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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Dienstag, 15. ZuU 1924.

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Mselralen um die Londoner Sphinx.

Ohne Deutschland.

I« Poris betrogen und in London...?

Die europäische Politik hat sich in den sechs Jahren nach dem Zusammenbruch Deutschlands immer mehr daran gewöhnt, das Deutsche Reich nur als eine Halbsouveräne Macht in ihre Poli­tik einzustellen. Das deutsche Volk hat zwar diese Entwicklung immer wieder in harter Wirk­lichkeit erfahren muffen und trotzdem hat es sich durch den in den letzten Wochen in endlosen Kaffen ausgegossenen Phrasennebel dazu ver- leiten lasten, den Glauben zu nähren, wieder als gleichberechtigt im Kreise der europäischen souve­ränen Staaten anerkannt zu werden. Die Bespre- chung von Paris hat das'Gute gehabt, diese Rebel zu zerreißen und zu erweisen, daß die alliierten Mächte auch heute noch auf dem Standpunkt ihrer Antwort stehen, die sie auf die deutschen Gegenvorschläge zum Versailler Frieden gegeben haben. Auch heute noch ist es ihnen unmöglich, sich mit dem »Verbrecher des Krieges' auf gleichem Fuße zusammen zu setzen.

Die Pariser Besprechung mit der bediugunzs- losen Kapitulation Macdonalds har die Konfe­renz. har Herriots Ministersessel, hat Frank­reichs Ehre geretter und dafür hat Herr Poincars trotz seines schneidigen Angriffs uu die Politik des Kabinetts Herriot diesem seine wohlwollende Neutralität zugesichert Tas Poin- caröwort Wird Wirtirchkeit. daß keine Regie­rung Frankreichs den eingeschlagenen Weg ver- lassen könne, ohne zu stürzen Und so hat auch H e r r i o t vor dem Druck d?r Opposition zurück- weichend, den alten Kurs mit neuem Schneid ausgenommen. In der ganzen cng- gisch-frcnzösiscken Besprechung über Deutschland rst von Deutschland selbst nicht mehr die Rede. Macdonald hat die amerikanische Regierung un­ter Vorspiegelung falscher Tatsachen zur Teil­nahme an der Londoner Konferenz bezogen. Mac- donald hat auch in Berlin wissen lasten, daß England eine deutsche Delegation erwarte »nd verabredet nunmehr mit Frankreich eine erste Konferenz ohne Deutschland und eine zweite mit Deutschland in Paris. Für London bestimmt England das Progranim, für Paris ober Frankreich. Der ganze Gedanke der gleich­berechtigten Teilnahme des deutschen Reiches ist unter den Tisch gefallen, und was geblieben 'st, bewegt sich in den strengen Bahnen poinc.iristi- fcher Konferenzpolitik. Hat Macdonald auch so feinem Parteifreund die Rcgierungsfrhigkeit erhalten, fo hat er dafür seine eigene Stellung auf das Schwerste gefährdet, und die gesamte englische Presse vergleicht seinen Rückzug ans her ganzen Linie mit dem Sonar Lurs. Rur mit dem Unterschied, daß Macdonald jetzt erklärt: Wir halten zwar euren Vorschlag für rechtswidrig, aber wir werden euch helfen, ihn duichzuführen.

Die Opposition der wirtschaftlichen Mächte in England gegen Macdonald ist in stetem Steigen begriffen und seine Nachgiebigkeit gegenüber Frankreich macht das Maß voll. Denn dadurch durchbricht er die alte englische Tradition der Erhaltung seiner Herrschaft über die Weltver­kehrswege und der Niederhaltung der Festland­mächte. Womit in den ersten Tagen des Krieges Edward Grev die Notwendigkeit des Eingreifens für England begründete, nämlich,um zu verhin­dern, daß das ganze England gegenüber!: eg nde Westeuropa unter die Herrschaft einer einzigen Macht gerade", gilt heute in noch weit größerem Maße gegenüber der Vorherrschaft Frankreichs. Und für den Blick des englischen Handelsman­nes hat Macdonald weiter nichts mitgebracht als eine Konferenz, zu der die einzelnen Regie­rungen zusammenkommen, ohnevorherdas Programm auch nur im Gerinasten geklärt zu haben. Das allein wird schon genügen, um die größten Schwierigkeiten zu bereiten, um die Konferenz gleich von Vovnber-vn zur Erfolg losiakeit und r» endlosen Neberrafchungen zu ver­urteilen. Was ir>t Dopvelzünaiakeit in die Wege geleitet, mit Hodler Geste verabredet, mit Täu­schung des Vertrauens begonnen wurde, wie könnte das zu einem guten Ende führen?

