Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 198
Sonnabend, 23. August 1924,
Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.
Der Zusammentritt des Reichstages
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frage.
verlautet, daß die Reichsregierung noch be stimmte, bisher unbekannt gebliebene Einzelheiten der Londoner Vereinbarungen Mitteilen wird, um dadurch die parlamrii- tarische Lage entscheidend zu beeinflussen. Es sei stcher, datz Dr. Stresemann fich eine» besonderen Trumpf ausgespart habe, den er ausfpielen werde, sobald die Aussprache drc Parteiführer auf dem Höhepunkt angelangt sein wird. Dr. Stresemann wird voraussichtlich wiederholt in die Debatte eingreifen.
Crfläruiig der Regierungsparteien.
Berlin, 22. August. (Eigener Informativ rs- dienst.) Die Parteien der Regierungskoalition werden, wie verlautet, nach der Erklärung der Reichsregierung bei Eröffnung der außenpolitischen Aussprache durch einen volksparteilichrn Redner eine gemeinsam formulierte Stellungnahme zu den Londoner Abmachungen zum Ausdruck bringen kaffen. Erst nach der Aussprache der Opposition werden besondere Redner der einzelnen Regierungsparteien auftreten.
Sicherungsfrage in Verbindung gebracht wird, kommt man schließlich zu folgenden Gedankengängen: Gewisse Kreise in Frankreich, die bereits angedeutet sind, haben an dem Gedanken der wirtschaftlichen Vormachtstellung Frankreichs in Europa solchen Geschmack gefunden, daß sie sich nicht von ihm trennen können. Mit der Rubwefetzung hat man die Möglichkeit in der Hand, auf eine Verlängerung der Milttärkontrolle in Deutschlmch zu dringen. Dabei bandelt es sich weniger nm eine Nachprüfung des Rüstungsstandes Deutschlands, sondern um eine Ausspionierung der deutschen Industriebetriebe. Unter dem Vorwand militärischer Kontrollgängc durch
Kundgedungen für Herrioi.
Paris, 22. August. (Eigene Drahtmeldung.) Der gestrigen Kammersitzung wohnte in der Diplomatenloge das gesamte di^omatische Korps öei. Man sah den deutschen Botschafter in lebhafter Unterhaltung mit dem englischen Botschafter. Während der Kammerfitzung hatten sich auf dem Konkordienplatze mehr als dreitausend Personen eingefunden, die H e r r i o t bei seiner Ankunft und Abfahrt stürmische Huldigungen darbrachtrn. Wieder wnrde Herriot aus dem Auto gehoben und in das Palais der Deputiertenkammer getragen. Man hörte über den weiten Plast Hochrufe auf Herriot, Frankreich und den Frieden.
Wer noch ein anderer Punft. In der Bekämpfung der französischen Ruhrräumungsthese hgt sich besonders der englische Schahkanzler Snowden hervorgetan. Einem Vertreter des .Manchester Guardian" äußerte er sich ausführlicher über diesen Punft. Dabei wies er darauf hin, daß Rollet die Räumungsfrage mit der .Sicherheitsfr»ge"in Verbindung gebracht habe. Run wird aller Voraussicht näh diese Frage auf der Völkerbundsversammlung in Genf angeschnitten werden, wozu be- kannüich Herriot sowohl wie Macdonald persönlich erscheinen wollen. Wenn es für deutsche Auffassung auch eigenartig anmutet, daß ein bis an die Zähne bewaffnetes Land wie Frankreich Sicherheitsgarantien gegen ein in wahrstem Sinne waffenloses Volk wie das deutsche verlangt, so sind wir überzeugt, daß trotzdem diese Frage in Genf sehr ernsthaft erörtert werden wird. Rollet als der bisherige Vorsitzende der Interalliierten Militärkontrollkonnniflion in Deutschland kennt den Stand der militärischen Abrüstung in Deutschland. Er weiß sehr genau, daß Frankreich von diesem Rüstungsstand Deutschlands heute und in absehbarer Zeit Nichts zu fürchten hat.
