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Kasseler Abendzeitung

Freitag, 25. Z«li 1924.

SchiWsstagen für Regierung und Reichstag

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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

li'3. Einzelnummer 10 Pf» Sonntags 15 Pf.

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Einzelnummer 10 Bf . Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang

Das goldene Kalb.

3« London entscheiden die Bankiers.

Vor zwei Tagen faßte ein Engländer seinen Eindruck in die Worte zusammen: »Die Kon­ferenz ist nicht üb« den Berg, aber sie ist auf dem» Berg/ Heute darf man Wohl ruhig sagen: »Sie ist über den Berg/ Die Einladung an Deutschland scheint jetzt beschlossen« Dache zu sein Auf ein bloße- Hören und Unter- schreiben eines Diktats ist es dabei nicht alige- sehen, wenn natürlich auch die bedingungslose Annahme des Sachverstandigen-Gutachtens sei­tens Deutschlands als stillschweigende Voraus­setzung für sie Einladung gelten raufe. Das schließt nicht aus, daß Deutschlands Vertreter noch in vielen Punkten sehr wirkungsvolle Be­merkungen zur Ausführung des Gutachtens ma­chen können. Da wird alles von den Per­sönlichkeiten abhängm, die Deutschland an den Konferenztisch schicken wird. Auf dieser Konferenz sühir« ja nicht die Diplomaten oas große Wort, sondern die Bankiers. Deutsch- land soll feine Unterschrift unter einem Wechsel geben Die Bankiers von London wissen bester «As die Diplomaten von Versailles, daß die schönste Unterschrift nichts wert ist, wenn sie von einem Schrrldner kommt, den nicht sein eigenes Jniereise dazu antretbt, sich von seiner Schuld durch Leistungen zu befreien. Diese Ban­kiers wissen auch, daß Gerichte und Gerichts­vollzieher sehr schleckte Schilfen in Geschäfts­sachen und nach Möglichkeit zu vermeiden sind. Wenn Deutschland den Mund austut, um die Wege zu zeigen, wie es am besten und laschesten leisten kann, so wird man es gerne anhvren. Hat jemand erst einmal den Rus eines »böswil­ligen Schuldners-, so wird man ihm selbstver- stündlich alles schwerer machen.

ES sitzen Bankiers in dieser Konferenz mit: teils unsichtbar, teils sichtbar. Bon den sicht­baren raufe man als den klügsten und einflufe- reichsten ben Belgier Theunis bezeichnen, der zwc.. jetzt kein Bankhaus aktiv leitet, der aber aus dem Bankrerstand hervorge­gangen ist. Man nennt ihn in Belgien »Oberst Theunis". aber er ist ebenso Oberst rate der Amerikaner Dawes General ist. Tas find Krirastitel. die der Bankiervernunst der beiden Männer keinen Schaden zugefügt hoben. Tbcu- nis war vor dreißig Jahren Unterleutnant m der belgischen Armee. Da lernte ihn der große Brüsseler Bankier Ernvarn kennen, nabm ihn ins Geschäft und ließ ihn von Stufe zu Stufe bis zmn Disponenten und Teilhaber steigen. Er hat durck langen Aufenthalt in London die dor­tigen Finanzkreise genau kennen gelernt und teilt vielfach ihre Auffassung, daß die Revara- tionsfraae mehr eine wirtschaftliche und finan­zielle als eine politische Frage ist. Die Ruhr­besetzung hat er nicht gerade mit freudigem Herzen mitgemacht, aber zuletzt blieb ihm nichts übrig als den Franzosen zu folgen. Theunis der Bankier bat auch setzt auf manche französi­sche Entschließung mäßigend eingewirkt. Er ist der Mann der praktischen Resultate, nicht des Prestige Aber Krade weil er nicht nach Prestige hascht, hat er es. Er bildet das Bindealied zwischen den Franzosen auf der einen.' den Engländern und Amerikanern aus der anderen Seite. Er könnte auch ein wichti­ger Vermittler für Deutschland werden.