Macdonald bat feinen Schirtt getan, und die­sen Schritt wird er nicht wieder zurück tun kön­nen. Er hat Frankreichs Macht in feiner euro­päischen Hegemonie st elluna wiederh-rae- stellt und damit die ganze enalifche Politik der letzten zwei Fabre zunichte gemacht Er hat aT>er auch durch die Mißachtung, die fein Schritt ge. genüber Doutfcblmd bedeutet, jedes $ er» trauen beim deutschen Volke verlo­ren. Sein Umfall in Paris hat erwiesen, daß ihm an der Durchführung eines wahren Frie­dens nichts g-leaen ist. daß auch feine Worte von der Gleichberechtianna Deutschlands eit»! Phrmen waren. Deutschland wird es diesem englischen Arbeiterminifteriinn nickt verges. f e n. daß es das Deutsche Reich endaültig vor aller Welt als einen nur balbsonveränen Staat charakterisiert Eit, der in der be­stimmenden Konferenz nicht teilnehmeii darf und

nur zur Unterschrift irgend eines Diktates nach Paris gehen soll, um auch die letzten Prestige- gelüste eines maßlosen Gegners zu erfüllen. Ter Weg der deutschen Leiden geht von einem Provi­sorium zum anderen, geht dahin zwifche Leben und Sterben.Wie gehts dir?' fragt man in hiesigem Lande.Provisorisch!" ist die Antwort, um zu bezeichnen, herzlich schlecht!

Sie Londoner Sphinx.

Eine Weltkonferenz ohne Programm.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 14. Juli.

Londoner Blätter stellen fest, daß in drei gro­ßen und wesentlichen Fragen England und Frankreich ungeeinigt zu der Londoner Kon­ferenz erfcheinen werden, nämlich über die Maßnahmen, die bei einem deutschen Ver- fehlen zu ergreifen feien, ferner über die Schuldenfrage und über die Sicher- heitsfrage. Was diese letztere Frage anbe­lange, lehne Macdonald es ab, bestimmte mili­tärische Zusicherungen zu geben. Eines fei gewiß, daß nämlich England sich zu einet mili­tärischen Intervention nicht entschl'e- ßen könne, wenn Deutschland Polen angreifen würde und wenn Frankreich automatisch außer­halb der vom Völkerbund geleiteten Aktionen, Deutschland angreifen werde. Das englische Volk würde es ablehnen, in einem solchen Falle zu den Waffen zu greifen. Man warnt davor, das Programm der Londoner Konferenz zu L'berla- den. wenn man nicht wieder Fiasko erleben wol­le. Die Londoner Konferenz sollte sich darauf beschränken, die deutsche Anleihe vorzubereiten, und die Vollmachten der Reparationskommission zu bestimmen. Für die Debatte sind achtzehn Redner vorgemerlt. ES sind zwei Anträge der Libelalen eingegangen, die vor einer Stellung­nahme des Hauses dieVorlegungderTa- gesordnung der Londoner Konferenz und der Pariser Beschlüffe verlangen. Eine Mehrheit für Macdonald ist jedenfalls gesichert.

Starrkopfe im Weißen Hau«.

London, 14. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Die Befürchtung, daß Amerika sich dem Pariser Kompromiß nicht anschließen würde, scheint sich zu bewahrheiten. Das amerikanische Staatsde­partement hat m einer offiziellen Erklärung mit. geteilt, daß Amerika seine bisherige Politik in der Reparations frage nicht zu än­dern gedenkt und sich infolgedessen auch nicht in der Lage sieht, einen aktiven Vertreter in die Repko zu entsenden, anzunehmen. Durch diese Ablehnung Washingtons sind die Vereinbarungen in Paris einer wesentlichen Voraussetzung beraubt und die Londoner Konfe- renz steht sich wieder erheblichen Schwierigkeiten gegenüber.

