Nr. 128.
Vierzehnter Jahrgang.
Kaffekr Neueste Mchrlchtea
2. Beilage.
Sonntag, 1. Juni 1924.
Zur Beachtung!
und
danach
FagrptattSndemng Wadern-GorSach,
$atf' Mitteilung der Neichsbahnbirektion Kassel wird a'5er 1. Juni der TriebwEn 1168 kWa- bern ab 3,55 Uhr nachmittags) bis Corbach als Dampfzug burchgeführt. Bad Wildungen an 4L8 Uhr, üb 5,10 Uhr, Corbach an 7 Uhr abends Dagegen fallt Zua 571 Wabern ab 6,24 Uhr abends, Wildungen aib 7,15 116t, Corbach 8,50 Uhr Sonntags aus.
* Hersfeld. 31. Mai. (Gnbe der Acra Hau- schildt.) Landrat von Harnack hat die Geschäfte des hiesigen LandratS wieder übernommen.
* Beiseförth, 31. Mai. <Schwere Einbrüche.) In einer der letzten Nächte wure beim Kaufmann D. ein dreister Einbruchsdiebstahl verübt. Die Einbrecher beschmierten die Scheiben der Laden- lenster mit Schmierseife, beklebten sie dann mit Panier und drückten sie ein. Die Diebe siahken mehrere Anzüge, Ueberzieher, Aizugstoffe und Leinen. Bei Ziegeleibesitzer H. stahlen die Diebe mis dem Keller ein gutes Fahrrad und zehn Flaschen Wern. Von den Tätern hat man bis jetzt nach keine Spur gefunden.
* Fritzlar, 31. Mai. lTrennunq vom Kasseler Arbeitsamt.) Durch Erlas; deS OberprSsidenten ist der Kreis rFitzl-ar vom Arbeitsamt in Kassel getrennt und dem Kreise Fritzlar die Errichtung eines eigenen Arbeitsnachweises auiargeben. Vom 1 Juni ob scheidet der Kreis daher von dem Arbeitsamt in Kassel an?. Von diesem Zeit- vunkt ab wird ein eigenes Arbeitsmtt für den Kreis mit dem Sitz in Fritzlar — Landratsamt-
sn „litauisteren'. Zuerst wurde die Presse mundtot gemacht, führende politische Persönlichkettelt mußten das Lantz verlassen. Dann kamen die hohen Verwaltungsbeamten daraaa, an deren stelle man Litauer setzte. Dann mußten die kleineren Beamten verschwinden; Post und Eisenbahn, sowie sämtliche Verwaltungsstellen erhielten litauisches Personal, das — wie eigentlich anzunehmen wäre — nicht dem litauischen Element des Memellandes entnommen wurde, sondern direkt aus Litauen kam. Man wußte in Kowno sehr gut, weswegen man sich zu eine«! solchen Schritt entschloß; der Litauer des Me- mellandes ist nämlich überwiegend deutsch.
Trotz dieser Durchsetzung mit reinlitauischen Elementen war das Deutschtum bisher kräftig genug, sich zu behaupten. Schule und Kirche, diese mit der Bevölkerung aufs innigste verbundenen Einrichtungen, blieben weiterhin in deutscher Hand, bis auch hier die Litauer eingriffen und zurrst die Lehrer und Lehrerinnen durch Litauer ersetzten und dann die litauische Sprach« zum Pflichtfach machten. Es verblieb also nu* noch die Kirche. Hier muß eingeschaltet werden- daß der Memellünder, fromm und religiös, wie er ist, mit einer durch nichts zu erschütternden Hartnäckigkeit an der evangelischen Landeskirche festhält. Die preußische Regierung wußte dies anzuerkennen und stellte infolgedessen im Me- melgebiet nur solche Geistliche ein, die sowohl litauisch wie deutsch sprachen, gab auch litauisch geschriebene Gesangbücher und Bibeln hemuS.
