Einzelbild herunterladen
 

Mittwoch, 23. Juli 1924.

Nummer 171. Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf.

Die Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal nachmittags. Der Aüonuemenisvrcis beträgt für den Monat Juli 2.00 Mk. bei freier Zustellung ins Haus, in ber Geschäftsstelle abgeholt 1.80 Mk. Durch die Post monatlia, 2.00 Mk. ausschliehlich Zustellungsgeböhr. Verlag und Redaktion: Schlachthofftratze 28/30. Fernsvrecher 951 und 952. Kür unverlangt «inaesandte Beiträge kann die Re­daktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Kalle übernehmen. Rück­zahlung des Bezugsgeldes oder Ansvriiche wegen etwaiger nicht orönungsmälliger Lieferung ist ausgeschlossen. Postscheckkonto Krankfurt a. Main Nummer 6380.

Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf. 14. ZuhrgUUg

Anzeigenpreise: GekchäftS-An,eigen Seile lo Pfennig. Kawilien-Auz-lgen Seile 15 Pfennig, Kleine Anzeigen das Wort 2-/, Pfennig. Reklamen di« Selle dO Pfennig. Offertgebübr 10 Pfennig ibei Zusendung der Offerten 20 Pfennig». Rechnungs- betrüg« sind innerhalb 5 Tagen zu bezahlen. Massgebend ist der Kur» des ZahlungS- tages. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz 100 Prozent Ausschlag, Druckerei: Schlachthofstr. 28/30 Geschäftsstelle: KölmStrahe 5. gegenüber der Spohrktraye. Fernsprecher 951 u.9a2..

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Deutschland vor der Abreise nach London.

3.Äw- Berlin in höchster Bereitschaft.

Die Einladung an die deutsche Regierung, Vertreter nach London zu entsenden, um ihre Zustimmung zu den dort gefaßten Beschlüssen zu geben, ist nunmehr erfolgt. Nach den ersten Eindrücken, die man auS den Mitteilungen der alliierten Regierungen empfangen hat, glaubt man, daß es zu Verhandlungen kommen wird. Eine diskufsionslose Zustimmung der Reichs­regierung zu den einzelnen politischen Entschei­dungen ist ebenso wenig zu erwarten, wie die Entgegennahme eines Diktates. Die alliierten Politiker bemühen sich zwar, den Ein­druck zu erwecken, als handele es sich um eine Anhörung Deutschland-. Diese Bezeich­nung dürste jedoch den wirklichen Tatsachen in keiner Weise entsprechen. Es kommt vielmehr darauf an. daß die bisherigen Londoner Be­schlüsse eine Fassung erhalten, die die starken Be­denken zerstreut, welche man in Deutschland gegenüber der Regelung der sogenannten Frak- tionsfraae gibt. Tie ausländischen Kommuni- auees geben über den eigentlichen Kern der Be­schlüsse nur ganz unklare Auskunft. Sie sind so gehalten, daß sie namentlich der öffentlichen Mei­nung in Frankreich entgegenkommen sollen. In Wirklichkeit kann ein Staatsmann aber absolut nichts damit anfangen, wenn beschlossen wird, daß bei etwaigen Verschlungen Deutschlands die Re- parations-Kommisston unter Hinzuziehung eines amerikanischen Vertreters irgendwelche Maßnah­men beschließen soll, die in Wirklichkeit absolut nicht im Einzelnen erörtert wurden, über die zurzeit noch volle Unklarheit besteht. Offenbar sind Frankreich und Belgien in großer Besorg­nis darüber, was geschehen soll, wenn Deutsch­land mit seinen Zahlungen im Verzug bleibt. Neuerliche Maßnahmen im Ruhrgebiet erscheinen ihnen als letzter Answeg, um ein Druckmittel gegen Deutschland in der Hand zu haben.

