Kasseler Neueste Nachrichten
Nr. 128.
Vierzehnter Jahrgang.
4. Beilage.
Sonntag, 1. Juni 1924.
einem
die rechiwinklich gesto
iten’Jänbc a:S
möglichst ausreicht. Das hat man im Krieg versäumt. Das hat die Revolution versäumt, das versäumt von neuem die Finanzpolitik des Reichs, indem sie vergißt, daß — auch nach
chons! — Mißhandelt diese Schweine! Das war das Leitwort für ihre wie unsere Behandlung. Mittelalterlich sind die Disziplinarstrafen, welche die Sträflinge oft wegen geringfügiger Vergehen
ausgedrückt durch den Wertmesser der Währung — zeigt Steigung und wer die Kraft zum Aushalten hat, atmet freier Das ist tote die Sonnenseite eines nordischen Frühlingstages.
Auf der anderen Seite ist es jedoch kalt und hoffnungslos geblieben. Neben der Gesundung wuchern starke Krankbeitskeime und die individuelle Einstellung in das'Zeitbild läßt oft großen ethischen Mangel erkennen. Der Staat vernichtete den Drang und Hang zur Sparsamkeit, indem fast alles, was Fleiß, 'Arbeit und Entsagung zurückgelegt, dem Fall der Mark und dessen volkswirtschaftlicher Auswirkung zum Opfer fiel. Die natürliche Folge ist gesteigerte Genußsucht, Lurus, Verwendung jeglicher Einnabme, „damit man etwas davon hat", denn das Vertrauen ist nach dieser Richtung verloren und die Fugend findet die Alten nur dumm, die sich um der Sparpfennige willen Vieles versagten. Tas Ausland wundert sich unwillig, daß die Deutschen ausgeben ohne zu zählen, es begreift ihre Psychologie eben nicht oder will sie vielmehr nicht begreifen.
So mußte der Wunsch, bei weniger Arbeit besser zu leben, für die meisten zum Wahlspruch des Tages werden und nur die Bauernschaft entging dieser Versuchung. Das Aufsietgen neuer Bedürfnifle in breiten Schichten geschah umso schneller, als ihm die wachsende Paviergeldsülle zur Verfügung stand. Aber cs blieb innerlich unbegründet, da die verkürzte Arbeitszeit und der zunehmende Mangel an wirklich vorhandenen Betriebsmiteln einer Verbesserung der Lebenslage entgegensianden. Alle diese Erscheinungen haben nur eine Folge, nur eine unabwendbare Wirkttng, die man im wirtsckastl'- chen Leben ein ehernes Gesetz nennt: die Steigerung der Preise und die Verteuerung des gesamten Daseins. Es ist eine Täuschung, daß bei Anwendung der kleineren Zahlen alles billiger geworden ist, im Gegenteil: Deutschland ist so ziemlich das teuerste Land in Europa, obwohl die Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse (durch die Steuerverteilung) den Betrieb nicht mehr lohnen.
Hier muß Wandel geschaffen werden, damit auch auf der Schattenseite das Barometer steigt. Es ist schlimme politische Arbeit, wenn auf dem Laude, wo das Brot wächst, Mißtrauen gedeiht und zugunsten der städtischen Straßen der Nährstand gedrückt wird. Die einzige vernünftige Wirtschaftspolitik scheint mir die zu fein, die Produktion so zu steigern, daß sie zur Ernährmig
Vögiems Liebeslied.
Wie die Gelehrten es deuten.
Die Forschung hat bisher den Gesang der Vögel als ein Mittel zum Zusammenlockeii dcv Paare gedeutet. Das Männchen singt zunächst, um das Weibchen aus sich aufmerksam zu machen, dann aber auch, um die zahlrerchen überzähligen Männchen davon zu benachrichtigen, daß dieser Platz bereits besetzt ist und hft Notfall nach Kräften verteidigt wird Da bei vielen Vögeln die Weibchen im Frühjahr etwas später ein* treffen als die Männchen, so hat das laute Sin- gen an einer weithin sichtbaren Stelle auch noch den Zweck, sich dem Weibchen zu zeigen und zugleich Vas Brutrevier festzustellen.
