich und Rußland. Seine Armee ver-

Dle Zusage an die oeulschnationalen

Berlin, 9. September. (Eigene Drahtmeldung.) Von deutschnationalet Seite wird öffentlich dar­auf hingewiefen, daß die Uebermittlung eines deutschenProteste § gegen die Kriegsfchuld- frage von der Reichsregierung den Deutschnntio- nalen als Gegenleistung für einen Verzicht auf eine geschloffene Stellungnahme gegen die Ta- wesgcsetze in voller Form zu gesichert worden ist. Wenn die Reichsregierung jetzt die Note nicht an die ausländischen Regierungen senden wolle, hätte die vorherige Zustimmung der Teutschna- tionalen eingeholt «erden müssen, die bis heute aber noch nicht nachgesucht worden sei.

Deutschlands Haltung.

Vor einer Chefbesprechung der Reichsregierung. (Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 9. September.

Die Entwicklung der außenpolitischen Lage in den letzten Tagen wird voraussichtlich den Reichs­kanzler Dr. Marx und den Außenminister Dr. Stresemann zu einer Unterbrechung ihres Ur­laubs nötigen, um in einer Besprechung das wei­tere Verhalten der Reichsregierung festzulegen. Der Termin dieser Besprechung steht noch nicht fest. Man rechnet jedoch damit, daß noch Ende dieser Woche Dr. Stresemann den Reickpskanzler M a r r in seinem Sommeraufenthalt am Boden­see aufsuchen wird, um sich dann nach der Schweiz zuöegeben, wo er mit mehreren ausländischen Staatsmännern Fühlung zu nehmen gedenkt. Die Besprechung mit dem Reichskanzler dürfte auch Klarheit darüber bringen, ob und wann die Uebermittlung der deutschen Kriegsschuld­note erfolgen soll. Dor heftige Kampf, der in der deutschen Presse zum großen Teil aus inner- politischen Motiven über diese Frage entbrannt ist, erschwert nach der Ansicht maßgebender Kreise die Ausgaben der Reichsregierung sehr, und man erwartet eine Verlautbarung, wonach die Reichs­regierung sich innerpolitisch in dieser Frage weder nach der einen noch nach der anderen Seite ge­bunden betrachtet. In Kreisen des Auswärtigen Amtes wird immer wieder betont, daß bei dieser Parteipunktdiskussion wichtige außenpolitische Momente nicht in Betracht gezogen werden.

Berlin, 9. September. (Eigene Drahtmeldung.) Am Montag Nachmittag erschien der erste eng­lische Botschaftsrat und der italienische Gesand- schastssekretär im Auswärtigen Amt. Ihr Be­such wird in Verbindung mit dem Schrttt des französischen Botschafters gebracht, doch wird ver­sichert, daß ein Einspruch, wie ihn der ftanzösische Botschafter übermittelte, durch England und Italien nicht erfolgt ist und mutmaßlich auch nicht in Aussicht steht. Dagegen erwartet man beute oder morgen den schon angekündigten Ein­spruch des belgischen Vertreters.

scbast mit dem Stadtverordneten Faber (Vv.) ' eine Lanze Gegen die Sozialdemokraten wurde . grundsätzlich der W-aterverleibung des Titels < .Stadtältester- zugeftimmt. Der Kommunist

Kasseler Rathaus. Maßnahmen gegen die Erwerblosen-Not. Die gestrige Stadtverordneten-Versammlung war in der Tat ein noch nicht einmal zu Ende gesührter Großkampfabend. Von 6.15 Uhr bis 9,55 Reden, nichts als Reden mit vielfach unbe­gründeter Schärfe. Zunächst verlas Vorsteher Geck eine Beschwerde des Verbandes Kasseler Frauenvereine, daß zu wenig Frauen aus der Bürgerschaft zur Mitarbeit in Kommissionen für soziale und Schulangelegenheiten herangezogen werden mit dem Hinzufügen: Die Frauen haben Recht! Dann ging es über zum Bericht des Bürgermeisters Brunner in Vertretung des abwesenden Oberbürgermeisters über die Un- t e r.st ü tz u n g Erwerbsloser. Danach be­trägt schätzungsweise die Zahl der Erwerbslosen in Kassel 5300, eine Zahl, die nach Lage der Verhältnisse sich in der nächsten Zeit noch ver­mehren wird. Der Gewerkschaftsführer Brau- nersreuther schätzte später die Gesamtzahl der Arbeitslosen mit 12000 ein! Dann gab die Verweserin des Wohlfahrtsamtes, Frl. Stadt­rat Vogt, genaue Angaben über die Verwen­dung der im Juli zum Zwecke rascher Linderung der Erwerbslosennöte ausgeworfenen 50000 Matt, und bestätigte, was schon bekannt gewor­den ist: Die Hälfte der Summe ist vom Magi­strat dem B a u a m 1 zur Vornahme von Not­standsarbeiten überwiesen worden und von den restlichen 25 000 Mark sind erst 7000 Mark ver- wendet worden, weil das Wohlfahrtsamt ledig- Ild> ausgesteuerte Erwerbslose berücksichtigte, während der damalige Beschluß dahin ging, langfrijtiae, ausgesteuerte und verheiratete

Erwerbslose zu unterstützen. Bürgermeister Brunner führte diese seltsame Auslegung ei» nes einhelligen Beschlusses auf einen Protokoll- fehler zurück! Sonst soll gespart werden, hier, wo es geschah, wurde berechtigterweise die Sparsamkeit bemängelt. Man begreift jetzt, wie der Deutscknationale O b e r b o s s e l bemerkte, daß die verschiedensten Gerüchte über die Verwen» düng des Geldes in Umlauf kamen. Der So­zialdemokrat Haupt verauickie die Sache mit dem Abbau d-s Magistrats und Antihausbesitzer- Pointe, was wiederum die Hausbesitzer auf den Plan lief. Der Kommunist König verlangte Umorganisation des Wohlfahrtsamtes und be­schwerte sich über die angebliche Beschränkung der Tribünenöffentlichkeit, was den Deutschnationa- lcn Waldschmidt zur Erwiderung veranlaßt, daß die Frage der Arbeitslosenunterstützung nicht mit der Tribüne gelöst werden könne. Braunersreutber erklärte die Arbeitslosenunter­stützung als Problem der Allgemeinheit. Die Tribüne mußte, als der Fraktionsführer der Rechten, Steuer, das Wort hatte, wieder mal er­mahnt werden, Zwischenrufe zn unterlassen. Ter Zentrumsmann Schieß griff eine Erklärung des Bürgermeisters Brunner, wonach die restliche Summe im September bereits ausgegeben sei. Wäre diese Mitteilung schon im ersten Bericht gemacht worden, würde sich keine Gelegenheit geboten haben zu der bis setzt im­mer w:edergekehrten Ausspielung politischer Ge­gensätze. Ein sozialdemokratischer Unterstützungs­plan. der sehr weitgehend ist, wurde nach lan­gem 4in und Her über die Verquickung mit der Deckungsfrage, mit Mehrheit angenommen, und dann tarn die finanzielle Deckung, die

Erhöhung der Hauszinssteuer