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Freitag, 22. August 1924.

Nummer 197

Einzelnummer 10 Pf-, Sonntafts 15 Pf.

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Der Reichstag vor schweren Entscheidungen

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Hochbetrieb in den Parteien.

Stellungnahme der Fraktionen. Anbestimmte Haltung der Deutschnatioualen

wird mit jedem Tage größer. Je länger Mus­solini sich bemüht, das antiparlamentacisckte Regime aufrecht zu halten, um so stärker wird die Macht des parlamentarischen Gedankens. Der Prozeß gegen Dumini und Genossen wird schwere politische Folgen haben.

Weitere Verhaftungen und Lusommenstvße.

Rom, 21. August (Eigene Drahtmeldung.!

Die Entdeckung der Leiche M a t 1 c o 1 t i s hat der Untersuchung gegen die Mörder neue- wichtige Unterlagen verschafft. Im Justizpalajt

geht das Gerücht um, daß neue Haftbefehle gegen Personen devorstünden, deren Namen man noch nickt kenne, die aber flüchtig seien. Die Blätter schließen aus diesem Umstand, das? die Leiche nicht von den Mördern, sondern non deren Com= flizen begraben worden sei. In dem Volks­viertel von Neapel kam cS zu neuen Zn, i - k ch e n f ä l l e n, als rin Umzug vou jungen Leuten, unter Hochrufen auf Matteotti, mit roten Fahnen durch die Straßen zog. Die Polizei löste den Demonstration«^ auf. Der Wachtdienst im Hafen wurde von Karabinicri ausgenommen.

Erst Varis, dann Berlin?

Berlin. 21. August. (Eigener Jnformations- dienst.) In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß der Reichstag erst dann zur Abstimmung über die Londoner Beschlüße und die Ausfüh- nmgsgcsetze schreiten wird, wenn bereits die R «- rifizierung durch das französische Parlament erfolgt ist. Der Zweck dieser Taktik ist ohne weiteres klar. Sollte, was man allerdings nicht erwartet, die französische Stimmte die Ratifika­tion ablehnen, fo würde es kaum irgendwelche Bedeutung haben, daß der deutsche Reichstag die schweren parlamentarischen Kämpfe zum AuS- trag bringt. Es würde dann genügen, wenn die Verantwortung für das Scheidern der Londoner Abmachungen aus Frankreich fällt. Man hält cs allerdings nicht für unwahrscheinlich, daß dann der deutsche Reichstag die Ratifizierung aus- spricht. Allerdings ist man im Berliner Aus­wärtigen Amt augenblicklich fest davon über­zeugt, daß Frankreich die Ratifizierung ohne weiteres durchführen wird.

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Llnterzkichnung oder Auflösung.

Berlin, 21. August. (Privattelegramm.) Ueber die Beratung im Aeltrstenausschutz berichtet die B. Z., daß die Stellung der einzelnen Parteien zu den Londoner Beschlüssen nur flüchtig ßc- greift wurde. Der deutfchnationale Abgeordnete Bruhn nahm diese Gelegenheit wahr, um zu er­klären, seine Fraktion würde gegen die Dawes­gesetze stimmen. Sollte es tatsächlich zu einer Ablehnung der Dawesgesetzc durch die Deutsch­nationalen kommen und damit die für das Eisen­bahngesetz erforderliche Zweidrittelmehrheit nW erreicht werden, so würde die A «f l ö s u n g des Reich stafleS, die bereits von der deut­schen Delegation in London angekündigt worden ist, durchgeführt werden. Parallel damit geht die Absicht verschiedener Parteien, einen Volks­entscheid hcrbeizuführen. In der Breslauer so­zialdemokratischen Bolkswackt setzt sich der Reichstagsabgeordnete Lobe für den Volksent­scheid ein, der jedoch erst am 21. September statt- finden könne. Dies würde eine Verzögerung be­deuten, die schwere Schäden mit sich bringe, weil

