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Hessische Abendzeitung

u. 952.

Sonnabend, 28. Juni 1924.

Einzelnummer 10 Pf- Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang

Nnmmer 150. Einzelnummer 10 Pf- Sonntags 15 Pf.

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Um die Antwort auf die Enkwaffnungsnole.

swow^teyiHi® Dcuffchland wird nichts erfpatt

Herriot vollstreckt die Politik Poincarös

Belgien, das bisher stets in der Zwangs­lage zwischen seinen großen Verbündeten Eng­land und Frankreich gestanden bat und ost mehr nach England als nach Frankreich neigte, weil es so am schnellsten in den Besitz der deutschen Zahlungen zu gelangen glaubte, ist nun mit einmal, wo sich Frankreich und England einig geworden, störrisch, äußert Bedenken auf

für den Fall etwaiger Verfehlungen müsse noch geprüft werden. Seine Unterhaltung habe auch die Frage einer Garantie für Frankreich gegen einen deutschen An­griff betroffen. Die Sicherheiten, die der Friedensvcrtrag gebe, habe er, so erklärte Ker­nst weiter, nicht aufgeben können. Die Sicher­heitsbedingungen im Gebiet der franzöfisch-bel- gischen Regie sollen ittflitärischen Sachverständi­gen unterbreitet werden. Damit Europa im Frieden leben könne, müsse Deutschland entwaffnetsein. (!) EMärungen und Ver­sprechungen können Frankreich nicht genüoen. Die Ansicht Macdonalds stimme in dieser Frao- mit der seinigen vollkommen überein. Für die deutsche Regierung sei der Augenblick schlecht ae- wahlt gewesen, einen neuen Modus für Bcr Handlungen zu suchen. Deutschlands Interesse bestehe darin, so rasch wie möglich die notwen­digen Maßnahmen zur Durchführung des Da- wesplanes zu ergreifen Hinsichtlich der von Macdonald vorgeschlagenen und von Herriot angenommenen

Londoner Konferenz

werde er dem auswärtigen Ausschuß noch Auf­klärung geben. England wünsch«, daß sich Deutschland durch unterschriebene Verpflichtun­gen binde. Er. Herriot, habe alle D o r s i ch t s- maßregeln getroffen, damit diese Ver­pflichtungen keinerlei Neuerung des FricdenS- vertrages von Versailles vörsehen. In den Vertretern Englands, Frankreichs und Belgiens sei der einmütige Wunsch gefestigt, einen Frieden aus der Grundlage der GerechtiKeit (?) zu schaf- fcn. Deutschlands Eintritt in den Völker- bund werde nur von Deutschland selbst ab­

verteuernde Momente

vorbanden, vor allem die Steuern, bl: für ein Unternehmen im Durchschnitt aus zehn bis fünf­zehn Prozent gestiegen find Die sozialen Lasten baben fich gegenüber der Vorkriegszeit vervierfacht. Ms ein nicht zu unterschätzender Vertenernngsfaktor muffen auch die unprodukti­ven Löbne betrachtet werden, die in ganz an­derem Ausmaße fcstznstellen find als fifiber. Diese Tatsachen 'gleichen wieder die gegenüber den anderen Ländern bei uns herrschenden niedri­geren Löhn» *r* Der vorstehende geschilderte

Airs dem besetzten Gebiet.

Gefangenenfreilassung. AuSgewiesenenrückkehr (Amtliche Drachtmeldung.)

. daris 27. Juni. (Telegraphischer Bericht.) Im französischen Senat verlas Miilisterpräst- dent Herriot gestern eine schriftliche Erklärung, tn der er u. a. susführte, er habe sich nach Che- quers begeben, «an mit Macdonald Arrange­ments zu diskutieren, die geeignet feien, den Sachverständigenplan zur Ausführung -* Er vertraue auf die Annahme des Planes. Die Alliierten müßten Sicherheit verlangen, daß ihre Forderungen an Deutschland einen kommerziellen Wert tragen. In der Frage der militärischen Besetzung des R uhr g e b i e t s baben die Regiernngen Frankreichs und Belgiens ihre Handlungs­freiheit nicht aufgegeben. (') Man habe Verfehlungen Deutschlands in der Ausfüh. rung des Dawesvlans ins Auge fassen müssen. Macdonald habe ihm bestätigt, daß für den Fall, daß Deutschland versage, Großbritannien sich feierlich verpflichten Werve, an der Seite der Alliietten zu bleiben. Das Vorgehen

Berlin, 27. Juni.