Die deutsche Regierung toiu jedoch gegen die Beschlüsse über die Sanktionsfrage ener- gifchen Einspruch erheben, weil sie cs für unerträglich betrachten würde, neuerdings d«m Druck von Sanktionsmaßnabmen ausgesetzt zu sein. Die offiziöse volksparteiltche .Zeit" weist in einem sebr entschieden gehaltenen Artikel dar­auf hin, daß die grundsätzliche Anerkennung ter­ritorialer Santtionen für die deutsche Auffassung schlechterdings unannehmbar wäre. Auch die englischen Gegenvorschläge seien so unzureichend, und in ihrer Auswirkung so bedenklich, daß man deutscherseits ernsthafte Besorgnisse äußern muß. Von der endgültigen Entscheidung dieser Punkte werde auch die Stellung der deutschen Regierung zum Sackverständigen-Gutachten mit beeinflußt werden. Es darf tm allgemeinen nicht übersetzen werden, daß die überraschenden Beschlüsse der Londoner Konferenz sehrvielTheorie ent­halten und dadurch nicht nur für Deutschland, sondern für das Schicksal der Reparationsfrage überhaupt eine äußerst bedenkliche Situ­ation schassen. Die Amerikaner haben es durch­gesetzt, daß auch von Frankreich und Belgien die feierliche Verpflichtung eingegangen wurde, auf alle Sanktionen zu verzichten, wenn sie durch einen Eingriff in das deutsche Wirtfchastsleben die Interessen der Geldgeber und den Zinsenbienst der Anleihe gefährden könnten Dieser Beschluß hobt zum Teil di- Schärfen der ersten Resolutton wieder auf und besagt beinahe das Gcgemeil von dem, was Fraickreich und Belgien gemeinsam fordern.

Wesentlich für die deutsche Beurteilung ist der Umstand, zu welchem Termin die wirtschaft- licheRäumung durchgeführt werden soll und wann die Zurückziehung der militärischen Besatzung in Aussicht gestellt wird. In die­sen beiden Fragen liegt der Kernpunkt der eigent­lichen Entscheidungen Die bisherigen B^chlüsse der Konferenz lassen die Deutung zu, daß unter dem Einfluß Englands eine Kompromiß­lösung gefunden ist. die die Rückgängig- machnng der wirrschaftlichen ZwangSmaßnahm ur für Mitte August vorsieht. Im Anschluß daran würden die deutschen Organisationen ihre Tätigkeit eröffnen können, so daß die zweite Etappe der einzelnen Räumungsmaßnahmen schon kurze Zeit darauf in Kraft trete» würde. Das Protokoll, das Deutschland unterschrei­ben soll, Wird über die wickttgsten Entscheidun­gen Aufschluß geben. Ein Gesamtbild über drn Ausgang der Verhandlungen ist daher nur mög­lich, wenn dieses Protokoll im Wortlaut der Oef- sentlichkeit bekannt gegeben wird. Ta die Un-

Die Einladung nach London offiziell noch nicht eingetroffen Nicht zum Diktat; Wir wolle« verhandeln Deutschlands letztes Wort StresemannS historische Misfion Alle Entscheidungen vertagt.

Berlin, 22. IM. (Eigener Drahtbericht.) Die aus London und Paris vorliegenden Mel­dungen, daß die deutsche Regierung für Mitt­woch oder Donnerstag nach London gebe­ten werden dürste, finden in Berlin noch keine Bestätigung. .Immerhin nimmt man an, daß die Delegationsführer in London heute dar­über eine Entscheidung Irrsten werden. Man rechnet damit, daß die Einladung späte- icns morgen hier vorliegen wird. Im übrigen ist auch nicht bekcmnt, ob die Reichsregierung zu Verhandlungen über das Londoner Proto­koll gebeten werden soll oder lediglich zur Kennt­nisnahme der gefaßten Beschlüsse. Schon jetzt wird betont, daß eine Reise des Reichskanzlers und des Außenministers nach London nur in Frage komme, wenn die deutsche Regierung er­sucht wird, mit den Alliierten über dir Anwen­dung des Dawes-Planes zu verhandeln. Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat London bereits wieder verlassen, nachdem er in London den Schlußverhandlungen über die kommende Gold Notenbank beigewohnt hat. Auch die Staatssekretäre Bergmann und Vogt, die sich wegen der Schlußverhandlungen über den Eisendahngese tzentwurf noch in London aufhal- ten, werden nach Erledigung der Beratungen so- kort nach Berlin zurückkehren. Das gleiche gilt von den Referenten, die zur Erörterung von Fragen über die zu erwartenden Einnahmen aus Zucker. Tabak, Bier und Branntwein sich dort anfhalten. , ,

Kein »Weiler Versailles.

