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Kasseler Abendzeitung

Sic SiaffelerJieueiten »lacürtcbten erfdietnm roflchentlitb fetSSmal nadmt ttage. DerüBonne. mentSpret« betragt für Den Monat Juni 2,00 Mark bet tretet .RufteHuna in« Han", in der ®ef*äftfftene abgehott 1.80 Mark. Durch di- Post monatlich 2.00 Mark einfchl, stustellung«. g«buh» «erlog und Redaktion: Schlachthofstr. 2S/30. Fernsprecher 951 und 952. >wr unverlangt etngesandte Beiträge kann die Redaktion eine yerantroortunn oder Gewahr m keinem Jalle übernehmen. Rückzahlung de« Be»ug«gelde« oder Ansprüche wegen etwaiger nicht orbnungSmäStger Lieferung ist ausgeschlossen. Postscheck­konto Frankfurt a.M. Nummer 6380.

EW

Hessische Abendzeitung

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Nummer 136. Einzelnummer 10 Pf . Sonntags 15 Pf.

Donnerstag, 12. Inni 1924.

Einzelnummer 10 Pf . Sonntags 15 Pf. 14. ZtthrgaNg

Mtrilt des Präsidenten von Zrnnlreich.

Tag der Deutschen.

Der B. v. A. in Aannoverfch-Münden.

In diesen Tagen, vom 11. bis 15. Juni, hält der Verein für das Deutschtum im Auslande be­kanntlich seine große Tagung ab. Zum ersten Male nach dem Kriege ist der infolge des äuße­ren Drucks, der aus dem Deutschtum lastet, mäch­tig emporgeblühte V. d. A. nach Hannoverland zusammengerufen worden., War er in den Vor­jahren in Salzburg, Kulmbach (Bayern) und zu­letzt in Hamburg zu Gaste geladen, so hat sich dies Jahr eine derWeserperlen-, das liebliche Münden, berufen gefühlt, die Ver­treter deutschen Denkens und deut­scher Sprache aus aller Welt in seine Mauern einzuladen. Wer die in Waldtäler ein­gebettete altertümliche Stadt kennt, dem schlägt das Herz höher im Gedanken an ein deutsches Heimatfest in dieser Umgebung; denn Münden versteht es, solche Feste zu feiern, ist es doch ge- wifserniaßen ihre Wiege, feit sein erstes Heimat- fest überall Nachahmung fand. Gewiß, großstäd­tischen Luxus, die Bequemlichkeiten einer Welt­stadt, eines Luxusbades wird man vergebens im lieben alten Münden suchen, aber was es so anziehend macht, sind die Gaben der Mutter Na­tur, ist das herrliche Frühlingsgewand, das es heute so festlich kleidet und das ihm den Reiz und den Charakter verleibt. Es gibt Punkte in Münden und seiner Umgebung, die der Reisende nimmer bergeff en wird, wenn er dort weilte. Wer in der Morgenstimmung einmal vom We- serstcin unter der mächtigen alten Kastanie in das Dämmern eines allmählich freiwerdenden soimnerwarmeu Tages hineinfuhr und im Rebel Mündens alte Türme schwinden sah, der hat ein Stuck Poesie erlebt Oder WSt'nach einem heißen Tag die Weserfahrt stromaufwärts hin­ter sich hat und wohlig der Ruhe des sinkenden Tages entgegenstrebt, die ihm in Münden wer­den soll, der weiß, was beschauliche Stimmung bedeutet. Die Waldberge, die Geschichte und Sage geben der Weser ihren besonderen Reiz. Es ist ein Unrecht, sitz mit dem Rhein vergleichen zu wollen, weil die beiden Ströme nicht vergli­chen werden können und jeder seine eigenen Züge trägt, aber der begeistertste Rheinfahrer wird der waldgrünen Weser in ihrem Oberlauf die Schönheit und die Eigenart nicht absprechen können.

Forscht der Wanderer ein wenig nach dem, was ihm Geschichte und Sage bietet, so wird er staunen, wie stiefmütterlich der Weferstrom früher in Wort und Schrift bedacht worden ist. Erst heute kommt er inMode", und als einzig deutsch gebliebener Strom beginnt er, erschlos­sen und gelobt zu werden. Es lohnt sich, seine Ufer zu durchwandern, fein Tal entlang zu fahren; keiner wird enttäuscht sein, der es getan, die Fülle heimlicher Schönheiten, offenkundiger Brachtstücke von Lcmdfchaftsbildern und alter Gemäuer und Baulichkeiten setzt den Unkundi­gen in Erstaunen. Und ein guter End- oder Ausgangspunkt für eine Weserfahrt ist Hann.. Münden, die heutige Feststadt des V. d A. Hier führten alte Völkerstraßen von je zusam­men, mit den Wasserwegen zugleich zu Mün­dens Wohlstand beitragend, den die architekto­nisch fesselnden Fachwerkbauten aus der Zeit des 15.-18. Jahrhunderts noch beweisen.