Der französische Ministerpräsident hat die deutsche Reichsregierung mnttich davon in Kenntnis gesetzt, daß seine in der ftanzöfischen Kammer abgegebene Erklärung über die Frei- laffung der Gefangenen und die Wiederzulaffung der Ausgewiesenen bereits durch entsprechende Weisungen an die franzk fischen Besatzungsbe­hörden in die Tat umgesetzt worden ist. Wie die Meldungen aus dem besetzten Gebiet bestä­tigen, find diese Weisungen schon seit einigen Tagen in der Durchführung begriffen. Bisher ist für den französischen Besetzungsabkcknitt des a ltbefetzten Gebiets 7400 Familien, also etwa 30000 Personen die Rükftehrerlaubnis erteilt worden. Am 25. Juni hat die Rheinlandkom­mission die Aufhebung weiterer Ausweisungen aus dem altbefetzten Gebiet in etwa gleichem Umfange beschlossen, sodaß jm ganzen etwa 15000 Familien bezw. 60 000 Personen die

Rückkehr in ihre rheinische Heimat ermöglicht ist Gleiche Maßnahmen sollen für das neubesctzte Gebiet ergehen. Sonach ist damit zu rechnen, daß in kürzester Frist dem größten Teil der Austzewiesenen dir Rückkehr ermöglicht und de« Mehrzahl der Gefangenen aus der Zeit des Ruhrkampfes die Freiheit wic- dergegeben wird. Früher sind bereits auch die deutschen Gefangenen aus St. Mattin de Re

Am die Entwaffnungsnote.

Die Regierung hat angenommen?

(Privat-Telegrmmn.)

Berlin, 27. Juni.

Die gestrige Sitzung des Reichskabinetts hat tue Feststellung gebracht, daß die Entwaffnungs­forderungen der Entente einstimmig angenom­men werden. Ein formeller Beschluß des Reichs­kabinetts ist nur deshalb nochmal^ ausgesetzt worden, weil die Formulierung der Einzelhei­ten der Durchführung der Entwaffnungsforde- ruug erst am Sonnabend zum Abschluß kommen. Ter heutige Empfang der Deutschnationalen in ber Reichskanzlei wird an der bereits festgeleg­ten Stellungnahme des Kabinetts nichts mehr ändern. Uebrigens hat auch die Sozialdemo­kratie sich für heute bereits bei dem Außenmini­ster Sftesemann zu einer Besprechung ängesagt.

e

Broten fier Deutschnationalen.

Berlin, 27. Juni. (Privattelegramm.) Bei dem hcuiigeu Empfange der Deutschuationaicn beim Reichskanzler werden diese durch Groß­admiral von Tftpitz, Hergt, Hötzsch und Graf Westarp vertreten sein. Mit der endgültigen Beschlußfassung der Entwaffnungsnote ist, dem Lok.-Anz zufolge, nicht vor Montag zu rechnen.

Denn wir wissen eS fa schon zur Genüge, daß anaenonrmen wird und daß die deutschen Reichs- wehrofiziere, die sich schon starke Demütigun- gen seitens der alliierten Kontrolloffiziere ge­fallen lassen mutzten, auch diese Demütigungen hinnehmen müssen in stummer Disziplin. Die Politik der internationalen Ideologen kann zwar tat Augenblick daran hindern, zu sagen, was das deutsche Volk denkt, aber den Gedan­ken wird sie nie ertöten, datz sie es war. die dem deutschen Volke die letzte entwürdigende Schmach ausgezwuHgen hat in einer Stunde, da eine neue Hungerblockade der Wirtschaft neuen Zusammenbruch herauszuführen drohte. Und dennoch heitzt es auch in dieser Stunde wie­der: Wer die besten Nerven bat, behält die Oberhand. Schon schreibt die Times höchst pes- simisiisch: Die Zeit drängt, fast alle beteiligten Regierungen befinden sich in ungewisser Sage. Regierungskrisen in England, wo Macdonald durch feine fünfte Regierungsniederlage mit 140 Stimmen Minderheit immer deutlicher seine Macht schwinden sieht, Regierungskrise in Frankreich, Belgien und Italien. Ein Schritt in dieser Stunde zu weit ist der Schritt in den Abgrmck, denn keiner kann die Loyalität der kommenden Regierungen und ihre Vettrags- treue garantieren.