Heute liegen die Dinge nach der einen Richtung hin besser, weil sie sich nach der anderen hin verschlechtert haben. Kowno hat nämlich an die Spitze des Memelgebietes ein neues Lan- desdirektorinm gesetzt, das zum Präsidenten einen Abtrünnigen, den Litauer Gailns hat. Dieser, ein wütender Chauvinist, kann den ganzen Ruhm der litauischen Entdeutschungsvolitik für sich in Anspruch nehmen. Nachdem es nun so gut wie nichts mehr den Deutschen zu nehmen gibt, hat sich dieser Gailus jetzt auf die evangelische Kirche gestürzt. In einer Verfügung läßt, er Mitteilen, daß die evangelische Kirchengemeinde von der preußischen Landeskirche getrennt und zur Ausflibruna dieser Verfügung sein Bruder, der Pastor Gailus, als Kirchenkommissar von Memel bestellt ist. Diese Ver-! kügung, die übrigens unter Bruch einer Vereinbarung mit der preußischen Landeskirche erlassen wurde, hat unter der memelländischen Bevölke
rte für künstliche Düngung warten mit eigenen Bauten und aroß-m Ausstellungen auf. Apparate für künstliche Beregnung haben auf den Rasenflächen der Parkanlagen Platz, gestmden.
Fabrturniere der verschiedenen Vereine den Besucher fest. In einem riesigen Zelt ist das „Dorfkina" untergebracht, das Filme aller land- wirtschaftlichen Gebiete vermittelt.
Unsere Leser in Stadt und Land macken wer höflich darauf aufmerksam, daß der Bezugspreis stets zu B e g t n n des Monats zu tntrichten ist. Diese Zahluugs- form ist in der Presse allgemein üblich Um unseren Trägern und Kasscnboten unnötige Wege zu ersparen, bitten mir, das Abonnementsgeld stets für die ersten Tage des Monats bereit zu halten.
.'retSgekrön-
und halten die Reit- und
* Hvvf, 31. Mai. sFünfzig Jahre Kriegerver- rin. — Einbruchs Am Sonntag feierte der hiesigeK r i e g e r v e r e i n sein funfzigjähr-ges Jubiläum. Trotzdem der Besuch von auswärtigen Vereinen zu wünschen Wriq ließ, vielleicht wegen des zweifelhaften Metiers, entwickelte sich nachmittags in der Feldscheune des Herrn von Kieckebusch ein reges Leben und Treiben. Auch die Jugend kam bei Wettlaufen, Sackhüpfen und Klettern aus ihre Kosten, rmd die Vereinskasse dürfte Wohl ein namhaftes Geschäft zu vcrzeich- nen haben. Dem Fest ging am Somiabend
Aus dkk Heimat.
Dervanvtztaa Per Ltvilbirnftderechligtrn.
Der 2300 Mitglieder umfassende Verband Kurhessen mit Waldeck im B u n de d e r Z i v i l- dien st berechtigten (chem. Rilitäranwär- ter-Verbands hielt im Mntherschen Saale in Kassel seinen diesjährigen Verbandstag ab. Die auswärtigen Verein«, wie Arolsen, Corbach, Fritzlar, Homberg, Hofgeismar, Wolfbagen. Witzenhausen usw. waren zahlreich vertreten. Besonders stark hatten sich die Kasseler Vereine eingefunden. Zur Besprechung standen die umfangreichen Anträge zum Bundestage im Juni m Flensburg. In drr Hanptsacke behandeln di> Anträge Aufhebung der Einberufunasfperre, Verbesserung des Besoldungsdienstalters, Ans- kau der Nnstellungsqrvndsätze. Erböimng der Beamtengehälter, besonder?, der niederen V'- soldungsaruppen. Als Vertreter für den Bundestag wurden Kühn und Zender gewählt. Bei der Neuwahl des Vorstandes traten keine wesentlichen Aendenrngen ein. Von der Reichswehr wurde ein Vertreter neu hinzugewählt. Im nächsten Jahre findet der Verbandstag in H eilt g e n st a d t statt.
