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Hesfische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

Freitag, 20. Juni 1924.

Nummer 143. Einzelnummer 10 $1 Sonntags 15 Pf.

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Einzelnummer 10 Pf , Sonntags 15 Pf. 14. FaHkgaNg

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Merle Vesprechvugeu um Deutschland.

Das verlorene Helm.

Schicksal dir Rirsgewiesenen.

Von französischer Seite wird die Nachricht verbreitet, daß die Rheinlaudkommission be­schlossen habe, die Rückkehr der A n s ge­wiesenen in weitestem Maße zu Refarten. Daraufhin habe das französische Obeikommis- sariat in Koblenz nach Prüfung der einzelnen Gesuche der Ausgewiesenen der Rüeiniaurkom- misstou die Zurückziehung von 7000 Auswei­sungsbefehlen vorgeschlagen. Die Rheinland- kommission habe in allen Füllen die Vorschläge angenommen. Zweifellos ist diese Maßnahme der Rheinlandkommission zu begrüßen. Dennoch kommt sie der deutschen Forderung auf Aufhe- bung sämtlicher Ausweisungsbefehle, die während des Ruhrkampses ergangen sind, noch bei weitem nicht nach. Tie Zahl der von dem Ausweisungsterror der Besatzungsbe- hörde bezw. der Rheinlandkommission betroffe­nen Deutschen in bett besetzten Gebieten betrügt mehr als hunderttausend. Von diesen ist einschließlich der erwähnten 7000 erst ein ver­hältnismäßig kleiner Teil wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Von fei ten der deutschen Regie­rung ist als selbstverständliche Forderung des gesamten deutschen Volkes ausgestellt wer­den, daß mit Aufgabe des vassiven Widerstan­des und mit Annaduie des Dawesplanes r e st- lose Zurückziehung der Ausweisungsbefehle er­folgt. Es ist im Interesse der Beilegung der französisch-deutschen Differenzpunkte nicht gele­gen, wenn von Seiten der Besatzung und der Rheinlandkommission der gute Wille zur Ver­ständigung, der in Berlin wie angeblich auch in Paris besteht, durch derartigeGnadcubeweise von Fall zu Fall" illusorisch gemacht wird.

Seitens der Besatzung und der Rbein- londkommtfsion ist seinerzeit mit brutalster Willkür gegen die Bevölkerung der besetzten Gebiete vorgegangen worden. Man hat keine Rücksicht auf die Eristenz der von den Gewalt­maßnahmen Betroffenen, keine Rücksicht auf die in der ganzen Welt anerkannte Unverletzlichkeit der Wohnung und die Unverletzlichkeit de? privaten Eigentums usw. genommen, son­dern obne Skrupel die Bevölkerung von Haus und Hof vertrieben. Es entsteht fetzt die Frage, wa? geschehen wird, wenn die Ausgewie­senen in ihre Heimat zurückkehren dürfen, zum Teil jedoch ihre Wohnung besetzt, ihr Mobi­liar oestöhlen oder zerstreut, ibre Eri- stenz vernichtet vorfinden. Im Reichstag ist daher ein Antrag eingebracht worden, der die umgebende Einsetzung eine? parlamentarischen Ausschusses vorsieht, der 1. die Richtlinien für die Betreuung der aus den besetzten Gebieten Ausgewiesenen bezw der Gefangenen nachvrüfi und auch die berechtigten Beschwerden der nichtbeamteten Ausgewiesenen und Gefan­genen sichtet; 2. Maßnahmen für die wirt- schaftliche Sicherstellung der in die Heimat zurückkehrenden Ausaewiesenen oder entlassenen Ges'.naenen vorschlägt, sofern diese durch die Answeisuna ihre Einnabnteaurll n .-inqebüßt haben: 3. Maßnahmen vorkchläat zur schleunigen Beschaffung von Wohnun­gen und Einrichtnngsgeqenständen für diejenigen, die durch Ausweisung, Verdrän­gung oder Gefangennahme ibre Behausung und deren Einrichtung verloren haben.