Berlin, 21. August (Eigener Inform afions- dienst.) In den TSandrlgängen des Reichstages herrscht gegenwärtig ein außerordentlich lebhaf­tes Treiben. Die Fraktionen sind nahezu voll­zählig in Berlin versammelt. Die deutsche Bolkspartei, die Deutschnationalen, das Zentrum und die Demokraten wer­den ihre entscheidenden Sitzungen am Donners­tag Abend abhalten. Man diskutiert alle Mög­lichkeiten, die sich etwa aus einer Ablehnung der Busführungsgesetze durch die Deutschnationalen ergeben könnten. Bon deutschnationaler Seite wird soeben mitgeteilt, daß die Haltung der Reichstagsfraktion bis zum gegenwärtigen Augenblick noch in keiner Hinsicht festgclegt ist. Es stehe zwar unbedingt fest, daß die Fraktion die Londoner Vereinbarungen nicht gutheitze, aber es wäre unbedingt falsch, anzunchmen, daß die deutschnationale Reichstazsfraktion das Zu­standekommen einer Zweidrittel-Mehrheit von sich aus verhindern werde. Ohne irgendwie die Politk der Reichsregierung billigen zu wollen, csien sehr viele deutschtzationale Abgeordnete der Nebcrzvugung, daß es nicht gut wäre, die unbestreitbaren geringen Vorteile der Londoner Abumchungen durch Ablehnung der Aussüh- rungsgesetze preiszugeben. Aus diesem Grunde sei es nicht unwahrscheinlich, daß die Reichs­tagsfraktion den Vorschlag billigen wird, daß jedem deutschnationalen Abgeordneten die Zu­stimmung zu den Ausführungsgesetzcn, die ja auch mit den Londoner Abmachungen nicht in direktem Zusammenhang stehen freigestellt wird.

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang

3ur Seit ift wieder die Srellnugnahmr de» Par. teien Amerika- zur Prohibition Aitoholverbot, auf »er !kage«»rdn»«g. Wie die Amerikaner das Gesetz umgehen, zeigt folgende Unterredung, die Pros, «aufmann «j.Zt.Saff-I) mit einem Schotten, der längere Seit dort »eilte, hatte.

Gärung in Italien.

Faschisten-Dämmerung.

Ein alter Rechtsgrundsatz heißt:Kein Mör­der ohne Leiches So lange man die Leiche des Ermordeten nicht gesunden hat, läßt sich der strenge Nachweis des Verbrechens nicht führen. Die Mörder Matteottis haben bisher in ihrer hauptsächlich auf Schweigen, Leugnen und dunkle, aber an höchster Stelle verständliche Andeutungen ausgebauten Verteidigung von dem Umstande, daß Matteottis Leiche ver­schwunden war, sür alle Zeit verschwunden schien nützlichen Gebrauch gemacht. Ja, in der faschistischen Presse tauchten sogar von Zeit zu Zeit Gerüchte auf, Matteotti sei in Paris, Lon­don oder Moskau gesehen worden. Das gab Spielraum für alle möglichen Vermutungen, von denen die Angeschuldigten und mit ihnen der Faschismus Nutzen ziehen konnten. Aus der anderen Seite fehlte es nicht an Stimmen, die der Regierung die Schuld beimaßen, daß Matte­ottis Leiche nicht gefunden wurde. Dor, allem, sagte man, soll ein grobes Leichenbegängnis, das die Leidenschaften erregen kann, vermieden werden. Man möchte aber nicht Matteotti, son­dern lieber die ganze Angelegenheit Matteotti begraben. Wem solchen Gerede von faschisti­scher und nitÄfaschrftischer Seite ist jetzt ent Ende bereitet worden durch die Auffindung der L e i ch e und durch die auf unzweifelhafte Merk­male gestützte Erkennung. Man fand im Gebiß die Goldkronen, die nach dem Zeugn.s des Zahnarztes des Ermordeten dort vorhanden sein mußten.

Diese neue Tatsache stellt die Regierung vor neue Schwierigkeiten. Wenn nun auch einerseits das Gerede der Opposition ver­stummen muß, man halte die Leiche geflmentnch verborgen, so gibt man derselben Opposition doch auch neue Waffen. Zunächst erhob sich nutzt bloß bei den Sozialisten, sondern auch bei der katholischen Volkspariei, den Popolart, der Rus nach einer großen Bestattungsseierltch- k - i t. Wenn es Mussolini gelingen sollte, diese abzuwenden, so wird wiederum die Auftegung, welche das Verbot der Bestattung Hervorrufen muß von der Opposition wacker ausgenutzt wer­den/ Diese saugt überhaupt frische Kraft aus der neuen Wendung der Dinge, denn das erlah­mende Verfahren gegen die Mörder muß jetzt einen neuen Schwung bekommen, muß bald zur öffentlichen Verhandlung reifen. Der Faschis­mus, der anfänglich zu dieser öffentlichen Ver­handlung drängte, sieht ibr aber gegenwärtig mit Beklemmung entgegen.

