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Mr Neueste Nach

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 144.

14. Jahrgang

Sonnabend, 21. Juni 1924.

Einzelnummer 10 Pf . Lonnings 15 Pf.

Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf.

Die Reichsregierung zum französischen Kurs

Z

1

der

I

Ernste Verschwörung.

schen Parteien wegen der Auslegung der Hei.

hierzu, das bedeute eine Abweichung von bisherigen Gepflogenheit.

Dreitscheid bei Herrtot

Eine unglaubliche Aeußerung.

(Eigene Drahtmeldung.)

Die Vortelfüdrer beim Kanzler.

Berlin, 20. Juni. (Privattelegru'mn.) Der Kanzler wird an einem der nächsten Tage die Parteiführer empfangen und mit »hnen die Stellungnahme der Reichsregierung zu dem neuen Kurs in Frankreich besprechen. Gestern abend waren bereits Abgeordnete aus dem besetzten Gebiet beim Kanzler und beim Außenminister, weil im besetzten Gebiet lib- hafte Unruhe über das Scheitern der Erwar­tungen der Reichsregierung auf eine baldige Räumung des Ruhrgebietes herrscht.

Deutschland und Frankreich

Abwartende Haltung der Reichsregierung.

(Eigener Drahtberich:.)

Berlin, 20. Juni.

Der Berliner Korrespondent derMünchen- Augsburger Abendzeitung" meldet seinem Blat­te: Die Reichsreyierung nimmt gegen­über den Absichten Frankreichs vorlänfig eine abwartendeHaltung ein, da bis jetzt nur Kammerreden, aber noch keine offiziellen Erklä­rungen Herriots gegenüber Deutschland vor­lägen. Im übrigen spricht der Havasbericht über die Kammerrede Herriots vom 17. d. M. und die feierliche Erklärung des neuen Ministerpräsiden­ten wie folgt:Die Festhaltung der Pfänder, wozu auch die Ruhrausbcute gehört, ist ebenso die Grundlage unserer aus­wärtigen Politik, wie die Beibehaltung der Militärkontrolle in Trutschlans bis zum Tage, da Deutschland erfüllt haben wird."

rieten. Kühn schreibt dieGermania" nach Paris: Ihr könnt den Demokraten hier nicht mit Shmpathieerklärungen, sondern nur mit Erfolgen für Deutschland helfen. Und dieZeit", oas Organ Dr. Stresenianns, erkennt ebenfalls nur mit Reserve einen Um­schwung in Frankreich an, fordert dis Deutschen zum einigen Zusammenhalten auf und gibt den Franzosen zu verstehen, daß es bei ihnen liegt, die leidenschaftliche nationale Bewegung in Deutschland zu beruhigen. Warten wir den Erfolg ab!

Befremdung.

B e r l i n, 20. Juni. (Privattelegramm.) In rechtsstehenden Kreisen herrscht starke Befrem­dung über die Andeutungen desVorwärts", daß der Genosse Breitscheid mit Wissen und im Auftrage der Reichsregierung nach Paris ge­reift sei, um dort zu intervenieren.

Keine Kriegspläne.

Widerlegung der französischen Hetzberichte.

(Privat-Telegramm.)

Die Vegnobigungsvorschlage.

Paris, 20. Juni. (Eigene Drahtmeldung) Das Journal meldet: Der Ministcrrat hat die Begnadigungsvorschläge für die Ver­urteilten im besetzten Gebiet beut Kriegs - Minister Überträgen. DerTemps" schreibt

Berlin, 20. Juni.

Die von Pariser Blättern veröffentlichte Meldung, daß die französische Regierung Doku­mente über deutsche Kriegsplänc besitze, wonach die Besatzungstruppen im Ruhrgebiet angegrif­fen werden foötcn, sind entweder Wahnsinn oder Verleumdung. Demgegenüber wird von maßgebender deutscher amtlutier Seite feftgeftellt, daß selbstverständlich derartige Pläne in Deutschland von keiner militärischen oder zivilen Stelle auch nur in Erwägung gezogen worden sind. Desgleichen bestehen nicht die ge­ringsten Anhaltspunkte dafür, daß einzelne Pri­vatpersonen in Deutschland sich mit Plänen dieser Art befaßt haben. Solche Pläne würden von der Reichsregierung sofort unterdrückt wor­den sein. Die französische Meldung rst also ent­weder völlig aus der Luft gegriffen, d. h. die französische Regierung hat derartige Rachrichten nicht erhalten, oder aber drc franzö­sischen Nachrichten sind irgendwelchen Schwind­lern zum Opfer gefallen, die ans gewinnsüchtiger Absicht solche Informationen erfunden haben.