ImVorwärts" befaßt sich der bekannte rhei- ftische Rnchstaasabgeordnete und ehemalige Reichsinnenminister Sollmann mit der gleichen Frage. Er weist daraus hin. daß sich bei der Heimkehr Ausqewiesener Zustände ergeben müssen, die im Rheinland ru neuen gefährlichen vofitifchen G'tstberden zu werden drohen. Von den 175 noo Eisenbahnern, die früher im besetz­ten Gebiet täfig waren, sind bisher nur 50000 bei der Regie eingestellt worden. Rund 125000 sind arbeitslos Unter den Entlassenen befinden sich nach den Angaben Sollmanns 2000 Schwerkriegsbeschädigte. Don den 27 000 in der Z"it des passiven Widerstandes ausaewiesenen Angestellten und Beamten der Eisenbahn sind ,rst 10 00?! wieder in ibre Heimat zurückqekebrt. ~ie änderen warten und drängen aus ihre Rück­kehr Die »Dossilche Zeitung" behauptet, daß die Regierungsstellen einstweilen nock> davor warnen zu müssen glauben. von einer evtl, w-inretsegenebmigunq der Franzosen sofort Ge­brauch zu machen, da die Wohnungen der Aus­gewiesenen in den meisten Fällen von Beamtm tmr Roai 'bobn belegt wurden und daß den R'7'ck- k-.-brenden die lstefastr drohe daß sie in ihrem Heimatort obdachlos auf der Straße liegen.

In Trier-en imd Kohlen» sind hunderte s-sscher Familien obne Unterkunft. In Bonn sind sie teilweise in Sehitlen oder Ba- "g.cken in fürchterlicher Enae untergebracht. In der Karl- und Ssidfchule in Bonn sind Farni- fio" mit sechs bi? neun Kinde-'n beiderlei Ge­schlechts im Alter von zehn Monaten bis 21 Täbren in einem einzigen Schulzimmer unterge- bracht das zugleich als Küche, Rohn- und Schlaftanm dient. In der Südschule stehen

einer Familie mit fünf Kindern zwei Betten zur Verfügung. Von Seiten der Regierung wird verflicht, nach Möglichkeit dem größten llSohnungsclcnd zu steuern. Sie hat neuerdings öffentliche Neubauten für Wohnzwecke herzurichten begonnen, auch hat sie sich entschlos­sen, wenigstens diejenigen Neichsbauten, die bis zu 80 Prozent fertiggestellt waren, in eigener Regie weiterzubancn. Die Mittel tollen durch Verkäufe von Reichseigentum aufgebracht wer­den. Die Bauten, die nicht bis zu 8') v. H. fertiggestellt sind und gerade diese sind im be­setzten Gebiet sehr zahlreich sollen zu er­schwinglichen Preisen den Kommunen zum Kauf angeboten werden. In diesen Häusern sollen, wenn sie fertiqgestellt sind, die ausgewiesenen Beamter, mit ihren Familien untergebracht wer­den. Die uimittelbaren Sozialaufgabe't fallen zwar den Gemeinden in den besetzten Gebieten zu Dir Reicksregierung wird aber, soweit es irgend in ihrer Kraft siebt, die Gemeinden auch finanziell unterstützen müssen. Aus diesen An­gaben ergibt sich, daß die Leiden und Röte der AuSgewiesenen mit der Aufhebung der Aus- weisungsbefehle noch nicht beendet sind.

FkcmkreWs neue HolM.

Bevorstehende Bes-rechuugen in London.

(Eigene DrahtmeWnuoff

London, 19. Juni.

Macdonald hat an Herriot die Bitte gerichtet, wenn möglich schon Freitag abend nach London zu kommen, da er selbst am Monte.» morgen nach Glasgow abreisen müsse und zwei volle Tage sür die Besprechungen mit dem französischen Ministerpräsidenten zur Verfügung haben müsse. In den Kreisen der britischen Ar­beiterpartei ist man durch die Erklärung HerrioiS beunruhigt. Frankreich würde den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund erst zulaffen. nachdem Deutschland seine BertrigS- verpflichtungen erfüllt habe. Einer Der Haupt­punkte des Macdonaldschen Planes sei nämlich der sofortige Beitritt Deutschlands, sowie eine große Herbstvcrsammlung des Böllerbundes, au der die fämtHcfjcn Premierminister «Her Staa­ten teilnehmen sollten.

Ausgedehnter Man »nr Amnestie.

