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Kasseler WW Nachrich

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

iHliltltttCt 138. Einzelnummer 10 Sonnlags 15 Pf.

Sonnabend, 14. Juni 1924.

Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf. - 4. Jahrgang

Noch leine Mwlrmng in Frankreich

Berlin. 13. Juni.

kündigt zum 15. Juni allgemeine Betriebsein- schranlungen und Stillegungen an. In Mann­heim wird die Arbeitszeit ab kommender Woche um fünf Stunden pro Woche gekürzt; in Lud­wigshafen um sieben Stunden. Ein Teil der ntittleren und kleineren Betriebe, besonders in Neustadt und Frankenthal, schließt von kom­mender Woche an bis auf weiteres. Die Ursache ist Auftragsmangel und Kreditnot.

Die Krise in Frankreich.

Um die Kandidaten zur Präfidentschaft.

(Eigener Drahtbericku»

i Paris, 13. Juni.

Das .Journal" meldet: Die Lage ist bis jetzt wenig verändert. Die Parteien ver. handeln noch über die Nominierung ihrer Kandidaten. Für die Wahl Domergues werden in den Kaffeehäusern der Boulevards 8 zu 1 gewettet. Für die Präsidentenwahl find umfangreiche militärische Vorbereitun­gen getroffen worden, weil die Humanit^ die Kommunisten aufgeiordert hat, die Wahl Domer­gues unter allen Umständen unmöglich zu ma­chen Trotz der militärischen Sicherheitsmaßnah­men, die bereits zu der vollständigen Absperrung der Zugänge nach Versailles geführt haben, glaubt man in Paris, daß die Präfidentschasts- wahl ohne Zwischenfälle vonstattrn gehen werde.

Bas Kartell der Linken.

Paris, 13. Juni. (Eigene Drahtmcldung.) Um 7 Uhr 40 Minuten hat eine neue Sitzung des Kartells der Linken stattgckunden. Die Par- icicn, die zum Kartell der Linken gehören, ha­ben beschlossen, die Kandidatur Painlev^s aufrecht zu erhalten. Tie sozialistische Kammer- mrrgruppe wird ebenfalls sur Painlevö stimmen. Die Vorbereitungen fii»r die in Versailles statt- findcnde Versammlung sind abgeschlossen. Seit gestern ist der Park und das Schloß für das Publikum nicht mehr zugänglich und sollen erst Wieser eröffnet werden, wenn der Präsident das Schloß verlassen haben wird.

WirtfchaftSGOWierigkelten

Umfangreiche Betriebseinschränkungen.

(Telegraphischer Bericht)

Lohn und Arbeltszekt,

Essen, 13. Juni. (Telegraphische Meldung.) Unter Vorsitz des Schlichters Schöbel wurde gestern über die Lohn- und Arbeitszeit- frage für die Hütten- und Metallindu­strie verhandelt. Es kam zunächst zu einer Aus-- sprache £*Scr die Frage, ob die Lohn-, Rahmcn- tarif- und Arüeitszeitfrageu getrennt oder zu- fammcn behandelt werden sollten. Da die Arbeit­nehmervertreter auf ihrem bisher eingenomme­nen Standpunkt, die Lohnfrage durch ein Son- verschiedsgericht regeln zu lassen, bestehen blie­ben, setzte der Schlichter zwangsweise eine aus acht Arbeitnehmervertrctern und acht Arbeitge- bervcrtretern bestehende Schlichtungskammer ein, die unter feinem Vorsitz alle drei Punkte in ein­gehender Weise zu behandeln hat.

Steuer-Einnahmequellen.

Pläne im Preußischen Landtag.

(Privat-Telegr-nmn.)

Berlin, 13. Juni.

Im Ständigen Ausschuß des Preußischen Landtages sand eine Beratung über den Ent­wurf der zweite« preußischen Steuer- Notverordnung statt, durch die die Mit­tel für die Besoldungs-Erhöhungen der preußi­schen Beamten aufgebracht werden sollen. Es wurden von der Regierung folgende Einnah­mequellen vorgefchlagen: Erhöhung der Hauszinssteuer um 50 Prozent, Kürzung der Provinzial-Dotationen und anderweitige Ver­teilung der BolkSschullasten. Rach dieser Auf­stellung würde eine Erhöhung der Mieten auf 59 Prozent der Friedensmiete zu erwarten fein. Außerdem soll den Gemeinden das Recht zu­stehen, den Zuschlag zur SauSzinSsteuer bis zu hundert Prozent zu erhöhe«. ,

Ilm die Micumverträge.

