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Meter Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Was sich in London vorbereitet.

Am Scheideweg.

Herriots neues Programm.

Wenn die Politik die Kunst Les Erreichbaren ist. ist die erste Voraussetzung für den Erfolg das Verständnis für die Gedankengänze des Ge­genspielers. Gerade jetzt wird das um[o not­wendiger sein, da an dem Konferenztische in London wiederum alle jene Mächte versammckt find, welche als Verhandluugsg>.gu.rr vor fünf Jahren Deutschland gegenüberstanden. Für den Kenner des französischen VolksidiomS ist es kein Geheimnis, Laß der Franzose im Gegensätze zu dem kühlrechnenden und kühl berechnenden Amerikaner ein leicht erregbarer Ide­al i st ist, bei dem die Folgen des Krieges n-cht zuletzt infolge der chauvinistischen Propaganda eine gewifle Nachkriegs-Psychose erzeugten, aus der das französische Volk jetzt langsam und all­mählich erwacht

DaS erste Zeichen dieses Erwachens war der Ausfall der Mai-Wahlen, deren Erfolg rechts twe links des Rheins überschätzt wurde. Der Lie­gesjubel trübte den klaren Mick. Wer aber ganz unvoreingenommen den W-ihlersolg beurteilte, mutzte alsbald erkennen, daß die Position der neuen Mehrheit nur eine schwache war und daß Potncarös Nachfolger bei der Sinnesart des stanzösischen Volkes auch mit Wasser aus dem Brunnen des starrköpfigen Lothringers kochen müßte. Das Kabinett Herriot mußte die­ses Urteil bestätigen. An keiner Stelle Politiker großen Formats; ehrlich wollende Franzosen gewiß, nicht mehr. Ein Fähiger der Linken blieb im Hintergründe Briand, der voraussictzMche Nachfolger des Lyoner Bürgermeisters m der Ministerprästdentschaft. Alles in allem: s ch w a n- kender Boden unter Herrtots Fußen. . Das ist es, was den Franzosen auch in Lon­don die Bewegungsfreiheit nimmt und auch für die nächste Zeit nehmen Wird, selbst wenn die jetzt angebahnte Entwickelung im langsamen Tempo fortschreitet, wie man in Frankreich cn« zunebmen geneigt ist. Eine Annahme, bei der der Wunsch der Vater des Gedankens fff, weil Man eine neue Isolierung ebenso fürchtet, wie einen neuen Frankensturz* Und doch fahrt der Wagen der französischen Politik noch in alten Gleisen. Der deutsche Botschafter in Paris hatte die Instruktionen von Berlin, eine schriftliche Zu­sage für die militärische Räumung der vertragswidrig besetzten Gebiete herbeizusühren. Heute weiß man, allen amtlichen Dementis zum Trotz, daß er fein Ziel nicht erreichte. Herriot sagte einfach: Im Gutachten siebt nichts von die­ser Räumung. Ein bequemer Grund; tatsächlich aber sind eS die Rücksichten aus den Senat, auf die Opposition in der Kammer und auf die öffentliche Meinung, welche Herriot zu dieser Haltung bestimmten, die er auch in London nicht aufgeben wird. Diese Stellungnahme Herriots ist umso pikanter, als sie sich vollständig deckt mit btrienigen des Vorsitzenden der Reva- rationskommission. Barthou. In den Kreisen einsichtiger französischer Politiker Her­riot und Painlevs gehören zu diesen ist man sich vollkommen klar darüber, daß die R n h r b r« setzung ein Fehlschlag war. Ab-r man scheut sich, die Konsegnenzen zu ziehen, obwohl Frankreich nach Annahme des Dawes-Kutachtms die Besatzungskosten selbst (»ezahleu muß. Ein anderes kommt hierzu, was bisber zu wenig beachtet wurde: es ist der Gedanke der franzö­sischen Politik, die militärische Besetzung der Ruhr als Druckmittel bei der Lösung der Sicherungsfrage und der interalMerten Schuldenfrage zu benutzen; sie soll also gleich zei­tig gegen Deutschland und gegen die eigenen Bundesgenossen ausgespielt werden.