Paris. 19. Juni. (Telegraphische Mel­dung) Das Justizministerium veröffentlicht eine Begründung dem Bmnestiecnt- wurf, dessen Einbringung in der gestern ver­lesenen Regierungserklärung angekündigt wurde. Die Regierung erklärt darin, das? sie die Zeit für gekommen halte, eine große Anzahl wegen militärischer Vergehen verurteilter Perso­nen für st r a f l o S zu erklären und in größtem Umfange auch Delikte politischer Art. Streik-, Presse- und Wahlvergehen und Verstöße gegen dte Vereins- und Gewerkschastsgefetzge- bung in den Straferlaß einzubeziehen. Darüber htnanö sollen anch di- vom Staatsgerichtshof abgenrteilten Fälle der Amnestie unterliegen. Ferner verlangt die Regiernng auf ein weiteres Jahr das Recht, die von den Kriegsgerichten Verurteilten für straflos zu erklären und kündigt an, daß sie von dieser Ermächfigung den liberal­sten Gebrauch machen werde.

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tim die SachverstSvdiorn-SulaGlen.

Paris, 19. Juni. (Eigene Drahtmeldwtg.) Herriot hatte gestern seine ersten interalli­ierten Besprechungen, nämlich mit dem Engländer Lord Parmoor «nd dem belgischen Außenminister Hymans. Während der Besuch des Engländers sich auf kaum zehn Minulen be­schränkte, dauerte die Unterredung mit Hrmums erheblich länger. Herriot erklärte stch durch die Unterredungen als durchaus befriedigt. Frank­reich und Belgien seien sich darüber vollkommen einig, daß die Sachvertzändtgenpläne unverändert angenommen werden müßten, je­doch mit den nötigen Vorsichtsmaßnahmen, hie die gegenwärtige Lage erheischten.

tim die Reparationen.

Besorgnisse im britischer Unterhaus.

(Telegraphische Meiv-Ütg.)

London, 19. Juni.

Im Unterhaus? wurde gestern an den Schatz­kanzler die Anfrage g richnr, ob die Abmachnn- gen betreffend die Repanttionseinziehung, die am 15. d. Mts. zu Ende ging, »eiter in Kraft bleiben würde. Schatzlanzler Snowden erwi­derte, die britische Regierung habe mit der deut- scheu Regierung vereinbart, Die bestehenden Ab- machungen zu verlängern, bis die Anempfehlun- aett des Sachverständigcn-Ansschusses in Kraft

gesetzt werden. Lloyd Greame fragte, oh Belgien und Frankreich vereinbart hätten, eine ent­sprechende Abmachung zwecks Bezahlung in Waren die Reparationsabgabe zu verschieben. Snowden erwiderte, er habe keine offizielle Mitteilung über diese Frage. Soviel er wisse, seien augenblicklich Verhandlungen im Gange über die Micum- und anderen Abmachungen. Llovd Greame fragte weiter, ob das Haus eine Zusicherung erhalten könne, daß in der Frage der Reparationen England nicht weniger günstig behandelt werd-, als seine Alliierten. Snowden erwiderte, es könne nicht angenommen werden, daß England in dieser Frage weniger günstig behandelt werde als seine Alliierten. Es sei leine Veränderung in den Vereinbarungen ein­getreten, die am 15. 6. in Kraft waren.

Italiens Faszisienkttse.

Untersuchung des Mordfalles Matteottis. (Telegraphische Meldung.)

Rom, 19. Juni.

Die Lage der Regierung ist vorläufig durch die Entlaffung d e B o n o s, die Verhaftung F i - l i p.c l l i s, des Direktors desTempo", R a l d i des mutmaßlichen Mörders B o l p i und durch die Ernennung Fedcrzouts zum Minister des Innern gebessert. Federzoni ist der Führer des Rationalismus, der im Unterschied zu den Faszisten monarchistisch-konservativ-großiudn- sttiell gesinnt ist. Der erste Erlaß FcderzoniS fordert die unbeschrankte Wiederherstellung der Autorität des königlichen Präfekten und der staatlichen Gesetze sowie die Ueberleitung der Untersuchung der Mordsache aus den Hände» der Polizei in Gerichtshände. Die Presse hofft daß damit eine strenge Untersuchung nnd Be­strafung gesichert ist? das gewerlschaftlich-faszi- stischeNuowo Passe"' ist mit der Entlassung de Bonos und der Ernennung Federzonis oh Stelle Mussolinis zum Minifftr des Innern nicht zu­frieden, verlangt vielmehr die Entlassung des Finanzministers Stefani. Di« Oppositionspreffc vertritt die Ansicht, das ganze faszistische System trage die Verantwortung für die Mordtat. Die Schuldfrage könne durch die Ausschiffung eini­ger Personen nicht gelöftt werden.