In jüngster Zeit hat nun ein Forscher eine andere Deutung für die Ursache des Vogels gesanges gegeben, indem er ihn lediglich als einen „Ausdruck von seelischer Gemütsbewegung" — also hervorgerufen durch psychische Reize — betrachtet, die .zwar hauptsächlich durch die körperliche Beschaffenheit des Vogels zurzeit der Fortpflanzung verursacht werde, sonst aber mft der Fortpflanzung in keiner Verbindung stehe. Dieser Annahme lassen sich aber, wie ein Ornithologe nachweist, verschiedene Einwände ent* gegenstellen. Wären es nämlich in der Tat nur Gemütsbewegungen, die den Vogel zum Sin* gen veranlassen, so müßte er auch im Winter fingen und wohl auch in Fällen unangenehmer. Gemütseindrücke. Zudem müßten dann auch die Weibchen singen, da doch auch ihrem Leben seelische Reize nicht fehlen. Wäre die Annabmo richtig, daß der Gesang des Vogels mit seiner Fortpflanzung in keinem Zusammenhang steht, so käme gerade beim Vogel, dem stimmbegabtesten unter allen Tieren, der Gebrauch der Stimme zu dem Zwecke, der selbst beim Amphibium und beim Insekt besteht, itämlich der Anlockung be§i Weibchens durch Lautäußerung, nicht in Betragt.
Da der Gesang mit dem Brüten erfolgt, wird man nach wie vor annehmen können, daß der Vogelsang auf dem durch die Fortpflanzung bedingten Reiz beruht und ein Mittel zur Verstan- digung und Anlockung des Weibchens ist.
Frau Mode im Sommerstaat
Schlanke Linie, Farbenrausch, Schal u. groß. Hut
Die Silhouette dieses Sommers, dessen Vorboten sich jetzt schon zeigen, hält an der schlanken und geraden Linie fest. Die Röcke sind kurz und eng, ebenso die Aermel — wenn überhaupt welche vorhanden sind.. Die jungen Menschenkinder werden im Sommer auch auf der Straße ärmellos spazieren gehen, die „mittelalterlichen" und älteren Damen
in dem nicht ein einziger Krankheitsbazillus gedeihen konnte. Wright glaubt, daß man künftig die Krankheitserreger nicht mehr durch die bisherigen Medizinen bekämpfen wird, sondern durch besondere Maßnahmen, die auf genauen baktereologischen Untersuchungen beruhen wer. den. Er hat eine neue Untersuchungsform ausgearbeitet, bei der es durch Blutproben möglich ist, schon int Beginn der Krankheit die genaue Dosis von Impfstoffen feft* zustellen, die notwendig ist. In Typhusfällen muß gewartet werden, bis die Krisis in der dritten Woche eintritt; erst dann können die .Krankheitserreger wirksam bekämpft werden.
„Es schienen so golden die Sterne, — Am Fenster ich einsam stand — Und hörte aus weiter Ferne — Ein Posthorn im stillen Land..." und „In einem kühlen Grunde" Gemeingut des deutschen Volkes geworden sind, eine Art Nationalbesitz, um den uns andere Völker beneiden?
Geibels „Ter Mai ist gekommen", Uhlairds „Was klingt und singt die Straße heraus?", Kerners „Wohlauf noch geturnten", Eichendorffs „Wem Gott will rechte Gunst erweisen", sind mit so vielen andern Liedern Goethes, Rückerts, Müllers in das Singbnch der fahrenden Scholaren, der Wandervögel, der Touristeuvereine übergegangen, werden tm Dorfe des Abends gesungen, wenn fleißige Schnitterhände die Senfe für den Erntetag dengeln, begleiten die Buben und Mädels zum sonntäglichen Tanze und zittern in den Herzen der Liebenden nach, die, schöner Stunden gedenkend, noch schönere ersehnen und erhoffen. Rudolf Ableitcr.
Mit Neid und Mißgunst ,die zumeist unsere Gesetzgebungsmaschine ankurbeln und angekur- belt haben, ist nichts zu machen. Sie scheiden das Land in Parteien und Gruppen. Stack inerlicher Einheit sieht man Spaltung uns Streit. Aber Deutschland sollte ein Ganzes sein, nicht nur ein politischer, nicht nur ein staatlicher Begriff Was ick der Arbeiter ohne den Bauern? Was ick die Maschine obne den Geist, der sie erfindet und lenkt? Was ist der sandel ohne die Menge der Käufer? Und was ist ein Land, obne daß Dichtung und Kunst, ohne daß Wissen- ichaft den Kovr des Ganzen dilden? — Nur tu der Einheft e-langen die £cif- wirklichen Wert und nur aus dem Zusammenwirken entsteht jenes oegenfeitig^ Vertrauen, das allein das Volk lebendig, den Staat möglich und den Einzelnen individuell beftiediat macht. In dieser Erkenntnis liegt die Möglichkeit, sich'in die Lage ein« zestellen, wie sie nun durch die europäischen Verhältnisse gegeben ist und durch eigenartig: Gegensätze schmerftich wirkt.
