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Stammet 137. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf. Freitag, 13. Juni 1924. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags IS Pf. 14. Jahrgang
Frankreichs VrWevkeu- und Kabinettskrise.
Mitterands Abschied.
Frankreichs bisheriger Prästdent.
Unter dem Druck der französischen Linksparteien hat der bisherige Präsident Alexandre Millerand zurücktreten müssen. Unter den elf Präsidenten, die die dritte Republik seither gehabt hat imd die einander recht unähnlich gewesen sind, war Millerand der am wenigsten dekorative. Er wurde tm Jahre 1859 als Sohn eines kleinen Kaufmanns geboren, der aus seinem Sohn etwas machen wollte und ihn deshalb die Rechte studieren ließ. Millerand wurde Advokat, war fleißig und erwarb sich im Lause der Zeit eine Praxis, die zwar nicht so glänzend war wie die Poincarös, der in seinen besten Jahren eine Viertelmillion Francs und mehr verdient haben soll, die ihm aber, ein behagliches Leben und die Möglichkeit sicherte, sich schon in jungen Jahren aus die Politik zu werfen. Das tun ja in Frankreich alle Advokaten, deren Ehrgeiz das Plaidieren am Appellationsgerichtshof nicht völlig ausfüllt, und wenn sie nicht nur begabt, sondern auch gute und wirksame Redner sind, so eröffnet sich ihnen mit einem Mandat zur Kammer früher oder später stets der Weg zum Aufstieg, Schon im Alter von 26 Fahren war Millerand Deputierter. Ein Pariser Wahlkreis hatte ihn, de« gebürtigen Pariser, in die Kammer gewählt, in der er übrigens in den ersten Jahren keine Rolle spielte. Das änderte sich, nachdem ihn im Jahre 1892 Charles Lon- guet, der Schwiegersohn von Karl Marr, für die Sacke des Sozialismus gewonnen batte. Er wurde bald Leiter des Blattes .Petite Rövu- bkigne", später der .Lanterne" und teilte sich mit Jean Jaures in die Führung der sozialistischen Partei. Er kämpfte auch neben Jaures in den Tagen der Drevftrs-Asfäre sirr politische Sauberkeit und Gerechtigkeit, ohne doch in diesem Kampf, der Frankreich bis in feine Grundfesten erschütterte, führend hervorzutreten.
Im Jahre 1899. im „großen" Kabinett Wal- deck-Roufseau, wurde er zum ersten Mal Minister und übernahm das Portefeuille deS Handels. Diese Berufung erweckte deshalb besonderes Aufsehen, weil Millerand der erste Sozialist war, der in Frankreich, ja überhaupt in der Regierung einer europäischen Großmacht, Minister wurde. Es dauerte ia auch geraume Zeit, bis die Sozialisten in anderen Ländern ,mini- strables" wurden, und aus jener Zeit stammt die Bemerkung Wilhelms n.t »Ja, wenn wir den hätten!" Wilhelm IL hat sich wie über so viele andere Zeitgenossen <ned> über Alexandre Millerand getäuscht. Der sozialistische französische Handelsminister war zu jener Zeit nicht minder radikal als seine deutschen Parteigenossen, und wie diese sich zwanzig Jahre nach rechts entwickelt haben, als sie die bequeme Rolle der Opposition mit der Macht und ihrer Verantwortung vertauschten, so entwickelte sich auch Millerand zusehends nach rechts, und er wurde im Jabre 1904 formell aus der sozialistischen Partei ausgeschlossen nachdem erbitterte Fehden zwischen ihm und dem revolutionären Flügel der Partei vorange- ganaen waren.
