Kasseler Neueste Nachrichten
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Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Nummer 203. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf Freitag, 29. August 1924. Einzelnummer 10 Pf . Sonntags 15 Pf 14. Jahrgang
Die Entscheidungsstunde im Reichstag.
Zeichen unserer Zeit.
Schlägerei im Reichstag.
Oesters mußte schon aus dem Reichstag berichtet werden, daß es .beinahe" zu einer Schlägerei gekommen wäre. Nun aber hat man es am Mittwoch in Wirklichkeit erlebt — in einer Zeit schwerster Entscheidung, da die Augen der ganzen Welt aus die deutsche Volksvertretung gerichtet sind. Ein wenig hat ja (so möchte man zur Entschuldigung vor dem Auslande sagen), die Erregung dieser Zeit zu den Ausschreitungen beigetragen, die Abgeordneten sind durch die unendlichen Sitzungen überanstrengt und durch den ununterbrochenen politischen Kamps überreizt. Aber, daß es gerade aus diesem Anlaß und unter diesen Parteien zum Handgemenge kam, Hal doch noch andere Gründe. Der Konkurrenzstreit Mischen den Sozialdemokraten und den Kommunisten war in den letzten Wochen besonders schars entbrannt: das kam bei der ganzen Debatte Mer das Londoner Abkommen zum Ausdruck, indem die wütendsten, wildesten Anklagen immer Mischen diesen beiden Parteien gewechselt wurden und zur Begleitung schlimme Zurufe unter den Nachbarn der Linken hin und bei flogen. Dazu kam als aufreizendes Moment die ostentative Anbiederung der Völkischen an die Kommunisten, die mehrere bürger - liche Abgeordnete in ihren Reden festgestellt haben. Beide Parteien sind ja grundsätzlich gegen d-n ganzen Parlamentarismus, beide sind in der Praxis darauf aus, ihn herabzuwürdigen.
Nur auf diesem Nährboden konnte in dem temperamentlosen Deutschland, die blutrote Blume der Parlamentsschlägerei wachsen. Nicht der Streit um das Londoner Abkommen gab den Anlaß dazu, sondern vielmehr ein« Mei- nungsverschiedenbeit über die Freilassung derpolitischenGefangenen — über eine Frag« also, in der Kommunisten und Völkische ganz einig sind. Mit großem Radau begleiteten jene die Atlehmmg der Anträge, nach denen zu der Schlußabstimmung am heutigen Donnerstag die inhaftierten und vom Präsidenten ausgc- schloffenen Abgeordneten zugelassen werden sollten. Ein solcher Präzedenssall tvürd« natürlich kür die Zukunft bedenklichste Folgen haben. Dann wollten di« Völkischen die Zurückweisung des bereits abgelehnten Amnestievertrages an den Rechtsausschuß durchsetzen, unter Hinweis auf die Sevaratisten-Amnestie im Londoner Abkommen. Dem widersprach der Demokrat Brodaus. In der ..wilden" Aussprache, die später übet den Zwischenfall stattfanS, hat auch der AbaeorDnete Koch mit Recht gesagt, daß doch erst das Londoner Wkommen angenommen kein mAsse, oh« man über die Folgen Beschluß fasse.
Jedenfalls war jener Einspruch kein genügender Anlaß zu dem wüsten völkisch-kommunistischen Ansturm, der daraufhin gegen den Abg. Brodaus einsetzte. 'Die Rechtsradikalen eröffneten ein lautes Schimpfen mit Zurufen, bei denen das Judentum das Hauptangriffsziel war. und bei den Kommunisten, denen man sonst eigentlich den Antisemitismus am wenigsten zum Vorwurf machen kann, entbrannte die Lust zum Rabkampf. Unter dem Schlachtruf „Brodaus raus!" drangen sie gegen diesen Abgeordneten vor. der nicht nur von seinen Gardematz-Freun- den Korell und Külz, sondern auch von den Sozialdemokraten gedeckt wurde. Diese sitzen fa zwischen den Kommunisten und den Demokraten, ihr Interesse an der Sache war wohl nur das, «inen gewaltsamtn Zusammenstoß zu vermeiden, denn in der Sache batte soeben ihr Dittmann den Radikalen Recht gegeben. Trotzdem — und das ist der Humor davon — entspann sich die Prügelei in der Hauptsache zwischen den Nachbarn, die sonst immer friedlich, im Augenblick aber gerade nicht einig waren. Der Sozialist P e in e warf einen ansKrmendcn Kommunisten auf dessen Hintermann zurück, dieser, namens Neddermaier. wurde wütend — und so begann die Holzerei. Es war ein lobendes, wildes Durcheinander, das in einem deutschen Reichstage jedem Zuschauer die Schamröte ins Gesicht treibt. Der Abg. Brodanf erhielt einen Schlag aufs Auge, so daß er nachher einen groben Verband trug. Die Emlörung der Tribünenbesuchet entlud sich in lauten Rufen, während im Saal langsam die Anhänger des Prügelkomments "on gesitteten Kollegen auseinanderaebracht wurden.
