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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 191

Freitag, 15. August 1924,

Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf.

Die Londoner Verhandlungen stocken

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h die e und

Parteien nochmals zusammen, aber auch dabei konnte keine Einigung erzielt werde».

Nlarx bei Mocbonold

Rotterdam, 14. August. (Eigener Drahtbe- richt.i Wie aus London gemeldet wird, begab fick Reichskanzler Dt. Marr noch gestern abend su Macdonald. um ibn von dem Ernst der Lage in Kenntnis zu setzen und ihm mitzutei­len, vast die deutsche Delegation auf die sranzö- Nicken Borschläge nicht eingehrn könne. Nach Schluß der offiziellen Besprechungen traten die

Optimismus in London?

Man glaubt an Ausgleich der Gegensätze. lEigene Drahtmeldung.l

London, 14. August.

Der Optimismus in London ist trotz der gestrigen Vorgänge fast unverändert. Die Diffe­renzen zwischen den Deutschen und den Fran­zosen beschränken stch. nach Mitteilungen aus unterrichteten Kreisen, auf ein Abwcichen der Raumnns.Sfristen um nur drei Monate. Diese allgemeine Differenz dürste, nach allgemel- ner Versicherung, weder ein Scheitern der Kon­ferenz, noch eine Bettagnng bringen. Sie werde vnranSstchtlich bis morgen beigelegt sein. Weiter wird mitgeteilt: Die Berichte über die Schwierigkeiten in den Räummtgsverhandlun- gen haben in London keine Erregung hervor- gerufen, da man im allgemeinen auch diesen neuen Zwischenfall nur als Episode an- steht. Der Abendbericht der Rruter-Agentnr meldet, daß die Besprechungen der Franzosen mit der deutschen Delegation am heutigen D o n- nerstag fortgesetzt werden.

Englischer Dermullungsvorschiag.

Rotterdam, 14. August. (Eigener Draht- berkbt) Aus London wird gemeldet: Gestern abend acht Ahr erschienen überraschend die Vor­stände der Arbeiterpartei und der Ge­werkschaften beim Premierminister Mae- d o n a l d, um ihn zur Vermittlung in den Räu- mungsbesprechungen zwischen Deutschland und Frankreich aufzufordern. Macdonald hat Zu- stcherungen gegeben, die schon für heute, Don- nrestag, ein Eingreifen Englands in die deutsch- französischen Sonderverhandlungen erwarien lästt. Ter für heute erwartete Vermitt­ln ngsvorschkaa laufet auf Beginn der Ruhrräumung ab 1. Oktober. Bis 1. Januar nächsten Jahres ist die erste Zone, bis 1. April die zweite Zone und bis 1. Juni die dritte und letzte Zone von den Franzosen zu räumen.

Deutschen Vertreter, auch i Erfahr^ ÄSt 3 btTttTCT^ n .

Bedeutung ihrer ^AU'gabc! > chen Gründe, die i.ir eine bShers Auswertung bewußt. ^und für eine Aenderura der Dritten Steuetno®

Streit um die Näumungssristen

Frankreichs unmäßige Forderungen. Hoffnung auf ein Kompromiß.

Dolf daran denken »ann, gleichberechtigt mit Frankreich und den anderen Völkern zu sein Die Wildertet stellung der Gleichberechti­gung ist umso notwendiger, als Frank­reich bcmicht ist, einen Handelsvertrag mit Deutschland abzuschließen und sich dabei abermals Sondervorteile zu verschärfen. Es geht nichc an, daß wir, als Ausgleich für die Zurückziehung der Besatzung aus dem Ruhrgc- biet andere Nachteile tragen sollen. Wie verlau-

Um die Aufwertung.

Erwägung der Möglichkeiten.

Da« Problem der «uswertnag Wird von All«» brachtet, die durch b,e Geldentwertung in der Nachkriegszeit Geld verloren haben. DerWunsch nach Aufwertung ist berechtigt, aber di- Durch- fiihruug ft»8< auf «tofit S> ndernifie, wie an« der nachstehenden Inschri ; hervorgcl t.