Daß Hunderte von Vertretern der Ortsgrup­pen des V. d. A. aus dem Reich und der Aus­ländsdeutschen in ollen Landen derWelt.in de­nen es Deutsche gibt, in diesen Tagen in Mün­den zusammenströmen werden, ist bereits ge­meldet worden. Mit einer Frauentagung begann die Hauptversammlung am heutigen Mittwoch, der Donnerstag bringt die erste große öffentliche Festsitzung, die Rudolf E u ck e n und der erste Vorsitzende Staatssekretär a. D v. Hintze eröffnen werden. Der Freitag gilt den Studenten und der Jugend, rn denen Pros Keßler-Jena sprechen wird. Weferfahr- ten und Ausflüge nach Wilhelms- Höhe bieten Gelegenheiten .das Land kennen zu lernen. An den Abenden wird das Deutfchtum im Banat im Film vorgerübrt werden, fallen die Siebenbürger deutsche Volkskunst zeigen. Der Sonnabend wird nach Witzenhausen und dem Ludwigstein führen. Rach einer Besichtigung der Kolonialschule findet auf der Burg Ludwigstein eine Fugendtagung darnach im Steinbruch ein Festspiel statt. Rack der BNcksahrt soll ein Sonnwendfeuer in Münden lodern

Der Sonntag endlich wird zum g r o ß - deutschen Volkstaa. Bekannte Kanzel- rtbner werden in den Festgottesdtensten predi- aen (Kansistorialrat Dr. Lang und Pater Wei­ßenburg), am Nachmittag findet der mehrere Ki­lometer" lang werdende Trachtensestzug statt, für dm etwa zwanzig Gruppen aus dem Rn- und Auslande gemeldet sind. Sieben Ka- vellen werden im Zuge geführt, Festwagen ver­leihen ihm Schmuck imd Abwechslung. Ans der Festwiese, den beiden Tanzwerdern, soll sich im Anschluß das Volksfest abspielen, für das

Derknllpfung mit Der Schuldfrage.

wieder zufammemrttenden Oici/nShm, tinert ?tn- Zusammenhang mit Kunst und Wtffenschast er­trag zu unterbreiten. Der die A> vorherigen .scheint, bedeutet Epoche: es ist das Symptom

Wissen.

Einen zusammengefaßten Ausdruck findet fe Bewegung in der Arbeitsgemeinschaft für

inneren Lebens am Herzen liegt, auf ästhetische.

©tenunpnahme der JJcrteien.

Paris, 11. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Die Sitzung beider Häuser deS Parlaments fin­det am Freitag mittag 12 Uhr in Versailles Katt. Die Parteien werden erst im Laufe des heutigen Nachmittags sich über die Nominierung der Kandidaten schlüsstg machen. Die gemäßig­ten Sozialisten werden in keinem Falle für die Kandidatur Painleves stimmen. Der Block der Linken tritt um 4 Uhr zusammen, um zu be­schließen, ob er sich auf einen gemeinsamen Kan­didaten einige will. Die heutige Sitzung um 3 Uhr wird nur von kurzer Dauer sein.

Der nationale Block für NNllerand.

Paris, 11. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Das Journal meldet aus Paris: Um Mitter­nacht wird bekannt, daß der Präsident Mille­rand um 8 Uhr abends Bettreter des natio- nalenBlockS empfangen hat. Sie haben dem Präsidenten die Bitte unterbreitet, für die Prä­sidentschaft wieder zn kandidieren. Millerand hat sich seine Entscheidung bis Donnerstag Vor­behalten. Die gestrige Abendausgabe deS Fi­garo nennt di; Präsidentschafts-Kandidatur BarthouS alS die für die Anhänger der Re­publik wünschenSwetteste, da fie eine Einigung allerRepublikaner ermögliche.