Die scharfen Antworten, die der belgische Mi­nister dem Mattnkorrespondenten gegeben hat, kennzeichnen die kommende Entwicklung. Dreier­lei Garantien werden bestimmt aufrecht erhal­ten: allgemeine, wirtschaftliche und politische. Die polifischen Garantien, die nach den belgi­schen Aenßerungen noch von den Gläubigerstaa- en vereinbart weiden sollen, werden rein mili­tärischen Charatter tragen mit dem Ziele eines geschloffenen alliierten Auftnarschplanes in Deutschland selbst. Dazu die Aufrechterhaltung der militärischen Besetzung bis zur völligen Un­terbringung der aus dem Dawesgutachten auf» zubringenden deutschen Staatsbons. Da diese Unterbringung nach dem Urteil affer internatio­nalen Finanzsachverständigen eine glatte Un­möglichkeit ist. also Besetzung auf unabsehbare Zeit. Dazu aber auch die militärrsche Kontrolle der drei strategischen Aufmarschbahnen gegen Deutschland. Dazu die Legalisierung der alliier­ten Einmischung in die deutsche Verwaltung, die selbst ein Clemenceau noch abaelehnt hatte. Gerade auf diese Erweiterung der alliierten »Rechte" kommt es den Ministern der Alliierten an, eine Erweiterung, die von den Ministern der Alliierten offen zugegeben wird.

Aber nicht nur der Geist, ta dem die Ver­handlungen mit Deutschland geführt werden sollen, erfahren eine krasse Beleuchtung durch die Erklärungen des belgischen Ministers, son­dern vor allem auch die konkrete Art und Weise der Einzeldurchführung. Ein Zeitpunkt für die

Zahlungsunfähig.

. Täglich 40 dis 50 Konkurse.

Die Besch ftstrise in Deutschland hat einen ko großenUmsang angcnommen.datzÄvnkurse , in Massen angenieldet werden. In Der

dindnng 6an* t steht anch der Preisaddau. [ Die Wirtschaftskrise bat in der dritten Juni- dekade einen Grad erreicht, der alle vorhergehen­den, im Gefolge der Geldknappheit be­obachteten Erscheinungen weit in den Schatten : stellt. Als es im Avril bereits etwa zehn ' Konkurse täglich gab, glaubte man diese ' Tatsache schon als eine Art Höhepmttt der Krise betrachten zu muffen. Die Schwierigkeiten neh­men indessen derart überhand, daß man nicht 1 lange Zeit danach die doppelte und etwas später sogar die dreifache Zahl von Konkursen und In­solvenzen zu verzeichnen hatte. Diese Kurve hat sich leider immer weiter nach oben entwickelt; gegenwärtig haben wir es sozusagen mit einer Hochkonjunktur in Zahlungsschwierigkeiten zu j tun. Heute allein werden nickt weniger als , tun tundvier zig Konkurse bezw. Fälle ' von Insolvenzen angemeldet. Im Zufammen- ' hang mit der neuen Verfügung des Justizmini- stets, betreffend die Stellung unter Geschäfis- , aufsicht macht sich gleichzeitig bei allen denjenigen, die vor Erlaß der neuen Verfügung unter Ge­schäftsaussicht gekommen sind, das Bestreben ; dem et kb ar. unter allen Umständen möglichst zu einem Vergleich mit den Gläubigern zu gelangen, da bekanntlick nack dem 28 dieses Mo­nats. wenn bis dabin die unter Geschäfts tufficht stehende Finna keinen Vergleich abgeschlossen hat. nur der Zwangsv-rgleich bezw. Kon­kurs in Frage kommen mitatc. Rach der neuen Verordnung läuft die GefchästsaufsiÄr zwei Mo­nate, und wenn innerhalb dieser Frist nickt eben­falls ein Vergleich zustandegekommen st, wird der Zwangsvergleich bezw, der Konkurs herbei- gefübrt Die vorstehend angeführte Tatsache, daß die in Schwierigkeiten befindlichen Firmen möglichst zu einem Vergleich kommen to offen, ist natürlich von großem Einfluß auf die Preis­gestaltung. Der Preisabbau ist teilweise be­reits soweit gediehen, datz einige Artikel unter dem Weltmarktpreis liegen. Insbesondere hat sich bei vielen Lebensmitteln die Preissenkung soweit durchgesetzt, datz sie