Gilms Haitt, tote so manches andere. Er stürzte sich in Genüsse und geriet in Verirrungen, bis neun Jahre später in Wien das Btld der treuen Tirolerin wieder vor ihm auftaucht. Sophie hatte schweren Herzens, nachdem Gilm sie verlassen, einem anderen Manne die Hand gereicht, der aber in Geistesnacht verfiel, und nun lebte sie traurig in Gilms Vaterstadt Innsbruck. Da steigt in dem Dichter, der seine alten Verse von nettem feilt, die Erinnerung an jenen seligen erft'en Mat auf, dessen Glück längst begraben ist. Rur noch dar Allerseelenfest, die .■jeiet der Toten, kann er mit der Geliebten begehen. t!nd so wirb die FrjMinqsstimmmtg dunkel umflort, indem an die Stelle der Rosen und
.Im „Großen Ring", der durch eine Tribüne für zweitausend Petzsonen abgeschlossen ist, finden täglich die Vorsüihruuaen Preisgekrönter Tiere statt. Weiter wird hieran den sechs Nachmittagen ein großes Reit-, Fahr- und Spring-Turnier abgehalten. Am Don- nerstag den 29 Mm. und Freitag. 30. Mai.
gebäude — errichtet Das Arbeitsamt ist mit der Vermittlung von Arbeitsstellen und der Er- werbSlosenfürsmge betraut
♦ Fulda, 31. Mai. fDer zündende Blitz.) In Rvmmerz bei Neuhof schlug der Blitz in die Scheune der Bergmanns Wilhelm Balzer. Me brannte vollständig nieder. Durch da- schnelle tmd tatkräftige Etugreifen der Fetter- webr konnte das Wohnhaus, ha? schon von den Flammen ergriffen war. aerettet werden. DaS Gewitter war hier, wie überhaupt im Vogelsbergs mit Hggelschlag verbunden. Auch in Reu- Hof-Opperz schlug der Blitz dreimal ein, ohne jedoch zu zünden.
DergewaMgreö MemeKarrd.
Bon
Ferdinand Pcrkampus.
Deutschland
Bon Joaef Stollretter.
ches Ticken der Wanduhr gibt einen Schmerz — einen Schmerz um Deutschland. Und wäre jeder dieser Schmerzen eine Stufe empor — der Himmel wäre bald erstürmt. Jetzt, im Unglück, liebe ich Deutschland verzehrend — und durch meine Brust zieht eine einzige Sehnsucht:
Einmal wieder ein Deutscher fein! Einmal wieder Deutsche finden, mit Deutschen sprechen über DeutsMand, einmal wieder ans eines .Menschen Auge die Deutschland-Hingabe, die Deutschland-Begeisterung stammen und leuchten sehen! Ich irre durch die Straßen, schaue jedem, der mir begegnet, in die Augen, über und über eine einzige Frage; »Bist du ein Deutscher?." So eine Sehnsucht nach Deutschen erfüllt mich in Deutschland. Aber die Menschen tändeln an mir vorbei, haben Geschäftes Parteigedanken, i sind erfüllt von Streik- und Umsturzideen, jagen itach Toiletten, Trunk und Genuß. — Was ist ihnen da Deutschland?! Etwas, wovon man nicht spricht, etwas, das man verbirgt wie eine Schuld. — Und war doch ein Jahrtausend her- mrf der Gedanke unserer Besten!
