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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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tageS.

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Nummer 156.

Einzelnummer 10 W-. Sonntags 15 Pf.

Sonnabend, 5. Juli 1924.

Einzelnummer 10 Pf„ Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang

Sie Ablehnung der deutschen Vorbehalte.

Sie Geschäftsftille.

Deutschland und die Weltwirtschaft.

Gläubige sehen das Dawesgutachten als die einzige Medizin gegen die Krise an, die nicht nur die deutsche Wirtschaft ersaht hat. Das gold satte Amerika verspürt die ersten Wirkungen einer Galdrnflation; der Diskontsatz sinkt und wird weiter abnehmen, und als Weltbaiikier fehlt dem Amerikaner jene jahrzehntelange Schulung des Briten. Er bleibt ein kleinlicher Rechner, der mit wenigen Dollars gegen Wu­cherzinsen die europäische Wirtschaft und Politik in die Tasche stecken möchte. Rach halbamtlichen Tabellen liegender afrikanischen Produktions­kosten die schon in Friedenszeiten durchweg be­deutend höher als die deutschen oder britischen waren, in der dritten Juniwoche noch um 49,4 Prozent höher als 1913 (in England im Juni 1924 etwa 65 Prozent). Die außerordentlich aktive amerikanische Handelsbilanz täuscht nicht darüber hinweg, daß Amerika im Beginn einxr ProdukrionSkrise steht. In der Landwirtschaft ist sie offenkundig; düs kalte ame­rikanische Frr-hiahr hat zwar schätzungsweise die kommende Weizenernte um 93 Millionen bushels verringert, aber die großen Lagerbestände und die finanziellen Berpstichtungen der amerikani­schen Landwirtschaft werden einer Preisaufbeffe- rung entgegenwirken. Die amerikanische Eisen- und Stahlindustrie hat im Mai und Juni eine Krise erlebt, wie sie seit 1907 nicht zu verzeich­nen war; kaum 40 Prozent der Prvdnktionsmög- lichkeiten wurden erreicht Die Automobiftnbu» strie liegt Ltfrm. in der amerikanischen Textil­industrie herrscht starke Depression, und nur die Oelproduktion hält sich auf dem alten Strmd- pimkt. Das amerikanische Baugewerbe, aber auch das englische, profitieren allein aus der Krisenzeit.

Die amerikanisch. Produktion wird nunmehr, da sich von Woche zu Woche di» Weltwirtschafts­krise umfassender bemerkbar macht, stärker als bisher den Wettbewerb auf den euopäi- schen Märkten aufnehmen, genau so. wie England alles darauf vorbereitet. AuS den Diskussi/onen in der englischen und amerikani­schen Wirtschaftspresse geht überdies hervor, daß die amerikanische und enalische Finanz in erster Linie Kredite Me die Ausfuhr von Fertig- fghrikaten dieker Länder bereitst essen soll. Wenn in Deutschland angenommen wurde, bn Zusam­menhang mit der Durchführung des Dawes- gntachtens mtb der Reparationen, die nur ans einem Ausfuhrüberschuß geleistet wer- den können, werde das ausländische Kapital die deutsche Produktion wieder anku'-beln. so ist die Behauptung doch sehr bedingt. Es ist he-eichnend, daß gerade die Briten einen fran­zösischen Versuch, durch schwere Belastung deutscher Großindustrien diese Firmen durch lleberschuldunq in ihre Hand zu bringen, abge­lehnt haben, da eine von England und Amerika twabhänaig« P--odukti"n den ganzen kaufmän­nischen Plan dieses Weltbandelskon«erns zer­stört ($s ist unerfindlich, inwiefern ein Interesse dieser Mächte für eine Stärkung und W-e^erbe- leb"ng brr europäischen Produktionskraft liegen sollte. Wenn z. V. ietzt die Briten mit einem oewillen Hohn mtf die Schwierigkeiten Hinwei­sen. die nach einiaxf, Monaten fiir bfe vom deut­schen Kurs anhängigen französisch'» Dtabl- prodn,enten entflef-en werden, dann liegt do'in das w,ch>re h-itilche Proarcwmi «nd nicht in dm offiziellen Bbr-sen, bte Weltwirtschaft müsse durch den mittelenroväifchen Kreis wieder rei­bungslos laufen, wenn d»s zunächst auf Kosten des englischen und amerikanischen Handels ge- schfibe.