Ein drittes svielt bei den Erwägungen der französischen Politiker eine große Rolle: Frank­reich hat Befürchtungen wegen des Ist. I a n u a r stzoz. An diesem Tage erhält Deutschland feine handelspolitische Freiheit wieder. Do»n kommt, daß aller Voraussicht nach der TranSfer-Kommisiar ein Amerikaner wird. Die Furche btnr per deutschen industriellen Leistungs­fähigkeit übt bier ein moralisches ..Dinnvino" guS. Vor dem io. Aanttar "ödsten Jahres müs. fett die bandesvolitrfchen Verhandlungen erledigt fein. D'ese Erwägungen drängen zu einer Ent­scheidung und beunruhigen die zwei Seelm in her srgnrösischen Brust Endlich braucht Frank­reich Geld: alle di- nationalistischen Phrasen ha­ben die wirtschaftlich-- nicht verbessert, son­dern verschlechtert, ^n? all dem solat. daß die Stellung der kronzöstschen Politik und der fran­zösischen Politiker keine allzu starke und feste 'st Por allem aber: Nirgend? grobe Ge» stchtsnunkte. Poch ist die französische Vo- (itif vollkommen verstrickt in den ena-n n- tio- ngtiktischen Gesichtskreis, der sich nv*t erbeben kann »n einer vorurteilsfreien Betrochtima do- großen euroväifch-n Zufammenbän»-. und der da wo er international zu kein fchü'rt. mirrff f* international ist. Die große Bedeut»"-» d-r Lon­doner Konseren, liest in der voKtifchen ^r. ziebunoSguigabe, die sie an Frankreich ,n ersillle-, bat. . Es kann auch für Dentschrand und für deutsche Politiker nicht bedeutungslos fein, d c-

fen Gedankengängen, wenn sie auch abwegig sind, zu folgen, nicht um ihnen nachzugeben, sondern um zu verstehen, welches die Quellen der Lon­doner Schwierigkeiten sind, die augenblicklich für Frankreich im allgemeinen vielleicht weit grö­ßer sind wie für Deutschland.

Die Verhandlungen in Flutz. Neue Londoner Protokolle und Zahlungssysteme (Eigener Drahtbericht.)

London. 18. Juli.

Heber die Beratungen deS ersten Konferenz- ausschuffes wird berichtet: Der von Peretti della Rocca unterbreitete Entwurf eines Protokolls, das in London von den alliierten Regierungen unterzeichnet werden soll, unterscheidet sich nicht wesentlich von dem englisch-französischen Ent­wurf betreffend Abänderung des Anhanges 2 deS Teiles 8 des Berfailler Vertrages, insofern die Hinzufügung eines mnerikanischen Mitgliedes in Betracht komme. Der zweite Paragraph des französischen Textes sagt, f?«S von der Repara- tionskommission entsprechend der ihr erteilten Befugnis ein Verzug Deutschlands erklärt wer­de, würden die interalliierten Regierungen un­verzüglich über Sanktionen beraten müssen.

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Äeuischland auf der Sv ter.

London, 18. Juli. (Privattelegrmnmm.) 2rA doner Blättermeldungen zufolge haben gestern weitere französisck-be'gssche Besprechungen über die beiden Formeln stattgesunden, von denen die eine sich auf den Fall eines künftigen deutschen Verzuges Deutschlands beziehe, wäh­rend die andere das Problem der Sanktionen behandele. Die gegenwärtige Hauptfrage ist demzufolge, welche Ausnahme diese Formeln, besonders die zweite, finden werden unv ob, falls die damit verbundenem Schwierigkeiten überNmnden werden, die Deutschen An­fang nächster Wocke zu- Teilnahme an der Konferenz eingeladen werden könn­ten. Die Franzosen sind immer noch geneigt, den Deutschen wenig mehr zu gestttten, als das Recht der Unterzeichnung und Bemerkungen über gewisse Einzelpunkte. Dies ist aber nicht die Aussassung der Engländer end auch nicht die der Amerikaner,

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-ante um unser «Seid.