fand der Wettkampf der Reitervereine bezw. Abteilungen statt. Ein Dorfkino, drei große Bierwirtschaften, ein Kaffeehaus, ein Weinrestaurant schließen das große Gelände ab. In Verbindung mit der Ausstellung findet eine Reihe öffentlicher Versammlungen der Tierzucht-, Geflügel- und Züchtervereinigungen statt. Zur Bewältigung des Reiseverkehrs sind eine ganze Reihe von Sonderzügen eingelegt, die u. a. auch auf der Strecke Magdeburg-Han- nover-Göttingen oder Kassel-Flieden-Würzbtirg verkehren, lieber das Bahngeleise führt dann der Weg in die Viehhalle, wo die Rinder, Schafe, Schweine, Ziegen und Kaninchen untergebracht sind. ZurucUehrend passiert man die Stallungen für die Pferde und die Geslügelaus- stellunq. Jeder Unterschlupf für das Geflügel hat seinen Auslauf, sodaß da? Federvieh in seinen Gewohnheiten nicht beeinträchtigt worden ist. Es folgt dann die Molkereikoftballe, wo siebenhundert Gutterp roden und sechSlvmdert Mseproben 110 Preisrichter beschäftigen. Bemerkenswert ist weiterhin der Stand der Bergedorfer Eisenwerks mit der großen Buttermaschine, die dreißigtausend Liter Milch — zehntausend Liter Rahm in einem Arbeit sgang zu Butter verarbeiten.
Ein Weinrestaurant, drei Bierhallen «nd auch die Traubenweinkosthalle sorgen dafür, daß auch dem Durste abgebosfen werden kann Die große Scheune der Deutschen Zollbau-Gesellschaft ist merkwürdig, weif sie aus steinen La- mellen zusammengesetzt ist und keinerlei Gebälk enthält. Eine Stabt in einer Großstadt, das tst die 30. Landwirtschaftliche Wanderausstellung. Die Unkosten werden auf nmb eine Million Goldmark berechnet. Davon wird ein Drittel durch die Standgelder gedeckt. Die restlichen zwei Drittes sollen durch Eintrittsgelder «rfgebracht werden.
Einzig in ihrer Art ist die Erzeugnishalle, wottn alle landwirtschaftlichen Pro- dufte ausgestellt worden sind. Die Größe dieser Halle von rund fünftausend Quadratmetern läßt eine Vorstellung zu, was hier alles dem Ange deS Besuchers geboten wird. Rach dem Verlassen der Halle zieht der Bau des Kaliftzndi- katS das Auge an. Vor dem Bau erhebt sich das Standbild der Götttn der Fruchtbarkeit. in der Reckten ein Stück Kali doch emporhaftenb, in der Linken eine schwerährige Garbe. Weiter da« Hamburger Hau- mtt seiner Gemüsebauabteilung und der Kolonial-AuS- siellung der Deutschen Kolontal-Geseklschaft. Breit öffnet sich nun dem Blick der „Große Ring', auf der einen Seite begrenzt von einer etwa 2500 Sitzplätze fassenden Tribüne. Hier finden die VorfUhrungen der p t e n Tiere statt und halten i
Die AuZstellung steht im Zeichen der Rentenmark und stabiler Verbältnisse und hat habet schon aus diesem Grunde eine besondere Bedeutung, weil Käufer und Verkäufer sich unter 'Bebingungentresfen, die eine feste und genaue Rechnung und Abmachung zulassen. Deshalb ist es auch kaum verwunderlich, daß selbst der große Platz des Heiligengeistfeldes sich als zu klein für die große Zahl der Anmeldungen etteie?. In den benachbarten Anlagen des Scklacktviehhofes 'müffen daher di> angemetdeten 525 Rinder, 500 Schweine, 500 Schafe, 48 Ziegen und 235 Kaninchen Unterkommen, während für 355 Pferde und die Geflügel-UnZstellima auf dem Heiligengeistfeld Raum gefcha-fen ist. Hier finden sich weiter die Ausstellung der Landmaschinen, Ernte- und Bodenbearbeitungsmaschinen, die Ausstellung der Kutsch- und La^w-aen, die Donderausstellnna für bauswirlfchaftlicke Geräte. die Molkereikosthalle, Butter- und Käse- ausstellung. Im „Hwnkmraer Haus" sind zu- f-rmmenbängend die Ausnellunaen b?r Hamburger wissenschaftlichen Jisstttwe und lanvwirt- fchastlichen Vereine unteraebra*t. Die Svndi-
rung eine begreifliche Unruhe hervorgerufen. Fast die gesamte 150 000 Köpfe starke Bevölkerung gehört zur evangelischen Kirche. Die deutschen Geistlichen, 34 an der Zahl, haben diese neuerliche Vergewalrigung nicht ruhig hingenommen und dem Kirckenkommissar die Anerkennung rundweg versagt, worauf dieser mit der Enttassuna und Gebaltssv-rre antwortete.