Präsident Wallraf gab der Beschämung über dieses unwürdige Schauspiel, mit dem das Parlament selbst seinen Niedergang bewiesen bat. kräftigen Ausdruck und berief den Aeltesten- rat zils Spruchgerichi ein, der sich leider nicht dazu aufraffen konnte, einen Beschluß zur Verhütung solcher Vorkommnisse zu fchsen. Die sofortige Unterbrechung der Sitzung wurde ober vom Hause abgelehut .da man schnell mit der zweiten Lesung der Londongefeye zu Ende kommen wollte." Das gelang auch in überraschend kurzer Zeit, zumal das Mantelgesey gar nicht besprechen wurde. Ebenso bereiteten die kleinen Vorlagen, die noch a>if der Tagesordnung standen, keinen Aufenthalt. Erst hinterher und
Letzte Kompromiß-Möglichkeiten.
Von Moskau nach der Ukraine.
Nochmals Dermittlungsvorschläge der Deutschen Volkspartei an die Deutschnationalen. — Der Skandal im Parlament.
Unser Reiseberichterstarter Konrad Himmel, der fett kurzer Zeit in Rußland weilt, sendet uns über leine Eisenbahn-und Lust:ahr t folgenden Bericht
Berlin, 28. August. (Eigener Drahtbericht ) Auch heute früh ist die innenpolitische Lage so gut wie unverändert. Wesentliches Interesse erregt nur eine Meldnng des „Lokalanzeigers", wonach doch noch Kompromiß Möglichkeiten bestehen sollen. Tatsache ist, daß die Führer der Deutschen Dolkspartci gestern abend nochmals den Teutfchnatioiialen mit neuen Verständigungs - Borschlä- gen näher getreten sind, nachdeni die gestrigen Fraktionssitzuugcn der Dcutschnationalca noch nicht zn endgültigen Beschlüssen gelangt waren. Infolge der tommuniftifrfien Skandalsze- nett im Reichstag haben sich die Mittelparteien gestern abend mit den Sozialdemokraten besprochen. um die Geschäftsordnung des Reichstages derart zu verschärfen, daß eine Wiederholung der kommunistischen Terror Akte unmöglich wird. Diese Besprechnngen werden heute vormittag fortgesetzt, was darauf hindeutet. daß in parlamentarischen Kreisen immer noch die Hoffnung auf Annahme der Gntachten- gcsetze und damit auf ein Zusamntcnbleiben des jetzigen Reichstages besteht.
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Destedt noch H?ffnunp?
Berlin, 28. August. (Eigener Drahtbericht ) Der deutschnationale „Tag" bringt heute früh eine Meldung, wonach gewisse vshchologische Anzeichen vorliegen, die eine Anna h m e deS Eifenbahngesetzes ermöglichen könnten. Die deutschnationalcn und die volkspar- teilickpen Anträge könnten eine Brücke bilden, doch würde sich dies erst heute ergeben.
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Arzeloe -reorn r’e ■?tnrre!?F".
Berlin, 28 August. (Privattelegramm.) Ter Präsident des Reichstages hat wegen der gestrigen Scklägerci im Reichstag, die zur K ö r p e x- verletzung von sechs Abgeordneten geführt hat, Anzeige bei der Staatsanwaltschaft des Berliner Landgerichts 1 erstattet. Der Anzeige haben sich zwei der von den Kommunisten Mißhandelten angeschloffeu.