D e r l t n, 22. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Die Rackrichten aus London über eine mögliche Berufung deutscher Sachverständiger und Bertre- <er hat im Kabinett insofern eine günstige Stint- mung hervorgerufen, als das Kabinett vor der Abreise der deutschen Vertreter die Mindest- b e d i n g u n g e n für eine Unterzeichnung der Londoner Beschlüsse nochmals formulieren und in London überreichen lassen wird. Eine bedingungslose Annahme kommt nach nochmaliger Versicherung des Kanzlers in dcr Zentrumöpartei nicht in Frage. In der heutige,t Sitzung des Auswärtigen AuSscl,uffes sind auch die drei Kommmtiften anwesend, sodass vertrauliche Mitteilungen der Regierung über die Lage nicht zu erwarte,t sind. Die So­zialdemokraten begründeten in ihrer gestrigen Sitzung ihren Optimismus damit, dnß Frank­reich durch btn Zutritt Amerikas seine Vormacht- stcllu.ig in der Reparattofiskommisfion verlor.

Außer Stresemann auch der Reichskanzler;

Berlin, 22. Juli. (Eigene Drahtmelbung.) Die bisherigen Verhandlungen im Rcich-Lkabinett über die Einladung zur Londoner Konferenz ha­ben ergeben, dass Minister Dr. Strefcmann unverzüalich nach London abreisen will, um an den dortigen Verhandlungen teilznnehmen. Tb Reichskanzler Dr. Marx ebenfalls sich nach Loudon begeben wird, ist ungewiss. In den Kreisen der ReichSregierung ist man der festen Neberzengung, daß nunmehr die Notwendigkeit besteht, in Verhandlungen einzutreten, selbst wenn nur die Möglichkeit gegeben sein sollt:, ein oder zwei Tage zu diskutieren.

*

Wir lassen nichts unversucht.

Rotterdam. 22. Juli. (Privattelcgramm.> Londoner Blätter melden von gestern abend, dass der deutsche Botschafter gestern früh eine einstündige Unterredung mit Maxdo- nald hatte und Erklärungen abgab über das der Konferenz überreichte Memorandum, in dem Deutschland seine Rechtsansprüche fftr die Rän- muna des Ruhrqebietes formuliert hat. Am Mittwoch wird der deutsche Botschafter mit dem

amerikanischen Staatssekretär Hughes eine Besprechung haben. _

»as Neueste aus London.

Berlin, 22. Juli. (Privattelegramm.) Wie wir aus den Kreisen drs Auswärtigen Amtes erfahren, ist die Reichsregierung von allen bisherigen Beschlüssen dcr Londoner Kon­serenz offiziell in Kenntnis gesetzt worden. Darüber hinaus ist an Dcutschland eine ausführliche Mitteilung über die Stellung­nahme der alliierten Regierungen zu den Fra­gen der wirtschaftlichen Räumung des Ruhrz.'-- bietes ergangen. Diese Mitteilungen stellen zum Teil eine ausführliche Beantwortung der von der deutschen Regierur g aufgeworfenen Fra­gen dar, die durch den letzten Schritt des Bot­schafters in London an die einladenden Siegte» ntttgcn gerichtet worden waren.

Sie Führer find versammelt.

Berlin, 22. Juli. (Eigene Drahtmelbung.) Wie wir von parlamentarischer Seite erfahren, haben alle Fraktionen d-4 Reichstages ihre Bc- t aiungen über die Stellungnahme zum Sach- Verstänbigeu-Gutachten dis nach Erledi­gung der Londoner Konferenz ver­tagt. Die Parteiführer erwarten für Ende die­ser Woche die Auskünfte der Reichsrcgierung, ihe sie zu den Entscheidungen Stellung nehmen werden. Reichskanzler Dr. Ma r x ließ den Füh­rern mitteilen, daß schon jetzt alle Vorbereitun­gen dazu getroffen werden sollen, daß die Reichslagsparteien auf dem fchnellsten Wege von dem Ergebnis der Londoner Ver­handlungen in Kenntnis gefetzt werden. Im übrigen foll der Reichstag sich in ständiger Bereitschaft halten. Die Fraktionen sind vollzählig in Berlin versammelt.