_ Wenn heute aber b-e Raumjmgssrage mit der
die einzelnen deutschen Jndustriestätten läßt sich das bisher schon in weitestem Umfange ausgebaute Spionagesystem zur Erforschung der deutschen Wirtschaftsverbindungen uws. weiter fort- sctzen. Auf diesem Wege hofft die von Lou- cheur vertretene schwerindustrielle Jnteressenten- gruppe Frankreichs, das Ziel der ftanzöstschen Wirtschaftsvormachtstellung trotz allem zu erreichen. Und daß hinter diesen Wirtschastszielen noch immer die politischen Ziele Frankreichs stehen — ob sie von Herriot vertreten werden oder nicht —, darüber ist sich der nicht im unklaren, der die ftanzöstschen Machenschaften an Rhein, Ruhr und Saar nun schon seit Jahren verfolgt.
-— --E. P.
Der Auftakt im Reichstag.
Berlin, 22 August.
(Eigener Informationsdienst.)
dienst.) In den parlamentarischen Kreisen steht man mit großer Spannung den Erklärungen der Reichsregierung entgegen. Während Reichskanzler Dr. Marx und Reichsfinanzminister Dr. Luther fich über dir eigentliche» Abmachungen der Londoner Konferenz äußern werden, beabsichtigt Außenminister Dr. Stresemann, ganz speziell auf die Frage der militärischen Räumung einzugehen, indem er sich über sehr wichtige Einzelheiten der Zwischenverhandlungen auf der Londoner Konferenz auSsprechen wird. In den Wandelgängen des Reichstages
Für die besetzten Gebiete.
Ein Vorschlag zu weiteren Erleichterungen.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 22. August.
Die Reichsregierung beabsichtigt, wie wir erfahren, nach der Durchführung des Londoner Abkommens mit der französischen Regierung in Verhandlungen über die künftige Verwaltung der besetzten Gebiete einzutreten. Deutscherseits arbeitet man gegenwärtig einen Vorschlag aus, in dem vorgesehen ist, daß die interalliierte Rheinland-Kommission in eine gemischte Kommission nmaewandelt wird, in der auch Deutschland Sitz und Stimme hat. Es soll insbesondere Aufgabe des deutschen Vertreters sein, die Interessen der Bevölkerung der besetzten Gebiete wahrzu- nchmen und bei allen von der Kummiffio« zu ergreifenden Maßnahmen die deutschen Bedenken geltend zu macken. Man weist darauf hin. daß bereits vor dem Ruhrkonflitt ein deutscher Reichskommiffar mit der interalliierte« sthein- laudkommission zusammen gearbeitet hatte, und zwar war das Fürst Hatzfeld, der auf seinem Posten außerordentlich viel Gutes für die Bevölkerung der besetzten Gebiete geleistet hat.
Die Auswertungs-Frage.
Ein neuer Parteiantrag.
Berlin, 22. August.
Im Aufwertungsausschuß des Reichstages begründete in der Mittwochsitzung Abg. Keil (Soz.) einen sozialdemokratischen An. trag, daß die Aufwertung der Hypotheken auf fünfundzwanzig Prozent erhöht wird auch für
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Einzeluummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang
Hoffnung auf einen AuegieiO.
Berlin, 22. August. (Telegraphischer Bericht.) Die zu den Regierungsparteien neigenden Blätter hoffen, datz eine Parlamentskrise und damit das Scheitern der Londoner Bcschlüffe vermieden wird. Tie demokratische „Vos- sische Zeitung" sagt allerdings: Das Rein »es Teutfchnationalen ist zwar nicht wörtlich ausgesprochen oder angekündtgt, aber die Berufung auf die Beröfftntlichnng vom 15. August genügt vollauf. Der „Vorwärts" schreibt: Tie Deutsch- nationalen haben durch ihren Beschlutz sich selber nnd damit auch dem Reichstag das Urteil ge- spiochen. Mit diesem Reichstag lätzt sich der Londoner Vertrag nicht durchführen. Das Blatt teilt dann weiter mit, daß auch der sozialdemokratische Fraktionsvorstand gestern einmütig der Meinung war, daß der Reichstag der Auflösung verfallen müsse. Das „Berliner Tageblatt" glaubt, datz die Deutschnatioualen noch nicht das letze Wort gesprochen haben. Tas Wort Ablehnung komme in der deutschnationalcn Erklärung nicht vor. Das Blatt schreibt dann weiter: Wir haben Grund anzunehmen, datz sich im Reichslandbund ein Stimmungswechsel zu vollziehen beginnt. Die Mitteilung des Reichsbankvrä,"identen, datz er wahrscheinlich bei einer Ablehnung der DaweSgesetze zu einer wesentlichen Verkürzung und Einschränkung der Kredite schreiten müffe, habe bei dem Reichslandbund einen starken Eindruck gemacht.'