Tie Dinge liegen im Augenblick so. daß auf der einen Seite die Geistlichkeit geschlossen mit der Bevölkeruna dasteht, während das litauische Landesdireftorium die Anordnungen ihres .KirchenkommissarS" mit Gewalt durchzusetzen versucht Das Memelland stobt also im Zeichen eines heftigen Kampfes zwischen Kirche und Staat. Man darf gesvannt sein, welche Schritte der Völkerbund, der ja dem Memelland Selbstverwaltung zugesichett hat, unternehmen wird, um den bedrängten Memelländern zu ihrem Reckt zu verhelfen.
Deutsche Landwirtschaft.
Gang durch die Hamburger Wanderausstellung.
Dieser Tage ist in Hamburg die 30. Landwirtschaftliche Wanderausstellung eröffnet worden, die seit dem März im Bau, auf dem gewaltigen Heiligengeistfelde ein imposantes Zeugnis von der ungebrochenen Kraft und dem eisernen Willen des deutschen Landwirts und der einschlägigen Jndusttie ablegt. Die Gilt» richtung der Ausstellung ist mustergültig. In drei Gruppen zergliedert (1. Tiere, 2. Erzeugnisse, 3. Maschinen und Geräte) ist sür alles bestens gesorgt. Drei Verwaltungsgebäude, Preffezimmer und eine besondere Post lassen die Großzügigkeit zur Genüge erkennen. Das Gelände ist durch Straßen aufgeteilt, woran die Stände der Aussteller liegen. Und hier ist so ziemlich alles vertreten, was in Deutschland in der Industrie und Landwirtschaft einen Namen bat. An der Hauptstraße liegt im Mittelpunkt des Geländes das Gebäude der Superphosphat- Jnbustti« gekrönt mit einer acht Meter ho- ben S ä m a n n s fi zur. Gegenüber hat Lanz-Mannheim seine Lokomobilen aufgestellt; darunter auch zwei bereits fünsunddrei- ßig Jahre im Betticb gewesene. Etwas weiter befindet sich in anmutigen Gartenanlagen der Ban des Stick st offsynbikats, der Stand deS Kruppschen Grnson-Werks mit ragenden Windturbinen und Wolf-Magdeburg mit seinen! maschinellen Erzeugnissen.
Draußen schlagen die Glocken der Kirchen. Immer, wenn die ein« aushSrl oder schon einige Schläge getan hat, fängt eint andere an. Und jede hat einen besonderen, eigenen Klang. ES ist, als läuteten sie an» ftemden Welten. Jede aus einer anderen, anS einer besseren, die unsere Sehnsucht nicht einmal mehr erreicht. Wie der Verliebte um das Gättchen der Liebten in den Nächten, da der Mond seinen Schatten in die blühenden Beete malt und ihn teer» rät, drückt sich der Wind um das Haus. Jegli-
die Uraufführung des Strindbergschen Märchen«, dvamas „Wu Easems Pantoffeln" statt. Strind- berg, der das Stück für feine junge Tochter schrieb, wollte etwas ganz Naives, Problemloses, Fröhliches schaffen. Aber ihm, dem düsteren MaguS des Nordens, gelingt nicht die Wirkung einer harmlosen Heiterkeit. Die Figuren' wirken blaß und freudlos.
** Wie find die Mondseen gefärbt? Zum ersten Male zeigte dieser Tage in London ein englischer Astronom eine farbige Photo- graphie des Mondes, worauf zu erkennen war, daß die Mondoberfläche in der Färbung gettocknetem Schlamm gleicht. Das Heber« raschendste aber soll die Tatsache sein, daß der große Mondsee Ferenttatts hellbraun schimmert. Es ist ein unregelmäßig schattiertes Braun mtt grünen Flecken. Man will die farbigen Mondphotographien in größe« rem Maßstabe fortfetzen.