Hinter ven Berliner Kulissen

Im Generalstab der Staatsmänner.

Berlin, 22. Juli (Privattelegramm.) Ge­stern fand beim Reichskanzler eine Reffort-Be­sprechung statt. Gegenstand der Aussprache war die Gesamt läge, wie sie sich auf Grund der bisherigen Londoner Meldnngen und hinsichtlich dcr bevorstehenden Einladung tyt Deutschland er­gibt. Wie wir erfahren, findet heute vormittag vor der Tagung des Auswärtigen AnSfchusscS eine Kabinettsfitz ung statt. Im übrigen wird die Regierung, bevor eine offizielle Stel­lungnahme erfolgen foll, die Bcschlüffe d»r Lon­doner Haupt-Konferenz abwarten.

Snöuftrie und Landwirtschaft warnen.

Berlin, 22. Juli. (Eigene Trahtmeldung ) Die Bereinigung der deutfchen Industrie hat gemeinsam mit den Vertretern der Landwirt­schaft und anderen Berufsverbändeu einen Schritt beim Reichskanzler unternommen gegen die Unterzeichnung des Dawes-Planes in London. Die beiden großen Berufsverbände halten die Erftillung des Abkommens für Land- wirtschaft und Industrie gleichenuaßen untragbar und warnen vor einem neuen Erfüllungsversnch, dem nach allen bisherigen Erfahrungen in aller Kürze doch neue Sanktionen folgen wurden.

»

Kein Maffenspoziergang natn Berlin.

Berlin, 22. Juli. (Privattelegramm.) Jnsokg- der polizeilichen Maßnahmen gegen die anläßl ch des heutigen Zusammentritts des Reichstags ge­planten kommunistifchen Straßeudemon- st r a t i o n e n und Massenfpaziergänqe in das Regierungsviertel sind die geplanten Kundgebun­gen noch gestern abend von der Leittmg der radi­kalen Betriebsräte abgesagt worden. Der für den 4. August nach Berlin einberufene deutsch: kommunistische Arbeiterkongreß ist dem Polizeilichen Verbot verfalle».

terzeichnung des ProtokoZs vor den endgültigen Entfcheidungen im Reichstag staltfln- d:t, werden die deutschen Reichstagspartcien ihre

Entschließungen auch davon abhängig machen können, inwieweit die deutschen Interessen bei dem Vertragsabschluß gewahrt worden sind. .

Der Weg ins Freie.

De« deutschen Volkes Schicksalstunde.

Von

Staatssekretär z. D. Freiherr v. Rheinbahen.

In feinem Schlirtzartikel zieht der Renner der en. ropsifiy-n DiNt-rverwirrung nach feinem Streif, »ng 6ur<t> Bit Labyrinthe der Politik das Fazit und lieft den Nompatz für Dentfcylaud« potl. rifther Marfchrlthtnug ad, in der er fa,reibt

In London wollte man sich von voornherein a nur auf das Sachverständigen-Gutachten be- chränken und damit der deutschen Forderung auch nach militärischer Räumung der Ruhr aus dem Wege gehen. Trotz der im Ganzen zwar voneinander recht abweichenden, aber keineswegs durchweg ablehnenden Kommentare der französi- chen und englischen Presse kann es keinem Zwei, et unterliegen, daß die Konferenz wiederum tote o viele ihrer Vorgänger mit einem Fehlschlage enden müßte, wenn die gesamte Räumungs- rage, die sich nun einmal von dem Gutachten nicht trennen läßt, nicht ebenfalls auf der Konfeienz eine protokollarische oder sonst ver- t r a g l i ch e Regelung erfahrt. Deutt'chland kann ich, um das ebenfalls von vornherein gleich zu betonen, auch nicht nur mit der englischen For­mel derUnsichtbannachnng der Besetzung in der Ruhr" zufrieden geben, sondern es wird die vor­her besprochene Forderung

nach Daten und zonenmäßiger Räumung der Ruhr einschliesslich Düsseldorf, Ruhr­

ort und Duisburg zu erheben lssrbcn.