Die Lasten find nicht mehr erträglich.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 13. Juni.

Wie derTemps" meldet, haben der deut­sche Botschafter in Paris und der deutsche Ge­sandte in Brüssel der französischen und belgi­schen Regienmg Schriststüike der Reichsregie­rung überreicht, in denen mitgeteilt wird, da; die deutschen Industriellen des Ruhr­gebietes nichtin der Lage seien, die Koh­lenlieferungen fortzusetzen und daß die deutsche Regierung sich außerstande sehe, diese Lieferungen zu finanzieren. Frankreich ließ mitteilen, daß es eine Jortketzung der Mi- eumverträge wünsche, bis eine neue Regierung gebildet sei, die die Frage entscheiden könne. Die gestrigen Verhandlungen in Düssel­dorf mit der Mieum gingen ohneErgebnis zu Ende. Weitere Besprechungen find auf Sonn- tag vormittag festgesetzt worden

Finanzielle Stützung.

Beschlüsse der Großbanken für die Börse. (Telegraphische Meldung.)

Berlin, 13. Juni.

In den Verhandlungen des gestrigen Nach­mittags Über eine Stützungsaktion der Banken für die Berliner Börse wurden, wie die Blätter melden, die Richtlinien für die technische Durchführung festgelegt. Im Falle starker Abgaben soll durch Aufnahme von her- auskommendem Material der Börse eine Stütze geboten und Kur setnb rückte, wie sie in den letzten Tagen erfolgt find, nach Möglichkeit verhindert werden. Diese Stützungs- bereitschast erhält dadurch eine positive Unterla­ge, daß ein Stützungsfonds von den Banken ge­zeichnet worden ist. Man hofft, daß allein die Tatsache der Stützungsbereitschast der Banken einen physiologischen Einfluß auf die Börse auS- übe» und der Börsenspekulation gewisse Schran­ken auserlegen wird. Wie verlautet, hat sich die Reichsbank an der Biwung des Stut- zungsfonds nicht beteiligt. Ihre Mitwirkung ei auch nicht nachgesucht worpen. Die an der gestrigen Börse umlaufenden Gerüchte, daß auch ür die Industrie eine Stützungsaktion ein* geleitet werden soll, entspricht, wie mehrere Blät­ter melden n i ch t den Tatsachen.

Aus Magdeburg wird berichtet: Tie Leitung der verbundenen Kali-Konzerne Wintershall, Deutsche Kaliwerke und Glückauf- Sondershausen beschlossen, nach vorangegange­ner Befahrung durch die Besahrungskommiffion angesichts der schleckten Finanz- und Wirt­schaftslage folgende Werke ruhen zu lassen: Von Wintershall die Gewerkschaft Hübftedt und die Gewerkschaft Bebra Lohra, von den Deutschen Kaliwerken die Sondershausener Kaliwerke Schacht 1 und 2, Ludwigshall, Ge­werkschaft Jmmenroda, die chemischen Fabriken Wolkramshausen, die Gewerkschaft Hedwigsburg, Werk Neuhof, Fulda, Earlsfund Schacht 1 und 3, Kaliwerk Abteilung Bernburg vom Glückauf- Konzern die Gewerkschaft Glückauf Schacht 3 and 4 und Kaliwerk Großherzog von Sachsen. Die Beamten und Arbeiter der stillgelegteu Werke find zum nächsten Kündigungstermin zu ent- - -- lassen. Aus Mannheim wird gemeldet:

:rbauyteS enjüsen. Es läge Tie badische und psälLilche Industrie

Vaiulevs ober Doumergue.