annähernd den Vorkriegsstand erreicht haben, teilweise sogar noch tiefer liegen. Bei- jpielsweise stellt sich der Weizen im Jnlcmde auf 16,20 Mark, während der Weltmarktpreis 19,53 Mark beträgt. Bor dem Kriege kostete der Zentner Weizen im Island e 19,89, auf dem Weltmarkt 14,86 Mark, stand also hierzulande über dem Weltmorktvreis. Desgleichen sind Kar- tof fein bei uns billiger zu haben als zum Bei- kviel in England. Dort kostet jetzt ein Zentner Kartoffeln 24.30 Mark gegenüber 7,97 Mark vor dem Kriege, während sich bet uns der Zentner Kartoffeln auf 6.60 Merk, also fast viermal bil­liger als in England stellt, gegenüber 5.42 Mark vor dem Kriege. Bei F l e i f ch ist die Preissen­kung im Großhandel zum Beispiel bei Ockfen und Schweinen auf etwa 75 Prozent des Vor- kriegsniveaus gegangen, die Großhandelspreise sind also rund 25 Prozent billiger als vor dem Kriege. Im Kleinhandel ist dieser Rückgang bei Fleisch allerdings nickt in demselben Um­fange wahrzunehmen, da fich erstens die Kredit- Restriktion im Kleinhandel nickt so auszewirkt bat wie im Großhandel und zweitens, weil im Kleinhandel noch manniafaltiae andere verteu­ernde Momente hinzukommen. Während vor dem Kriege der Kleinhandelspreis etwa 68,7 Prozent über dem Großhandelspreis lag, beträgt der Kleinhandelspreis beute 129 Prozent des Groß­handelspreises. Immerhin baden die Kleinhan­delspreise für Fleisck annähernd das Vorkriegs­niveau erreicht. Freilich gibt es noch eine Reihe von Produkten auch unter den Lebensrnitteln, die diese Preissenkung nicht mitgemacht haben, vor allem die sogenannten Edelvrodukte der Land­wirtschaft, wie zum Beispiel Butter. Wenn wir trotz des Preisabbaues cmf mancherlei Wa­rengebieten zum Teil erheblich über dem Vor­kriegsniveau stehen, so ist immer wieder zu be- rückficktigen, datz verschiedene Rohstoffe über­haupt auf dem Weltmarkt gegenüber der Vor­kriegszeit eine starke Steigerttng erfahren haben So beträgt der BaumwollIndex 250, der Inder für Wolle foftsr 300, was also eine doppelte, bezw. drei kacke Steigerung bedeuten würde. Darüber hinaus find für die deutsche Wirtschaft mannigfache, stark

keinerlei Anlaß schwerwiegender Natur zu sei­nem Widerstand. An der Reparationsfrage ist es im Wesentlichen schon heute uninteressiert. Es hat den größten Teil der auf Belgien eutfal- lenden deutschen Zahlungen durch sein Priori- lätsreM bereits erhalten, könnte also ohne Schaden zugunsten Frankreichs darauf verzich­ten. Sein Budget ist ausgeglichen, der Aufbau der zerstörten Gebiete ist beendet, den Minetten gegenüber Hutt es keine Sckulden. Belgien hat keine wirtschaftlichen Interessen mehr, umso mehr aber polittsche. Und hier sind es zwar nicht eigene Ziele, aber französische, die es nr. größerer Hartnäckigkeit verfolgt als Frankreich selbst.

Es ist io kein Geheimnis, datz Poincarss Einfluß nicht nur tat französischen Senat sich überwiegend geltend macht, er ist auch noch in zahlreichen Außenministerien der französischen Gefolgschastsstaaten mächtig, vornehmlich auch in Belgien durch den Minister Theunis. Dieser Einfluß wird noch gestärkt durch die belgischen Streife, die in Herriot einen innervolitischcn Feind als Anttklerikalen auf eben. Aber die ganze Art, wie sich auch Belgien auf die Sicher- heitsfrage versteift, läßt genuaiam erkennen, daß es sich nickt nur um poinciristische Machen­schaften handelt, sondern um bestellte Arbeit der Herriot und Macdonald. Was sollte auch sonst wohl ein belgisches Bedenken für eine geschlof­fene englisch-französische Außenpolitik bedeuten! Die Mgifchen Schwierigkeiten sind nur ein Teil in dem berühmten Spiel mit der Militärkon­trolle in Deutschland. An sich ist ja das Spiel schon aus.