Die Elemente der Linken in Frankreich waren seit damals fertig mit ihm Aber Millerand wußte seine Weg auch ohne den Sozialismus tit machen: im Kabinett Poincar» von 1912 Kunde er Kriegsminister vnd paßte sich geschickt der nationalistischen Strömung an. di« n«h der unglückseligen Marokko- Affäre in Frankreich wieder Oberwasser erhielt. Im Kriegsministerium bewährte er f •*< al? Organisator und wußte sich durch die Aushebung von Bestimmungen, die noch aus der Zeit der Säuberung der Armee von reaktionären Elementen stinrmten, das Vertrauen und die Svmpa- tbie des Offizierskorps zu erwerben, was vor ibm lange Zeckt keinem .Pelin". keinem Zivil kriegsminister gelungen war. Aber Alexandre Millerand tat noch mehr. Er wußte die den Franzosen im Blut lieaende Leidenschaft für soldatisches Wesen neu an» rusachen. indem er den abendlichen Zapfenstreich, den militärischen Umzug mit Dkusik und Fackel- begleituna, wieder einführte. Es besteht gar kein Zweifel daran, daß die Wiederbelebung dieses alten Brauches aus der napoleonischen Zeit den militaristischen Geist und die kriegerischen Gesinnungen der Franzosen weit stärker belebt hat als alle kriegshetzerischen Reden französischer Generffle und Staatsmänner in jenen Jahren der Kriegsvorbereitung zusammen. Der Zapfenstreich wurde zum Volksvergnügen. bei dem di« Menge in Scharen die schmetternde Regimentsmustk durch die Straßen von Paris begleitete ttnb den »Pi-re la victoire" oder andere nationale Märsche mitpstff.
Ale-andre Millerand hatte gewiß nie daran ek dacht, einmal Präsident der Republik zu werden. Die Aussichten dafür waren gering: der Zufall, der in der Politik weit öfter, als die Völker glauben, eine ausschlaggebende Rolle spielt, trug ihn schließlich auf die Spitze des
Staates, der Zufall, der Deschanel geistig zusammenbrechen ließ, nachdem er sein Lebensziel, die Präsidentschaft, erreicht hatte. Im Elysee ist Millerand übrigens der einfache Mann geblieben, der er zeitlebens war. Daß die Präsident- schaftskrise Herrn Millerand wie seinen Angehörigen nicht gerade angenehm ist und tief in ihr Leben eingreist, kann man sich denken; Herr und Frau Millerand sollen sich ja schon vor einigen Wochen nach einer Wohnung umgesehen haben, di« eines ehemaligen Staatsoberhauptes würdig und dabei doch nicht zu teuer ist. Es gehört immer eine gute Dosis Entsagung dazu, aus dem historischen Pakais de l'Elhsso in eine bürgerliche Wohnung zu übersiedeln.
Frankreichs Masidentenkrise.
Unschlüsflgkeit vor der Wahl.
(Eigener Drahtbcrichi.)
Paris, 12. Juni.
Um 3 Uhr nachmittags wurde auf dem Elyse die PräsidentschastSstagge eingezogen. Millerand hatte zwanzig Minuten vorher das Elys« in einem einfachen Anto verlassen. Eine 500 Kopf starke Menschenmenge sah dem Abfahren zu, ohne daß es zu Kundgebungen kam. Unter den von der Pariser Abendpreffe genannten Kandidaten für die PräfideutschaftSwahl am morgige« Frettag befinden sich auch M a g i- not und der frühere Minister Lebrun. Dir Kommunisten wollen, dem „Motin" zufolge, für Painlevs stimmen, wofür aber bis heute ftüh in der Humanit« eine Bestätigung noch nicht vorliegt — Der „Motin" rmd der „Figaro" bezweifeln eine absolute Mehrheit wr eiuen Kandidaten in den beiden ersten Wahlgängen; sogar für den dritte« Wahlgang wäre keine absolute Mehrheit vorhanden. Tollte aber eine Ueberraschung z« erwarte« sei«, so Bn« ne diese Ueberraschung ebenso gut Poincars wie Herriot heiße«.
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Besprechung der Fraktionen.
PariS, 12. Juni. (Telegraphisch« Mel- bimg.) Die Versammlung der Müglied« der Kammergruppen, di« dem Kartell der Linken angehören, und der Mitglieder der demokratischen Linken des Senat-, die de« Kandidaten für die Präsidentschaft bestimmen, wird morgen nachmittag stattfinde«. Es besteht die Abluft, alle Kannnermitglieder hinzu- zuziehe«, die während der Krise mit dem Linksblock gestimmt haben, sowie die Mitglieder der republikanischen Union deS TenatS (Gruppe Po- incars). Heute abend treten die Senats- und Kammerfraktionen der Linken zu einer Besprechung zusaurmen, i« der die Formalttäten für die morgige Sitzung geregelt und endgültig die Gruppen und die ttnzelnen Parlamentarier bebest i mm t werde«, die zu ihr zugezogen werden.