Weitere Auskiüruns.

Rom, 19. Juni. (Telegraphische Meldung.) In du Handtasche des verhafteten Duminis hat de: Untersuchungsrichter schwer belastendes Material gesunden, darunter ein blutgetränttes Stück der Ledertapete des Autos, ein Messer mit Blutspurcu, einen Revolver und ein Lager mit fünf Pononcn sowie mehrere blutgctränttr Stoffteiie, die von den Hosen Matteottis stam­me» könnten. Aus diesen Gründen ergibt sich mit großer Gewißheit, daß Matteotti schon im Auto ermordet wurde. Du neue Steckbrief lautet daher nicht mehr auf Freiheitsberaubung, sondern vorsätzlichen Mord. Duminis Visiten­karte trägt die AufschriftPressebüro des Mini­steriums des Innern". Tumini wie auch die an- ocren Untersuchungsgefangenen leugnen noch immer. Das erdrückende Material wird sie aber zu einem Geständnis zwingen, das endlich die Auftraggeber des Verbrechens ausdecken wird.

Neubesetzung der Ministerien.

Rom, 19. Juni. (Telegraphische Meldung.) Die Veränderungen im Kabinett werden nach den Blättern auf Anfang Jnlr verschoben wer­de», damit es nicht den Anschein habe, als ob das Ministerium dem gegenwärtigen Druck nach- gegeben habe, sowie in der Hoffnung, daß, nach­dem die Gerilhte in Tätigkeit getreten sind, die Oppositionsparteien entgegenkommender fein werden. An Stelle des in der Affäre Matteotti zurückgetretenen Tireftors der italienischen Siiherhettspolizes wurde der Präfekt von Triest Crifpo - Monrado zum Generaldirektor der Sicherheitspolizei ernannt.

Noch eine Verhaftung.

Rom, 19. Ium. (Telegraphische Meldung.) Infolge eines von den Gerichtsbehörden erlas­senen Haftbefehls verhaftete die Polizei gestern abenfc Giovanni Marinelli, ehemaliges Mit­glied des faszistischen Parteivorstandes unter bc; Leschuldigung, andere Personen dazu verleitet zu haben, den Abgeordneten Matteotti in gesetz­widriger Weile der persönlichen Freiheit be­raubt zu habere

Kolonialmächte.

Europäische Erfordernisse.

»ie kolonialen Fräsen rieten nun et mehr in den Vordergrund. Wie der Neiehsdankprästdenk Dr. Schacht, fo «Bette fid) and* Gouvernenr Lahl über dteNotwendigkeit deutscher Kolonie» Unserem kurzen Bericht über die Aeußerun- gen Dr. Schachts, der für Deutschland wieder koloniale Betättgung fordett, fügen wir als Ergänzung hinzu, daß Tr. Schacht solg.'nde drei Gesichtspunkte zur Begründung se-neS Standpunktes aufstellte:

1. Um Reparationen zu zahlen, muß Deutsch­land für seine Produktion Märkte haben. Ob dte alten Kulturländer 6ernt sind, einer aufs äußerste eben zu diesem Zweck intensivierten deutschen Wirtschaft solche Märkte zu gewähre», scheint mindestens zweifelhaft. Es bedarf also neuer, aufnahmefähiger Kolonial­gebiete, die zu diesem Zwecke und 'm dieser Richtung unter unserer Mitwirkung entwickelt weiden müssen.

2. Clemenoeau hat seinerzeit das berüchtigte Wott von den 20 Millionen Deutschen ge­sprochen, die zuviel sind. Ich hoffe nicht, daß je­mand auf der Gegenseite diesesZuviel" an deutschen Menschen abschießen will. Ich glaube andererseits nicht, daß die alten Kulturmachte im einzelnen geneigt sind, größere deutsche Volksmengen in sich aufzunchmen. Es bleibt also nur für den Abzug deutscher Bevölkerung Kolonial - Siedlungsgebiet möglich, dessen Oessnung sür Deutsche somit ein weiteres Moment zur Beruhigung der Welt bieten würde.