St. Mmtm de 9te.
Die Hölle der deutschen Ruhrgefangenett.'
Wandem,ach,wandern...
Die deutsche Seele im Wanderlied.
Noch ist die Freude am Wandern, an der Romantik der fahrenden Gesellen gottlob im Volk nicht ausgestorben und ist auch auf unsere Jungen und Jüngsten übergegangen. Auch unsere deutsche Jugend von heute hat den Flügel- schlag dieses verjüngenden und jung erhaltenden Sports verspürt, hat feinen kräftigen Odem ein« gesogen, sich dem Wandern mit Leib und Seele verschrieben. Wie wir einst selbst mit dem Ranze! auf dem Rücken, das kleine Kommersbuch in der Brusttasche des Touristenanzugs, im Geldbeutel nur wenige Groschen, uns „auf die Walze" begaben und mal sehen wollten, wie weit und wie lange wir mit Vaters Zehrpsennig reichten, so zieht auch jetzt wieder deutsche Jugend allerorten „hinaus in die Ferne" und jubelt im Maien „da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus". Und die Alten jauchzen und frohlocken mit wauderfrrher Jugend Denn im deutschen Wald, auf lustiger Bergeshöhe, im Meere wogender Kornähren wissen wir unsere Jugend wohl geborgen.
Es schwanken im stürmischen Winde Die schwarzen Boote gan, sacht, Und durch das tosende Wetter Blinkt still ein Licht durch die Nacht.
Ein Posten am Ufer wandert Und träumt in das Schwarz: hinein. Der Leuchturm wirft über Wogen Und Wellen licht feinen Schein.
tigkeit, Echtheit und Zartheit, Emsachheit im Ausdruck und Aufbau toarep die Vorzüge der Lieder gewesen, die ihren Weg ins Volk sanden. Wie weitet sich die Brust, wie frei wird es um Stirne und Herz, wenn wir durch sonnbestrahlt; Kornfelder wandern. Wie von selbst lösen sich die Lippen, und: „Zum heiligen Veil von Staffelstein — Komm ich emporgestiegen — Und sch die Lande um den Main — Zu meinen Füßen liegen," klingt es hinaus in das gesegnete Frankenland, den uralten Grabfeldgctu, die hohe Rhön mit ihren Kuppen und Bergriesen. Und wenn wir vom Königsstuhl auf das liebliche Neckartal hinabschanen, so müssen wir, ob wir wollen oder nicht, in Scheffels Lied einstimmen: „Und kommt aus lindem Süden — Der Frühling übers Land, — So webt er dir ans Blüten — Ein schimmernd Brautgewund." Und hätte Scheffel nur das eine Lied „Alt Heidelberg" gesungen, er hätte Unsterblichkeit verdient.
Ein ehemaliger deutscher Kriegsgefangener, der jahrelang in den Mart-rkammern des französischen Zuchthauses von St. Martin de Rö geschmachtet hat, läßt uns die Schrecken schaudernd miterleben, denen dort jetzt unsere Helden von der Ruhr hilflos ausgesetzt sind. Unmittelbar am Meer an dem der Küste zugewgndten Us-r der langgestreckten Insel liegt, die Zitadelle von St, Martin de Rh. Inmitten der Wälle ein kahler Hof, umgeben von öden, fajernenartigen Gebäuden; alles in der fahlen Farbe des See- sandes, so daß dieAngcn -schmerzten, wenn die Sonne darauf brannte. Das war das Kriegsgefangenenlager. Von einem Gebäude sah man auf einen zweiten Hof, von dem unfrigen durch eine sehr hohe Maner getrennt, wie dieser von Gebäuden umschlossen. Ties ist das eigentliche Zuchthaus. Hier werden‘ die sch kimmsten Verbrecher gesammelt; bis sie der jährliche Transport hinüberführt nach Cayenne, der französischen Verbr-cherkolonte, deren mörderisches Klima so viele erlöst, noch ehe ihre Strafe verbüßt ist.