London, 18. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Wie Londoner Blätter schreiben, sind die Ar­beiten des dritten KonferenzauSschus- ses so schnell fortgeschritten, daß der Bericht heute vormittag entworfen und nachmittags der Konferenz vorgel.gt werden könn­te. Die Kommission habe auch beschlossen, schieds­richterliche Entscheidung zwischen Deutschland und dem KonferenzauSschuß für den Fall von Dif-erenzen vorzusehen. Es werde ferner beab­sichtigt. ein großes Clearing-House einzurichtcn, das sich nicht nur mit den direkten Zahlungen Deutschlcnds an die Alliierten, sondern auch mit dem Handelsverkehr zwischen Deutschland und anderen Rachdarstaatcn, wie zum Beispiel Ruß­land, befassen solle,

Berlin in der Defensive.

Einmütig gegen ein Zwangsdiktat.

(Eigener Drahtberich')

Berlin, 18. Juli.

In parlamentarischen Kreisen wird di- innere Wttkrmg der Konferenz von London in steigen­dem Masse erörtert Wenn in London der ge­genteilige Verlauf der Berhandlungen eintritt, als die Regierung bisher erwartet hat, so wirb die zweite Folge eine schere Beinträchti- qung DeittfchlandS noch sich ziehen. Die Bereitwilligkeit zum Eingehen aus *Mc Londoner Beschlüsse, wenn sie Zwangsbesch lüsse darstrllcn, ist auch bei den Sozialdemokrate t nicht vorhanden, wie die gestrige Besprechung der in der Reichshauvtstadt weilenden sozialistischcn Abgeordneten deutlich ergeben hat.

Deutfckckanbs ($eaen.prc"rnmni.

, London. 18. Juli. (Eigene Drahtmeldung? Anläßlich der Eröffnung der Londoner Konferenz bat die deutsche Regierung dem britisch-m Mini­sterpräsidenten Macdonald ein längeres Me­morandum überreicht, in dem als Grund- bedinMma der Annahme des Sachverständigen- Gutacktens nochmals eine endgültige Zusage ge» kordert wird über den Termin der Wieder­herstellung der volitischen und Wirtschast. lichen Einheit Dentfchlands. Weiter wird verlangt: Festsetzung eines begrenzten Zett- vunktes für die Zurückziehung der alliier­ten Besatzungstruvpen, ferner für i>te militätische .Räumung der Ruhr, da im Hinblick

auf die bevorstehende ökonomische Befreiung deS Nuhrgcbietes der Aufenthalt der Truppen, der seinerzeit lediglich zum Schutze der Jngcni.'ur- kommission begründet wurde, nach Aufhebung der ökonomischen Sanktionen nicht mehr gerecht­fertigt sei. Auch verlangt das Memor mdum die militärische Räumung von Rüsseldorf, Duisburg und Ruhrort, die nur als Sanktion für die verweigerte Annahme des Lon­doner Zahlungsplanes erfolgt fei. Weiter müsse die Räumung der ersten rheinischen Besatzungs­zone im nächsten Jahre erfolgen.

Leicht gelöste Probleme.

Heber Deutschland zur Tagesordnung.

(Eigene Drahtmeldung.)

Bafel, 18. Juli.

Die Schweizerische Depeschenagentur meldet ans London: Die politische erste Kommission hat gestern über die Zulassung der Deutschen zur Konferenz beraten. Zu einem Ergebnis ist sie nicht gelangt. Der Vorsitzende stellte fcst.,d>tss k e i n A n t r a g von feiten der beteiligten Machte norliege ,md daß lediglich ein Initiativantrag aus der Kommission selbst in Frage kommen könne. Auch dieser Antrag wurde nicht gestellt, so daß die Kommission in die Erörterung der Vollmachten der Revaratiouskommis on eintrat.

Shsillva Frankreich.

Rotterdam 18. Juli. (Privattrlezr.tmm.( AttS London wird gemeldet: Die zweite Kom­mission hat gestern zwei Sitzungen abgehalteu und sich mit den französischen Ansprüchen auseittandergesetzt, die darin gipfeln, dass tue Vierzig-Millionen-Pfund-Anleihe völlig bezahlt sein müsse, ehe der Dawes- vlan als von Deutschland erfüllt betrachtet wer­den könne. Die Kommission wird heute ihre Be­reitungen zum Abschluss bringen.

Das de tioe Freitag-Turnier.

