Kasseler Neueste Nachrichten
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Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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9?ummer 132» Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.
Freitag, 6» Juni 1924.
Einzelnummer 10 Pf . Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang
Stellungnahme der Parteien;nr Regierung.
Das „neue" Kabinett.
Wieder Marx-Stresemaan.
War dazu eine offene Regierungskrise von dollen acht Tagen und eine latente von mehreren Wochen nötig, damit schließlich alles beim alten bleibt? Um drei big vier Tage hätte man jene verkürzen können, über ganz und gar ist eg doch nicht zu bedauern, daß durch dm Rücktritt des alten Kabinetts der Weg zu Verhandlungen über neue Koalitonsmöglichkeiten eröffnet wurde. Man hat immerhin allerlei feststellen und lernen können; wie mans nicht machen soll und auch, wie es das nächste Mal besser zu machen ist- Trotz allem bleibt ja übrig die rechts und in der Mitte sich verbreiternde Erkenntnis, daß der Gedanke des großen Bürgerblocks der einzig richtige war und daß nur zur sosortigen Durchführung die Kunst der Parteiführer nicht ausreichte. Jenes wurde bewiesen durch die immer erneuten Leimversuche, dieses durch die ebenso ost wiederholten Mißgriffe. Wenn erst das aus den Wahlen zurückgebliebene Grollen und Mißtrauen durch die allgemeine Rot unterdrückt worden ist, muß der Wurf gelingen.
Ohne diese Hoffnung müßte man dem wiederauferstandenen Kabinett Marx - Stresemann ein ebenso schweres wie kurzes Leben weissagen. Eg hat eine stärkerr Minderheit hinter sich als das alte und selbst mit der Hilfe der Sozialde- inokraten nur eine ganz schwache Mehrheit tm Reichstag. Die Uebereinstimmung der Mittel- Parteien mit der Linken hört auch sofort auf, sobald das Gebiet der Außenpolitik verlassen wird. Auf diesem Gebiet aber ist es immerhin gelungen, die Deutschnationalen, so sehr sie sich auch sträubten, von der schroffen Ablehnung des Sad- verständigen-Gutachtens so weit abzubringen, datz die Deutsche Bolkspart ei-Fraktion in ihrer letzten Erklärung sagm kann, es sei eine Einigung in den wichtigsten Punkten erzielt worden. Gescheitert ist die vollständige Einigung offenbar nur daran, daß nach den unzweckmäßigen Veröffentlichungen vom Montag und Dienstag die Deutschnationalen hätten Erklärungen abgeben muffen, deren Unzweideutigkeit für sie blamabel gewesen wäre. So kam man auch mit der Preußenfrage und dem »Fall Stresemann" nicht ins Reine. Da aber »te Volkspartei selbst an die Möglichkeit einer späteren Einigung aus „das große Werk" glaubt, so können die Differenzen in allen diesen Fragen nickt für unüberbrückbar gehalten werden.
Die Vorbedingung dafiir bleibt aber, daß die Deutschnationalen jetzt nidjt ihre Drohung wahrmachen, in die schärfste Opposition gc- gm das Kabinett der Mitte einzutretm. Sie müssen doch selbst einsehen, daß angesichts der noch unvollzogenen Kabinettsbildung in Frankreich ihr eigenes Fernbleiben von der Reichsregierung zunächst eine Erleichterung für die deutsche Politik bedeutet, daß aber die ganze Wirkung verloren ginge, wenn im Ausland? dag neue Reichskabinett als ständig bedroht von der Rechten und daher als nicht vertrauenswürdig angesehen würde. Dann zerbrächen bald alle Hoffnungen der hart ringenden deutschen Wirtschaft auf Hilfe und Besserung. Das gilt auch big zu einem erheblichen Grade von der Eventualität einer baldigen Wiederauflösung des Reichstages, über die man bereits wieder so kaltblütig spricht, als ob es eine Kleinigkeit wäre.