Im Anfang ging eine Sehnsucht nach einer Selbstreinigung der Partei durch die Rechen der Faschisten, aber das bat längst aufgehöct. Be­geisterung ist eben keine Heri»gsware, die man lange einpökeln kann, und Begeisterung für da- Moralische erst reckt nicht. Heute ü o er wie - gen die Bedenken, was für Menjchlichke-- ten und Unmenschlichkeiten wohl in dem Pro­zesse zur Sprache kommen dürften und ob und wie sie dem Faschismus schaden werden Der Faschismus steht nicht mehr auf dem Standpunk­te: Enthüllt, was ihr wollt wenn es Faschi­sten gibt, die Verbrecher sind, so richtet sie. Der edle, reine Faschismus, diese Religion des Pa­triotismus und des Staatswohls, hat nichts von persönlichen Enthüllungen zu fürchten. Diese heldenhafte Geberde ist vorüber, der Fa­schismus ftirchlet sich vor dem Prozeß, und weil er sich fürchtet, nimmt er eine andere Geberde an: die des mißverstandenen Machiavellismus, der Politik der Gewalt, sofern sie dem Staate nützt. Farinaci. der parlamentarische Fnbrer des Faschismus hat diese Staatsmaxtme folgen­dermaßen ausgesprochen:Wenn sich herausftcllt, daß Faschisten als Privatmenscken Matte­otti umgebracht haben, dann mögen sie als V ebrech er gerichtet werden. Wenn aber erhellt, daß Matteotti aus Gründen des ös- fentlichen Wohles sterben mutzte und datz die Leitung den Befehl zu seiner Hmrtch- iunq gegeben bat, dann muß die Untersuchung an der Schwelle des Palazzo Cbigi Halt ma­chen" In dem besagten Palazzo residiert Mussolini. Faschistenbanden haben aus dreier Theorie bereits den Schluß gezogen. Sw durch- ziehen die Straßen und schreien: Es lebe Muffo- linie. es lebe Dumini! (Dumini ist der mut­maßliche Mörders

Mussolini ist bereits zu fchwach, sich gegen die­se Leute zu wehren. Schon mutz er es geschehen lassen, daß die eigenen Anhänger als eine staats- und gesellschastsrettendc Tat erklären, was rhn selbst im eriett Augenblick als grausiges, ver- derblicbes Verbrechen erschaudern ließ. Gewis­sensbisse betlen eben reche leicht. . . . Aber über die politischen SchwierlAeiten kommt Mussolini deswegen noch nickt hinweg. Die Opposition präsentiert unerbittlich ihre Rechnung und sie

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im Falle der Unterzeichnung am30. August bereits am 1. September die Räumung von Dortmund, Karlsruhe, Mannheim usw. erfolgen würde. Die entscheidende Sitzung der deMschnationalen Fraktion findet heute nachmittag statt.

Vorbereitung zur Anleihe.

Reue Verhandlungen in London.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 21. August.

Nach der erfolgien Annahme der Londoner Beschlüsse wird sich Reichsfinanzminister Dr. Luther abermals nach London begeben, nm dort die Unierschrist Deutschlands unter das Pro­tokoll der Konferenz zu setzen und die Verhand­lungen über die 800-Millionen-An- leihe aufzunehmen. Wie wir hören, rechnet bic Reichsregierung damit, daß die Anleihe Ver­handlungen nicht länger als eine Woche dauern werden. Während ursprünglich als Termin der Auflegung der Anleihe der 15. September in Aussicht genommen war, muß mott setzt damit rechnen, daß die A u s l e g u n g erst im Laufe des Monais Oktober erfolgen kann. Diese Ver­zögerung war unvermeidlich, da die Londoner Konferenz viel länger gedauert hat, als man ur­sprünglich vorausschen konnte. In den deutschen Finanzkreisen betoni man, daß über die R o t - ive.idigreit der Anleihe zwischen allen be­teiligten europäischen Regierungen volle Ueber- einstimmung bestehl. Die Entscheidung hängt also einzig und allein von den Bankiers ab. Es ist sehr wahrscheinlich, daß bei den Vereinbarnn- gen über die 800-Milliotien-«nleihe seitens der beteiligten Regierungen eine moralische Garan­tie für die Rückzahlung gegeben wird.

tim die Konferenzbeschlüffe.