3. Deutschland muß heute alle seine koloMa- len Rohstoffe in fremder Valuta zahlen. Wenn e§ sie zum Teil selbst produzieren könnte, so würde das die Valutasituation erheblich er­leichtern und damit zur Verwirklichung der Ziele beitragen die das Dawesgutachten anstrebt. Diese berechtigten Forderungen hezw. Wiinsche werden von Jedem unterschrieben, der die Be­deutung der Kolonien kennt.

Die anderen europäischen Mächte wissen jedenfalls den Kolonialbesitz sehr zu schätzen. Der frühere Gouverneur von Neu- Guinea Dr. H a h l hat jetzt in kurzer Form einen lleberblick über die Kolonialpolitik der europäischen Mächte gegeben, wobei er ausführ­licher auf die Kotonisierung Brasiliens durch Portugal eiuging und auch den großen Verdien­sten des Jesuttenowens um die Gründung und Förderung freier Niederlassungen gerechte Wär. digung zuteil toerbnt ließ. Wenn auch an der Unfähigkeit der Verwaltung und an dem finan­ziellen Unvermögen Portugals schließlich dieses Kolonialreich sür daS Mutterlüjtd verloren ging, so bleibt doch Portugal der Ruhm, dem größren Staat Süd-Amerikas seine Kultur und seine Sprache verliehen zu haben. Porttkgal wie Spanien nahmen in den ihrer Macht unterwor­fenen Gebieten der außereuropäischen Kon­tinente nicht die mindeste Rücksicht aus die ein­geborene Bevölkerung. Das Streben der por­tugiesischen und spanischen Eroberer ging nicht aus eine wirkliche Ansiedlung hinaus, sondern lediglich auf den raschen Zugriff aus Gold, Edel­metall und sonstige Koswsrkeiten. Nach einem Rückblick aus die Bedeutung und die Leistungen d?s Bundes der Deutschen Hansastädte, in wel­chem der Gedanke, die Stätten bet Erzeugung der begehrten Handelsware auszusuchen, über­haupt nicht auftam, geht Dr. HM zu einer Be­trachtung der Leistungen der

Holländer, der Franzosen und der Engländer aus dem Gebiet her kolonialen Betätigung über. Im GegOisatz zu Portugal und Spanien stellten die Holländer von Hanse au8 ihre neuen Unternehmungen auf eine kaufmännische Grund­lage; 1602 wurde die Ostindische, 1621 die West­indische Kompagny gegründet; batet behielten sich die Generalstaaten die Ernennung der Ge« nerclgouverneure vor Heut« ist Wederlandisck- JuÄen wohl die reichste Kolonie der Welt und ersreut sich einer sehr geordneten Verwaltung, wobei Java einen weiten Vorsprung hat; zu Ende des neunzehnten Jckhrhundettz war sein« Bevölkerung auf 32 Mllionen angewachsen. Von Frankreich, das schon früh in die kolonial« Be­wegung eintrat, wandelte zuerst dieselben We.^e wie Pottugal und Spanien. Seit Colbett und Richelieu arbeitete es an einem großen Kolonial­reich, kam aber im Wettbewerb mit dem immer« mehr zur ersten Seemacht erstarkenden Eng­land nicht aus und sah wiederholt seinen gan­zen Kolonialbesitz vernichtet. Durch d,e Erobe­rung Algiers, des AusfalltoreS nach Afrika vom Norden her, und durch seine Fortschritte in Hinter-Asien ift es heute die zweitgrößte Ko­lonialmacht der Welt geworden. Frankreich hat den Gedanken des geschlossenen WittschaftSge- biets vom Kanal bis zum Kongo durc^ufiihren vermocht und ein geschlossenes Hunde tt-Mill.o« nen-Reich geschaffen. In der Entwickkmg deS

englischen Kolonialbesitzes wurde besonders Ost-Indien hervorgahoben, dem 1921 eine Repräsentalivversafsung mit Zweilammerivstem verliehen worden ist. Der