Wie sollen wir zu bindenden Abschlüssen mit der Entente, wie sollen wir zu Auslandsgeld kommen, wenn in der Welt die Meinung verbreitet wird, in wenigen Monaten werde vielleicht Deutschland ein neues Parlament, eine andere Regierung und einen neuen Kurs haben? Faßt dagegen die Welt Zutrauen zu der Stabilität der Verhältnisse im Reich, erwartet sie keine Auflösung und weder Links- noch Rechtsputsche mehr, dann kann endlich die Linderung und Hei- lang unserer Leiden beginnen. Es ist klar, daß dazu mindestens eine w ohlwollende Neutralität fowobl der Deutschnationalen als auch der Sozialdemokraten not- wendig fein wird. Erst beide vereint bürgen uns für einen glücklichen Verlauf der schweren Krise. Die politische Verantwortung dieser Parteien ist unfaßbar groß. Sie haben das Schick- sal Teutschlandg in der Hand. Und ein poltti- scher Verbrecher wird in der nächsten Zeit nicht nur der Attentäter oder Putschist, sondern auch der Parteifanatiker sein, der weiter die Gegensätze verschärft und vergiftet, das erneute Kabinett Marr-Str esernann ist nur ein Notbehelf. Es muß per Mittelpunkt werden für \1S große Kabinett der Rettung. D.
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Berliner Preffestimmen.
Das deutschnationale Blatt, die »Kreuzzeitung-, kündigt schärfste Opposition gegen die Regierung Marr-Stresemann an und fragt im übrigen, anknüpfend an die Erklärung der Deutschen Volkspartei, datz die Volkspartei ihren Führer Stresemann nicht einer anderen Partei opfern könne: „Warum hat die Deutsche Volkspartei dann überhaupt verhan- V '? Sie wußte bn* mit Dr.
Stresemann eine Beteiligung der Deutschnationalen von vornherein ausgeschlossen War?"
Die „Germ ania", das Blatt des Zentrums, betont, datz nichts versäumt worden sei, um die Deutsch nat io nalen in die Regierung einzubeziehen. Wer alle Versuche seien gescheitert an der von Tag zu Tag wechselnden .Haltung der Deutschnationaken.
Die demokratische „Vossische Zeitung" wirft der Volkspartei vor, daß diese d.e Krise unnötig verlängert und immer wieder Verhandlungen mit den Deutschnationalen durchgesetzt habe. Schließlich sei den Demokraten die Geduld aerissen. Sie hätten das Beratungs- zimmer deg Zentrums verlassen; das Zentrum habe sich ihnen angeschloffen, und der Deutschen Volkspartei sei nchits anderes übrig geblieben, als die Verhandlungen mit den Deutschnationalen nunmehr gleichfalls als gescheitert anzusehen. Welcher Wirrwarr in der deutschnMionalen Fraktion herrsche, gehe daraus hervor, daß der radikale Flügel eine parteioffiziös frisierte Erklärung in die Presse lanziert habe, die von der offiziellen Parteileitung hätte dementiert werden müssen.
Der sozialdemokratische Vorwärts macht die Entdeckung, daß es ein Verdienst der Volkspartei sei, „Deutschland drei Wochen, verrückt und in den Augen der ganzen Welt lächer- lich gemacht zu haben." Der „Vorwärts"-Weis- heit letzter Schluß ist die bemerkenswerte Feststellung: „Es gibt nur eine Rettung für Deutschland — daS ist eine starke Sozialdemokratie 1*
AmDseNsgSemWSettMung
Die Stellungnahme der Parteien.
(Eigener Drahtbericht.)
Berlin, 5. Juni.
Rach der gestrigen Plenarsitzung deS Reichstages traten die Fraktionen der Parteien zu Besprechungen zusammen, die fich mit dem Inhalt der Regierungserklärung beschäftigten Rach der Stellungnahme der Sozialdemokraten gilt es für sicher, daß die VilligungSformel, die sich auf die Außenpolitik erstrecken wird, die Annahme der Mehrheit deS Hauses ftndrn wird. Wie verlautet, wollen die Mittelparteien die Frage, in welcher Formulierung eine Billigung der RegierungSerklä- rung beantragt werden soll, von dem Verlauf der Debatte abhängig machen. Der Lok.-Anz. verzeichnet das Gerücht, daß sowohl bei den Kommunisten als auch bei den Nationalsozialisten die Absicht bestehen soll, ein positives Vertrauensvotum für die Regierung einzubringen, um eine klare Abstimmung über die Gesamtpoli- tik der Regierung zu erzwingen. Selbstverständlich würden die Antragsteller selbst gegen ent solches Vertrauensvotum stimmen.