Es gibt Wenige Fragen, bei denen sich die Argumente für und wider so schroff gegenüber­stehen wie in der Aufwertungsfrage. Die Aufwertungssreunde, die neuerdings einen heftigen Feldzug für die Aushebung der Dritten Steuernotverordnung ein­geleitet haben, weisen ganz mit Recht darauf hin, daß die Beseitigung der Kreditnot zunächst die Wiederbelebung der Spar- i ä t i g t e 11 erforb ere, und daß niemand feine Spargelder bei den Sparkassen oder in Staats­und Kommunalanleihen anzulegen geneigt fein werde, solange nicht der frühere an diesen Spar­geldern geübte Ra u b einigermaßen wieder gut- gemacht ist. Die Behauptung ist durchaus rich­tig und unwiderlegbar. Auf der anderen Seite aber muß gesagt werden, daß eine Auswertung in Höhe von mindestens 50 Prozent, wie sie jetzt verlangt wird, volkswirtschaftlich unmöglich ist. Gewiß ist es richtig, daß durch eine solche Aufwertung der deutschen Verarmung mit einem Schlage ein Ende gemacht werden könnte. Aber unlößbar ist das Problem der Aufbring­ung der für eine solche Aufwertung notwendi­gen Gelder seitens der Schuldner. Schon die Möglichkeit, daß die Dritte Steuernotverord-

Einzelnnmmer 10 Pf . Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang

London, 14. August. (Eigener Drahtbericht.) AuS Kreisen der deutschen Delegation wurde über die gegenwärtige Lage in London folgen­der Bericht auSßegebet«: Es ist trotz größter Be mühungen bei den Verhandlungen am gestrigen Bor- und Nachmittag, keine Berständi- aung zu erzielen gewesen. Es standen zur Diskussion: die R uh rränmun g, die Eife n- öahnfrage, die Zurückführung der Ausge- w i e f e n en und die Ueberweisung der Repa rationen. Den Kernpunkt bildete die Räu- itungSfragc. Während sich bei gutem Willen Kompromisse finden lasten würden, sind oie Franzosen in keinem Falle von ihren Maximal foVbentngcn abgewichen, da sie auf dem Stand- -untte stehen, daß diese Frage nicht zum Ber- hanblungSgegenftanb gemacht werden dürfe und Sa die Deutschen für die Räumung nichts Gleich­wertiges angeben könnten. Es ist wieder einmal ein vollständig toter Punkt erreicht. Man sieht innerhalb der Delegation die Lage als äußerst ernst und kritisch an. An eine Beendi­gung der Konferenz unter diesen erschwerenden Bedingungen ist in dieser Woche nicht zu denken.

Kein Scheitern der Verhandlungen.

London. 14. August. (Eigene Drahtmeldung.) Der ergebnislose Verlauf der gestrigen deutsch- französischen Besprechungen über die Räumungs­fristen bedeutet, wie sowohl von der deutschen als auch von der französischen Delegation ver­sichert wird, kein Scheitern der Verhand­lungen. Es ist gelungen, über die Formalitäten der Ruhrräumung eine einigende Formel zu finden, der auch die Belgier zustimmten. Erst als der Schlußtermin der Räumung von ven Franzosen auf den 1. Juli 1925 »orgeschla- gen wurde, traten die Deutschen in Opposition. Sie verlangten, daß die Ruhräumung bis 31 März beendet sein müsse und ibiefen dabei auf in­nerpolitische Bindung hin. Da die Franzosen von ihrem Vorschlag nicht abgingen, wurden die weiteren Besprechungen auf den heutigen Don­nerstag vertagt.

Frankreich dlelvt hartnäckig.

London, 14. August. (Eigene Drahtmel­dung) Meuter hört, daß die franzüfische Delegation daraus besteht, daß die Räu­mung des Ruhrgebiets nicht vor Jahres- frist Platz greifen kann, von einem Termin an gerechnet, der noch feftgelegt werden mutz. Wie verlautet, wird Herriot heute die Deutschen über den genauen Ter-nn unterrichten, non dem ab die französische Regierung die Jahresfrist als laufend betrachten will.

