Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Rümmer 208. Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. Donnerstag, 4. September 1924.
Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf. 14.
AbrWmss- und Sicherheitssragen in Gens.
Die Völkerbund-Tagung.
Beginn der Ausschußberatungen.
Der Völkerbund.
Wird Deutschland gerufen werden?
Seit einigen Tagen wirkt in Genf wieder der Völkerbund unter der Teilnahme der Vertreter von vierundfünfzig Staaten. Diese Zahl klingt sehr hoch und hat doch nicht viel zu bedeuten, du die Menge der kleinen Staaten sich aus Mitläufern zusammcnsetzt, die von den Großmächten mehr oder weniger abhängig sind, und deshalb jo stimmen, wie die Großen es ihnen „empfehlen". Die bisherigen Ergebnisse haben jedenfalls gezeigt, daß die alliierten Mächte, die im Kriege geg« n Deutschland zusammenstanden und als Siegerstaaten ihre Macht unbeschränkt gebrauchen, im Völkerbund vorherrschend sind, und von ihnen ist es wiederum Frankreich, das seinen Willen immer durch- zusctzcn gewußt hat. Mochten auch die Vertreter der neutralen Länder hie und da irgenoeinem Antrag widersprochen haben, so wurden sie doch von der andersgerichteten Mehrheit überstimmt. Im Erfolg erweist sich also der Völkerbund als ein Parlament ,ur Wahrung der Interessen der alliierten Mächte, zumal Deutschland und Rußland nock ausgesckaliet sind und Amerika auf die Beteiligung verzichtet. Der Begriff „international" ist demnach sehr lückenhaft und nach wie vor nicht geeignet, unser Vertrauen zu gewinnen. Oder sollte es diesmal anders kommen?
Fünf Jahre läna besteht nnn dieses Gebilde, das sich mir den Fnedenside-.i unseres Kant schmückt, die von Wilton wieder ausgenommen und von Clemencerm geschändet wurden. Wmn es in den Satzungen heißt, dieser Bund habe die Aufgabe, ,a i: t Gerechtigkeit u n d Ehre gegründete internationale Beziehungen zu unterhalten, di: Beschlüsse des internationalen Rechts zu krol'/ickten, die Gerechtigkeit herrschen zu lassen," so ist die in Wirklichkeit getriebene Politik rin blutiger Hohn au? diesen Satz. WaS die Alliierten an Verbrech n verschiedenster Art am deutschen Volke begangen haben, ist das Gegenteil von dem, was in den Satzungen des Völkerbundes so schön auf geduldigem Papier geschrieben steht.
Erst in jüngster Zeit macht sich so etwas wie der ..Silberstreis einer Morgenröte" am westlichen fimmel bemerkbar. Es scheint so, als Hobe man in den alliierten Völkern genug vom grausamen Spiel. wobei beachtet werden mutz, daß diese Sebniücht nach einem wahren Frieden zwar in den Volksmassen mebr und mehr er- mcckst, aber von einflußreichen Grupven noch zu ersticken versucht wird. Jvrmerhm sind wir geneigt, die And eu 1 uag ' Inet Sinnes» ändern uz darin zu sehet, daß Herr toi und Macdonald selbst an der Genfer Tagung teil.iebmen werden, nachdem sie kürzlich nur der Londoner Konferenz und in den danach folgenden Tagen ihre friedlichen Absichten haben erkennen lassen. Zwar können sie nicht aus ihrer fraitl heraus: sm sind noch unsere Gegner und als solche zwar zsläufia an die Richtlinien der biSberiaen Alliimtenvoliü? gebunden, aber das Abweichen vom Poincastsmus berechtigt uns zu leiser Hoffnung.