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Di? «Sprecher der Fraktionen.
Berlin, 5. Juni. (Privattelegramm.) Sei der Aussprache Über die Regierungserklärung wird als erster Redner Jür die Deutschnationalen Graf Westarp zum Wort kommen. Darauf wird Dr. Scholz (Deutsche Bolkspartei) eine gemeinsame Erklärung für die Deutsche Volkspartei, das Zentrum und die D t* mokraten abgeben. Die Sozialdemokraten haben als Redner Löwe und Dr. Breitscheidt, die Nationalsozialisten von Gräfe und Graf von Reventlow vorgesehen.
Stegierang und Bresse.
Zustimmung bei den Blättern der Mitte.
(Telegraphische Meldung.)
Berlin, 5. Juni.
Die volksparteiliche Deutsche Allgemeine Zeitung erklärt die Stellungnahme der Regientugserklärung zum Dawes-Bericht für grundsätzlich richtig. Die deutsche Wirtschaftslage fei unbestreitbar trostlos Die Regelung der außenpolitischen Fragen habe vitales Interesse und der innere Wiederaufbau ans staatlickpnn und sozialpolitischem Gebiet sei von der Ordnung der Reparationsfrage abhängig.
Die „Germania", das Blatt des Zentrums, betont, daß die Politik der Reichsregierung von nüchternen Tatsachen ausgehe, die unbequemer seien als billige Aqttattonsphrasen. Immer wieder müsse betont werden, daß der Krieg für uns verloren ist und daß daraus unentrinnbare Konsequenzen zu ziehen sind. .
Das demokratische „Berliner Tageb att" erklärt, daß die Rede des Kanzlers in ihrer klaren Offenheit und ihrer weisen Beschränkung auf die Forderung des Staates, nämlich die Annahme des Gutachtens der Sachverständigen, nicht ungünstige Aussichten biete.
Der „Vorwärts" schreibt, die Sozialdemokratie hat in Wahrung der Interessen der Arbeiter die Annahme des Sachverständigengutachtens gefordert und sie wird im Interesse der Arbeiter, ohne nach rechts oder nach links zu sehen oder zu gehen, ihre Energie auf diesen einen Punkt konzentrieren.
Garrmg am Balkan.
Die italienisch-türkischen Kriegstreibereien. (Privat-Telegramm.)
Wien. 5. Juni.
Ans Konstantinopel wird gemeldet: Die italienisch-türkische Spannung nimmt bedenkliche Formen an. Der türkische Justizminister erklärte auf Beftagen: „Wir haben in An gora offizielle Nachrichten erhalten über die Ausladung italienischer Kräfte in der Stärke von ungefähr zwei Regimentern in R h o d o s, ebenso über verdächtige Bewegungen kleiner italienischer Fahrzeuge an unserer Küste. Diese Bewegungen haben die Aufmerksamkeit unserer Regierung auf sich gezogen und um so mehr überrascht, als wir keinenernst- lichen Konflikt mit Italien haben. Wenn wir uns vor die Notwendigkeit des Krieges versetzt sehen, so wird natürlich die Nationalversammlung einberufen." — Die Generalftabsreise in Thrazien ist abgebrochen, der Generalstabschef ist nach Angora zurückgekehrt. Das türkische P f u n d s i n k t; in der Presse ist von eventueller Schließung der Börse bei weiteren Spekulationskäufen die Rede. Die öffentliche Meinung weist Anzeichen von Nervosität jauf.
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Sine Front der AMlertrn.
Zürich, 5. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Die Neue Züricher Zeitung berichtet aus Rom: Die Spannung zwischen der Türkei und Italien wächst. In politischen Kreisen nimmt man an, die Absichten der Alliierten gehen dahin, Italien wegen der Mofful- und Syrienftuge in die Front gegen die Türkei einzubeziehen.
Die Kümpfe in Albanien.