Die Stimmung in Frankreich
Acutzcrungen der Pariser Preu-.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 22. August.
Die Erklärungen Herriots in Kammer und Senat werden von der Regiernngsprcffe mit Beifall ausgenommen, während die Opposition den Premierminister zimlich geringschätzig als Faszipeu bezeichnet. „Oeuvre" schreibt: Die erste aller Reparationen, die größte und wertvollste ist der F r i e d e n. Wenn Herriot uns diese Reparation bringt ,so hat er sich um das Vaterland verdient gemacht. Die „Ere Nouvelle" stellt fest, datz Herriot sich nicht als Triumphator aufgeführt habe. Bescheiden habe er daran erinnert, daß die Londoner Konferenz nur ein Anfang sei, daß man noch weit vom Ziele sei und datz «och viele Hinderniffe zu überwinden seien, bevor an die Dicherheitsftage und an die Kriegs- schuldenfrage herangcgangen werden könne. Man fei aber auf gutem Wege. Das Blatt „Journec Industrielle" bemerkt: Wir hätten gern gehört, datz es Herriot aelungen wäre, das Problem der Rubrräumung mit dem Problem der Kriegsschulden und der Sicherheit in Verbindung zu bringen. Wir haben vergebens gewartet.
Frankreichs Absicht.
SiutzrdesetzuNZ und Wirtschafts-Spionage.
Auch nach dem Abschluß der Londoner Konferenz steht die Frage der Ruhrbesetzung im Vordergrund der öffentlichen Erörterungen- Die Entwicklung der Verhandlungen in London haben ganz automatisch die Ruhrsrage in den Vordergrund gerückt, so sehr man sich auch bemühte, sie aus den offiziellen Beratungen herauszulassen. Die zwingende Logik war eben stärker als dir politischen Vorwände, die von französischer Seite vorgebracht wurden. Die Haltung Herriots wie Macdonalds in der Frage der Ruhrbcsetzung hat nicht mit Unrecht in der g a n- zen Welt Aussehen erregt. Beide, Herriot wie Macdonald. rechnen sich angeblich zu den Pazifisten, die aller militärischen Gewalt abhold sind, die vor allem in der Ruhrbesetzung ein untaugliches und rechtswidriges Mittel sehen, um wirtschaftliche Probleme zu lösen. Macdonald hat inzwischen, diesen seinen persönlichen Standpunkt in seinem Brief an Herriot und Theurns stark unterstrichen, indem er von der schädlichen Wirkung und Gefährdung des Dawes-Planes spricht, die durch die Aufrechterhaltung der Ruhrbesetzung zu befiirchten sind.
In Deutschland interessiert augenblicklich weniger die Tatsache der Aufrechterhaltung der Ruhrbesetzung bis zum 15. August 1925 als solche, als vielmehr die Gründe, die zu dieser Forderung führten. Nach dem Dawes- Plan hat die Ingenieur-Kommission aus dem Ruhrgebiet zu verschwinden. In London 'ist die Auflösung der Kommission beschlossen und fkst- gelegr worden. Die Micum muß spätestens 35 Tage nach Inkraftsetzung des Dawes-Planes aufgelöst sein. Dee Micum-Beamten. wie überhaupt die ganze Organisation werden, abgesehen von einigen Abwicklungsstellen um diese Zeit daS Ruhrgebiet verlassen haben. Welchem Zweck aber dienen nach dieser Zeit bis zum 15. August kommenden Jahres die 'canzösischrn und belgischen Truppen an der Ruhr? Wirtschaftliche Ausgaben haben sie ganz bestimmt nicht zu erfüllen.