R»ch immer, da? darf man Nicht versessen, beläuft fich die Sa*f de» rt»beiisk-ftn allein in England mtf k-ber eine Mission Sie bat in den lebten sogar nach znaeno'wnrn. '»nd eine Bernä-fi-na der deutschen Musst,br. wie sie in Deutschland tw«, ch>a»»^ga,nachten erhofft wird, wst-ch- k>f-se .ftiE-r schnell hsh-r ff»tfe*n lassen. Wieses Rfuka will abe» weder Maedongld n-ch iro-nd ein »»nftsche-. »wftrtnirt eingehen. Da- genau bat dgs Bugle-gl-ne-irane-firm ein d-in- a-ah-s ^ruterassa daran. ^n-'«tschsaun zunächst zur Anlnobn,e nag Bertiowgren zn bewe­gen Ma-g« agb es saaar fff er „uh da Vrivar» k-edfte Ni» sch-nie-iae Laos der dezft-

fch-a ^--L'ilseftndi,n«i^ »efat dgst Wp deutsche Mi-tschg-e a-.° Ü* r-r-Vf aessesst bleibt und W» b-n wi-d Das Mieuu--glbka>awen bat nnle»'» gn-niad.^r»-» d»-n fft ♦. t n ngt.» abne dab die b«st?rch» Wirtschaft saaderfich Nch h'»™"’ WeraW» e^re Nt»raiche,,^a aber ?r»an- ,iiss»»nua in Eaalgad ,,uern>"»nicht ab„T Nnn, britifch-n -0--g>.dw.nft a"s sN die teilt 1» ftgg- fü- i0nala--st snnner nach e-träaft--e« afs es eine 'rnbeschene-n» da,stich» on-rftnbnNeie wäre

(S-n twnw>t Ser inech-dar» w i e d e sg g n a t,»s deutschen iitustenbandels nichz rtitefn a»,s d-'-tschen tt«sa-st»n b»ra"s Er b-chäat beute U'»r 15 Bro reue des N-ri-denZbgndels Die E i n- '" b r Von Fertiasabrilaten und Lur"sarft'e'n

ist dagegen ungeheuerlich gestiegen, und zwar auch von solchen Waren, die wir in Deutschland hätten Herstellen können. In einer augcfelKiitn englischen Finanzzeitschrist wurde kürzlich der Schachtsch« Rat aufgegriffen, die deutsche Pro­duktion solle sich ihrer Warenläger entledigen, da die Ententewittschasten kein Interesse daran hätten, Betriebsmittel für die deutsche Industrie zu geben. Dagegen ist man anscheinend bereit, ht London und Amerika eine russische (!) An­leihe von über 1 Milliarde Dollars vorzubrreiten.

Deutschlands Versklavung.

Alle Vorbehalte werden abgelehnt.

(Eigener Drahtdericht.)

Berlin, 4. Jul'.

Der Berliner Berichterstatter der Londoner „Morningpost" meldet, daß ein Borgehen des englischen Botschafters beim Außenminister er­folgt sei zu dem Zwecke, Deutschland zum Ver­zicht auf seine neuen Vorbehalte in der Entwaffnungsfrwze und in der Frage der Sach- serständigeugutachten zu bewegen. Großbritan­nien könne eine neue deutsche Sabotage (?) an den einmal angenommenen Forderungen nicht alS einen Beweis des guten Willens Deutsch­land« ansehen. Besonders hat in London ver­stimmt, daß Deutschland die Annahme der Ge­setzentwürfe zur Durchführung des DaweSpla- nes von den Vorbehalten abhängig machen will. — DaS „Journal" meldet aus Paris: ©cfu... mittag wurde eine kurze Havasnote aa dir Presse ausgegebe«, wonach der alliierte Ministerrat in Versailles d'e deutschen Vorbehalte zur Entwass- nungsnote abgelehnt hat. Am Nachmittag trat der Botschafterrat zusammen. Die Sitzung dauette bis ,mu Abend.

* » * voincarss Vvlttik wird fortgesetzt.

Paris, 4. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der Pariser „Mattn" meldet, daß H e r r i o t di« be­stehenden Abmachungen Frankreichs mit Po» l e n, mit -er Tschecho-Slowakei und I «• goslavien, die das Kabinett PoincarL alS Urheber haben, ausdrücklich als für sein Kabi­nett verbindlich übernommen hat. General Rol- let hat die unbedingte Notwendigkeit einer engen Berständigung mit diesen Staaten „im Interesse der Sicherung Frankreichs" vor einem neuen „deutschen Ueberfall" dargelegt. (!)