Leichtere Arbeit, die Herstellung von Holzschuhen, Marten, Strümpfen und dergleichen, ist die Beschäftigung der Sträflinge in St. Martin Aber wie elend fallen diese Unglücklichen aus, wenn gelegentlich kleine Trupps über nuferen Hof zu den Magazinen geführt wurden, oder wenn wir sie morgens beim Spaziergang beobachteten. Un, deur — un. denx — hallte dann eine Stunde lang der Kommandoruf zu chrem exerziermäßigen Gänsemarsch zu uns herüber, begleitet von dem gleichförmigen Klap-
An Masten die Fahnen einst wehten, Die Flaggen einst schwarz-weiß und rot, Und um das Heck un» den Steven Raunt's traurig: Die Flotte ist tot.
Es liegen in Buchten und Häsen Die Schiffe zertrümmert und wrack, Znende der Traum von der Flotte — Doch fern dämmert Skagerak.
Am Tage von Skagerak.
Ei» Gedenkblatt zum 31. Mai 1916.
Von
Lisa Nickel.
b et in kleine, nur einen Quadratmeter im Geviert messende Zellen gesperrt. Die Enge der Zellen machte es den Sträflingen unmöglich, sich auszustrecken. Tie beißende Ausdünstung dcs Teeres, mit welchem die Innenwände der Zelle stets frisch gestrichen werden, reizt Schleimhäute und Lungen und macht das Atmen zur Qual. Tie Ernährung war noch schlechter als die der Kriegsgefangenen. Mag sein, daß das Reglement die wissenschaftlich erklügelte Mindestkalorien,zahl verschreibt. Wir wissen aus Erfahrung, Papier ist in Frankreich weit geduldiger als bei uns und die Taschen französischer Beamter sind unergründlich tief. Kein Wunder, daß die Lungenschwindsucht unter den For- cats zahllose Opfer fand. Der Besuch dcs Pfarrers im Depot und der anschließende des Leichenwagens wurden fast eine alltägliche Erscheinung.
Prügelstrafe 'rar an der Tagesordnung Vielleicht verbietet sic das Reglement, denn Frankreich marschiert ja — wie uns einst ein französischer General ernsthaft versicherte — an der Spitze der Kultur, Menschlichkeit und Zivilisation. Mer wer kann das Schreien und Jammern der von den brutalen Aufsehern mißhandelte» Sträflinge vergessen, das gelegentlich zu uns herüber, drang, oder jenen Tag, an dem einer von ihnen, wie ich mit eigenen Augen sah, sich während des morgendlichen Rundganges auf einen der wenigen auf dem Hofe befindlichen Bäume flüchtete und dort feine Angst und Verzweiflung in ebn Himmel schrie! Unb jetzt sitzen.toiebentm s ech snnddreiß i g Deutsche gefangen auf der Insel. Als Zuchthäusler sind sie dort eingekerkert, gemeinsam mit dem Abschaum französischen Verbrechertums, weißer, schwarzer und aelber Farbe, weil sie ihrer Heimat die Treue wahrten und den Weisungen ihrer Vorgesetzten deutschen Behörde Folge leisteten Maltraitez les cochons' — Mißhandelt diese Schweine! Dieser Gedanke beherrschte einst die Behandlung der deutschen Kriegsgefangenen und vor französischen Perbreöber: es steht geschrieben oder migeschrie- bcn auch über den Zellen der Märtyrer tr§ Zuchthauses von St. Martin de Ro.
Vier Jahre nach der Revolution unb dem so- Kenannten Friedensschluß zeigt Deutschlands Lage eigenartige Gegensätze, die man paradox neunen könnte, wenn es nicht leider gute Gründe für ihr Vorhandensein gäbe. Der Geldzeichenfülle ist die Geldknappheit gefolgt; die Währung aus den Tiefen der Hölle zu ungeahnter Höhe emporgeschneüt. Die Rentenmark mutz man ein Wunder nennen, schrieb eine englische Zeitung Mer die Einfuhr wird noch lange nicht durch Ausfuhr abgeglichen. Valuta und Geldknappheit verhindern die volle Ausnutzung von Maschinen, Anlagen und Menschenkräften. Der Staat frißt sich selbst auf, denn die Steuern verhindern weniger durch ihre Höhe als durch die Art der Eintreibung und Verteilung, daß Deutschland mit Vollkraft arbeiten kann. Tas Geld gleicht nun einmal dem elektrischen Strom, der die ganze Maschine in Bewegung setzt und erhält. Es ist geheimnisvoll wie dieser und regelt sich nach eigenen Gesetzen.