MeeWim Mak.
Zum 60. Todestage Hermann v. GilmS.
Hermann von Gilm, der bedeutendste Lyriker Tirols, ist ein echter Sänger der Liebe, der Natur und der Heimat gewesen, dessen leidenschaftliches, stürmisch zerrissenes, ahr von glühender Siebe zur Schönheit und Freiheit erfülltes Poetenleben eine reiche Blüte wohllautender Lieder getragen hat Zur sechzigsten Wie- verkehr seines Todes ist jetzt eine wertvolle Bio- graphie von Dr. A. Dörrer erschienen, in der wir auch sehr viel Neues erfahren über den Aiu- enthalt des Dichters in Brunbeck, wo sein K- rühmtestes, zum Volkslied gewordenes Gedicht: „Stell auf den Tisch die duftenden Reseden" in feiner ersten Form entstand.
In der Geschichte dieses Liedes, die wir nun verfolgen können, spiegelt sich Gilms ganzes Wefen und Sein. Der leicht ent- flammte Poet, dessen dunkel faszinieronoer Er« scheinung die Frauenherzen zuflogen, mn doch von den Rätseln seiner Natur wieder abgestoßen zu werben, hatte in Brunneck, wo er bei seinem Bruder ein Heim fand, die r«i - zende Sophie Petter kennen gelernt, dir bet den Lieckhaber-^Heateranffuhrungen als sein« Partnerin erschien und ihm bald so nahe trat, daß er hoffte, an ihr einen Halt für sein leidenschaftlich schwankendes Lebensschiff zu finden. Am 1. Mai zog nun die ganze lustige Brunneckrr GeseUchast, zu der Gilm gehörte, unter Sana und Klang zur attbifchöflichen Keblbura hinaus, um daS M a i f e st zu begehen An diesem Tage wurde sich Gilm klar über seine Siebe zu ihr, und el entstanden nun im Sommer jene schönen «S ophi« n-Lieder', die den Dichter zum erstenmal auf der Höhe seiner Meisterschaft zei- gen. Am 1. Oktober bei Jahres sandte er nun seiner Sophie ein Erinnerungsgedicht an diesen ersten Mat. dos mit den Wotten beginnt: „Stell ans den Tisch die blühenden Reseden", und jete der drei Strophen mit dem Refrain schließt: „Dann denk' ick mir, es ist der erste Mai."
DasGlückvonBrunneckzerrannin
Der Völkerbund, jenes famose Produkt der Versailler Diktatoren, hat den Versuch gemacht, dem schwer unter litauischer Gewalt leidenden Memelgebiet feinen Schutz angedeiheu zu lassen. In Genf wurde infolgedessen ein sogenanntes Memelstatut ausgearbeitet, das bisher keine Partei zufriedengestellt hat, mn allerwenigsten die Litauer, denen auch nur der Schein eines gesetzlichen Schutzes der deutschen Minderheiten unbequem ist. Dieses Memelstatut, das heute Nock immer nicht in Kraft ist. gab ben Chauvinisten in Kowno neuen Anlaß, gegen die deutschen Memelländer vorzugehen.
Als Pe.neare seine Truppen ins Ruhrgebiet einmarsckteren ließ, da hielt man in Kowno die Sttiude sür gekommen, nun auch in das un- tkr dem Schutze des Völkerbundes, aber unter der militärischen Herrschaft der Franzosen stehende Memelgebiet einzubrechrn und es nach großen Vorbildern zu annektieren. Der litait- ,sch> Plan teere nicht gelungen, wenn die Memelländer allein im Lande gewesen wären. So aber hatten sie im Rücken die französische Besatzung, die sofort mit den litauischen Freischärlern fraternisierte und jede Freiheitsbewegung der bodenftändiaen Bevölkerung mit der Waffe in der Hand im Keime erstickte. Der französische Gouverneur verließ das Gebiet, der Völkerbund, entsprechend seiner Zusammensetzung, seiner ..Macht', ließ nichts von sich hören, um schließlich Ja und Amen zu sagen.