Betrachten wir nun die ersten Aeutzerungm in Gens. Der Belgier Hom ans hat in seiner Eröffnungsrede viel von Frieden gesprochen ;o- wie „von einer neuen Epoche, die das eizerne Zeitalter ablösen soll" Das lcntet zunächst einmal reckt schön. Siebt man «der genauer hm. so meint er einen Friedest. wie ihn die Alliierten sich wünschen. Er erweist sich als treuer Verbündeter Frankreichs und stellt mit Betonung das SichedSeitsproblem tu bett Vordergrund. Das Siüterheitsproblem ist natürlich auch für Deutschland eine außerordentlich wichtige Frage, denn da wir un- bewassnet sind und die Rationen rings um uns in Massen starren. feirbfidK Truppen sogar :n deutschen Landen stehea. 'n haben wir all.n Grund, besorgt zu sein und die Beseitiaung dieser Bedrohung zu wünschen. Aber <:% wird wohl niemand unter uns Amben, daß Herr Hpwans die gleiche Meinung hat. Für ihn und seine Verbündeten sind immer noch Frankreich und Belaien die 'bedrohten Linder, die Sicherheit verlangen. Da er es ruf notwendig erklärt, ein „ständiges Regime dec Sicherheit" zu fck'f- fen und „bem Sriebtii Europas eine feste iurtft"* febe und voüüfche Struktur zu geben", so ist nickt daran zu zwestel'i, daß rr das durch bett Versailler Vertrag h-irsericktete Eurova als Grundlage betrachtet Hftßt dies etwa, daß bas an allen Ecken nmmrüevte beraubte und geschwächte Deutschland für all; Zeit verstümmelt bleiben soll?
Unter solchen Umständen gewinnt die Frage, ob Deutschland dem Völkerbund bei treten soll — es verlautet, daß Deut'ch- lond dazu att'aesorde'.t werden wird —, erhöhte Bedeutung. Die bisherige Haltung der Retchs- regierung, nickt in den Völkerbund einzutreten, weil wir von dieser einseitig eingestellten Orgr- nifaticn keine gerechte Behandlung erfahren
Genf, 3. Septemiber. (Telegraphifche Meldung.) Elstern begannen die Beratungen in den Ausschüssen. Am beachtenswertesten sind jetzt die Abrüstungs- und Garantiepaktfragen, die im dritten Ausschuss verhandelt werden. Darin sagte bei der Eröffnung der den Vorsitz führende rumänische Außenminister Duea, dass die ganze Menschheit, deren Streben nach einem wahren und dauerhaften Frieden gehe, mit Aufmerksamkeit die Arbeiten des Ausschusses verfolge. Auf der Tagesordnung dieser Kommission stehen olgende Fragen: Kontrolle des internationalen Waffen- und Munitionshandels, private Waffen und Munitionsfabrilation, Regelung der Arbeitsgebiete der beiden militärischen Kommissionen des Völkerbundes, chemische Kriegsmittel, lokale Abkommen, Beschränkung der Seerüstun - gen, Bemerkungen der Regierungen zum Garan- tiepnktproiekt und auf Antrag Lauges-Norwegen Einschränkung der H e e r e sa u s g a be n und sta- statistisches Jahrbuch über den Rüstungsstans der einzelnen Länder.
AvMstunge- und Konlrolw'cme.
Genf, 3. September. (Eigener Drahtbericht.) Der französische Ministerpräsident H e r r i o t hatte gestern abend noch seiner Ankunft in Genf noch eine längere Unterredung mit den hauptsächlichsten Mitgliedern der französischen Delegation, die sich vorwiegend um die verschirdenen Fragen der Abrüstung und der müftärischen Kontrolle drehte. Wie rö heisst so» Herriot, den von uns gestern mitgeteilten amcriranisckfen Plan zur Verhinderung von Angriffskriegen nicht gerade als eine ideale Lösung, aber doch vielleicht als eine brauchbare Grundlage ansehen, während die meisten anderen Staaten und vor allem Macdonald aus ihrer Ablehnung t>eS Garantiepaktes des Völkerbundes verbleiben. Deshalb wird auch, wie man annimmt, die allgemeine Debatte über die Abrüstung und den Garantiepatt erst in den nächsten Tagen beginnen. Die ständige Milftär- lommission des Völkerbundes, in der ausschliesslich militärische Vertreter sitzen (die nicht mit der gemischten Abrüstungskommission verwechselt werden darf), soll ebenfalls einen neuen A b - r ü st u n gs p l a n ausgearbeitet haben. Dieser beruht indessen wiederum ausschliesslich auf mili- tärischer Gr adlage und wird deshalb wohl wenig Aussicht auf seine Verwirklichung haben, nachdem sich nunmehr herausaesiellt hat, daß die Frage der Abrüstung und der Sicherheit ans rein militärischem Wege nickt zu lösen ist. Die gleiche Kommission hat übrigens, wie man hört, auch bereits einen neuen Plan für die Kontrolle über Deutschland ausgearbeitet.