Aber trotz mancher Wühlerei, die zumeist vom Ausland angeregt und bezahlt ist, trotz mancher Uebertreibuitg oder Entgleisung ertremer Richtungen stellt sich die moralische Gesundung endlich ein und das Gesamtvoff sucht sein Gleich- > gewicht, das wirtschaftlich durch Angebot und I
Nachfrage, politisch durch einen geräuschlos arbeitenden Staatsbetrieb und ethisch durch Abnahme von Gesetzesübertretungen in Erscheinung tritt. Wohlgemerkt, dies Gleichgewicht ist noch nicht erreicht, aber die wichtigsten Tendenzen streben danach, unb barin liegt ein großer Fortschritt. Das Barometer des Vertrauens —
Lsister unb leichtem Gabardine Tie am Rock befestigte Bluse oder der Kasak besteht bei diesen Sommer-Complets aus leichtem Material, Crepes ober Seidenvciles oder Foulards.
Vorherrschend in der Sommermode sind natürlich die leichte» und duftigen Kleider aus Batist,Foulard, Rohseide, Crepe Georgette, Tüll. Neben dem Weiß des reich mit irischen Spitzen oder echten Filets versierten Lin* gerielleides herrschen Koralle, Jade, Süßlila, Orange und ein leuchtendes Gelb vor. Allenthalben sind enge Plissees angebracht, ost besteht der ganze Rock aus gebrannten Plissees, oft nur Einsatzteile am Rock, Westen an der Bluse, oft sind sie zu Volants verwandt, wie Volants überhaupt sehr beliebt sind. Breit oder schmal nehmen sie oft die ganHe Lange des Rockes ein. Eine hübsche Neuerscheinung sind die buntfarbigen Kleider, die sowohl sür den Vormittag in Voile und vor allem in Mousseline ausgeführt sind, wie für den Nachmittag in allen, möglichen Crepes und anderen Seidenstoffen. Chinesische .Zeichen, indische, ägyptische. die kunterbuntesten Linien sind in allen möglichen Farben in die Stosse gewebt oder auf die Stoffe appliziert. Auch gestreifte Stoffe sind geschmackvoll verarbeitet.
Tie Vervollkommnung des Kostüms bildet nach wie vor der Schal — aus Wolle ober Serbe —, oft in berselben Farbe wie bie Garnitur bes Hutes. Der Tiotteur wirb auch tm Sommer gern beibehalten; zum hellen Kleid gehört indes der große Hut; als Garnitur werden Federplatten, große Bandschleifen, Blumen in der Farbe der Kleider getragen. Die Mode ist nie so verschwenderisch in Einfällen wie im Sommer unb sie muß es auch sein. Wenn's so herrlich warm ist, wenn die Sonne leuchtet, dann überkommt jede Frau mehr als je die Lust, sich „anzuziehen". Und mit Phantasie und Geschicklichkeit ist es auch der Mittelstands-Frau möglich, duftig und hell und abwechslungsreich angezogen zu fein
Gegensätze.
Von
Alexander v. Gieichen-Rußwurm.
Amerika baut Auromobllkirchrn.
Kirchen in Eisenbahnwagen, Kirchen in Schiffen — alles längst bekannt. Reu dürfte die Automobilkirche sein, die in Amerika erdacht ist und dazu dienen soll, den in dünnbesiedelten Landstrichen wohnenden Gläubigen be- guemen Gottesdienst zu vermitteln in der Form, wie ihn ein Besuch einer Kirche geben würde. Das Aenßere dieses Autos erinnert an ein großes Ge s ch ä s t s a u t o. Rur di- acht Seiten« duster mit eingelegte» Kreuzen unb bie Tracht der Begleiter machen auf ben Zweck aufmerksam. Ist ber Wagen an bent für ben Gottesdienst bestimmten Platz angekommcu, so lassen sich nach Abnahme ber Hintern Tür bie gelenkigen Seitenwänbe nach rechts und links h e r a u sk l a p p e n. Turch seitlich an dem Wa- geuboben anhängenben Klappbrettern, di: hoch- geklappt werden, läßt sieb der Boden verbreitern, obaß eine genügenb große Plattform gebildet wird. Aus dieser Plattform sto'ft be- k.ieaus« geschmückte Alta r, an den sich rechts und links
Wagens anschließen, so den Chor bildens. Von der Platttorm hängt ringsherum bis an den Toden grünes Tuch herab, sodaß von hinten nichts vom Auto zu erkennen ist. Die G l o k - k e n, bi: bie Gläubigen zusammeurufen solle -, haben hier bie Gestalt von Stllhlsiäbcn, bie in einem Gestell aufgrhängt und.