änietgenoretfe; Geschäfts-Anzeigen Seile 15 Pfennt», Familten-An,eigen Seile 15 Pfennig, Kleine Anzeigen das Wort 2'1, Pfennig. Reklamen die Zeile 60 Pfennig. Ossettgebühr 10 Pfennig (bei Zusendung der Offerten .20 Pfennig! Rechnungs- betrage sind innerhalb 5 Tagen zu bezahlen. Maßgebend ist der Kurs des Zahlungs- iageS. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz 100 Prozent Ausschlag. Druckerei: Schlachthofstr. 28/30 Geschäftsstelle: Köln. Straße 5. gegenüber der Svodrstraße. Sernfprecber 951 u. 952.

Beratung von Nebenfragen.

Furcht vor der drutschen Konkurrenz.

(Eigene Drahir-chw-ng.1

London, 14. August.

Bei den wirtschaftlichen Beratungen ist über die Lieferung von Farbstoffen bis jetzt noch keine Einigung erzielt worden. Die Al­liierten möchten, daß Deutschland mir Farbstoffe liefert, für die es ein Monopol besitzt, während Deutschland auch die übrigen Farbstoffe liefern möchte Die Alliierten befürchten aber, daß, wenn die deutschen Farbstoffe wieder unn.e- hindert in Frankreich oder England eingeführt werden können, die seit dem Kriege in vielen Städten dieser Länder entstandenen Färb» ftosswerke ausgeschaltet werden würden (h Bus der Furcht vor der deutschen Konkurrenz erklärt sich die Hartnäckigkeit, mit der besonders die französischen Delegierten diese Frage behan­deln. In der Frage der Handelsverträ­ge fordert Deutsckstand daS Recht der Meistbe- günstigimgsklausel. Wie verlairtet, war die deut­sche Delegation bereit, die elsaß-lothringischen Waren während eines weiteren JahreS noch zollfrei in Deutschland einzulasten

Anleihen von der Aufwertung der Bor- kriegsanleihen abhängig gemacht werden würde, bat der Vertreter des Zentralverbandes deS Deutschen Großhandels, Geheimrat Ravens, tm Aufwertungsausschuß des Reichstages erklän, die Kreditgeber tm Auslande gingen überhaupt nicht von der moralischen Erwägung aus, ob die alten Staubiger nach Treu und Glauben befrie­digt worden seien, sondern sie fragten nur, w i e gegenwärtig die Lage der Unternehmun­gen fei, und ob Sicherheit dafür bestehe, daß keine neuen Erschütterungen eintre. ten. Gerade eine Gefährdung der Dritten Steu­ernotverordnung und ihrer Bestimmungen würde aber zweifellos erhebliche wirtschaftliche Erschütterungen Hervorrufen und eine Unsicher­heit verursachen, durch die die Aussichten aus­wärtiger Kredite außerordentlich verschlechtert werden müßten. In ähnlicher Weise wie der Großhandel wandten sich auch die Ban­ken, die gleichzeitig Gläubiger und Schuldner sind, und darum weder als einbettige Interes­senten einer Aufwertung noch einer Nichtauf- werden können, gegen eine

Wertung angesehen wer Aufhebung der Dritten Sieuernotverördnung. Sie stellten sich auf den Standpunkt, daß die Dritte Steuernotverordnung gewiß keine ideale Lösung des Aufwertungsproblems darstelle, aber man dürfe keinesfalls durch eine neue Aen- berung Beunruhigung erzeugen, nachdem die Wirtschaft mit dem letzt geschaffenen Zustande sich abgefunden habe. Tie Hypotheken, banken erklärten es ebenfalls für notwendig, keine Veränderungen des geenwärtigen Zusta.r- des eintreten zu lassen, damit die begonnene Konsolidierung der Wir-schuft nicht wieder ge­fiert werde. Die Erlangung von Realkrediten aus dem Auslande sei zum großen Teil davon abhängig, daß eine gewiffe Stabilisierung der deutschen Gesetzgebung Eintritt.

Das Ergebnis der Aufwertungsdebatte war, daß zwar eine wesentlich höhere Aufwertung durchaus zu wünschen sei, daß diese aber doch vem Papier stehen bleiben würde, weil die Wirtschaft nicht die Mittel habe, über bt? 15 Prozent, die jetzt gewährt werden, we- sentlich hinauszugehen. Jede Aufwertung, fo äußerte sich der Vertreter des Bundes deutscher Mtetervereine, b-dmir für die Wirtschaft eine neue Zinsenlast, d e schließlich eine neue Inflation Hervorrufen itrtb die Kaufkraft der Mark berabsetzen müsse. Auch der Vertreter der Gewerkschaften gelangte aus praktischen Gründen zu einer Abl'hnung einer höheren Aufwertung, und protestierte vor allen Dingen dagegen, daß von einer kommenden Aufwertung diejenigen profitieren fenrtet, die in spekulati­ver Absicht, Kriegsanleihen und andere Schuld­forderungen erworben haben.