Paris, 18. Juli. (Eigener Drahtberichts Ha- vas meldet aus London: Heute vornnttig 8,30 Uhr werden die Führer der Delegationen ihre Beratungen in Downing-Street wieder aufneh­men. Am Wend wird sich M a cd onald wahr- scheinlich nach Chequers begeben.

Festessen und Ausflug.

London, 18. Juli. (Privattelegr-nmn) Der britische Premierminister gab gestern den Kon- serenz-Teleaierten ein Essen im Lancaster-Hmse. Am Sonnabend beabsichtigen die Delegierten, die britische Reichsausstellung zu besuch m.

Konferenzen am NebenMch.

Europas Schulden stehen zur Debatte.

(Eigener Drahtbericht.)

Zürich, 18. Juli

Die Agentur Stefanie meldet aus London: Es ist beabsichtigt, da? internationale Schuldenproblem, das auf der Londoner Konferenz unerörtert bleibt, in einet der Konfe­renz sich anschliessenden Sonderbcspre- chun g der anwesenden Delegierten einer vorbe­reitenden Lösung zuzuführen. Die Aufgaben der Londoner Konferenz hosst man schnell er­ledigen zu können, wobei nur die Enttäu­schung allgemein zum Ausdruck kommt, dass die bentfdte Stellungnahme zur Erfüllung des Da- wesgutachten« schwankend geworden scheint.

Was die »rutschen nach London führt.

London. 18. Juli. (Eigene Drabtm.ckdmig) Unter Teilnahme deS Staatssekretärs a. D. Bergmann hat gestern, getrennt von der Lon­doner Konseren-, die Kommission zur Prüs'.tng der deutschen Budgeteinnahmen ihre Arbeiten in London ausgenommen. Falls eine Einigung mit der Revarationskommission nicht zustande kommen sollte, wird ein amerikani­scher Sachverständiger als Schiedsrichter hinaieren. Der amerikanische Bankier Otto Kahn, der fett einigen Tagen ,um Ferien auf- enthalt auf feinen schottischen Besitzungen weckt-, ist gestern in London einaetroffrn Man Brwat feine Anwesenheit mit Verhandlungen über dte deutsche Anleihe in Zusammenhang. Es wird ver­sichert. Kabn werde auch Besprechungen mit dem Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht fügten.

Frankreichs Wilck"rbenan'eshe.

Par-.S. 18. Juli. (Eigene Drahvneldung.) Auf Grund von Besprechungen deS ,vinanzn-t. nisters Elemente! mit internationalen Persön­lichkeiten der Bankwelt ist dir Ausgabe einer französischen Anleihe von viereinhalb Milliarden Franken im Laufe des Monats September beschlossen worden. Mckr alS zehn französische Bankinstitute übernehmen die Garantie für die Anleihe.

Feindliche Nachbarn.

Das deutsch-sranzöstjche Problem.

Von

Staatssekretär z. v. Freiherr v. Rheinbaben.

Wi beginnen heute mit dem Abdruck einer Artikelserie aus der Feder de» scharfblickenden, bekannten Politikers und Staate,ekret rs z. D. Frhr. v. Slhetnbaben, der als einer der b.sten Rennte der deutsch.jrauzSfiichen Probleme zu einem Thema Stellung nimm«, da» in diesen Tagen al« unsichtbares und doch stärkstes Flu­idum die Londoner Verhandlung durchzieht und beeinflusse» wird. Dte Erwägungen de« SerrnStaatssekrerärS V.RHeinbaben gehen dahin Die demnächst beendete Vorbereitung der zur Durchführung des Sachverständigen-Gutachtens notwendigen Gesetze, die Konferenz-Ereignisse in London, die für Deutschland wenig befriedigende nochmalige und hoffentlich letzte Verlängerung der Micumverträge, die Aufnahme der grund- sätzl'chen Zustimmung Deutschlands zu einer ab­schließenden Generalinspektion seitens der mili­tärischen Kontrollorgane unserer Kriegsgegner in Frankreich ergeben insgesamt in ihrer Wechsel­wirkung einen günstigen Zeitpunkt für die Be­antwortung der Frage:

Wie haben sich unter der netten französischen Regierung die Aussichten für eine andere, für beide Länder vorteilhaftere Behandlung des deutsch-französischen Problems gestaltet?