Ruhrräumung ist von Macdonald nicht verlangt worden. Die Besetzung soll lediglich abgeändert werden nach einem Plane, den Ge­neral Degoutte noch auf Wunsch Poincarös ausgearbeitet hat. Durch dieses .Zugeständnis« Herriots an die Belgier tritt die Unechtheit einer Gesten deutlich ans Licht und Deutschland weiß wieder einmal, daß es auf schöne Worte hereinfallen wird, die von den Machtpolittkern der Entente als Fassade gebraucht werden.

Amerikas Teilnohme.

London, 27. Juni. (Eigene Drahtrnrl- duna.) Rach einem Bericht aus Washington hat Prafident Coolidae dem amerikanischen Botschaf­ter m London. Kellog, und dem amerikanischen Delegierten in der Reparationskommission, £6erft Sogen, Instruktionen gesandt, um an der Kon­ferenz vom 16. Juli in London teilzuueh- m e n. Es verlautet, daß durch diese Instruktio­nen die beiden amerikanischen Delegierten grö­ßere Vollmachten erhalten haben, als dies bis letzt für die nichtoffiziellenBeobachter" Amerikas bei den europäischen Konferenzen der Fall war.

und anderen ftanzöfischen Strafanstalten gemäß der Zusage der französischen Regierung in Ge­fängnisse des besetzten Gebiets zurückgeführt worden. Unsere Wünsche in dieser dem deutschen Volke und der deutschen Regierung so sehr tat Herzen liegenden Angelegenheit find durch die Initiative der Regierung deS Herrn Herriot tffrer Verwirklichung einen erheblichen Schritt naher gebracht. Möge das Echo, das dieser den ftanzöfischen Bcrstänbigungswillea bekunde"de Entschluß in Deutschland ficherlich finden wird, dazu beitragen, auch die jetft noch bestehenden Ausnahmen auch baldigst aufgehoben und danrit sämtliche Gefangenen und Ausgewiesenen der Frerheit und Heimat wiedergegeoen werden.

Bedenken, schleppt die Verhandlungen in Sachvers feie Länge, wo es doch genau weiß, daß nicht zu bringen, nur dos Leben des Kabinetts Herriot sondern auck das Macdonalds nur durch schnellste Ent­scheidung gerettet werden kamt. Belgien hat

hängen, soweit es die ihm im Versailler Ber- Erlegten Verpflichtungen erfüllt habe. Man habe sich schließlich dahin verständigt, zu erklären. 3

daß Deutschlands nichts erspart werden fall (!) Die Rede Herriots wurde vom Senat mit ttgelrechten Ovationen ausgenommen. Senator Hubert erklärte sich im ganzen befriedigt. Er betonte das Einverständnis zwischen Macdo­nald und Herriot über die Entwaffnung Deutsch­lands und setzte hinzu, wenn cHrriot dieses Programm durchführe, so werde er sich um das Land sehr verdient gemacht haben.

* * *

Frankreich lehnt at>!

., Berlin, 27 Juni. (Telegraphische Mel­dung.) Angesichts der rechtlich und finanziell ganz unhaltbaren Zustände, die sich für die Berq- mbufttic. des Ruhrreviers aus den Micum- Vertragen entwickelt haben, hat die Reichs- regierung durch den deutschen Geschäststräoer in Pans am Quai d'Orsay anregen lassen, die Ver­längerung der Micum-Verträge durch Vcr- handlung von Regierung zu Regierung zu regeln. Die Anregung der Reichsregierung wurde vom französischen Kabinett abgelehnt.

»

Ein neuer Schritt fies Botschaflrrs.

_ daris, 27. Juni. (Eigene Drahtmekduiig ) D"sJournal berichtet: Hm sechs Uhr gestern a*.cnb erfolgte der bereits angetüudigte u e u c ? ,5?lt des wieder in Paris eingetroffenen deutschen Botschafters v. Hösch bei Herriot. Das Vorgehen betraf die Milderung der R <t h r nt a 6- nahmen, besonders hinsichtlich der A u s Wei­sungen und der M i c u m v e r t r ä g e. Ucbcr ein Ergebnis ist noch kein Bericht herausgcgeben worden, doch deutet derFigaro" bereits an daß Herriot einen (Finnriff in die schwebenden Verhandlungen der Alliietten über die Ruhr­frage auch dieses Mal a b l eh n e n werde, nach­dem eine teilweise Rückkehrerlaubnis durch die Rheinlands-Kommission schon ausgesprochen sei.