So Hai man auch im Reichstagsausschutz die

tet, ist in der Besprechung zwischen Stresemann und dem französischen Finanaminister Tlementrl vereinbart worden, daß die Verhandlungen über den Abschluß eines .Handelsvertrages zwischen Deutschland und Frankreich am 1. Oktober in Paris beginnen sollen. Die Grundzüge des Vertrages weiden noch in London vereinbart.

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nung wieder umgestoßen und eine höhere Auf- Wertung als sie dieses Gesetz verwirklicht, be» schlossen werden könnte, hat eine erhebliche wirtschaftliche Unsicherheit erzeugt..'« Pon feiten des deutschen Großhandels ist ausdrücklich ine Erklärung abgegeben worden, daß er es für außerordentlich bedenklich halten würde, wenn in der Aufwertung über die bisherigen Bestim­mungen hinausgeangen würde.

Gegenüber der Beha- Gewährung ausländ

Derständigungösrage.

Darf man hoffe«?

Der bis Dienstag befriedigende Verlauf der Ver­handlungen wegen der militärischen Räumung der Ruhr gab zahlreichen deutschen Pre^eoraa- uen Veranlassung, von einer Verständigung mit Frankreich zu sprechen, die als Folge der ver­nünftigen Haltung des französischen Mtmster- präsidrnten Herriot trotz allem tm Bereich der Möglichkeit liegen soll. Auch die amtlichen Rr- gierungsstkllen tu Berlin unterstützen diese Art von Perständigungspropaganda, in­dem sie hervorheben, daß die militärische Räu­mung der Ruhr den Grundstein zu eine: politi­schen Entspannung zwischen Frankreich uvd Deutschland legen würde Man steht also hier vor einem polnischen Zukunftsproblem, das man deutscherseits wunderbarerweise in einem Ernst behandelt, der umso beachtenswerter ist, als seit zehn Jahren Deutschland und Frankreich in einem schweren Konflikt liegen, der große Ge­fahren für den Frieden und die Wohlfahrt der beiden Völker aufwirft.

Es ist nicht die Schuld Deutschlands gewesen, daß sich die bestehenden Gegensätze bis zur erbit­terten Feindschaft vertieft hatten. Uebermütipe französische Regietungsmänner haben nach Be­endigung des Krieges geglaubt, mit Willkür Deutschland olle nur erdenklichen Demüti­gungen aufznerlegen und seine Existenz zu untergraben. Einer Politik, wie sie Poincacs jahrelang Deutschland gegenüber fühtte, lag ein durch keinerlei moralische oder reclitliche Grund- sätze gehemmter Vernichtungswille zugrunde, ein Wille, der nur das Ziel kannte, eine Wieber- gesnndung Deutschlands mit allen Mitteln zu verhindern und auf Grund des Versailler Frie­densvertrages der deutschen Wirtschaft ihre Kräfte zu berauben, derer sie bedarf, um dem deutschen Volke Existenz und Wohlstand zu bie­ten. Die Politik Poincares, die zur militäri­schen Besetung der Ruhr führte, und unabfeh- bares Unglück über die Bevölkerung der be- setzten Gebiete brachte, ist tatsächlich gescheitert tntib durch die letzten französischen Wahlen von einer Mehrheit des französischen Volkes verur­teilt worden. Dieses Fiasko hindert aber den nationalen Block in Frankreich keines­wegs, seine Bernichtungspläne gegen­über Deutschland aufzugeben und nunmehr in den Hintergrund zu treten. Im Gegenteil, vom ersten Tage seiner Regierungstätigkeit an war der neue französische Ministerpräsident Herriot der Gegenstand gehässiger Angriffe der Anbän- gerschnft Pr-incarös, die in diesem Manne einen elenden Phantasten sieht, der in dem Wunfche, eine Politik der Verständigung zu trüben, die französchche Machtpolitik in Europa preisgebe.