Moevonold soll mit ver Sprame heraus.

London, 14. Juli. «Siaene Drahtmeldunq.) Die Presse sieht der heute hn Unterhaus fiatt- sindenden wichtigen Aussprache über bie euro­päische Sage, den Dawesbericht und den Besuch Macdonalds in Paris mit großem Jnteress.- ent- gegen. Man erwartet weitere Informationen von Macdonald über gewisseSeiten seinesParifer Besuches und über das gemeinsame nach der Zu­sammenkunft in Paris ausgegebene Kommuni- gnö. Man will den Premierminister am Vor- ibendderLondoner Konferenz durch­aus nicht bebindern, aber zahlreiche Mitglieder des Unterhauses möchten gern wissen, ob Mac- donald bestimmte Gründe zu der Annahme hebe, daß die Vereinigten Staaten der Ernennung eines Vertreters für die RevarationSkommission zwecks Sicherung der Verwirklichung des Dawes- berickts zustimmen werden. Wenn irgend eine § r i t i k in der heutigen Debatte gegen den Da- wesplan taut werden sollte, so werde sie wohl in der Hauptsache von feiten einiger der An- bänger des Premierministers kommen, deren Unterstützung des Berichts nur lauwarm.

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DI» Neparationskonimission wirb sich fchlllskl"

Varis, 14 Juli (Eigene Drabtmcldung) Die Revaretionskommifston wird sich am Dienstag versammeln, um über die Suggestionen für die Durchführung des Dawesplgns zu beraten die der Londoner Konferenz zur Be- chlußfaffung unterbreitet werden sollen.

(Sin friedlicher Feldzug.

Die große Berliner Kommunitzenrazzia.

(Privat-Telegramm.i

Benin, 14. Juli.

Die am Sonnabend urch die Abteilung la des Berliner Polizeipräsidiums fortgesetzten Ber-

hastungen von Kommunisten haben bis zum Abend die Festnahme von weiteren dreiund- zwanzig Parteiangehörigen geführt. Unter den Verhafteten befinden sich wieder acht Beamte der russischen Handelsver- tretung, die auf Grund richterlicher Haftbe­fehle bereits in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert sind. Die Attion gilt auch fetzt noch nicht als abgeschlossen. Der Reichsanwalt weilte dieser Tage wieder in Berlin.

Ardrtterbotaillone schwenken ob.

Mannheim, 14. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Bei den gestrigen Betriebsräte-Neuwahlen ist ein bemerkenswerter Stillstand des kommuni­stischen Stimmenzuwachses eingetreten. Die Kommunisten gewannen keine neuen Sitze. Der Ausgang der Wahlen ist der Verlust von sechzehn der sozialdemokratischen Stimmen zu­gunsten der wchtvoltii'chen. Es wurden erstmals sechs deuffchvöllische Betrieräte gewählt.

Mit Vollmachten unterwegs

Amerikaner in geheimer Mission^ (Eigene Drahtmeldung.)

Washington, 14. Juli.

Es wird mitgetcilt, daß Staatssekretär Hug­hes, der sich mit Mellon nach London eingeschifft hat, bis zum 25. Juli in England bleibe und dann nach Paris reifen werde. Wahrscheinlich werde er sich auch nach Berkin begeben und Milte September wieder nach Washington zurück kehren. In gut unterrichteten Kreisen erklärt man, daß das Weiße Hans und das Staatsdevar- tement mit Acußermigen über den wahren Cha­rakter der Mission der beiden Staatsmänner zurückhalte, um der Opposition keine Angriffs­punkte zu bieten. Man vermutet, daß der Schatz- Sekretär Mellon über die Schuldenfrage verhau- dein wolle, während Staatssekretär Hughes mit den europäischen Regierungen über die politische Sage im allgemeinen sich besprechen wolle. Vor feiner Abreise hatte Staatssekretär Hughes eine lange Unterredung mit dem französischen und englischen Geschäftsträger über die letzte Bespre­chung zwischen Herriot und Macdonald. Auf der Dilichreise nach England erklärte der ameri­kanische Sachverständige Doung in Paris, daß seine Londoner Mission noch nicht klar definiert fei. Er erwarte Weisungen aus Washington, die es ihm gestatten, die Rolle eines offiziell beglau­bigten Schiedsrichters zu spielen. Ms offi­zieller Vertteter Amerikas soll der amerikani­sche Botschafter in London an der Konferenz teilnchmen während Oberst Logan der ständi­ge amerikanische Botschafter bei der Reparations­kommission ihn unterstützen werde.