Varteinatzmr ver (9?neraif.
Paris, 12. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Die Erregung im Kampf um die Präsidentschaft hat auch auf das Heer übergegriffen. Nicht nur Marschall F o ch, sondern auch General Lastet- «a u hatte sich in einem Trinkspruch in Bersail- keS am ersten Pfingsttag mit Leidenschaft für die „Artfrechterhattung der Verfassung" und damit für Millerand eingesetzt. Die beiden Trinksprüche haben auf die linken republikanischen Parteien ungünstig gewirtt. mnsomehr alS auch aus Havre und Bordeaux ähnliche Ansprachen der höhere« Offiziere bekannt werde«.
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Keine grvste Linkofthweutuna.
PariS, 12. Ium. (Eigene Drahtmeldung.) Die geringe Mehrheit von 10 Stimmen im Senat gegen Millerand läßt auf keine große Linksschwenkung der Senatoren für einen Präsidentschaftskandidaten der Linke« schließen. Die Niederlage MillerandS im Senat ist auf die starke Wirkung des Gencralstreikbeschlustes der Pariser Arbeiterverbände (Syndikalt- ften) für Donnerstag zurückzuführen, falls Mil- lerand Präsident bliebe. Der Sozialist Blum verlangt für den Fall der Wahl eines Linksprä- sidenten bereits die Kassierung der Generäle Foch'nnd Eastclnan. die sich für Millerauds Verbleiben im Elhsö eingesetzt hätten.
Micumverhandlungen.
Einspruch gegen die unerträglichen Laste«. (Telegraphischer Bericht)
Berlin, 12. Juni.
Nachdem Frankreich und Belgien vereinbart haben, die Micumverträgs bis Septembers» ver
längern, finden heute in Düsseldorf Besprechungen zwischen Vertretern der deutschen Industriellen und de«en der Micma statt, vou der in dieser Angelegenheit die Initiative aus- geht. Die deutschen Industriellen weisen mit äußerster Entschiedenheit die Ententevertreter erneut auf die schweren Schädigungen ihrer Betriebe durch die Belastung mit den Micumvcr trägen hin und erklären die Verlängerung als untragbar. Die Düsseldorfer Besprechung hat die gtcichsregiernng zur Einberufung einer Ka- binettsfltzung veranlaßt. Wie wir erfahren, wird sich die Reichsregierung erneut außer Stande erklären, die für die Durchführung der Mirum-Verttäge erforderlichen Kredite aufbringen zu können. Voraussichtlich wird ferner ein internationaler Appell erfolgen, durch die Verschärfung der wirtschaftlichen Situation Deutschlands infolge neuen Zwanges zur Verlängerung der Micltm-Vetträge nicht eine Gefährdung der Durchführung des Sachverständigengutachtens herbeizuführen.
Das französische Kabinett.
Schon wieder ei« Regierungs-Wechsel. (Telegraphische Meldung.)
Paris, 12. Juni.
Wie Havas mitteitt, ist von der Mehrheit der Kammer die nächste Sitzung auf Sonnabend anberaumt worden, um eine Mitteilung der Re gierung entgegenzunehmen. Die Freunde des Abgeordneten Herriot erklärten, er sei bereit, schon Freitag abend nach der Präsidentenwahl ein neues Kabinett zu bilden. Die Ernennunqs- betrete des neuen Ministeriums würden Sonnabend vormittag im Journal offiziell veröffentlicht werben, und die Regierung werde schon am Nachmittag vor dem Parlament erscheinen. Nach der Debatte, die der Verlesung der ministerielle» Erklärung folgen würde, habe Herriot die Absicht, die Verhandlungen deS Parlaments für einen Tag zu unterbrechen, bannt et Fühlung mit den Allierten nehmen könne. DaS Kabinett Marsal hat nur wenige Tage Lebensdauer.
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Kampfansage 6er ^rechten.