Herriot sucht sich gegen die Vorwürfe des nationalen Blockes zu wehten, tnbem er grund­sätzlich darauf besteht, daß die Sicherheit Frank­reichs geschützt wirb und daß Deutschland den Versailler Vertrag inuehalien müsse. Dieser Standpuntt Herriots verhindert die be­sten Kräfte des deutschen Volkes, mit aufrichti­gem Willen und freiwilliger Bereitschaft an dem Ziel einer Verständigung zwischen beiden Lan­dern zu arbeiten Herriot gibt sich einer Täu­schung hin, wenn er glaubt, daß es möglich sein würbe, auf der Basis des Versailler Vertrages den Frieden zwischen den beiden Völkern ver­bürgen zu können. Zu schwer ist das Unrecht, daS der Versailler Vertrag Deutschland gegen» über in sich trägt. Aber dieser Umstand schließt nicht mis. daß das ehrliche Bestreben Herriots, das im Ruhrgebiet begangene schwere Unrecht wieder guUumarfen, auf deutscher Seite Emp­findungen anslösen muß, die den Schmerz und die Troucr lindern, die dos deutsche Volk in all den Iahten der fchmaaiwürdigen Beband» lung erdulden mußte. Es ist ein gewisser Trost, zu wissen, daß die Willkürberrschast der bruta­len Gewalt sich nicht durchsetzen konnte, nnd daß der Gegner zu der Einsicht gelangen mußte, we­nigstens das allerschlinimste Unrecht, das Deiktschland gegenüber begangen wurde, zu be­seitigen

Denn die Verhandlungen in London zu einem befriedigenden Ergebnis gelangen, dann wird es jedenfalls möglich sein, daß sich die Feindschaft zwischen Deutschland und Frork- reich aarn erheblich mildern läßt. Es wird vielleicht auch möglich fein, daß man sich auf dem Dege loyaler Auseinandersetzungen über wich­tige volit sche Fragen verständigt. Dies ist aber alles! Von einer Versöhnung sind die bei­den Völker, wie es scheint, noch weit ent­fernt. Ter Versailler Vertrig bildet das Hindernis zu einer wirklich ernsthaften und daueibasten Verständigung, der Versailler Vertrag bittet das Unbeil, das beu Frieden Europas bedroht. Frankreich muß zu diesem Bewußtsein kommen und sein neuer Mmistcr- präsibent Herriot muß erst den Mir« haben, diese Wahlheil offen auszusprechen, ehe das deutsche

Der deutfkv-fraozSflfche Segenfctz.

London, 14. August. (Eigene Drahtmeldung.) In der zweiten Versammlung übet die militä­rische Räumung der Ruhr am gestrigen Nachmit­tag hielt Herriot zunächst eine Rede, worin et »oit der Notwendigkeit sprach, gute Bezirhrmsic». zwischen Frankreich und Deutschland im Inter esse beider Länder zu schaffen. Die französische Regierung wünsche den Frieden und die Bet- itänbiguitg mit Deutschland. Herriot ertlä>rte aber, dass Frankreich die Ruhr

nicht vor einem Jahre räumen

wolle, da ein Jahr die Kontrollfrist sei, um sich davon zu überzeugen, ob Deutschland den Da- wesplan durchführe oder nicht. Die französtsckfc Delegation werde das endgültige Protokoll der Londoner Konferenz nicht unterzeichnen, wenn Deutschland die französischen Forderungen in der Frage der militärischen Ruhrrämnung nicht an- nehme. Reichskanzler Matx hielt darauf eben­falls eine Anfprache, in her er die deutschen Ar­gumente auseinanderfetzte, wonach die Ruhr

schon Ende dieses Jahres geräumt sein sollte. Nachdem die deutsche Delegation in ihr Hotel zurückgekehrt wat, wurden alle deut­schen Delegierten zusammengetusen und es fand eine Beratung statt, in der beschlossen wurde, -in Telegram an den Reichspräsidenten Ebeti zu fenben und ihn um seine Ansicht zu ersuchen. Die Delegation will heute vormittag y/2 Uhr Her- riot antworten.