•

Der „Friede Ser Well".

Berlin, 4. Juli. (Privattelegramm.) Nach einer Meldung pes Pariser „Journal" hat sich der neue Vorsitzende der MilitSrkontrollkommis- fion, General Walch, in Begleitung von sech­zehn französischen Offizieren, die zur weiteren Ergänzung (!) der Kontrollkommission für Deutschland bestimmt worden sind, gestern nach Berlin begeben. Der General hat dem Journal- Vertreter vor der Abreise erklärt, er glaube an den Frieden der Welt, sobald Deutschland rest­los entwaffnet sei. (!) - Mit dieser mfa- men Heuchelei sollen nur die französischen Kriegsrüstungen verdeckt werden. Gerade Frankreich ist eS, das den Friede» der Welt ge­fährdet. Walch weiß ebenso gut wie sein Bor- Sänger Rollet, daß Deutschland biS zur Ohn­macht entwaffnet ist.

• Die Kontrolle.

WiS, 4. Juli. (Telegraphischer Bericht.) Wie „Petit Journal" mitteitt, ist im Verlaufe der «estrigen Batschasterkonfercnz beschlossen worden, daß die neuen Sontrollmaßna^ne« in Deutschland am 20. Juli beginnen sollen Die Botschafterkonferenz hat hinsichtlich des Zett- punkies, an dem voraussichtlich die letzte Son- trollopcration beendet sein wird, feine Berpstich- mng übernommen

Zwei katholische Parteien.

Bayttsche BoikSpartei und Zentrum.

(Privai-Ttlegramm.)

München, 4. Juki.

Zu der kürzliche« Zusammenkunft von Ver­tretern der Bayrischen VolkSpartei und des Parteivorstandes des Zentrums schreibt die Bayrische BolkSpartei-Korrespondenz unter anderem: Die Besprechung hatte den Zweck, einen Gedankenaustausch über die schwebenden Post- und Eisenbahnfragen zu pflege«. Außerdem kam auch das Borgeheu der Zen» trumsfraktion bei den letzten Reichstags- wählen in der Rhrinpfnlz' und im rechtsrheini­

schen Bayern zur Sprache. Heber diese Spezial- punfte hinaus wurde bei der Besprechung verein- bart, daß in Zukunft bei allen großen politischen Fragen, die irgendwie mit den gemeinsamen In­teressen der beiden Parteien in Zusammenhang stehen, zwischen der Fraktion des Zentrums und der Fraktion der Bayrischen Bottspartei eine unverbindliche Fühlungnahme aus­genommen werden soll. Ausdrücklich wurde von den Unterhändlern der Bayrischen Bollspartci betont, daß unter den gegenwärtige« Verhält­nissen an dir Errichtung irgend einer Arbeits- gemeiaschast, wie sie bis zum Jahre 1920 bestanden hat, nicht gedacht werden kann, da sich dir Bayrische VolkSpartei ihre vollkommene Selbständigkeit in jeder Beziehung wahren müsse. Watz aber nicht daran hindert, dann gemein- samvorzugehen, wenn gemeinsame Auffas- sungen und Interessen vorhanden seien.

®Se Länder zum Reich.

Ministerpräsidenten stütze« die Reichsregterung. (Privat-Telcgramm.I

Berlin, 4. Juli.

Die Besprechungen der Reichsregierung mit den Staats» und Ministerpräsi­denten der Länder begannen gestern um zehn Uhr in der Reichskanzlei. Sämtliche Lan- deschess, meist unterstützt durch die Berliner Ver­treter, waren anwesend. Zu Beginn der Sitzung ergriff zunächst Außenminister Stresemänn das Wort zu längeren Ausführungen, in denen er über die außenpolitische Lage berichtete. RcichS- finanzminister Luther beschäftigte sich dann in ausführlichen Darlegungen mit den finanzielle» Problemen, insbesondere im Znfammenhang mit vem Sachoerständigen-Gutachten. Eine längere Debatte im Anschluß an die Reden wurde um ein Uhr unterbrochen. Nach einem gemeinsamen Frühstück wurden die Beratungen um drei Uhr fortgesetzt und gegen sechs Uhr abends beendet. Ueber diese Besprechung wird solgender amt- sicher Bericht verössentlicht: „Die Reichsrrgie- rung beriet heute in eingehenden Erörterungen mit den Staats- und Ministerpräsidenten der Händer die politische Lage unter besonderer Be­rücksichtigung d«D»rchsührungdesSach- Verstäudigen-Gutachtens. Mit Aus­nahme des Vertreters von Mecklenburg-Schwerin erkannten alle Chefs der Länderregierungen trotz schwerwiegender Bedenken gegen manche in dem Sachverständigen-Gutachten enthaltenen Forde- rangen erneut das Borgehen der Reichs­regierung, die baldige Durchführung des Gutachtens zu erreichen, al» r t ch t i g an."