Paris. 13 Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Die gestrige Borabstinnnung der Linksfraktionen der Kammer und des Senates hatte keine Eini­gung auf Painlevö gebracht. Das Ergebnis der Probeabstimmung war 316 Stimmen für Pain- levö und 149 Stimmen für Domeraue. Für b:e heutige erste Abstimmung in Versailles ist aber eine Mehrheit von 440 Stimmen notwendig. Nach der Probeabstimmung hat eine Delegation der Gruppen der inken einen Schritt bei Do- mrrgue unternommen, um ihn zum Verzicht zu bewegen. Nachdem Domergue sich bereft erklärt hat. seine Kandidatur für die Präfidentschafts- wahl zurückzuziehen, beschlossen die Parteien, die zum Kartell der Linken gehören, die Kandi­datur Painlevö aufrecht zu erhalten. Die sozia­listische Kammergruppe wird ebenfalls für Painlevö stimmen.

zeigen erneut mit erschreckender Deutlichkeit, welch große Gefahren die farbigen Truppen im besetzten Gebiet für die srisd- liche Bevölkerung bitten, denen sie schutzlos preisgcgeben ist, da das Waffentragen im be­setzten Gebiet bekanntlich streng verboten ist. Diese Gefahr ist umso größer, wenn die Diszi­plin der Farbigen so schlecht ist, wie es bei den marokkanischen Truppen der Garnison Landau der Fall zu sein scheint, wenn sie von ihren weißen Vorgesetzten so schlecht beaufsichtigt ,ver- den, daß es ihnen möglich ist, beinahe einen Mo­nat lang nach Zapfenstreich mit Gewehren ihre Kasernen zu verlassen und nach ihrer heimatli­chen Sitte dem S1raß»-vmub obzuliageu. Das

Lffäfwrntenwahl.

Vcr-eg nheit in Paris.

Die Hilfe, die der vom Präsidrntenstrchle der französischen Republik verdrängte Miller«nd bis zum letzten Augenblick von Deutschland erwartet hatte, ist nicht eingetreffen. Im Grunde ist Milierand durch die Absiimumng dez Reichstages, die dem neuen Kabinett Marr das Vertrauen mit genügender Mehrheit a.issprach, gefallen. Das muß den deutschen Parteien, die genügenden Verstand und ausreichendes Ver- antwortungsgefühl besaßen, als politisches Afti- vum gebucht werden. Aber es wäre eine ganz falsche Beurteilung des Tatbestandes, wenn man Millerand und Poincarö für tote Männer hielte, wenn man bic Politik des Rationalblocks als für alle Zeiten erledigt und begraben betrachtet. In seiner an allen Ecken Frankreichs angeschla­genen Abschiedsbotschast an das Volk sagt Mil­lerand:Morgen werde ich in Reih und Glied den Kampf von neuem aufnehmen" Das ist im Munde einer so energischen Persön­lichkeit keine Phrase. Millsrand wird an die Spitz« des nationalistischen Blocks ire« t«n, irgend einen Weg im Parlament wird er schon finden und er Wird ein sehr gefährlicher Gegner des Kabinetts Herriot sein. Nach tote vor wird Millsrand dabei hoffentlich ebenso vergeblich wie bisher auf die unfreiwillige Unterstützung Ms Deutschland rechnen

Die Spatzen pfeifen es in Paris von allen Dächern, daß die Verständigrmg zwischen Deutschland und Frankreich davon avhängt, daß die ant'.chaAvinistischen Kabinette Marx und Herriot sich toecbselseitig stützen. Man sä,uz hier an M begreifen, welche Dummheit man durch die Fortsetzung des Hungerkrieges nach der deutschen Novemberrevolution begangen hat und Welch« Kette von Dummheiten durch die miß­achtende Behandlung der früheren demokratische^ Strömung in Deutschland die jetzige naftonal-- sftsche Reaktion in Deutschland hervorgernfin hat, bervorrusen mußte. Früher sagten das in Paris nur einzelne, alsantinational" verrufene Blätter wie ,Le QuotidienchLe Oeuvre", »L'Ere nm welle » heute fängt ein Blatt, das stets für die Politik Poincarös, Pfänder, Bürgschaften,, Sicherung durch militärische Be­setzung! eingetreten ist, die .Information- an, dieses ganze Arsenal von Getooltmaßregoln preiszugeben und die Aufnahme Deutschlands m den Völkerbund zu verlangen. Selbst ein nock heute ganz po-ncaristisches Blatt toi: .Le TemvZ- erkennt die Notwendigkeit, das Kckbcnett Marx zu stützen. Zu dicker gegenseitigen HilfIakc'on aller verständiguugswMgen und nicht hhsteri- scheu Elemente in beiden Ländern bedarf es vieler Kleinarbeit. Es ist zu hoffen, daß die Regierung Herriot. die vermutlich kommen wird, zunächst das militärische Regiment im alt- und neubesetzten Gebiet durch Aufhebung einer An­zahl von Maßregeln die schikanös wirken, er­träglicher machen wird. Vorstellungen Deutsch-, lands in dieser Hinsicht wurden letzt Erfolg haben im Hinblick darauf, daß solche Mikderun- aen die Annahme der Gesetz-, welche die Ans- Whrimg des SackverständigengutÄhtens beglei- ttn muffen, im Reichstag erleichtern wird.