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Die Verletzungen des Abgeordneten Brodaus.
Berlin. 28. August. (Privat-Telegramm.) Bei der Uuteisucbuug stellte sich heraus, daß dem Abg. Brodaus die Krawatte zerrissen und der Anzug beschädigt war, und daß er neben zahlreichen anderen Schlagen vor allem einen Hieb in das Auge erhalten hat. das anae- schwollen ist. Die Untersuchung ergab auch, daß es sich um eine ziemlich schwere Augeuverletzung handelt. Später sah nutn den Abg. Brodaus noch mit verbundenem Kops, doch äußerte er nach Rücksprache mit seinen Freunden die Absicht, baldmöglichst zur Ausheilung in die Heimat abzureisen.
Sm Falle der Auslösung.
Der Auflösungserlaß ist unterzeichnet.
(Eigener Informationsdienst.) i Berlin, 28. August.
Die deutschnationale Reichstagsfraktion hat zwar den Fraktionszwang ausgehoben, aber die Mehrheit scheint noch entschlossen zu sein, aegen die Londoner Gesetze zu stimmen, wenn die Köm- promißverhandtungen scheitern. Die Reichsrc- gierung hat bereits das Buflösungsde- kret vom Reichspräsidenten unterschreiben lassen, und in dem Augenblick, wo der Reichstag über die ltzesetze absttmmt, entscheidet er über daS eigene Schicksal. Wie wir von unterrichteter parlamentarischer Seite erfahren, gibt es zur Stunde nur einen einzigen Ausweg, um die Reichstagsauflösung zu vermeiden. Der Aus- rooa besteht in einem Antrag der Wirtschafts- Partei, die Zweidrittel-Mehrheit, die für die Annahme des Eifenbahngesetzes erforderlich ist, durch befonderen Beschluß des Reichstages zu befcitigcu und die einfache Mehrheit genügen »n lassen. Sollte nun zufällig der Antrag der Wirtschaftspakte; die erforderliche Mehrheit finden, dann wäre die Situation gerettet. Die Regierung wird sich mit der einfachen Mehrheit broniigen müssen, wenn der Reichstag
beschließt, daß eine Zweidrittel - Mehrheit nicht notwendig ist. Obwohl man bei allen Parteien versichert, daß der Antrag der Wirtschastspartej „ganz unmöglich" wäre, Alben die mastzebenden parlamentarischen Kreise die stille Hoffnung, daß dieser Antrag Annahme findet.
Erwartung aufbaöErgebnis England und das Dawes-Gniachten.
(Eigener Drabibertch.)
London, 28. August.
Das Ergebnis bc: deutschen Reichstags-Debatte wird hier mit ziemlicher Spannung erwartet. Keine zwei Blätter scheinen gleichmäßig von ihren Berliner Korrespondenten »nterrich- tet zu sein. Tas eine behauptet, die Deutsch- nationalen hätten vollständig nachgegeben, das andere sagt, sic hätten dies nur bedingt getan und forderten eine Revision der Ruhrräu- mungs-Abwachungcn. Die Londoner Presse benutzt die Zeit, bis die Eutsci)eidung in Berlin gefallen ist, zu weiteren Angriffen gegen den D a w e s p l a n und gegen Macdonald. Die liberalen nnd konservativen Blätter betonen, daß die Stellriug des Premierministers erschüttert fei. Die „Morningpost" schreibt, daß die Schwierigkeiten der sozialistischen Regierung in schnellem Maße zunehmen.
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Ale Haltung der *'eutfti3nationakn.
Berlin, 28. August. (Privattelegramm.) Wie aus parlcmentarischen Kreisen mitgetcilt wird, trat die deutschnntiouale ReichstagSfraktion am Mittwoch abend zu einer Sitzung zusammen, um noch einmal zu der gesamten politischen Lage Stellung zu nehmen, und die vom Abgeordneten Schulz - Bromberg angekündigtrn Anträge zur dritten Lesung vorzubereiten. Es handelt sich um den in zweiter Lesung angenommenen volks- parteilichev Antrag zum Mantelgeseü, der u. a. eine frühere Räumung der besetzten Gebiete fordert. Nach der Auffassung in deutsch- nationalen Kreisen besteht keinerlei Aussicht, daß sich das Stimmverhältnis, tote es sich bei der Abstimmung zur zweiten Lesung gezeigt hm. bei der dritten Lesung ändern werde. D'e Aende- rnngsanträge sollen erst am Donnerstag im Reichstag bekannt gegeben werden.