Itevislon der Derfossung.

Berlin, 4. Juli. (Privattelegrarmn.) Rach der gestrigen geinsinsamen Sitzung der Minister­präsidenten der deutschen Länder in der Regie- rungskanzlei fand eine einstündige Unterredung deS bayrischen Ministerpräsidenten mit dem Reichskanzler statt. Taz» wird heute früh aus München gemeldet: Die Unter­redung gati dringenden bayrischen Forderungen nach beschleunigter Inangriffnahme einer Re- Vision der Weimarer Bersassung. Ter Kanzler hat im Namen der Reichsregterung zu- gesichert, die Revisionsfrage sofort nach Erledi­gung der Verhandlungen über die Sachverstän- digen-Befchlüsse in Angriff zu nehmen.

Londoner Konferenz. •

Umständliche Vorbereitungen der Alliierten.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 4. Juli.

Reuter erfährt, daß, obgleich die Vorberei- tungen für die bevorstehende Alliiertenkonferenz in London fortgesetzt würden, doch noch zahl­reich« Fragen umzeüärt seien. Reuter fügt hin­zu, der Zeitpunk -sei endgültig auf den 16. Juli festgesetzt worden. Es sei ftt den Einladungen besonders erwähnt, daß die mt Japan, Frank­reich, Belgien und Italien gesandten, von die­sen Ländern angenommen wurden. Eine Ein­ladung in anderer Form wurde auch von Ame­rika angenommen. ES bestehe der Plan, d-rß alle a« den Reparationen interessierte Staaten Gelegenhett habe« solle«, teilzunehmen, aber bisher sei in der Frage dieser Einladung, die gegenwärtig geregelt wirp, noch nichts Endgül­tiges beschlossen. Die Frage der Hinznzichnng der britischen Dounnions wird ebenfalls erör­tert. ES wird erwartet, daß einige europäische Länder von ihren diploanttischen Vertretern in London vertreten sein werden. Bisher ist je­doch «och nichts Endgültiges bezüglich der Aus­wahl der Delegietten bekannt. Hinsichtlich Italiens steht Je$t sest, daß Mussolini nicht kommt. Mvn glaubt, daß Italien durch seinen FiMnzmknifier vertreten sein

Abbau im Rathaus.

Ciu-Bürgsemeifter-Stzftem in Kassel.

Sc» «Bfcatt Beim Staffele* Magistrat Bildete de» Sern einer gestrigen antzerord-ntlichen Dersammlnng der Stadtverordneten.

Die Tribünen waren wieder bis zum letzten Winkelchen besetzt. Oberbürgermeister Scheide-- mann blieb dieser Sitzung begreislicherweise fern, wähxend Bürgermeister Brunner :m Urlaub weitt, den er nach der Montagssttzung angetreten hat. Den Bericht der bekannten Äbbau- Kommisston erstattete bann ruhig und sachlich der Zentrums-Vertreter Stadtverordneter I s e r - mann Er bejahte die Zuständigkeit der Stadt» verordneten-Versammlung, über die Einführung eines anderweiten Bürgermeister-Svftems zu be» schließen. Schon das letzte Stadkparlament har die Ab'baufrage erörtert, mit Rücksicht auf die Wahlen jedoch die Lösung dem fetzigen Parla­ment überlassen. Der Abbau-Ausschntz, der ein­gehend alle Seiten der Angelegenheit erörtert hat, übertrug die Entscheidung den Parteien, da eine Einigung nicht erzielt werden konnte. Auf bür­gerlicher Sette ist man einhellig der Ansicht, daß mit einem Bürgermeister auszukommen ist. Was weiter gesagt wurde, findet seinen Niederfchlig in folgendem Antrag der Vereinigten Rechten und des Zentrums:

Gemäß der preußischen Personalabbauverord­nung vorn 8. Februar 1924 ist die Stadtverord­netenversammlung für den Abbau der besoldeten MagistratSmitglieder und Beigeordneten zustän­dig. Nach Prüfung der Angelegenhett und Be­richterstattung durch einen besonderen Ausschuss der Stadtverordneten - Versannnlung beschließt Ic^tcrc ♦

1. Es ist für den Da» erzustand als aus­reichend anzusehen, wenn der Magistrat unter Aufrechterhaltung der Magistrats-Verfassung be­steht nuS:

einem Bürgermeister mit der AmtsSezcich- nung Oberbürgermeister (besonderes Tätigkeits­gebiet: Finanzangelegenheiten),

fünf besoldeten Stadträten (je einem Sach- verständigen)

a) für Verwaltung?-, Personal-, Rechts- und Steuerangelegenheiten,

b) für Sckulangelegenheiten, ,

c) für Bauangelegenheiten,

d) für Fürsorgeangelegenheiten,

e) für WirtschastS-, Gewerbe» und Verkehrs­angelegenheiten.

Ejncr der besoldeten Stadträte ist als Beigeord» netcr zum Vertreter des Oberbürgermeisters zu bestellen. Ob daneben auch unbesoldete Beige­ordnete einzusetzen sind bleibt besonderer Be­schlußfassung Vorbehalten. Die Amtszeit der jet­zigen unbesoldeten Beigeordneten erlischt mit dem Ablauf des Monats Juli 1924. Das Gehalt der künftigen einzigen Bürgermeisterftelle wird durch besonderen Beschluß der zuständigen Kör­perschaften festgesetzt.

Dieser Antrag wurde ausdrücklich als Rah­menantrag bezeichnet. Ebenso sachlich wie Rek­tor Jsermann vertrat Landesrat Haring den sozialdemokratischen Standpuntt, der so präzis ist, daß eine einigende Formel mit den Bürger­lichen nicht geftrnoen werden konnte. Man konnte sich über ein großes Reformprogramm verstän­digen, dos aber nicht in Kommissionsverhcmd- lungen ermöglicht werde, sondern tn inniger Zu­sammenarbeit zwischen Magistrat und Stadtver­ordnetenversammlung. Redner erwähnte itnt-» anderem, daß sich der Oberbürgermeister das De- zernat über die gewerblichen Werke Vorbehalten habe. Iw übrigen haben von jeher die Ober­bürgermeister von Kassel lediglich die allgemei­nen Angelegenheiten verwaltet. Der eigentliche Efscki, zu sparen, werde nicht erreicht, weiter sei es dem Ansehen der Stadl Kassel nicht dienlich, wenn sie nur einen Bürgermeister habe. Man möge nicht einer (Reffe ober einer Theorie zuliebe waren. Mit aller Beredtsamktzit setzte sich Red» ner für die Aufrechterhaltung der sozialen Ein- richnmaen ein ttnb schilderte dabei die ungeheu­ren Aufgaben de? Juaendcnntes. daS unter an» herem dreitausend gefährdete und verwahrloste Kinder zu betreuen bat. Entbehrlicher hielt er ein besonderes VertehrSdezernat. Bitter noiwen- dia fei dagegen ein Dezernat für Arbeiterftirforge. Der von ihm vertretene sozialdemokratische Än- trag ging dabin, den städtischen Körperschaften die

Besetzung freiwerdender Stellen

w überlassen. Ms der nächste Redner. Stadlv. Steuer (53. R.) vom Stadtverordneten Haupt mit dem Zurufe „begrübt* wurde: „Jetzt kommt rtn alter Sachkenner* gab Steuer seinem Wiber- acher ben Rot. die Anleoenbeit ernster ,« nehmen und berief sich darauf, daß die ausführlichen Dar- legunaen Härings ohne jeden Zwischenruf von '"ärgerlicher Seite aufaer.ommen Worben sinb. Dann erinnerte er die Soiialbemokraten daran, wie sie die B-fetzim« des b'sberiaen Wittrockschen Dezernat? mit allen Mitteln der Maiorität durch» wsetzt haben und gab der Verwunderung dar­über Ausdruck, daß bi» Linke jetzt zur Beschütze­rin her oberen Recn»nen geworden ist. Sonst trete sie nur für den Schuß be- unteren und mitt- ’cren Beamten ein. die bei einer Schonuna der