Wer wird heute bei der Präsidenten­wahl das Rennen in Versailles machen? Painlevö oder Doumergue? Ihre Anhänger sind gleich stark und es ist sehr ungeimtz, wer durchkommt. Es ist auch ziemlich bedeutungslos. Die Krisis um Millerand hat ja dargetan, daß die Mehrheit des Landes wünscht, zu drm Prä- sidendenlhpus Loubet oder Fallirres, also zu dem wahrhaft neutralen, lediglich rspräsentati- ven Staatsoberhaupt zurückzukehren. Der Prä­sident soll herrschen, aber nicht regieren. Soin: Henscherftflicht hat er zwar nur selten zu üben, aber sie ist in diesen seltenen Augenvltcken un­gemein bedeutungsvoll. Er beruft den Mann dem er die Bildung des Ministeriums anver- traut. Hat er diesen Mann gefunden und hat dieser Mann ein Kabinett gefunden, welches das Bettrauen des Parlaments hat, so ist die richtige Rolle des Staatsoberhauptes beendigt bis zum nächsten Mal Roch hergebrachter Uebima beruft der Präsident der Republik bei einer Kabinettskrisis zunächst zu seiner Infor­mation und Beratung die Prüschenten des Se­nats und der Kammer zu sich. Ist dieser Hin­sicht hätte cs eine gewiff« Bedeutung, wenn Gaston Doumergue, heute Präsident des Senats, Oberhaupt bet Republik würde Es besteht näm­lich die Absicht, alsdann Poincarö zum Präsi­denten de; Senats zu WÄhlen, also zu einem Posten, von dem aus er in Krisenzeiten einen gewissen amtlichen Einfluß auf die Entschlüsse des Präsidenten ausuben Sonnte.

Laiben diejenigen Recht, die hinter der Mills, randkrise eine nicht nur persönliche, sondern eine grundsätzliche Frage auftauchen sehen? Nämlich die Frage, ob es überhaupt einen PrUrdenten der Republik geben muß? Mau kann in dieser Entwicklung eine Quelle von Konflikten zwischen dem Staatsoberhaupt und dem Parlament erblicken. Natürlich würden von jetzt ab solche Konstitte immer mit dem Unter» Segen des Staatsoberhauptes endiwm. Es läge

Französische Räuber.

Aeberfälle in der Pfalz.

Wenngleich in der letzten Zeit weniger Bericht« tider Vie Franzosenwtllkür i IN besetztenGebtet »er.

1 öffentlich« worden sind, so ist doch Sie Plage noch

nicht drseitigt.wir aus diesernBericht hervorgeht.

' Die R a u b ü b e r f ä 11 e, die feit dem 5. Mai auf Einwohner von Landau und Umgebung in der Nähe der französischen Kasernen verübt wurden und deren Ausführungen nach den Bc-

. obachtungen der Ueberfallenen über die Perso- . neu der Straßenräuber auf ein und dieselben ; Täter schließen ließ, sind nunmehr durch die von ; der Staatsanwaltschaft Landau zur Ermittlung . der Täter ungeordneten Polizeistreifen restlos aufgeklärt. Auf eine dieser deutschen Radsahrer- , Patrouillen, die aus drei deutschen Sicher heitsbe- . amten bestand, wurden in der Nacht vom 2. auf 3. Juni unweit der Straßenkreuzung zu Jns- heim plötzlich

aus dem Hinterhalt mehrere Schüsse

i abgegeben. Der vorausfahrende Gendarmerie« i Wachtmeister Brunner wurde vom Rade geschos- , sen und erhielt dann einen weiteren Schuß in , die linke Hüfte. Trotz seiner schweren Ver- letzuna erwiderte er sowie die beiden anderen Sicherheitsbeamten das Feuer auf die aus der Dunkelheit austauchenden drei Wegelagerer, die weitere Schüsse abgaben, sodaß es zu einem re­gelrechten Feuergeseckt tarn. Der verwundete Gendarmeriewachtmeister Brunner wurde habet von einem der Angreifer mit einer langen Blei- röhre verfolgt. Ms der Sckckag fehl ging, zo­gen sich die Wegelagerer schließlich zurück und entkamen in der Richtung der französischen Ka­serne. Wie sich später heraussiellte, hat einer von ihnen einen Bauchschuß erlitten. Die bei