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Eine spLiere Konferenz.
London, 3. September. (Eigener Drahtbericht.) Nach einer Meldung der „Times" haben die Ministerpräsidenten von England, Frankreich und Belgien eine Erklärung für die Versammlung des Völkerbundes vorbereitet, wonach eine be sondere Abrüstungskonferenz am 1. November in Genf zusammentreten soll. Dazu würden auch die nicht im Völkerbund vertretenen Länder eingeladen werden. Dieser Antrag ist von England ausgegangen. Es ist möglich, dass die Konferenz auch erst für Anfang 1925 einberufen wird.
hätten, wird neuerdings dock geändert werden müssen. Tenn auch die Verhältnisse sind andere aewoxden. 3M den alliierten Ländern mehren sich diejenigen die des ewigen Haders müde sind und aus wirtschaftlichen Gründen sich Deutschland nähern möchten. Wir haben viel zu fordern, wenn es uns erlaubt ist, den Alliierten eine Geaenrecknung zu unterbreiten. Mit dem Widerruf des Kri-gsschuld- bekenntnisses ist der erste Posten eingetragen worden, und mit dem Verlangen nach Aende- runa des Versailler Vertrages wäre später die Reibe sortmsetzen. Das wird zwar harten Widerspruch der Franzosen bervorrnsen, sollte uns aber nicht hindern. Es ist ia die Ausgabe des Völkerbundes, „die Gerechtigkeit herrschcn zu lassen". Wenn wir etwa gerufen werden, dann follten wir die Geleaenh.nt, unser Reckt geltend zu machen, nicht versäum e n I K- F. D.
Räumung und DawesOan.
Die Verhandlungen in Koblenz.
(Telegraphische Meldung.)
Koblenz, 3. September.
Bei den Verhandlungen, die aeftern hier ihren Anfang nahmen, wird der gesamte Fragenkomplex
Reise nach Gens gestern nachmittag in Calais angekommen. Er wurde vom Bürgermeister empfangen und fuhr nach kurzem Aufenthalt nach Paris weiter. Dort angekommen erklärte er Pressevertretern gegenüber: Wenn man auf f a V- scher Grundlage aufbaut, dann wird es in zehn Jahren Völker geben, die sich bis an die Zähne bewaffnen als einziges Mittel um den Frieden zu erhalten. Eine klare Aus l e g u n g des Wortes „S i ch e r h e i t" ist die erste Notwendigkeit für einen wirklichen und dauernden Fortschritt, für Lösung des Problems einer teilweisen oder völligen Abrüstung. — Herriot wird nur bis Mittwoch nächster Wo che Macdonald angeblich nur bis Freitag dieser Woche in Genf bleiben-
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Voten« «Srötzenw-rhn o&:r Tlngsi.
Genf, 3. September. (Eigene Drahtmeldung.) Unter den etwa dreißig Anträgen, die zur Ab rüstungssrage einqelaufen sind, fei vor allem der Antrag Polens hrrvoraehoben wonach den Siegerstaaten des Weltkrieg:.? die Polizei- gcwalt und Kontrolle der Durchführung der vom Völkerbund zu befchlietzenden Abrüstung übertragen werden fall
Tagung dis Monatsende.
Genf, 3. September. (Eigene Drahtmelduna.) Die Völkerbundtagüng wird bis Monatsende dauern. Es sind bis jetzt.35 Punkte der Tagesordnung besannt geworden. Die Danziger Frage kommt erst Mitte des Monats zur Verabschiedung. Tie Engländer haben einen Antrag eingebracht, wonach die Kontrolle des .Saarstaates in Zukunft durch eine fünfgliedrige Kommission ausgeübt werden foll. Damit würde die französische Vorherrschaft in der Kontrollkommission beseitigt.
Der Begriff Sicherheit.
Keine Lösung durch Säbelrasselii.
(Eigener Drabiberich'-.l
Paris, 3. September.