Vor allem ist festzustellen, daß in Frankreich eins ausgesprochene Linksregierung am Ruder ist. Auch ohne aktive Teilnahme der Sozialisten an ihr drückt sie durch die gegebene Unterstützung der radikalsozialistischen Regientng HerriotS den entscheidenden Stempel auf. Zchr steht auf deutscher Seite eine bürgerliche Minderheitsregierung gegenüber, die deutliche Tendenzen nach rechts anfweist, da trotz grundsätzlicher Zustimmung zur Außenpolitik des Kabinetts Marx-Streselmmn der Eintritt der deutschen Sozialisten in die Reichsregierung in absehbarer Zeit wenig wahrscheinlich ist. Schon aus dieser Gegenüberstellung ergeben sich neben manchem Mißtrauen ohne weiteres au* manche Schwierigkeiten auf beiden Seiten. Sie tonnen nur dadurch gemildert und eventuell überbrückt werden, daß man auf beiden Seiten endlich wirk­lich zu einer Entspannung und vielleicht im Laufe der Zeit zu einer Art

nachbarlicher Aussöhnung im Rahmen der europäischen Bölkerfamilie

kommen will. Schon eine kurze, objektive Be­trachtung der ersten Regierungshmdlungen Her­riots zeigt, daß gar keine Rede davon sein kann, daß dieser LiePoincaröschePolitik fortsührt. Herriot will schon seiner ganzen politischen Ebarakterveranlagung nach zweifellos andere politische Wege gehen und andere pelitische Methoden anwenden, als der gestürzte Lothringer. In vielen Einzelheiten wurde an­läßlich seiner Reise nach Chequers das Gefühl schwerster Verantwortung geschildert, die er auf sich lasten fühlt. Nur tastend und zögernd geht er seinen Weg. In den Ministerien sitzen an den maßgebenden Stellen noch viele von Poin- carös Freunden und beobachten ihn argwöhnend. Ein Fehlschlag seiner mit ziemlichem Geräusch verkündeten neuen und friedlichen Außenpolitik würde ibn für absehbare Zeit außerordentlich kompromittieren. Das weiß er als erfahrener Vanlamentarrer ganz genau und daaus erklärt sich manche Unklarheit und manches Verschwom­mene seiner ersten Schritte. Die öffentliche M e i n u n g in Frankreich, deren allmähliche Wandlung trotz aller, Sonnttagsreden Poincarö« Herriot und die Linksparteien ans Ruder brachte, wird überwiegend von dem dringenden Wunsche na* Rückkehr zu politisch und militärisch fried- licken und finanziell gesicherten Zu­ständen beherrscht und ist neuen militärischen Abenteuern abgeneigt. So unglaublich es für den Deutschen auch erscheinen mag:

Frankreich fürchtet sich vor dem angeblich erwachenden Revanchegeist Deutfchla>,ds.

Fm Zusammenklanq dieser Grundidee mit allen möglichen innervolitischen Problemen erfolgte die Entscheidung der letzten Wahlen am 11. Mai, in denen sichtbar war, daß das außenpoli­tische Moment durch den Wunsch nach Frie­den. Sicherheit unb Ruhe den Ausschlag gab. AuS solcher Einstellung ergibt sich ohne weiteres, daß heute auch mit politisch links stehenden Fran- wfrn ein Gespräch über die Vergangenheit nutzlos ist. Aus diesem Gebiet wird es noch auf lange hinaus zwischen den großen Mehr­heiten beider Völker kaum eine Verständigung geben. Anders steht es jedoch mit dem Blick ans vorwärts und aut die Zukunst. Schon die bisherige kurze Regierung Herriots hat es verstanden, in dieser Richtung in der öffentlichen Meinung ihres Landes ein so weitgehendes Ver­ständnis zu finden Gewiß grollt die Oppositton, die in der öffentlichen Meinung durch das in Deutschland sattsam bekannteEcho de Paris" geführt wird. Reben Perttnaur (lußenpolitisck-r Setter) und General von Castelnau (Entdecker von Waffenlagern, geheimen Rüstungen. Cher» Generalstäben usw. in Deutschland) leistet sich