Der Einspruch der anglo-amerikanischen Dank- Welt, die sich zur Ausbringung der im Sach- verständig-n-Gittackten vorgesehenen Anleihe in Höhe von achthundert Millionen Goldmark für Deutschland verpflichtet haften, kommt 31t aen Berliner politischen Kreisen absolut nicht über­raschend. Man mar erstaunt, daß der erste Aus­schuß der Londoner Konferenz es fertig brachte, die Möglichkeit gesonderte Srnftisnsmaßnab- men gegenüber Deutschland zu beschießen, nach­dem ausdrücklich die Beteiligung eines amerika­nischen Mitgliedes <m den Beschlüssen der Re- parations-Konmiisfion vorgesehen worden war. Die Folge davon ist. daß die Bankiers nunraebr mit größtem Nachdruck betonen daß beide Be­schlüsse geeignet seien, das Zustandekommen der Anleibe für Deutschland ernsthaft zu gefäbr- den. In London ist nunmehr eine sehr schwie­rige Lage eingetreten. In den französüchen Konferenzkreisen wird erklärt daß die Loge äußerst ernst sei. Wenn H e r r i 01 wirklich bereit wäre, von den sranzöststben Forderungen abzugehen, so würde er sich auf eine ganz ent­schlossene Opposition gefaßt Mickten müssen, da die französische Kammer einer Revision des Ver­sailler Vertrage? niemals ihre Zustimmung ge­ben würde Die französischen Söttet kündigen an. daß Herriot gewillt sei, auf einige Tage nach Paris zurstckzukehren, um sich evtl, die Vollmachten für ein Kompromiß ertei­lst zu lassen. Der WidetHwuch der Bankiers

scheint ganz spontan zu sein und der Sorge zu entspringen, daß ein neuer schwerwiegender Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich, wie er bei der Ru'./raftton entstanden war, eine schwere Gefährdung für die Anleihezeichner be­deuten würde, die befürchten, daß das Deutsch­land zu leihende Kapital durch poetische Er­schütterungen verloren gchen könnte.

An der Schicksalswende.

Deutschland in eigener Sache.

(Eigener Drahtberichr.) ' Berlin, 24. Juli.

In den Berliner politischen Kreisen mißt man der Intervention der englischen und amerikanischen Bankiers auf der Londoner Konferenz in der Frage der Sanktionen autzer- orvenllich große Bedeutung bei. Man glaubt, daß diese sehr schwierige Frage infolge des Ein­spruches der Finanzwelt nunmehr auf einem an­deren. auch für Deutschland gangbaren Wege geregelt werden könnte. In den maß­gebenden diplomatischen Kreisen glaubt man an eine ernsthafte Gefährdung der Londoner Konferenz durch die gegenwärtigen Aleinungs- verschiedenheiten unter keinen Umstän­den, obgleich die neuesten Londoner Meldun­gen dahin lauten, daß die

Verhandlungen der Konferenz aus dem t 0 t e n P u n k t angekommen zu fein scheinen. Da die A n l e i h e s r a g e auf der Konferenz eine ausschlaggebende Rolle spielt, gewinnt man immer mehr den Eindruck, daß alle politischen Prestigerücksichten in den Hinter- gnmd treten müssen. Auch weif: man darauf hin, daß man deutscherseits die neuerliche An­regung zu einem auf Gegenseitigkeit beruhenden deutsch-französischen Sicherheits­pakt geben könnte, um dxr ftanzöstschen Re­gierung die Möglichkeit zu einer ausgleichenden Lösung dieser strittigen Probleme zu bieten. Nickst ausgeschlossen erscheint es, daß das unge­löste Problem der Garantien bis nach der Heranziehung Deutschlands zur Konferenz zurückgestellt wird. Auf diese Weise würde jeden­falls dir bevorstehende

Hinzuziehung Deutschlands für das End- padium der Londoner Konferenz von ausschlaggebender Bedeutung sein.

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2hif gespanntem Fuß.