Paris, 12. Juni. (Eigene Drahtmeümng.) Bloe Nationale hat in seiner Sitzung am Dienstag «bend eine schärft Kampfansage gegen jede aus der Linken hervorgehende Regierunas- bilduna beschlossen. Dubois teilte die Einwilligung Millerands mtt, sich als Deputierter in dem Departement BaffeS-AlpeS ausstellen zu lassen, wo aur 30. b. Mts. die Ersatzwühl stattfindet.
Lohnsrageund Arbeitszeit.
Eine Entschliessung der Eisenbahnarbeiter.
(Telegraphische Meldung.)
Berlin, 12. Juni.
Der Vorstand und Berbandsbeirat des Deutschen Eisenbahnerverbandes «ahm gestern in Berlin zu dem Lohnangebot deS Reichsverkehrsministeriums für die Eisenbahnarbeiter in einer Entschliessung Stellung, in der das Lerhand- luugSergebuis vom 4. Juni infolge der Unzulänglichkeit obgelehnt wird. Den Eisenbahnern fei damit der Kampf um die Erhaltung ihrer Existenz auftzezwungen worden. Zur Vermeidung eines Kampfes macht dann die Entschliessung eine« Vorschlag, der sich sowohl auf die Lohn- ftage als auch «uf die «rbcitszett der Eisenbahn- arbeiter bezieht. Zur Frage der Beamtenbesol- dung erklärte die Konferenz, dass die Besot- dungsregelung vom 22. Mai wegen ihrer äusserst unsozialen Wirkung entschiede« zu verwerfen sei. Reichsregierung mW Parlament werde« aufge- fordett, die Besoldungsregelung einer Nachprüfung zu unterziehen mit dem Ziel, die Gehälter der geringstbesoldeten Beamten gruppen ausreichend zu erhöhen. Wie mehrere Blätter mttteilen, werden heute die drei Spitzengewerkschaften der Eisenbahner zusammentreten, um ihre Forderungen auf eine einheiüiche Formel zu bringe«.
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Dos Arbeitsvervüttul« der DetrievSkSkk.
Essen, 12. Juni. (Telegraphische Meldung.) Wie die Blätter aus Bochum melde«, entschied der Schlichtungsausschuss, der darüber befinden sollte, ob das Arbeitsverhältnis der BetriebS- rätenntglieder durch die «rbeitSruhe im Ruhr- bergbau erloschen sei oder nicht, dass die alten Be- tridfSräte zu Recht weiter bestehen. Damit ist, wie die Blätter bemerken, ei« wesentliches Moment der Beunruhigung für die Bergarbeiter- schatt wcLSejaüe«.
Die Frauenarbeit.
Ihre Bedeutung in dem Erwerbsleben.
In ben letzte r I ihren hat die Dorwendung der Frauenarbeit detrSthtlUhe Schwankungen erfahren. W hreud im Kriegs und nach den» Kriege d e TrwerbStStigkett der Frauen vermehrt werden mutzte, ift gegenwärtig ihre Zahl wieder stark guriickgegangen. lieber die Entwicklung der Frauenarbeit schreibt man un<«
Dl« Frauenarbeit in Deutschland ist durchaus nichts Neues. Schon im Mittelalter gab es Frauen in allen Handwerlen, für die sie kör- perlich befähigt waren. Di« Geschichte -berichtet von weiblichen Kürschnern, Lohgerbern, Wappenstickern etc. und, was das Wesentliche dabei ift, diese weiblichen Handwerker waren nicht n«r Gehilfinnen, sonder« auch Meisterinnen, Unternehmerinnen in ihre« Berufen. Eine große Rolle spielten in vielen großen Städten die Werkstätten der Spinnerinnen und Weberinnen. Hier wurde das Garn für die großen Tuchwebereien gefertigt und es wurden Gold- und Sil- berfäden gesponnen, die nach England, Italien und Nordeuropa wanderten. Die Kölner Seidenweberei lag fast ausschließlich in den Händen von Frauen, und welche Bedeutung dies? Meisterinnen hatten wird uns klar, wenn wir erfahre«, daß manche Seidenmacherin in Köln tat 15. Jahrundert jährlich für 12—15000 Mark Rohseide eintaufte. Solange Handel und Ge- werbe der deutschen Städte im Aufschwung be- ariffen waren, legte man der Frauenarbeit keinerlei Hemmnisse in den Weg. Die Handwerkerinnen gehörten den Zünften an und besaßen