Paris, 20. Jrtni.

Die HmnanitS von gestern stellt fest, daß der deutsche Sozialdemokrat Dr. B r e i t s ch e i d be­reits bei Herriot vorgesprochen habe, ohite daß Herriot Zeit gefunden hätte, ihn anzuhören. Durch die Vermittlung des Genossen Renaudel konnte Breitscheid am Mittwoch nachmittag Her­riot endlich seinen Besuch machen. Dem glei­chen Blatte zufolge hat Breitscheid zu dem ,Journal"-Vertreter gesagt, Deutschland sei durch seinen neuen Militarismus (?) Schuld an den strengen Worten Herriots (!), aber die deutsche Sozialdeniokratie werde dafür sorgen, daß die monarchistische und militaristische Pro­paganda. von der das deutsche Volk nichts wis­sen wolle, endlich rmfhöre. (Wir können nicht glauben, daß ein deutscher Sozialdemokrat aber­mals eine solche Selbstbezichtigung als Deutscher einem Franzosen gegenüber auS- sprechcn kann. Hoffentlich kommt bald die Auf­klärung darüber. Die Red.)

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Sn Abwehr einig.

Die französische Zwangspolitik.

Die Regierungserklärung des französischen : Mnisteriums Herriot und des neuen Präsi- i deuten der französischen Republik lassen leinen j Zweifel mehr darüber, daß Frankreich nicht gewillt ist, restlos die Voraussetzun- : gen zu schassen, die Deutschland als unumgätigig i für die Annahme und Durchführung des Sach- verständigenberichtes fordern durfte. Du R u h r- i räumung wird nicht durchyesührt und nur in ganz beschränktem Sinne in Aussicht gestellt. , Die Freilassung der Gefangenen erfolgt . nicht in vollem Umfange, vielmehr bleiben gerade diejenigen der französischen Gewalt über­antwortet, die aus heißestem vaterländischem Wollen heraus handelten. Die deutsche Ver­waltungshoheit wird nicht wtederher- gestellt, weil ihre eigentlichen Träger, die leiten­den deutschen Beamten, weiterhin von der Rückkehr ausgeschlossen bleiben. Em peinlicher Rest der noch bleibt wie selbst der Vorwärts feststellen muß, und ohne dessen Dcieitigimg selbst das Berliner Tageblatt nicht für cme glatte Veriiändigung zu hüben ist.

Geradezu ungeheuerlich aber ist oie Begrün­dung, die Herriot für seine Haltung gibt. Er nimmt zwar mit der Kampfansage gegen den nattonalisttschen PangermanismuS nur ein Schlagwort auf das ihm eine gewrsje deutsch: Bresse als Aaitanonsmaterial hingeworfen hat, aber er verkannte, welche Wirkung eine solche Geste in offizieller Kundgebung von höchster Staatsstelle aus im anderen Lager haben mußte. Wobl bemüht sich die gesamte Linke, das .Posi­tive" Herons zu holen, aber ungescheben machen kann man es nicht, daß der französische Mmi- sterpräsident. der Schildbalterwahr-n demo­kratischen Geistes", mit Festtgkeit die ervreß- t e n Rechte aus dem Versailler Vertrag und den anderen Abkommen wahren wird/ daß er es sein wird, der letzten Endes über den Eintritt in den Völkerbund besfimmen wird, daß er die allein gemäß dem Vertrage dem Völkerbund zu­stehende Kontrolle über Deutschland ausüben wird. .Man mich es ohne Zweideutigkeit aus­sprechen". damit bat er ausdrücklich diese Tat­sachen unterstrichen. Gegenüber solcher Eindeu­tigkeit wird sich auch die erfüllungsbereitest: Re­gierung nicht vassiv Verhalten können, wenn man anscheinend auch in manchen Kreisen be­reit ist. die meitschhelisversöhnswde Gest« der Freilassung der Rnhrgefangenen höher zu be­werten als die Geste der gepanzerten Faust, die selbst auf der Rechten der französi­schen Kammer den Ruf auslöste: .das ist jo die Sprache PoincaröS!"