3ranfrricB< und Belgiens Elite.

Paris, 14. Juli. (Eigene Drahtmeldung) Die französische Delegation für die Londoner Konferenz, die Dienstag vormittag ton Parts abreisen soll, wird sich vermutlich zusam­mensetzen aus dem Ministerpräsidenten Her­riot, dem Finanzminister Clemente!'und dem Kriegsminister Rollet, sowie Marschall Foch und seinem Generalstabsch-s. Sie werden von Vertretern der Reparationskommission, des Außenministeriums und des KriegsministerinmS begleitet fein. Diebelgifche Delegation für die Londoner Konferenz fetzt sich aus folgenden Persönlichkeiten zusammen: Den Ministern Hy­mans und Theunis sowie gleichfalls Mit­gliedern der Reparationskommission, des Knegs- minitzeriums und Sachverständigen.

Mussolini meldet London.

Rom, 14. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Die italienische Delegatton zur interalliierten Lon­doner Konferenz, die ans vier Mitgli edern sowie sieben Sachverständigen Wsam- mengesetzt ist, ist gestern abend abgereist.

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Foch al« Denkmalsredner.

Paris, 14. Juli. (Privattelegramm.) Mar­schall Foch hielt anläßlich der Einweihung eines .Kriegerdenkmals in Boulogne eine Rede, in der er für die Zusammenarbeit und die Eini­gung unter allen Alliierten eintrat. Der Sieg könne nur feine volle Wirkung haben, wem» die Alliierten bei der Lösung der Friedenspro- blerne ebenfo geeinigt feien, wie dies im Krieg der Fall gewesen fei.

Deutsches Golgatha. Sven Hedin über den Verfaillcr Schmachsrieden.

3» feinem im<£efd>einen begriffenen W:rkDon Peking nach Moskau» fdjlcubett Sven Hedin, ver weltberühmte Forschnngsreisende und Deut- schenfrennd, den ganzen Abscheu seiner Seele vor dem Schmachfrieden von Berfaille» der auf- horchenden Menschheit ins Gesicht, Anklagen, bie in diesen hochpolitischen Tagen ring« um den Erdball kreisen müßten. Zn MoSiau hat " Deurschtanbs vornehmsten Aristokra en, Brockborfs.Rantza«, besucht und schreibt dazu: In den letzten zwölf Jahren feiner diplomati- schen Laufbahn war Gras Brockdorsf-Rantzau mit mehreren verantwortungsvollen Austräzeil be­traut gewfen. Von 1912 bis 1918, Währeno des ganzen Weltkrieges, war er deutscher Gesandter in Kopenhagen. Im Dezember 1918 wurde er Staatssekretär des Auswärtigen. In dieser Eigenschaft stand er an der Spitze der dcnffchen Friedensdelegation in Versailles, wo ihm am 7. Mai 1919 die Vertreter der Alliierten die für Deutschland festgesetzten Friedensbedingungen übergäben. Damals war es, wo er mit einer Geste stolzer Verachtung das von Haß und Rwh- gicr triefende Dokument von sich fchob und seine Handschuhe darauf warf. itub damals war es, als er sitzend eine Antwortrede verlas, die die Anwesenden nicht vergesset sollten. Er saß wie auf der Anklagebank, wie ein Verbrecher, umgeben von einem Schwarm von Richtern. Denn der Frieden sollte zwischen Deutschland auf der einen und siebenundzwanzig Staaten auf der anderen Seite, darunter sechs Großmachteil, ge­schlossen werden. Der