Zürich, 5. Juni. (Eigener Drahtbericht) Der „Tagesanzeiger" meldet aus Paris: Gestern nachmittag vorliegende Meldungen über den a l - banischen Konflikt lassen befürchten, man würde mit Komplikationen zu rechnen haben. Der Friede auf dem Balkan würde ernstlich b'edroht. Während des gestrigen Kampfes gab es beiderseits etwa hundert Tote. Gerüchtweise verlautet, daß der Ministerpräsident Albaniens einem Attentat zum Opfer gefallen >'st. Die ..Neue Züricher Zeitung" meldet: In Albanien ist Durazzo gefallen. Die Revolutionäre besetzten die Nordstadt. Das Hafenviertel wird von Regierungstmppen noch gehalten. Sechs italienische Kriegsschiffe kreuzen vor Durazzo,
Amerika und Japan.
Die Spannung mn das Einwanderungsgesetz. (Eigene Drahtmeldung.)
Newyork, 5. Juni.
Der Staatssekretär Hughes ist, wie ans Washington gemeldet wird, jetzt mit dem sorgsäl- tigen Studium der japanis cheu Protestnote gegen das neue Einw anderungsqesetz beschäftigt. Er wird mit dem Präsidenten Coolidge darüber Beratungen pflegen und daun wahr- fcheinlich im Laufe der n ä ch st en Woche eine offizielle Antwort darauf erteilen. Inzwischen fall die japanische Regierung, neuen Tokioer Depeschen zufolge, die Absicht haben, die Auswanderung japanifcher Landarbeiter nach anderen Teilen des amerikanifchen Kontinents, vor allem nach Mexiko und Kanada, wieder in stärkerem Maße a u f z u n e h m e n. Sie fei dazn berechtigt, nachdem daS fogenannte Genilemen-Agreement mit den Bereinigten Staaten durch die Wirkung der amerikanischen Gesetzgebung fein Ende erreichte.
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Vie Kriegsgefahr wüchst.
London, 5. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Die „Morningpost" meldet aus Newyork: Die Kriegslage am Pazific hat sich verschärft. Der amerifanische Konteradmireal Fisher hat an den Marinesekretär einen, offenen Brief gerichtet, in dem er vor der Stärke der japanifchen Flotte warnt. Die „Times" meldet aus Newyork: Die japanifchen und die amerikanischen Auffassungen sind unvereinbar. Dir Japaner haben tatsächlich die diplomatischen Beziehungen zu Amerika abgebrochen und das sei ein Zustand, dem gewöhnlich eine Kriegserklärung folge. Die Japaner in Amerika verlassen mit den abfahrenden Schiffen die Bereinigten Staaten.
Um unser Helm.
Wege zu gesunder Wohuungswirtsch«st.
Roch immer spielt der Woh»»ngSma»gel im öffentliche» and privaten Lebe» eine große Rolle. Mann es möglich fein wird, diese Rot ju besetrigen, das h ngt von der Mvg. liihteit deS Bauens ab. Daritder schreibt man!