Berlin. 24 Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Der Reichstag will bereits am Freitag an­läßlich der Aussprache über den Rotetal soweit als irgend möglich in eine Erörterung der außenpolitischen Lage eintreten. Wie wir hören, hat die Reichsregierung die parla­mentarischen Führer dringend davor gewarnt, im gegenwärtigen Stadium der noch völlig ,un­geklärten außenpolitischen Lage sich auf außen­politische Debatten einzulassen. Mimster Dr. Streiemann weigert sich entschieden, vor dem Abschluß der Londoner Konferenz vor der DoÄversammlung des Reichstages zu sprechen. .Zwischen Regierung und Parlament ist demzu­folge eine gewisse Spannung eingetreten, und der Reichstag wird letzten Endes die Absicht aufgeben «küssen, schon jetzt mit der öffent­lichen Erörterung der Außenpoli­tik zu beginnen. Die Abfickt einer sosortizrn

Erörterung der Außenpolitik wird auf ein Komvromiß zwischen den Regie­rungsparteien und den Deutschnatio­nalen zurückgeführt.

die Reichsregierung noch vor der Londoner Konferenz auf bestimmte Bindungen festzulegcn, wie dies in einem Fraktions-Beschluß zum AstD- brutf kommt, der sieben Mindestforde­rungen für die Londoner Konferenz enthält. Die Reichsregierung betont jedoch, daß die deutsche Delegation über voll' Handlungs­freiheit verfügen müsse. Im übrigen unter­scheide sich daS deutschnationale Programm, wie Tr. Strefemann im Auswärtigen Ausschuß mft- teittc, keineswegs von dem fachlichen In­halt derjenigen Richtlinien, die die Regie­rung selbst für die Londoner Konferenz- Verhandlungen ausgearbettet habe.

Das große Volkerrmgen.

Magere Ergebnisse der gestrigen Vollkonferenz.

(Eigener Drahtberichui

London. 24. Juli.

Die gestrige Vollsitzung der Londoner Konfe­renz wurde von Macdonald m'ü einer Erklärung über die Vertretung der Dominions und In­diens eröffnet. Die Konferenz nahm zunächst einen Antrag Herriots zur Bildung eines Jnriftenausfchuffes an, der folgende Fragen zu beantworten hat: 1. Welche Fragen des Dawes- Gutachtens müssen durch eine besondere Berein- barung mit Deutschland geregelt werden? 2. Welches Verfahren soll afigenommen werden, um eine derartige Vereinbarung zustande zu brin­gen, oh«« in irgend einer Weise dem Versailler

Vertrag zuwider zu handeln. Die Arbeit des Ausschusses wird »lS

erster Schritt zur Hinzuziehrmg deutscher Vertreter zur Konferenz

angesehen. Im Sinne des ersten Komitees prnch hierauf Snowden. Er gab eine Ueber- icht über die Arbeiten detz Komitees und er- lärte, verschiedene Mitglieder wollten über die Grenze des ihnen zugewiesenen Berhandlungs- ftoffes gehen. Er habe sich dagegen ausgesprochen. Thomas erklärte hierauf, der zweite Ausschuß fei noch mcht bereit, V-richt zu erstatten. Endlich las Kindersley den Bericht des dritten Ko­mitees vor. Es folgte eine längere Erörternng über die Ausdehnung des den verschiedenen Komitees zugewiesenen Berhandlungsstoffes. Heute findet wahrscheinlich eine weitere nicht formelle Zusammenkunft der Bankier- Vertreter statt. Macdonaiv hat erklärt, daß die Konferenz noch mehrere Tage dauern könne, weil man zu einer tatsächlichen und nickst z» einer oberflächlichen Einigung gelangen wolle.

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Bankiers und Franzosen Im starten Kampf.

Zürich. 24. Juli. (Eigene Drahtmeldung) Die Neue Züricher Zeitung meldet aus London: Gestern fanden wettere Konferenzen zwischen Macdonaiv, den Finanzminifiern und den Ban­kiers statt, ohne daß es zn einem Be­schlüsse gekommen ist. Die Franzosen erklär­ten, daß sie bereit wären, die Anleihe zu garan­tieren, für den Fall, daß ihr«« Sanktionen er­laubt wären. Bon den B a n:' e r 8 wurde diese Forderung glatt zurückgewi-k en. Die c.nltung der Bankiers ist folgende: Ehe die in­ternationale Ceffentlidffeit Gelder hergibt, muß sie überzeugt sein, daß die Anleihe den F r i e d e n s i ch e r t und daß keine leichtsinnigen politischen Maßnahmen die Sicherheit der Anleihe gefährden können.

yerrlots gestandene Marschroute.