Maflenchöre, sportliche und Tanzvorfühmngen Thetter. Reigen vorgemertt sind. Buden mit Sandeserzeugniffen und Verkaufsstände führen in die Gebiete des AuSlandsdeutschtums hinein; man rechnet auf stärksten Besuch aus der engeren und weiteren Rachlbarschaft und rüstet sich dazu. Münden wird auch diesmal seine oft bewährte Gastlichkeit zu beweisen wissen.

hängig machen soll. Dem Vernehmen nach ist die Unterstützung des Antrages durch den Vor­stand der Deutschvölkischen Fraktton bereits am DienStag ausgesprochen worden.

fischen Parteien und Vereine nach Paris ein. Gegenkundgebungen der Linken find noch nicht bekannt geworden. Auch der Matin und der Temps fordern eine erhöhte Tätigkeitder Nationalisten in Frankreich gegenüber dem An- sturm des Proletariats auf die Grundlagen der Bettaffung. Der Tagesanzeiger meldet ans PariS; Rach Mitteilung der gestrigen Ausgabe der Humanits hat das Pariser Offiziers­korps eine Kundgebung für Mille- r a n d beschlossen, die jedoch vonderZensur unterdrückt worden sei.

Berlin, 11. Juni. (Privattelegramm.) Die deutschnationale Fraktion hat beschlossen, dem

Um die Nachfolge.

Paris, 11. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Nach dem Rücktritt Millerands trttt die Frage der Nachfolgerschaft für den Präsidenten wieder in den Vordergrund. Die Entscheidung darüber wird im Derlaufe des morgigen Tages fallen. Es stehen immer noch die Kandidaten Painlevö und Doumergues einander ge- genüber. Die Möglich!ett einer Kandidatur Po- inearSS ist ebenfalls erwähnt worden, scheint aber anscheinend gering zu sein. Nach programm­mäßigem Bettanf wird die PrästdentschaftSwahl wohl am Freitag in Versailles stattfinden.

-'einer Auffassung, dir. wieder an. die Wurzln der

-Kultur'denkt, an das in der Arbeitd^ und seiner Führer enthaltene Könne,^^--nd

Französische Nationalisten.

Erhöhte TStigkttt gegen die Linke.

(Eigene Drahimeldung.)

Paris, 1L Juni.

Die nationalen Parteien berufen für den 14. Juni einen nationalen Kongreß aller auf dem Boden der Verfassung stehenden franzö-

Am das Gutachten.

Keine Zweidttttel-Mehrheit notwendig.

(Eigene Drahtmeldung.)

München, 11, Juni.

Wie die Donauzeitung aus Berlin meldet, hat der Außenminister Dr- Ttresemann im Ge­spräch mit Abgeordneten, denen er für das Ein­setzen der Bayerischen Bolkspartei für das Ver­trauensvotum dankte, mitgeteilt, daß sich das Reichskabinett einstimmig auf den Standpunkt gestellt habe, eine Z weidrittel -Mehrheit für die Gesetzentwürfe zum Sachverständigen-Gutachton versassungSrechllich nicht nötig zu haben. Der Außenminister bettef sich auf Artikel 175 der Reichsverfttffung und darauf, daß die Entwürfe auf Grund des Versailler Bettrages eingebracht würden.

Börsenhauffe in ÄtaUen.

Spekulationsfieber in Aktien.

(Eigene Drahtmeldung.)

Mailand, 11. Juni.

Die italienischen Börsen haben seit einigen Wochen eine unaufhöttiche Hausse zu verzeich­nen, von der alle Titel mitgeriffen werden. Viele Jtrdustrietitel haben ihren Wert in wenigen Monaten vervielfacht. Die 5prozentige Staats­anleihe ist auf 102,35 gestiegen, während sie vottges Jahr noch unter 80 stand. Der Kurs­stand der meistqehandelten Bankaktien hat sich nahezu verdoppelt. Seit dem Neujahr allein sind fie um mehrere hnndett Lire gestiegen. Don den Jndustrietoerteu find z. B. Fiat im gleichen Zeitraum von 390 auf 750 gestiegen. Die ElekttizitätSwerte haben eine noch günstigere Hausse zu verzeichnen. Diese zum Teil nut durch eine zügellose Spekulation erklärliche Hausse beginnt die Volkswittschastler zu beun­ruhigen. Don der Spielwut find alle sozialen Klassen ergriffen, und noch nie waren die ita­lienischen Börsen so belebt wie seit einigen Wo­chen Alle? spekuliert, alles hofft, fich rasch und leicht z bereichern. Die Avien wer­den nicht mehr wie sonst zu 25Stück, sondern zu Taufenden gehandelt. Derattige Umsätze brin­gen natürlich gewaltige Schwankungen mit sich sodaß viele Kurse oft am gleichen Tage um 50 bis 100 Lire differieren.