dieselben Rechte und Pflichten wie ihre männlichen Kolleg««. Aber der hohe« Blütezeit des Mittelalters folgte eine Zeit i>sS‘ Dtehenbleibens, die Absatzgebiete fehlten, Deutschland hatte versäumt, sich seinen Platz in- der Weltwirtschaft zu sichern und die Folge davon war ein Bekämpfen und Zurückdrängen bet Frauenarbeit. Doch nur die buryerluchen Frauen wurden mit ihrer Arbeit von da och aus das Haus beschränkt urtb die Familie, bi« Frauen der untersten Stände dagegen suchten und fanden Beschäftigung bei der sich allmählich entwik- kelnden Groß-Industrie, allerdings in den me.- Il'ten Fällen gegen ganz erbärmliche Bezahlung.i Ende des 18. Jahrhunderts kamen die ersten Spinnmaschinen in Gebrauch und nun trat an die Steve der Hausindustrie die Fabrikat-' beit. Von der Mitte des vorigen Jckhrhun- derts, also von der Zeit an, in her die Produktion, mehr und mehr von der Privatwirtschaft losgelSst. an dir Volkswirtschaft übergegangen war, sehen wir dann auch wieder das Ringender bürgerlichen Frauen nach neuen ArbeitS- und Erwerbs Möglichkeiten. Mittlerweile war
der Verbrauch durch dft VolkSvermehrung
größer geworden, diese Vermehrung wurde aber auch eine treibende Kraft für Handel und Industrie. Die Bodenkraft reichte nicht mehr aus, um die seit dem Jahre 1816 um 35 Millionen vermehrte Bevölkeruna mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Deutschland war gezwungen, dem Ausland seine Erzeugnisse anzubieten und dastir Nahrungs- und Genußmittel einzusubren, daher der gewaltige Auffchwung deS Handels- und btr Großindustrie. Der modern« Industriestaat be- darf aber all«-- verfügbaren Menschenkräfte, um sein Absatzgebiet zu erweitern und feine Stete lung ans dem Weltmarft zu behaupten. Die in der Hauswirtschaft freigewordenen Fraueickrafte des Bürgerstandes sanden affo ebenfalls sofort Arbeit und Verdienst. Stellen wir nun einmal ftst, wie groß der Anteil der Frau an der beute scheu Volkswirtschaft noch vor zehn Jahren war und in welchem Maße sich die Frauenarbeit ans dir verschiedenen Wirtschaftsgebiete verteilte. An der Spitze stand zunächst
di« Landwirtschaft
mtt 4V, Millionen Arbeiterinnen. Die starte Beteiligung der Frau auf diesem Gebiet hatte nicht zum wenigsten ihren Grund in dem ber« mehrten Eindringen der Männer ta die mbl? striellen Berufe. Die Arbetter verließen ba5 Land, weil sie hofften, in der Stadt bchsere Er- werbsmöglichketten zu finde«. Zwar rst dre Frau in der Landwirtschaft noch nicht
den Stellungen vorgerückt, ihre Tattgrett be« schränkt sich meist auf Magddienste, besonders tn den kleineren und mittleren Betrieben. Trotzdem verdienen jene Bestrebungen Beachtung, bte darauf abzielen, die ArbeitStuchticckeit ber Fr«m kür landwirtschaftlich« Zwecke werter wrszubrl.. den. denn es bat gam Ve« AUscher«. als ob we Zukunft unserer Landwirtschaft,von tajuw kett und Intelligenz deS weiblichen Geschlechts abhängen wird.
Die Tätigkeit in bet Industrie
batte sich im Lause der letzten 25 Jahre vor dem Krieg annähernd verdoppelt. Es gab *J«r -4 Millionen Frauen, die auf etwa 28 gruppen verteilt waren. Großer« Brlllgkctt, Volks- und vrivafwirffchaftlick^
das aus diesen Gründen erflarlrche ««gebot weiblicher Hände und die besondere Jahrgtelt dn Frftu für bestimmte gewerbliche Tütigketten