Volkstümliche Laute stnben, sollte man eigentlich meinen, könne jeber. Sie entströmen aber nur bem Munde des wahren Dichters, and auch ihm nur in geweihter Stunde. Auch anderen Unserer Dichter sind solche Weihestunben von ber Muse beschieden gewesen: Franz Kugler sang sein rhythmisch bewegtes „An ber Saale Hellem Strande", Ludwig Uhland fein gemütvolles „Bei einem Wirt- rcunbermitb", Justtnus Kerner seinen „Wanberer in ber Sägemühle". Wilhelm Müller sein „Am Brunnen vor dem Tore". Ihr Meister unb Lehrherr aber war Eichendorfs gewesen, in dessen Schule sie alle haben gehen müssen. Frühling und Wandern, deutscher Wald- zauber und märchenumsponnene Mühkeneinsam- keit sind eng verbunden mit Eichendorssscher Wanderpoesie: „Zwei junge Gesellen gingen — Vorüber am Bergeshang, — Ich hörte im Wandern sie fingen — Die stille Gegend entlang." Diese sclssrchten Worte, das einsache Versmaß, das allein schon wie Musik klingt, reden die g"-" -----'' '■■-'“‘■i“* Sprache des Volkes, geben bie Stimmung von
rinö b,e>cr Seele war Menschen wieder. Wundert man sich, daß ge«
v. - ick,ter -etoefen. p-.dytymus unb Bildhaft!ratze dies Lictz mit seinem auollklgren Anfang:
Kleine Rundschau.
Der Krieg im Blutstropfen.
Die Aerzte glaubten bisher, daß die weißen Körperchen im Blut die Krankheitsbazillen be- lämpfen, indem sie sie angreifen und sogar auf« treffen. Diese allgemein verbreitete Anschauung widerlegt der englische Forscher Sir Alm- roth Wright. Er hat c'nc Mehode erfunden, durch die es ihm öglich ist, zu beobachten, daß die weißen Blutkörperchen die eindcingenden Krankheitserreger töten, ohne daß sie mit ihnen in eine direkte Berührung kommen. Lie lassen vielmehr eine Ausscheidung aus-, stehen, die die Entwicllung der schädlichen Ta- iiffen zu Kolonien verhindert. Ter Gelehrte „ü'brte diesen Vorgang in Bilde vor, und mm ah bie Krankheitserreger in einer dickten An- ammlung an dem einen Ende des Blutstrop- ens, pährend die Weißen Körper en am anderen Ende versammelt waren, owiscken dieftn beiden Konzentrationen ter feindlichen Massen befand sich eine Art „Niemandsland", ein. Raum,
herüber, begleitet von dem gleichförmigen Klap- tragen Aermelstiimpfchen; nur wenig Modelle '5,ern,.. J.r. Hcckrfckmbe. haben bann mit denk haben dreiviertellange ober lange Aermel. Man ckng.uckltchen Fühlung genommen und manches I wird auch im Sommer noch viel Complets tra- von ihrem Leben erfahren: Maltruitez les eo-I gen sehen, aus Rips vor allem, bann auch aus
Ohne Lieb unb Gesang aber ist deutsches Wandern undenkbar. Ohne ein Wanderlied auf den Lippen schleicht man müde unb teilnahmslos feine Straße entlang. Ohne Gesang kein Frohsinn, kein Jubel, keine wahre und echte Wanberfteube. Das wußten unb sühlten unsere Dichter am besten; das wissen sie auch heut- so gut wie zu Zeiten Eichendorffs, und viel- unserer modernen Dichter haben ihre uberschäil- menbe Wanderlust in wunderbar, tief und echt empfunbenen Wanberliebern aus strömen und ausklingen lassen. Tie Jahrzehnte der Burschm- schaftler, der fahrenden Gesellen, ber te-senben Hanbwerksburschen; die Welt des Posthorns, der wandernden Maler, der Brüder Straubinger, der Müllersbnrschen sind jedoch die Zeiten der topbarsten Wanderlieder gewesen. Aus ihnen lciicktet die deutsche Volksseele wie law res
ehernen Gesetz — tnrt ber persönliche Ge- gegen die AnftaltSordnung erdulden müssen wmn gesteigerte Arbett schasst Tagelang wurden manche v ö l l i g u n b c k l e i