Die unruhigen Balkanvölker.

Der albanische Bürgerkrieg. (Eigene Drahtmeldung.)

Wien, 11. Jnnk.

Die albanische Hauptstadt ist nunmehr von den nationalistischen Kräften eingeMoffen, die von vettchiedenen Seiten auf Tirana vorrük- ken. Die ganze Berwondsckast des Präsidenten Ahmed Zogul ist auf der Fahtt nach der Schweiz in Brindisi eingetroffen. Aus VIlona kommen auch zahlreiche Flüchtlinge an, die berichten, daß die Regiernngstruppen neuerdings bei Mali ge­schlagen wurden. Die Deserteure mehren fich un­ter den Regierungstruppen. Die Lage spitzt sich zu, nachdem die Nationalisten das Waffenstrll- standsangebot der Regierungstruppen avgelehnt haben. Der Präsident Ahmed Zogul soll eben­falls feint Flucht vorbereiten.

Hanöwerkskultm.

Die Befeeluag der Arbeit?

Hebet die Vertiefung beS kulturellen Schaffen« das ffch wieder mehr tm Handwerk regt, schreibt der Rekchskunstwart Dr. gledSleb Folgendes« Das deutsche Handwerk durchlebt gegenwär. ttg eine Zeit der Besinnung. Seine äußere Or­ganisation hat es ,u fester Form gebracht. Die einzelnen Verbände schlossen sich zum Reichs, verbaud des Deutschen Handwetts zusammen; der Handwerkskammertag steht vor einer entschei- deniden Erwciteruna seiner Rechte; die Tagun-

diese Bewegung in der Arbeitsgemeinschaft kür Deut sch e Handwe rl 81 ul tut, die aus der Arbeit des Reichskunstwatts heraus entstand. Das WortHanbwettskultttr« bezeichnet, daß die Arbeit und Gesinnung des Handwerks eine wich* tige Grundlage unseres geistigen Se­hens ist und daß im Handwett Wette lebendig sind, die erhalten und gepflegt werden müssen, wenn man an eine neue Entfaltung Deutsch« lauds denkt und überzeugt ist, daß ihre Pole Kul­tur und Wirtschaftsleben sein müssrn.

In der Arbeit vieler großer kultureller Ver­bände Deutschlands, sei es, daß sie sich mit H e i- matschutz, Denkmalspflege, Forderung des Kunstgewerbes ober Schulfragen beschäftigen, fei es, daß sie, wo kulturelle und wirtschaftliche Fragen sich im Brennpuntt treffen liegt ein Stück Handwerkspolitik, auch- wo es bisher nicht erkannt ist. Und ebenso liegt in den wirtschaftlichen Forderungen, die das Handwerk in seinen großen Verbänden vertritt, ein Stuck kultureller Arbeit, die das ganze geistige Leben Deutschlands angeht. Wenn beispielsweise der Heimatschutz forbert, baß die Bautätigkeit ber Behörben nun enblich überall bamit aushören soll, burch Dokumente eines in unserem Deutsch- lanb nicht angebrachten zentralisierten Bürogei- fies heimische Eigenatt zu zerstören, so ist wese Forderung nicht etwa dadurch zu erfüllen, daß man r-in äußerlich Motive der Gegend nach­macht, in der der Bau erttchtet wird. Solche Bauten Wirtten in einer beinuttlich gefestigten Stabt ähnlich wie ber Berliner, ber bem Mün­chener ein fröhliches .Grüß Gott« entgegenruft unb sich wundert, warum der andere nun erst recht verstimmt ist. Die Forderung läßt sich nut dadurch erfüllen, daß man einen vielleicht ern- fachen Bau durch Heranziehung örtlicher Hand wr r k e r, die etwas Vorbildliches kön­nen in Materiälbehandlung unb Einrichtung ebenso wie in ber städtebaulichen Einfügung, nut ihrer Umgebung zufammenwachsen IS&L