Rotterdam, 24. Juli. (Privattelegramm.) Die Morningpost meldet: Der zweistündigen Bollkonferenz am Mittwoch hat sich nachmittags eine erneute Sitzung der Premiemini- st c r angeschlossen, die insofern negativen Erfolg gehabt hat, als Herriot erklärte, über die sei ner Delegation durch Beschluß des Ministerrates gegebenen Richtlinien nicht hin ans - gehen zn können. Dem Rechtsgutachten über Deutschlands Einladung zur Konferenz werde man keinen Widerstand entgegensetzen.

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Die Londoner Beschlüsse sind unantastbar.

London, 24. Juli. (Eigener Drahtbericht) Die Reiter-Agentur meldet: Die alliierten Premier­minister haben in ihrer gestrigen Nachmittags- unterrebung festgestellt, daß parlamen ta- rische Genehmigungen der Londoner Ab­machungen nicht ersorderlich sind. Die Dawes- gesetze bedürsen keiner parlamentarischen Sank­tion in den alliierten Landern. Nur die An­erkennung für die deutsche Regierung und die deutsche Volksvertretung ist he'beizusühren.

Kein Scheitern derKonfernz.

Deutschlands Einladung verzögert sich. (Eigener Drahtberichl.)

Berlin, 24. Juli.

Nach den aus Paris vorliegenden Meldun­gen wird der französische Minifierprösident Her­riot aller Voraussicht nach (von anderer Seite wird der Pariser Reiseplan Herriots bestritten) nach Paris reisen, um mit dem Parla­ment in Fühlung zu treten. Gleichzeitig wird die Londoner Konferenz eine Unterbrechung bis Anfang nächster Woche erfahren. In unterrich­teten Kreisen nimmt man infolgedessen an, aast die Einladung an die Reichsregicrung. nach Sage der Dinge, nicht vor Anfang nädjfter Wo­che erfolge. Die Einladung wird vermutlich Donnerstag nächster Woche in Berlin eingehen. Das von Herriot beantragte Gutachten der bei­den Rechtssachverständigen soll der Vollkonferenz am Freitag vorgelegt werden. Lautet eS für die Einladung an Deutschland, so wird *»ie Konferenz noch die nächste Woche andauern, während im anderen Falle mit einem schnel­len Abschluß zu rechnen »ft.

Wer fährt nach London?

Berlin, 24. Juli. (Privattelegramm.) Die Einmütigkeit deS Parlaments rairo vor­aussichtlich bei der Debatte zum Ausdruck kom­men die am Freitag zum Rot-Etat eingeleitet wird. Da noch keine Einladung nach London vorliegt, ftnb auch noch keine Beschlüsse des Kabi­netts gcfaßi worden An der deutschen Dele­gation werden außer einigen maßgebenden Mit­gliedern des Kabinetts voraussichtlich der Kanzler und der Außenminister teilneh- men. Beide würden sich mit einer möglichst knapp bemessenen Begleitung nach London begeben.

Sn Ssar-Athen.

Künstler und Bürger im Bayernland.

Die Kunst al« ÄschenbrSdel - Brief, markenkuriosa Theater und Oper ver­dorren Eine spaßige Aundrgcsctzitdtr.

In früheren Jahren pflegte der Münche­ner A n s st e l l u n g s p a r k im Flagaenschmnck zu prunken, zum Zeichen, daß die weiten Hal- len voll von schönen und nützlichen Dingen seien die der Besichtigung harrten. Heuer ha­ben wir nur ein paar »kleine Ausstellungen" und der schattige Platz an der Theresienrviese dient keinem anderen Zweck als dem der Er­holung und des Vergnügens. Im gesckmack- voll angelegten .,Luna-Pärkchen" wird geschos­sen, getanzt, geritten und dem Kasperle zuge- scharft. Ausstellungen kleinen und kleinsten For­mats sind in der Stadt untergebracht. So im N.ftional-Muscnra" eine Ausstellung von Ab­bildungen der Brnrlbecker Ausgrabungen. Im Anschlüsse an die Tagung der Philatelisten fand in dem Gebäude des altenDeutschen Muse- ums" eine Briefmarken-Ausstellung statt, vornehmlich bayrischer und deutscher Post­wertzeichen, die auch Laien und Nicki-Sammler interessierte. Ein Unikum derBesonderheiten" dieser Ausstellung ist der sogenannteCho­lera-Brief", der am 23. September 1831' von Trient nach Regensburg gesandt, an der kgl bayerischen Grenze ausgeschweselt und dann mit dem Sanitätsfiegel versehen, seinem Empfänger zugeleitet wurde.