, Tagesanbruch von deutschen und französischen ! Gendarmen ausgenommene, an Fuß- und Blur- spuren deutlich erkennbare Fährte der Wegela- gerer führte nach der französischen Kaserne. Durch die französische Untersuchung wurde einwandfrei festgestellt, daß der Ucberfall auf die deutsche Rad sichrerpatrouille '

von drei marokkanischen Soldaten

der Garnison Landau ausgeführt worden ist. Da die deutschen Polizeibeamten Zivilkleider trugen und in Abständen von einander fuhren, glaubten die drei marokkanischen Soldaten es mit harm­losen Straßenpassanten zu tun zu haben, gingen sofort zum Angriff auf ihre vermeintlichen Opfer über und schossen den voranfahrenden Wachtmei­ster Brunner vom Rad herunter. Durch die Art und Weisa des Ueberfalls ist die bei den frühe­ren Ueberfällen gemachte Feststellung betätigt, daß es sich bei den Tätern um dieselben Perso­nen Handelt. Bei allen Ueberfällen lauerten französische Soldaten als Wegelagerer ihre Opser nachts in Straßengräben oder hinter Böschungen versteckt auf und stürzten sich aus dem Hinterhalt auf die nächtlichen Harmlosen Wanderer. Der Schauplatz sämtlicher UebcrfäHe ist örtlich fast der gleiche. Ferner sttmmen die Angaben der Ueberfallenen über die Körperge­stalten der Räuber überein. Einer von ihnen fiel durch seine Körpergröße auf. Daran wurde er von dem Führer der deutschen Patrouille sofort erkannt. Werter führten die drei marokka­nischen Soldaten bei ihrem uebersall auf die deutsche Patrouille

dieselben Mordwerkzenge,

Gewehre, Bleiröhren, Blendlaternen usw. mit sich, bereit sie sich bei ben früheren Ueberfällen bedienten. Durch bi: französische Untersuchung sind also die Beobachtungen der msisten lieber» sallenen, daß die drei Straßenräuber marokka­nische Soldaten sind, einwandfrei bestätigt. Schon das erste Opfer hatte sofort an den hellbraunen Uniformen, den Mützen, an der Bewaffnung und an der fremdländischen Sprach: in seinen An­greifern marokkanische Soldaten erkannt nnd hatte deshalb bet der französischen Gendarmerie Anzeige erstattet. Alle die Uebersälle geschahen gewissermaßen unter den Augen her

französischen Militärbehörde

in der Nähe der französischen Kaserne, lieber einen Monat trieben die Straßenräuber ihr Un­wesen, ohne daß ihnen von ben französischen Stellen bas Handwerk gelegt wurde, obwohl die vanzöstsche Gendarmerie seit dem ersten Urbrr- all durch di- Anzeigen der Ueberfallenen dar­über unterrichtet war, daß marokkanische Solda­ten als Täter in Betracht kamen. Die Uebersälle

also, meinen viele, im Interesse bei Ruhe unb Ordnung, sie ,u vermeiden und das einfachste wäre, di- Stellungen von Staatsoberhaupt und Ministerpräsident in einer Person zu vereinigen. Die Folge wäre, bap bei Kabinettskrisen der Ministerpräsident vom Parlament ernannt wer­den müßt«. Aber bc.S wurde dir Krisen nicht vereinfachen. Man wird es bet dem heutigen System wohl oder übel belassen müssen. Die Herren Loubet und Fallieres haben ihr: fast stummen Rollen vorzüglich gespielt. Ihre Fünf» tigert Nachfolger werden sie nachahmen müssen. Dis Stellung des Präsidenten ist durch dis eben durchgemachte Krisis nicht erhöht wo-den. Mil­lerand nennt mit Recht die Art, wie man ihn ab geb aut Hat, revolutionär. Es war tatsächlich eine unblutige Staatsumwälzung, in der bi: volksgewählte Kammer ihre Sonveräui- tät befestigt hat. Der Präsident der Republik ist von nun ab nur ein parlamentarischer Kom­missar.