Aus seiner Durchreise nach Gens erklärte Mac- donalb, von Pressevertretern befragt, ?n brm Pakt betreffenb gegenseitige Unterstützung: Es sei zwar unmöglich, eine Verpflichtung einzn qehen, bic England hinsichtlich der Auslegung des Begriffes Sicherheit durch eine inorre Nation abhängig mache, dich sei dies nichl gleichbedeutend mit einem Fallenlassen der ganzen Frage. In Genf wurden sich keine sensationellen Entscheidungen ergeben. Frankreich werde Sicherheit finden, aber nicht durch S ä- belrasseln. Vielmehr sei er mit Herriot der Meinung, bass A b r ü st u n g und Sicherheit gleichzeitig erörtert werden müssen. Nach seiner Auffassung sei der AbrustungSplan von Lord Esücr mit gewissen Abänderungen die beste Methode. Der Berickterstatter schreibt, daß Mac- donald bei sich bietender Gelegenheit die Frage anschneiden werde. Hinsichtlich der Schulde n- probleme erklärte Macdonald, er habe Herriot versprochen, durch Sachverständige einen Plan ausarbeiten zu lassen. Vom englischen Volke fei nicht zu verlangen, weiterhin anderer Leute Schulden zu bezahlen.
der wirtschaftlichen und volitifchen Räumung per besetzten Gebiete durchgesprochen werden. Tic Verhandlungen werden sich naturgemäss über einen längeren Zeitraum hinzichen. Von deutscher Seite aus werden sie durch das Reichsministerium der besetzten Gebiete geführt. Buch die durch die Besetzung betroffenen Länder sind beteiligt. Der Vertreter Frankreichs ist Carleron.
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Maßnahmen zur Durchführuna.
Paris, 3. September. (Eigene Drahtmeldung.) Die ReparationRommifsion hat am Dienstag Nachmittag den Amerikaner Boung den Gene- ralzahlungsagenten, über feine Pläne für die Turckssührung des Dawesplanes angehört. In einem Kommunique wird ungeteilt, dass bic Kornmiffion die von Boung vorgeschlagenen Massnahmen genehmigt hat. Boung, ber heute nach Berlin reift, wirb nach feiner Rückkehr ans Berlin Ende nächster Woche von neuem von der Kornmiffion angehört werben. — Finanzsekretär Mellon ist am Dienstag in Newyork angckom- men. Ucber feine Stellungnahme zum Plane Dawes befragt, erklärte er, bass der Plan genügend klar fei. Er könne nur fagen, dass der Plan ohne Zweifel eine feste Grundlage für die Schaffung eines endgültigen Friedens barftefl: und die Rückkehr friedlicher Beziehunzen beschleunigen werbe.
»je Enlenle-MmistkrprLstöeiUen.
Lonbon, 3. September. Eigene Drabtmel- dnng.) Rl-m-ay Macbon alb ist auf ber
Leipziger Messe.
Ei« Verkehrsbild.
Wie Bereits kurz berichtet, ift das Messege, ictj. f: in den beiden ersten Tagen abwartend gewesen. Zm Verkehr mach» fiky aber keine Znrnckhaltnng bemerkbar. Besuch und. lra. tzenleden find sehr bewegt.
Leipzig, 2. Sept.
Man muß es miterleben, bas Gewimmel in ber Peterssiratze, wo sich bie Meßreilamen über die Straße spannen; die Grimmaische Straße, wo endlose Meßzüge als wandelnde Re- flame eine lustige Note in das Auf und Ab von Meßfremden und Sehleuten bringen. Dazu hat Leipzig Flaggenfchmuck angelegt, zeigt mit sanft plätschernden und hochaufsplingenden Brunnen im Kranz der grünen Anlagen fein schönstes Gesicht. Und die Auslagen der großen Geschäftshäuser! Dor einem altbetanmen Strumvfwarcnhaus staut sich die Menge, bewundert die wirtlich originelle Reklame! Ja, man muß schon die Augen flink wandern lassen, um alles zu erhafchen, was fehenswert ift. Gefell- schastsautolmsse zeigen in anderthalbstündiger Fahrt, was Leipzig alles zu bieten hat. Und wer, der zum erstenmal das bunte, wechselvolle B'ld in sich aufnahm, war nicht eingenommen von dem Neuen, Vielfarbigen, Vielgestaltigen?