Jetzt kann der Reichsaußenminister feinen Appell an England richten und die Umset­zung seiner Programme in die Tat fordern. Jetzt muß England in feinen Verhandlun­gen mit Frankreich alle seine verhandlimgs- sähiaen Mittel spielen lassen, wenn mit der Beseittgung aller Voraussetzungen für die An­nahme des Sachverständigengutachtens Deutsch­land nicht wiederum getäuscht und das Sach­verständigengutachten selbst von Frankreich im tiefsten Grunde sabotiert werden soll. Wenn Frankreich noch weitgehende politische Vorbe­halte geltend macht, hat auch das deutsihe Reich ein Recht, von der vorbehaltlosen An­nahme des auS Trugschlüssen mifgebanten Sachverständigengutachtens zurückzutreten. Die Sleußerungen des englischen Etsenbahnsackver- ständigen Aeworth, die aus den Beratungen des Eisenbahnorganisationskomitees auspland-rn, beweisen, daß durch die Begebung der Eisen­bahnobligationen die Deutsch: Regierung fak- tisch des Vesitzrechtes an den Etsenhah­nen verloren geht, daß, wenn nötig, die Hälfte der deutschen Eisenbahner aus die Straße geworfen und dem Hunger preisgeqeben werden soll, um französische und internationale Raub­gier zu befiiedigen Ist das ein Zeichen des Geistes in dem die TurchMruna v"s Verskla­vung sdittates geregelt werden soll?

Aber die Herrioterflärnnq hat ein noch wei­teres Feld Durch das Bekenntnis zu einer im- wandelbaren Entenielreue soll auch der Boden bereitet werden für Herrioterfolge in England, denn in England weiß man auf eine dentsche Gegenaktion zu stoßen. Darum hat denn auch General Degoutte auf Bestellung seiner Regierung einen neuen Sensations­bericht über die Bedrohung Frankreichs durch Deutschland abgefaßt, der schnellstens an Eng­land weitergegeben wurde. Freiheit an Rhein und Ruhr als erste Voraussetzung, das ist der Abwehrruf, für den iede deutsche Regierung die Gesamtheit des Volkes hinter sich haben wird. Der Regierung Herriot gegenüber baden wir die Pflicht, vorsichttg zu bleiben hin­sichtlich der Versprechungen, und Zurückhaltung zu üben in unserem eigenen Auftreten, damtt man uns nfdrt isoliereG kann. Nichts märe ver­hängnisvoller, als trenn gerade jetzt die beut*

Die Erregung in Italien.

Verhängung des Belagerungszustandes. (Eigener Drahtbericht.)

Zürich, 20. Juni.

Die Neue Züricher Zeitung meldet aus Rom: Das Kabinett hat über Neapel, Turin und Pa- ferme den Belagerungszustand ver­hängt. Der Präfett in Mailand ist seines Am­tes enthoben worden. Bei den Unruhen gegen die Faszisten in Neapel, weil in den fetzten Kam­merwahlen achtzig Prozent aller Stimmen für die Faszisten abgegeben worden waren, hat es der Tribuna zufolge drei Tote und 25 Ver­wundete gegeben. Wie eine Zeitung meldet, sind im Sonderzirg aus Florenz drei Abteilungen der Toskanischen Faszisten-Miliz in Mailand eingcttoffcn. Sie durchziehen die Hauptstraßen der Stadt. Weitere Abteilungen wurden am Bahnhof stationiert.

Küssen ohne Geld.

Bargeldmangel bei Behörden.