Die an Ausdehnung bedeutsamstem Ausstel­lungen dieser Jahre sind die im Glaspalast dargebotenenK u n st - A u s st e l l u n g e n". Die Ausstellung entbehrt jeder Physiognomie »Md ist mehr eine Art Kunst-Messe. Ihre MtureKe Bedeutung ist gering. Münchens Prätesstion, eineKunststadt" zu sein, verliert immer mehr an Berechtigung. Nicht nur auf dem Gebiete der bildenden Kunst. Auch das Theater verliert immer mehr an Bedeutung. Wahrhafte Persönlichkeiten fehlen, die Kunst geht nach Brot, und schließlich zielt sie immer weniger ans Entwickluna und das Hobe Ziel, geistiger und sittlicher Zeit-Ansdruck zu sein als vielmehr auf Wirkung und Massen-Ersolg. Das Theaterleben stagniert. Auch für die Oper sind die Tage des Glanzes vorüber seit Bruno Walters Fortgang. DieFestspiele" sieben vor der Tür. Zukünftiges trägt alle Möglichkeit in 'sich. Wer sich aber mancher Abende der Richard- Strauß-Woche erinnert, steht audy den Wagner- Festspielen" mit Skepsis entgegen. Im Schau­spiel ist's nicht viel anders. Fluchtartig ver­lassen die stärksten künstlerischen Kräfte die Staatstheater. Trübe Aussichten! Mit um so größerem Danke werden daher Gastspiele großer Schauspieler von auswärts Quittiert. Provinz! Provinz!

Jawohl: Provinz Manchmal aber begeben sich Dinge, die den Verbackt nahelegen, daß biefe Vrovinz-Hauvtstadt den NamenSckulda" ftägt. Ein Schildbürgerstreich besonberer Art leistete sich die Münchener H u n d e p 0 l i z e i. Wer weiß, wie innig der Münchener sich seinem vierdeiiligen Freunde verbrachen fühlt und wie schwer er die Kerkerhaft und nicht zuletzt den Maulkorb und die Leine mttempsindet, bie ihnen anferleat sind, der wird ermessen, mit welchen Gefiiblen ihn dieHmnbekverre in Per­manenz" erfüllt. Wer. er duldet sie. benn bas WortSeuche" bat einen Höschen Klang. Die lieben Lords und Rußls und Rosts lind Wal- bis. der Gesellschaft der Borer. Dackeln, Wind­hunde und Schnauaerln. find nun freilich in ar­ger Bedrängnis. Es ist schließlich auf die Dauer unerträglich, bei Ausübung der heiligsten Sun- dercchte an Baumstämmen und Laternenpfählen von Herrles ungeduldiger Sand an der Leine gcfaüter zu werden. Na. und den Serrfts niarfit das schließlich ebensowenig Zvaß Da toa.ite d-nn vor einem Vierteljahr ein Sundebesitzer ber übrigens einen dec bekanntesten Namen her. Wett trägt seine beiden Hausgenossen einige Minuten lang von der Leine zu nehmen. Noch, dazu im Isartal, den Menschen und an­deren Hunden fern Kein holdes For-MSbchen kam den wackeren Freischärlern ins Geheoe und m Bescknnppernäbe Immerhin, bie Polini rat ein wachsames Auge Und ein ebenso gutes Kedächmis So ließ sie denn, zehn Wochen >pat.er (!!), die beiden durchaus gesunden und jeglicher Seuche unverdächtigen Sünde ab- bolen, um sie ranzubringen! Nette und ma­nierliche Tiere, die in ihrem fröhlichen Siinde- daiein nie den Sckmnvsen gehabt haben, sollen nun, alS gemeingefährlich, beseitigt werben Nur weil's der Buchstabe so will. Der Besitzer bat jedoch feine Tiere nicht ausgeliefert itnb fo wird ber komisch» Vorfall noch ein tragikomi­sches Nachspiel haben * Heinz Langer.

(Segen dos Bayrische Doiksgerlchi.

München, 24. Juli Im Bayerischen Land- tag erwiberte Justiz Minister Gärtner auf eine sozialdemokratische Interpellation, waS die Staatsregierung gegen die ftaatsverhetzendey