Mit einer der zahlreichen Straßenbahnlinien fährt man hinaus zum Ausstellungsge- lande. Man wandert die breite, mit schattigem Ahorn bepflanzte Straße hinab, der Duft der ..echten Thüringer Rostbratwürstchen" verlockt gar manchen zur Kostprobe Man läßt sich vom Strom treiben, bewundert die neue vereinfachte „nervenschoncnde" Schreibmaschine, betritt voller Ehrfurcht die geheimnisvollen „Rundfuniräume" und läßt sich das Radiowim- oer an Skizzen und Aparaten erklären. Kunstvoll konstruierte Wirkmaschinen führen die Herstellung der so beliebten Wollsckale, Kunstfeiden- stoffe vor, nebenan ..häkeln" große Spitzenmaschinen. Die technische Messe mit ihren stampfenden, surrenden Giganten, den verschiedenartigsten Maschinen und kleinsten Maschinenteilen ist wie ein einziger Lobgesang der deutschen Technik, weckt ein Gefühl der Hochachtung, das zugleich froh stimmt und stolz in dem Gedanken an deutschen Fleiß und Tüchtigkeit.
Die Schuhmefse bringt das elegante Lurusschühchen aus Gold- und Silberbrokat, aus buntem Saffian und Chevreau, aus Seide und Lack, der Wiener Geschmack ist darin der feinste, nuancenreichste, unzählige Arten des Gebrauchsschuhes, Sportsiiefel. Und dann die, Leder zur Verarbeitung! Der „Clou der Saison wird der Gesellschasisschuh aus echtem Gold- und Silberleder sein! Eine amerikanische Schuhfirma preist unter dem Sternenbanner „ihre" Schuhmarke an, die typifche Form.
Auf dem Freigelände Maschinen aller Art, und zur Behebung der Wohnungsnot ein niedliches wohnliches Holzhaus; Motto: „Raum ist in der kleinsten Hütte" — sicher ist so ein Eigenhäuschen den Zwangs- und Notwohnungen entschieden vorzuziehen! F lie - g e r surren über die weite Ausstellungsfläche, umkreisen das Völkerfchlachtdenkmal, das erhaben auf die überlegenden, rechnenden Menschlein beiniedcrschaut. Aber die ernsten Gedanken verfliean aar bald, der „Mefseschlagcr" wird ausgeboten: ausgerechnet die unsterblichen Bananen! Diesmal in Gummi täuschend nacy- q-bildet, natürlich quietschend. Sw finden outen Absatz, schließlich will man doch ein „Meßstück" mit nach Hause nehmen!
Das K u n st g e w e r b e hat sein Heim in dec Universität. Wenn es auch nichts bemerkms- toert Neues liefert, so präsentieren sich Die Dinae, welche dem Heim erst die rechte Rote oer- leiben, die köstlichen handgehämmerten nnd ziselierten Meisinagegenstände, die.Seidendecken find -kiffen, die Kunstgläfer und Fayencen noch einmal so vorteilhaft in dem vornehmen Rahmen. In der Textil messe kann man Männlein wie Weiblein ganz neu kleiden, eine so reichhaltige Schau, in mehreren Meßhäusern verteilt. Besäße man d»c unschätzbare Gabe, allgegenwärtig zu sein! So mutz man sich schon beeilen, das Wichtigste z» sehen; die prachtvollen Pelze im Brühl, die Herrlichkeiten im Schwerzer Meßhaus ivom hauchzarten Strickdeckcheu bis zur Schokolade), die Vielfeftigkeit der tschecho-ftowakischen Industrie die ein Metzhaus allein für sich beansprucht. Wer sich auf das Untergrundmcßhaus gefreut hatte, wurde enttäuscht: es wird erst zur Frühjabrsmesse fertig, Das Meßgeschäft setzte zögernd ein. Bedarfsartikel wurden beghrt, der reichlich vorhandene Kaufwille wird durch den Geldmangel behindert, doch ift der Anfana kaum der Gradmesser für das Messegeschäft. Mittlerweile hat der Himmel Einseben, er 'ckob die qranen Wolken beiseite und zauberte einen sixah- leudblauen Sonnenhimmel, der Hoffnung nnd Freude zugleich verschenkte. Möge er ein glück-