Die erforderlichen Gesetzentwürfe.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 21. August.

Dem Rrichsrat ist der Entwurf eines Gesetzes über die Londoner Konferenz zugegangen, dessen Inhalt umfaßt: die Zustimmung zum Londoner Schlußprotokoll vom 16. August 1924, die Er­mächtigung des Reichsfinanzministers zur Be- fchafftm-, eines 8M-Millionen-GoldmaÄkredtts und die Ermächtigung der Reichsregierung zu Maßnahmen zwecks Uebergabe der Zertifikate betreffend 11 Milliarden Goldmark Schuldver­schreibungen der Reichsbahngesellschaft und fünf Milliarden Goldmark Schuldverschreibungen ge­mäß dem Gesetz über die Jndustriebelastung. Inzwischen ist der Regierung die Mitteilung des französischen Botschafters zugegangen, daß die Micumveriräge mit dem Ta« der endgültigen Durchführung der Dawesgesetze zur Aufhebung gelangen werden, so daß eine nochmalige kurz­fristige Erneueruna der am 31. August gvlanftn- den Verträge zwischen Mirum und Ruhrin­dustriellen notwendig geworden ist.

Scnehmigung tm bergischen Kabinett.

Brüssel, 21. August. (Eigene Drahtmelduug.) Das belgische Kabinett Hai am Mittwoch nach­mittag unter dem Vorsitz von Tbeunis verhan­delt. ' Htzmans hat einen Bericht über die Londoner Konferenz abgelegt, der vom Mini- steriat genehmigt wurde. Er teilte ferner mit, daß der belgische Botschafter am Vatikan. Baron Baenens, zurückgetreten sei. Der Mini- fterrat beschloß, zu seinem Nachfolger Desbrou- kcre zu ernennen. Dieser wird tote sein Vorgän­ger Belgien auch im Völkerbund vertreten.

Die Italiener sind zustieörn.

Rom. 21. August (Eigene Trabtmeldungh Die italienischen Delegierten auf ier Londoner Konferenz, die Minister Stefani und Venara, haben Mussolini ausführlich über die Londoner Konferenz Bericht erstattet. Der Ministerpräsi- dent gab seiner Genugtuung Ausdruck über die Arbeit der italienischen Delegatton, die auch von den Alliierten anerkannt worden fei.

Der erste und letzte Eindruck, den ich von dem Vereinigten Staaten empfing, war eine An- zahl kleinerer und größerer Schaluppen (etwa 13 bis 15 Stück), die außerhalb der Zwölf- Metlenzone lagen und den vorbeifahrenden, na­mentlich aber den ausfahrenden, Schiffen Whisky und andere alkoholische Getränke an­boten. Der Verkehr zwischen diesen Fahrzeugen und dem Lande wurde durch kleine, meist sehr flinke Motorboote vermittelt. Längs der Küste fuhren amerikanische Zerstörer hin und her und versuchten, die Vermittler zu fassen, was ihnen aber bei der enormen Länge der amerikanischem" Küste wohl selten gelang." So äußerte sich Herr A. Raven Thomson, ein Schottländer, der seit Jahren in Deutschland wohnt, und mit seiner Frau im Juni dieses Jahres Rewyork besuchte. Sie können sich gar nicht vorstellen", sagte Thomson,tote viel in Rewyork getrunken wird. Ich war kaum in meinem Hotel angelangt, als mir ein Bekannter eine Flasche Whisky auf mein Zimmer schickte. Das wäre übrigens nicht nötig gewesen, denn in dem Hotel gibt es ein Zimmer, in dem man, wie früher in den Hotelbars, alle Getränke haben kgnn.