Auf der anderen Seite spricht man hier in Frank­reich bereits von derSicherheit der abzutrans- vortierendcn Truppen" und der dafür notwen­digen Kontrolle gewisser Bahnlinien. Es ist also festzustellen, daß eine reinliche Scheidung des Sachverständigen.GutachienS zum mindesten von dem auf seine vertragliche Regelung angeblich folgenden großen Problem derSicherheit Frank­reichs" kaum sich wird durchführen lassen. Schon deshalb nicht, weil, abgesehen von der Ruhr, ja für Deutschland bereits int Zusammenhang mit der Ausführbarkeit beS Sachverstandigcn-Gut- achtens der k ü n f t i g e Z u st a n d t m R hein- land eine entscheidende Rolle spielt. Dieser wie­derum fft, von der französischen Seite ans ge­sehen, ein integrierender Teil des auf künftigen Konferenzen zu lösenden Stcherheitspro- blems Frankreichs. Daß in der Taz diese beiden Fragenkomplexe eng miteinander »erblin­den sind, ergibt sich schon daraus, daß Herr Her- riot in England sich bereits ausgiebig thit dem englischen Ministerpräsidenten über die Möglich­keit der Wiederausnahme von Verhandlungen über einen sogenanntenSicherheitspakt zwischen Frankreich und England" uni erhalten hat. Frankreich hat seit 1921 in den verschiedensten Formen «nd nunmehr schon un­ter der dritten Regierung einen solchenPakt" verlangt. Er soll ihm nicht nur Sicherheit gegen etwaige Revancheideen Deutschlands gewähren, sondern auch eine Garantie für die Durchführung der Repartionsleistungen sein. Die Tage von Cheguers und die dann fit Brüssel zutage ge­tretene Intransigenz der belgischen Regie­rung. welche ietzt die früher von Poincarä ein­genommene Position des retardierenden Ele­ments bildet, zeigen zur Genüge, daß wir hier erst wiederum

am Anfang neuer und langwieriger Verhandlungen

stehen. Herr Herriot hat demzufolge, seiner gan­zen Art entsprechend, energisch die Flucht in die Oeffentlichkcit angetreten und in einer Unter» rednng mit dem englischen Schriftsteller Norman Angell einen defensiven Pakt zwischen Frankreich und England gefordert, dem sich später Deutsch­land atschließen sollte. Auf diese Art könnten nach Herriots Ansicht alle drei Länder in Sicher­heit über ihren jetzigen Besitzstand im größeren Rahmen des Völkerbundes die innere Sieber» aufbauarbeit energisch beginnen und am besten zu Blute «nd Wohlfahrt zurnckkehren Hier be­darf es natürlich noch vieler Konferenzen, vieler Unterredungen, unabsehbaren diplomatischen Verkehrs und anderer Mittel, um ein dauern­des und erträgliches Ergebnis zu erzielen. Um auf jeden Fall in Ausnutzung ihrer jetzigen, viel­leicht bald vorübergehenden Machtstellung und der augenblicklichen Konjunktur wenigstens einen Sckritt vorwärts zu mache», haben sich bekanntlich Herriot und Macdonald bereits jetzt verpflichtet, der Völkerbundsversamm. lung in Genf im September dieses JahreS beizüwohnen und auf ihr das Wort zu ergrei­fen. In Anbetrackt der verwickelten Motive kann man schon froh darüber sein, daß es der englischen Politik gelungen ist. .Herrn Herriot da­von zu überzeugen, wenigstens die Frage der interalliierten Verschuldung völlig von der Londoner Konferenz fern zuhalten. Ohne diese Maßnahme hätte es kaum die so netnten* dizen nnb von jedermann gewünschten ameri­kanischen Beobachter ans der Konferenz gegeben, und die Prophezeiung baß es aus ihr sicherlich zu gar keinem Resultat kommen würbe, wäre leicht und billig gewesen! Ohne Selbsttäu-