Wenn man mit Sorge über bas Zerstören £er Kulturwerte des Dorfes unb ber Klein - stabt nachdenkt, fo wird man finden, baß gerabc die Rücksührrmg ber Lanbbevölkerung zum Ver- stänbnis für handwerkliche Wette bas Problem der Erhaltung bes Hanbwerksgeistes im Kern- punki trifft. Für die gesamte deutsche Volks- kunst, für die Wahrung der heimatlichen Glgen- art und für die Entwicklung eines gefunden,' künstlerischen und handwerklichen Nack-wuchses ist von entscheidender Wichtigkeit, baß bte hand­werkliche Einstellung der alten ländlichen- Ku ltur erhalten bleibt. Wir sehen mit Sorge auf die kulturelle Verarmung bes Bauern, bet mit Hilfe von Gelbfchrank, Verttko, Grammo- Phon unb Warenhaus zum .Oekonomen« wirb. Ein Volk, bas probuktiv mit Hand und Kop, arbeiten will, braucht den täglichen Umgang mU Wetten, die dadurch, baß sie schöpferischen Geist und hanbwettlicke Ehrlichkeit in sich haben, auch toi eher Kraft bes VolkStums auSstrahlen.

Aehnlich ist baS Problem bei ber Kirche. Jahrelang hat man versucht, bte zeitgenössische Einstellung ber Kirche, bte unsere Gegenwart zu fordern bat, weil vielen wieder di» Vertiefung

«SrleHlsch-duIgarlfGk« Schiedsgericht.

Wien, 11. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) DieTimeS" melden aus Sofia: Der Präsident des griechisch-bulgarischen Schiedsgerichtes hatte in Sofia eine Unterredung mit dem König und dem Minister des Aeußern über die Regelung der schwebenden Streitfragen, besonders der Frage eines Zuganges Bulgariens zum Meere. Griechenland bietet jetzt Bulgarien eine Frei­zone im Hafen von Katvalla an unter den glei­chen Bedingungen, wie es Tüdflavien eine Frei­zone im Hafen von Saloniki gcwähtt bat

gen der Handwerker während des vergangenen Jahre bedeuten machtvolle Kundgebungen; die Deutsch« Gewerbeschau in München, die lieber« seowoche in Hamburg, Ausstellungen in Bremen, Hildesheim und an anderen Otten waren von werbender Kraft. Dieser Bewegung im Hand­werk entspricht aber auch eine Bewegung für das Handwerk, die sich auf die verschiedenste Weise ausdrückt. DaS ReichAtoittschaftsmini- sterium hat die für das Handwerk zuständige Abteilung tatkräftig ausgebaut; int vorläufigen Reichs Wirtschaft Srat bekam auch das Handwerk eine wichtige Gelegenheit, sich inner­halb ber anbern Arbeitsgruppen Geltung zu verschaffen. Die deutschen Länder und Städte haben zur Hebung des Handwetts in letzter Zeit manches getan: das Unterrichtswesen betont überall die handwerkliche Erziehung und den Wert ber Wettstätte. Daß in ber kulturellen Stiftung, bte ber Reichs Präsident am Verfas­sungstage aussetzte, von ber Erhaltung der in unserem Volke lebenden gestaltenden Kräfte ge­sprochen wird, und daß dabei bas Handwerk in

Millerands Rücktritt.

Seine letzte Botschaft an das Parlament.

(Eigener Drahtbericht.)

Patts, 11. Juni.

Havas meldet: Millerands Rücktritt ist erzwungen worden. Der Bettagungsautrag Herriots ist mit 329 gegen 215 Stimmen von bet Kammer angenommen worben. Heute erfolgt die Bekanntgabe der Demission Noch in feiner gestrigen Botschaft, die in der Kammer und im Senat beriefen wurde, erinnerte M i l ternub daran, daß die Natioualverfammluug, als sie ihn zum Präsidenten der Republik wählt«, gewußt habe, daß er seinen Posten nur anneh- men werde, um eine nationale Politik beS sozi­alen Fortschrittes zu verfolgen. Die Botschaft setzt btmft auseinander, welches gegenwärtig die innere und äußere Politik Frankreichs sein müsse. Dadurch, daß die Verfassung bestimmt habe, daß der Präsident der Republik nur im Falle von Hochverrat vom HarlatyWf zur Bsrant-uottung aezt gen werden könne, die Verfassung.eine: gewisse Stabilität deS politischen Lövens schaffen wollen Dies müsse beachtet werden. Wenn dies nicht gefchehen würde, fo wäre bei Präsident der Republik nur noch ein Spielzeug in den Hän­den der Patttten. Diefe Gefahr müsse abgewen- dtt werden. Die Gefahr ist aber nicht abge­wendet worden, fondern er ist ihr fchou wenige Stunden nach der Dotfchaft zum Opfer gefallen.