Man wird fich erinnern, daß der Umfall Herriots in der Räumungssrage zurückzuführen ist auf die A n k u n f t L o u ch e u r s in Loudon und feine Drohung, seine Gruppe würde ihn fallen lassen, falls Herriot in der Ruhrräu- mungSfrage nachgebe. Loucheur ist der politische Vertreter und Sachwalter gewisser schwexiu - dustrieller Kreise in Frankreich, er ist derselbe, der durch daS seinerzeit abgeschlossene Wiesbadener Abkommen eine gewisse Verschmelzung der deutschen und französischen Wirtschaft herbeiführen wollte, natürlich in französischem Sinne. Er ist es auch gewesen, der einen sehr detaillierten Plan über die Notwendigkeit der Verbindung zwischen Ruhrkoks und Lothringer Erz auSgearbeitet hat und für eine Beteiligung französischen Kapitals an der rheinisch-westfälischen Industrie, ähnlich wie an der Saar, an- ftrebte. In dem W rtschaftSprogramm, baS durch (Hanentcl der deutschen Delegation in LondoP überreicht wurde, befindet sich auch die Forderung auf Beteiligung französischen Kapitals an der rheinisch-westfälischen Industrie. Herriot hat eS zwar für eine Beleidigung erklärt, wenn man ihm zutraue, daß er die Frage der Ruhrräu- mung mit wirtschaftlichen Dingen verknüpfen wolle, aber man wird den Gedanken nicht los, daß Herriot sich gegen gewisse Bestrebungen der französischen Schwerindustrie ebenso erfolglos verteidigen wirb, wie in der RuhrräimmngS-
Krise infolge der Opposition.
Ablehnung der Deutschnationalen. — Bedingte Haltung der Kommunisten.
Berlin, 22. August. (Eigener Drahtbericht.) Die innerpolitische Lage ist bei Abgang dieses Berichts, mit Ausnahme der Annahme der Ta- wcsgesetze im Reichsrat und der Ablehnung der Gesetze durch die Deutschnationalen, völlig ungeklärt. Soweit auch gestern wieder Frak- tionssttzungen stattgefunden haben, sind wesentlich neue Momente nickst zutage getreten. Die gestrige nochmalige Fraltioussitznng der Komm u- nisten ergab die Annahme des Antrages K ö h - nen, von der Regierungserklärung im Reichstage über die Amnestiefrage die Entscheidung der Partei hinsichtlich einer parlamentarischen Obstruktion abhängig zu machen. Die deutfchuationale Fraktion teilt mit, daß sie aus ihrem ablehnenden Standpuntt beharren werde. Diese Mitteilung hat den nochmaligen Zusammentritt des Rcichs- tabinetts in später Abendstunde zur Folge gehabt. Obwohl der Beschluß der Fraltio» den Willen der Deutschnationalen ziemlich scharf zum Ausdruck bringt, glauben die Regierungsparteien immer noch an ein K o m P r o m i tz.
Geld und Wirtschaft.
Bon der Politik abhängig.
Wie sehr die wirtschaftlichen B-rhältniffe die Schwankung der politischen Lage mitmachen, sehen wir wieder am Verlauf der lehren Zeit. Ja de« von der Deutschen Bank herausgegebenen „Wirtschaftlichen Mitteilungen-- lesen «irr Das Wirtschaftsleben zeigt den normalen Ablauf einer tiefgehenden Krisis, die nahezu aus allen Gebieten eben ungewöhnliche Verhältnisse zeitigt. Auf der einen Seite kommt eS zu einer Gelbansammlung aus Angst und Mißtrauen, die wiederum verhindern, baß das Geld werbend, d. h. für längere Zeit angelegt wird, auf der anderen Seite hält die Nachfrage nach langfristigerem Kredit unvermindert an. Das für notwendig erachtete Absinken deS Preisstandes geschieht — über die Jndexmessungcn hinaus — durch die infolge des Geldmangels allgemein gewordenen Notverkäuse, während neu produLier te Güter wieder über diesen Preisstand zu stehen kommen. Auch diese paradoxe Erscheinung führt zur Beschränkung der Produktion, abgesehen von dem Mangel an Betriebsmitteln, der Schwierigkeiten für viele Unternehmungen schafft, denen die Sorge um Aufrechterhaltung eines gegenwärtig unrentablen ober «ar Verlust bring enden Betriebs und Beschäftigung ihrer Angestellten obliegt. ES sind anormale Verhältnisse, unter denen die Wirtschaft steht, aber alle beobachteten Erschei- nungen, wie beispielsweise die starke Zunahme der Konkurse, fallen nicht aus dem Rahmen eines typischen KrifenablaufS.