«Normer Rückgang der <postscheckgn«habe« Der Telephonvertehr nimmt an« Seife* mangel ab Geringe Steuereingänge Die Reichsbahn hat bargeldlosen Derkehr Das Thema der Geldknappheit und Kredit- uot, eines der leidigsten der Gegenwart, ist seit Wochen aus der öffentlichen (Erörterung nicht mehr verschwunden, und immer noch mehren sich die Klagen der Privatwirtschaft über den un­erträglichen Druck, unter dem sie angesichts der Geldverknappung zu leiden hak. Aber eine Seite der Geldknappheit ist bei der bisherigen Behandlung des Themas bisher zu kurz gekom­men: Das sind die Rückwirkungen der Geldverknavpung und -Versteifung auf das öf­fentliche Leben, mit anderen Worten, die Schwieriakeiten, die den Behörden und öf­fentlichen Instituten aus dem Mangel an Zahlungsmitteln erwächst. Das Berliner Achtubr-Abendblatt hat Anlaß genommen, ein­mal diele Seite der Geldknappheit zu untersu­chen. und bei mehreren Behörden, so der Reichsbahn, der Reicstspost und der Finanzvei- waltung, in diesem Sinne Rückfrage gehalten. Bei der Reichspost wirft sich die Geld­knappheit am allerschärfsten im Scheckver­kehr aus, so scharf, daß die Guthaben nur noch den zehnten Teil ihres Standes vor dem Kriege ausmachen. Ganz besonders in den letzten sechs bis acht Wochen haben sich unter dem Einfluß der allgemeinen Geldverknappnng die Scheckguthaben derart auffallend verringert, daß darunter die Rentabilität des Scheckver­kehrs in gewisser Beziehung in Frage gestellt wird. Dem Vernehmen nach beträgt die

Abnahme der Postscheckguthaben

in der letzten Zeit über hundert Millio­nen Mark. Weiter macht sich die Geld­knappheit in der Richtung sehr fühlbar, daß am Ultimo riesige Abhebungen erfolgen, wäh- rend früher der Monatsletzte an den Scheckgut­haben spurlos vorüberging. Dieser Abnahme der Scheckguthaben in Verbindung mit der Zahlung der Gehälter bedeutet selbstverständlich eine ungewöhnlich starke Anspannung der Reichspost, die um so schwerer wiegt, als be­kanntermaßen unsere Zohlnngstechnik im Ver­gleich zu anderen Ländern von betrübender Rück- ständigkeil ist. Im übrigen hat, da bet der Reichspost fortgesetzt Bareingänge geschehen, die Auszahlung der Beamten- und Angestelltenge­hälter bisher irgendwie Stockungen erfreulicher­weise nicht erfahren.

Auf dem Gebiete des Telephonwesens sind ebenfalls gewisse Rückwirkungen der Geld­knappheit zu verzeichnen. In Anbetracht der geldlichen Situation zahlreicher Firmen und Anschlußteilnehmer hat sich die Reichsposwer- waltuna veranlaßt gesehen, nicht mehr mit aller Strenge aus genaue Einhaltung der Zah- hungsfristen zu sehen, und so erfahren denn auch die vielen Stnndungsgesuche nach Mög­lichkeit Berücksichtigung, wenngleich der Stun­dungsbewilligung im allgemeinen eine Prüfung der Verhältnisse des Antragstellers voraufzuge­hen pflegt. Eine weitere Folge der Geldknapp­heit ist es, daß die ReiiHpost sich gezwungen gesehen hat, über zahlreiche Anschlußteilnehmer wegen rückständigerGebührenzahlun- gen Sperren zu verhängen. Die Zahl die­ser Sperren ist jetzt Wohl größer als sonst,, doch bewegt sie sich immer noch in mäßigen Bahnen. Kündigungen von Anschlüssen sind so gut wie garnicht vorgekommen. Hinsichtlich des Fern­sprechverkehrs selbst kommt der Mangel an Ka­pital Wohl darin zum Vorschein, daß ein un­zweifelhafter Rückgang desFernverkehrs konftattert werden kann. Vom Ortsverkehr kann gesagt werden, daß er konstant geblieben ist. Gegenüber den Vorwürfen der Oefientlichreit, daß die Reichspost bei der Telephonsperre allzu rigoros vorzugehen pflege, kann darauf verwie­sen werden, daß gegenwärtig die sonst übliche Zahlungsfrist von acht Tagen noch durch eine zweite Mahnung ergänzt wird, also auch hierin dem Telephonkunden Entgegenkommen gezeigt wird.