Deutschland und Frankeelch. Vorschlag zur Lieferung deutscher Farbstoffe.
(Eigene Drahtmelbung.l
Paris. 28. August.
Der „Matin" veröffentlicht einen Bericht von Paul Klein von der Universität Nancq, worin dieser dafür eil-tritt, daß Frankreich ein A 6 - kommen mit Deutschland für die Lieferung von Farbwaren abschließt, wie ein solches zwischen den deutschen Farbwaren-Fa- brikcn nnd der britischen Chemifckieit Bereinigung bestehe. Es wäre vorteilhafter, wenn ein solches Abkommen abgeschlossen würde, als wenn Frankreich bei Deutschland auf, Anerkennung der Siefcruitfl von Farbwaren auf Grund des Londoner Abkommens bestehen würde Dieses Abkommen bleibe besonders deshalb wichtig, weil noch einer dieser Bestimmungen Die englischen Ehemiker das Recht haben, die deutschen Fabriken zu besuchen und der britischen Bereinigung über die deutsche Fabrikationsmethode und Fabrikanlagen Bericht zu erstatten
Um die Schutzzölle.
Die Sozialdemokratie ist aegen die Vorlage.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 28. August.
Tie sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat gegen eine sofortige Verabschiedung der Schutzzollvorlage durch den Reichstag Einspruch erhöben. Aus diesem Grunde wird die Schntzzollvor- lage nach der ersten und zweiten Lesung dem Ausschuß Überwiesen. In den der Re- gientng nahestehenden Kreisen wird darauf hingewiesen, daß im Falle einer Reichstagsauflösung pie Schntzzollvorlage hinfällig würde. Erst nach dem Ausgang der Neuwahlen werde sich entscheiden lassen, ob dann eine Regierung gebildet wird, die bereit wäre, die Schntzzollvorlage deS Kabinetts Marx-Stresemann ebenfalls dem Reichstag vorzuleaen.
Da ich van Charkow nach Odessa mit dem Flugzeug befördert wurde, so suhr ich zunächst von Moskau nach Charkow mit der Bah n. Heber den Fahrpreis muß man vorher verhandeln. Am Bahnhof erhielt ich die Auskunft: .Biljetow uet" (Fahrkarten ausverkauft). Das war eine halbe Stunde von Abfahrt, aber mitfahren mußte ich aus alle Fälle, koste es was es wollte. In einem Potizeibeamten sand ich einen rettenden Engel, der mir, als ick) ihm als deutscher Journalist meine Not klagte, zu einer Fahrkarte zweiter Klasse ober vielmehr, da es in Sowjet-Rußland diese Rangordnung nicht mehr gibt, der „Weichen" Klasse, im Gegensatz zur „harten" Klasse (während die erste Klasse der .Internationale Wagen" darstellt) verhalf. — Ringsum ein „Großkampftag" im Eisenbahnverkehr. Eine riesige Menschenmenge, ungezählte „Nossiltschiki" (Gepäckträger), die einem förmlich das Gepäck aus der Hand reißen, am -s in den Zug zu bringen, ein endloses Gewirr Von vielen Hunderten von Stimmen.