Schauplatz des mörderischen Friedens ' war der Spiegelsaal; ein Rittersaal hätte ntdjt gepaßt. Wie blutdürstige Vampire saßen diese Staatsmänner, Clemenceau, Lloyd George und Wilson an der Spitze, um den Tisch, wo der einsame deutsche Aristokrat hocherhobenen Havpt- tes ihre Blicke auffing, die scharf und durchdrin­gend waren wie Dolchstiche. Der Frieden war die Krönung des Werkes und vollkommen wür­dig des feigsten aller Kriege der Ge- fckichte. Dorthin Versailles wurde ein halbes Fahr später das Deutsch: Reich hingemordet. Rem deutsche Provinzen wurden abgetreten, alle Kolonien gingen in die Hände der Sieg r über, und Deutschland wurde jeder Möglichkeit be­raubt, mit Waffen zu verteidigen, was von sei- nein Gebiete noch übrig war. Man feierte Or- gienderPlünderung.des Diebstahls und Raubes. man legte sich die deutsche Handelsflotte zu, man, raubte das Privateigentum der deut­schen Burger, das bei Kriegsausbruch in den Ländern der Entente, ja sogar auf deutschem Bo­den im Elsaß und in den deutschen Kolonien sich befand, ein Verfahren, das seinesgleichen wohl nur im Mittelalter findet, man erschwert» den freien Handel, man schonte nicht einmal die Tiere und machte Anspruch auf solche Mengen von Milchkühen, daß

Zchntausendc von Säuglingen sterben wußten. Nachdem der Feind auf diese Weise bis auf die Haut ausgezogen war, verlangt: man einen Schadenersatz, den Deuffchland niemals bezahlen kann. Die Ereignisse des Jahres 1923 haben gezeigt, welche Absichten diesen Forderun- aen zugrunde lagen, die Pfänder, der Einfall ins Ruhrgebiet, die Besetzung der Pfalz, die Mög­lichkeit^ die blutende Wunde künfttg offen zu hal­ten und das deutsche Volk unter französischen Reitpeitschen und Bajonetten zu Knechten zu machen. Im Namen der weißen Rasse und der abendländischen Kultur schickte man Neger­truppen aus Afrika in die besetzten Gebiete, um bie Geschlagenen zu demütigen und ihre jungen Frauen und Jünglinge einer bestialischen Wi­derlichkeit preiszugeben, die jeden anständigen Menschen vor Scham erschauern läßt. Die ganze Welt sieht zu, ohne einen Finger zu rüh­ren. Die Vereinigten Staaten, die die größte Verantwortung für den Ausgang des Weltkrie- ges tragen und die durch Kündigung der fran- -osischen Anleihen der Gewalt hätten einen Damm setzen können, sehen immer noch nicht ihre Pslicht ein, sich an den Versuchen zu betei­ligen^ Europa zu retten, ehe es zu spät ist. Eng­land w'll, aber kann nicht, wenigstens jetzt nicht. Unterdessen rast Europa blindlings mit verbang-- ten Zügeln dem Abgrund oder dem nächstens Weltkrieg zu Die Bolschewiki zu verurteilen, findet man feine Worte, die stark genug sind. Aber ist man fetbft auch nur um ein Geringeres besser? Alle Grausamkeit gegen lebende Wesen ist widerlich. Die Novemberrevolution 1918 ver­lief wenigstens schnell, während bie Ausb'kuge- rung der armen Bevölkeruna in den besi-tzteu Gebieten Deutschlands sich Zeit läßt. Es möge erlaubt sein, die Feuerbestattung der Beerdigung bei lebendigem Leibe vorzuziehen. Wir leben in einer von Lügen vergifteten Atmospbäre. Wohin wir uns auch wenden, hören wir die beimtücki- scken Reden der falschen Propheten. Sie kom­men zu uns in Schafflcidern, aber innen sind k reißende Wölfe. An ihren Früchten werden wir sie erkennen. ..Man erntet nicht Wemtr.iw ben von Dornen, nicht Feigen Von Disteln.- So-