Litauen war also nun Herr in Memel! Genau wie in Polen, wie in derTschechoflowatei und anderen uns nicht wohlwollenden Staaten, begann man von Kowno aus das Memelgebiet
JtifenÄ «in. Kommers voraus, der durch Vorträge ugvereins verschönt wurde Auch beün Festgattk Sbienft in der Kirche trug bietet Verein reiMche Lieber vor. - In her Nacht vöm Tiens- tag znmi Mittwoch wurden dem Gastwirt Krav- fervauer Won hier aus einem Keller au der Lanb- Itnße Li ttör, Wein und andere Sachen von erheb- ^Mf'Lerte gestohlen. Ein sofort angeftchter pv«^'unb verfolgte die Spur in der Richtung lach Eh'sen. Wahrscheinlich glaubten He Diebe Milclae ves Festes nach den durchwachten Räch»
Nft itters ungestört arbeiten zu können. In Ropper-»be lief der Hund dreimal in dasselbe Haus. Das Nähere muß die Hnterfuchima ergeben.
Deutsche Landschaften, deutsche Städte fielen an Fremde, die ihr- Henker sind und bleiben, die uns und das Deutschtum hassen wie die Hölle. — Man verkiett darüber kein Wott. Man macht nur GeschAie, Verschleirdett deutsches Schafftn. deutsche Kunst und deittscke Arbeit, man schwatzt über Tand und Trödel. — Wo hätte man da für Deutschland noch Zett. — Und ei soll einmal Dumme gegeben haben, di« keinen anderen Gedanken, keine andere Sehnsucht kannten «nd für Deutschland mehr gelitten und ertragen, als ein Mensch fast vermag — eS soll noch Dumme gegeben bocken, die nach dem Un- glück von 1918 nickt schlafen konnten, die nichts an Deutschlands Unglück verdient und errafft, die darbten, weil Deutschland darbte — Zu den Dummen gehöre ich noch heute.
Aus Kunst und Wissen.
* Strinicherys MSrchcndrama ..Abu Casems Pantoffeln". Im Augsburger Stadttheater fand
Reften „herbstlich blasse Astern' treten und als Refrain daS melancholifche „Wie einst im Mai" erfcheint. Aber noch ist nicht die Form für ba° Gedicht „Allerseelen" gesunden, wie wir sie heute trnnen. Zehn Jahre noch trägt der Dichter an der Last feine? Lebens. Geistig und kör- Perlich ausgerieben, kebrt er in die Hei- mat zurück. Da taucht noch einmal die schöne Erinnerung in der Melodie dieses Liedes auf, und kurz vor seinem Tode legt er die letzte Sand an das Gedicht, daS nun zum vollendeten KunMerk wird. Nicht lang« ' sank er am 31. Mai 1864 inS Grab.
Deutscher Tag.
Von
Hereuum Vockrodt-KaxaeL
Der Frühling hat erweckt die deutschen Land« Nach langem Winterschlaf in dunkler Nacht, Doch nicht nur Blumen brachte er und Sonnch Auch unser Volk ist mit dem Lenz erwacht!
At« jäntyt» Sprießen, neugeschenfteS Leben Rach Winterstürmen hell sich offenbart, So stehn auch wir, den Gott des LichtS zu grüßeit Im Siegeswillen hier vereint geschatt!
Bekennerumt und Mannesstolz sich paaren, Im alten Zeichen deutscher Zucht und Att; Mr haben, was die Väter uns geschafsen. Auch in der Hölle uns'rer Zeit gewahrt.
Heil sei drum diesem schönsten aller Tage, Der, deutsche Männer heute hier vereint, Er sei dem Frühling, Deutschlands Auferstehell, Der deutschen Hoffnung, deutscher Kraft geweckt!