Daß die Einigung in London und damit die Ausführung des DaweSPlaneS einen Wen- dspuntt darstellen kann, ergibt sich schon aus den unmittelbaren Folgen für unsere Sretntlage. Nicht nur dürsten dann wieder Auslandsgelder in Deutschland angelet werden, sondern das im Inland versteckte und daher nicht arbeitende Kapital würde mit der Wiederkehr beS allgemeinen Vertrauens in die Wirtschaft etnftrö- men und ermöglichen, daß auch bei uns wieder Geschäfte auf lange Sicht gemacht werden können, die bisher aus Mangel an Vertrauen des Auslands und mangels von Mitteln im Inland nicht ausgeführt werden konnten. So unerhörte Opfer materieller und moralischer Art dem deutschen Volke durch die Bestimmungen des DawesplaneS (und durch das, waS das Gutachten der Sachverständigen nicht erwähnt hat) auferlegt werden, Opfer, denen man durchaus nicht gleichgültig gegenüber bleiben kann, so wird man trotz allem harte Verpflichtungen, die nicht den Weg zu einer Epoche deS Wiederaufbaus und der internationalen Zusammenarbeit versperren, dem augenblicklichen Zu- stand der Unsicherheit und der gewaltsamen Hemmungen, die für die Wirtschaft bestehe», vorzuziehen haben.
Die Börse, dir überwiegend hoffnungsvoll in bezug auf das Londoner Endresultat und seine Folgen für die deutsche Wirtschaft blieb, nahm auch den gemäßigten Ablauf der schweren Krise, die bisher kaum den Zusammenbruch eines einzigen bedeutenden,verzweigten Unternehmens gefordert hat (da Konkurse im allgemeinen auf neu gegründete Unternehmungen von lokaler Bedeutung, die weder in bezug auf ihre Leitung noch auf ihre Fundierung besonders Vertrauen beanspruchen konnten, beschränkt blieben, zum Anlaß einer Aufwärtsbewegung; diese mußte schon deshalb kräftige Steigerungen bringen, weil der bessere Ausblick in die Zukunft neuerdings die Besitzer von Effekten davon ab- gehalten hat, ihren Besitz zu verschleudern. Gestern ist allerdings wieder eine bedeutende Abschwächung der Kurse eingetreten, well noch immer Unsicherheit über die Haltung deS Reichstags zu den Londoner Beschlüssen besteht.
Die Zinssätze haben eine Ermäßigung erfahren, wenn sie auch noch immer unnatürlich hoch sind und auf die Dauer nicht ftagbar erscheinen; diese Abwärtsbewegung spiegelt sich auch in der Verzinsung der in der letzten Zeit recht begehrten Sachwert- und Gokvanleiheu wider, die noch Ende Juli zwischen 12 und 14*4 Prozent betrug, während sie sich bei den augenblicklichen Kursen unter Berücksichtigung der Kapitalertragssteuer aus etwa 8—10 Prozent p. a. stellt. Die Bewegung in Reichsanleihe und den Anleihen der Bundesstaaten hat einen vollkommen unregelmäßigen und spekulativen Charöfter angenommen, nachdem die Aufw er- tungSfrage nicht mehr als wirtschaftliches Problem behandelt wird, sondern zu einem Gegenstand der Parteipolitik gemacht worden ist „■
Anzeigenpreise: Geschäfts-Anzeigen Zeile 15 Pfennig, FamiUen-Anzeigen Zeile 15 Pfennig. Kleine Anzeigen das Wort 2*/« Pfennig, Reklamen Sie Zeile 60 Pfennig. Offertgebühr 10 Pfennig (bei Zusendung der Offerten 20 Pfennigs. Rechnungsbeträge sind innerhalb 5 --tagen zu bezahlen. Maßgebend ist der Kurs des Zablungs- kages. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher ausgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann nicht Garantiert werden. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz 100 Prozent Ausschlag. Druckerei: Schlachthoistr. 28/30 Geschäftsstelle: Köln.Stratze 5, gegenüber der Svohrftratze. Fernsprecher 951 u. 952.