Die Geldknappheit der Reichsbahn ist im wesentlichen ein Mangel an Betriebs­kapital. Die Reichsbahn lebt sozusagen von der Hand in den Mund. Ein Wandel der Verhält­nisse dürste erst ,u erwarten sein, wenn auf der Basis deS Sachverständigengutachtens die Reu­organisierung der Reichssbahn erfolgt. Der Man- gel an Betriebskapital hat es zuwege gebracht, daß an Neuinvestitionen, Neuanlagen und Neu­bauten heute kaum noch zu denken ist. Diese : wurden im Frieden auf dem Anleiherwege fi- ! Hausiert. Heute ist der Reichsbahn dieser Weg ; verschlossen. Infolgedessen mußten famtlia-r Bauten fcstgelegt oder konnten nur langsam tt: dem Maße fortgeführt werden, soweit das aus ; laufenden Mitteln zu bestreiten möglich war. . Tas gleiche gilt von der Einführung von Be­triebsverbesserungen. Die Kredit- und Zahlungs-

Dce Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal nachmittags. Der AbonnemeniSprcis beträgt für den Monat Ium 2.00 Mk. bei freier Zustellung ins Haus, in der Gelchäiisfkelle abgeholt 1L0 Mk. Durch die Poft monatlich 2.00 Mk. einschließlich Zustellungsgebühr. Verlag und Redaktion: Schlachthofftrabe 28'30. berr.ü>rem?r 951 und 052. Für unverlangt einaesandte Beitrüge kann die Re­daktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rück­zahlung des Bczngsgclbes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ist ausgeschlossen. Postscheckkonto Frankfurt a. Main Nummer 6380.

Zürich, 20. Juni. (Eigener Drahtbericht) Die Reue Züricher Zeitung meldet aus Rom: Die Verhaftungen nehmen kein Ende. Beson­deres Aufsehen erregte die Ueberführnng des Generalsekretärs der fasziftischen Partei, Mori- mello, ins Gefängnis. Man erkennt allmählich, daß die Verschwörung bis in die höchsten Kreise hineinreicht. Mussolini, dem fortgesetzt Erge- __________D__________________ ___ _ benhettsadreffen zngehen, nimmt keine Rücksicht. riot-Rode sich untereinander in die Haare ae- jrbr erregten Auseinandersetzungen Sher die Es laufen noch immer törichte Gerüchte um.

Llm Slsaß-Lothnngen.

Schlägerei in der französifchen Kammer.

(Telegraphischer Bericht)

Paris, 20. Juni.

In der Nachtfitzung der Kammer kam es zu

Politik der «Regierung gegenüber Elsaß-Lothrin­gen. Eine von der Rechten eingebrachte Inter­pellation vertrat den Standpunkt, daß eine voll­kommene Gleichstellung nicht möglich fei. Dage­gen behanptet der nengewählte Sozialist Weil, Vic Mehrheit der Elfäßer und Lothringer habe sich für die Beendigung des Ausnahmezustandes ausgesprochen. Ministerpräsident Herriot er­klärte, es könne kein Konkordat in Elsatz- Lothringen geben, da das Konkordat in Frank­reich abgeschafft fei. Die Debatte wird daraus geschloffen und es kommt bei der Erläuterung der Abstimmung zu ungeheuren Tumultfzenen, die schließlich in eine Schlägerei, hauptsächlich zwischen Kommunisten und Sozialisten ausar- tcit. Die Sitzung muß unterbrochen und die Tribünen müffen geräumt werden.

Die deutschen Gefangenen.

Rücktransport ins besetzte Gebiet (Telegraphisch« Mei0*.ng.)

Paris, 20. Juni.

Die durch französische Kriegsgerichte im besetz­ten Gebiet verurteilten 45 Deutsche«, die nach Gefängniffen in Frankreich, in der Haupt­sache nach der Insel St. Martin de Rs verbracht worden waren, wurden, wie bereits bereichtet, nach einer Vereinbarung, der längere Zeit an­dauernde Verhandlungen vorausgingcn, nun­mehr in die Gefängnisse des besetzten Gebiets übergrsührt. Legationssekrctär von Rintelen von der deutschen Botschaft hatte ge­stern in Nanctz Gelegenheit, mit jedem einzelnen der 45 Gefangenen zu sprechen und die Wünsche jedes Einzelnen entgegenzunehmen. Tie Gefan­genen selbst ertlären, daß sie auf dem Tronsport in zuvorkommender Weise behandelt wurden.