Der Eisenbahnverkehr
in Rußland ist zur Sommerzeit in höchster Blüte. Zum ersten Male wieder in diesem Jahre, seitdem der Rubel über dem der Tscher- wouetz (gleich 10 Rubel) thront, reift man in Rußland, wie bei uns in Deutschland, und zwar in einem derartigen Umfange, daß di« Fahrt ar- ten zu allen Zügen schon tagelang vorher aus- verkauft sind. Nach Süden geht der Drang, nach dem Schwarzen Meere, nach der Krim und nach dem Kaukasus. Pünktlich aus die Minute geht der Zug ab. Sowjet-Soldaten, in voller Kriegsausrüstnng, auf den ganzen Zug gleich- mäßig verteilt, haben auf Trittbrettern Platz genommen. Und das ist, wie man mich belehrt, notwendig geworden, um einen wirksamen Schutz gegen die vielfachen Staubüb erfülle, die gegen ganz- Eisenbahnzüge im den Wirren der Nachkriegszeit itttb der Revolution von organisierten Banden besonders in der Ukraine und im Kaukasus verübt wurden, zu erreichen. Drinnen in den Wagen ein fesselndes Kaleidoskop eckt russischen Lebens, wie es sich in der Gegenwart in Sowjet-Rußland abspielt. Di« Revolution hat scheinbar — äußerlich — nur eine ein» zigr Gesellschaftsklasse bestehen lassen, deren Mitglieder in Kleidung und in ihrem Aeußeren kaum einen Uülerschied von einander aufweisen. Der Prosessor der medizinischen Fakultät in Petersburg, der Student, der Sowjet-Beamte, der Künstler, der als Pianist in Moskau kümmerlich sein Dasein fristet, die .Towarischtschi" (Genossen) und die „Burjui" (Bürgerlichen), alle in dem denkbar einfachsten Anzug, auch die „Weiblichkeit" fchlicht und ohne jede Eleganz, die Füße meist blos in primitivem Schuhwerk, in Bastschuhen. Im gleichmäßigen Tempo eilt der Zug
durch bi« endlose russische Ebene
der Ukraine entgegen. Die Sonne, die es in diesem Sommer in Rußlaid, int höchsten Norden sowohl, wie im fernen Süden recht gut meint, wirft ihre letzten Strahlen über die Landschaften hin. Podolsk und Sserpuchoff, die ersten großen Stationen hinter Moskau, sind vorüber, der Zug geht Tula entgegen. In den Abteilen allgemein« Vorbereitungen für die Ruhelager. T-omit ists nicht W«l bestellt. Der „Prowodnik", d. h. Begleiter, den jeder Wogen hat, verteilt an einen jeden Matratze, Kissen und Decke, dazu tadellos saubere Wasche für die Ueberzüge. Der Reifeverkehr ist also auf Vie langen Strecken, auf denen man in Rußland tn der Regel tagelang reist, eingestellt. Im Speisewagen herrscht noch lebhafter Verkehr aller derjenigen, die sich nicht selbst mit einem entsprechenden Inchitzvorrat versorgt haben. Die Preise bewegn sich dort um 1 Rubel 50 Kopeke i bis 2 Rubel für ein Fleischgericht. Die Hauptmasse der Reisenden läßt sich's' gut sein 6et Weißbrot mit kaltem Gestügelb raten und Kot- letts, die jetzt im Sommer Gang und Gäbe stnv, dazu bei riesigen Wassermelonen, die sozusagen die Nattonalftucht in Rußland sind und allenthalben in Mengen „vertilgt" werden. Die Nacht bat inzwischen die Menschen zum Schweigen gebracht. Ein Polizeibeamter geht musternden Auges durch den Zug und fragt hier und da. auch mich, nach Namen und Ziel der Reise Auf meine Antwort „Nernetz" (Deutscher) geht er freundlich grüßend weiter. — „Nernetz"! So oft ick mick als Den Ucker zu erkennen gab bezw. erkannt wurde überall Liebenswürdigkeit und Zuvorkommenheit. Es kann nickt nachdrücklick genug betont werden, daß man
als Deutscher in Rußland, gleichgültig ob man in Smolensk mit dem Flugzeug zum ersten mal russischen Boden betritt, »der in Moskau gleich mit irgendwem jufatn-
.außerhalb der Tagesordnung" entspann sich noch ein anderthalbstündiges Wortgefecht über den Parlamentsskandal und die Angelegenheit, die dazu geführt hatte. Gebessert wurde dadurch nichts, eher verschlimmer^ aber man
hatte ja $eit zum Ausloben des Parieihaffes, da die sämtlichen Abstimmungen bei zweiten Lesung auf 5 Ubr verschoben worden waren. Im Zirkus werden dir Pausen durch Clowns ausgefüllr, im Parlament durch Radauakrobaten....