Einige Zeit nach meiner Ankunft meldete sich be mir ein Freund und fragte mich, ob ich etwas von demtrockenen Rewyork" sehen wolle. Auf meine bejahende Antwort führte er mich zunächst in ein Lokal, das von der Straße nut durch einfache, mit Gardinen verhängte Fenster und Türen getrennt war. Hier gab es scheinbar nur Gingerale, ein namentlich im Sommer sehr be­liebtes, alkoholfreies, erfrischendes Getränk. So­bald aber mein Freund dem Wirt erklärt hatte, daß er für mich einsteh«, bot man mir an alko­holischen Getränken alles an, was es in den Vereinigten Staaten je gegetsen hat, und ich brauchte nur zu wählen. Ganz besonders fiel mir auf, daß gewisse Getränke, wie Scotch Wwifky, in derselben iSüte und annähernd zu demselben Preis zu haben waren, wie in Eng­land. Ich wurde noch durch eine ganze Anzahl anderer Lokale geführt, was mir bewies, daß die Saloons (Schankstättcn) nur scheinbar ver­schwunden waren. In den Familien, die uns einluden, fehlten die geistigen Getränke nicht. Sie setzten anscheinend einen gewissen Stolz darein, zu zeigen, was sie hatten. Während mei­nes kurzen amerikanischen. Aufenthaltes begeg­nete ich mehrfach Betrunkenen, namentlich auf der Subway (Untergrundbahn). Und das ge­schieht, obwohl hohe Strafen auf die Verstöße gesetzt sind.

Soweit mein britischer Informator. Vieles von dem, was er ansgevlaudert hat, war dem Kundigen ja schon bekannt. Erst kürzlich berich­tete Prof. Dr. Ä. Jacob in einem ArtikelAme­rikanische Eindrücke" (Hamburger Fremdenblatt Nr. 186)In diesem Lande der Prohibition giebt es nur selten ein Diner ohne Cocktails und Champagner (natürlich nur ui wohlhaben­den Kreisen) kaum eine Familie obne trüben, hausgemachten Rosinenwein, und aus der Sub­way wankt angstvoll verzerrt ein sich vorwärts tastender Mann hinaus, plötzlich erblindet durch Fusel und Methylalkohol, täglich bringen die Zeitungen im Zusammenhang damit, die entsetz­lichsten Mord- und Raubgeschichten etc." Man erkennt die Uebertreibung des Verbots als Fehler.

Fernsprecher 951 und 952. Sur unverlangt einaesanbte Beitrage kann die Re­daktion^eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Kalle übernehmen. Rück­zahlung des Bezugsgeldes oder Anfvrücke wegen etwaiger nickt ordnungsmäßiger Lieferung ist auSgescklosien. Postscheckkonto Frankfurt a. Main Nummer 6880.

Kassckr Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Die Auiweriungsfrage.

Ein wichtiger Antrag deS Zentrums.

In der Dienstag-Sitzung des Aufivertuugs- Ausschusses des Reichstages erläuterte der Zen­trumsabgeordnete Dr. Fleischer einen An­trag seiner Fraktion, der eine Abänderung der dritten Stenernotverordnung im Sinne weiter- gehende Aufwertung zum Ziele hat. Danach soll für S ch u l d f o r d e r u n g e n, die vor dem In­krafttreten dieser Verordnung begründet sind und bet denen es sich um Vermögensanlazen handelt, die durch den Währungsvirfall entwer­tet sind, der Zinsendiest in Höhe "o.i 0,5 Prozent des Goldwertes der Forderung am Tag- der Begründung des Schuldverhältniffes für das Jahr am 1. Januar 1925 mit der Maßgabe He­ssinnen, daß an diesem Tage die Zinsen ab 1. Juli 1924 gezahlt werden. Weitere rückständige Zinsen sollen als erlassen betrachtet werden. Der Zinssatz soll stch ab 1. Januar 1926 um je 0,1 Prozent sür das Jahr bis zum Höchstsatz von ein Prozent steigern. Bei mündelsich ren An­lagen steigert sich der Zinssatz um 0,1 Prozent jährlich bis zum Höchstsatz von 1,5 Prozent. Die Zahlung der so verzinsten Hauptschuld kann nicht vor dem 1. Januar 1932 verlangt werden. Der zu zahlende Betrag soll das Fünfundzwanzig- sache des Höchstzinssatzes sein. Für die vor dem