Während die Bankosten sich höher stellen als im Frieden, nach Goldmarkpreiseu berechnet, bleibt das Einkommen der großen Masse der im Erwerbsleben stehenden Bevölkerung hinter dem Friedensstande noch weit zurück. An eine Belebung des Kleinwohnungsbaues ist insolgedessen vorläufig nicht zu denken Er muß daher künstlich gefördert werden, soll eine weitere Verschlimmerung auf dem Gebiete des Wohnungswesens vermieden werden. Hierzu bedarf es einer Art llebergangswirt- schaft in der. das jetzige Zwangssystem »ach bestimmten Grundsätzen zur freien Wirtschaft übergeleitet wird. Bemerkenswerte Anregungen in dieser Frage gibt Städtebaudirektor Elkarky- Berlin der Rundschau für Kommunalbeamte. Durch die Mieterschutzgesetze ist der Grund- eigentümer, der in einer freien Wohnungs- Wirtschaft der stärkere Bertragsteil tst. so gut wie ganz entrechtet. Dagegen sind den Mietern infolge des Mieterschutzes Rechte zugesprochen, die in keiner Weise durch die Ueberuahme neuer Pflichten ausgeglichen werden. Die Folge ist, daß die Grundeigentümer immer mehr das Interesse an ihrem Hausbesitz verlieren, die Häuser
dem Verfall entgegeugehen
und private Neubauten von Miethäusern überhaupt nicht mehr entstehen. Die Reform muß daher versuchen, dem Grundeigentümer soviel Erleichterungen zu gewähren, wie ohne Gefätir- bitng der schutzbedürftigen Mieter möglich ist, Als solche Erleichterungen kommen in Frage: Erhebung der Mieten in einer Höhe, die zur Erhaltung der Substanz, zur Deckung der Betriebskosten und zur Bildung eines Rücklagefonds ausreicht, wirksamer Schutz gegen Mieter» die den Wohnraum gefährden, durch Erleichterung der Kündigungsmöglichkeiten und Auswahl der Mieter bei Freiwerden eines Miet- ranmes Für den letzteren Vorschlag bietet Bremen bereits ein Beispiel: Dort hat der Eigentümer bei Freiwerden einer Wohnung fünf Tage das Recht, sich ans der Dringlichkeitsliste
einen passenden Mieter auszuwählen;
erst danach bekommt er einen zugewiesen, den <r nehmen muß. Außerdem müßten, um den Verfall der Häuser aufzuhalten, Reparatur- Hypotheken beschafft werden, deren Verzinsung und Tilgung ans den Mieten zu decken ist. Wo es nötig wird, wäre die Instandsetzung der Häuser auch im Zwcmgswege durch Eintragung von Zwang ^Hypotheken durchzuführen. -- Tas bisherige staatliche System der Bauznschüsse hat im allgemeinen versagt. Tie künstliche Zufuhr von Geldmitteln, die der Wohnungsbau unbedingt braucht, muß künftig in Form eines kaufmännischen Geschäfts erfolgen. Die Fehler, die bei der Erhebung und Verwendung der Wohnungsbauabgabe gemacht worden sind, bitifen nicht wiederholt werden. Der Grundgedanke der Wohnungsbauabgabe, nach dem die Mittel aus der Wohnungswirtschaft felbit fließen sollen, ist beizubehalten. Der Vorschlag, oiise Mittel etwa durch einen Zuschlag zur Einkommensteuer zu beschaffen, ist unannehmbar. Gerade die Lohn- und Gehaltsempfänger, die Haupt- sächlich die Träger der Einkommensteuer tu den letzten Jahren waren, sind auch Mieter. — In der Vorkriegszeit bildete
der Realkredit die Grundlage der privaten Wohnunasbautättgkeit. Die künstliche Zuführung der Mittel muß, sollen wir zur freien Wirtschaft kommen, den alten Weg einschlagen. Die Geldzufuhr muß durch Beleihungen so einfach als möglich erfolgen. Jeder behördliche Verwaltungsapparat ist von Hebet Roch großen Richtlinien muß es Sache der einzelnen Städte, für die Landgemeinden der Kreise sein, in welcher Weffe der Aufbau des Realkredits vorgenommen wird. Selbstverwal-' tungSoraane des bestehenden Hausbesitzes oder Mieterorganifationen bei der Errichtung von' Neuß miten zu beteiligen, ist nicht ratsam, da diese Kreise auf Grund ihrer einseitigen Einstellung keine sachliche Behandlung der Vorhaben cito arten lassen. Tie verantwortliche Stelle für bc5 Wohnungswesen sind die Gemeinden. Ihnen müssen daher sowohl die Steuermittel zuslietzen als auch die Verantwortung für die Verwendung dieser Mittel zufallen. Tie
Bereitstellung von billigen Hypotheken sowohl für den Neubau wie für die Instandhaltung von Wohnungen wird zur Folge Hal en, daß dem weiteren Verfall der Wohnungen Ein- halt geboten werden kann, und der Wohnungsbau, wieder auf eine gesunde Beleihung gestellt, mit der weiteren Festigung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse neues Kavital sinden wird. In dem Maße, wie die Produktion durch den größeren Zuiluß von Kapital sich dem Bedarf nähert, wird die Angleichung an die reniierliche